Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Propaganda und Männerbewegung

Texaco, Thursday, 13.05.2004, 00:20 (vor 7940 Tagen)

Hier ist eine Website, die den einen oder anderen hier vielleicht interessiert. Im wesentlichen geht es darum, daß in den USA (und nur dort?) die Propaganda überhand genommen hat, weil immer mehr "Think Tanks" die Öffentlichkeit mit gefärbten "Informationen" und "Forschungsergebnissen" versorgen. Die Macher der Site sind eher links orientiert und konzentrieren sich auf die Praktiken der Konservativen, der Republikaner und des Big Business. Das bedeutet nicht, daß die andere Seite nicht ähnliches auch betreibt. Vielleicht brauchen sie keine Spenden - sie können ihr Zeug an den Unis fabrizieren.

Interessant hieran ist nun zweierlei:

1. Angesprochen werden meist ganz bestimmte Zielgruppen. Unzufriedene, durch den Feminismus diskriminierte Männer sind eine solche Gruppe. Gelingt es einer Partei, solche Gruppen an sich zu binden, dann hat sie bessere Aussichten bei der nächsten Wahl. Das heißt aber noch lange nicht, daß Think Tanks auch helfen, Forderungen für sie zu formulieren. Wer schon mal mensnewsdaily gelesen hat, braucht gar nicht mehr zu fragen, woher dort das Geld kommt. Die Seite will eine bestimmte Zielgruppe beeinflussen, aber nicht vertreten.

2. Auch das Independet Women's Forum wird genannt. (Die Gegenseite aber nicht - linkes Auge blind.) Entstanden ist es aus einer ad hoc Gruppe aus einem der ersten Sexual Harassment Skandale namens "Frauen für Thomas". Das war ein schwarzer, konservativer Kandidat für den Supreme Court, der von einer ebenfalls schwarzen Ex-Studentin beschuldigt wurde.

Ich bin erst vor kurzem auf diese Site gestoßen und weiß noch nicht so recht, was ich davon halten soll.

Und was das für uns in Deutschland bedeutet. Einerseits werden solche Sauereien wie mit der Riesterrente usw,usw,usw niemals zu verhindern oder zu beheben sein, wenn sich keine Gruppe findet, die explizit nur für Interessen von Männern Position bezieht und nicht zum Verstummen zu bringen ist, bis ihre Forderungen erfüllt sind (Rezept Nervensäge). Sonst behalten die Femis auf ewig die Lufthoheit über den Stammtischen.

Es reicht nicht, daß es viele Männer in hohen Positionen gibt, die offensichtlich sexistischen Schwachsinn auch als solchen erkennen und Widerstand leisten. (Warum sind denn die Gleichstellungspläne ab Feldwebel in die Presse gekommen, als die demütigenden Irak-Bilder in aller Munde waren?) Am Ende nerven die Femis einfach immer weiter, und irgendwann kriegen sie wieder mal, was sie wollen.

Andererseits muß man eben auch aufpassen, sich mit seinen eigenen Anliegen nicht instrumentalisieren zu lassen. Wer woanders als Querkopf gilt und nicht mehr dazugehört, ist froh, seine Gedanken publizieren zu können und vielleicht sogar noch bezahlt zu werden. Solche Querköpfe können für Propagandisten sehr wertvoll sein: Ihnen folgen andere frisch Enttäuschte. Die sind eventuell gerade an einem Punkt in ihrem Leben angelangt, an dem sie so bereit wie sonst nie sind, ihre früheren Überzeugungen radikal zu verändern. Und wenn sie einem Querkopf gefolgt sind, dann lesen sie vielleicht auch die anderen Artikel einer Website wohlwollender.

Mein Eindruck - wenn auch nur ein flüchtiger - ist, daß das genau das Konzept der vulgär-neoliberalen Publikation "eigentümlich frei" ist. Und wenn man beobachtet hat, wie sich einige aus M&M's Forum politisch entwickelt haben, dann paßt das ziemlich gut dazu.

Link:http://www.disinfopedia.org/wiki.phtml?title=Disinfopedia

Re: Propaganda und Männerbewegung

Sebastian, Thursday, 13.05.2004, 01:15 (vor 7940 Tagen) @ Texaco

Als Antwort auf: Propaganda und Männerbewegung von Texaco am 12. Mai 2004 21:20:04:

Hier ist eine Website, die den einen oder anderen hier vielleicht interessiert. Im wesentlichen geht es darum, daß in den USA (und nur dort?) die Propaganda überhand genommen hat, weil immer mehr "Think Tanks" die Öffentlichkeit mit gefärbten "Informationen" und "Forschungsergebnissen" versorgen. Die Macher der Site sind eher links orientiert und konzentrieren sich auf die Praktiken der Konservativen, der Republikaner und des Big Business. Das bedeutet nicht, daß die andere Seite nicht ähnliches auch betreibt. Vielleicht brauchen sie keine Spenden - sie können ihr Zeug an den Unis fabrizieren.
Interessant hieran ist nun zweierlei:
1. Angesprochen werden meist ganz bestimmte Zielgruppen. Unzufriedene, durch den Feminismus diskriminierte Männer sind eine solche Gruppe. Gelingt es einer Partei, solche Gruppen an sich zu binden, dann hat sie bessere Aussichten bei der nächsten Wahl. Das heißt aber noch lange nicht, daß Think Tanks auch helfen, Forderungen für sie zu formulieren. Wer schon mal mensnewsdaily gelesen hat, braucht gar nicht mehr zu fragen, woher dort das Geld kommt. Die Seite will eine bestimmte Zielgruppe beeinflussen, aber nicht vertreten.
2. Auch das Independet Women's Forum wird genannt. (Die Gegenseite aber nicht - linkes Auge blind.) Entstanden ist es aus einer ad hoc Gruppe aus einem der ersten Sexual Harassment Skandale namens "Frauen für Thomas". Das war ein schwarzer, konservativer Kandidat für den Supreme Court, der von einer ebenfalls schwarzen Ex-Studentin beschuldigt wurde.
Ich bin erst vor kurzem auf diese Site gestoßen und weiß noch nicht so recht, was ich davon halten soll.
Und was das für uns in Deutschland bedeutet. Einerseits werden solche Sauereien wie mit der Riesterrente usw,usw,usw niemals zu verhindern oder zu beheben sein, wenn sich keine Gruppe findet, die explizit nur für Interessen von Männern Position bezieht und nicht zum Verstummen zu bringen ist, bis ihre Forderungen erfüllt sind (Rezept Nervensäge). Sonst behalten die Femis auf ewig die Lufthoheit über den Stammtischen.
Es reicht nicht, daß es viele Männer in hohen Positionen gibt, die offensichtlich sexistischen Schwachsinn auch als solchen erkennen und Widerstand leisten. (Warum sind denn die Gleichstellungspläne ab Feldwebel in die Presse gekommen, als die demütigenden Irak-Bilder in aller Munde waren?) Am Ende nerven die Femis einfach immer weiter, und irgendwann kriegen sie wieder mal, was sie wollen.
Andererseits muß man eben auch aufpassen, sich mit seinen eigenen Anliegen nicht instrumentalisieren zu lassen. Wer woanders als Querkopf gilt und nicht mehr dazugehört, ist froh, seine Gedanken publizieren zu können und vielleicht sogar noch bezahlt zu werden. Solche Querköpfe können für Propagandisten sehr wertvoll sein: Ihnen folgen andere frisch Enttäuschte. Die sind eventuell gerade an einem Punkt in ihrem Leben angelangt, an dem sie so bereit wie sonst nie sind, ihre früheren Überzeugungen radikal zu verändern. Und wenn sie einem Querkopf gefolgt sind, dann lesen sie vielleicht auch die anderen Artikel einer Website wohlwollender.
Mein Eindruck - wenn auch nur ein flüchtiger - ist, daß das genau das Konzept der vulgär-neoliberalen Publikation "eigentümlich frei" ist. Und wenn man beobachtet hat, wie sich einige aus M&M's Forum politisch entwickelt haben, dann paßt das ziemlich gut dazu.
Link:http://www.disinfopedia.org/wiki.phtml?title=Disinfopedia

von welcher gruppe wirst du finanziert? :)

Re: Propaganda und Männerbewegung

Max, Friday, 14.05.2004, 00:30 (vor 7939 Tagen) @ Texaco

Als Antwort auf: Propaganda und Männerbewegung von Texaco am 12. Mai 2004 21:20:04:

Hi Texaco,

Andererseits muß man eben auch aufpassen, sich mit seinen eigenen Anliegen nicht instrumentalisieren zu lassen. Wer woanders als Querkopf gilt und nicht mehr dazugehört, ist froh, seine Gedanken publizieren zu können und vielleicht sogar noch bezahlt zu werden. Solche Querköpfe können für Propagandisten sehr wertvoll sein: Ihnen folgen andere frisch Enttäuschte. Die sind eventuell gerade an einem Punkt in ihrem Leben angelangt, an dem sie so bereit wie sonst nie sind, ihre früheren Überzeugungen radikal zu verändern. Und wenn sie einem Querkopf gefolgt sind, dann lesen sie vielleicht auch die anderen Artikel einer Website wohlwollender.
[quote]Mein Eindruck - wenn auch nur ein flüchtiger - ist, daß das genau das Konzept der vulgär-neoliberalen Publikation "eigentümlich frei" ist. Und wenn man beobachtet hat, wie sich einige aus M&M's Forum politisch entwickelt haben, dann paßt das ziemlich gut dazu.
[/quote]

...interessanter Gedankengang, den ich so auch noch nicht gedacht hatte.
So auf die Schnelle gebe ich dir allerdings recht: Wenn ich mir ueberlege, welche Positionen ich noch vor drei Jahren im Brustton der tiefsten Ueberzeugung mit Zaehnen und Klauen verteidigt haette, dann wird mir heute fast schlecht. Ich kann es kaum fassen, dass ich mich bis dahin fuer einen Linken und dem Feminismus wohlwollend gesonnenen, irrsinig aufgeklaerten Zeitgenossen gehalten habe. Das wirft natuerlich Fragen nach der Berechtigung meiner jetzigen Standpunkte auf - womoeglich sind die auch noch nicht der Weisheit allerletzter Schluss.
Dass "eigentuemlich frei" eine "vulgaer-neoliberale Publikation" sein soll: Der guten Ordnung halber weise ich hier darauf hin, dass es sich dabei lediglich um eine Texaco-Definition handelt. Ich halte "ef" weder fuer vulgaer noch fuer neo-irgendwas, und ich warne sehr davor, diese Publikation mit einem Etikett versehen zu wollen. Dass sie allerdings der althergebrachten Gutmenschendenke eine Dorn im Auge sein muss, - das ist klar. Insofern betrachte ich deine Etikettierung solange als Diffamierung, bis du hier dargelegt hast, was an "ef" vulgaer-neoliberal sein soll.
Wird wohl muehsam werden....

Freundlicher Gruss -

Der wider den Stachel loeckt - Max

Vulgär-Neoliberalismus

Texaco, Friday, 14.05.2004, 15:26 (vor 7938 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: Propaganda und Männerbewegung von Max am 13. Mai 2004 21:30:

Hallo Max! Schön dass Du antwortest!

Dass "eigentuemlich frei" eine "vulgaer-neoliberale Publikation" sein soll: Der guten Ordnung halber weise ich hier darauf hin, dass es sich dabei lediglich um eine Texaco-Definition handelt. Ich halte "ef" weder fuer vulgaer noch fuer neo-irgendwas, und ich warne sehr davor, diese Publikation mit einem Etikett versehen zu wollen. Dass sie allerdings der althergebrachten Gutmenschendenke eine Dorn im Auge sein muss, - das ist klar. Insofern betrachte ich deine Etikettierung solange als Diffamierung, bis du hier dargelegt hast, was an "ef" vulgaer-neoliberal sein soll.
Wird wohl muehsam werden....

Richtig, das würde mühsam werden, und deshalb habe ich auch nur von einem flüchtigen Eindruck gesprochen. Ich verzichte jetzt einfach mal auf den Nachweis, ob und wann wer irgendeine Position vertreten hat. Keine Lust drauf im Moment. Mir ist das letztlich egal, ob sie "vulgär-neoliberal" sind oder nicht. Aber ich erkläre jetzt kurz, was ich gemeint habe:

Es scheint ein Allgemeinplatz geworden zu sein, daß der Staat sich aus möglichst allem raus halten sollte. Gemeint ist damit erstens, daß der einzelne um sich selbst zu kümmern hat , anstatt sich von Vater Staat bemuttern zu lassen. Dem stimme ich im Prinzip zu. Zweitens kann das heißen, der Staat solle bestimmte - am besten - alle Leistungen der Privatwirtschaft überlassen. Unterstellt wird dann, daß der Staat aus sich selbst versorgenden Bürokraten besteht, während in der Privatwirtschaft alles ganz super toll kundenfreundlich funktionieren wird. Auch hier kann man viele Beispiele anführen, bei denen das zutrifft, etwa den Bereich Telekommunikation. Ein zweiter Allgemeinplatz ist, daß bornierte "Gutmenschen" letztlich doch immer nur eins wollen: mehr Staat.

Man muß aber auch sehen, daß es viele Bereiche gibt, auf die das absolut nicht zutrifft / zutreffen würde. Im Irak haben die USA Sicherheitsdienste, bestehend aus ehemaligen US-Söldnern, angegeheurt. Dieses Outsorcing macht es Menschenrechtsgruppen schwerer, die Regierung an den Pranger zu stellen. Hurra! Wer in Aktien investiert hat, hat oft feststellen müssen, daß der Markt nicht nur für ihn arbeitet, weil die Analysten seiner Bank nicht sein Wohl, sondern das ihrer Unternehmenskredite im Blick hatten. Hurra! Nieder mit der staatlichen Rente! Wer Straßen benutzt, kann froh sein, daß sie nicht von einem privatwirtschaftlich kalkulierenden Unternehmen gebaut und betrieben werden - sonst gäbe es Streckenstilllegungen wie bei der Bahn. Usw.

Was man so "neoliberale Positionen" nennt ist in vielem vermutlich richtig. "Vulgär" wird es dann, wenn man dieselbe Theorie allen Sachverhalten überstülpen will, ob sie nun passen oder nicht.

Soweit, so simpel. Ob das nun auf "ef" zutrifft oder nicht, ist mir wie gesagt letztlich wurscht. Müssen Macher und Leser selbst wissen. Ich lese das Zeug nicht.

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