Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Vermuttert

Odin, Wednesday, 12.05.2004, 14:31 (vor 7940 Tagen)

Lebenszeichen
Vermuttert
Harald Martenstein fürchtet die Männer der Zukunft

Im Grunde mag ich Mütter. Trotzdem ist es an der Zeit, einmal eine Lanze gegen die Mütter zu brechen. Es gibt nicht genug Kind. Aber es gibt zu viel Mutter. Früher mussten sich drei oder sieben Kinder eine Mutter teilen. Heute sind es ein bis zwei. Der Mutterquotient, also der Prozentsatz von Mütterlichkeit pro Kind, ist in unserer Gesellschaft seit Jahren ununterbrochen gestiegen. Das einzige wertvolle Gut, von dem es in Deutschland pausenlos immer mehr gibt, ist Mutter.

Man sagt, dass Männer mit einer engen Mutterbeziehung häufig sonderlich werden. Wenn stimmt, was man sagt, kommt auf unser Land in den kommenden Jahrzehnten eine Springflut von sonderlichen Männern zu. In 30 Jahren sitzen morgens in der U-Bahn nur noch Sonderlinge. Sie schauen sich gegenseitig sonderbar an. Sie haben sonderbare Flecken auf dem Hemd, tragen sonderbare Frisuren und zwei verschiedenfarbige Socken. Ihre uralten Mütter bringen sie ins Büro. Der deutsche Kanzler wird reden und aussehen wie Mr. Bean. Ich hoffe sehr, dass ich dann nicht mehr da bin.

Ich habe über Mütter im Internet recherchiert. Wer Mütter eingibt, landet bei Mütter online. Bei Mütter online glotzt dich ein Typ an, von dem es heißt, er sei der Matze. Darunter steht: »Matzes Sprache ist derb und schmutzig.« Matze gehört zu der Comedy-Truppe Eure Mütter. Außerdem gibt es jede Menge Anzeigen auf der Mütterseite von Google. Ganz oben: »Frauen kennenlernen. Tausende Steckbriefe mit Bild.« Es folgt: »Traumfrau. Erotikfrau. Sie bekommen passende Vorschläge.« Anschließend: »Alleinerziehend und Single? Wir helfen gerne.« Das also findet man über Mütter im Internet. Ich glaube, der Ödipuskomplex hat sich auf eine Weise radikalisiert, die niemand auszusprechen wagt.

Eine Reihe von Frauen, die ich kenne, sind in letzter Zeit Mutter geworden. Ich rede von Claudia Schiffer, Verona Feldbusch, Frau Beckham, Madonna, Catherine Zeta-Jones. Ein paar Tage vor der Geburt haben sie sich fotografieren lassen, wie sie mit tiefem Dekolleté auf Partys einen draufmachen. Einen Tag nach der Geburt haben sie sich fotografieren lassen, wie sie in Sektlaune ein Bündel im Arm schwenken, das später einmal extrem sonderlich sein wird. 14 Tage nach der Geburt haben sie sich im Bikini beim Squashspielen fotografieren lassen oder wie sie an der Costa Smeralda mit Leonardo di Caprio nackt Bungee jumpen. Zum Muttertag kriegen sie von ihrem Mann einen Satz japanische Wurfmesser geschenkt, von ihrem Lover eine Einladung zum Einhandsegeln und von ihrem Fitnesstrainer ein mit Brillanten besetztes Kondom. Vor solchen Müttern habe ich Angst. Das ist wahrscheinlich reaktionär. Aber es ist ein authentisches Gefühl.

* Hören Sie diesen Artikel unter http://www.zeit.de/audio
http://www.zeit.de/2004/20/Titel_2fMartenstein_20

Re: Vermuttert /LOL - n/t

Max, Wednesday, 12.05.2004, 14:53 (vor 7940 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Vermuttert von Odin am 12. Mai 2004 11:31:38:

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Re: Vermuttert /LOL - n/t

Emmalein, Wednesday, 12.05.2004, 19:50 (vor 7940 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: Vermuttert /LOL - n/t von Max am 12. Mai 2004 11:53:01:

Hier wird es wieder schwierig, da Doppelmoral sich zeigt:

Wenn eine Frau ganz in ihrer Mutterrolle aufgeht und eben nicht mehr die absolut tolle Bikinifigur hat, ist sie eine fette Schlampe, die sich für nichts mehr interessiert.

Hat sie die tolle Bikinifigur und spielt sich auch noch Tennis, geht aus und vielleicht ihrem Beruf nach, ist sie die Rabenmutter.

Mein Tipp für alle Frauen: Sich nicht nach den Erwartungen von irgendwelchen Männern, ganz besonders nicht Maskulisten, richten. Sondern machen, was man selbst für richtig hält.

Es grüsst
das Emmalein

Re: Vermuttert

Pokemon, Thursday, 13.05.2004, 02:03 (vor 7940 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: Vermuttert /LOL - n/t von Emmalein am 12. Mai 2004 16:50:05:

Hallo!

Ich denke es ist schon so dass viele Kinder total übermuttert werden. Viele Frauen mit "nur" einem oder zwei Kinder benehmen sich wie die Glucken. Meine Freundin hat einen mittlerweile 13jährigen Sohn. Dieser Junge durfte mit 8 Jahren noch nicht alleine meine Schwester besuchen,und das obwohl er dabei noch nicht mal eine Straße überqueren musste. Ständig war seine Mutter dabei.Sie ist alleinerziehend, wohnt bei ihren Eltern und total auf ihren Jungen fixiert. Dieser ist, wie ich finde, ziemlich intelligent und fing schon früh an sich gegen ihre Extreme Aufmerksamkeit zu wehren. Das ging dann sogar so weit dass er gewalttätig wurde. Inzwischen hat es sich gegeben, aber im Alter von 4 oder 5 Jahren kam es häufig vor dass er sich gegen ihre ständige Anwensenheit mit kräftigen Schienbeintritten wehrte. Inzwischen ignoriert er sie einfach.

Meiner Meinung nach ist das Mutter-Sohn-Verhältnis schon ein wenig zu eng, sie fängt langsam an, ihn als Partnerersatz zu missbrauchen.

Ich denke es hat für Kinder nicht nur Vor- sondern auch viele Nachteile, Einzelkind zu sein. Jede Entwicklung, sei es körperlich oder geistig, wird genau überwacht und mit den schlauen Büchern verglichen, die man heute überall nachgeworfen bekommt. Kann ein Kind zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht genau das, was ihm die Bücher vorschreiben, wird zum Arzt gerannt und das Kind auf eventuelle Fehler untersucht. Jede Bewegung, jede Entwicklung wird überwacht und genau analysiert. Ist mein Kind normal?

Das erstickt meiner Meinung nach jegliche Spontanität im Keim. Wenn jeder Bewegung überwacht und jeder Fehler diskutiert wird ist es kein Wunder wenn das Kind kaum noch Eigeninitiative zeigt. Klappt etwas nicht, wird zur Mama gerannt, die wird es schon richten. Bloß nicht selbst versuchen, das Problem zu lösen, man könnte ja etwas falsch machen. Viele Mütter stehen wirklich die ganze Zeit neben ihrem Kind, nur um bei einem Problemchen sofort eingreifen zu können. Keine Chance für das Kind, das Problem erst einmal selbst anzugehen.

Sind mehrere Kinder im Haushalt hat das einzelne Kind mehr Raum für eine individuelle Entwicklung. Es steht nicht dauernd unter Beobachtung und wird nicht ständig unter Druck gesetzt.

Apropo Druck: Um die Mütter in Schutz zu nehmen, auch sie bekommen häufig viel Druck von der Gesellschaft. Verwandte beäugen das Kind und beurteilen seine Entwicklung. Es wird eifrig verglichen mit Kindern aus der Nachbarschaft, die ja alle pünktlich laufen und reden konnten. Klappt es bei einem Kind nicht so gut, wird häufig die Mutter verantwortlich gemacht. Sie hätte ihr Kind ja mehr fördern können. Babyschwimmen, Musikalische Früherziehung, Säuglingsgymnasik, Babymassage, Motorisches Training im Babyalter, Englisch im Kindergarten usw.
Da werden Mütter auch ganz schön unter Druck gesetzt.

Was man auch nicht vergessen darf: Nicht selten werden Großfamilien als asozial eingestuft. Meine Bekannte, aufgewachsen mit 7 Geschwistern, kann davon ein Lied singen. Auch hier kommt häufig der Vorwurf, man könne sich doch nicht um so viele Kinder gleichzeitig richtig kümmern.

Re: Vermuttert /LOL - n/t

Darki, Thursday, 13.05.2004, 12:38 (vor 7939 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: Vermuttert /LOL - n/t von Emmalein am 12. Mai 2004 16:50:05:

Hier wird es wieder schwierig, da Doppelmoral sich zeigt:
Wenn eine Frau ganz in ihrer Mutterrolle aufgeht und eben nicht mehr die absolut tolle Bikinifigur hat, ist sie eine fette Schlampe, die sich für nichts mehr interessiert.
Hat sie die tolle Bikinifigur und spielt sich auch noch Tennis, geht aus und vielleicht ihrem Beruf nach, ist sie die Rabenmutter.
Mein Tipp für alle Frauen: Sich nicht nach den Erwartungen von irgendwelchen Männern, ganz besonders nicht Maskulisten, richten. Sondern machen, was man selbst für richtig hält.

Ich frag mich, wo du das ganze unsinnige Zeug her hast, was du "den Männern" unterstellst...

Aber es ist doch immer wieder schön, seine Klischees und Vorurteile zu pflegen, oder?

Es grüsst
das Emmalein

Darki

Re: Vermuttert /LOL - n/t

Odin, Friday, 14.05.2004, 01:43 (vor 7939 Tagen) @ Darki

Als Antwort auf: Re: Vermuttert /LOL - n/t von Darki am 13. Mai 2004 09:38:07:

Hier wird es wieder schwierig, da Doppelmoral sich zeigt:
Wenn eine Frau ganz in ihrer Mutterrolle aufgeht und eben nicht mehr die absolut tolle Bikinifigur hat, ist sie eine fette Schlampe, die sich für nichts mehr interessiert.
Hat sie die tolle Bikinifigur und spielt sich auch noch Tennis, geht aus und vielleicht ihrem Beruf nach, ist sie die Rabenmutter.
Mein Tipp für alle Frauen: Sich nicht nach den Erwartungen von irgendwelchen Männern, ganz besonders nicht Maskulisten, richten. Sondern machen, was man selbst für richtig hält.

Ich frag mich, wo du das ganze unsinnige Zeug her hast, was du "den Männern" unterstellst...
Aber es ist doch immer wieder schön, seine Klischees und Vorurteile zu pflegen, oder?

Laß sie doch trollen

Re: Vermuttert

Sebastian, Wednesday, 12.05.2004, 14:58 (vor 7940 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Vermuttert von Odin am 12. Mai 2004 11:31:38:

Lebenszeichen
Vermuttert
Harald Martenstein fürchtet die Männer der Zukunft
Im Grunde mag ich Mütter. Trotzdem ist es an der Zeit, einmal eine Lanze gegen die Mütter zu brechen. Es gibt nicht genug Kind. Aber es gibt zu viel Mutter. Früher mussten sich drei oder sieben Kinder eine Mutter teilen. Heute sind es ein bis zwei. Der Mutterquotient, also der Prozentsatz von Mütterlichkeit pro Kind, ist in unserer Gesellschaft seit Jahren ununterbrochen gestiegen. Das einzige wertvolle Gut, von dem es in Deutschland pausenlos immer mehr gibt, ist Mutter.
Man sagt, dass Männer mit einer engen Mutterbeziehung häufig sonderlich werden. Wenn stimmt, was man sagt, kommt auf unser Land in den kommenden Jahrzehnten eine Springflut von sonderlichen Männern zu. In 30 Jahren sitzen morgens in der U-Bahn nur noch Sonderlinge. Sie schauen sich gegenseitig sonderbar an. Sie haben sonderbare Flecken auf dem Hemd, tragen sonderbare Frisuren und zwei verschiedenfarbige Socken. Ihre uralten Mütter bringen sie ins Büro. Der deutsche Kanzler wird reden und aussehen wie Mr. Bean. Ich hoffe sehr, dass ich dann nicht mehr da bin.
Ich habe über Mütter im Internet recherchiert. Wer Mütter eingibt, landet bei Mütter online. Bei Mütter online glotzt dich ein Typ an, von dem es heißt, er sei der Matze. Darunter steht: »Matzes Sprache ist derb und schmutzig.« Matze gehört zu der Comedy-Truppe Eure Mütter. Außerdem gibt es jede Menge Anzeigen auf der Mütterseite von Google. Ganz oben: »Frauen kennenlernen. Tausende Steckbriefe mit Bild.« Es folgt: »Traumfrau. Erotikfrau. Sie bekommen passende Vorschläge.« Anschließend: »Alleinerziehend und Single? Wir helfen gerne.« Das also findet man über Mütter im Internet. Ich glaube, der Ödipuskomplex hat sich auf eine Weise radikalisiert, die niemand auszusprechen wagt.
Eine Reihe von Frauen, die ich kenne, sind in letzter Zeit Mutter geworden. Ich rede von Claudia Schiffer, Verona Feldbusch, Frau Beckham, Madonna, Catherine Zeta-Jones. Ein paar Tage vor der Geburt haben sie sich fotografieren lassen, wie sie mit tiefem Dekolleté auf Partys einen draufmachen. Einen Tag nach der Geburt haben sie sich fotografieren lassen, wie sie in Sektlaune ein Bündel im Arm schwenken, das später einmal extrem sonderlich sein wird. 14 Tage nach der Geburt haben sie sich im Bikini beim Squashspielen fotografieren lassen oder wie sie an der Costa Smeralda mit Leonardo di Caprio nackt Bungee jumpen. Zum Muttertag kriegen sie von ihrem Mann einen Satz japanische Wurfmesser geschenkt, von ihrem Lover eine Einladung zum Einhandsegeln und von ihrem Fitnesstrainer ein mit Brillanten besetztes Kondom. Vor solchen Müttern habe ich Angst. Das ist wahrscheinlich reaktionär. Aber es ist ein authentisches Gefühl.
* Hören Sie diesen Artikel unter http://www.zeit.de/audio
http://www.zeit.de/2004/20/Titel_2fMartenstein_20

recht hat er ;).

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