Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Sadismus, ... sogar von Frauen

Pokemon, Sunday, 09.05.2004, 21:16 (vor 7943 Tagen) @ Sven

Als Antwort auf: Sadismus, ... sogar von Frauen von Sven am 09. Mai 2004 10:26:27:

Eine andere Botschaft vermitteln die „Souvenirbilder“ aus dem Irak, die Gefangene als Statisten sadistischer Inszenierungen vorführen, während sich Wärter, als Regisseure, an der Blöße und Ohnmacht der Opfer ergötzen. Diese Bilder sind nicht gegen die Angst geschossen. Hier toben sich Männer wie Frauen auf verbrecherische Weise an Wehrlosen aus. Dass sie fotografieren, demonstriert ihre Annahme, in einer Sphäre der Straflosigkeit zu agieren.

Wie ich schon einmal sagte: Mir macht die Vorstellung Angst, zu was die Menschen in Ausnahmesituationen fähig sind wenn sie (scheinbar) sicher vor jeglicher Strafverfolgung sind. Und deshalb finde ich die Äußerung eines Bekannten, er wäre nicht davon überzeugt, sich auch in extremen Stresssituationen noch wie ein "zivilisierter" Mensch benehmen zu können. In solchen Situationen kommt das Böse in Menschen zutage. Ich will jetzt nicht wie viele Ökos das tun, die Tiere bis in den Himmel loben. Aber das ein Tier einen Artgenossen ohne Grund angreift und ihn auch dann noch verletzt wenn dieser sich schon längst ergeben hat, kommt wohl sehr selten vor. Woran liegt das? Liegt es daran dass die Tiere an Stresssituationen z. B. bei der Jagd gewöhnt sind? Dass wir Menschen uns in den letzten Jahrhunderten extrem schnell entwickelt haben, so schnell dass unsere Instinkte nicht folgen konnten?

Freud folgerte, Zivilisation bedeute das Einengen der Triebbefriedigung. Solche Normen verhüteten allerdings das Ärgste – die Regression in infantile Muster, zu grausamem Verhalten.

Ist die Kultur schuld? Haben wir uns selbst in irgendwelche Rollen gezwungen?

Dennoch sind sexualisierte Gewalt und ihre Verquickung mit dem Politischen noch immer weit gehend Tabu. So sehr sogar, dass einer wie Pierre Richard Prosper, US-Sonderbeauftragter für Kriegsverbrechen, erst kürzlich erklärte, während des Ruanda-Tribunals begriffen zu haben, dass sexuelle Gewalt ein Schwerverbrechen sei.

Schön, dass er es jedenfalls begriffen hat. Massenvergewaltigung ist nur eine Art der Kriegsführung, die auch auf psychologischem Gebiet ihre Auswirkungen hat. Entehrte Frauen, gedemütigte Männer, der Kampfgeist wird gebrochen, eine ganze Gesellschaft traumatiesiert. Nicht umsonst wurden im Kosovokrieg die Schreie vergewaltigter Frauen auf Band aufgenommen und laut in den Dörfern abgespielt. Man wusste genau dass man damit auch die Familien entehrte. Ein Nachteil von bestimmten Kulturen.

Die Folterbilder aus dem Irak, auf denen auch Frauen als Täterinnen auftreten, sind das Gegenteil eines Bildersturms – ein Sturm der Bilder, der das Zivilisatorische verwüstet. Sie scheinen Freuds Befürchtung plakativ zu bestätigen, dass Ohnmacht niedrigste Instinkte provoziert.

Oft scheint es mehr die vollkommene, absolute Macht zu sein, die solche Taten möglich macht.


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