Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Frauenrabatt beim Autokauf

Ferdi, Monday, 26.04.2004, 02:46 (vor 7957 Tagen) @ Collantix

Als Antwort auf: Frauenrabatt beim Autokauf von Collantix am 25. April 2004 22:24:31:


Hi Collantix!

Was es nicht alles gibt! Auf der deutschen Webseite von Kia gibt es diesen Frauenbonus nicht. Das ist interessant. Trauen die sich das hierzulande nicht? Was soll's. Erstens bin ich kein Freund von Reisschüsseln und zweitens wohne ich nicht in Österreich.

Aber zu dem ganzen Mist passt dies:

General-Anzeiger Bonn, Samstagsausgabe.

Gleichberechtigung kontra Versicherungsmathematik

BERLIN Kurz vor der Neuregelung der Riester-Rente ist ein Streit um die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in der privaten Altervorsorge entbrannt. Politikerinnen aller Fraktionen fordern so genannte Unisex-Tarife bei der Förderrente. "Frauen erfahren eine doppelte Benachteiligung", kritisiert die frauenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Christel Humme.

Sie würden im Berufsleben weniger verdienen als Männer und müssten zugleich höhere Beiträge für die Privatrente bezahlen. Derzeit müssen Frauen für die private Rentenpolice rund 15 % höhere Beiträge bezahlen, wenn sie im Alter eine gleich hohe Rente wie Männer haben wollen. Die Versicherungen begründen dies mit der vier Jahre höheren Lebenserwartung von Frauen. Doch das Argument lassen die Politikerinnen nicht gelten.

"Versicherungsmathematik steht nicht im Grundgesetz", erläutert Humme, "Gleichberechtigung schon". Die Frauen bilden dabei eine grosse Koalition. Die Grünen setzen sich ohnehin für Unisex-Tarife ein und aus der Union erhalten die Befürworter ebenfalls Unterstützung. "Entweder haben wir gleiche Tarife für Männer und Frauen oder die Förderung der privaten Altersvorsorge von staatlicher Seite muss für Frauen besser werden", verlangt die stellvertretende Fraktionschefin der Union, Maria Böhmer.

Ende nächster Woche befasst sich der Bundestag mit den Rentengesetzen. Dabei sollen unter anderem die Regelungen der Riester-Rente vereinfacht werden. Die Parlamentarierinnen wollen die Anbieter von privaten Förderrenten bei dieser Gelegenheit zu Unisex-Tarifen verpflichten. Dagegen sind aber vor allem die Finanzpolitiker in den Fraktionen.

Sie befürchten, dass Männer keine Riester-Rente mehr abschliessen, wenn sie höhere Beiträge bezahlen müssen. Spätestens am Dienstag will die SPD-Fraktion eine gemeinsame Linie finden. Die Finanzexperten haben als Kompromiss angeboten, alle neu zugelassenen Riester-Angebote zur Gleichbehandlung zu verpflichten. Für die 3500 bestehenden Sparverträge würde damit alles beim Alten bleiben. Das lehnt Humme ab. Jeder neu abgeschlossene Vertrag müsse einheitlich sein. Sozialministerin Ulla Schmidt wagt den verbalen Spagat. Sie sei für Unisex-Tarife, wenn Männer dadurch nicht benachteiligt werden, lautet die Sprachregelung des Ministeriums.

Eine Modellrechnung des DGB zeigt, wie sich die unterschiedliche Behandlung durch Banken und Versicherungen auswirkt. Eine Frau und ein Mann zahlen ab dem 20. Lebensjahr jeden Monat 100 Euro in einen Pensionsfonds ein. Mit 65 Jahren erhält der Mann eine Monatsrente von 1576 Euro, die Frau 1377 Euro Rente. "Und das nur, weil sie eine Frau ist", kritisiert die stellvertretende DGB-Chefin Ursula Engelen-Kefer. Die Gewerkschaften halten die ungleiche Behandlung für verfassungswidrig, weil der Gleichberechtigungsgrundsatz des Grundgesetzes missachtet werde.

Quelle: General-Anzeiger Bonn, 24. April 2004

Auf einmal wird das Grundgesetz zitiert. Aber wenn es um die Grundgesetzverletzung der Männerwehrpflicht geht, dann wird das Grundgesetz nicht angewendet und so getan, als ob der Artikel 3 nicht existierte. Für Männer gibt es den Artikel 12a, für Frauen den Artikel 3. Schöne Gleichberechtigung, kann ich da nur sagen. Vor diesem Hintergrund kann man wohl schon etwas mehr verstehen, wenn ich mich darüber freue, dass wenigstens die Naturgesetze nicht nach freiem Gutdünken manipuliert werden können.

Das Grundgesetz greift immer nur dann, wenn es um die Besserstellung von Frauen geht. Geht es auch nur um wahre Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, dann ist das Grundgesetz auf einmal das Papier nicht mehr wert, auf dem es steht.

Gruss,
Ferdi


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