Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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OT: Mythen über Deutschlands Wirtschaft

Norbert, Thursday, 22.04.2004, 11:14 (vor 7960 Tagen)

Hi
Ein schöner Artikel in der 'Zeit'

Realistische Bewertung der 'Errungenschaften der CDU-Regierungen Kohl'
Und aufzeigen der Verlogenheit bzw. Unfähigkeit deutscher Manager.
Falsche Zahlen liefern eben nicht nur die FeministInnen.

Mythen über Deutschlands Wirtschaft

Die Fehler der Regierungen: SPD/FDP, CDU/CSU/FDP, SPD/Grünen werden damit natürlich nicht entschuldigt.

Vor allem die gravierenden Fehlentwicklungen im Familienrecht.

Gruß
Norbert

Sehr guter Artikel...

Paul, Thursday, 22.04.2004, 13:37 (vor 7960 Tagen) @ Norbert

Als Antwort auf: OT: Mythen über Deutschlands Wirtschaft von Norbert am 22. April 2004 08:14:23:

In der Tat ein sehr guter Artikel, der viele Dinge zurechtrückt.

Daß in Deutschland eben nicht alles schlecht und im Ausland alles gut ist, weiß aber eigentlich auch jeder, der geschäftlich mit dem Ausland zu tun hat. Daß es in den USA z.B. fast unmöglich ist einen halbwegs kompetenten Handwerker zu finden, die Mitarbeiter dort bei Dienstschluß normalerweise alles stehen und liegen lassen und die Produktivtät pro Arbeitsstunde weit unter der Deutschlands liegt - das wird hierzulande ja gerne verschwiegen. Stattdessen redet man den Deutschen seit mehr als einem Jahrzehnt ein, sie seien in jeder Beziehung "der letzte Dreck", um es mal salopp zu formulieren. Und wundert sich, wenn sich das auf die allgemeine Befindlichkeit niederschlägt.

Es ist hierzulande leider seit Jahren en vogue, hirnrissige Vergleiche zu anderen Ländern zu ziehen, die mit beiden Beinen hinken. In den späten 80ern und frühen 90ern tourten japanische Manager durch deutsche Talkshows und erklärten uns "wie man es richtig" macht. Daß die japanische Wirtschaft da schon längst im Sog eines deflationären Strudels war, interessierte keinen. Dann kriegen wir hanebüchene Vergleiche des deutschen Wirtschaftswachstums mit den des Staaten des ehemaligen Ostblocks unter die Nase gerieben - köstlicher Schwachsinn, denn jeder Ökonom wird bestätigen, daß hohes Wachstum aus einem relativ niedrigen Niveau heraus relativ leicht zu bewerkstelligen ist. Inzwischen müssen die wirtschaftlich glorifizierten USA herhalten, und wie toll dort alles ist. Daß das Wachstum dort auf einer riesigen Überschuldung der privaten Haushalte und gewaltigen Defiziten beruht, wird gerne verschwiegen. Diese tickende Zeitbombe wird früher oder später hochgehen.

Dann werden diejenigen, die jetzt noch sabbernd über den großen Teich schielen, "es schon immer gewusst haben."

Gruß,
Paul

Hi
Ein schöner Artikel in der 'Zeit'
Realistische Bewertung der 'Errungenschaften der CDU-Regierungen Kohl'
Und aufzeigen der Verlogenheit bzw. Unfähigkeit deutscher Manager.
Falsche Zahlen liefern eben nicht nur die FeministInnen.
Mythen über Deutschlands Wirtschaft
Die Fehler der Regierungen: SPD/FDP, CDU/CSU/FDP, SPD/Grünen werden damit natürlich nicht entschuldigt.
Vor allem die gravierenden Fehlentwicklungen im Familienrecht.
Gruß
Norbert

Re: Sehr guter Artikel...

Garfield, Thursday, 22.04.2004, 15:56 (vor 7960 Tagen) @ Paul

Als Antwort auf: Sehr guter Artikel... von Paul am 22. April 2004 10:37:06:

Hallo Paul!

Das Ganze hat System. Wenn jemand eine Gehaltsverhandlung mit seinem Chef hat, dann wird er natürlich kaum sowas sagen wie "also, eigentlich geht es mir prima und deshalb brauche ich gar keine Lohnerhöhung". Nein, er wird natürlich wortreich schildern, daß alles teurer geworden ist, daß er einen Kredit abzahlen und für Frau und Kind sorgen muß, er wird darlegen, daß er in letzter Zeit beruflich mehr Verantwortung übernommen und seine Qualifikation durch Schulungen verbessert hat usw. Eben, um soviel wie möglich herauszuschlagen.

Und genauso macht die Wirtschaft das in großem Maßstab auch. Untereinander versichern sich Unternehmer gern, wie gut es ihnen geht, aber in der öffentlichen Diskussion wäre sowas natürlich kontraproduktiv. Da muß man über hohe Steuern und hohe Lohnkosten jammern, um so irgendwelche Fördermittel, Steuererleichterungen oder Lohnkürzungen durchzukriegen. Das tut man so auch, wenn es dem Unternehmen tatsächlich prima geht - eben auch einfach, um soviel wie möglich herauszuschlagen.

Ergänzend zu diesem Artikel kann man noch anmerken, daß auch die Steuerbelastung der deutschen Wirtschaft keineswegs so hoch ist, wie immer wieder behauptet wird. Hoch sind in Deutschland lediglich die Nominalsteuern. Durch ein mittlerweile auch für Fachleute undurchsichtiges Wirrwarr aus Steuerabeschreibungsmöglichkeiten und anderen Vergünstigungen liegen die tatsächlich zu zahlenden Steuern aber deutlich unter diesen Nominal-Sätzen. Vor allem für Großunternehmen, die sich ganze Heere von Steuerfachleuten leisten können. Als die Bundesregierung Ende der 1990er Jahre mal vom OECD nach den real zu zahlenden Unternehmenssteuern in Deutschland gefragt wurde, konnte oder wollte man dazu keine Angaben machen und griff auf Zahlen zurück, die schon etwa 2 Jahre alt waren. Nach diesen Zahlen lag die reale Steuerbelastung für die deutsche Wirtschaft unter dem Steuer-Niveau Großbritanniens und der USA. Nur in Holland zahlten Unternehmen real noch weniger Steuern als in Deutschland.

Die Aufgabe des Staates besteht eigentlich darin, darauf zu achten, daß die Waage zwischen den Interessen der Unternehmen und den Interessen der bei diesen Unternehmen Beschäftigten möglichst in der Waagerechten bleibt. Bis um Zerfall des Ostblocks funktionierte das noch einigermaßen, obwohl damals auch schon Fehler gemacht wurden. Aber seit dem Zerfall des Ostblocks neigt sich die Waage immer mehr zugunsten der Unternehmen, und entgegen der allgemein verbreiteten Ansicht wirkt sich das keineswegs positiv für alle aus.

Noch geht es uns gut, aber wenn die Entwicklung so weitergeht, wird es uns bald wesentlich schlechter gehen. Schon jetzt zeichnet sich deutlich ab, daß sich immer mehr Besitz bei immer weniger Personen sammelt, während immer mehr Menschen kaum noch etwas besitzen. Die Mittelschicht in Deutschland bröckelt langsam, aber sicher weg, und wenn sie sich nahezu ganz aufgelöst hat, werden sich die allermeisten Menschen, die ihr jetzt noch angehören, nicht unter den Reichen wieder finden.

Mag sein, daß sich auf der Grundlage dann wieder etwas Positives entwickeln wird, aber sicher ist das keineswegs. Es kann genauso gut auch im Chaos enden. Deshalb sollte man es gar nicht soweit kommen lassen.

Nun mag sich mancher fragen, was das nun mit dem Thema des Forums zu tun hat. Diese Frage beantwortet sich, wenn man darüber nachdenkt, wer sich dann wohl in Zukunft zunehmend abstrampeln muß, um weiterhin noch die Familie zu ernähren. Und wer dann wohl sinkende Einkommen bei weniger sinkenden oder sogar steigenden Lebenshaltungskosten durch Teilzeitjobs oder Schwarzarbeit nach Feierabend und am Wochenende ausgleichen muß. Und wem dann obendrein weiterhin noch vorgeworfen werden wird, egoistischerweise nur an die eigene Karriere zu denken. Und wer denn wohl, wenn die öffentlichen Kassen durch die zunehmende Zahl von Sozialfällen immer stärker belastet sein werden, nach einer Scheidung auch weiterhin für den Unterhalt der Ex-Familie aufzukommen hat.

Freundliche Grüße
von Garfield

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