Re: Arbeitszeiten
Als Antwort auf: Re: Arbeitszeiten von stiller Mitleser
am 18. April 2004 20:08:53:
Hallo Mitleser!
Es geht dabei ja auch einzig und allein um Lohnkürzungen. Mittlerweile haben auch unsere Wirtschaftslenker begriffen, daß Lohnsenkungen sich negativ auf die Binnennachfrage auswirken und daß sie damit ihre eigenen Märkte in Deutschland nur noch mehr schwächen. Also sucht man eben nach Möglichkeiten, den Menschen zwar kein Geld mehr zu nehmen, andererseits aber trotzdem noch mehr Gewinn aus ihrer Arbeitskraft zu ziehen. Und da gibt es nur eine Möglichkeit: Arbeitszeiterhöhungen ohne Lohnausgleich.
Das macht die Arbeitsstunde billiger, ohne den potenziellen Kunden Geld zu nehmen. Aber selbst diese Rechnung wird nicht ganz aufgehen, denn selbstverständlich wird man die Gelegenheit dann auch wieder dazu nutzen, noch ein paar mehr Leute zu entlassen und deren Arbeit dann auf die verbliebenen Mitarbeiter zu verteilen. So steigt die Arbeitslosigkeit dann noch weiter, und die Kaufkraft sinkt letztendlich eben doch.
Außerdem werden Menschen, die kaum noch Freizeit haben, natürlich auch weniger konsumieren. Wozu soll ich mir ein Buch kaufen, wenn ich keine Zeit habe, um es zu lesen? Wozu soll ich mir einen neuen, hypermodernen Großbildfernseher mit flachem LCD-Bildschirm und Dolby-Surround-Ausrüstung kaufen, wenn ich sowieso nur noch am Wochenende mal für ein paar Stunden fernsehen kann? Wenn ich aber arbeitslos bin, habe ich zwar genug Freizeit, aber leider nicht genug Geld, um in Massen zu konsumieren.
Es ist schlichtweg Unsinn, daß höhere Arbeitszeiten oder weniger Feier- und Urlaubstage die Konjunktur ankurbeln und die Arbeitslosigkeit senken würden. Wer das behauptet, der soll mir bitteschön mal vorrechnen, welchen positiven Effekt beispielsweise die Abschaffung des Buß- und Bettages auf den deutschen Arbeitsmarkt hatte.
Oder vergleichen wir mal Nordrhein-Westfalen mit Mecklenburg-Vorpommern. In Nordrhein-Westfalen gibt es Karneval, und dort haben viele Unternehmen z.B. am Rosenmontag geschlossen. In Mecklenburg-Vorpommern hat Karneval bei weitem nicht diese Bedeutung, und dort hat deshalb auch kein Unternehmen am Rosenmontag geschlossen. Nordrhein-Westfalen steht aber wirtschaftlich besser da als Mecklenburg-Vorpommern. Und zwar nicht etwa trotz Karneval, sondern es ist tatsächlich so, daß Karneval in Nordrhein-Westfalen ein Faktor ist, der sich positiv auf die Wirtschaft auswirkt und auch ein kleines bißchen dazu beiträgt, daß Nordrhein-Westfalen eben wirtschaftlich vor Mecklenburg-Vorpommern liegt. Feiertage und allgemein Freizeit sind also keineswegs so schädlich für die Wirtschaft wie immer behauptet wird.
Wer das Gegenteil behauptet, hat dabei also tatsächlich ganz andere Hintergedanken. Es geht wieder mal nur um Lohndrückerei, wobei wie immer nicht davon die Rede ist, gleichzeitig auch die hohen Lebenshaltungskosten in Deutschland zu senken.
Letztendlich wird das wieder vor allem Männer treffen. Sie gehören überproportional zu denen, deren Arbeitsplätze wegrationalisiert werden, da die Rationalisierung momentan typische Männerberufe besonders stark betrifft. Gleichzeitig gibt es für Männer kaum spezielle Fördermaßnahmen, für Frauen jedoch wohl. Während sich diverse Institutionen damit überschlagen, ein Integrationsprogramm für Frauen in typische Männerberufe nach dem anderen zu starten und dabei selbst weibliches Desinteresse geflissentlich ignorieren, gibt es umgekehrt keine Programme, die Männer dabei unterstützen, in typischen Frauenberufen Fuß zu fassen. Mir ist jedenfalls kein solches Programm bekannt. Das wird sich wohl in nächster Zeit auch nicht wesentlich ändern, und so werden auch neue Stellen weiterhin überwiegend mit Frauen besetzt werden.
Die Männer jedoch, die ihre Jobs behalten, werden in Zukunft für dasselbe oder sogar für weniger Geld länger arbeiten müssen. Lange arbeiten müssen viele jetzt schon, denn wer Überstunden verweigert, wird als wenig einsatzbereit angesehen und kann mit hoher Sicherheit davon ausgehen, bei der nächsten Kündigungswelle ganz oben auf der Liste zu stehen. In Zukunft bekommen sie dann die jetzigen Überstunden zum Teil noch nicht einmal bezahlt.
Das wird Frauen zwar genauso treffen - aber Frauen haben immer noch die Möglichkeit, zwecks Kinderbetreuung beruflich kürzer zu treten oder den Job auch mal ganz an den Nagel zu hängen. Und wenn es eine Verhütungspille für Männer gibt und dadurch die Geburtenzahlen nochmal deutlich zurück gehen, dann werden trotzdem viele Frauen die immer schlechter werdende Situation auf dem Arbeitsmarkt zum Anlaß nehmen, um maximal noch auf Teilzeit zu arbeiten.
Das weist den Männern dann wie eh und je die Ernährer-Funktion zu, und sie werden immer härter dafür arbeiten müssen, um dieser Funktion gerecht zu werden. Zwar könnte es dann durchaus soweit kommen, daß der Männeranteil unter den Erwerbstätigen wieder zunimmt, aber Vorteile wird kaum ein Mann davon haben. Ganz im Gegenteil: Die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern wird weiter sinken, und Radikal- und Berufsfeministinnen werden die Tatsache, daß Frauen sich zunehmend aus dem Berufsleben zurückziehen, dazu nutzen, immer weitere Forderungen zu stellen, während es die Männerbewegung gleichzeitig immer schwerer haben wird, Gehör in der Öffentlichkeit zu finden. Denn da ist der Irrglaube, daß Berufstätigkeit ein unermeßliches Privileg sei, ja jetzt schon fest verankert.
Aus diesen Gründen liegt es ganz besonders im Interesse der Männer, solche Pläne abzulehnen. Im Interesse der Frauen liegt es direkt und indirekt natürlich auch, und das ist dann noch ein Grund mehr.
Freundliche Grüße
von Garfield
gesamter Thread:
- Arbeitszeiten -
Sebastian,
18.04.2004, 22:44
- Re: Arbeitszeiten -
stiller Mitleser ;-),
18.04.2004, 23:08
- Re: Arbeitszeiten -
Garfield,
19.04.2004, 15:20
- Re: Arbeitszeiten - stiller Mitleser ;-), 19.04.2004, 23:48
- Re: Arbeitszeiten -
Garfield,
19.04.2004, 15:20
- Re: Arbeitszeiten -
stiller Mitleser ;-),
18.04.2004, 23:08