Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Großartig, absolut großartig! :-)

Arne Hoffmann, Friday, 16.04.2004, 20:02 (vor 7966 Tagen)

Howdy :-)

In einem befreundeten Forum wird der gleich verlinkte Text schon seit Tagen diskutiert, aber ich halte ihn für sehr treffend, so dass ich ihn gerne hier noch mal reinstelle.

Der Text, veröffentlicht bei SWR2 Eckpunkt, ist betitelt mit "Wir haben viel Porzellan zerschlagen. Der Feminismus und seine Folgen". Als Autorin zeichnet Astrid von Friesen. Er wird von der SWR-2-Redaktion zusammengefasst wie folgt:

"Die persönlichen Reflektionen einer Journalistin und Therapeutin über ihre Vergangenheit als aufmüpfige, linke und feministische junge Frau und die Folgen dieses Emanzipationskampfes: auf der positiven Seite mehr Gleichberechtigung, größere Freiheiten, starke Präsenz in der Öffentlichkeit, auf der negativen Seite viel Leid in den Beziehungen, die Aussonderung der Väter aus den Familien und in der Generation der 30-Jährigen viele devote, verängstigte Männer, die stumm leiden. Astrid von Friesen geht der Frage nach: Was haben wir Frauen falsch gemacht, wie ist es zu dieser Verunsicherung der Männer und zu der nörgelnden Unzufriedenheit vieler Frauen gekommen und was können wir für eine Emanzipation beider Geschlechter tun."

Ich kann den Text wg. Urheberrecht nicht komplett hier reinstellen, aber das empfehlenswerte Manuskript zur Sendung ist jedermann zugänglich unter http://www.swr.de/swr2/sendungen/eckpunkt/manuskripte/index.html.

Hier als Leseanreiz ein paar Auszüge, die ich besonders bemerkenswert finde:

--- Einige Männer wurden daraufhin superfeministisch! Einer meiner Kommilitonen, ein Jurist, trug ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Ich hasse Penisse!", weil das Penetrieren ein repressiver Akt barbarischer Unterdrückung sei! Er versuchte, anhand von homosexuellen Pornozeitschriften schwul zu werden. Ein interessantes Experiment. Funktioniert hat es nicht. Superfeministisch sind bis heute offenbar viele männliche Sozialarbeiter und Familienrichter geblieben. ---

--- Warum gibt es so viele duldsame, verstummte Männer? Warum gibt es so viele Frauen, die ihre Männer als zu erziehende Versager behandeln, obwohl sie sich doch ursprünglich ein gleichberechtigtes Gegenüber gewünscht haben? Was haben wir Frauen falsch gemacht? ---

--- Wir haben weiterhin buchstäblich übersehen, dass Männer auch leiden. Wir Frauen machen bis heute den Fehler, immer nur uns als Opfer zu sehen. Nach dem Motto: Ich leide, also bin ich – das geheime Thema vieler Talkshows. ---

--- Eine Forderung: Wir Frauen müssen begreifen, dass wir nicht mehr das schwache Geschlecht sind. Wir sollten unsere Werte nicht zum Maß aller Dinge machen. Auch müssen wir noch etliche Aspekte unserer Geschichte aufarbeiten. Leider die negativen. Erst sehr wenige Frauen haben begonnen, ihre Täteranteile im Alltag zu reflektieren, die weiblichen Aspekte am Faschismus zu durchleuchten, unsere spezielle Art der Aggression aufzudecken. Bisher war es noch leicht und ziemlich angenehm, den Männern alles Böse der Welt in die Schuhe zu schieben und uns als Hüterinnen des Wahren, Guten, Schönen zu empfinden. ---

--- Das Pendel, welches wir Frauen notwendigerweise in die eine Richtung haben extrem ausschlagen lassen, sollte eine neue Balance finden können. Doch dazu müssen die Männer ihren Mund aufmachen, ihre Angst vor Frauen überwinden und zu einer eigenen, neuen Kraft gelangen! Auch Sozialarbeiter und Familienrichter, Gesetzgeber und Politiker. Es geht um eine neue Emanzipationsbewegung. Die der Frauen ist zwar noch lange nicht beendet und hat, wie jede heftige Bewegung, heftige Unruhe verursacht. Jetzt sind die Männer dran sich zu befreien, um eine neue Mitte für sich selbst zu finden: Jenseits vom Macho, aber auch jenseits vom großen Dulder. ---

So langsam, Schritt für Schritt, setzt sich also die Befindlichkeit der Männer doch als Aspekt in der Geschlechterdebatte durch.

Herzlicher Gruß

Arne

Männer tragen die Verantwortung anders

Norbert, Friday, 16.04.2004, 20:29 (vor 7966 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Großartig, absolut großartig! :-) von Arne Hoffmann am 16. April 2004 17:02:10:

Volle Zustimmung.

Es gibt beim SWR aber noch einen Artikel, der sehr interessant ist.

Eine alleinerziehende Mutter im Gespräch mit alleinerziehenden Vätern
Von Barbara Leitner

Der Artikel ist im rtf-Format.

Männer tragen die Verantwortung anders

Gruß
Norbert

Re: Männer tragen die Verantwortung anders

Odin, Friday, 16.04.2004, 21:32 (vor 7966 Tagen) @ Norbert

Als Antwort auf: Männer tragen die Verantwortung anders von Norbert am 16. April 2004 17:29:33:

Der Artikel ist im rtf-Format.
Männer tragen die Verantwortung anders
Gruß
Norbert

Super Artikel!

Re: Männer tragen die Verantwortung anders

Jeremin, Saturday, 17.04.2004, 01:43 (vor 7966 Tagen) @ Norbert

Als Antwort auf: Männer tragen die Verantwortung anders von Norbert am 16. April 2004 17:29:33:

Für die, die keine Zeit zum lesen haben:

Der größte Unterschied zwischen alleinerziehenden Vätern und Müttern ist offenbar der, dass die Jungs trotz Kind ihren Job voll weiter gemacht haben, ohne Einbußen an der Erziehung und Betreuung zuzulassen. Diesen Umstand konnte die Interviewerin selbst nicht fassen und hat mehrfach nachgefragt, aber die Väter blieben dabei.

Kaum zu fassen, was?

Re: Großartig, absolut großartig! :-)

Andreas, Friday, 16.04.2004, 21:03 (vor 7966 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Großartig, absolut großartig! :-) von Arne Hoffmann am 16. April 2004 17:02:10:

Hallo Arne,

sehr interessanter Text! Gestoert hat mich allerdings nur eine kleine Passage:

>Jetzt sind die Männer dran sich zu befreien, um eine neue Mitte für sich selbst zu finden: Jenseits vom Macho, aber auch jenseits vom großen Dulder.

Auf der einen Seite kritisiert sie zwar die Tendenz vieler Frauen, ihre Partner erziehen zu wollen - tappt aber dann in diesem Abschnitt in genau dieselbe Falle. Denn hier versucht sie sich wieder an einer Definition von "Maennlichkeit". Eine effektive Befreiung des Mannes kann aber nur dann funktionieren, wenn Maenner damit beginnen, ihren Platz und ihre Position in der Welt und ihrer Umgebung selbst festzulegen und zu deuten, d.h. ohne Fremdbestimmung durch Frauen. Denn diese Fremdbestimmung bedeutet vor allem eins: Abhaengigkeit vom Urteil der Frau! Wichtig ist hierbei, wie der Mann sich selbst sieht und sein Leben gestalten moechte und nicht, wie Frau ihn gerne haben will!

So langsam, Schritt für Schritt, setzt sich also die Befindlichkeit der Männer doch als Aspekt in der Geschlechterdebatte durch.

Es wird auch Zeit, dass sich mal der gesunde Menschenverstand durchzusetzen beginnt! :-)

viele Gruesse
Andreas

Re: Großartig, absolut großartig! :-)

Jolanda, Friday, 16.04.2004, 22:09 (vor 7966 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Re: Großartig, absolut großartig! :-) von Andreas am 16. April 2004 18:03:11:

Lieber Andreas

Ich denke, diesen Satz sollte man auch nicht so eng sehen. Eine Mischung zwischen einem Macho und eine selbstbewussten Mann ist aber auch wirklich sehr verlockend, verzeih uns, wenn wir danach "schmachten"..grinst breit.

Nein, nun im ernst. Der Gesamtkontext zeigt hier ganz klar, wie Arne bereits erwähnt hat, dass sich schon was bewegt.

Hier ist wortklauberei nicht unbedingt angebracht, denke ich. Ich nehme das sinngemäss auf und es ist ok. Ich meine einpendeln im Leben ist immer gut, wo man dann im Endeffekt landet, das hängt von der eigenen Persönlichkeit ab.

Ich freue mich auf jedenfall, dass gewisse Themen durchaus langsam an Beachtung gewinnen.

Einen lieben Gruss
schickt dir
Jolanda

Re: Großartig, absolut großartig! :-)

Andreas, Friday, 16.04.2004, 23:09 (vor 7966 Tagen) @ Jolanda

Als Antwort auf: Re: Großartig, absolut großartig! :-) von Jolanda am 16. April 2004 19:09:56:

Hallo Jolanda!

Insgesamt war der Text auch hervorragend, da hast Du recht. Meine Kritik bezog sich eher auf einen Punkt, der mir sehr häufig in solchen Texten auffällt. Die Verunsicherung vieler Männer wird ja gerade dadurch verursacht, daß man ihnen permanent vorzuschreiben versucht, wie sie sein sollen und wie nicht. Man hat Männern über Jahrzehnte hinweg Schuldgefühle eingetrichtert, damit sie gefügig werden und problemlos in jedes Rollenbild hineingepresst werden können. Jetzt stellt man fest, daß dies ein Rohrkrepierer war, da Männer keine tote Masse sind, die man beliebig formen kann, sondern empfindungsfähige Menschen mit Gefühlen. Im Text wird dieser Punkt auch explizit angesprochen. Skeptisch werde ich eben genau dann, wenn als Schlußfolgerung die Emanzipation und Befreiung des Mannes gefordert wird, damit er dann wieder in neue Rollen gepresst werden kann. Es soll doch bitte jedem Mann selbst überlassen bleiben, was er unter "Männlichkeit" versteht oder nicht. Ich brauche dazu keine allwöchentlichen Umfragen, die mir erklären, was Frauen wollen oder was sie nicht wollen oder wie sich Frauen Männer vorstellen oder nicht vorstellen. Das interessiert mich schließlich nicht.

Hier ist wortklauberei nicht unbedingt angebracht, denke ich.

Ok. Zustimmung, Jolanda! Man soll es nicht übertreiben. Aber Du weißt ja, wie ich es meine! ;-)

einen schönen Gruß auch an Dich!
Andreas

Re: Großartig, absolut großartig! :-)

Pokemon, Friday, 16.04.2004, 23:51 (vor 7966 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Re: Großartig, absolut großartig! :-) von Andreas am 16. April 2004 20:09:07:

Es soll doch bitte jedem Mann selbst überlassen bleiben, was er unter "Männlichkeit" versteht oder nicht.

Das sehe ich aber nicht so! Wenn ein Mann unter Männlichkeit versteht, seine Umgebung zu unterdrücken, die absolute Macht über seine Familie zu haben und statt Argumenten die Faust sprechen zu lassen (also den allgemeinen Klischee der Machos zu entsprechen)dann sollte es nicht ihm überlassen bleiben. Sonst könnte man es ja auch bei den Frauen akzieptieren wenn sie weiterhin einen auf schwach und die Männer für das Unrecht in der Welt verantworlich. Wenn sie das doch unter Weiblichkeit verstehen?

Ich brauche dazu keine allwöchentlichen Umfragen, die mir erklären, was Frauen wollen oder was sie nicht wollen oder wie sich Frauen Männer vorstellen oder nicht vorstellen. Das interessiert mich schließlich nicht.

Ich glaube da übertreibst Du ein bisserl :-)

Nach irgendwelchen Umfragen richte ich mich auch nicht, aber was mein Freund mag, das interessiert mich schon :-)

Re: Großartig, absolut großartig! :-)

Sven75, Saturday, 17.04.2004, 02:35 (vor 7966 Tagen) @ Pokemon

Als Antwort auf: Re: Großartig, absolut großartig! :-) von Pokemon am 16. April 2004 20:51:16:

Es soll doch bitte jedem Mann selbst überlassen bleiben, was er unter "Männlichkeit" versteht oder nicht.

Das sehe ich aber nicht so! Wenn ein Mann unter Männlichkeit versteht, seine Umgebung zu unterdrücken, die absolute Macht über seine Familie zu haben und statt Argumenten die Faust sprechen zu lassen (also den allgemeinen Klischee der Machos zu entsprechen)dann sollte es nicht ihm überlassen bleiben.

Ich finde es recht interessant, dass du gleich das extremste Negativbeispiel zum Allgemeinfall machst. Damit ein ach so böser Mann obiges machen kann, muss zuallererst seine Umgebung dies auch dulden! Und gerade obiges Szenario ist heutzutage wohl kaum Normalität.

Im übrigen ist es mir völlig egal, was andere meinen. Ich lasse mir weder von anderen definieren, was Männlichkeit zu sein habe oder wie ich zu sein habe. Probleme hat wohl eher der, der nicht akzeptieren kann, dass Menschen sich selbst entwickeln und eben nicht nach irgendwelchen Vorstellungen Anderer.

Sonst könnte man es ja auch bei den Frauen akzieptieren wenn sie weiterhin einen auf schwach und die Männer für das Unrecht in der Welt verantworlich. Wenn sie das doch unter Weiblichkeit verstehen?

Sollen sie doch, wenn sie meinen, das sie das weiterbringt. Sie sollen sich aber nicht wundern, wenn sie beizeiten nicht mehr ernst genommen werden. Wer ewig jammert und ewig das Lied von dem armen Opfer Frau trällert, wird irgendwann nicht mehr gehört werden.

Ich brauche dazu keine allwöchentlichen Umfragen, die mir erklären, was Frauen wollen oder was sie nicht wollen oder wie sich Frauen Männer vorstellen oder nicht vorstellen. Das interessiert mich schließlich nicht.

Ich glaube da übertreibst Du ein bisserl :-)

Das glaube ich weniger. Ich halte das eher für eine äusserst vernünftige Einstellung.

Auswirkungen auf die Jungen

Sven, Saturday, 17.04.2004, 17:00 (vor 7965 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Großartig, absolut großartig! :-) von Arne Hoffmann am 16. April 2004 17:02:10:

Was dieser gelebte weibliche Faschismus heute mit der Psyche kleiner Jungen macht,
das möchte ich mir lieber nicht ausmalen.

Aber wenn die eines Tages zurückschlagen, dann wird gejammert...

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