Großartig, absolut großartig! :-)
Howdy 
In einem befreundeten Forum wird der gleich verlinkte Text schon seit Tagen diskutiert, aber ich halte ihn für sehr treffend, so dass ich ihn gerne hier noch mal reinstelle.
Der Text, veröffentlicht bei SWR2 Eckpunkt, ist betitelt mit "Wir haben viel Porzellan zerschlagen. Der Feminismus und seine Folgen". Als Autorin zeichnet Astrid von Friesen. Er wird von der SWR-2-Redaktion zusammengefasst wie folgt:
"Die persönlichen Reflektionen einer Journalistin und Therapeutin über ihre Vergangenheit als aufmüpfige, linke und feministische junge Frau und die Folgen dieses Emanzipationskampfes: auf der positiven Seite mehr Gleichberechtigung, größere Freiheiten, starke Präsenz in der Öffentlichkeit, auf der negativen Seite viel Leid in den Beziehungen, die Aussonderung der Väter aus den Familien und in der Generation der 30-Jährigen viele devote, verängstigte Männer, die stumm leiden. Astrid von Friesen geht der Frage nach: Was haben wir Frauen falsch gemacht, wie ist es zu dieser Verunsicherung der Männer und zu der nörgelnden Unzufriedenheit vieler Frauen gekommen und was können wir für eine Emanzipation beider Geschlechter tun."
Ich kann den Text wg. Urheberrecht nicht komplett hier reinstellen, aber das empfehlenswerte Manuskript zur Sendung ist jedermann zugänglich unter http://www.swr.de/swr2/sendungen/eckpunkt/manuskripte/index.html.
Hier als Leseanreiz ein paar Auszüge, die ich besonders bemerkenswert finde:
--- Einige Männer wurden daraufhin superfeministisch! Einer meiner Kommilitonen, ein Jurist, trug ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Ich hasse Penisse!", weil das Penetrieren ein repressiver Akt barbarischer Unterdrückung sei! Er versuchte, anhand von homosexuellen Pornozeitschriften schwul zu werden. Ein interessantes Experiment. Funktioniert hat es nicht. Superfeministisch sind bis heute offenbar viele männliche Sozialarbeiter und Familienrichter geblieben. ---
--- Warum gibt es so viele duldsame, verstummte Männer? Warum gibt es so viele Frauen, die ihre Männer als zu erziehende Versager behandeln, obwohl sie sich doch ursprünglich ein gleichberechtigtes Gegenüber gewünscht haben? Was haben wir Frauen falsch gemacht? ---
--- Wir haben weiterhin buchstäblich übersehen, dass Männer auch leiden. Wir Frauen machen bis heute den Fehler, immer nur uns als Opfer zu sehen. Nach dem Motto: Ich leide, also bin ich das geheime Thema vieler Talkshows. ---
--- Eine Forderung: Wir Frauen müssen begreifen, dass wir nicht mehr das schwache Geschlecht sind. Wir sollten unsere Werte nicht zum Maß aller Dinge machen. Auch müssen wir noch etliche Aspekte unserer Geschichte aufarbeiten. Leider die negativen. Erst sehr wenige Frauen haben begonnen, ihre Täteranteile im Alltag zu reflektieren, die weiblichen Aspekte am Faschismus zu durchleuchten, unsere spezielle Art der Aggression aufzudecken. Bisher war es noch leicht und ziemlich angenehm, den Männern alles Böse der Welt in die Schuhe zu schieben und uns als Hüterinnen des Wahren, Guten, Schönen zu empfinden. ---
--- Das Pendel, welches wir Frauen notwendigerweise in die eine Richtung haben extrem ausschlagen lassen, sollte eine neue Balance finden können. Doch dazu müssen die Männer ihren Mund aufmachen, ihre Angst vor Frauen überwinden und zu einer eigenen, neuen Kraft gelangen! Auch Sozialarbeiter und Familienrichter, Gesetzgeber und Politiker. Es geht um eine neue Emanzipationsbewegung. Die der Frauen ist zwar noch lange nicht beendet und hat, wie jede heftige Bewegung, heftige Unruhe verursacht. Jetzt sind die Männer dran sich zu befreien, um eine neue Mitte für sich selbst zu finden: Jenseits vom Macho, aber auch jenseits vom großen Dulder. ---
So langsam, Schritt für Schritt, setzt sich also die Befindlichkeit der Männer doch als Aspekt in der Geschlechterdebatte durch.
Herzlicher Gruß
Arne
