Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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9 Millionen Hexen

Odin, Tuesday, 13.04.2004, 14:41 (vor 7969 Tagen)

Forschungsergebnisse der Uni München, wie es dazu kommt, daß sich die falsche Zahl von angeblich 9 Millionen verbrannter Hexen in Europa so lange in den Köpfen der Menschen hält. Obwohl das Gegenteil schon längst erwiesen ist. Dazu noch der Irrtum über die angebliche Hebammenverfolgung durch die Ärzteschaft.

Interessant zu lesen, besonders in der Mitte das Kapitel: Das Große Brennen im neuen Feminismus

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Das Große Brennen im neuen Feminismus

Der andere Grund für die Wiederkehr der Neun-Millionen-Theorie liegt im Erstarken eines radikalen Feminismus. Auch hier kamen die Anstöße aus den USA, wo 1968 der "action wing" der New York Radical Women das Wort "Hexe" neu definierte: Women's International Terrorist Conspiracy from Hell - WITCH. Die historischen Hexen wurden als verfolgte "foresisters" zum zentralen Mythos, "being the living remnant of the oldest culture of all." [74] Das New Yorker Frauenkollektiv WITCH wurde zur Quelle jenes neuen Hexenmythos, der sich bei Journalistinnen und Journalisten anhaltender Beliebtheit erfreut und zeitweise auch akademisch gebildete Feministinnen "ergriff". Der idolisierte Begriff wurde mit zahlreichen weiteren Akronymen unterlegt, wobei die witzige Auflösung Women Inspired To Commit Herstory den programmatischen Anspruch zum Umschreiben der Geschichte (Herstory versus History) verdeutlichte.
Außerhalb der professionellen Historiographie kam es jetzt in den USA zu einem rapiden Anstieg der Opferzahlen. "Millions" ließen Barbara Ehrenreich und Deirdre English 1973 in ihrem schmalen, aber einflußreichen Büchlein "Hexen, Hebammen und Krankenschwestern" hinrichten, einer mittlerweile klassischen Publikation der neuen Frauenbewegung, welche die Verschwörungsthese propagiert, Ärzte hätten mit Hexenverfolgungen die Frauen aus den Gesundheitsdiensten eliminieren wollen. [76] Eines der einflußreichsten Produkte des akademischen Feminismus, "Gyn/Ecology" von der amerikanischen Religionsphilosophin Mary Daly, erhebt diese Zahlen zum Zentralstück ihrer These vom unterdrückerischen Charakter "des Patriarchats" [77]. In diesem Kontext kam es in den 1970er Jahren zu expliziten Vergleichen der Hexenverfolgung mit dem Holocaust an den europäischen Juden, wobei neben Andrea Dworkin insbesondere Mary Daly den Genozid durch einen "Gynozid" übertreffen wollte. [78] Diane Purkiss, Lecturer in English an der University of Reading, hat herausgearbeitet, in welcher Weise sich Daly dabei selbst zur Hexe stilisierte und möglichen Kritikern die Rolle der Inquisitoren zuweist, wobei sie in ihrem denunziatorischen Duktus eher den Verfassern des "Hexenhammers" als den verfolgten Frauen glei- [679] che. Während das Schicksal historischer, tatsächlich als "Hexen" verbrannter Einzelpersonen zum bloßen Belegmaterial verkommt, dient "The Great Burning" als Legitimation der eigenen Radikalität. [79]
Purkiss diagnostizierte eine Art Wettbewerb mit dem Ergebnis, "daß Frauen mehr gelitten hätten als alle Opfer von Rassismus und Völkermord". Das Bestehen auf dem "Verbrennen" (burning) deute auf die Parallelisierung mit den Krematorien, wenn nicht auf Hiroshima oder Dresden. Die Botschaft, die Hexenverfolgung sei in Wirklichkeit eine Frauenverfolgung gewesen und diese habe den Holocaust quantitativ weit übertroffen, wurde charakteristischerweise erneut an der Schnittstelle von esoterischem Neuheidentum und Feminismus geboren, wo Autorinnen wie Miriam Simos (Starhawk) ihren Lebensunterhalt mit "magischen" Dienstleistungen bestreiten. [80] Wie im völkischen Feminismus werden hier mit Opferzahlen bis zu 13 Millionen Hexen neue Superlative erzielt, natürlich ohne die Spur eines Beleges, wo nicht nur die Quellen, sondern auch die Sekundärliteratur hinter dem eigenen Wunschdenken verschwindet. [81] Die neuen Schätzungen hatten eine doppelte Wirkung: Zum einen ließen sie amerikanische Lexikonredaktionen nicht unbeeindruckt. Weit abseits der historischen Wirklichkeit behauptet etwa Elizabeth E. Bacon in der "Encyclopedia Americana", nach Erlaß der päpstlichen Bulle "Summis desiderantes" von 1484 "300.000 to 2.000.000 persons were executed as witches". [82] Zum anderen wirkten die Erwartungen der neuen Frauenbewegung auf die europäische Diskussion zurück.
Hier allerdings hakte sich die Suche rasch wieder in der Gegend der alten "Neun-Millionen-Theorie" fest. 1977 schrieb Hannsferdinand Döbler in einem sonst relativ vernünftigen Buch: "Die Zahlen über den Hexenwahn sind ungenau, sie schwanken von 9,5 Millionen bis zu 500.000 Opfern; die Wahrheit wird bei einem mittleren Wert liegen". [83] Eine möglichst hohe Opferzahl erforderte die These einer "Vernichtung der weisen Frauen" durch den frühmodernen Staat, in welcher die zwei Bremer "Sozialwissenschaftler" Gunnar Heinsohn und Otto Steiger die Ehrenreich/English-These mit der eigenen Verschwörungsvorstellung mischen, das "geheime Verhütungswissen" der Hebammen sei ausgerottet worden, um durch möglichst viele Geburten eine Peuplierung der frühneuzeitlichen Fürstenstaaten zu erreichen. Bezüglich der Opferzahlen haben Heinsohn/ Steiger über den Querverweis Diefenbachs Voigts hochgerechnete 9.442.994 verbrannten Hexen wiederentdeckt. Obwohl sie zur Vortäuschung von Seriosität die einschlägige neuere Fachliteratur angaben, sprachen sie 1979 von einer "Vernichtung von Millionen von Frauen." [84] Über ihre, durch unkritische und sensationsheischende Nacherzählung in dem Magazin "Der Spiegel" weit verbreitete [680] und dennoch unhaltbare Geschichtsklitterung ist alles Notwendige bereits gesagt worden. [85] Larissa Leibrock-Plehn urteilte in ihrer pharmaziehistorischen Dissertation: "Die beiden Autoren schmieden so eine absurde Verschwörungsthese, die möglicherweise dem heutigen Zeitgeist entgegenkommt, einer historisch-kritischen Überprüfung jedoch nicht standhält." [86]

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9 Millionen Hexen?

Re: Hexenverfolgung und andere nützliche Mythen

Eugen Prinz, Tuesday, 13.04.2004, 20:56 (vor 7969 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: 9 Millionen Hexen von Odin am 13. April 2004 11:41:35:

Das ist wirklich ein hochinteressanter Artikel. Vielen Dank für den Tip.

Er zeigt eindrucksvoll, welches lange und wechselvolle Leben manche Mythen führen, welchen unterschiedlichen Gruppen sie im Laufe ihres Bestehens nützen und wie sie widerlegt werden können.

Besonders beachtenswert finde ich die Anmerkung des Verfassers "... daher kann man an diesem Beispiel auch Betrachtungen anstellen über die geringe Wirksamkeit des wissenschaftlichen Korrektivs an populären Irrtümern" und seine daran geknüpften journalismuskritischen Äußerungen.

Der Versuch beispielsweise, FeministInnen beiderlei Geschlechts ihre nützlichen Mythen zu rauben, gleicht m.E. dem Versuch einen Pudding an die Wand zu nageln, weswegen ich mit FeministInnen schon gar nicht mehr diskutiere.

Sollte es nämlich tatsächlich gelingen, der einen die Hexenverfolgung als "Frauenholocaust" auszureden, dann kommt womöglich eine noch größere Spinnerin und erfindet die "Frauen als das gefolterte Geschlecht dieses Jahrhunderts" oder ähnlichen, haaresträubenden Unsinn.

Eugen Prinz

Re: Hexenverfolgung und andere nützliche Mythen

Odin, Wednesday, 14.04.2004, 01:32 (vor 7968 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Hexenverfolgung und andere nützliche Mythen von Eugen Prinz am 13. April 2004 17:56:27:

Besonders beachtenswert finde ich die Anmerkung des Verfassers "... daher kann man an diesem Beispiel auch Betrachtungen anstellen über die geringe Wirksamkeit des wissenschaftlichen Korrektivs an populären Irrtümern" und seine daran geknüpften journalismuskritischen Äußerungen.

Das freut mich, daß Dir der Absatz auch ins Auge gesprungen ist. Ich fand das auch bemerkenswert, vor allem auch für uns, die wir im Moment noch gegen Zeitgeist-Windmühlenflügel kämpfen.

Insbesondere interessant fand ich aber, daß es ein "ganz normaler" wissenschaftlicher Artikel war, in dem in einem Teilbereich eben auf den Feminismus eingegangen wird. Es ging also eben nicht um einen "feminismuskritischen" Artikel, der vielleicht leichter wegzuradieren gewesen wäre.
Das Lügenwerk des Feminismus bröckelt!

Re: Hexenverfolgung und andere nützliche Mythen

Nick, Wednesday, 14.04.2004, 02:57 (vor 7968 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Hexenverfolgung und andere nützliche Mythen von Odin am 13. April 2004 22:32:17:

Hallo Odin,

Ich fand das auch bemerkenswert, vor allem auch für uns, die wir im Moment noch gegen Zeitgeist-Windmühlenflügel kämpfen.

Ja, wie Don Quichote, ich weiß das sehr genau. Vordergründig ist das alles wohl frustrierend. Aber es zahlt sich trotzdem aus, auch wenn man erst überhaupt nichts merkt. Wahrheit gewinnt und Lüge findet ihren Tag der Schande. Das ist immer so. Darauf kann man sich hundertprozentig verlassen.

Aus genau diesem Grunde ist es gut(!) und nicht schlecht, wenn Alice hyperventiliert und überschnappt: "Wir Frauen, das gefolterte Geschlecht!" Ich kann gar nicht angemessen mit Worten ausdrücken, wie außerordentlich ich mich über diesen hypertrophierten Quark gefreut habe - vor allem darüber, daß sie ihn bei Amnesty International "unterbringen konnte"! Sie hält das für einen großen Sieg. Soll sie... :-)

Man denke, sie hätte ihn nur in ihrer Sektenpostille abgedruckt. Wer hätte den Quatsch dann zur Kenntnis genommen? Eben! Niemand. So aber wird er von vielen, vielen ai-Leuten gelesen, von Leuten aus deren Umfeld, von Politikern und Medienfritzen etc. Manche von denen glauben das vielleicht sogar beim ersten Lesen, mag sein. Es wird aber irgendwann einmal öffentliches Thema werden, was da wirklich dran ist, an der "Folterei eines ganzen Geschlechts".

Der Antwort auf diese Frage sehe ich mit der allergrößten Gelassenheit entgegen. Die Antwort wird nämlich NICHT von Alice Schwarzer gegeben werden, das meint sie nur (und das soll sie auch meinen). Sie hat in Wahrheit aber diese Frage in den öffentlichen Raum geworfen, und zwar in einer dermaßen dämlichen Form, wie es bekloppter nicht hätte passieren können - völlig ohne Not (von ihrem Standpunkt aus gesehen). Ein kardinaler Strategiefehler allererster Güte also. Sie wird das merken. Sie wird die wahre Antwort darauf erhalten, das ist absolut gewiß.

Die Antworten, die wir von Amnesty auf unser "Paper" erhielten, waren überwiegend "geifernd", möchte ich mal sagen. Die üblichen Verdächtigen, Funktionäre, ein paar ehrliche Häute. Das ist also auch gut. Der Grund für das reflektorische Gegeifer mag vielleicht tatsächlich darin liegen, daß "mitgeteilt wurde", aus "welcher Ecke" das kommt. Nun kennt man diese Ecke also etwas besser? Auch das ist gut.

Wichtig sind nicht die, die laut schreien (abgesehen davon, daß sie sehr hilfreich sind). Wichtig sind die, die sich nicht äußern, sondern nachdenken und sich ihr eigenes Bild machen. Ich bin völlig sicher, daß sie das tun werden, und zwar anhand der Wirklichkeit. Je mehr, desto besser.

Deshalb: "Danke, Alice!"

Der Stratege Hsun Dsi, der vor 2500 Jahren in China lebte, sagte: "Lege Köder aus, um den Feind zu verführen. Gib vor, schwach zu sein, damit er überheblich wird. Täusche Unordnung vor, um ihn zu zerschmettern."

Daran soll man sich halten :-)

Es ist wie du sagst: "Das Lügenwerk des Feminismus bröckelt!"

Gruß vom
Nick

Re: Hexenverfolgung und andere nützliche Mythen

Jolanda, Wednesday, 14.04.2004, 04:12 (vor 7968 Tagen) @ Nick

Als Antwort auf: Re: Hexenverfolgung und andere nützliche Mythen von Nick am 13. April 2004 23:57:36:

Lieber Nick

So habe ich das noch gar nie betrachtet...schmunzelt.

Aber gefällt mir ;-)

So eine geballte Ladung Kacke habe ich von Alice echt noch nie gelesen...schmunzelt. Ich hätte sie für cleverer gehalten, echt nun.

Darüber haben sogar einige den Kopf geschüttelt, die gar nicht so Alice feindlich eingestellt sind.

Ich weiss auch nicht, wie sie sich zu diesen Aeusserungen hat hinreissen lassen können. Und richtig, sie hat es genau am richtigen Ort geschrieben.

Und, hey, ich kenne auch Leute aus der Politik in Deutschland, die an der Front sind, denen habe ich das allen gesteckt...schmunzelt.

Einer hat mir gesagt, er würde das gerne in seiner Fraktion mal einbringen, hier laufe etwas völlig falsch. Es gehe nicht, dass eine Organisation wie ai, sich um Belange kümmere, die gar nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich wären. Und hier sehe er nicht den geringsten Grund, dass ai sich einmischen sollte.

Ja, ich glaube auch, dass das schon Diskussionen anregen wird. Eigentlich sollten wir uns freuen über diesen Artikl...schmunzelt.

Du hast wieder mal Recht....grüss mir, nun ja, du weisst schon wen ;-)

Einen lieben Gruss
schickt dir
Jolanda*****

Re: Hexenverfolgung und andere nützliche Mythen

Emmalein, Wednesday, 14.04.2004, 11:33 (vor 7968 Tagen) @ Jolanda

Als Antwort auf: Re: Hexenverfolgung und andere nützliche Mythen von Jolanda am 14. April 2004 01:12:11:

Hi, Ihrs,

was hier jetzt gar nicht in den Artikel mit hereinspielt: Auch Männer wurden als Hexer verbrannt;-).

Eine spezifische Verfolgung hinsichtlich des Geschlechtes wird durch diese Tatsache meiner Ansicht nach ad absurdum geführt.

Wirtschaftliche Aspekte haben meines Erachtens bei den Anklagen auf Hexerei allerdings eine sehr grosse Rolle gespielt.

Es grüsst historisch
das Emmalein

Re: 9 Millionen Hexen

Norbert, Wednesday, 14.04.2004, 15:37 (vor 7968 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: 9 Millionen Hexen von Odin am 13. April 2004 11:41:35:

Hi Odin
Die Hexenverfolgung mit entsprechenden Zahlen war schon
u.a. hier ein Thema gewesen.

Die Zahlen der Hexenverfolgung mussten inzwischen deutlich nach unten revidiert werden.
Außerdem ist es bekannt geworden, dass auch ca. 25% der Hexen männlichen Geschlechts waren.
Die mir bekannten Zahlen schwanken (logischerweise) stark von ca. 40.000 über 60.000 bis zu maximal 100.000 Opfern in ganz Europa.

Eher problematisch scheint mir noch die Abgrenzung zu der etwa zeitgleich erfolgten Ketzerverfolgung, und deren Opfer zu sein.
Wieviel Vermischung es damit gibt, vermag ich nicht zu beurteilen.

Gruß
Norbert

Re: Hexenverfolgung und andere nützliche Mythen

Arne Hoffmann, Wednesday, 14.04.2004, 17:16 (vor 7968 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Hexenverfolgung und andere nützliche Mythen von Odin am 13. April 2004 22:32:17:

Howdy :-)

Besonders beachtenswert finde ich die Anmerkung des Verfassers "... daher kann man an diesem Beispiel auch Betrachtungen anstellen über die geringe Wirksamkeit des wissenschaftlichen Korrektivs an populären Irrtümern" und seine daran geknüpften journalismuskritischen Äußerungen.

Das freut mich, daß Dir der Absatz auch ins Auge gesprungen ist. Ich fand das auch bemerkenswert, vor allem auch für uns, die wir im Moment noch gegen Zeitgeist-Windmühlenflügel kämpfen.

Ja. Viel feministischer Nonsens hat sich erst mal in den Köpfen der Menschen festgefressen. Dass er inzwischen wissenschaftlich widerlegt ist, ist vielen noch nicht bekannt.

Insbesondere interessant fand ich aber, daß es ein "ganz normaler" wissenschaftlicher Artikel war, in dem in einem Teilbereich eben auf den Feminismus eingegangen wird. Es ging also eben nicht um einen "feminismuskritischen" Artikel, der vielleicht leichter wegzuradieren gewesen wäre.

Gut, die Widerlegungen feministischer Irrtümer, die ich in "Sind Frauen bessere Menschen?" präsentiere, stammen ja in der Regel auch aus "ganz normalen" wissenschaftlichen Quellen. Es gibt ja keine internationale maskulistische Bewegung, die der feministischen irgendwie gleichen könnte. Dass nicht jede vierte Frau Opfer häuslicher Gewalt ist, Männer dabei nicht überwiegend Täter undsoweiter undsofort, solche Erkenntnisse stammen ja von neutralen Kriminologen, die überhaupt keiner politischen Strömung anhängen. Dass manche Feministinnen versuchen, sie in eine "maskulistische" Ecke zu schieben, um ihre Glaubwürdigkeit anzweifeln zu können, ist etwas anderes.

Ansonsten finde auch ich den Hexen-Artikel sehr aufschlussreich! Und es freut mich natürlich, wenn das, was ich bisher an Informationen entdeckt und zusammengetragen habe, durch tiefergehende Forschung gestützt wird.

Herzlicher Gruß

Arne

Nicht nur Feminismus

Rüdiger, Thursday, 15.04.2004, 00:11 (vor 7967 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Hexenverfolgung und andere nützliche Mythen von Arne Hoffmann am 14. April 2004 14:16:56:

Howdy :-)

Besonders beachtenswert finde ich die Anmerkung des Verfassers "... daher kann man an diesem Beispiel auch Betrachtungen anstellen über die geringe Wirksamkeit des wissenschaftlichen Korrektivs an populären Irrtümern" und seine daran geknüpften journalismuskritischen Äußerungen.

Das freut mich, daß Dir der Absatz auch ins Auge gesprungen ist. Ich fand das auch bemerkenswert, vor allem auch für uns, die wir im Moment noch gegen Zeitgeist-Windmühlenflügel kämpfen.

Ja. Viel feministischer Nonsens hat sich erst mal in den Köpfen der Menschen festgefressen. Dass er inzwischen wissenschaftlich widerlegt ist, ist vielen noch nicht bekannt.

Dieser Mechanismus läßt sich aber auch in anderen Lebensbereichen erkennen. Horst Stern schrieb z. B. einmal etwas über die um 1980 populäre Aussage, Nebenwirkungen von Medikamenten seien schuld am Tod von Hunderttausenden von Menschen. Die Quelle dieser Aussage zu finden, so Stern, sei eine wahre Sisyphusarbeit gewesen. Einer habe vom anderen abgeschrieben, ohne alles genau zu prüfen (kann man ja auch gar nicht), und am Schluß stellte sich heraus, daß alles auf den Angaben über eine Intensivstation in den USA beruhte. Deren Insassen sind natürlich eh schon todkrank, und es ist gängige Praxis, auch schwerste Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, wenn es gilt, den Tod abzuwenden. Ist aber erst einmal so eine Falschinformation im Umlauf, wird sie ungeprüft weiterverbreitet und sickert ins allgemeine Bewußtsein ein. Das wieder wegzukriegen, zu korrigieren, ist sehr schwer.

Ich wollte damit sagen, daß das nicht immer eine "feministische Verschwörung" ist (mit Verschwörungstheorien sollte man eh vorsichtig sein), sondern eine allgemein menschliche Schwäche. Man kann nicht alles selber nachprüfen, und man glaubt gern, seien es nun die Tierversuchsgegner (wie in Sterns Fall), seien es Feministinnen oder andere Menschengruppen ....

Herzliche Grüße

Rüdiger

Re: Nicht nur Feminismus

Marie Juana, Thursday, 15.04.2004, 00:59 (vor 7967 Tagen) @ Rüdiger

Als Antwort auf: Nicht nur Feminismus von Rüdiger am 14. April 2004 21:11:

Ich wollte damit sagen, daß das nicht immer eine "feministische Verschwörung" ist .

******
ja,nicht immer sollte man sagen *verhaftet die üblichen verdächtigen*.:-)
im bereich mythen, hexen, ist vieles auch von völkisch orientierten gruppierungen transportiert worden, die ihren eigenen perfiden *hexentanz* ums germanisch-nationale kalb aufführten.

gruss
Marie Juana

Mach die Augen auf!

Jens, Thursday, 15.04.2004, 12:22 (vor 7967 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Hexenverfolgung und andere nützliche Mythen von Eugen Prinz am 13. April 2004 17:56:27:

Sollte es nämlich tatsächlich gelingen, der einen die Hexenverfolgung als "Frauenholocaust" auszureden, dann kommt womöglich eine noch größere Spinnerin und erfindet die "Frauen als das gefolterte Geschlecht dieses Jahrhunderts" oder ähnlichen, haaresträubenden Unsinn.

http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/windexde/KA2004010

Das ganze endet in:


amnesty international fordert die Bundesregierung auf:

[...]
Menschenrechtsverteidigerinnen in ihrem Einsatz für die Menschenrechte vor Ort zu unterstützen. Sollte eine Ausreise wegen Gefahren für Leib und Leben notwendig sein, muss die Bundesregierung Menschenrechtsverteidigerinnen die Einreise nach Deutschland schnell und unbürokratisch ermöglichen und ihnen in Deutschland vorübergehend Schutz gewähren.

Sogar bei Menschenrechtsverteidigern soll nur das weibliche Geschlecht unterstützt werden. Widersprüchlicher geht es nicht.

Jens

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