Sterben die Deutschen aus?
Andreas, Monday, 05.04.2004, 19:13 (vor 7977 Tagen)
Hallo, alle zusammen!
Interessanter Artikel. So langsam scheinen die "Expertinnen" zu erkennen, daß der Grund für den Geburtenrückgang auch mit der Benachteiligung der Männer in unserer Gesellschaft zusammenhängt.
Tja, mit Frauenprojekten, Frauenuniversitäten und erholsamen Frauenwochenenden in der Natur läßt sich kein Volk ernähren, da muß schon harte Kohle direkt auf die Kralle. Und wer die verdient, dürfte wohl klar sein...
http://www.n-tv.de/5232018.html
Gruß
Andreas
Re: Sterben die Deutschen aus?
MeckMax, Tuesday, 06.04.2004, 01:25 (vor 7976 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Sterben die Deutschen aus? von Andreas am 05. April 2004 16:13:31:
Hallo Andreas
Hallo, alle zusammen!
Interessanter Artikel.
So langsam scheinen die "Expertinnen" zu erkennen, daß der Grund für den Geburtenrückgang auch mit der Benachteiligung der Männer in unserer Gesellschaft zusammenhängt.<<
Diese Ansicht kann man aber ehr in den Text hinein interpretieren, statt es heraus zu lesen.
Der Hauptgrund wird mal wieder den fehlenden Betreuungsmöglichkeiten zugeschustert und natürlich dem Zeitgeist. Sichtbare Benachteiligung von Männern muss man da schon beschönigt zwischen den Zeilen vermuten.
"Der Kinderwunsch ist nicht mehr einfach gegeben ", sagte Rettig. Ein Grund sei das Problem der Kinderbetreuung. Es gebe zu wenig Krippenplätze für die Kleinen. "Ganz schlimm wird es aber, wenn die Kinder in die Schule kommen", sagte Rettig und forderte mehr Ganztagsschulen.(?)
Schuld am Geburtenrückgang ist nach Meinung der Expertin auch die wirtschaftlich schlechte Lage. Die Berufsaussichten seien unsicherer geworden - auch für Männer. "Das lässt wohl die Männer an ihrer Ernährerrolle zweifeln." Zugleich seien die Ansprüche von Familien gewachsen. "Da muss der Familienkombi her und die schöne Wohnung mit Garten." Ohne Kinderwunsch sehen aber nach Rettigs Ansicht viele Paare keinen Grund zur Heirat. Deshalb gehe die Zahl der Ehen zurück. Zudem seien uneheliche Lebensgemeinschaften inzwischen genauso akzeptiert wie Ehen.
Ach ja, mal wieder so eine Expertin, die sich da kundtut.
Fragt sich nur, worin ihre Expertise besteht und wie sie dies begründet?
Tja, mit Frauenprojekten, Frauenuniversitäten und erholsamen Frauenwochenenden in der Natur läßt sich kein Volk ernähren, da muß schon harte Kohle direkt auf die Kralle. Und wer die verdient, dürfte wohl klar sein...
http://www.n-tv.de/5232018.html
Gruß
Andreas
Dennoch...
Freundlicher Gruß back
MeckMax
Jammern auf hohem Niveau !
CnndrBrbr, Tuesday, 06.04.2004, 12:02 (vor 7976 Tagen) @ MeckMax
Als Antwort auf: Re: Sterben die Deutschen aus? von MeckMax am 05. April 2004 22:25:43:
Der Hauptgrund wird mal wieder den fehlenden Betreuungsmöglichkeiten zugeschustert und natürlich dem Zeitgeist. Sichtbare Benachteiligung von Männern muss man da schon beschönigt zwischen den Zeilen vermuten.
"Der Kinderwunsch ist nicht mehr einfach gegeben ", sagte Rettig. Ein Grund sei das Problem der Kinderbetreuung. Es gebe zu wenig Krippenplätze für die Kleinen. "Ganz schlimm wird es aber, wenn die Kinder in die Schule kommen", sagte Rettig und forderte mehr Ganztagsschulen.(?)
Schuld am Geburtenrückgang ist nach Meinung der Expertin auch die wirtschaftlich schlechte Lage...
Wie paßt das dazu, daß mitten im 2. Weltkrieg auch Kinder geboren wurden?
Re: Jammern auf hohem Niveau !
Emmalein, Tuesday, 06.04.2004, 12:27 (vor 7976 Tagen) @ CnndrBrbr
Als Antwort auf: Jammern auf hohem Niveau ! von CnndrBrbr am 06. April 2004 09:02:25:
Hi, Du,
im internationalen Vergleich stand es im 2. Weltkrieg weltweit schlecht um irgendwelche Betreuung.
Betrachtet man aber heute Deutschland im internationalen Vergleich mit anderen, ähnlich wohlhabenden Staaten, steht es sehr schlecht dar.
Es ist immer wichtig, auch die Situation mit zu berücksichtigen, in der sich befunden wird.
Sonst könnte man ja auch sagen: Sollen Maskulisten doch aufhören, über männlche Obdachlose in Industrienationen zu jammern: Menschen in vielen Entwicklungsländern geht es schlechter als denen, die haben keine Tafeln, wo sie sich sattessen und Obdachlosenheime, in denen sie übernachten können.
Es grüsst auf die Verhältnismässigkeit hinweisend
das Emmalein
Re: Jammern auf hohem Niveau !
Garfield, Tuesday, 06.04.2004, 14:39 (vor 7976 Tagen) @ Emmalein
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von Emmalein am 06. April 2004 09:27:40:
Hallo Emmalein!
Ich sehe die Gründe für den Geburtenrückgang ganz woanders. Der Westen Deutschlands hat sich jahrzehntelang in einer Ausnahmesituation befunden und war deshalb mit Ländern wie Frankreich in mancher Hinsicht gar nicht vergleichbar.
Zum einen wurden in der Nazi-Zeit durchaus einige Neuerungen eingeführt, die sich positiv auf das Leben der einfachen Arbeiter und Angestellten auswirkten. Zwar haben die Nazis Gewerkschaften verboten, aber trotzdem blieb es so, daß deutsche Arbeiter sozial besser abgesichert waren als ihre Kollegen beispielsweise in Frankreich.
Nach dem Sturz des Nazi-Regimes und dem Kriegsende in Europa befürchteten die Siegermächte, daß die Deutschen Hitler hinterher trauern und daß sich so bald wieder eine neue nationalsozialistische Bewegung formieren würde. Deshalb hütete man sich davor, verschiedene positive Regelungen, die die Nazis eingeführt hatten, wieder rückgängig zu machen. Hätte man diese Rücksichten nicht nehmen müssen, dann hätten man den Deutschen wahrscheinlich der Einfachheit halber ein System verpaßt, das den Zuständen in Großbritannien und den USA sehr ähnlich gewesen wäre und dabei so nebenbei auch noch verschiedene soziale Errungenschaften aus der Zeit vor 1933 mit abgeschafft.
Das traute man sich aber nicht, zumal auch noch die Gefahr bestand, daß die Deutschen nun womöglich ins andere Extrem wechseln und dann massenweise zu den Kommunisten überlaufen würden. Der Kalte Krieg sorgte dafür, daß dieses Problem noch Jahrzehnte nach dem Krieg aktuell blieb.
Dazu kam noch, daß es, als dann durch Marshallplan und andere günstige Umstände in West-Deutschland das sogenannte Wirtschaftswunder einsetzte, die Unternehmen zunächst händeringend Arbeitskräfte suchten. Auch das führte dazu, daß die Unternehmen bereit waren, ihren Arbeitern und Angestellten ein etwas größeres Stück vom Profitkuchen zu gönnen.
In Ländern wie Frankreich oder Großbritannien sah das etwas anders aus. Diese Länder hatten schon traditionell kein so gutes Sozialsystem wie Deutschland. Und sie fanden nach dem Zweiten Weltkrieg aus verschiedenen Gründen in mancher Hinsicht auch nicht ganz so gute Bedingungen vor wie der Westen Deutschlands. In anderer Hinsicht wiederum waren die Bedingungen besser. Vor allem konnten sowohl Frankreich als auch Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst noch auf Arbeitskräfte aus ihren Kolonien zurück greifen, die dann oft auch die Landessprache bereits gut beherrschten. Man war also weit weniger gezwungen, den Arbeitskräften gute Bezahlung und zusätzliche Sozialleistungen zu bieten. Das scheint nur auf den ersten Blick ein Vorteil zu sein, denn tatsächlich bewirkte das, daß die Kaufkraft dort nicht so stark anstieg wie im Westen Deutschlands, was sich dann doch wieder negativ auf die Wirtschaft auswirkte und auch mit dafür sorgte, daß das Wachstum dort nicht ganz so stark ausfiel wie im Westen Deutschlands.
Aus diesen Gründen stiegen der Lebensstandard und damit allerdings auch die Lebenshaltungskosten in Deutschland höher als z.B. in Frankreich.
Heute haben wir nun die Situation, daß die deutsche Wirtschaft die steigende Arbeitslosigkeit dazu benutzt, um die Löhne zu drücken und auch Kürzungen im Sozialbereich durchzusetzen. Letzteres ergibt sich aber auch schon allein daraus, daß diese Sozialleistungen durch die steigende Zahl der Sozialfälle immer weniger finanzierbar sind.
Das führt dazu, daß die Kaufkraft und damit die Binnennachfrage immer weiter sinkt. Die sinkenden Einkommen allein wären schon ein Grund zur Beunruhigung. Dazu kommt dann aber noch, daß die hohen deutschen Lebenshaltungskosten fröhlich weiter steigen.
Das führt natürlich zu Verunsicherung in der Bevölkerung. Wer hoch steigt, kann tief fallen, und der Lebensstandard ist nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland nun einmal höher gestiegen als in Frankreich. So wird der Fall nun natürlich in Deutschland als wesentlich drastischer empfunden. Zumal immer mehr Menschen sich Gedanken darüber machen müssen, wovon sie eigentlich noch die weiter steigenden Lebenshaltungskosten zahlen sollen.
Die Menschen werden also vorsichtiger und geben ihr Geld nicht mehr so leicht aus. Selbst, wenn sie noch Geld zum Ausgeben haben. Das verschärft die Situation weiter, und auch aus anderen Gründen dreht sich die Abwärtsspirale immer schneller.
Vor 50 Jahren erhielten Schüler in den letzten Schuljahren manchmal schon Briefe von Unternehmen, in denen höflich gefragt wurde, ob man nicht vielleicht in Erwägung ziehen könnte, eventuell eine Ausbildung bei diesem Unternehmen zu absolvieren. Heute kann ein Schulabgänger hunderte von Bewerbungen verschicken und kriegt oft noch nicht einmal eine Antwort.
Wenn man sich diesen Gegensatz ansieht, dann kann man sich gut vorstellen, wie das in einigen Jahrzehnten aussehen wird, wenn die Automatisierung von Produktion und Dienstleistungen noch weiter fortgeschritten ist.
Menschen, die verantwortungsbewußt sind, möchten natürlich auch das Beste für ihre Kinder. Wenn sie aber sehen, welche Probleme die Jugendlichen heute schon mit der Lehrstellen- und Jobsuche haben, und wieviele Jugendliche dadurch auf die schiefe Bahn geraten, dann vergeht solchen Menschen die Lust auf Kinder sehr schnell wieder. Und das umso mehr, als die Krise hier in Deutschland noch als viel härter empfunden wird als z.B. in Frankreich.
Im Osten Deutschlands gingen die Geburtenzahlen ja mit der Wiedervereinigung auch prompt zurück. Das lag nicht nur an der verringerten Zahl von Kindergartenplätzen, sondern viel mehr daran, daß dort sehr viele Menschen Anfang der 1990er Jahre ihre Jobs verloren.
Auch in der DDR wurde das als drastische Veränderung empfunden. Die DDR-Bürger haben bis 1990 sehr sicher gelebt. Wer arbeiten wollte, bekam auch überall Arbeit. Die Einkommen waren zwar eher niedrig, aber dafür war alles Lebensnotwendige durch staatliche Subventionen sehr billig, und so konnte man sein Leben von Anfang an planen, wenn man das wollte. Seit 1990 ist das auch im Osten Deutschlands nicht mehr möglich, was viele Ostdeutsche Anfang der 1990er Jahre drastisch zu spüren bekamen. Viele Menschen im Osten hatten sich über die Verhältnisse im Westen Illusionen gemacht, die nun sehr schnell zerplatzten. Das führte dann zu einer großen Ernüchterung und Verunsicherung, die sich nicht nur dadurch äußerte, daß Kohl plötzlich mit Eiern beworfen wurde, sondern eben auch im Rückgang der Geburtenzahlen.
Viele Menschen sind nun einmal bestrebt, für ihre Kinder ein sicheres Umfeld zu schaffen. Wenn Menschen sich aber in ihrer Umwelt unsicher fühlen und das Gefühl haben, ihr Leben nicht mehr fest in der Hand zu haben, sondern jederzeit Opfer irgendwelcher unvorhersehbarer Ereignisse werden zu können, dann sinkt ihre Neigung, Kinder in die Welt zu setzen. Ganz besonders dann, wenn sie sich noch an Zeiten erinnern, in denen die Umstände wesentlich günstiger waren, weil dann nämlich die momentane Unsicherheit noch stärker als solche empfunden wird.
Auf Männer trifft das noch mehr zu als auf Frauen, da Männer zusätzlich auch noch bei einer Trennung von Unterhaltszahlungen betroffen sein können. Momentan ist es so, daß de facto einzig und allein die Frau bestimmen kann, ob sie und ihr Partner ein Kind bekommt oder nicht. Normalerweise sollte sie das zwar mit ihren Partner absprechen - sie muß das aber nicht tun, sondern bekommt sämtliche Unterstützung auch dann, wenn sie ihren Partner bewußt hintergeht und z.B. ohne sein Wissen einfach so die Pille absetzt. Darüber hinaus kann eine Frau nicht nur bestimmen, ob sie ein Kind bekommt, sondern auch noch, von wem sie es bekommt. Zwar hat ihr Partner die Möglichkeit, bei Zweifeln an seiner Vaterschaft einen Gentest machen zu lassen - aber es wird schon eifrig daran gearbeitet, Männern auch diese Möglichkeit zu nehmen.
Wenn es so weit ist, daß es Verhütungsmittel für Männer gibt, die in Anwendung und Nebenwirkungen mit denen für Frauen vergleichbar sind, dann wird der Geburtenrückgang noch viel deutlicher ausfallen. Denn erst dann können die Männer auch wirklich mitbestimmen, und erst dann wird sich die größere Unsicherheit, in der sie sich befinden, auswirken.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Jammern auf hohem Niveau !
Emmalein, Tuesday, 06.04.2004, 16:39 (vor 7976 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von Garfield am 06. April 2004 11:39:23:
´Hi, Garfield,
hmm, welche Neuerungen meinst Du? KDF? Das ist doch nach Hitler wieder abgeschafft worden! Die 40 h Woche? Haben englische Gewerkschaften auch bewirkt! Englische Gewerkschaften waren überigens viele Jahre lang im Vergleich zu deutschen verdammt streikfreudig und haben das Land viele Jahre lang gelähmt. Die eiserne Lady, deren Namen sicherlich wir beide kennen, hat die Macht der Gewerkschaften in den 1980ern enorm beschnitten und viele Einschnitte in das von labour hervorragend ausgestatttete soziale Netz getätigt. Mit dem Ergebnis, dass heute Menschen auf lebensnotwendige OPs teilweise viele Jahre warten müssen, auf langen Wartelisten sind ihre Namen verzeichnet. Wer es sich in England leisten kann, versucht, seine Krankheit in Privatkrankhäuser nach Frankreich zu exportieren.
Frankreich steckt momentan in einer ähnlichen Krise wie Deutschland; die konservative Regierung wurde deswegen schon abgewählt, an jeder Ecke wird gestreikt (Franzosen sind sowieso ein sehr streit-freudiges Völkchen). In Deutschland scheint sie nur noch dramatischer zu sein, denn die Arbeitslosenzahlen sind ja noch höher, das Wirtschaftswachstum noch geringer.
Ein Nachfrageproblem im Bereich der Binnennachfrage haben wir in der Tat. Siehst Du irgendwelche Lösungsmöglichkeiten für dieses Problem? Meines Erachtens wäre es dazu am wichtigsten, neue Arbeitsplätze entstehen zu lassen; wenn die Arbeitslosigkeit sinkt, werden auch die Teile der Bevölkerung wieder Geld ausgeben, die noch ein bisschen haben. Vielleicht könnte eine Erleichterung bei Betriebsgründungen zu einer Senkung der Arbeitslosigkeit führen. Ich bin mir da aber nicht sicher. Was meinst Du dazu?
Im Normalfall wird bei den meisten Paaren die Entscheidung Kind oder nicht Kind, wer verhütet wie doch sehr genau abgesprochen. Ich kann mich nicht einmal an einen ONS erinnern, wo ich diese Frage nicht angesprochen hätte! Um wieviel mehr muss das dann ein wichtiges Thema in der Partnerschaft sein!
Kondome sind im übrigen auch sehr sicher und ein Verhütungsmittel, das Männer heute schon relativ unproblematisch anwenden können. Das ist zwar nur ein Mittel, im Vergleich zu den vielen ,die Frauen zur Verfügung haben (Spirale, Hormonpflaster, Hormonspritze, Berechnung der fruchtbaren Tage und Femidom gibt es ja auch noch, und nicht zu vergessen, Schaums und Gels, die Pille ist beileibe nicht das einzig existente Verhütungsmittel!), aber es kann ausschliesslich von Männern angewandt werden. Viele Männer und manche Frauen haben aber wegen der Gefühls-unechtheit mit Kondomen ein Problem. Dennoch möchte ich auf das Kondom hinweisen, weil es Deine These widerlegt,dass nur Frauen einen Einfluss auf die Verhütung haben können.
De facto bestimmen also in den meisten Partnerschaften Männer heute schon mit, ob Kinder gezeugt werden oder nicht!
Es grüsst freundlich
das Emmalein
Re: Jammern auf hohem Niveau !
Garfield, Tuesday, 06.04.2004, 19:27 (vor 7976 Tagen) @ Emmalein
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von Emmalein am 06. April 2004 13:39:03:
Hallo Emmalein!
KDF war nur eine Sache, die in der Nazi-Zeit zugunsten der einfachen Bevölkerung eingeführt wurde. Der 1. Mai beispielsweise wurde erst durch die Nazis zum Feiertag erklärt. Es wurde auch viel dafür getan, daß auch Menschen aus dem einfachen Volk studieren können. Es gab auch diverse Unterstützung für kinderreiche Familien (das ging teilweise soweit, daß solche Familien kostenlos nagelneue Häuser samt Einrichtung zu Verfügung gestellt bekamen). Man mußte dem Begriff "sozialistisch" im Parteinamen ja schon irgendwie gerecht werden, und gerade zu Anfang konnte man es sich nicht leisten, die Hoffnungen zuvieler Menschen zu enttäuschen.
Außerdem wurde die NSDAP ja von Anfang an sehr durch Hitler geprägt. Schon kurz nach seinem Eintritt in die DAP (wie die Partei damals noch hieß), führte er dort das Führer-Prinzip ein und schaffte damit demokratische Entscheidungen weitgehend ab. Von da an bestimmte vor allem er, wo es lang ging. Hitler stammte aber selbst aus dem einfachen Volk und so waren ihm die Sorgen der normalen Durchschnittsmenschen durchaus vertraut. In einem seiner Monologe, die im Auftrag Bormanns aufgezeichnet wurden, äußerte er beispielsweise mal die Idee, Normgrößen für Fenster einzuführen, damit man beim Umzug keine neuen Gardinen kaufen muß, sondern die Gardinen aus der alten Wohnung weiter verwenden kann. Auf so eine Idee wäre jemand wie z.B. Wilhelm II. niemals gekommen.
Wie Hitler selbst war denn auch die nationalsozialistische Bewegung sehr widersprüchlich. Einerseits war da der krankhafte Haß gegen Juden, Kommunisten und andere Rassen, eine ständige Gewaltbereitschaft und das Bestreben, jeden Menschen bedingungslos den Zielen der Führung unterzuordnen, andererseits aber eben auch einige Maßnahmen, die für das normale Volk durchaus positiv waren.
Der 8-Stunden-Arbeitstag wurde schon 1918 in Deutschland eingeführt. Und diverse Sozialgesetze gehen ja auch auf die Bismarck-Ära zurück. Aber ich denke, wenn es in Deutschland die Nazi-Diktatur nicht gegeben hätte, dann hätten zumindest die westlichen Alliierten nach der Besetzung Deutschlands alles das abgeschafft und den Deutschen ihr System übergestülpt.
"Englische Gewerkschaften waren überigens viele Jahre lang im Vergleich zu deutschen verdammt streikfreudig und haben das Land viele Jahre lang gelähmt."
Ja, aber warum denn? Weil es den Menschen dort eben nie so gut ging wie uns Deutschen. Deshalb gibt es ja heute auch in Frankreich und Italien große Protestdemos und Streiks bei Sozialkürzungen, während in Deutschland nicht sehr viel passiert. Vielen Deutschen geht es eben noch zu gut.
"Die eiserne Lady, deren Namen sicherlich wir beide kennen, hat die Macht der Gewerkschaften in den 1980ern enorm beschnitten und viele Einschnitte in das von labour hervorragend ausgestatttete soziale Netz getätigt."
Das konnte sie sich leisten, weil Großbritannien vom Kalten Krieg nicht so direkt betroffen war wie Deutschland. Durch Großbritannien zog sich keine Grenze, und man mußte nicht befürchten, daß die Menschen aufgrund der nichtvorhandenen Sprachbarriere womöglich bald scharenweise ins andere Lager überlaufen, weil es dort eine bessere soziale Absicherung gibt.
In Großbritannien war auch die Kaufkraft der breiten Masse der Bevölkerung nie so hoch wie in Deutschland. Da konnte die Wirtschaft nicht jahrzehntelang auf dem Binnenmarkt Lohnerhöhungen locker durch Preissteigerungen abfangen und dabei immer noch mehr Gewinn einfahren. Das hat dann eben auch dazu beigetragen, daß der Sozialabbau dort schon sehr viel eher kam. Zumal die britische Regierung auch nach dem Zweiten Weltkrieg immer mehr Geld für die Rüstung ausgegeben hat als die deutsche.
Jetzt, wo der deutsche Binnenmarkt immer schwächer wird, kommt das alles auch auf uns zu.
"Ein Nachfrageproblem im Bereich der Binnennachfrage haben wir in der Tat. Siehst Du irgendwelche Lösungsmöglichkeiten für dieses Problem? Meines Erachtens wäre es dazu am wichtigsten, neue Arbeitsplätze entstehen zu lassen; wenn die Arbeitslosigkeit sinkt, werden auch die Teile der Bevölkerung wieder Geld ausgeben, die noch ein bisschen haben. Vielleicht könnte eine Erleichterung bei Betriebsgründungen zu einer Senkung der Arbeitslosigkeit führen. Ich bin mir da aber nicht sicher. Was meinst Du dazu?"
Erleichterungen bei Betriebsgründungen halte ich auch für sinnvoll, aber das allein reicht nicht. Das Problem besteht ja auch darin, Kunden für neue Produkte und Dienstleistungen zu finden. Zwar schaffen mehr Betriebe mehr Arbeitsplätze und damit auch mehr Kunden - das Problem besteht nur darin, daß die Kunden vorher schon da sein müssen...
Zunächst einmal muß man sich von der Vorstellung lösen, daß die Krise vorübergehend wäre und daß irgendwann ein Aufschwung kommen würde, der mit einem Schlag Millionen neuer Arbeitsplätze bringt. Das wird so nicht passieren.
Es wird weiterhin in allen Bereichen Rationalisierung und damit Personaleinsparungen geben. Auch Lohnsenkungen werden daran nichts wesentliches ändern, denn es geht dabei nicht nur um Lohneinsparungen. Noch viel mehr geht es darum, flexibler arbeiten zu können. Ein Mensch kann nun einmal beim besten Willen nicht 24 Stunden am Tag durcharbeiten, und das 7 Tage pro Woche und 52 Wochen pro Jahr. Viele Maschinen können das aber. Obendrein sind Maschinen häufig sogar noch präziser als Menschen und machen weniger Fehler.
Auch die Verlagerung der Produktion ins Ausland wird weitergehen. Auch dabei geht es keineswegs nur um die niedrigeren Lohnkosten. Aufgrund der hohen Wachstumsraten in Indien zahlt man beispielsweise für ein Softwarehaus dort ein Vielfaches des Preises, der für ein vergleichbares deutsches Softwarehaus fällig wäre. Da braucht man dann einige Zeit, um diese hohen Investitionen wieder herein zu bekommen. Das lohnt sich nur durch diese hohe Wachstumsrate. Und genau das ist der wesentliche Grund für die Produktionsverlagerung. Denn bei hohen Wachstumsraten wachsen eben auch die Profite sehr schnell, während sie in einem Land mit geringem Wachstum wie Deutschland, auch entsprechend langsam wachsen. Das schnelle Geld zählt aber mehr als alles andere. Deshalb wollen und müssen große Unternehmen auf Märkten mit hohem Wachstum präsent sein, und deshalb verlagern sie auch ihre Produktion zunehmend dorthin.
Das alles sind Vorgänge, die man vielleicht bremsen, aber nicht wirklich aufhalten kann. So ist es wichtig, daß wir uns möglichst schnell darauf einstellen.
Wir haben das Problem, daß für immer mehr Menschen keine Erwerbsmöglichkeiten vorhanden sind. Dieses Problem läßt sich nur lösen, indem man die vorhandenen Erwerbsmöglichkeiten auf die arbeitsfähigen Menschen verteilt.
Das läßt sich nur durch Arbeitszeitverkürzungen erreichen. Dann haben wir aber das Problem, daß viele Menschen mit dem dadurch niedrigeren Einkommen ihre Lebenshaltungskosten nicht mehr zahlen können.
Also muß man sicherstellen, daß für jeden Menschen die Grundversorgung mit allem Lebensnotwendigen gesichert ist. Ein System wie in der DDR, wo alles Lebensnotwenige staatlich subventioniert wurde, hat verschiedene Mängel. Vor allem führt das zu Verschwendung. Der Wasserverbrauch war in der DDR beispielsweise gut doppelt so hoch wie im Westen. Denn weil die Wasserpreise sehr niedrig waren, hat so mancher Gartenbesitzer seinen Garten einfach mit Leitungswasser gegossen.
Wir brauchen also eine andere Lösung. Man muß das gesamte Sozialsystem so umbauen, daß jeder Mensch - unabhängig vom Einkommen - eine monatliche Geldsumme vom Staat zur Verfügung gestellt bekommt, die dem durchschnittlichen Bedarf einer Person an lebenswichtigen Gütern entspricht. Dann kann es sich nämlich jeder Mensch leisten, beruflich kürzer zu treten oder auch für Kinder mal zu Hause zu bleiben.
Dann bräuchten wir eigentlich das gesamte jetzige Sozialsystem nicht mehr. Wir bräuchten auch keine staatliche Rentenkasse mehr, und auch keine Arbeitslosenversicherung. Nur Krankenversicherung wäre weiterhin sinnvoll.
Sogar Gewerkschaften und Tarifverträge wären dann überflüssig. Denn wenn niemand mehr nur für die bloße Existenz arbeiten müßte, wäre auch niemand gezwungen, irgendeinen miesen Job für schlechte Bezahlung anzunehmen. Man würde dann ja nur noch für Luxusgüter arbeiten, also z.B. für ein Auto usw. Es gäbe dann wirklich einen freien Arbeitsmarkt, auf dem also Unternehmer und Bewerber das Gehalt frei aushandeln könnten. Neoliberale fordern das ja immer freie Märkte - also sollte man ihnen diese Forderung eben hier erfüllen. 
Ich sehe dazu keine Alternative. Das Festhalten am jetzigen System wird ohne Eintritt eines Wunders (von dem ich nicht weiß, woher es kommen sollte) unweigerlich zum Chaos führen. Denn je höher die Arbeitslosenzahlen steigen, umso weniger ist das Sozialsystem finanzierbar, umso höher wird die Steuerbelastung für diejenigen, die noch Arbeit haben, steigen, umso mehr wird die Kaufkraft sinken und umso schneller wird sich die Abwärtsspirale drehen. Und so wird dann bald der Punkt erreicht sein, an dem das alles nicht mehr finanzierbar ist. Es ist gut möglich, daß es uns in 20 Jahren noch weitaus schlimmer gehen wird als beispielsweise den Menschen in Frankreich oder gar in den USA. Weil komplizierte Prozesse häufig eine Eigendynamik entwickeln, und wenn es erstmal abwärts geht, dann stoppt diese Entwicklung auch nicht mehr so schnell.
"Im Normalfall wird bei den meisten Paaren die Entscheidung Kind oder nicht Kind, wer verhütet wie doch sehr genau abgesprochen."
Das mag ja sein. Die Frage ist nur, ob alle Frauen sich dann an diese Absprachen halten. Man hört so häufig von Pillen, die versagt haben, und das, obwohl die Wirksamkeit meist bei mindestens 97 % liegt. Also ist es doch offensichtlich, daß in vielen dieser Fälle die Schwangerschaften von den Frauen sehr wohl gewollt waren. Nur wollten offenbar die Partner keine Kinder, und dann hilft frau eben schon mal etwas nach.
"Kondome sind im übrigen auch sehr sicher und ein Verhütungsmittel, das Männer heute schon relativ unproblematisch anwenden können."
Nein, das ist definitiv nicht so. Für die meisten Menschen - sowohl für Männer als auch Frauen - ist es eher nervig und abregend, zwischendurch mit einem Kondom herumfummeln zu müssen, und es fühlt sich (auch für Frauen) nicht so gut an. Man nimmt das bei häufig wechselnden Partnern für den Schutz vor AIDS und Geschlechtskrankheiten in Kauf, aber in einer festen Partnerschaft lassen die meisten Menschen Kondome nach Möglichkeit weg.
Obendrein gab es schon Fälle, in denen Frauen die Kondome ihrer Partner angestochen haben, um von ihnen schwanger zu werden.
Es ist also trotz Kondom bei vielen Paaren so, daß die Frauen allein bestimmen können, ob sie schwanger werden oder nicht. Auch ohne den Partner überhaupt nur zu fragen. Das heißt nicht, daß das jede Frau tut - aber viele Frauen könnten es tun, wenn sie das wollten.
Es gibt momentan nur eine Möglichkeit für Männer, um davor sicher zu sein: Wenn die Partnerin mit einem Implanon-Stäbchen verhütet. Solch ein Stäbchen ist sehr sicher (in Tests über 99%), es hält 3 Jahre, man(n) kann es deutlich fühlen, und die Frau hat keine Möglichkeit, es einfach mal rauszunehmen.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Jammern auf hohem Niveau !
Emmalein, Wednesday, 07.04.2004, 11:39 (vor 7975 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von Garfield am 06. April 2004 16:27:34:
Hi, Garfield,
gut, die Sache mit dem ersten Mai und das mit dem Studieren für Ärmere hab ich nicht bedacht. Allerdings gibt es den labour day auch in Grossbritannien (wenn auch nicht am ersten Mai), und wer absolut kein Geld für die Studiengebühren hat, kann zinsgünstige Darlehn von den Banken bekommen. Das bedeutet zwar eine hohe Verschuldung, aber es ist nicht so, dass in Grossbritannien nur Reiche studieren können. Das wollte ich mal klarstellen. Ich war mal in Oxford, da hat man mich irrigerweise für eine sich bewerbende Studentin gehalten (ich habe mich sehr geschmeichelt gefühlt, dass man mir so etwas zutraut!), und da wurde mir das gesagt, als ich sagte, ich würde ja wahnsinnig gern in Oxford studieren, hätte dafür aber kein Geld.
Die von Dir erkannte Widersprüchlichkeit erklärt sich aus der nationalsozialistischen Ideologie der Volksgemeinschaft, in der jedes Volk als Teil einer Rasse gegen andere Rassen kämpft. Das bedeutet Solidarität nach innen, Kampf und Ausrottung nach aussen. Juden waren der Erzfeind, die Gegenrasse zur arischen, die nur ein Ziel hatte: Die arische Rasse zu vernichten. In der nationalsozialistischen Ideologie war also die Vernichtung der Juden eine Art Präventivschlag.
(Vielleicht rührt daher meine Abneigung gegenüber allzu einfachen Lösungen, z. B. der Konstruktion einer feministischen Weltverschwörung oder eines heute noch auf westlichem Boden existierenden Patriarchiats - so ein Schwarz-Weiss-Denken führt meist zur Vernichtung des als schwarz gesehenen "Gegners" und konstruiert Gegnerschaften, die gar nicht vorhanden sind.)
Manchmal glaube ich, dass der Zusammenbruch des Sozialismus aus einem Grund bedauerlich ist: Er fördert weltweit ein Raubrittertum, das sich hinter Begriffen wie "Marktanpassung", "Globalisierung" und "weltweite Konkurrenz" versteckt, bei dem sich aber Konzernchefs bei feindlichen Übernahmen und Politiker mit Sondervergünstigungen wunderbar selbst bedienen, ohne dass auch nur ein Wähler oder ein Aktionär was dagegen unternehmen kann.
Nun ja, wenn man das Ford-Modell übernimmt, hat man gleich Arbeitsplätze und Kundschaft in einem geschaffen.. Ich weiss zwar nicht, ob das in allen Branchen funktioniert, aber es könnte ein Ansatz sein.
Die Frage ist: Wie willst Du eine solche Existenzsicherung für alle finanzieren? Woher soll der Gegenwert stammen? Wer soll den erwirtschaften und wie? Ich glaube, dass ein solches MOdell, wie Du es vorschlägst, darum in der Praxis nicht funktioniert. Denn die, die dann so blöd sind und noch arbeiten, müssten ja enorme steuerliche Einbusse für ihre Tätigkeit in Kauf nehmen. Glaubst Du, da macht noch einer einen Handschlag? DA bin ich, ehrlich gesagt, eher skeptisch.
Wenn die Arbeitsplätze alle ins Ausland verlagert werden, gibt es aber ein Problem, das so nicht gelöst werden kann: Das des Absatzmarktes. Teure Produkte müssen auch verkauft werden. Und wenn sich wegen der niedrigeren Löhne in Indien keiner die teuren PCs leisten kann und hier alle Arbeitslos sind, müssen dann die Preise sinken. DAnn haben wir aber wieder ein ähnliches Lohn-Preis-Verhältnis wie zur Zeit in D. Eine Verlagerung ins Ausland löst also die Probleme nur bei einer äusserst kurzsichtigen Denkweise, es sei denn, das Kapital wandert und wandert und wandert.. Aber man kann nicht immer wieder neue Unternehmensgründungen finanzieren, so etwas kostet auch Geld.
Sollten sich Frauen an die betreffenden Absprachen nicht halten können oder wollen, gibt es ja immer noch die Möglichkeit für Männer, mit KOndomen zu arbeiten. Und auf die Kondome immer schön aufzupassen. (Wobei es wirklich leichter ist, eine Schwangerschaft zu bekommen - viele Männer sprechen bei Kurzzeitbeziehungen oder ONS das Problem Verhütung gar nicht an, also,wem es nur um ein Kind geht, wie es ja bei diesen Frauen der Fall zu sein scheint, der kann locker mit irgendwem ins Bett gehen und sich nur einen AIDS-Test zeigen lassen. Nach meiner Erfahrung gibt es kaum Männer, die Verhütungsmittel dabei haben bei Touren oder die sich um das Thema bei Kurzzeitsachen überhaupt Gedanken machen - ich hatte immer die Kondome dabei, die Typen meist nicht).
Wenn man dieses Stäbchen so deutlich fühlt, nervt das dann nicht auch beim Sex? Also deswegen ist das dann ja auch problematisch, wenn das KOndom auch als so störend empfunden wird.
Es grüsst
das Emmalein
Re: Jammern auf hohem Niveau !
Garfield, Wednesday, 07.04.2004, 17:06 (vor 7975 Tagen) @ Emmalein
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von Emmalein am 07. April 2004 08:39:28:
Hallo Emmalein!
"(Vielleicht rührt daher meine Abneigung gegenüber allzu einfachen Lösungen, z. B. der Konstruktion einer feministischen Weltverschwörung oder eines heute noch auf westlichem Boden existierenden Patriarchiats - so ein Schwarz-Weiss-Denken führt meist zur Vernichtung des als schwarz gesehenen "Gegners" und konstruiert Gegnerschaften, die gar nicht vorhanden sind.)"
Das sehe ich genauso. Allerdings ist es so, daß es tatsächlich Radikalfeministinnen gibt, die ernsthaft eine Ausrottung des männlichen Geschlechts anstreben und daß diesen Radikalfeministinnen aus verschiedenen Gründen viel zuviel öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wird. Teilweise sitzen solche Leute heute sogar in Ministerien und entwerfen Gesetze. So ist es denn auch kein Wunder, daß so mancher das als feministische Weltverschwörung sieht.
"Manchmal glaube ich, dass der Zusammenbruch des Sozialismus aus einem Grund bedauerlich ist: Er fördert weltweit ein Raubrittertum, das sich hinter Begriffen wie "Marktanpassung", "Globalisierung" und "weltweite Konkurrenz" versteckt, bei dem sich aber Konzernchefs bei feindlichen Übernahmen und Politiker mit Sondervergünstigungen wunderbar selbst bedienen, ohne dass auch nur ein Wähler oder ein Aktionär was dagegen unternehmen kann."
Das macht mir eben auch große Sorgen. Zur Zeit des Kalten Krieges waren die Politiker im Westen viel mehr daran interessiert, daß der Lebensstandard der Bevölkerung relativ hoch blieb, um im Wettstreit mit dem sozialistischen Lager gut dazustehen. Man wollte, daß die Menschen sowas wie Sozialismus für überflüssig halten, da doch auch im Kapitalismus die soziale Absicherung bestens funktioniert. Übersehen wurde dabei, daß das System in der Bundesrepublik ja auch nie der reine, pure Kapitalismus war, sondern eben eine soziale Marktwirtschaft, also eine Mischung aus Kapitalismus und Sozialismus. Auch das DDR-System war letztendlich so eine Mischung, nur daß dort der Schwerpunkt auf den sozialen Bereich gelegt wurde.
Jetzt, wo es kein sozialistischen Lager mehr gibt, ist dieser Wettstreit überflüssig geworden, und so glaubt man nun, wieder zur kapitalistischen Tagesordnung übergehen zu können, indem man nach und nach das deutsche Sozialsystem demontiert und den blanken, puren Kapitalismus des 19. Jahrhunderts einführt. Das nützt letztendlich nur den Großkonzernen, die so noch den fetten Reibach einfahren können, bevor der deutsche Binnenmarkt so tot ist, daß sie sich hier ganz zurück ziehen. Für die ist Deutschland nur ein Markt von vielen. Und die A-Karte haben dann diejenigen, die nicht so einfach anderswo hingehen können - eben viele mittlere und kleine Unternehmen und all die einfachen Leute.
"Nun ja, wenn man das Ford-Modell übernimmt, hat man gleich Arbeitsplätze und Kundschaft in einem geschaffen.."
Ford-Modell? Irgendwann hab ich auch schon mal was davon gehört, aber es fällt mir jetzt nicht ein. Was hat es denn damit auf sich?
"Die Frage ist: Wie willst Du eine solche Existenzsicherung für alle finanzieren?"
Das ist eine sehr berechtigte Frage. Das müßte man echt mal durchrechnen. Man muß aber dabei auch sehen, daß im Gegenzug ja nahezu das gesamte jetzige Sozialsystem überflüssig wäre und man da einiges einsparen könnte.
Sozialhilfe würde z.B. entfallen, und auch Arbeitslosengeld und staatliche Renten. Auch die dazu nötigen Behörden würden wegfallen. Man bräuchte nur noch eine relativ kleine Behörde, die sicherstellt, daß jeder Bürger diese Zahlung wirklich nur einmal bekommt.
Man muß dabei auch bedenken, daß sowohl Produktion als auch Dienstleistungen zunehmend automatisiert ohne menschliche Arbeitskräfte ablaufen. Letztendlich bedeutet das, daß ein Teil des Gewinnes, der durch die menschliche Arbeitskraft erwirtschaftet wurde, in Maschinen investiert wird, daß die Menschen zunehmend aus dem Berufsleben ausgeschlossen werden und dann letztendlich von der Arbeit der Maschinen, die sie selbst mit erarbeitet haben, nichts heraus bekommen. Was spricht dagegen, Betriebe, die nur oder überwiegend Maschinen einsetzen, dann auch stärker zu besteuern? Denkbar wären auch andere Möglichkeiten - z.B. vollautomatische staatliche Betriebe, die ihre Produkte zu üblichen Marktpreisen verkaufen und dabei Gewinne erwirtschaften, die dann mit für diese Zahlungen zur Lebensunterhaltssicherung verwendet werden. Wie auch immer: Es ist wichtig, das System so umzubauen, daß die Automatisierung der Bevölkerung Nutzen bringt und keinen Schaden.
Außerdem hätten Menschen so mehr Möglichkeiten, ehrenamtliche Tätigkeiten zu übernehmen. Jetzt können viele Menschen das gar nicht, weil sie nun einmal für ihren Lebensunterhalt auf Vollzeit arbeiten müssen und dadurch keine Zeit mehr für irgendwelche ehrenamtlichen Tätigkeiten haben.
Ich sehe jedenfalls keine andere Möglichkeit, um die vorhandenen Erwerbsmöglichkeiten auf alle zu verteilen.
Der jetzige Kurs läuft darauf hinaus, die Menschen, die keine Erwerbsmöglichkeiten mehr finden, dann eben ins soziale Abseits zu drängen. Da das immer mehr Menschen betreffen wird, wird das jetzige soziale Netz bald überlastet sein und dann auch bald nicht mehr existieren. So sinkt die Kaufkraft immer weiter, der deutsche Markt wird dadurch immer uninteressanter, die Wirtschaft wandert zunehmend aus, Armut und Kriminalität steigen immer weiter an, und irgendwann werden wir die Situation haben, daß sich die jetzige bürgerliche Gesellschaft in einige Städte zurückziehen und sich dort von der Außenwelt abschotten wird, während draußen das Chaos ausbricht. In den USA gibt es schon bewachte Wohnsiedlungen für Besserverdienende.
"Wenn die Arbeitsplätze alle ins Ausland verlagert werden, gibt es aber ein Problem, das so nicht gelöst werden kann: Das des Absatzmarktes. Teure Produkte müssen auch verkauft werden."
Das ist kein Problem. Wenn man teure Produkte nicht loswird, bietet man eben billige Produkte an. In China können die großen Automobilhersteller z.B. Autos für wenige tausend Euro verkaufen. Der Grund dafür sind keineswegs die niedrigeren Lohnkosten (die Produktion ist dort auch schon stark automatisiert), sondern die Tatsache, daß diese Autos dann eben keine aufwändige Ausstattung haben. Da hat man nicht Airbags, ABS, ESP, Klimaanlage usw. gleich serienmäßig mit drin und muß das also alles nicht zwangsläufig mit bezahlen.
Nun ist die Frage, wieso die Wirtschaft das in Deutschland nicht tut. Der Smart beispielsweise war im Prinzip keine schlechte Idee. Leider ist er nur weit überteuert. Begründet werden die hohen Preise in Deutschland häufig damit, daß die Kunden hier halt höhere Ansprüche hätten und daß man billige Produkte nicht loswerden würde.
Das ist aber Unsinn. Tatsächlich ist es so, daß die Wirtschaft häufig gar keine billigen Produkte anbieten möchte. Die Autohersteller könnten ja z.B. auch von jedem Modell eine absolute Billigvariante anbieten, die nur die allernötigste Ausstattung hat. Der Kunde könnte dann alles, was er zusätzlich noch möchte, als Extras dazu bestellen. Man könnte dann trotzdem damit werben, daß so ein Modell dann inklusive Klimaanlage usw. nur 14999 Euro kostet.
Das will die Wirtschaft aber gar nicht. Denn je mehr man verkauft, umso höher fällt der Gewinn aus. Wenn man nicht nur ein simples Auto, sondern ein Auto mit diversen Extras verkauft, fällt der Gewinn eben auch höher aus. Die Unternehmen haben es in Deutschland erfolgreich geschafft, hochwertige Autos am Markt zu etablieren. Wenn nun ein Unternehmen plötzlich ein Automodell ohne irgendwelche Extras herausbringt, dann muß es gerade angesichts der sinkenden Einkommen damit rechnen, daß viele Kunden sich dafür entscheiden werden und daß die Modelle mit hochwertiger Ausstattung entsprechend weniger gekauft werden. Damit sinkt der Gewinn pro Stück. Also löst man das Problem lieber durch Ratenzahlungen und sorgt ansonsten dafür, daß die Autos auch ja nicht zu billig ausgestattet werden.
In China sieht das ganz anders aus. Dort wächst der Markt noch, und die Menschen haben noch vergleichsweise niedrige Einkommen. Man kann dort zwar durchaus auch Luxusprodukte absetzen, aber es gibt eben sehr viele Menschen mit niedrigen Einkommen, und da muß man eben auch billige Produkte anbieten. Genau wie man das in Deutschland nach dem Krieg getan hat. Der VW Käfer beispielsweise war ja auch alles andere als ein Luxusgefährt. Wenn man die Chinesen aber erstmal soweit hat, daß sie massenweise hochwertige Autos kaufen, dann werden die billigen Modelle ganz schnell verschwinden. Nicht nur, weil die Kunden das so wollen, sondern viel mehr, weil die Hersteller das so möchten.
"Aber man kann nicht immer wieder neue Unternehmensgründungen finanzieren, so etwas kostet auch Geld."
Das kommt darauf an, wie man es aufzieht. Natürlich hat man immer Kosten, aber wenn ein Markt ein hohes Wachstumspotenzial hat, dann hat man diese Kosten schnell wieder raus und macht dann gute Gewinne. Auf einem Markt mit geringem Wachstumspotenzial sieht das anders aus.
Die Preise für indische Unternehmen sind letztendlich ja nur deshalb so hoch, weil die Nachfrage offensichtlich entsprechend groß ist.
"Sollten sich Frauen an die betreffenden Absprachen nicht halten können oder wollen, gibt es ja immer noch die Möglichkeit für Männer, mit KOndomen zu arbeiten."
Aber Kondome sind wirklich lästig und werden deshalb in festen Partnerschaften häufig gar nicht verwendet.
"Wenn man dieses Stäbchen so deutlich fühlt, nervt das dann nicht auch beim Sex?"
Das Implanon-Stäbchen kommt meist in den Oberarm, und zwar in die Innenseite. Beim Sex stört es deshalb nicht. Es gibt ja nur Hormone dosiert ab, und deshalb spielt es keine Rolle, wo genau es im Körper eingesetzt wird. Es muß nur eine Stelle sein, wo es unsichtbar ist und bei Bewegungen nicht stört. Wenn es so etwas für Männer gäbe, würde ich das auch benutzen. Bei Frauen hat es allerdings noch einen angenehmen Nebeneffekt: Die Regelblutung verringert sich deutlich und hört manchmal sogar fast ganz auf.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Jammern auf hohem Niveau !
carlos, Wednesday, 07.04.2004, 21:29 (vor 7975 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von Garfield am 07. April 2004 14:06:59:
Servus Garfield!
Ich mische mich einfach einmal in die Debatte, und wenn der famose Joerg mich wieder loeschen will, dann soll er halt.
*"Manchmal glaube ich, dass der Zusammenbruch des Sozialismus aus einem Grund bedauerlich ist: Er fördert weltweit ein Raubrittertum, das sich hinter Begriffen wie "Marktanpassung", "Globalisierung" und "weltweite Konkurrenz" versteckt, bei dem sich aber Konzernchefs bei feindlichen Übernahmen und Politiker mit Sondervergünstigungen wunderbar selbst bedienen, ohne dass auch nur ein Wähler oder ein Aktionär was dagegen unternehmen kann."
Das macht mir eben auch große Sorgen. Zur Zeit des Kalten Krieges waren die Politiker im Westen viel mehr daran interessiert, daß der Lebensstandard der Bevölkerung relativ hoch blieb, um im Wettstreit mit dem sozialistischen Lager gut dazustehen. Man wollte, daß die Menschen sowas wie Sozialismus für überflüssig halten, da doch auch im Kapitalismus die soziale Absicherung bestens funktioniert. Übersehen wurde dabei, daß das System in der Bundesrepublik ja auch nie der reine, pure Kapitalismus war, sondern eben eine soziale Marktwirtschaft, also eine Mischung aus Kapitalismus und Sozialismus. Auch das DDR-System war letztendlich so eine Mischung, nur daß dort der Schwerpunkt auf den sozialen Bereich gelegt wurde.
Jetzt, wo es kein sozialistischen Lager mehr gibt, ist dieser Wettstreit überflüssig geworden, und so glaubt man nun, wieder zur kapitalistischen Tagesordnung übergehen zu können, indem man nach und nach das deutsche Sozialsystem demontiert und den blanken, puren Kapitalismus des 19. Jahrhunderts einführt. Das nützt letztendlich nur den Großkonzernen, die so noch den fetten Reibach einfahren können, bevor der deutsche Binnenmarkt so tot ist, daß sie sich hier ganz zurück ziehen. Für die ist Deutschland nur ein Markt von vielen. Und die A-Karte haben dann diejenigen, die nicht so einfach anderswo hingehen können - eben viele mittlere und kleine Unternehmen und all die einfachen Leute.*
Der Zusammenbruch des Sozialismus war ein Segen; niemandem moechte ich je gestatten, dass er sich meinen Kopf zerbricht: Das will ich gefaelligst selber tun. Die Tatsache, dass es uns heute gesamtdeutsch schlecht geht, liegt an der vergeigten und verkorksten Wiedervereinigung und an den Fehlern, die Westdeutschland so in etwa ab der Zeit unter Willy Brandt gemacht hat. Und daran kranken wir noch heute. Sein Motto war eine Art sanfter Sozialismus, der all denjenigen Leuten, die zu faul und zu bequem waren, selber ueber das eigene Nasenspitzl hinaus zu denken, sehr in den Kram gepasst hat. Und weil diese Leute so viele waren, die vergessen durften, dass sie im Grunde schon immer auch fuer sich selber zustaendig waren, liebten alle Onkel Willy. Der gute Brandt hat den Leuten die aberwitzigsten Versprechen gemacht, die oeffentliche Verwaltung in nie gekanntem Masse aufgeblaeht und bei all dem die solide Bezahlung vergessen; ganz im Gegenteil: Den einzigen guten Mann in seiner Truppe, Karl Schiller, hat er systematisch rausgeekelt, weil der die unsolide Schuldenmacherei nicht mittragen wollte. Wirtschaftspolitik, Finanzmathematik waren so einige Begriffe, die Herr Frahm regelrecht hasste. Im Laufe der vielen Jahre und unter Willys Nachfolgern wurden die Steuern und Sozialabgaben munter immer weiter erhoeht. Klar doch: Irgendwie mussten die krummen Stories aus dem Maerchenland ja zum mindesten halbwegs bezahlt werden. Und die Gelder, die man schon lange nicht mehr hatte, druckte man sich ueber die Jahre hinweg eben vermehrt in Form von Staatsschulden. Die damaligen Schulden sind uns gar treulich erhalten geblieben, das haben Schulden so an sich, wenn man sie nicht zurueckzahlt, und zudem hat man bis dato weiter kraeftig draufgesattelt, auch deswegen, weil ein dicker Herr Kohl aus der Pfalz in seinem Abiturszeugnis in Mathe einen Fuenfer stehen hatte und nicht rechnen konnte, danach 18 Semester Geschichte studiert hatte, angesichts dieser zu knapp bemessenen Zeitspanne aber keine Promotion mehr dranhaengen konnte (den Dr. h.c. bekam er irgendwo einmal nachgeschmissen...) und dann 16 Jahre lang als unser aller Bumskanzler saemtliche Probleme dieses Landes unter seinen ausladenden Gesaessbacken platt gesessen hatte. Die Schulden werden also auch bis zur faktischen Staatspleite noch lustig weiter steigen; ein bisserl Geduld, wenn ich bitten darf, wir haben es ja bald geschafft. Und keine gekuenstelte Aufregung: Die Mehrheit hierzulande hat uns die Leute immer wieder gewaehlt und, selbst schuld, ihnen ihre Luegen geglaubt.
Heute ist es aber so, dass sich die Multis samt ihren Bilanzen schon laengst wo anders hin verduennisiert haben. Und jetzt erodiert so nach und nach auch die mittelstaendische Basis: Entweder findet auch die den Weg nach China =darauf komme ich gleich zu sprechen= oder sie wird in die Pleite gedrueckt. Schliesslich haben vor etwa zwei Jahren die Oberspezialisten vom Bundesfinanzhof ein hoechstrichterliches Urteil gefaellt, demzufolge es rechtens sei, wenn man jemandem per Gesamtsteuerlast mehr als 65% seines Einkommens wegsteuert. Klasse, Respekt habe ich da ausgerufen, und noch mehr von diesen Spezialisten braucht das Land, damit noch mehr Mittelstaendler sich freudig auf nach China machen duerfen. Auch ein Vollidiot erkennt, dass dieses Urteil den Boden jeder Besteuerung schon laengst verlassen hat: Besser nennt man es eine teilweise, staatliche, sozialistische Enteignung.
Als Ausgleich dafuer feiern die lieben Deutschen immer noch unisono die Geburtstage von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, anstatt auf deren Graeber zu pissen.
*"Die Frage ist: Wie willst Du eine solche Existenzsicherung für alle finanzieren?"
Das ist eine sehr berechtigte Frage. Das müßte man echt mal durchrechnen. Man muß aber dabei auch sehen, daß im Gegenzug ja nahezu das gesamte jetzige Sozialsystem überflüssig wäre und man da einiges einsparen könnte.*
Oja, oja, lieber Garfield das ist wirklich eine sehr berechtigte Frage... Und durchrechnen muesste man das wirklich sehr genau... Vor allem all die ueberfluessigen, schoenen Behoerden samt ihren verbeamteten Insassen: Die lachen sich was! Beamten sind nicht kuendbar! Und du willst doch gerade die Arbeitslosgkeit senken, Garfield, oder habe ich das falsch verstanden? Im uebrigen: Gegen einen Behoerdenkahlschlag quer durchs Land haette ich gar nix einzuwenden...
*Sozialhilfe würde z.B. entfallen, und auch Arbeitslosengeld und staatliche Renten. Auch die dazu nötigen Behörden würden wegfallen. Man bräuchte nur noch eine relativ kleine Behörde, die sicherstellt, daß jeder Bürger diese Zahlung wirklich nur einmal bekommt.*
Eine relativ kleine Behoerde also, die 80 Millionen Leute mit Staatsknete versorgt und das auch noch *sicherstellen* soll, damit sich ja niemand bereichert... Das gab es nicht einmal in der DDR... Haarstraeubend...
*Man muß dabei auch bedenken, daß sowohl Produktion als auch Dienstleistungen zunehmend automatisiert ohne menschliche Arbeitskräfte ablaufen. Letztendlich bedeutet das, daß ein Teil des Gewinnes, der durch die menschliche Arbeitskraft erwirtschaftet wurde, in Maschinen investiert wird, daß die Menschen zunehmend aus dem Berufsleben ausgeschlossen werden und dann letztendlich von der Arbeit der Maschinen, die sie selbst mit erarbeitet haben, nichts heraus bekommen...*
Moooment, sie haben ihren Lohn dafuer bekommen. Sie wollen mehr verdienen? Mit einer 30-Stundenwoche ist das halt nicht hinzukriegen. Dann los gehts und sich den Arsch aufgerissen...! Du willst selbst Anteile an Unternehmen haben, aber Dein eigenes Risiko minimieren? Dann kauf Dir Aktien, und Dir gehoert solch ein Riesenunternehemn mit! Wenn du es gut anstellst, dann kannst du gutes Geld verdienen. Wenn nicht, dann halt nicht...
*...Was spricht dagegen, Betriebe, die nur oder überwiegend Maschinen einsetzen, dann auch stärker zu besteuern? Denkbar wären auch andere Möglichkeiten - z.B. vollautomatische staatliche Betriebe, die ihre Produkte zu üblichen Marktpreisen verkaufen und dabei Gewinne erwirtschaften, die dann mit für diese Zahlungen zur Lebensunterhaltssicherung verwendet werden. Wie auch immer: Es ist wichtig, das System so umzubauen, daß die Automatisierung der Bevölkerung Nutzen bringt und keinen Schaden.*
Nein. Dagegen spricht nix. Bis auf die betroffenen Unternehmen. Auch die machen halt pleite oder gehen nach China. Nur mal so nebenbei: Wer soll diese *vollautomatischen Betriebe* denn aufbauen? Wer leiten? Warum du und nicht ich? Wer soll die entwickeln? Brauchen wir zu deren Ueberwachung auch nur eine klitzekleine staatliche Behoerde oder eine bisserl groessere? Wer setzt die Preise fuer deren Produkte oder Dienstleistungen fest, vor allem dann, wen man sich bei den Kosten verkalkuliert hat? Was macht man, wenn die Sachen jetzt keiner will oder bezahlen kann? Was macht man, wenn die Geschichte so einigen Leuten zu dumm wird und sie in die USA abwandern? Erklaeren wir den USA dann den Krieg? Oder nur den Wirtschaftskrieg? Nein, Garfield: Die Kacke hattet ihr schon einmal hinter der Mauer; zum mindesten der alte carlos hier im Westen will sie nicht haben. Ich denke und arbeite lieber fuer mich selbst. Und wenn ihr partout wollt, und du genuegend Gleichgesinnte und Ostalgiker findest, dann bau sie Dir wieder auf, die Mauer, die hochautomatisierten Staatsbetriebe und deine Geldverteilungsbehoerde...
*Außerdem hätten Menschen so mehr Möglichkeiten, ehrenamtliche Tätigkeiten zu übernehmen. Jetzt können viele Menschen das gar nicht, weil sie nun einmal für ihren Lebensunterhalt auf Vollzeit arbeiten müssen und dadurch keine Zeit mehr für irgendwelche ehrenamtlichen Tätigkeiten haben.*
Aha. Waehrend die Maschinen in Deinen vollautomatischen Staatsbetrieben also von ganz alleine die Gelder fuer die Geldverteilungsbehoerde und unseren Lebensunterhalt erwirtschaften, haben wir alle mehr Zeit fuer Ehrenaemter...
*Ich sehe jedenfalls keine andere Möglichkeit, um die vorhandenen Erwerbsmöglichkeiten auf alle zu verteilen.*
Wie gesagt: Ich lasse mir von keinem vorschreiben, wieviel ich arbeiten darf und wieviel nicht. Das entscheide ich selbst.
*Der jetzige Kurs läuft darauf hinaus, die Menschen, die keine Erwerbsmöglichkeiten mehr finden, dann eben ins soziale Abseits zu drängen. Da das immer mehr Menschen betreffen wird, wird das jetzige soziale Netz bald überlastet sein und dann auch bald nicht mehr existieren. So sinkt die Kaufkraft immer weiter, der deutsche Markt wird dadurch immer uninteressanter, die Wirtschaft wandert zunehmend aus, Armut und Kriminalität steigen immer weiter an, und irgendwann werden wir die Situation haben, daß sich die jetzige bürgerliche Gesellschaft in einige Städte zurückziehen und sich dort von der Außenwelt abschotten wird, während draußen das Chaos ausbricht. In den USA gibt es schon bewachte Wohnsiedlungen für Besserverdienende.*
Der jetzige Kurs laeuft schon lange, schon seit ueber 30 Jahren darauf hinaus, dass immer mehr Leute ihr eigenstaendiges Denken an den Nagel neben der Eingangstuer zu diesem Staat abgehaengt haben; der gute Herbert Frahm hatte sie ja schliesslich seinerzeit dazu ermuntert. Dass die Welt sich permanent veraendert, ist allein die Schuld der boesen Welt, aber nicht die von Herrn Frahms Nagel... Es ist voellig normal, wenn ganze Zivilisationen im selbstverschuldeten Orkus verschwinden; das hat es immer schon gegeben. Merke: Nicht ein Arbeitsplatz wird geschaffen, wenn man glaubt, man muesse dem boesen Besserverdienenden von nebenan was wegnehmen. Das haben schon DDR und Co. vergeblich versucht.
*"Wenn die Arbeitsplätze alle ins Ausland verlagert werden, gibt es aber ein Problem, das so nicht gelöst werden kann: Das des Absatzmarktes. Teure Produkte müssen auch verkauft werden."
Das ist kein Problem. Wenn man teure Produkte nicht loswird, bietet man eben billige Produkte an. In China können die großen Automobilhersteller z.B. Autos für wenige tausend Euro verkaufen. Der Grund dafür sind keineswegs die niedrigeren Lohnkosten (die Produktion ist dort auch schon stark automatisiert), sondern die Tatsache, daß diese Autos dann eben keine aufwändige Ausstattung haben. Da hat man nicht Airbags, ABS, ESP, Klimaanlage usw. gleich serienmäßig mit drin und muß das also alles nicht zwangsläufig mit bezahlen.
Nun ist die Frage, wieso die Wirtschaft das in Deutschland nicht tut. Der Smart beispielsweise war im Prinzip keine schlechte Idee. Leider ist er nur weit überteuert. Begründet werden die hohen Preise in Deutschland häufig damit, daß die Kunden hier halt höhere Ansprüche hätten und daß man billige Produkte nicht loswerden würde.*
Der Smart war und ist ein ueberteuerter, technischer Rohrkrepierer; er muss in einem Atemzug mit der kompletten C=Klasse von Mercedes, Toll=Collect und dem eigenhaendig versauten Transrapid=Geschaeft in China (gut 1000 Kilometer, von Peking nach Shanghai) genannt werden. Und zu China und zur Binnennachfrage komme ich sofort.
*Das ist aber Unsinn. Tatsächlich ist es so, daß die Wirtschaft häufig gar keine billigen Produkte anbieten möchte. Die Autohersteller könnten ja z.B. auch von jedem Modell eine absolute Billigvariante anbieten, die nur die allernötigste Ausstattung hat. Der Kunde könnte dann alles, was er zusätzlich noch möchte, als Extras dazu bestellen. Man könnte dann trotzdem damit werben, daß so ein Modell dann inklusive Klimaanlage usw. nur 14999 Euro kostet.
Das will die Wirtschaft aber gar nicht. Denn je mehr man verkauft, umso höher fällt der Gewinn aus.*
Auweia, ist das aber ein Bloedsinn: Du kannst so viel verkaufen, wie Du willst, aber trotzdem keine Gewinne machen und pleite gehen, wenn Dich die Kosten erdruecken. Garfield, Garfield...
*Wenn man nicht nur ein simples Auto, sondern ein Auto mit diversen Extras verkauft, fällt der Gewinn eben auch höher aus. Die Unternehmen haben es in Deutschland erfolgreich geschafft, hochwertige Autos am Markt zu etablieren. Wenn nun ein Unternehmen plötzlich ein Automodell ohne irgendwelche Extras herausbringt, dann muß es gerade angesichts der sinkenden Einkommen damit rechnen, daß viele Kunden sich dafür entscheiden werden und daß die Modelle mit hochwertiger Ausstattung entsprechend weniger gekauft werden. Damit sinkt der Gewinn pro Stück. Also löst man das Problem lieber durch Ratenzahlungen und sorgt ansonsten dafür, daß die Autos auch ja nicht zu billig ausgestattet werden.
In China sieht das ganz anders aus. Dort wächst der Markt noch, und die Menschen haben noch vergleichsweise niedrige Einkommen. Man kann dort zwar durchaus auch Luxusprodukte absetzen, aber es gibt eben sehr viele Menschen mit niedrigen Einkommen, und da muß man eben auch billige Produkte anbieten. Genau wie man das in Deutschland nach dem Krieg getan hat. Der VW Käfer beispielsweise war ja auch alles andere als ein Luxusgefährt. Wenn man die Chinesen aber erstmal soweit hat, daß sie massenweise hochwertige Autos kaufen, dann werden die billigen Modelle ganz schnell verschwinden. Nicht nur, weil die Kunden das so wollen, sondern viel mehr, weil die Hersteller das so möchten.*
Garfield, Garfield... Warst du in der DDR *Finanz*minister? Bitte sei mir nicht boese, aber wenn ich das hier so lese, dann wundert mich nix mehr; weder dass die DDR zusammengekracht ist, noch dass im Osten nix weitergeht. Und jetzt zu China: Ich weiss ja ehrlich nicht, wie du zu so viel haarstraeubendem Bloedsinn kommst: In China gibt es mittlerweile mehr Millionaere als in Deutschland (ohne jetzt in Bezug auf die 1,xy Milliarden Leute zu rechnen), Chinas Staedte sind voll von hochwertigen Autos. VW Shanghai und Audi verkaufen in China mehr als in Deutschland, und zwar ist der momentane Renner ein Passat=Modell, das es bei uns nicht gibt: Dieses Auto hat alle technischen Ausstattungen, und zwar serienmaessig. Nagelneue Luxus=BMW, Luxus=Mercedes sieht man mittlerweile in riesigen Mengen, und die Technik der Autos ist identisch mit der in den hiesigen. Ich selber bin jedes Jahr mindestens einmal in China und koennte dir endlos weiter erzaehlen. Glaub mir, Garfield, die Chinesen sind keine Idioten, und sie sind schon *so weit*: Sie kaufen *massenweise hochwertige* Autos! Wenn das, sagen wir, noch fuenf Jahre so weiter geht, hier wie dort, dann ist China der Weltmarkt Nummer eins und Deutschland eine feministische, mit ueberfluessigen Behoerden und Vorschriften verseuchte Bananen= und Erbsenzaehlerrepublik geworden. Es tut mir leid, Garfield, und ich meine es auch nicht persoenlich boese, aber von China hast Du ueberhaupt keinen Schimmer.
Stichwort billige Produkte: Bevor ich gar nichts verkaufen koennte oder gar in die Pleite muesste, wuerde ich auch billige Produkte verkaufen. Alles andere ist Unsinn.
*"Aber man kann nicht immer wieder neue Unternehmensgründungen finanzieren, so etwas kostet auch Geld."
Das kommt darauf an, wie man es aufzieht. Natürlich hat man immer Kosten, aber wenn ein Markt ein hohes Wachstumspotenzial hat, dann hat man diese Kosten schnell wieder raus und macht dann gute Gewinne. Auf einem Markt mit geringem Wachstumspotenzial sieht das anders aus.*
Schon wieder falsch, Garfield, das ist Gespinst aus der sozialistischen Mottenkiste, und andersrum wird der Schuh draus: Erst dann, wenn ein Unternehmer ein gutes Umfeld hat, kann er auch investieren. Erst dann entstehen gute Arbeitsplaetze. Und erst dann kann eine gute Binnennachfrage auch ein gute Binnenkonjunktur sichern. Im Klartext: Hochqualifizierte Arbeitsplätze sind die Konsequenz erfolgreicher Investitionen, nicht aber deren Voraussetzung. Wenn jemand investiert, um vorrangig Arbeitsplaetze zu schaffen, dann kann er den Gang zum Konkursrichter auch sofort antreten. Investiert wird vorrangig, um Gewinne zu erwirtschaften; erst spaeter kommen Arbeitsplaetze dazu. Alles andere ist Marx und Murx. Und den hattet ihr ja schon einmal.
carlos
Re: Jammern auf hohem Niveau !
Expatriate, Thursday, 08.04.2004, 11:39 (vor 7974 Tagen) @ carlos
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von carlos am 07. April 2004 18:29:03:
Wenn das, sagen wir, noch fuenf Jahre so weiter geht, hier wie dort, dann ist China der Weltmarkt Nummer eins und Deutschland eine feministische, mit ueberfluessigen Behoerden und Vorschriften verseuchte Bananen= und Erbsenzaehlerrepublik geworden.
Es ist schade, Carlos, so wird es aber leider kommen, wenn nicht schlimmer. Als Deutscher sehe ich das nicht gerne, denn Deutschland ermoeglichte mir eine erstklassige Ausbildung, die mir weltweit Tueren oeffnete und dafuer bin ich dankbar.
Ich kenne China und eine Menge Chinesen, die sind grundsaetzlich geldgeil und gierig. Und dafuer sind sie bereit sehr hart zu arbeiten, eine Gewerkschaft, 37,5 Stundenwoche oder ob sie 12 oder 14 Tage Urlaub im Jahr bekommen, interessiert sie nicht.
Noch machen sie ueberwiegend einfachere Produkte, aber wenn es dort losgeht mit der Produktion hoeherwertiger Gueter, dann gute Nacht Deutschland. Die Grosskonzerne wie Daimler oder Siemens werden natuerlich ueberleben, aber viel des Mittelstands wird den Bach runtergehen.
Gutes Beispiel, der Transrapid, Deutschland hatte einen technologischen Vorsprung, der von Buerokratie, gruenen Bremsern und Technikverweigerern aufgezehrt worden ist. Ich schaetze, die Chinesen werden sich den TR schon in diesem Moment ganz genau ansehen, dann kopieren und dann weltweit verkaufen zu einem Preis, den Thyssen und Siemens dann nicht mehr mitgehen koennen. Arbeitsplaetze, die in D sein koennten.
Aehnlich wars doch beim Faxgeraet, dessen Idee auch in D geboren wurde, wenn ich recht erinnere. Das Lukrativitaet dieses Produkts erkannten dann am schnellsten die Japaner bzw. deren MITI, setzten es um und machten die Kohle.
Und wenn mich ein Schueler mal so fragt, welche Fremdsprache er neben Englisch lernen sollte, antworte ich immer, vergesst Deutsch oder Italienisch o.ä., nehmt besser Mandarin oder Cantonese.
Auf dieses Szenario.....
Prost! Auch wenn schwerfaellt.
Re: Jammern auf hohem Niveau !
Garfield, Thursday, 08.04.2004, 14:04 (vor 7974 Tagen) @ Expatriate
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von Expatriate am 08. April 2004 08:39:21:
Hallo Expatriate!
Die Technologiefeindlichkeit in Deutschland macht mir auch große Sorgen. Es gibt ja noch viel mehr Beispiele für Technologien die in Deutschland, teilweise mit deutschen Steuergeldern, entwickelt wurden und mit denen dann ausländische Unternehmen große Gewinne eingefahren haben, weil sich in Deutschland leider niemand Einsatzmöglichkeiten dafür vorstellen konnte. Z.B. auch LCD-Bildschirme.
Übrigens scheint es da auch keinen wesentlichen Unterschied zwischen der DDR und der Bundesrepublik gegeben zu haben. Das Prinzip der Quartz-Uhr beispielsweise wurde in der DDR entwickelt, aber die ersten Quartz-Uhren wurden dann von japanischen Unternehmen verkauft, soviel ich weiß, und in der DDR gab es erst Mitte der 80er Jahre die ersten Quartz-Uhren zu kaufen.
Manche Wirtschaftsexperten führen das auf andere Führungsstrukturen in Japan und anderen asiatischen Ländern zurück. Es soll dort so sein, daß die Top-Manager zwar wie in Deutschland üblicherweise auch eher den älteren Jahrgängen angehören, daß sie aber im Gegensatz zu deutschen Top-Managern nicht darauf bestehen, alles Wesentliche selbst zu entscheiden, sondern viele Entscheidungen an jüngere Manager in den unteren Hierarchie-Ebenen weiter delegieren. Jüngere Menschen sind oft risikofreudiger und weniger bestrebt, am Althergebrachten festzuhalten.
So manches deutsche Unternehmen ist auch keineswegs durch die hohen deutschen Lohnkosten untergegangen, sondern viel mehr daran, daß man zu lange an veralteter Technologie festgehalten hat. Der Mißerfolg der Fernsehproduktion von Grundig beispielsweise wird vor allem darauf zurück geführt, daß das Unternehmen weiterhin stur auf die Bildröhre gesetzt und neue Technologien ignoriert hat. Auch bei Loewe soll es ähnliche Probleme gegeben haben.
Deutschland hat momentan beispielsweise eine gute Grundlage für die breite Anwendung von Brennstoffzellen. Das weltweit erste U-Boot mit Brennstoffzellenantrieb hat die Bundesmarine längst in Fahrt. Ansonsten tut sich da leider wieder nicht viel, und wahrscheinlich wird auch wieder ein asiatisches Unternehmen letztendlich das große Geschäft mit Brennstoffzellen machen.
Es ist echt zum Heulen...
Freundliche Grüße
von Garfield
Es gibt Möglichkeiten, das zu umgehen...
Jens, Thursday, 08.04.2004, 18:58 (vor 7974 Tagen) @ Expatriate
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von Expatriate am 08. April 2004 08:39:21:
zwar hat China das größte Entwicklungspotential - denn noch werden Produkte hauptsächlich exportiert, weil der überwiegende Teil der Bevölkerung (800 Mio) noch äußerst arm ist - Bauern. Das Problem an China ist, dass sie nur Wissen ins Land lassen, aber nicht daran interessiert sind, zu Importieren - sie wollen selber produzieren. Ein VW-Auto wurde schon komplett nachgebaut und VW hat in China nur deswegen erneut gewinn gemacht, weil sie von da aus exportiert haben. Die Nachfrage hingegen ist in China zurückgegangen. Den Transrapid haben die Chinesen angeblich schon nachgebaut. Die Lizenz für die Trassen haben sie ja schon - aus der Hoffnung, sich Folgeaufträge zu "erschenken". Das Funktioniert aber nicht - hätte man aus der Vergangenheit gelernt: wir Deutschen haben nämlich aus unseren Entwicklungsgeldern, in der Hoffnung auf Folgeaufträge, zwei U-Bahnlinien in Shanghei gebaut. Das sind derzeit die einzigen Linien in Shanghai - Folgeaufträge gab es trotzdem nicht, nur Deutsche Steuergelder wurden verschwendet. Trotzdem werden die Chinesen sicherlich ihr U-Bahn-Netz ausbauen - indem sie unsere Technik klauen.
China ist in zweierlei Hinsicht eine große Gefahr: erstens der billige Markt, zweitens der Technologieklau, der richterlich NIE verfolgt werden kann, weil alles unter der Fuchtel und dem Schutz der Partei abläuft, deren Abgeordnete mit Firmengründungen und Technologieklau den großen Reibach machen. Siemens droht damit seine Entwicklung schon nach China zu legen. Die werden sich umgucken, wenn sie dann dort jährlich ihren sinkenden Umsatz feststellen und dann Kopien auf dem Markt finden, die in alle Wert exportiert werden. Nochwas: dort habe ich Kleidung gesehen, die dort hergestellt wird - offenbar Kopien von Marlboro, Kelvin Klein und Camel-Jacken, die auch noch exportiert werden! Die finden sich hier auf dem Markt wieder, denn alle hatten Preisschilder in EURO drauf! Die USA hat aber auch eine große Textilindustrie, wo diese Marken angesiedelt sind. Die USA hat ja schon handelsbeschränkungen ausgerufen (es dürfen nicht mehr als 10% der Kleidung aus China kommen).
Großes Problem auch das Internet. Für harte Verschlüsselungen benötigt man Genehmigungen, Investitionen laufen dort meist als Jointventure, Technologie wird somit IMMER geklaut.
Und jetzt kommt noch das schärfste: EGAL WAS WIR TUN, wir werden NIE die Produkte so billig wie die Chinesen anbieten können. Es ist bekannt, dass Chinesen in Arbeitslager, politische Gefangen, gezwungen werden z.B. in der Textilindustrie zu arbeiten - natürlich unbezahlt.
Viele Firmen glauben, in China das große Geschäft zu machen, weil sie dann die Produkte (hier) billiger anbieten können. Wenn das so weiter geht, sieht das Ende so aus: Der Markt hier bricht wegen Arbeitslosigkeit zusammen - das Kapital hier in Europa wird durch Firmenabwanderung ja auch viel weniger. Desweiteren werden dort Chinesische Firmenauftauchen, die ihre hochqualifizierten chinesischen Angestellten (im Ausland studiert, z.B. Deutschland) einstellen und auf der Grundlage der geklauten Technik mit der Entwicklung den Markt und Export übernehmen.
Was kann man tun?
1. Unternehmen müssen in Deutschland bleiben - egal wie - und keine Jointventures in China eingehen ->Technologieklau!
2. Europäische Schutzzölle auf Chinesische Produkte und Handelsbeschränkungen (wie die USA). 80% des importierten Weihnachtsschmuckes kam aus China. Silverster Produkte wahrscheinlich genau das gleiche.
3. Kein Wissenstransfer mehr nach China, keine Zusammenarbeit, keine "Technikaustausch", keine Kanzlerbesuche, kein Hanauexport sondern selber damit Atomstrom herstellen oder in andere Länder - aber nicht China - exportieren.
4. Chinesische Studenten in Deutschland reduzieren - sie studieren hier in Deutschland, bekommen eine gute Ausbildung und ziehen dann wieder zurück nach China - so kann man sich selbst das Grab schaufeln.
5. Keine Knüppel in die Beine was Technik an geht und keien überregelmentierung in Sachen Umwelt. USA und China kümmern sich einen Dreck um die Umweltbestimmungen. Hier in D wird alles tot-regelmentiert, obwohl wir sinkenden CO2 ausstoß haben und nur 0.9% des Gesamtausstoßes auf der Welt zu verantworten haben (USA und CHina jeweils 30 Prozent)!
6. Konsumverhalten ändern und nicht immer auf das billigste zugreifen, sondern schaun, wo was hergestellt wurde. Z.B. keine Aldi-kamera kaufen, sondern eine Sony, weil die meist ein Deutsches Objektiv von Carl-Zeis drin haben...etc. In Elektronik ist es schwierig. Hätten wir alle einen teueren Grundig-Fernsehe gekauft und nicht den Billigschrott von was weiß ich wo, dann gäbe es in Deutschland noch ein paar mehr Arbeitsplätze.
Wir können leider nur Punkt 6 angehen, alle anderen Punkte nur minder beeinflussen (z.B. nicht die Grünen wählen).
Jens
Re: Es gibt Möglichkeiten, das zu umgehen...
Garfield, Thursday, 08.04.2004, 19:40 (vor 7974 Tagen) @ Jens
Als Antwort auf: Es gibt Möglichkeiten, das zu umgehen... von Jens am 08. April 2004 15:58:30:
Hallo Jens!
Sehr interessant - vieles davon wußte ich noch gar nicht, hab es mir aber etwa so vorgestellt. In der Sowjetunion gab es zu sozialistischen Zeiten ähnliche Machenschaften, nur wirkte sich das nicht so stark aus, weil die Russen neue Technologien gar nicht so schnell kopieren konnten wie sie beispielsweise in Japan entwickelt wurden. Die Chinesen scheinen da etwas schneller zu sein.
Viele Unternehmen sehen wahrscheinlich vor allem die hohe Bevölkerungszahl in China und das damit verbundene Marktpotenzial. Sie befürchten dann, dort zu kurz zu kommen und wollen vor allem deshalb unbedingt dorthin. So manches Unternehmen spekuliert vielleicht auch darauf, daß die chinesische Regierung bald genauso fallen wird wie die meisten anderen Ostblock-Regierungen auch.
Es gibt aber noch andere Länder wie z.B. Indien, in denen nicht ganz so wüste Zustände herrschen und wo das Wachstumspotenziel auch enorm hoch ist. Die deutsche Software-Branche lagert Aufträge zunehmend nach Indien aus, und indische Firmen geben sie mittlerweile schon nach Vietnam weiter, weil die Lohnkosten für Programmierer in Indien mittlerweile auch schon relativ hoch sind. Fatal ist, daß viele deutsche Software-Unternehmen gar nicht so scharf darauf sind, Aufträge mit Subunternehmen aus Indien oder sonstwo abzuwickeln - sie werden nur immer öfter von den Kunden dazu gezwungen. Unternehmen wie Daimler-Chrysler arbeiten schon seit Jahrzehnten so und verlangen dasselbe dann auch von Unternehmen, an die sie Aufträge vergeben. Da steht dann tatsächlich im Vertrag, daß ein bestimmter Prozentsatz des Auftragsvolumens über "Offshoring" (wie sich das mittlerweile nennt) abzuwickeln ist. Einige Unternehmen haben sich mit solchen asiatischen oder osteuropäischen Subunternehmen schon übel auf die Nase gelegt. Trotzdem müssen sie weiterhin so arbeiten und sind so letztendlich auch gezwungen, qualifiziertes Personal in Deutschland zu entlassen bzw. nicht mehr einzustellen.
Ich persönlich versuche schon lange, nach Möglichkeit Produkte aus deutscher oder wenigstens aus EU-Produktion zu kaufen. Allerdings hat man dann auch nicht die Sicherheit, daß die dann wirklich komplett hier hergestellt wurden. Oft werden Einzelteile aus dem Ausland importiert und hier nur noch endmontiert. Ich habe mal in einer Fahrrad-Fabrik gearbeitet. Da kamen die Sättel fast zu 100% aus Italien, Schaltungen und Bremsen zum großen Teil aus verschiedenen asiatischen Ländern usw. Die einzigen in Deutschland gefertigten Teile waren Reflektoren, Sachs-Schaltungen und teilweise die Rahmen. Letztere wurden in dieser Fabrik hergestellt, zunächst durch Schweißer, bald aber durch einen Schweiß-Roboter. Der konnte sogar Alu-Rahmen schweißen, was zu der Zeit eine Innovation war. Als ich da aufgehört habe, fingen sie schon an, die Rahmen auch aus Asien zu importieren, und der teure Schweißroboter wurde bald gar nicht mehr genutzt. Auf den Fahrrädern stand am Ende trotzdem "Made in Germany"...
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Es gibt Möglichkeiten, das zu umgehen...
Sven74, Thursday, 08.04.2004, 19:56 (vor 7974 Tagen) @ Jens
Als Antwort auf: Es gibt Möglichkeiten, das zu umgehen... von Jens am 08. April 2004 15:58:30:
6. Konsumverhalten ändern und nicht immer auf das billigste zugreifen, sondern schaun, wo was hergestellt wurde. Z.B. keine Aldi-kamera kaufen, sondern eine Sony, weil die meist ein Deutsches Objektiv von Carl-Zeis drin haben...etc. In Elektronik ist es schwierig. Hätten wir alle einen teueren Grundig-Fernsehe gekauft und nicht den Billigschrott von was weiß ich wo, dann gäbe es in Deutschland noch ein paar mehr Arbeitsplätze.
Wir können leider nur Punkt 6 angehen, alle anderen Punkte nur minder beeinflussen (z.B. nicht die Grünen wählen).
Jens
Kleine Anmerkung zu Aldi vom mir. Aldi hat viele technische Geräte, welche in Deutschland hergestellt werden z.B. Medion. Unsere Rentner dürfen auch nicht immer nur meckern, sondern lieber mal wieder deutsche Autos kaufen. Ich sehr immer mehr Rentner, welche mit recht großen japanischen Limos die Straßen unsicher machen. Ein Golf täte es doch auch.
Sven74
Re: Es gibt Möglichkeiten, das zu umgehen...
Jens, Friday, 09.04.2004, 17:28 (vor 7973 Tagen) @ Sven74
Als Antwort auf: Re: Es gibt Möglichkeiten, das zu umgehen... von Sven74 am 08. April 2004 16:56:38:
Kleine Anmerkung zu Aldi vom mir. Aldi hat viele technische Geräte, welche in Deutschland hergestellt werden z.B. Medion.
Naja. Mal hand auf's Herz: Medion ist eine Marke, die die Geräte zwar zusammenstellt. Produziert und hergestellt wurden die Teil meist in China. Schau mal auf Computergehäuse und auf die Hauptplatine drauf.
Unsere Rentner dürfen auch nicht immer nur meckern, sondern lieber mal wieder deutsche Autos kaufen. Ich sehr immer mehr Rentner, welche mit recht großen japanischen Limos die Straßen unsicher machen. Ein Golf täte es doch auch.
Ich weiß nicht, wie du jetzt auf Rentner kommst, aber auf ein in Deutschland produziertest (zusammengebautes) Auto zurückzugreifen, ist immer gut. Mercedes, BMW, VW und Opel werden hier (meistens) entwickelt und produziert.
Jens
Re: Es gibt M&39939;lichkeiten, das zu umgehen...
carlos, Saturday, 10.04.2004, 21:17 (vor 7972 Tagen) @ Jens
Als Antwort auf: Es gibt M鰃lichkeiten, das zu umgehen... von Jens am 08. April 2004 15:58:30:
Servus Jens!
*zwar hat China das größte Entwicklungspotential - denn noch werden Produkte hauptsächlich exportiert, weil der überwiegende Teil der Bevölkerung (800 Mio) noch äußerst arm ist - Bauern.*
Alles relativ. Der Teil, der bereits in der Lage ist, zu konsumieren, waechst staendig und in atemberaubenden Tempo. Momentan sind das etwa 200 Millionen. Zur Erinnerung: Hierzulande haben wir nur knapp 80, und von denen koennen immer weniger konsumieren. Geoeffnet fuer westliche Investitionen sind ja momentan auch *nur* die Ostprovinzen; Pläne, auch den Westen und Zentralchina fuer auslaendische Investitionen zu oeffnen, sind schon fertig.
*Das Problem an China ist, dass sie nur Wissen ins Land lassen, aber nicht daran interessiert sind, zu Importieren - sie wollen selber produzieren.*
Das ist ihr gutes Recht, und ich an ihrer Stelle wuerde das genau so machen.
*Ein VW-Auto wurde schon komplett nachgebaut und VW hat in China nur deswegen erneut gewinn gemacht, weil sie von da aus exportiert haben. Die Nachfrage hingegen ist in China zurückgegangen.*
Das erste ist richtig. Im Rahmen der weiteren WTO-Verhandlungen werden die Dinge zur Sprache kommen. Das zweite ist Bloedsinn. Du warst doch in China. Dann haettest du sehen muessen, dass mehr als die Haelfte aller Autos, die dort herumfahren, VWs sind; und nicht nur die Modelle der fruehen 90=er Jahre, sondern vermehrt die nagelneuen Modelle des chinesischen Passats und des Audi. Und die sind noch nicht nach Deutschland exportiert worden, sondern werden groesstenteils im Lande selbst verkauft.
*Den Transrapid haben die Chinesen angeblich schon nachgebaut. Die Lizenz für die Trassen haben sie ja schon - aus der Hoffnung, sich Folgeaufträge zu "erschenken". Das Funktioniert aber nicht - hätte man aus der Vergangenheit gelernt: wir Deutschen haben nämlich aus unseren Entwicklungsgeldern, in der Hoffnung auf Folgeaufträge, zwei U-Bahnlinien in Shanghei gebaut. Das sind derzeit die einzigen Linien in Shanghai - Folgeaufträge gab es trotzdem nicht, nur Deutsche Steuergelder wurden verschwendet. Trotzdem werden die Chinesen sicherlich ihr U-Bahn-Netz ausbauen - indem sie unsere Technik klauen.*
Angeblich, angeblich... Geruechte. Mag ja moeglich sein, ist aber eher unwahrscheinlich, weil sie dafuer ja weder Anlagen, Logistik noch Infrastruktur haben duerften. Der Rest ist schlicht falsch. Der Transrapid von Shanghai nach Peking wird nicht gebaut, weil die Technik vor Ort mehrmals massiv versagt hatte. Es gab Kurzschluesse, der Magnet machte schlapp und es gab mehrere Kabelschmorer. Dann hat sich das Transrapid=Konsortium vor Ort arrogant geriert, und das mag niemand gerne, schon gar nicht die Chinesen. Wenn es einen Fall von Managerversagen *wie Flache leer* gibt, dann ist es dieses. Chinaunerfahrenes Personal, mieser Service vor Ort, als die Probleme auftauchten und der Irrglaube, man koenne mit den Chinesen vor Ort umspringen wie mit den quasi rechtlosen Verbrauchern in Doitschland... Daemlich ist da noch untertrieben. Steuergelder? Falls ja, dann wuerden die schon verplempert, seit das Ding im Emsland seine (dann) nutzlosen Proberunden dreht, und das sind ja schon ein paar Jaehrchen. Nach ueber 20=jaehriger Erprobung sollte man so weit sein, das Ding zu bauen und zu exportieren; und wenn nicht, dann sollte man die Verantwortlichen fristlos feuern und kuenftig die Strasse kehren lassen. Der Transrapid haette jede Menge hochwertiger Jobs in Deutschland geschaffen und gesichert.
*China ist in zweierlei Hinsicht eine große Gefahr: erstens der billige Markt, zweitens der Technologieklau, der richterlich NIE verfolgt werden kann, weil alles unter der Fuchtel und dem Schutz der Partei abläuft, deren Abgeordnete mit Firmengründungen und Technologieklau den großen Reibach machen. Siemens droht damit seine Entwicklung schon nach China zu legen. Die werden sich umgucken, wenn sie dann dort jährlich ihren sinkenden Umsatz feststellen und dann Kopien auf dem Markt finden, die in alle Wert exportiert werden. Nochwas: dort habe ich Kleidung gesehen, die dort hergestellt wird - offenbar Kopien von Marlboro, Kelvin Klein und Camel-Jacken, die auch noch exportiert werden! Die finden sich hier auf dem Markt wieder, denn alle hatten Preisschilder in EURO drauf! Die USA hat aber auch eine große Textilindustrie, wo diese Marken angesiedelt sind. Die USA hat ja schon handelsbeschränkungen ausgerufen (es dürfen nicht mehr als 10% der Kleidung aus China kommen).
Großes Problem auch das Internet. Für harte Verschlüsselungen benötigt man Genehmigungen, Investitionen laufen dort meist als Jointventure, Technologie wird somit IMMER geklaut.*
Das interessiert mich jetzt: Wo, also in welcher Stadt, hast Du denn besagte Klamotten gesehen? Dass in China viel raubkopiert wird, weiss ich auch; und China ist da kein Einzelfall. Sagen wir es ein bisserl globaler: Jede Form von Marktwirtschaft hat was Raubtierhaftes; die eine mehr, die andere weniger. Es kommt u.a. auf Rahmen und Gewissen an. Und das, was ich jetzt sage, ist keine Entschuldigung dafuer, sondern nur eine Erklaerung: Gerade die USA, die Du ja so sehr schaetzt, sind die Oberraeuber. Das sind sie auch gegen uns Europaeer, schwerpunktmaessig gegen Deutschland. Ueber ihren Geheimdienst NSA betreiben sie massive Wirtschaftsspionage gegen uns; so ist z.B. alles, was an regenerativer Energietechnologie auf deutschem Boden entwickelt worden, von den USA ausspioniert und umgehend zum Patent angemeldet worden. Ich selbst weiss von zwei Faellen. Auch ueberall sonst auf der Welt, wo US=Firmen taetig sind, fuehren sie sich auf wie die letzten Schlammsaeue: Sei es, dass sie die reichen Oel=Vorkommen in Ecuador auspluendern und dem Land selbst keine Entwicklungschance lassen und dabei den Urwald am Oberlauf des Amazonas=Becken in eine oelvereuchte, oekologische Wueste verwandeln, sei es, dass ihre Frucht=Multis in ganz Zentral=Amerika und auf den Philippinen die fruchtbarsten Boeden okkupiert haben und dafuer in den 80=ern mit Hilfe der Militaers die vorher dort wohnenden Ureinwohner abgeschlachtet haben. Den finanziellen Reibach machen sie ausschliesslich bei sich zu Hause, u.a. an der Warenterminboerse in Chicago. All das, was ich in den genannten Laendern, also vor Ort, gesehen habe, bezeuge ich hiermit; gleichwohl bilden die, wohlgemerkt, nur die Spitze eines Eisbergs. Da sind die Deutschen, die in China ihre Geschaefte machen wollen, harmlose Knilche. Allerdings sind sie oftmals auch dumme Knilche, denn Technologieklau passiert nicht zwangslaeufig; man kann sich davor durchaus schuetzen. Siemens ist schon fast seit Bestehen der Firma im Lande. Die werden sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, glaub mir. Zum mindesten hoffe ich das mal.
*Und jetzt kommt noch das schärfste: EGAL WAS WIR TUN, wir werden NIE die Produkte so billig wie die Chinesen anbieten können. Es ist bekannt, dass Chinesen in Arbeitslager, politische Gefangen, gezwungen werden z.B. in der Textilindustrie zu arbeiten - natürlich unbezahlt.*
In wenigen Faellen mag das zutreffen, aber keinesfalls fuer die Regel. Du kannst mir glauben, dass hierzulande ein Sturm der Entruestung losbraeche, sollte sich das im Falle auch nur eines Unternehmens herausstellen; Stichwort *Brent Spar*.
*Viele Firmen glauben, in China das große Geschäft zu machen, weil sie dann die Produkte (hier) billiger anbieten können. Wenn das so weiter geht, sieht das Ende so aus: Der Markt hier bricht wegen Arbeitslosigkeit zusammen - das Kapital hier in Europa wird durch Firmenabwanderung ja auch viel weniger. Desweiteren werden dort Chinesische Firmenauftauchen, die ihre hochqualifizierten chinesischen Angestellten (im Ausland studiert, z.B. Deutschland) einstellen und auf der Grundlage der geklauten Technik mit der Entwicklung den Markt und Export übernehmen.*
Das wird zweifellos passieren. Das ist aber nicht die Schuld der Chinesen, sondern unsere. Seit mehr als 35 Jahren hat sich in unserem Land an den Strukturen nix mehr geaendert, in anderen Laendern dagegen schon. Die Mehrheiten hierzulande haben das konsequent ignoriert. Seit gut 35 Jahren sind wir eifrig dabei, uns selber unser Grab zu schaufeln. Die heutigen Zustaende haben wir uns immer wieder selbst gewaehlt; die sind nicht ueber uns gekommen wie die sieben biblischen Plagen. Wir haetten es ja auch anders haben koennen, wenn wir es denn nur gewollt haetten.
Du kennst doch sicher die Samsung=Foto=Mobiltelefone; suedkoreanische Produkte. Die gab es bereits in China, lange, bevor man sie in unseren Regalen fand. Zudem kosten sie in China nur den Bruchteil dessen, was sie bei uns kosten. In Sued=Korea gibt es aber keine Zwangsarbeiter und keine Sklaven. Erklaer mir das alles jetzt einmal.
*Was kann man tun?
1. Unternehmen müssen in Deutschland bleiben - egal wie - und keine Jointventures in China eingehen ->Technologieklau!*
Nein, das ist halbfalsch. Technologieklau passiert, das ist richtig, ist aber nicht unausweichlich. Ich weiss selbst, dass in China schon viele Investitionen in der Pleite geendet sind. Fast keiner von denen hatte speziell geschultes Personal dabei, also zum mindesten einen China=Fachmann, der als unabdingbare Voraussetzung auch chinesisch sprach. Selber schuld, kann man da nur sagen, und am falschen Ende gespart.
*2. Europäische Schutzzölle auf Chinesische Produkte und Handelsbeschränkungen (wie die USA). 80% des importierten Weihnachtsschmuckes kam aus China. Silverster Produkte wahrscheinlich genau das gleiche.*
Nun ja. Mach das, und schau halt mal, was dann bei uns passiert. 1,2 oder 1,3 Milliarden Menschen in China, die ganzen Auslandschinesen in Südostasien, auf Taiwan ROC und in den diversen Chinatowns weltweit gar nicht mit eingerechnet, lassen sich auf Dauer nicht ignorieren. Kulturell sehen sie sich naemlich nach wie vor als eine zusammengehoerige Nation, als die Kinder des Drachen.
*3. Kein Wissenstransfer mehr nach China, keine Zusammenarbeit, keine "Technikaustausch", keine Kanzlerbesuche, kein Hanauexport sondern selber damit Atomstrom herstellen oder in andere Länder - aber nicht China - exportieren.*
Kein Hanau=Export; einverstanden. Wissenstransfer dagegen ist international. Und abgesehen von Deutschland denkt da letztlich jedes Land egoistisch. Ganz nebenbei; Du kannst es drehen, wie Du willst, aber von den 6,5 oder 6,5 Milliarden Menschen auf der Erde leben nun einmal 1,2 bis 1,3 Milliarden in China. Auf Dauer kommst Du an denen nicht vorbei.
*4. Chinesische Studenten in Deutschland reduzieren - sie studieren hier in Deutschland, bekommen eine gute Ausbildung und ziehen dann wieder zurück nach China - so kann man sich selbst das Grab schaufeln.*
Juden... aeh, ich wollte sagen, Chinesen raus! (Huestel...)
*5. Keine Knüppel in die Beine was Technik an geht und keien überregelmentierung in Sachen Umwelt. USA und China kümmern sich einen Dreck um die Umweltbestimmungen. Hier in D wird alles tot-regelmentiert, obwohl wir sinkenden CO2 ausstoß haben und nur 0.9% des Gesamtausstoßes auf der Welt zu verantworten haben (USA und CHina jeweils 30 Prozent)!*
Einverstanden. Machen wir alle weiter wie bisher. Und wenn einer so dumm ist und sich vom 20. Stockwerk stuerzt, in der irrigen Annahme, er koenne fliegen, dann machen wir ihm das nach. Weil gleiches Recht fuer alle.
*6. Konsumverhalten ändern und nicht immer auf das billigste zugreifen, sondern schaun, wo was hergestellt wurde. Z.B. keine Aldi-kamera kaufen, sondern eine Sony, weil die meist ein Deutsches Objektiv von Carl-Zeis drin haben...etc. In Elektronik ist es schwierig. Hätten wir alle einen teueren Grundig-Fernsehe gekauft und nicht den Billigschrott von was weiß ich wo, dann gäbe es in Deutschland noch ein paar mehr Arbeitsplätze.*
Teilweise einverstanden; mache ich auch so. Das allein Entscheidende ist allerdings die Qualitaet und nicht Herkunft und Name. Keinen deutschen, arroganten C=Klasse=Mercedes, einen fahrenden Haufen Luxus=Schrott=Kuebel zu horrenden Preisen, wenn ich statt dessen einen Toyota kriegen kann, der erstens besser und zweitens preiswerter ist. Kein Markenprodukt, wenn ich einen Billigheimer kriegen kann, der, anders als der Markenheini, von der Stiftung Warentest mit sehr gut getestet worden ist. Verarschen kann ich mich ansonsten selbst.
carlos
Re: Es gibt M&39939;lichkeiten, das zu umgehen...
Jens, Monday, 12.04.2004, 02:20 (vor 7970 Tagen) @ carlos
Als Antwort auf: Re: Es gibt M&39939;lichkeiten, das zu umgehen... von carlos am 10. April 2004 18:17:07:
Alles relativ. Der Teil, der bereits in der Lage ist, zu konsumieren, waechst staendig und in atemberaubenden Tempo. Momentan sind das etwa 200 Millionen. Zur Erinnerung: Hierzulande haben wir nur knapp 80, und von denen koennen immer weniger konsumieren. Geoeffnet fuer westliche Investitionen sind ja momentan auch *nur* die Ostprovinzen; Pläne, auch den Westen und Zentralchina fuer auslaendische Investitionen zu oeffnen, sind schon fertig.
Teilweise richtig, aber so rosig würde ich das nicht sehen. Als Indikator für eine Zielgruppe von Produkten würde ich in China die Internetanschlüsse zählen: 60 Millionen Internetnutzer. Das ganze mal ca. 1.5 = 90 Millionen potentielle Kunden für Handy oder ähnliches. In Deutschland: 60 Millionen Internetnutzer und - ich glaube - über 80 Mio. registrierte Handys. Ich war übrigens auch in Familien in China - die haben zwar einen Internetanschluss, können sich aber kaum was leisten. Eine Zielgruppe für ein Auto stellt das also noch nicht unbedingt dar.
*Ein VW-Auto wurde schon komplett nachgebaut und VW hat in China nur deswegen erneut gewinn gemacht, weil sie von da aus exportiert haben. Die Nachfrage hingegen ist in China zurückgegangen.*
[quote]Das erste ist richtig. Im Rahmen der weiteren WTO-Verhandlungen werden die Dinge zur Sprache kommen. Das zweite ist Bloedsinn. Du warst doch in China. Dann haettest du sehen muessen, dass mehr als die Haelfte aller Autos, die dort herumfahren, VWs sind; und nicht nur die Modelle der fruehen 90=er Jahre, sondern vermehrt die nagelneuen Modelle des chinesischen Passats und des Audi. Und die sind noch nicht nach Deutschland exportiert worden, sondern werden groesstenteils im Lande selbst verkauft.[/quote]
Die Autos, die in China produziert wurden, wurden natürlich nicht auf den Europäischen Markt gebracht, sondern in den asiatischen Raum exportiert. Ich sehe das Problem aber hier: VW ist zwar der größter ausländischer Autobauer in China, ist aber an zwei Joint-Venture-Unternehmen mit 50 und 40 Prozent beteiligt. Inzwischen gerät die führende Stellung massiv unter Druck, weil auch andere Hersteller den Markt erschließen - einschließlich der chinesischen "Eigenmarken", die aufgrund der Joint-Venture-Verhältnissen profitieren - was da auf der WTO-Verhandlung somit angesprochen werden soll, ist für mich rätselhaft: höchsten, dass es ausländlischen Firmen erlaubt werden soll, dort als eigenständiges Unternehmen fungieren zu können.
*Den Transrapid haben die Chinesen angeblich schon nachgebaut. Die Lizenz für die Trassen haben sie ja schon - aus der Hoffnung, sich Folgeaufträge zu "erschenken". Das Funktioniert aber nicht - hätte man aus der Vergangenheit gelernt: wir Deutschen haben nämlich aus unseren Entwicklungsgeldern, in der Hoffnung auf Folgeaufträge, zwei U-Bahnlinien in Shanghei gebaut. Das sind derzeit die einzigen Linien in Shanghai - Folgeaufträge gab es trotzdem nicht, nur Deutsche Steuergelder wurden verschwendet. Trotzdem werden die Chinesen sicherlich ihr U-Bahn-Netz ausbauen - indem sie unsere Technik klauen.*
[quote]Angeblich, angeblich... Geruechte. Mag ja moeglich sein, ist aber eher unwahrscheinlich, weil sie dafuer ja weder Anlagen, Logistik noch Infrastruktur haben duerften. Der Rest ist schlicht falsch. Der Transrapid von Shanghai nach Peking wird nicht gebaut, weil die Technik vor Ort mehrmals massiv versagt hatte. Es gab Kurzschluesse, der Magnet machte schlapp und es gab mehrere Kabelschmorer. Dann hat sich das Transrapid=Konsortium vor Ort arrogant geriert, und das mag niemand gerne, schon gar nicht die Chinesen. Wenn es einen Fall von Managerversagen *wie Flache leer* gibt, dann ist es dieses. Chinaunerfahrenes Personal, mieser Service vor Ort, als die Probleme auftauchten und der Irrglaube, man koenne mit den Chinesen vor Ort umspringen wie mit den quasi rechtlosen Verbrauchern in Doitschland... Daemlich ist da noch untertrieben. Steuergelder? Falls ja, dann wuerden die schon verplempert, seit das Ding im Emsland seine (dann) nutzlosen Proberunden dreht, und das sind ja schon ein paar Jaehrchen. Nach ueber 20=jaehriger Erprobung sollte man so weit sein, das Ding zu bauen und zu exportieren; und wenn nicht, dann sollte man die Verantwortlichen fristlos feuern und kuenftig die Strasse kehren lassen. Der Transrapid haette jede Menge hochwertiger Jobs in Deutschland geschaffen und gesichert. [/quote]
Du hast nicht ganz verstanden: Es ging einmal um den Transrapid, ein andernmal um eine stinknormale U-Bahn, die anfang der 90er Jahre in Shanghai gebaut wurde, und zwar mit Deutschen Entwicklungsgeldern in der Hoffnung auf Folgeaufträge, die es aber nicht gegeben hat.
Übrigens - zurück zum Transrapid - habe ich das mit dem Transrapid in einer Wirtschaftszeitschrift gelesen, dass die Chinesen meinten einen eigenen Transrapid zu bauen.
Das interessiert mich jetzt: Wo, also in welcher Stadt, hast Du denn besagte Klamotten gesehen?
In der Nähe von Shanghai - war ein chinesischer Zulieferer für Kleidergeschäfte.
Gerade die USA, die Du ja so sehr schaetzt, sind die Oberraeuber. Das sind sie auch gegen uns Europaeer, schwerpunktmaessig gegen Deutschland. Ueber ihren Geheimdienst NSA betreiben sie massive Wirtschaftsspionage gegen uns; so ist z.B. alles, was an regenerativer Energietechnologie auf deutschem Boden entwickelt worden, von den USA ausspioniert und umgehend zum Patent angemeldet worden. Ich selbst weiss von zwei Faellen.
Ich weiß von einem Fall. Stimmt. Die USA leben übrigens noch ganz gut von den Deutschen Patenten/Erfindungen, die im Zweiten Weltkrieg getätigt wurden: Raketenmotor, Düsenflugzeug, Hubschrauber, Blackbox und Schleudersitz - so weit ich weiß.
Auch ueberall sonst auf der Welt, wo US=Firmen taetig sind, fuehren sie sich auf wie die letzten Schlammsaeue: Sei es, dass sie die reichen Oel=Vorkommen in Ecuador auspluendern und dem Land selbst keine Entwicklungschance lassen und dabei den Urwald am Oberlauf des Amazonas=Becken in eine oelvereuchte, oekologische Wueste verwandeln, sei es, dass ihre Frucht=Multis in ganz Zentral=Amerika und auf den Philippinen die fruchtbarsten Boeden okkupiert haben und dafuer in den 80=ern mit Hilfe der Militaers die vorher dort wohnenden Ureinwohner abgeschlachtet haben. Den finanziellen Reibach machen sie ausschliesslich bei sich zu Hause, u.a. an der Warenterminboerse in Chicago. All das, was ich in den genannten Laendern, also vor Ort, gesehen habe, bezeuge ich hiermit; gleichwohl bilden die, wohlgemerkt, nur die Spitze eines Eisbergs. Da sind die Deutschen, die in China ihre Geschaefte machen wollen, harmlose Knilche. Allerdings sind sie oftmals auch dumme Knilche, denn Technologieklau passiert nicht zwangslaeufig; man kann sich davor durchaus schuetzen. Siemens ist schon fast seit Bestehen der Firma im Lande. Die werden sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, glaub mir. Zum mindesten hoffe ich das mal.
Schwierig, aber ich hoffe es auch. Solange in China nur Joint-Venture möglich sind, kann man dort sowieso nicht richtig durchstarten.
*Und jetzt kommt noch das schärfste: EGAL WAS WIR TUN, wir werden NIE die Produkte so billig wie die Chinesen anbieten können. Es ist bekannt, dass Chinesen in Arbeitslager, politische Gefangen, gezwungen werden z.B. in der Textilindustrie zu arbeiten - natürlich unbezahlt.*
[quote]In wenigen Faellen mag das zutreffen, aber keinesfalls fuer die Regel. Du kannst mir glauben, dass hierzulande ein Sturm der Entruestung losbraeche, sollte sich das im Falle auch nur eines Unternehmens herausstellen; Stichwort *Brent Spar*. [/quote]
Klar. Aber aus chinesischen Firmen werden wir es wohl kaum erfahren. Niemand kann mit Sicherheit sagen, dass unser Computer/unser Gehäuse nicht so hergestellt/zusammengeschraubt wurde.
Du kennst doch sicher die Samsung=Foto=Mobiltelefone; suedkoreanische Produkte. Die gab es bereits in China, lange, bevor man sie in unseren Regalen fand. Zudem kosten sie in China nur den Bruchteil dessen, was sie bei uns kosten. In Sued=Korea gibt es aber keine Zwangsarbeiter und keine Sklaven. Erklaer mir das alles jetzt einmal.
Niedriger Lebens- und Lohn-Nebenkosten, besseres Steuersystem oder Zulieferung der einzelteile aus noch stärkeren Billiglohnländern - in südkorea nur noch zusammengesetzt.
*Was kann man tun?
[quote]1. Unternehmen müssen in Deutschland bleiben - egal wie - und keine Jointventures in China eingehen ->Technologieklau!*
Nein, das ist halbfalsch. Technologieklau passiert, das ist richtig, ist aber nicht unausweichlich.[/quote]
In einem Joint-Venture schon unausweichlich.
*2. Europäische Schutzzölle auf Chinesische Produkte und Handelsbeschränkungen (wie die USA). 80% des importierten Weihnachtsschmuckes kam aus China. Silverster Produkte wahrscheinlich genau das gleiche.*
[quote]Nun ja. Mach das, und schau halt mal, was dann bei uns passiert. 1,2 oder 1,3 Milliarden Menschen in China, die ganzen Auslandschinesen in Südostasien, auf Taiwan ROC und in den diversen Chinatowns weltweit gar nicht mit eingerechnet, lassen sich auf Dauer nicht ignorieren. Kulturell sehen sie sich naemlich nach wie vor als eine zusammengehoerige Nation, als die Kinder des Drachen.[/quote]
Auf Dauer nicht. Ein Dauerlösung kann das auch nicht darstellen. Aber irgendwie muss man es Unternehmen schmackhafter hierzubleiben - und die Suppe versalzen, wenn sie abwandern wollen.
*3. Kein Wissenstransfer mehr nach China, keine Zusammenarbeit, keine "Technikaustausch", keine Kanzlerbesuche, kein Hanauexport sondern selber damit Atomstrom herstellen oder in andere Länder - aber nicht China - exportieren.*
[quote]Kein Hanau=Export; einverstanden. Wissenstransfer dagegen ist international. Und abgesehen von Deutschland denkt da letztlich jedes Land egoistisch. Ganz nebenbei; Du kannst es drehen, wie Du willst, aber von den 6,5 oder 6,5 Milliarden Menschen auf der Erde leben nun einmal 1,2 bis 1,3 Milliarden in China. Auf Dauer kommst Du an denen nicht vorbei.[/quote]
Wir müssen uns überlegen, wie wir unseren Wohlstand halten und verbessern können.
*4. Chinesische Studenten in Deutschland reduzieren - sie studieren hier in Deutschland, bekommen eine gute Ausbildung und ziehen dann wieder zurück nach China - so kann man sich selbst das Grab schaufeln.*
[quote]Juden... aeh, ich wollte sagen, Chinesen raus! (Huestel...) [/quote]
Naja, der Vergleich hinkt. Ich rufe nicht zur Verfolgung auf, sondern bin für eine Reduzierung. Vielleicht integrieren Sie sich dann auch besser und bleiben prozentual mehr hier. Aber momentan siehts so aus, dass sie ganze Tischereihen in der Mensa füllen können - und ganze Bibliotheken, wo man lernt. Ein Chinese braucht hier in D im Alltag kein Wort deutsch zu sprechen, die Integration ist gleich Null - die Anreize fehlen, die Gruppen sind zu groß.
*5. Keine Knüppel in die Beine was Technik an geht und keien überregelmentierung in Sachen Umwelt. USA und China kümmern sich einen Dreck um die Umweltbestimmungen. Hier in D wird alles tot-regelmentiert, obwohl wir sinkenden CO2 ausstoß haben und nur 0.9% des Gesamtausstoßes auf der Welt zu verantworten haben (USA und CHina jeweils 30 Prozent)!*
[quote]Einverstanden. Machen wir alle weiter wie bisher. Und wenn einer so dumm ist und sich vom 20. Stockwerk stuerzt, in der irrigen Annahme, er koenne fliegen, dann machen wir ihm das nach. Weil gleiches Recht fuer alle.[/quote]
Eine Änderung ist notwendig und wird(muss) zwangsweise kommen. Es wird aber nicht am Deutschen Volk liegen, ob die Welt umwelttechnisch untergeht oder nicht, sondern letzten Endes die USA, China und Indien. Wir haben insgesamt so viel CO2 in einem Jahr produziert, was China im Vergleich zum Vorjahr hinzugenommen hat - oder so ähnlich.
*6. Konsumverhalten ändern und nicht immer auf das billigste zugreifen, sondern schaun, wo was hergestellt wurde. Z.B. keine Aldi-kamera kaufen, sondern eine Sony, weil die meist ein Deutsches Objektiv von Carl-Zeis drin haben...etc. In Elektronik ist es schwierig. Hätten wir alle einen teueren Grundig-Fernsehe gekauft und nicht den Billigschrott von was weiß ich wo, dann gäbe es in Deutschland noch ein paar mehr Arbeitsplätze.*
[quote]Teilweise einverstanden; mache ich auch so. Das allein Entscheidende ist allerdings die Qualitaet und nicht Herkunft und Name. Keinen deutschen, arroganten C=Klasse=Mercedes, einen fahrenden Haufen Luxus=Schrott=Kuebel zu horrenden Preisen, wenn ich statt dessen einen Toyota kriegen kann, der erstens besser und zweitens preiswerter ist. Kein Markenprodukt, wenn ich einen Billigheimer kriegen kann, der, anders als der Markenheini, von der Stiftung Warentest mit sehr gut getestet worden ist. Verarschen kann ich mich ansonsten selbst. [/quote]
Ist wohl auch eine Mentalitätsfrage. Ob allerdings die ausländischen Autos an die Qualität von Audi, BMW oder Porsche rankommen, bezweifle ich.
Jens
Re: Jammern auf hohem Niveau !
carlos, Saturday, 10.04.2004, 21:10 (vor 7972 Tagen) @ Expatriate
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von Expatriate am 08. April 2004 08:39:21:
Servus Expatriate!
Sicher richtig. Aber keiner der chinesischen Dialekte laesst sich mal eben so *en passant* erlernen; da gibts nicht viele, die auch nur einen meistern. Und dann ist das Kantonesische mit seinen sieben Tönen ja noch viel diffiziler als das viertoenige Mandarin. Bei den Chinesen in Suedostasien wird Mandarin auch nicht durchgaengig verstanden, weil die fast alle urspruenglich aus den Provinzen Guangzhou oder Fujian stammen. Und da muss man eben Kantonesisch koennen, sonst wird man nur selten verstanden. Oder sich halt mit Englisch behelfen, wenn das moeglich ist.
Waere ich nochmal Anfang, Mitte 20, ohne Kinder und ohne meine emotionale Bindung zu Bayern in Form meiner Familie und meines Freundeskreises, dann wuerde ich jetzt auch abhauen. Ganz sicher.
Machs gut!
carlos
Re: Jammern auf hohem Niveau !
Expatriate, Sunday, 11.04.2004, 13:20 (vor 7971 Tagen) @ carlos
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von carlos am 10. April 2004 18:10:35:
Servus Carlos!
Sicher richtig. Aber keiner der chinesischen Dialekte laesst sich mal eben so *en passant* erlernen;
Zugegeben, einfach ist das sicher nicht.
Und dann ist das Kantonesische mit seinen sieben Tönen ja noch viel diffiziler als das viertoenige Mandarin.
Stimmt, also eher Mandarin. Klar koennen sich Chinesen schon nach wenigen 100 Kilometern Fahrt in China kaum noch in ihrem eigenen Dialekt verstaendigen. Mir wurde schon oefter erzaehlt, dass eben deshalb Mandarin als Universalsprache genutzt wird, sozusagen als Lingua Franca. Hier zumindest reden sie Mandarin.
Naja, China ist gross, wer weiss.
Cheers!
Re: Jammern auf hohem Niveau !
Emmalein, Thursday, 08.04.2004, 12:42 (vor 7974 Tagen) @ carlos
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von carlos am 07. April 2004 18:29:03:
Hi, Carlos,
ich will ja den Essers gar nicht ihre Anteile am Profit ihrer Unternehmung wegnehmen. Aber findest Du es nicht auch ein wenig psychologisch ungeschickt, wenn sich ausgerechnet in Zeiten, wo dann ein Esser von den Mitarbeitern Lohnanpassung unter der Inflationsrate fordert, er sich den Ausverkauf des von ihm gemanageten Unternehmen, das durch seine Schuld so weit heruntergekommen ist, noch ordentlich bezahlen lässt? Und wenn die Poliitker in Zeiten, in denen dem einfachen Volk geraten wird, mehr zu arbeiten und weniger zu bekommen, sich kräftig die Gelder erhöhen, so wie es vor kurzem in der europäischen Kommission geschehen ist?
Kommt da nicht auch manchmal bei Dir hoch, dass Du ans Raubrittertum denkst? Mir jedenfalls.
Wie hättest Du denn die Wiedervereinigung aufgezogen, Carlos? Das sie kommen musste, steht doch ausser Zweifel, oder? Was hättest Du anders und besser gemacht?
Der Feminismus hat nichts, aber auch gar nichts mit Wirtschaftspolitik zu tun - bis auf die Tatsache, dass er von Unternehmen genutzt wurde, wenn sie ihn brauchten, und bis auf die Tatsache, dass das heute wieder geschieht. Denn der Girls Day beispielsweise ist keine humane Einrichtung, sondern ein Versuch, mehr Leute für das Ingenieursstudium zu gewinnen, da es zu wenige Ingenieure gibt. Wird immer so gemacht: Wenn die Zahl von bestimmten arbeitenden Menschen knapp wird, werden plötzlich Frauen hofiert. Das solltest Du mal beobachten.
Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg werden doch heute nicht einmal mehr von den Sozialdemokraten gefeiert. Stattdessen hört man Töne wie dass es keine Umverteilung mehr von Arm nach Reich geben wird. Mach Dir also keine Sorgen, wir sind stramm auf dem Wege des Neoliberalismus, egal, was man davon halten mag.
Warum glaubst Du, dass längere Arbeitszeiten Arbeitsplätze schaffen? Ich bin nicht der Ansicht. Da wird nur die vorhandene Arbeit auf weniger Schultern verteilt, und Überstundenzuschläge fallen weg. Die Folge: Mehr Unternehmen haben höheren Gewinn, aber nicht mehr Leute haben mehr Geld. Denn es gibt ja mehr Arbeitslose, die von den Arbeitenden mit getragen werden müssen.
Niemand schreibt Dir heute vor, wieviel Du arbeiten sollst. Du kannst gerne Überstunden machen noch und nöcher. Wenn Dein Betrieb bei der Bezahlung mitspielt.
Größere Flexibilisierung hätte allerdings in manchen Bereichen vielleicht schon was für sich. Wäre schon nett, Sonntags mal in einem Supermarkt einkaufen zu können. Aber ob das mehr Arbeitsplätze schafft? Die Leute könnn das Geld, das sie verdienen ja nur einmal ausgeben.
Es stimmt: Wer verkauft, will Gewinn. Aber man braucht ja für teure Produkte auch einen Absatzmarkt. Du sagst, die Chinesen leben so viel besser als wir. Wie kommt es dann, dass deren Bruttosozialprodukt pro Kopf weit unter unserem liegt? Das hätte ich gerne mal gewusst. Ich denke, es gibt in China gewaltige soziale Unterschiede, an denen unsere Bundesrepublik, weil wir so viel auf engem Raume zusammenleben, zerbrechen würde.
Und man kann eine Produktion von Edelkarossen nicht in kurzer Zeit auf Billigprodukte umstellen. Ich denke eher, dass man pleite geht, wenn man in seinem Marktsegment nichts mehr verkaufen kann.
Es grüsst
das Emmalein
Re: Jammern auf hohem Niveau !
carlos, Saturday, 10.04.2004, 21:09 (vor 7972 Tagen) @ Emmalein
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von Emmalein am 08. April 2004 09:42:11:
Emmalein,
Sowohl ich, als auch Meckmax und auch andere haben dir schon einige klipp und klare Fragen gestellt, speziell die Sache mit dem Holocaust. Bis heute hast Du nix dazu erklaert; dieses, Dein schweres Kaliber bedeutet, dass Du nicht satisfaktionsfaehig bist. Ich weiss, dass Du wohl schon so manchen hier erfolgreich eingewickelt hast, bei mir ist jedoch jeder Versuch zwecklos. X=Ray und Ferdi haben Dich und Deine Art und Weise zu schreiben in ihren letzten Antworten an Dich sehr treffend charakterisiert; besser haette ich das auch nicht koennen. Ich bin nicht daran interessiert, mich mit Dir zu unterhalten. Mehr habe ich zu Dir nicht zu sagen.
carlos
Re: Jammern auf hohem Niveau !
Garfield, Thursday, 08.04.2004, 13:44 (vor 7974 Tagen) @ carlos
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von carlos am 07. April 2004 18:29:03:
Hallo Carlos!
Du wirfst hier ganz verschiedene Sachen in einen Topf. Um schon mal ein Mißverständnis aufzuklären: Das System der DDR halte ich keineswegs für perfekt. Das System der Bundesrepublik allerdings auch nicht. Einige der Gründe dafür hast du hier gerade selbst genannt.
"Der Zusammenbruch des Sozialismus war ein Segen..."
Er hätte ein Segen sein können, wenn danach etwas Besseres entstanden wäre. Leider haben wir aber nun die Situation, daß der Zusammenbruch des sozialistischen Lagers dazu genutzt wird, nicht nur nichts Besseres zu schaffen, sondern auch noch das System der Bundesrepublik weiter zu verschlechtern.
"Vor allem all die ueberfluessigen, schoenen Behoerden samt ihren verbeamteten Insassen: Die lachen sich was! Beamten sind nicht kuendbar!"
Das sollte man eben auch ändern.
"Und du willst doch gerade die Arbeitslosgkeit senken, Garfield, oder habe ich das falsch verstanden?"
Ja ja, aber ich sehe dazu keine andere Möglichkeit als die vorhanden Erwerbsmöglichkeiten auf alle arbeitsfähigen Menschen zu verteilen. Es wird keine 4 Millionen neuen Jobs geben. Selbst wenn die Konjunktur mal wieder anzieht, wird sich das auf den Arbeitsmarkt niemals so gravierend auswirken. Im Moment haben wir ja sogar die Situation, daß deutsche Unternehmen im Export durchaus sehr erfolgreich sind, trotz starkem Euro und trotz der angeblich so hohen Lohnkosten in Deutschland. Für 2004 haben Experten auch positive Prognosen abgegeben. An den Arbeitslosenzahlen ändert das alles aber nichts.
"Das gab es nicht einmal in der DDR..."
Ja, eben.
"Mit einer 30-Stundenwoche ist das halt nicht hinzukriegen."
Wer arbeitet denn nur 30 Stunden pro Woche? Also, ich kenne niemanden. Ich selbst habe 40-Stunden-Woche. Mein Bruder hatte vor kurzem einen Job mit 9 Arbeits-Stunden täglich. Ab und zu durfte er auch am Wochenende arbeiten, selbstverständlich ohne Zuschläge. Als Lohn bekam er so etwa 3,50 Euro pro Stunde und dazu noch 17 Euro täglich vom Arbeitsamt. Einige Polen haben den Job nach einigen Tagen schon wieder hingeworfen, weil ihnen die Bezahlung zu schlecht war. So sieht das reale Leben aus, Carlos.
"Dann kauf Dir Aktien, und Dir gehoert solch ein Riesenunternehemn mit! Wenn du es gut anstellst, dann kannst du gutes Geld verdienen."
Aha. Und womit, bitteschön, soll ich die tausenden Aktien, die ich brauche, um wirklich Geld damit zu verdienen, bezahlen? Lohnsteuer, Rentenbeiträge, Sozialabgaben, "Ökosteuern" usw. lassen mir da leider nicht viel übrig.
"Dagegen spricht nix. Bis auf die betroffenen Unternehmen. Auch die machen halt pleite oder gehen nach China."
Jetzt jammern die Unternehmen doch immer über die ach so hohen Lohnkosten in Deutschland. Wenn sie keine menschlichen Arbeitskräfte mehr beschäftigen, entfällt dieser Kostenfaktor. Wieso sollten sie dann pleite gehen, wenn es eine Steuer auf vollautomatische Produktionsanlagen gäbe, die niedriger angesetzt wird als die jetzigen Lohnkosten?
"Wer soll diese *vollautomatischen Betriebe* denn aufbauen? Wer leiten?"
Carlos, wer leitet denn jetzt die allermeisten großen Unternehmen? Die werden nur noch ganz selten von ihren Besitzern geführt, und selbst dann brauchen diese angestellte Führungskräfte, die ihnen viel abnehmen. Aber die allermeisten Großunternehmen werden ausschließlich von angestellten Managern geführt. Die Besitzer halten meist nur noch die Hände auf, um den Gewinn zu kassieren und kümmern sich ansonsten um nichts mehr. So einem Manager ist es vollkommen egal, ob das Unternehmen, das er leitet, sich in privatem oder in staatlichem Besitz befindet. Volkswagen wurde im Übrigen nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Staatsbesitz überführt, und das hat dem Unternehmen in keiner Weise geschadet.
"Brauchen wir zu deren Ueberwachung auch nur eine klitzekleine staatliche Behoerde oder eine bisserl groessere?"
Das wäre ein Punkt, der mir auch Sorgen macht. Allerdings weniger, wenn es um die Überwachung der Unternehmen geht. Du hast die Frage aufgeworfen, wie man solche staatlichen Betriebe aufbauen sollte.
Jetzt läuft es so, daß immer wieder große Geldsummen praktisch als Geschenk vom Staat an die Wirtschaft gezahlt werden. Allein im Rahmen des sogenannten "Aufbau Ost" sind Milliarden an die Wirtschaft geflossen.
Ich erinnere mich da beispielsweise an den Fall eines Spanplattenwerkes in Mecklenburg-Vorpommern. Das geriet so etwa Mitte der 1990er Jahre in finanzielle Schwierigkeiten. Im Werk arbeiteten über 100 Menschen, was man als Anlaß nahm, um dort insgesamt eine dreistellige Summe aus Bundes- und Landesmitteln reinzupumpen. Eines Tages war der Geschäftsführer verschwunden und mit ihm ganz zufällig auch das Geld. Ich weiß nicht, ob sie ihn später geschnappt haben. Vermutlich macht er sich heute mit den ergaunerten Millionen ein schönes Leben auf den Bahamas. Das Werk wurde dann natürlich geschlossen.
Diese staatlichen Fördermittel wurden damit begründet, daß man ja Arbeitsplätze sichern wolle. Tatsächlich wäre es billiger gewesen, jedem dort beschäftigten eine Million DM auszuzahlen. Das hätte dann obendrein auch noch den Vorteil gehabt, daß ein großer Teil dieses Geldes dann auch hier in Deutschland ausgegeben worden wäre und nicht auf den Bahamas oder sonstwo.
Sinnvoller wäre es, Unternehmen staatliche Gelder nur gegen entsprechende staatliche Beteiligung am Unternehmen zukommen zu lassen. So würde es sich automatisch ergeben, daß sich mehr Unternehmen in Staatsbesitz befinden, und zwar ohne daß dafür zusätzliche Steuergelder verwendet werden müßten.
Da sehe ich dann aber die Gefahr, die du beschrieben hast. Die Mißwirtschaft der sogenannten Treuhand-Anstalt hat ja gezeigt, wie anfällig solche Behörden für Korruption sind. Aber wenn man die Strafen für Annahme von Vergünstigungen verschärft und dafür sorgt, daß sich auch Politiker bei Annahme solcher Vergünstigungen wieder strafbar machen, und wenn man das Ganze auch noch strenger überwacht, sollte sich da einiges erreichen lassen.
"Wer setzt die Preise fuer deren Produkte oder Dienstleistungen fest, vor allem dann, wen man sich bei den Kosten verkalkuliert hat?"
Das tun dann genau die Leute, die es jetzt auch tun. Natürlich können die sich mal verkalkulieren, aber das passiert jetzt auch.
"Was macht man, wenn die Sachen jetzt keiner will oder bezahlen kann?"
Dasselbe, was ein privater Unternehmer in der Situation auch tut.
"Was macht man, wenn die Geschichte so einigen Leuten zu dumm wird und sie in die USA abwandern?"
Wenn sich genügend Unternehmen in Staatsbesitz befinden, ist das auch kein Problem. Der Staat wird nicht in die USA auswandern.
"Die Kacke hattet ihr schon einmal hinter der Mauer; zum mindesten der alte carlos hier im Westen will sie nicht haben."
Carlos, du verstehst mich völlig falsch. Es geht mir nicht darum, die DDR wiederauferstehen zu lassen. Staatliche Betriebe gibt es in den entwickelsten kapitalistischen Staaten schon lange. Umgekehrt gab es in der DDR übrigens bis in die 60er Jahre hinein auch viele kleine und mittlere Unternehmen in Privatbesitz. Die fügten sich nahtlos in die DDR-Wirtschaft ein. Ihre Besitzer wurden nur aus rein ideologischen Gründen dazu gedrängt, diese Unternehmen an den Staat zu verkaufen, was ich für einen großen Fehler halte.
Übrigens werden wir staatliche Unternehmen in Zukunft auch aus anderen Gründen brauchen. Nämlich um den freien Markt zu erhalten. Denn je mehr der Konzentrationsprozeß in der Wirtschaft voranschreitet, umso weniger frei ist der Markt.
Beispiel Mineralölbranche: Da steigen die Benzinpreise munter immer weiter. Begründet wird das in der Regel mit Erhöhung des Rohölpreises. Nur merkwürdigerweise steigen die Benzinpreise häufig auch, wenn sich der Rohölpreis gar nicht erhöht. Z.B. vor Feiertagen. Merkwürdigerweise steigt auch der Preis für Bio-Diesel immer schön mit. Es ist auch ganz offensichtlich, daß die Preiserhöhungen immer reihum gehen, also daß es da auch gewisse Absprachen geben muß.
Mit einer großen Portion Naivität könnte man nun darauf verweisen, daß es doch auch freie Tankstellen gibt, die als Konkurrenz zu den großen Konzernen auftreten. Tatsächlich können diese freien Tankstellen aber keine wirksame Konkurrenz sein, weil sie nämlich keine eigenen Raffinerien haben, ihr Benzin also zwangsläufig auch von den großen Konzernen kaufen, die ihnen somit immer Mindestpreise diktieren können.
In der DDR gab es eine Tankstellenkette namens Minol. Die wurde nach der Wiedervereinigung inklusive Raffinerien von der Treuhand übernommen. Wenn die in Staatsbesitz geblieben wäre, hätte der Staat so die Möglichkeit gehabt, eine echte Konkurrenz zum den großen Konzernen aufzubauen und so den Markt freier zu gestalten. Dann könnten die Mineralölkonzerne sich grundlose Preiserhöhungen heute nicht so einfach leisten.
"Waehrend die Maschinen in Deinen vollautomatischen Staatsbetrieben also von ganz alleine die Gelder fuer die Geldverteilungsbehoerde und unseren Lebensunterhalt erwirtschaften, haben wir alle mehr Zeit fuer Ehrenaemter..."
Carlos, die Automatisierung wird zunehmen, ob wir das wollen oder nicht. Wir können es uns nicht mehr lange leisten, davor die Augen zu verschließen und mit der Illusion zu leben, daß alles schon irgendwie immer so weitergehen wird wie bisher.
"Ich lasse mir von keinem vorschreiben, wieviel ich arbeiten darf und wieviel nicht. Das entscheide ich selbst."
Könntest du dann ja auch. Ich gehe davon aus, daß viele Menschen beruflich kürzer treten würden, wenn sie nicht mehr nur für die blanke Existenz arbeiten müßten. Es würde dann sehr bald sogar Arbeitskräfte-Mangel geben, und es gäbe für längere Zeit immer noch genügend Jobs für Menschen, die auf Vollzeit arbeiten möchten. Die hätten dann eben mehr Geld für Luxusgüter, würden dafür aber auch größeren beruflichen Streß in Kauf nehmen. Reglementieren müßte man da nichts, denke ich.
"Der jetzige Kurs laeuft schon lange, schon seit ueber 30 Jahren darauf hinaus, dass immer mehr Leute ihr eigenstaendiges Denken an den Nagel neben der Eingangstuer zu diesem Staat abgehaengt haben"
Wie meinst du das denn? Du glaubst doch nicht ernsthaft, daß die über 4 Millionen Arbeitslosen, die wir momentan in Deutschland haben, allesamt freiwillig arbeitslos sind? Dann wird es für dich aber höchste Zeit, endlich aufzuwachen und dir mal das reale Leben anzusehen.
"Nicht ein Arbeitsplatz wird geschaffen, wenn man glaubt, man muesse dem boesen Besserverdienenden von nebenan was wegnehmen."
Wie schon geschrieben - du verstehst mich vollkommen falsch. Außerdem wird andererseits auch kein Arbeitsplatz geschaffen, wenn man einem Besserverdienenden noch etwas dazu gibt.
"Der Smart war und ist ein ueberteuerter, technischer Rohrkrepierer"
Richtig. Er hätte aber ein neuer Käfer werden können, wenn man ihn als billiges Auto ohne teure Ausstattung angeboten hätte. Das wollte man aber auf gar keinen Fall, um die Profitspanne hoch zu halten.
"Du kannst so viel verkaufen, wie Du willst, aber trotzdem keine Gewinne machen und pleite gehen, wenn Dich die Kosten erdruecken."
Ja, und? Was hat das damit zu tun, daß man nun einmal mit aufwändigen Produkten mehr Gewinn erzielt? Ich sehe da keinen Zusammenhang.
Wenn du meinst, daß die Produktionskosten in Deutschland so hoch wären, dann erkläre mir doch mal, wieso ein und dasselbe Auto aus ein und derselben deutschen Fabrik im Ausland einige tausend Euro billiger ist! Vermindern sich die Produktionskosten etwa auf wundersame Weise, sobald ein Auto die deutsche Grenze überschritten hat?
Aber dieser Effekt scheint nicht nur an der Grenze aufzutreten, sondern merkwürdigerweise auch an Eingängen zu ALDI, Lidl usw. Auch da kostet so manches Produkt auf einmal nur noch die Hälfte. Aber das liegt dann wohl daran, daß kein Markenname aufgedruckt wird. So ein paar Milligramm Farbe können offenbar richtig ins Geld gehen...
"In China gibt es mittlerweile mehr Millionaere als in Deutschland (ohne jetzt in Bezug auf die 1,xy Milliarden Leute zu rechnen)"
Ja ja, eben. Man muß das schon bezogen auf die Bevölkerung sehen. Und wo viel Licht ist, ist im Allgemeinen auch viel Schatten. Wenn es viele Reiche gibt, dann liegt das üblicherweise daran, daß noch viel mehr Menschen eben nicht reich sind.
"Chinas Staedte sind voll von hochwertigen Autos."
Das habe ich auch nie bestritten. Trotzdem werden in China auch Autos für 5000 Euro verkauft. Außerdem kannst du die Verhältnisse in Großstädten, wo sich natürlich die Reichen konzentrieren, nicht mit den Verhältnissen in der chinesischen Provinz vergleichen.
"Bevor ich gar nichts verkaufen koennte oder gar in die Pleite muesste, wuerde ich auch billige Produkte verkaufen."
Ja ja, aber in vielen Bereichen läuft in Deutschland der Absatz von Produkten der mittleren und hohen Preisklasse noch recht gut. Also konzentriert sich die Wirtschaft immer noch darauf und bietet ganz bewußt keine Produkte der niedrigen Preisklasse an, um sich damit keine Konkurrenz zu den eigenen Produkten der mittleren und hohen Preisklasse zu schaffen. Was meinst du wohl, wieso viele Unternehmen ihre Produkte nur heimlich und unter anderem oder ganz ohne Markennamen an ALDI liefern? Wenn man sofort sieht, daß dasselbe Produkt beim Edeka 1,39, beim ALDI aber nur 0,39 Euro kostet, kauft man's natürlich beim ALDI. Mit Joghurt klappt das ganz gut, mit Autos dagegen wird's schon schwieriger.
Mag sein, daß die Unternehmen ihre Strategie ändern, wenn es noch viel mehr Deutschen schlecht geht. Aber zumindest die Großkonzerne werden dann lieber nach China auswandern, wo dann wahrscheinlich tatsächlich schon der von dir beschriebene allgemeine Wohlstand ausgebrochen ist.
"Erst dann, wenn ein Unternehmer ein gutes Umfeld hat, kann er auch investieren."
Das wird er aber nicht tun, wenn der Markt kein ausreichendes Wachstumspotenzial hat.
"Investiert wird vorrangig, um Gewinne zu erwirtschaften; erst spaeter kommen Arbeitsplaetze dazu."
Eben. Genau das schreibe ich ja auch schon die ganze Zeit. Marx war übrigens derselben Meinung.
Aber mal grundsätzlich:
Ich stimme dir durchaus zu, daß die von dir erwähnten Mißstände in Deutschland existieren und auch zum jetzigen Dilemma beitragen. Sie sind aber nicht die Ursache des Dilemmas.
Die Probleme sind folgendermaßen entstanden:
Nach dem Zweiten Weltkrieg fingen viele Menschen bei 0 an. Die Wirtschaft stellte sich darauf ein und bot zunächst billige Produkte an. Es gab dann z.B. zweisitzige Kabinenroller als Billig-Autos für Menschen, denen selbst der Käfer noch zu teuer war. Durch Marshall-Plan und andere günstige Umstände kam die deutsche Wirtschaft schnell wieder in Schwung, und da viele Männer (und auch einige Frauen) in Kriegsgefangenschaft oder sogar im Krieg gefallen waren, gab es zunächst Arbeitskräftemangel. Das zwang die Wirtschaft dazu, den Arbeitern und Angestellten mehr Zugeständnisse zu machen, sie also auch besser zu bezahlen. Das wiederum stärkte die Kaufkraft und den Binnenmarkt. Auf dieser Grundlage kamen dann auch die deutschen Exporte wieder ins Rollen, was die Situation noch weiter verbesserte. Die Löhne und Gehälter stiegen also an, aber das konnten die Unternehmen locker durch Preiserhöhungen ausgleichen. Der wachsende Markt gab das her. Die Menschen hatten immer mehr Geld, damit stiegen ihre Ansprüche, und Produkte wie diese zweisitzigen Kabinenroller verschwanden bald vom Markt.
Allein schon, um dem Arbeitskräftemangel Herr zu werden, aber auch aus prinzipiellen Gründen trieb die deutsche Wirtschaft die Automatisierung ständig voran. Zunächst war es noch so, daß viele Jobs schlecht durch Maschinen erledigt werden konnten. Aber mit zunehmendem technischen Fortschritt wurde auch immer mehr möglich, und Ende der 60er Jahre war der Punkt erreicht, an dem es in Deutschland mehr Arbeitssuchende als freie Stellen gab.
Man verringerte die Einfuhr ausländischer Arbeitskräfte, aber die Arbeitslosenzahlen stiegen von nun an kontinuierlich an. Das verunsicherte die Menschen zunehmend und brachte sie dazu, politisch mehr dem linken bzw. dem mittel-linken Lager zuzuneigen. Politiker waren von nun an darum bemüht, den Menschen Sozial-Geschenke zu machen, um gewählt zu werden. Außerdem schlachtete die DDR-Propaganda die steigende Arbeitslosigkeit im Westen natürlich gründlich für ihre Zwecke aus, und es war zu befürchten, daß die Westdeutschen womöglich den sogenannten "Kommunisten" hinterher laufen würden. Auch deshalb erschienen Zugeständnisse im Sozialbereich als dringend erforderlich, um auch in der Hinsicht möglichst besser dazustehen als die DDR.
Es war also nicht so, daß die Sozialleistungen die Arbeitslosigkeit verursacht haben, sondern ganz im Gegenteil hat die Arbeitslosigkeit bewirkt, daß mehr in den Sozialbereich investiert wurde. Auch weil es erst durch die Arbeitslosigkeit ja überhaupt immer mehr Sozialfälle gab.
Weil es also bedingt durch die steigenden Arbeitslosenzahlen immer mehr Menschen mit niedrigen Einkommen gab, stieg vor allem im Bereich der Güter des täglichen Bedarfs die Nachfrage nach billigen Produkten an. So entstanden die ersten Supermarktketten, die Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs sehr billig anboten.
In diesen billigen Supermärkten kauften dann aber nicht nur einkommensschwache Menschen ein, sondern durchaus auch Menschen, die genügend Geld hatten. Die konnten so noch die eine oder andere Mark sparen.
Das wirkte sich auf die Wirtschaft unterschiedlich aus. Für kleine Lebensmittelgeschäfte war das eine Katastrophe. Die verschwanden nun nach und nach, weil sie nicht so billig verkaufen konnten wie die großen Supermarktketten. Der Marktanteil der Supermärkte wuchs, und damit wuchs auch ihre wirtschaftliche Macht. Sie konnten so immer mehr Druck auf ihre Zulieferer ausüben. Natürlich waren sie bestrebt, trotz niedriger Verkaufspreise hohe Gewinne zu erzielen, und das geht nur mit niedrigen Einkaufspreisen. So stieg also der Preisdruck bei den Unternehmen, die mit Waren des täglichen Bedarfs zu tun hatten, sehr schnell an. Mit dem Ergebnis, daß die die Automatisierung ihrer Produktion noch mehr vorantrieben oder aber die Produktion ins billigere Ausland verlagerten.
Das erhöhte die Arbeitslosenzahlen weiter, die Nachfrage nach billigen Produkten erhöhte sich noch mehr, was dann wiederum den Kostendruck in der Wirtschaft verschärfte...
Unternehmen, die mit der Produktion von Luxusgütern (und damit meine ich jetzt nicht nur den Rolls Royce, sondern auch z.B. Platten bzw. später CD's, Fernseher usw.) beschäftigt waren, spürten die Krise zunächst weniger. Denn viele Menschen, die noch Arbeit hatten und neuerdings in den billigen Supermärkten einkauften, investierten das so gesparte Geld in zusätzliche Luxusgüter. Dort stieg der Absatz also weiter, und es war auch weiterhin Spielraum für Preiserhöhungen da.
Die Automatisierung nahm derweil immer weiter zu und schlug sich in weiter wachsenden Arbeitslosenzahlen nieder. Anfangs gab es noch Bereiche, die davon weitgehend verschont blieben, aber in den 80er Jahren weitete sich dieser Prozeß auf immer mehr Branchen aus, und zunehmend waren nun auch Menschen mit mittlerer oder sogar mit hoher Qualifikation betroffen. Wenn die nun arbeitslos wurden, belasteten sie die Arbeitslosenkassen natürlich besonders stark, da sie vorher im Beruf gut verdient hatten.
Dann kam die Wiedervereinigung. Für die westliche Wirtschaft bedeutete sie vor allem die Öffnung des ostdeutschen Marktes. Vielleicht haben die Politiker der Kohl-Regierung wirklich daran geglaubt, daß dieser ostdeutsche Markt als Katalysator für ein neues Wirtschaftswunder wirken könnte. Es gab ja im Osten immerhin 17 Millionen Menschen, die mehrheitlich nur darauf warteten, endlich massenweise westliche Produkte konsumieren zu können. Deshalb tauschte man die DDR-Mark auch zu einem für die DDR-Bürger recht günstigen Kurs um. Man wollte ihnen ein gewisses Startkapital verschaffen, das dann verkonsumiert werden konnte.
Das funktionierte soweit auch noch, als dann aber immer mehr Menschen im Osten arbeitslos wurden und dann auch nicht mehr viel Geld zum Ausgeben hatten, ging auch ihre Konsumwut schnell wieder zurück. Und westliche Unternehmen machten nur wenig Anstalten, ernsthaft im Osten zu investieren. Oft reichten die Produktionsanlagen im Westen völlig aus, um den Bedarf der Ostdeutschen noch mit zu befriedigen. Im Westen wurden Anfang der 1990er Jahre dann auch zeitweise wieder neue Arbeitsplätze geschaffen. Da aber im Osten noch mehr Arbeitsplätze vernichtet wurden, stiegen die Arbeitslosenzahlen insgesamt doch munter weiter.
Und jetzt haben wir eben die Situation, daß es immer mehr Arbeitslose und damit auch immer mehr Sozialfälle gibt, und daß das alles immer weniger finanzierbar ist. Das führt logischerweise dazu, daß einerseits die Sozialleistungen immer weiter gekürzt werden, während die dafür zu zahlenden Beiträge gar nicht oder nur unwesentlich sinken, und daß sich die Steuerlast immer weiter erhöht. Verschärft wird das noch dadurch, daß sich unsere Politiker diverse Privilegien zuschanzen, daß wir ein Heer von Berufsfeministinnen durchfüttern müssen usw. Aber letztere Faktoren haben die Krise nicht verursacht.
Wie wird das nun weitergehen? Da immer mehr Menschen immer weniger Geld haben, verstärkt sich der Kostendruck in der Wirtschaft immer weiter. Allein schon deshalb werden immer mehr Menschen entlassen. Nicht nur wegen der Lohn- und Sozialkosten, sondern weil Maschinen nun einmal 24 Stunden am Tag durcharbeiten können und das häufig auch noch sehr präzise. Parallel dazu wird zunehmend Produktion ins Ausland verlagert.
Das verschärft die Situation immer weiter, die Sozialleistungen werden weiter sinken, die Steuern weiter steigen. Damit wird sich die Kriminalität erhöhen, was auch der Wirtschaft noch zusätzlich schaden wird. Die Steuerlast wird weiter steigen, was immer mehr Menschen zur Schwarzarbeit zwingen wird. Damit wiederum verschärft sich dann alles noch weiter.
Soweit, so schlecht. Und, Carlos, wie würdest du diese Probleme lösen?
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Jammern auf hohem Niveau !
carlos, Saturday, 10.04.2004, 21:01 (vor 7972 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von Garfield am 08. April 2004 10:44:26:
Servus, Garfield!
*Ja ja, aber ich sehe dazu keine andere Möglichkeit als die vorhanden Erwerbsmöglichkeiten auf alle arbeitsfähigen Menschen zu verteilen. Es wird keine 4 Millionen neuen Jobs geben. Selbst wenn die Konjunktur mal wieder anzieht, wird sich das auf den Arbeitsmarkt niemals so gravierend auswirken. Im Moment haben wir ja sogar die Situation, daß deutsche Unternehmen im Export durchaus sehr erfolgreich sind, trotz starkem Euro und trotz der angeblich so hohen Lohnkosten in Deutschland. Für 2004 haben Experten auch positive Prognosen abgegeben. An den Arbeitslosenzahlen ändert das alles aber nichts.*
Da werden diejenigen, die eine Arbeit haben, aber nicht begeistert sein und ein hartes Woerterl mitreden wollen. Mit mir liesse ich das nicht machen. Zwaenge man die Unternehmen per Gesetz dazu, dann wuerden noch mehr von ihnen gehen; mein Fanal waere das, ich wuerde es dann naemlich tun. Der Export ist die einzige Stuetze, die wir noch haben. Verteuern wir unsere Produkte noch mehr, indem wir die Unternehmen zum Leute einstellen zwingen, dann koennen wir gleich dicht machen. Arbeitslose sind uebrigens nicht gleich Arbeitslose; doch davon spaeter...
*...So sieht das reale Leben aus, Carlos.*
Genau. Das tut es so... lol.
*Aha. Und womit, bitteschön, soll ich die tausenden Aktien, die ich brauche, um wirklich Geld damit zu verdienen, bezahlen? Lohnsteuer, Rentenbeiträge, Sozialabgaben, "Ökosteuern" usw. lassen mir da leider nicht viel übrig.*
Okay. Einen Fernseher hast sicherlich auch du. Nimm dir das naechste Vierteljahr abends nichts vor; besser noch, wann immer du Zeit hast, setz dich hin, und schau dir konzentriert alle Boersennachrichten auf n=tv und N24 an, die Du kriegen kannst. Fuehr ueber die Indices meinetwegen auch Buch, wenn Du anfangs nicht genau weißt, wie die Zahlen korrelieren. Dazu kauf dir die monatlich erscheinenden Hefte von *Finanztest* (Stiftung Warentest Verlag), und studier die Indices und die Testergebnisse, speziell die der Aktienfonds sehr genau. Nach besagten drei Monaten bist du sicher fit genug, und hast kannst Dir einen gut getesteten Aktienfond aussuchen; dort einzusteigen kostet nicht die Welt. Du willst aber Urlaub machen? Du willst ein neues Auto? Deine Frau liegt Dir mit irgendwelchen Wuenschen in den Ohren? Dann hoer mir jetzt mal gut zu: Dann sparst Du eben verbissen, bis Du die Euro beisammen hast! Was denkst denn Du, wie es jemandem ergeht, der sich selbstaendig macht? Also jemandem, der auf lange Sicht eben auch mehr Geld haben will? Da sind die ersten Jahre Urlaube, Extra=Wuensche etc. weder zeitlich noch finanziell drin, sondern eine 60=, 70= oder 80=Stundenwoche steht auf dem Plan!
Aktienfonds haben den Vorteil, dass man neben der hohen Rendite eben auch sofort aussteigen kann, wenn man will. Deswegen musst Du auch immer dran bleiben und die Wirtschaftsnachrichten verfolgen. Ein Unternehmer muss das in seinem Unternehmen auch; er muss die wichtigsten Zahlen permanent im Kopf verfuegbar haben! Und nach ein paar Jahren wirst auch Du gutes Geld verdient haben. Glaub mir.
*"Dagegen spricht nix. Bis auf die betroffenen Unternehmen. Auch die machen halt pleite oder gehen nach China."
Jetzt jammern die Unternehmen doch immer über die ach so hohen Lohnkosten in Deutschland. Wenn sie keine menschlichen Arbeitskräfte mehr beschäftigen, entfällt dieser Kostenfaktor. Wieso sollten sie dann pleite gehen, wenn es eine Steuer auf vollautomatische Produktionsanlagen gäbe, die niedriger angesetzt wird als die jetzigen Lohnkosten?*
Die Sache ist genau andersrum: Weil die Kosten immer weiter gestiegen sind, hat man maschinisiert. Wenn sie noch weiter steigen, dann geht auch noch der restliche Mittelstand pleite oder sucht das Weite. Genau so ist es jetzt schon.
*"Wer soll diese *vollautomatischen Betriebe* denn aufbauen? Wer leiten?"
Carlos, wer leitet denn jetzt die allermeisten großen Unternehmen? Die werden nur noch ganz selten von ihren Besitzern geführt, und selbst dann brauchen diese angestellte Führungskräfte, die ihnen viel abnehmen. Aber die allermeisten Großunternehmen werden ausschließlich von angestellten Managern geführt. Die Besitzer halten meist nur noch die Hände auf, um den Gewinn zu kassieren und kümmern sich ansonsten um nichts mehr. So einem Manager ist es vollkommen egal, ob das Unternehmen, das er leitet, sich in privatem oder in staatlichem Besitz befindet. Volkswagen wurde im Übrigen nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Staatsbesitz überführt, und das hat dem Unternehmen in keiner Weise geschadet.*
Die Lage heute kann man nicht mit Nachkriegsdeutschland vergleichen. Und die Erfahrung lehrt, dass staatliche Monopolkonglomerate auf Dauer immer zu Denkfaulheit und Schlendrian neigen. Dem Eigentuemer, dem Staat also, wird es wurscht sein, wenn ein Staatsunternehmen pleite geht (gesetzt den Fall, man hat keine private Konkurrenz zugelassen), weil von denen niemals auch nur einer verantwortlich ist, wenn es drauf ankommt. Die Telekom ist auch heute noch Scheisse; aber ich erinnere mich mit Wut an die Zeiten, als ich nix weiter als ein Bittsteller war und par ordre de moufti die Gebuhren munter erhoeht wurden. Und du hast mir immer noch nicht erklaert, woher denn eigentlich all diese gigantischen Summen von Staatsgeldern herkommen sollen, die Du fuer Dein Versuchslabor benoetigst.
*"Was macht man, wenn die Sachen jetzt keiner will oder bezahlen kann?"
Dasselbe, was ein privater Unternehmer in der Situation auch tut.*
Und was ist das? Was ist, wenn so ein Riesending an Bedarf und Kosten vorbei geplant hat?
*"Was macht man, wenn die Geschichte so einigen Leuten zu dumm wird und sie in die USA abwandern?"
Wenn sich genügend Unternehmen in Staatsbesitz befinden, ist das auch kein Problem. Der Staat wird nicht in die USA auswandern.*
Klar... lol. Die Unternehmen nicht; aber die, die sie leiten sollen. Es lehrt die Erfahrung, dass die Privatwirtschaft fuer Spitzenjobs schon immer besser gezahlt hat als Vater Staat, und beim Vater Staat ist schon immer Misswirtschaft dazu gekommen, fuer die dann kaum einer die Verantwortung uebernehmen wollte.
*Carlos, du verstehst mich völlig falsch. Es geht mir nicht darum, die DDR wiederauferstehen zu lassen. Staatliche Betriebe gibt es in den entwickelsten kapitalistischen Staaten schon lange. Umgekehrt gab es in der DDR übrigens bis in die 60er Jahre hinein auch viele kleine und mittlere Unternehmen in Privatbesitz. Die fügten sich nahtlos in die DDR-Wirtschaft ein. Ihre Besitzer wurden nur aus rein ideologischen Gründen dazu gedrängt, diese Unternehmen an den Staat zu verkaufen, was ich für einen großen Fehler halte.*
Kleine Handwerker durften ihr Betriebe behalten, ich weiss. Und Du hast Unrecht: Sie fuegten sich nicht in die DDR=Wirtschaft ein, sondern wurden par ordre de moufti eingefuegt. Und zwar voellig nahtlos; das ist wieder richtig. Aber sie konnten noch so viel Umsatz machen, wie sie wollten; mit dem Buntpapier mit Ziffern drauf, genannt Mark der DDR, konnten sie sich nix kaufen. Weil es nix zu kaufen gab. Weil der Staat befahl, was hergestellt werden sollte und was nicht. Da gab es halt einmal Heizkoerper im Ueberfluss, ein anderes Mal Buestenhalter und Klopapier mit Eisenspaenen drin ohne Ende und wieder ein anders Mal Plaste und Elaste aus Zschkopau bis zum Abwinken. Und auf die tuckernden Affenhaemorrhidenschaukeln samt Ersatzteilen wartete man entweder bis zum Sankt Nimmerleinstag oder eben gewoehnlich 20 Jahre, waehrend Honi im Daimler einmal pro Woche den Spiegel las. Ich danke bestens. Nicht mein Fall. Wenn die DDR so spitze war, dann haben das offensichtlich doch so einige nicht auf die Reihe gekriegt; die wollten nur noch verduften. Also baute man die Mauer, damit sie dort blieben. Es war die DDR, die die Mauer baute und auch wieder einriss; nicht ich.
*In der DDR gab es eine Tankstellenkette namens Minol. Die wurde nach der Wiedervereinigung inklusive Raffinerien von der Treuhand übernommen. Wenn die in Staatsbesitz geblieben wäre, hätte der Staat so die Möglichkeit gehabt, eine echte Konkurrenz zum den großen Konzernen aufzubauen und so den Markt freier zu gestalten. Dann könnten die Mineralölkonzerne sich grundlose Preiserhöhungen heute nicht so einfach leisten.*
Staatliche Unternehmen und freier Markt ohne Ende... Garfield, das stimmt doch einfach nicht. Der Sprit ist sehr teuer geworden, keine Frage, und von berufsbedingten Fahrten will ich jetzt nicht reden. Offensichtlich ist der Sprit aber immer noch billig genug, um sein Luxusgemaecht zum naechsten Zigarettenautomaten zu karren, anstatt zu Fuss zu gehen. Offensichtlich ist der Sprit immer noch billig genug, wenn ich sehe, dass jede Menge Vollidioten mehrmals rings um das Supermarktkarree fahren, nur, damit sie irgendwann einen Parkplatz direkt neben der Eingangstuer ergattern; in der selben Zeit habe ich meine Einkaeufe schon laengst erledigt. Offensichtlich ist der Sprit immer noch billig genug, wenn sich die Leute mehrmals und alle Jahre wieder auf den Leidensweg in den Stau in Richtung Sueden begeben. Da wird Sprit ohne Ende verplempert. Wenn den Leuten der Sprit angeblich zu teuer ist, sie ihn aber nicht schlicht boykottieren und zu Hause bleiben, dann ist die Sache mit dem teueren Sprit bloss Gequatsche. Kein Staat soll eingreifen in Dinge, die ein Markt allein regeln kann. Und die Spritpreise kann der Markt regeln. Wenn er denn wirklich will.
Das sieht man momentan auch an den Autopreisen. Es ist richtig, in Deutschland gibt es leider kartellartige Zustaende; die Leute haben die geforderten Preise aber eben immer auch ohne zu murren bezahlt. Wir erleben jetzt, wie diese Zustaende peu a peu aufbrechen; der Hauptgrund dafuer ist, dass die Leuten eben nicht mehr so viel Geld wie noch vor ein paar Jahren haben. Und jetzt stehen bei den Herstellern jede Menge Autos auf Halde. Um den Absatz wieder anzukurbeln, muessen sie sich halt etwas einfallen lassen. Preissenkungen sind ein probates Mittel. Abgesehen davon sind viele der Karren ihr Geld schlicht nicht wert; wenn die Preise aber trotzdem bezahlt werden, dann hat nicht der Markt die Schuld, sondern der Dummkopf. Du kannst Dir ja immer auch einen guten Gebrauchten kaufen; die Auto=Clubs helfen Dir technisch und rechtlich dabei.
*"Der jetzige Kurs laeuft schon lange, schon seit ueber 30 Jahren darauf hinaus, dass immer mehr Leute ihr eigenstaendiges Denken an den Nagel neben der Eingangstuer zu diesem Staat abgehaengt haben"
Wie meinst du das denn? Du glaubst doch nicht ernsthaft, daß die über 4 Millionen Arbeitslosen, die wir momentan in Deutschland haben, allesamt freiwillig arbeitslos sind? Dann wird es für dich aber höchste Zeit, endlich aufzuwachen und dir mal das reale Leben anzusehen.*
Doch, genau das meine ich, aber bezogen auf die Zeit der 70=er und 80=er; damals wurde der Keim gelegt fuer so viele Wirkungskreise mit negativer Rueckkopplung, i.e. Spiralen abwaerts, deren Folgen wir heute nicht mehr loswerden. Damals war es im Westen ein Leichtes, lange Zeit stempeln zu gehen, krank zu feiern, schwarz zu arbeiten, kurz, einen auf Lau zu machen. Damals hat man sich eine Sockelarbeitslosigkeit herangezuechtet, die man jetzt nicht mehr loswird. Das alles war natuerlich nicht umsonst zu bekommen, sondern musste in Form von immer hoeheren Sozialabgaben, immer hoeheren Steuern und immer hoeherer Staatsberschuldung bezahlt werden. Das nenne ich die Brandtsche Aberziehung des selbstaendigen Denkens. Mit den Jahren wurde die Wirtschaft immer internationaler. Zuerst entdeckten die Multis, dass sie sich den horrenden Steuersaetzen entziehen konnten, dann die groesseren Mittelstaendler, und jetzt, nach der vergeigten Wiedervereinigung und nachdem die Staatsschulden endgueltig aus dem Ruder gelaufen sind, auch die mittelstaendische Basis, wenn sie nicht auch Pleite gehen will. Du kannst ihnen ja hinterherfluchen, wenn du willst.
Die groesste Schuld daran tragen die Gewerkschaften. Die haetten sich schon laengst ueberlegen sollen, wer denn ihr eigentlicher Streikgegner sei, wenn von jedem zusaetzlich erstreikten Euro letztlich nur 30 Cent im Geldbeutel uebrig bleiben; dafuer kann der Chef naemlich nix. Ich kann mich auch noch daran erinnern, wie ich mich als Werkstudent immer wieder blutig geaergert habe ueber viele Kollegenschweine, die einen auf mannigfaltigen Lau machten, von den Betriebsraeten gegenueber der Unternehmensleitung aber gedeckt wurden und so deren Entlassung verhindert wurde. Schuld sind heute aber auch die Arbeitgebervertreter in der BfA, wo sie mit den Gewerkschaften und dem Staat zusammen sitzen und den Mangel verdammt schlecht und sauteuer verwalten, so, als sei nix geschehen. Deswegen gehoert die BfA weg.
*"Nicht ein Arbeitsplatz wird geschaffen, wenn man glaubt, man muesse dem boesen Besserverdienenden von nebenan was wegnehmen."
Wie schon geschrieben - du verstehst mich vollkommen falsch. Außerdem wird andererseits auch kein Arbeitsplatz geschaffen, wenn man einem Besserverdienenden noch etwas dazu gibt.*
Wie schon oben gesagt: Immer weniger sind dazu bereit, ihr sauer erarbeitetes Geld groessetenteils dem Staat zu geben, nur damit der es zum Fenster hinauschmeissen kann.
*"Du kannst so viel verkaufen, wie Du willst, aber trotzdem keine Gewinne machen und pleite gehen, wenn Dich die Kosten erdruecken."
Ja, und? Was hat das damit zu tun, daß man nun einmal mit aufwändigen Produkten mehr Gewinn erzielt? Ich sehe da keinen Zusammenhang.*
Also Garfield. Jetzt hol mal Deine Kenntnisse in Dreisatz= und Prozentrechnen hervor. Ich kann mit gut verkauftem Ramsch oder einfach auch niederpreisigen Produkten prozentual und per Saldo mehr Gewinn erzielen, als mit Luxusguetern. Aldi zeigt, wie das geht.
*Wenn du meinst, daß die Produktionskosten in Deutschland so hoch wären, dann erkläre mir doch mal, wieso ein und dasselbe Auto aus ein und derselben deutschen Fabrik im Ausland einige tausend Euro billiger ist! Vermindern sich die Produktionskosten etwa auf wundersame Weise, sobald ein Auto die deutsche Grenze überschritten hat?*
Aber Garfield. Es geht doch nicht nur um die reinen Produktionskosten, sondern um die Gesamtkosten. Und da spielt die Gesamtsteuerbelastung ein wichtige Rolle.
*Aber dieser Effekt scheint nicht nur an der Grenze aufzutreten, sondern merkwürdigerweise auch an Eingängen zu ALDI, Lidl usw. Auch da kostet so manches Produkt auf einmal nur noch die Hälfte. Aber das liegt dann wohl daran, daß kein Markenname aufgedruckt wird. So ein paar Milligramm Farbe können offenbar richtig ins Geld gehen...*
Ja, das weiss ich. Viele Hersteller verkaufen ihr teueren Produkte unter dem teueren Namen und auch gleichzeitig als billige Variante bei den Discountern. Der Dreh ist uralt. Na und? Wenn Du Dich von der Werbung fuer ein teueres Markenprodukt einlullen laesst, dann bist Du selber schuld. Du entscheidest doch, wofuer Du Dein Geld ausgibst, nicht der Hersteller.
*"Chinas Staedte sind voll von hochwertigen Autos."
Das habe ich auch nie bestritten. Trotzdem werden in China auch Autos für 5000 Euro verkauft. Außerdem kannst du die Verhältnisse in Großstädten, wo sich natürlich die Reichen konzentrieren, nicht mit den Verhältnissen in der chinesischen Provinz vergleichen.*
Nein, das ist falsch. Ich kenne keine einzigen Chinesen, der sich einen Neuwagen fuer 5000 Euro gekauft haette. Diese Zeiten sind laengst vorbei, auch deswegen, weil es, zum mindesten momentan, noch keine nennenswerten chinesischen Automarken gibt, die ernsthafte Konkurrenten waeren.
*"Erst dann, wenn ein Unternehmer ein gutes Umfeld hat, kann er auch investieren."
Das wird er aber nicht tun, wenn der Markt kein ausreichendes Wachstumspotenzial hat.*
Doch, das wird er schon. Der Markt drum herum waechst erst nach und nach. Zuerst geht es nur um gute Rahmenbedingungen fuer Investitionen und den Export der dort produzierten Gueter. Weil die auslaendischen Investoren in China, verglichen mit den maroden Staatsbetrieben, Spitzenloehne zahlten, wuchs dann auch der Markt drumrum. In China und ueberall hat das genau so funktioniert.
*Die Probleme sind folgendermaßen entstanden:
Nach dem Zweiten Weltkrieg fingen viele Menschen bei 0 an. Die Wirtschaft stellte sich darauf ein und bot zunächst billige Produkte an. Es gab dann z.B. zweisitzige Kabinenroller als Billig-Autos für Menschen, denen selbst der Käfer noch zu teuer war. Durch Marshall-Plan und andere günstige Umstände kam die deutsche Wirtschaft schnell wieder in Schwung, und da viele Männer (und auch einige Frauen) in Kriegsgefangenschaft oder sogar im Krieg gefallen waren, gab es zunächst Arbeitskräftemangel. Das zwang die Wirtschaft dazu, den Arbeitern und Angestellten mehr Zugeständnisse zu machen, sie also auch besser zu bezahlen. Das wiederum stärkte die Kaufkraft und den Binnenmarkt. Auf dieser Grundlage kamen dann auch die deutschen Exporte wieder ins Rollen, was die Situation noch weiter verbesserte. Die Löhne und Gehälter stiegen also an, aber das konnten die Unternehmen locker durch Preiserhöhungen ausgleichen. Der wachsende Markt gab das her. Die Menschen hatten immer mehr Geld, damit stiegen ihre Ansprüche, und Produkte wie diese zweisitzigen Kabinenroller verschwanden bald vom Markt.
Allein schon, um dem Arbeitskräftemangel Herr zu werden, aber auch aus prinzipiellen Gründen trieb die deutsche Wirtschaft die Automatisierung ständig voran. Zunächst war es noch so, daß viele Jobs schlecht durch Maschinen erledigt werden konnten. Aber mit zunehmendem technischen Fortschritt wurde auch immer mehr möglich, und Ende der 60er Jahre war der Punkt erreicht, an dem es in Deutschland mehr Arbeitssuchende als freie Stellen gab.
Man verringerte die Einfuhr ausländischer Arbeitskräfte, aber die Arbeitslosenzahlen stiegen von nun an kontinuierlich an. Das verunsicherte die Menschen zunehmend und brachte sie dazu, politisch mehr dem linken bzw. dem mittel-linken Lager zuzuneigen. Politiker waren von nun an darum bemüht, den Menschen Sozial-Geschenke zu machen, um gewählt zu werden. Außerdem schlachtete die DDR-Propaganda die steigende Arbeitslosigkeit im Westen natürlich gründlich für ihre Zwecke aus, und es war zu befürchten, daß die Westdeutschen womöglich den sogenannten "Kommunisten" hinterher laufen würden. Auch deshalb erschienen Zugeständnisse im Sozialbereich als dringend erforderlich, um auch in der Hinsicht möglichst besser dazustehen als die DDR.
Es war also nicht so, daß die Sozialleistungen die Arbeitslosigkeit verursacht haben, sondern ganz im Gegenteil hat die Arbeitslosigkeit bewirkt, daß mehr in den Sozialbereich investiert wurde. Auch weil es erst durch die Arbeitslosigkeit ja überhaupt immer mehr Sozialfälle gab.*
Das ist groesstenteils die sozialistische Umdeutung der Geschichte a la DDR, Garfield. Zu Beginn der 60=er Jahre war das Wirtschaftswunder naemlich schon vollbracht; anders, als es die Linke uns heute glauben machen will. Es gab es einen Arbeitskraeftemangel, richtig, aber gesucht wurden in erster Linie Leute fuer die Drecksarbeit, fuer die sich immer mehr Deutsche, auch Geringqualifizierte, die es schon damals gab, zu schade waren. Und weil man die betreffenden Leute nicht unbedingt zur Arbeit verdonnern wollte =der Staat hatte damals ja noch Geld, und die Gewerkschaften sorgten ja such dafuer= holte man eben vermehrt Gastarbeiter ins Land, von denen kaum einer deutsch konnte. Viele von denen, besonders Tuerken, koennen es bis heute nicht; nicht in der dritten, auch nicht in der zweiten und erst recht nicht in deren erster Generation.
Das Hauptprinzip der sozialen Marktwirtschaft war der Grundsatz *Wohlstand fuer alle*. Erreicht wurde das genau in der Reihenfolge, in der ich die Sache mit den Investitionen skizziert habe; die Forderungen der Gewerkschaften in den 50=er und auch noch in den 60=er Jahren waren noch grossenteils berechtigt. Sind Investitionen erst einmal erfolgreich verlaufen, dann soll man guten, intelligenten und gut ausgebildeten Leuten auch Spitzenloehne zahlen; das war schon immer richtig, weil man ein flaechendeckend hohes Lohnniveau fuer eine perfekt geschmierte Binnenkonjunktur braucht. China zeigt das jetzt geradezu exemplarisch; viele Unternehmer in Afrika oder Lateinamerika haben das dagegen noch immer nicht begriffen, auch ein Grund, weswegen gut ausgebildete junge Leute die Laender verlassen oder nach ihrer Ausbildung erst gar nicht mehr zurückkehren. Anhand von hochqualifizierten Leuten kann man zudem den Bildungsstand eines Landes insgesamt erkennen. Garfield, ich sage Dir: Hierzulande ist es mittlerweile verflucht schwer geworden, gutes Personal zu bekommen und schlechtes wieder zu feuern. Aus falsch verstandener Kollegialitaet wollten die Linken und die Gewerkschaften das so, und sie wollen es schon seit weit ueber 35 Jahren so. Das nenne ich das Aberziehen des selbstaendigen Denkens, das wir alle ueber steigende Steuern, Sozialabgaben und Staatsschulden bezahlen muessen. Wohlgemerkt: Von dem Brutto=Lohn eines Durchschnittsverdieners verbleibt netto immer weniger im Geldbeutel. Den Grossteil davon krallt sich Vater Staat, nicht der Chef; die Gewerkschaften wollten das so. Die Linken unter Willy Brandt haben das in großem Stil zu foerdern begonnen. Und genau da liegt auch einer der dicksten Hasen im Pfeffer; ich hab das oben unter den Auslandsinvestitionen und Automatisierung skizziert.
*Dann kam die Wiedervereinigung. Für die westliche Wirtschaft bedeutete sie vor allem die Öffnung des ostdeutschen Marktes. Vielleicht haben die Politiker der Kohl-Regierung wirklich daran geglaubt, daß dieser ostdeutsche Markt als Katalysator für ein neues Wirtschaftswunder wirken könnte. Es gab ja im Osten immerhin 17 Millionen Menschen, die mehrheitlich nur darauf warteten, endlich massenweise westliche Produkte konsumieren zu können. Deshalb tauschte man die DDR-Mark auch zu einem für die DDR-Bürger recht günstigen Kurs um. Man wollte ihnen ein gewisses Startkapital verschaffen, das dann verkonsumiert werden konnte.
Das funktionierte soweit auch noch, als dann aber immer mehr Menschen im Osten arbeitslos wurden und dann auch nicht mehr viel Geld zum Ausgeben hatten, ging auch ihre Konsumwut schnell wieder zurück. Und westliche Unternehmen machten nur wenig Anstalten, ernsthaft im Osten zu investieren. Oft reichten die Produktionsanlagen im Westen völlig aus, um den Bedarf der Ostdeutschen noch mit zu befriedigen. Im Westen wurden Anfang der 1990er Jahre dann auch zeitweise wieder neue Arbeitsplätze geschaffen. Da aber im Osten noch mehr Arbeitsplätze vernichtet wurden, stiegen die Arbeitslosenzahlen insgesamt doch munter weiter.*
Richtig, und genau so rum war es ja auch falsch, weil es so rum auch noch nie funktioniert hatte. Zuerst haette man eine Sonderwirtschaftszone und die Rahmenbedingungen fuer Investoren schaffen muessen, und eben nicht den Leuten das Geld zum Konsum in die Hand druecken, weil der kapitale Gegenwert dazu voellig fehlte. Deswegen war das grundfalsch, und jeder wusste das. Die Treuhand war eine gigantische Steuergeldvernichtungsmaschinerie, und der dicke Kohl wollte im Osten nur gewaehlt werden mit seinen Versprechungen von den bluehenden Landschaften. Fachleute ohne Ende hatten ihn damals gewarnt, dass die Umstellung von Tapetenmark in gute, harte Westmark so nie und nimmer funktionieren wuerde, weil der Staat ueber nacht pleite gehen wuerde. Kohl war das scheissegal, denn er musste ja noch nie was ausbaden. Allerdings haette auch ein verlogenes Chamaeleon wie Lafontaine die Geschichte nicht anders angepackt. Der saechsische Ministerpraeside Georg Milbradt fordert deswegen zurecht, aber halt Lichtjahre zu spaet, ein Transparenz= und Offenlegungsgebot bezueglich Investitionen und Buchfuehrung ueber Transferzahlungen in die Ostfoerderung.
*Soweit, so schlecht. Und, Carlos, wie würdest du diese Probleme lösen?
Freundliche Grüße
von Garfield*
Gute Frage. Eigentlich ist es jetzt schon fuer alles zu spaet, und der Weg in die Bananenrepublik ist vorgegeben. Ich weiss es wirklich nicht, Garfield; dieser Staat ist morsch und faul bis ins Mark; reif fuer eine Generalsanierung. Okay, ich versuche, ein paar Dinge zu skizzieren.
1.) Mit dem internationalen Waehrungsfond ein Schuldenmoratorium fuer ungefaehr fuenf, eventuell auch bis zu 10 Jahre aushandeln. Die Staatsschulden erdruecken alles. Seit 1966 hat Deutschland den Schuldentilgungsdienst beendet und schuldet nur noch um. Im Klartext: Alte Schulden werden mit neuen bezahlt. Schluss damit. Und anschliessend die Steuern fuer alle radikal gesenkt.
2.) Genau zwei Berufsgruppen haben sich diesen Staat gekrallt: Beamten und Juristen. Sie dominieren die drei Staatsgewalten und die Parlamente als parteiuebergreifend groesste Fraktion (im Bundestag so in etwa drei Viertel aller Abgeordneten). Schluss damit. Machtrueckgabe an jeden einzelnen von uns, und jeder einzelne von uns muss dazu notfalls auch gezwungen werden, fuer sich selber zustaendig zu sein. Dann geht es von alleine runter mit der irrsinnigen Staatsquote von ueber 50 %. Die muss weg.
3.) Die drei Gewalten muessen geschliffen werden; jede Menge Ballast muss dort raus. Sie muessen dazu verdonnert werden, fuer das Allgemeinwohl notfalls zu kooperieren, anstatt alles nur zu blockieren.
4.) Straffung der Justizgewalt und des gesamten sauteuren Gutachterzirkus. Bis auf wenige Ausnahmen Rueckabwicklung der grossen Strafrechtsreform von 1977. Natuerlich keine Todesstrafe, aber Uebernahme vieler Teile der amerikanischen Verhaeltnisse, weil viel billiger. Knacken des Feminats und Wiederherstellung der meisten Teile des Eherechts von vor 1977.
5.) Schaffung einer vierten Staatsgewalt, aber ohne das typisch deutsche Parteien= und Buerokratenbrimborium drumrum, und zwar eine Finanzgewalt, die genau zwei Aufgaben haette: Steuern zu erheben und den Staat mit Geld zu versorgen. Rechtliche Bei= oder Nebenordnung zur Bundesbank. Daher ersatzlose Abschaffung des Finanzministeriums und weiter Teile des Wirtschaftsministeriums. Festschreibung in der Verfassung eines Verbotes von Schuldenmacherei. Schulden duerfen nur noch kurzfristig gemacht werden und wenn ein zeitlich verlaesslicher Rahmen fuer die Rueckzahlung gewaehrleistet ist. So kann man auch keine abgehalfterten, talentlosen Lehrer ueber Nacht zu Finanzministern mehr machen und ihnen unser aller Geld in die Hand druecken fuer deren haltlose Versprechen aus wahltaktischen Gruenden.
6.) Knacken der Parteienmacht in saemtlichen Staatsorganen, die nicht direkt mit den Parlamenten zu tun haben.
7.) Die Gewerkschaften werden geschliffen, wie vor ueber 20 Jahren in England.
8.) Die Zahlungen an die EU werden mindestens halbiert. Offizielle Bruesseler Zahlen belegen, dass von jedem EU=Jahreshaushalt 25% bis 30% in dunklen Kanaelen versickern. Das sind fast nur Gelder aus Deutschland. Die EU=Kommission wird zur selben Transparenz verdonnert wie die Bundesregierung und muss sich kuenftig dem Votum der Waehler stellen.
Globalisierung ist auch steuerbar: Der Euro wird wieder abgeschafft und als notwendiges Fernziel festgeschrieben, wenn alle Teilnehmer die Voraussetzungen dafuer erfuellen. Eine stabile Mark, die laut Verfassung von talentlosen Politikern auch nicht mehr ueberschuldet werden kann, ist die beste Basis fuer eine gesunde Wirtschaft und ein dauerhaft stabiles, hohes Lohnniveau.
Eine Einigung Europas ist unabdingbar, gerade angesichts der machtbesessenen USA und der erwachenden Weltmacht China, aber mir der jetzigen EU geht das nicht mehr. Da hat Maggie Thatcher recht.
9.) Rechnungshoefe: Heute sind sie zahnlose Tiger, aber bis 1968 hatten sie das Recht zur Amtsanklage; korrupte Politiker und solche, die fahrlaessig mit den Staatsgeldern umgingen, konnte man vor Gericht bringen, was damals noch selten war. Dann aber hat die große Koalition die Rechnungshöfe geschliffen und ihnen das Recht auf Amtsanklage genommen. Haetten sie das nicht gemacht, dann saessen ein Kohl, ein Gysi, ein Welteke, ein Moellemann (lebte er noch) und viele andere heute schon laengst im Knast oder waeren zum mindesten politisch erledigt.
10.) Unsere Politiker gehoeren zu den weltweit am besten alimentierten. Beschraenkung von Bezahlung und Altersversorgung auf das noetigste; und vor allem Transparenz.
11.) Auf Cuba hat mir etwas gut gefallen: Zwar werden die Kinder in den Schulen natuerlich politisch indoktriniert, aber auf ganz Cuba habe ich noch keinen einzigen Analphabeten getroffen; ganz anders in saemtlichen anderen Laendern Lateinamerikas und auch in den USA. Cubanische Eltern ,die die Schulpflicht ihrer Sproesslinge geringschaetzen, werden drakonisch bestraft, wandern auch in den Knast, und das ist richtig so. Deswegen: Granatenharte Durchsetzung der Schulpflicht auch bei uns; Schluss mit dem weichgespuelten Wischiwaschi und Bildung rein in die Dummschaedel; Dummheiten sind dort schon zu viele drin. Fuer die Erziehung ihrer Kinder werden Eltern kuenftig mehr als bisher haftbar gemacht (natuerlich unter Einbeziehung der Vaeter, der das wieder sein duerfen und auch sollen).
12.) Ausweisung aller kriminellen Auslaender ohne Einlegung von Rechtsmitteln. Kein Beitritt der Tuerkei zur EU.
13.) Max hat das in seinem Forum richtig gesagt: Die Mehrheit der Leute da draussen ist an einer echten und vor allem intelligenten Debatte nicht interessiert und auch zu dumm dafuer. Panem et circenses. Das wird so bleiben. Deswegen bleiben meine Skizzen auch nur Skizzen. Leider.
carlos
Aktienplan ist Unsinn....
Rüdiger, Monday, 12.04.2004, 19:41 (vor 7970 Tagen) @ carlos
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von carlos am 10. April 2004 18:01:46:
*Aha. Und womit, bitteschön, soll ich die tausenden Aktien, die ich brauche, um wirklich Geld damit zu verdienen, bezahlen? Lohnsteuer, Rentenbeiträge, Sozialabgaben, "Ökosteuern" usw. lassen mir da leider nicht viel übrig.*
Okay. Einen Fernseher hast sicherlich auch du. Nimm dir das naechste Vierteljahr abends nichts vor; besser noch, wann immer du Zeit hast, setz dich hin, und schau dir konzentriert alle Boersennachrichten auf n=tv und N24 an, die Du kriegen kannst. Fuehr ueber die Indices meinetwegen auch Buch, wenn Du anfangs nicht genau weißt, wie die Zahlen korrelieren. Dazu kauf dir die monatlich erscheinenden Hefte von *Finanztest* (Stiftung Warentest Verlag), und studier die Indices und die Testergebnisse, speziell die der Aktienfonds sehr genau. Nach besagten drei Monaten bist du sicher fit genug, und hast kannst Dir einen gut getesteten Aktienfond aussuchen; dort einzusteigen kostet nicht die Welt. Du willst aber Urlaub machen? Du willst ein neues Auto? Deine Frau liegt Dir mit irgendwelchen Wuenschen in den Ohren? Dann hoer mir jetzt mal gut zu: Dann sparst Du eben verbissen, bis Du die Euro beisammen hast! Was denkst denn Du, wie es jemandem ergeht, der sich selbstaendig macht? Also jemandem, der auf lange Sicht eben auch mehr Geld haben will? Da sind die ersten Jahre Urlaube, Extra=Wuensche etc. weder zeitlich noch finanziell drin, sondern eine 60=, 70= oder 80=Stundenwoche steht auf dem Plan!
Aktienfonds haben den Vorteil, dass man neben der hohen Rendite eben auch sofort aussteigen kann, wenn man will. Deswegen musst Du auch immer dran bleiben und die Wirtschaftsnachrichten verfolgen. Ein Unternehmer muss das in seinem Unternehmen auch; er muss die wichtigsten Zahlen permanent im Kopf verfuegbar haben! Und nach ein paar Jahren wirst auch Du gutes Geld verdient haben. Glaub mir.
Also ohne hier Garfields leicht sozialistisch getönte Gedanken verteidigen zu wollen, aber: Dieser Aktienplan ist für die Masse der Verbraucher schlicht Quatsch, sorry.
Stellen wir uns mal eine Normalfamilie vor: Zwei Kinder, Vater ist Polizeiobermeister oder Sachbearbeiter in einer großen Versicherung, Mutter ist Krankenschwester und hat, weil die Kinder noch klein sind, auf Teilzeit zurückgeschaltet. Die Miete der Vierzimmerwohnung verschlingt einen immer größeren Teil des Gehalts, die Arbeitsplätze sind 20 und 30 km entfernt, da sind die beiden Kleinwagen kein Luxus, sondern ein Muß, und wahrscheinlich ärgern sich Vater und Mutter genau wie ich (und Garfield) darüber, daß die Autopreise seit Jahrzehnten stärker steigern als Löhne und Gehälter. Urlaub machen sie mit den Kindern meist bei Verwandten auf dem Lande, allenfalls alle zwei Jahre sind mal 14 Tage Pauschalurlaub an der Costa Brava drin. Da sie ihre Kinder lieben, spendieren sie ihnen auch mal was, soweit sie können, denn der Rat "10 Jahre darben, um dann was zu haben" ist ja bei Kindern schlecht anwendbar, dann ist ihre Kindheit vorbei.
Und so weiter und so fort. Jeder kann sich das Szenario vorstellen. Wenn eine solche Familie 100 Euro im Monat zurücklegen kann, ist es schon viel. Okay, damit hat sie nach 8 1/2 Jahren dann 10 000 Euro auf der hohen Kante. Und das will sie, Deinem Rat entsprechend, in Aktien anlegen. Also ICH würde denen ja sagen: Legt's in langlaufenden Staatsanleihen an, die bringen immer noch 4 bis 5 % Rendite, also 400 bis 500 Euro jährlich, und ihr könnt ruhig schlafen, ohne euch den Kopf unnötig mit diesem Finanzkram vollzustopfen.
Michael Moore: "Ihr müßt wissen, daß 1980 erst 20 Prozent der Amerikaner Aktien besaßen. Die Wall Street war ein Spiel für reiche Leute, das für Durchschnittsamerikaner verboten war. Und das mit gutem Grund: Normale Menschen betrachteten die Börse ganz realistisch als riskantes Spiel, und wer jeden Dollar spart, um seine Kinder aufs College schicken zu können, spekuliert nicht mit seinem sauer verdienten Geld." (aus "Volle Deckung, Mr. Bush!")
Bis sich dann die amerikanischen Normalverdiener in den 90er Jahren doch noch von dem ganzen Börsengerede anstecken ließen. Ich hab's noch im Ohr, die Fernseh-Börsennachrichten aus der Boomzeit, wo jeder als hinterwäldlerisch oder blöd galt, der nicht in Aktien investierte. Komisch, daß das Wort vom "Aus-der-Geschichte-lernen" immer nur auf die Nazizeit angewandt wird - als gäb's nicht so viel mehr zu lernen, z. B. daß auf jeden Boom der Crash folgt. Vergessen die Wahrheit, daß, wer Ende der 50er in Aktien investierte und um 1985 ausstieg, weniger Zugewinn hatte als einer, der sein Geld in Rentenpapiere gesteckt hatte (so las ich's wenigstens einmal), nein, jede Generation kleiner Kinder muß ihre eigenen Erfahrungen machen und selber auf die Schnauze fallen; schlimm nur, wenn dabei (etwa in einem "401 K-Pensionsplan") gleich bei einem Kursrutsch die ganze Altersvorsorge den Bach runtergeht, da sieht man dann wirklich alt aus ....
Wenn Mathematiker von ihrer Warte aus immer davon redeten, daß Aktienkurse ABSOLUT nicht vorhersagbar seien, dann rebellierte ich immer: Die haben doch was mit den realen Werten der Unternehmen zu tun, die sind doch kein Roulette. Stimmt - aber der Zusammenhang ist dermaßen vage, daß selbst die besten "Experten" oft danebenliegen:
"Börsengurus wissen nichts
Am 1. Oktober 1990 drückte der Verlag des Manager Magazin neun professionellen Vermögensverwaltern je eine Viertelmillion Mark in die Hand, mit der Maßgabe, das echte Geld unter echten Bedingungen zu vermehren. Nach zwei Jahren brachen die um ihren Einsatz besorgten Finanzmanager das Experiment ab. Sieben der neun Vermögensverwalter waren in die Miesen geraten und hatten insgesamt 210 000 Mark verjubelt. Den Erträgen der beiden übrigen hatten es die Auftraggeber zu verdanken, daß sie ihren Einsatz wieder herausbekamen. Auf die Zinsen von gut 400 000 DM allerdings, die sie beim Kauf von Bundesanleihen in dieser Zeit verdient hätten, mußten sie verzichten.
Auch ein von der Wirtschaftswoche veranstalteter Wettbewerb der Aktienprofis zeigte der staunenden Öffentlichkeit, daß die teuren Vermögensverwalter kaum bessere Ergebnisse erzielen als ein Laie. Denn auch sie vermochten nicht, den Index zu besiegen. Süffisant kommentierte die SZ: "Zumindest 4 der 5 Teams hätten ein besseres Ergebnis erzielt, wenn sie zum Tennisspielen oder ins Kino gegangen wären, als sich den Kopf über ihre asset allocation zu zermartern."" (Günther Ogger, Das Kartell der Kassierer)
Und so weiter und so fort. Und selbst wenn's unserer Musterfamilie gelänge, in einem Jahr aus 10 000 Euro 12 000 zu machen - na und? Statt über Börsenzeitschriften zu brüten (die auch Geld und Zeit kosten), hätten sie lieber einen Nebenjob aufgerissen und bei wesentlich geringeren Risiken mehr Geld zusätzlich verdient ...
So viel zum Thema Börse.
*hauwechdiescheiße* und Gruß
Rüdiger
ist teilweise Unsinn!
Der Bachelor, Monday, 12.04.2004, 23:44 (vor 7970 Tagen) @ Rüdiger
Als Antwort auf: Aktienplan ist Unsinn.... von Rüdiger am 12. April 2004 16:41:
*Aha. Und womit, bitteschön, soll ich die tausenden Aktien, die ich brauche, um wirklich Geld damit zu verdienen, bezahlen? Lohnsteuer, Rentenbeiträge, Sozialabgaben, "Ökosteuern" usw. lassen mir da leider nicht viel übrig.*
Okay. Einen Fernseher hast sicherlich auch du. Nimm dir das naechste Vierteljahr abends nichts vor; besser noch, wann immer du Zeit hast, setz dich hin, und schau dir konzentriert alle Boersennachrichten auf n=tv und N24 an, die Du kriegen kannst. Fuehr ueber die Indices meinetwegen auch Buch, wenn Du anfangs nicht genau weißt, wie die Zahlen korrelieren. Dazu kauf dir die monatlich erscheinenden Hefte von *Finanztest* (Stiftung Warentest Verlag), und studier die Indices und die Testergebnisse, speziell die der Aktienfonds sehr genau. Nach besagten drei Monaten bist du sicher fit genug, und hast kannst Dir einen gut getesteten Aktienfond aussuchen; dort einzusteigen kostet nicht die Welt. Du willst aber Urlaub machen? Du willst ein neues Auto? Deine Frau liegt Dir mit irgendwelchen Wuenschen in den Ohren? Dann hoer mir jetzt mal gut zu: Dann sparst Du eben verbissen, bis Du die Euro beisammen hast! Was denkst denn Du, wie es jemandem ergeht, der sich selbstaendig macht? Also jemandem, der auf lange Sicht eben auch mehr Geld haben will? Da sind die ersten Jahre Urlaube, Extra=Wuensche etc. weder zeitlich noch finanziell drin, sondern eine 60=, 70= oder 80=Stundenwoche steht auf dem Plan!
Aktienfonds haben den Vorteil, dass man neben der hohen Rendite eben auch sofort aussteigen kann, wenn man will. Deswegen musst Du auch immer dran bleiben und die Wirtschaftsnachrichten verfolgen. Ein Unternehmer muss das in seinem Unternehmen auch; er muss die wichtigsten Zahlen permanent im Kopf verfuegbar haben! Und nach ein paar Jahren wirst auch Du gutes Geld verdient haben. Glaub mir.
Also ohne hier Garfields leicht sozialistisch getönte Gedanken verteidigen zu wollen, aber: Dieser Aktienplan ist für die Masse der Verbraucher schlicht Quatsch, sorry.
Stellen wir uns mal eine Normalfamilie vor: Zwei Kinder, Vater ist Polizeiobermeister oder Sachbearbeiter in einer großen Versicherung, Mutter ist Krankenschwester und hat, weil die Kinder noch klein sind, auf Teilzeit zurückgeschaltet. Die Miete der Vierzimmerwohnung verschlingt einen immer größeren Teil des Gehalts, die Arbeitsplätze sind 20 und 30 km entfernt, da sind die beiden Kleinwagen kein Luxus, sondern ein Muß, und wahrscheinlich ärgern sich Vater und Mutter genau wie ich (und Garfield) darüber, daß die Autopreise seit Jahrzehnten stärker steigern als Löhne und Gehälter. Urlaub machen sie mit den Kindern meist bei Verwandten auf dem Lande, allenfalls alle zwei Jahre sind mal 14 Tage Pauschalurlaub an der Costa Brava drin. Da sie ihre Kinder lieben, spendieren sie ihnen auch mal was, soweit sie können, denn der Rat "10 Jahre darben, um dann was zu haben" ist ja bei Kindern schlecht anwendbar, dann ist ihre Kindheit vorbei.
Und so weiter und so fort. Jeder kann sich das Szenario vorstellen. Wenn eine solche Familie 100 Euro im Monat zurücklegen kann, ist es schon viel. Okay, damit hat sie nach 8 1/2 Jahren dann 10 000 Euro auf der hohen Kante. Und das will sie, Deinem Rat entsprechend, in Aktien anlegen. Also ICH würde denen ja sagen: Legt's in langlaufenden Staatsanleihen an, die bringen immer noch 4 bis 5 % Rendite, also 400 bis 500 Euro jährlich, und ihr könnt ruhig schlafen, ohne euch den Kopf unnötig mit diesem Finanzkram vollzustopfen.
Michael Moore: "Ihr müßt wissen, daß 1980 erst 20 Prozent der Amerikaner Aktien besaßen. Die Wall Street war ein Spiel für reiche Leute, das für Durchschnittsamerikaner verboten war. Und das mit gutem Grund: Normale Menschen betrachteten die Börse ganz realistisch als riskantes Spiel, und wer jeden Dollar spart, um seine Kinder aufs College schicken zu können, spekuliert nicht mit seinem sauer verdienten Geld." (aus "Volle Deckung, Mr. Bush!")
Bis sich dann die amerikanischen Normalverdiener in den 90er Jahren doch noch von dem ganzen Börsengerede anstecken ließen. Ich hab's noch im Ohr, die Fernseh-Börsennachrichten aus der Boomzeit, wo jeder als hinterwäldlerisch oder blöd galt, der nicht in Aktien investierte. Komisch, daß das Wort vom "Aus-der-Geschichte-lernen" immer nur auf die Nazizeit angewandt wird - als gäb's nicht so viel mehr zu lernen, z. B. daß auf jeden Boom der Crash folgt. Vergessen die Wahrheit, daß, wer Ende der 50er in Aktien investierte und um 1985 ausstieg, weniger Zugewinn hatte als einer, der sein Geld in Rentenpapiere gesteckt hatte (so las ich's wenigstens einmal), nein, jede Generation kleiner Kinder muß ihre eigenen Erfahrungen machen und selber auf die Schnauze fallen; schlimm nur, wenn dabei (etwa in einem "401 K-Pensionsplan") gleich bei einem Kursrutsch die ganze Altersvorsorge den Bach runtergeht, da sieht man dann wirklich alt aus ....
Wenn Mathematiker von ihrer Warte aus immer davon redeten, daß Aktienkurse ABSOLUT nicht vorhersagbar seien, dann rebellierte ich immer: Die haben doch was mit den realen Werten der Unternehmen zu tun, die sind doch kein Roulette. Stimmt - aber der Zusammenhang ist dermaßen vage, daß selbst die besten "Experten" oft danebenliegen:
"Börsengurus wissen nichts
Am 1. Oktober 1990 drückte der Verlag des Manager Magazin neun professionellen Vermögensverwaltern je eine Viertelmillion Mark in die Hand, mit der Maßgabe, das echte Geld unter echten Bedingungen zu vermehren. Nach zwei Jahren brachen die um ihren Einsatz besorgten Finanzmanager das Experiment ab. Sieben der neun Vermögensverwalter waren in die Miesen geraten und hatten insgesamt 210 000 Mark verjubelt. Den Erträgen der beiden übrigen hatten es die Auftraggeber zu verdanken, daß sie ihren Einsatz wieder herausbekamen. Auf die Zinsen von gut 400 000 DM allerdings, die sie beim Kauf von Bundesanleihen in dieser Zeit verdient hätten, mußten sie verzichten.
Auch ein von der Wirtschaftswoche veranstalteter Wettbewerb der Aktienprofis zeigte der staunenden Öffentlichkeit, daß die teuren Vermögensverwalter kaum bessere Ergebnisse erzielen als ein Laie. Denn auch sie vermochten nicht, den Index zu besiegen. Süffisant kommentierte die SZ: "Zumindest 4 der 5 Teams hätten ein besseres Ergebnis erzielt, wenn sie zum Tennisspielen oder ins Kino gegangen wären, als sich den Kopf über ihre asset allocation zu zermartern."" (Günther Ogger, Das Kartell der Kassierer)
Und so weiter und so fort. Und selbst wenn's unserer Musterfamilie gelänge, in einem Jahr aus 10 000 Euro 12 000 zu machen - na und? Statt über Börsenzeitschriften zu brüten (die auch Geld und Zeit kosten), hätten sie lieber einen Nebenjob aufgerissen und bei wesentlich geringeren Risiken mehr Geld zusätzlich verdient ...
So viel zum Thema Börse.
*hauwechdiescheiße* und Gruß
Rüdiger
Langfristig gesehen bringt hat keine Geldanlage ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis als Anteilscheine am Eigenkapital von Unternehmen. Mit langfristig sind auch schon Zeiträume von 5-10 Jahren gemeint. Eine ausreichende Diversifikation ist allerdings notwendig, um umsystemtatische (aktienspezifische) Risiken zu eliminieren. Streue also deine Anlagen über verschiedene Asset-Klassen und auch innerhalb der Asset-Klassen. Mit dem sytematischen Risiko mußt und kannst du leben, denn dieses korreliert unmittelbar mit dem Ertrag der Anlage. Willst du mehr Ertrag, musst du auch ein höheres Risiko eingehen.
Dennoch hat carlos auch Quatsch erzählt: Aktienfonds mögen zwar in aller Munde sein (siehe Werbung), der Konsument wird dabei aber ausgenommen wie eine Weihnachtsgans (versteckte Kosten für Leistungen, die vielfach unter dem Durchschnitt des Index' liegen). Aktiv gemanagte Aktienfonds haben nur dann einen Sinn, wenn sie ihren Referenzindex übertreffen (nach Kosten). Andernfalls wäre es sinnvoller, auf viel günstigere Indexfonds (passiv) zu setzen und dabei noch weniger Streß zu haben (ohne Infos, da definitionsgemäß ein Index abgebildet wird).
Bei N-tv werden die Kleinanleger eher verarscht, als daß sie wirklich Geld verdienen können, dort wird halt auf Teufel komm raus gute Stimmung erzeugt und das meist zum falschen Zeitpunkt. Als Einstieg vielleicht ok, aber wer den Absprung nicht schafft, der wird Ferstl & C. früher oder später verdammen. Und bei Finanzzeitungen wird auch oft manipuliert d.h.Aktien empfohlen, die sich bereits im Depot von Journalisten/Fondsmanagern befinden und so für Performance sorgen sollen.
Das Problem an der Börse ist, daß sämtliche Informationen in den Kursen enthalten sind (effizienter Markt), Überrenditen somit nur a) mit Insider-Infos zu erzielen sind oder b) durch Zufall oder c) mit innovativen Ansätzen, die der Öffentlichkeit nicht bekannt sind.
Die besten Aktienfonds der Vergangenheit zu nehmen, bringt nicht viel, da die Persistenzen viel zu schwach sind bzw. gar nicht existieren. Diese Rankings sagen somit für die Zukunft kaum etwas aus. Oft ist es sogar so, daß überdurchschnittliche Fonds der Vergangenheit in der Folgeperiode unterdurchschnittlich abschneiden. Außerdem sind Fondsgesellschaften aufgrund gesetzlicher Bestimmungen zu sehr in enge Korsetts eingezwängt, als daß sie wirlich effizient arbeiten könnten. All das ändert jedoch nichts an der Tatsache, daß Aktien zur Altersvorsorge hervorragend geeignet sind.
Der Bachelor
Pokemon...
Pokemon, Tuesday, 13.04.2004, 00:13 (vor 7970 Tagen) @ Der Bachelor
Als Antwort auf: ist teilweise Unsinn! von Der Bachelor am 12. April 2004 20:44:
... hat keine Lust sich das alles durchzulesen und meint deshalb: Ja, das denke ich auch nicht 
Was denkst du auch nicht? n/t
Der Bachelor, Tuesday, 13.04.2004, 01:52 (vor 7969 Tagen) @ Pokemon
Als Antwort auf: Pokemon... von Pokemon am 12. April 2004 21:13:
... hat keine Lust sich das alles durchzulesen und meint deshalb: Ja, das denke ich auch nicht
Re: Was denkst du auch nicht? n/t
Pokemon, Tuesday, 13.04.2004, 19:06 (vor 7969 Tagen) @ Der Bachelor
Als Antwort auf: Was denkst du auch nicht? n/t von Der Bachelor am 12. April 2004 22:52:
... hat keine Lust sich das alles durchzulesen und meint deshalb: Ja, das denke ich auch nicht
Na, das halt. Mit den Aktien und so 
Nicht nur der Aktienplan ist Unsinn....
Nick, Tuesday, 13.04.2004, 00:43 (vor 7970 Tagen) @ Rüdiger
Als Antwort auf: Aktienplan ist Unsinn.... von Rüdiger am 12. April 2004 16:41:
Tja, und weiter hoffen sie - wider alle Rationalität - all diese "Stiftung-Warentest-Enthusiasten" und NTV-Junkies, als wäre es ihre (vernunftwidrige) persönliche "Lehre" aus dem gerade eben "überwundenen" Crash (im Dax top-to-bottom innert 3 Jahren: 75%), auf ihren großen Reibach! Man faßt es einfach nicht, wie gerne so viele Leute so ausgiebig dumm sein wollen. Ich kann deshalb deine Überlegungen in Hinblick auf Börse und Otto Normalverdiener, der ein stinknormales Berufs- und Familienleben zu managen hat, nur voll und ganz unterstreichen.
Die Psychologie des Finanzsystems ist nachgerade darauf angelegt, daß die Haie die Heringe fressen, sprich: daß die Profis die Anfänger schröpfen, gerade diejenigen also, die mit "Stiftung Warentest und N-TV" auf den großen, persönlichen Abräumer hoffen: gerade diese medialen "Experten" sind nämlich die Gauchos, die die Schafe ins Gatter treiben. Die sorgen schon dafür, daß Fridolin Ohneahnung z.B. seine Telekom "ganz billig" für 65 Euro kauft, "wo sie doch schon um 40% gefallen ist". Danach erlebt der Neuaktionär dann, wie seine Erwerbung auf 8 runtergeht. Spätestens (oder eben GENAU dann!) verkauft er in tiefster Verzweiflung, um wenigstens die verbliebenen 12% des eingesetzten Kapitals zu retten. Andere haben die Telekom vielleicht sogar für 105 gekauft, als Finanztest und N-TV u.dgl. "Experten" trompeteten: "Kauft! Kauft! Alles geht dauernd und immer weiter nach oben!"
Ich könnte Schaum vorm Mund bekommen, wenn ich hier so einen Stuß lesen muß, ausgerechnet über diese gezinkten Muppets-Shows für die ganz Doofen! Ich habe in meinem Umfeld einige kreuzehrliche Menschen erlebt, die es wirklich nicht sehr leicht im Leben haben - und die dann alle mehr oder weniger ihre gesamten Ersparnisse brav bei den "Finanzexperten" und Börsenprofis abgeliefert haben. TROTZ aller meiner eindringlichen Warnungen vor dem unabweisbar bevorstehenden Crash.
Ich habe kalte VERACHTUNG für diese blähsüchtigen Angeber, diese geschwätzigen Spezialisten, die sich so gerne als die Edelmenschen mit dem Superdurchblick inszenieren, die aber dann an eben solchen Bewegungen der Börse tatsächlich verdienen. Denn es ist wie Blutgeld! Es wurde den einfachen Leuten abgenommen, die keine Möglichkeit haben, ihre "Verluste auszugleichen", außer durch ihre Arbeit und Neuanfang bei Null - derweil dann schon mal die eine oder andere Kindheit (und anderes dazu) verstreicht, bis die Folgen der kollektiven Hysterie ganz privat verarbeitet wurden.
Ich muß aber auf einen weiteren Punkt hinweisen und dir warnend widersprechen: auch deine Staatsanleihen sind langfristig gesehen keineswegs sicher, sondern sie sind im Gegenteil definitiv auf Verschrottung hin angelegt. Warum?
Erstens haben sich in ganz Europa (wenige Ausnahmen wie z.B. Norwegen (5 Mio. Einwohner, riesige Ölquellen)) untilgbare Staatsschulden angehäuft. Diese Schulden werden NIEMALS zurückgezahlt! Es gibt ein probates Mittel, solche Schulden loszuwerden: massive Inflation. Dieser Weg wird zwangsläufig begangen werden, unabhängig vom subjektiven Willen der heutigen Verantwortlichen (besser: UN-Verantwortlichen) in der Politik und der EZB. Die Krisen, die dazu "zwingen" werden, sind unausweichlich und treten früher oder später ein.
Zweitens kann natürlich jede Regierung strengste Verbotsgesetze gegen jede weitere Elbeflut erlassen. Die Elbe wird sich jedoch, selbst bei schärfter Strafandrohung, einfach nicht daran halten. Die nimmt sogar lebenslänglich in Kauf, wenn es wieder mal heftig regnet, ganz locker sogar.
Und genau so irrational verhält sich die Mehrheit des Volkes (und seine Regierung, die es sich wirklich ehrlich verdient hat) angesichts einer alles ertränkenden Flut von ineinander verzahnten, desaströsen Krisenentwicklungen: Demographie (und nochmal, und nochmal Demographie!), wirtschaftlicher Niedergang, bürokratische Erstarrung, politische Selbstblockade, umsichgreifende Infantilisierung und ideologische Verholzung von Sachdebatten, dilettierende Urteilsunfähigkeit, impotente Entscheidungsschwäche und Verantwortungsflucht, moralische Orientierungslosigkeit bis zum ethischen Bankrott, kollektive Selbstzertrümmerung der kulturell-religiösen Identität, gnadenlose Zersplitterung der Gesellschaft in 80 Millionen Egopartikel, Balkanisierung der Gesellschaft, mit all den ethnisch motivierten Bürgerkriegsszenarien, die wir auf dem Balkan schon seit Jahrhunderten kennen... Den ganzen Rest laß ich jetzt einfach mal weg, sonst liest keiner weiter.
Du hast neulich wieder irgendwo geschrieben, wie außerordentlich wünschenswert es doch sei, wenn wir ein paar weniger Millionen Einwohner im Land hätten. Naja, vielleicht kann ich dich eben einfach nicht mit Argumenten erreichen, ok, aber es lesen ja noch andere mit, deshalb nochmal: es ist inzwischen eine unabwendbare Tatsache geworden, daß wir zu einem Siechenheim werden, und zwar noch zu unseren Lebzeiten, denn die "Alten" leben alle schon (=wir) und die Jungen sind alle nicht geboren (und werden auch niemals geboren, denn das geht nun mal nicht "nachträglich"). Dieses rapide verarmende und in Demenz und Agonie versinkende Siechenheim ist aber umgeben von lauter Regionen, die genau die entgegengesetzte, extrem explosive Demographie aufweisen: lauter junge Leute ohne die geringste Perspektive! Diese "Dschihad-Krieger", die wir neuerdings multikultipolitischkorrekt (=komplett dämlich und totaldegeneriert) in Millionenstärke zu Staatsbürgern machen, werden eine derartige Überschwemmung auslösen, die schwuppsdiwupps alles einfach wegspült, was sich die allermeisten hier als verbürgte Sicherung ihrer Zukunft delirieren. Dabei geht es nicht etwa "nur" um die Rente (die den Russen z.B. vor 14 Jahren auch noch "todsicher" schien, die sich heute indes durch eine nette Inflation nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in ein schieres Nichts aufgelöst hat).
Ich mal die Apokalypse jetzt nicht weiter aus - ist ja auch völlig unnötig, denn das bißchen Zeit kann man ja schließlich locker auf einer Backe abwarten, dann erleben wir es alle live - aber es werden ALLE in grauem Trübsinn und hoffnungsloser Verzweiflung und Sinnlosigkeit absaufen, die nicht endlich noch die Biege hinkriegen und zu den naturgegebenen Grundaxiomen menschlichen Daseins zurückkehren. Feminismus gehört nicht dazu, Maskulismus auch nicht. Auch Staatsanleihen gehören nicht dazu, oder Renten und Versicherungen, Börse ohnehin nicht, und auch nicht die infantile Frage, ob Wichsen oder Ficken besser ist oder wie lästig Blagen sind u.dgl. pubertärer Unsinn mehr.
Es geht um die Rückkehr zu Mut und Entschlossenheit, Liebe und Versöhnung, unverbrüchlicher Treue (wem sie gebührt), mitmenschlicher Solidarität, subsidiarer Bewältigung des eigenen (unvorstellbar schwerer werdenden) Lebens, rückhaltlose Verantwortungsübernahme für die persönlichen wie auch die kollektiven Irrwege, Wiedergewinnen der leichtfertig preisgegebenen kollektiven Identität und darauf gründend einer gewaltigen moralischen Anstrengung, die alle verfügbaren Kräfte auf diese eine Aufgabe zu konzentrieren in der Lage ist.
Anders gesagt: wer von der Apologetik des Egoismus zum Altruismus zurückfindet, wessen Glück dabei nicht davon abhängt, daß das Leben "easy" ist, sondern davon, daß es Würde hat, der kommt durch. Alle anderen verschwinden einfach leise winselnd, ohne daß es groß auffällt. Außer ihnen selbst natürlich. Aber wen interesiert das dann noch? Wer interessiert sich dann noch für Egoisten? Warum sollte er?
Ab und zu muß das einfach wiederholt werden - und zwar damit es NICHT dazu kommt.
Aber die Zeit läuft ab!
Nick
Re: Nicht nur der Aktienplan ist Unsinn....
Jens, Tuesday, 13.04.2004, 12:25 (vor 7969 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Nicht nur der Aktienplan ist Unsinn.... von Nick am 12. April 2004 21:43:
Ich habe kalte VERACHTUNG für diese blähsüchtigen Angeber, diese geschwätzigen Spezialisten, die sich so gerne als die Edelmenschen mit dem Superdurchblick inszenieren, die aber dann an eben solchen Bewegungen der Börse tatsächlich verdienen. Denn es ist wie Blutgeld! Es wurde den einfachen Leuten abgenommen, die keine Möglichkeit haben, ihre "Verluste auszugleichen", außer durch ihre Arbeit und Neuanfang bei Null - derweil dann schon mal die eine oder andere Kindheit (und anderes dazu) verstreicht, bis die Folgen der kollektiven Hysterie ganz privat verarbeitet wurden.
Genau das ist der Punkt. Damals in dem Boom, als alle Privatanleger eingestiegen sind, sind die großen (Banken etc...) auf hohem Niveau ausgestiegen - und haben nicht nur in den Aktienkursen den Gewinn eingestrichen, sondern auch an den Trading-Gebühren Millionen, wenn nicht Milliarden verdient - alles vom einfachen Mann. Börse ist ein schmutziges Spiel. Geld wird dort nur umverteilt. Wenn der eine gewinnt, dann verliert der andere. Dann gibt es noch Insidergeschäfte, etc. pp. Informationen, die ein Normal-Verbraucher nie weiß und nie wissen wird.
Jens
Re: Nicht nur der Aktienplan ist Unsinn....
Garfield, Tuesday, 13.04.2004, 19:51 (vor 7969 Tagen) @ Jens
Als Antwort auf: Re: Nicht nur der Aktienplan ist Unsinn.... von Jens am 13. April 2004 09:25:31:
Hallo Jens!
"Damals in dem Boom, als alle Privatanleger eingestiegen sind, sind die großen (Banken etc...) auf hohem Niveau ausgestiegen - und haben nicht nur in den Aktienkursen den Gewinn eingestrichen, sondern auch an den Trading-Gebühren Millionen, wenn nicht Milliarden verdient - alles vom einfachen Mann."
Das war mit Sicherheit kein Zufall. Die Banken wußten sehr genau, was sie taten, als sie diversen Kleinanlegern die Aktien aufschwatzten, die sie selbst loswerden wollten.
Mit der Telekom-Aktie ist es auch sehr ähnlich gelaufen. Überall wurde Werbung dafür gemacht, überall war die Rede davon, daß jeder in das Aktiengeschäft einsteigen und so von den Gewinnen der Unternehmen profitieren müsse. Und daß man das am besten mit dem Kauf von Telekom-Aktien könne. Aktienhandel wurde teilweise als Volkssport der Zukunft dargestellt.
Am Ende saßen dann all die privaten Telekom-Aktien-Käufer mit langen Gesichtern und finanziellen Verlusten da.
Und es gab schon Fälle, in denen die Manager von Unternehmen, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befanden, die Belegschaft dazu aufgefordert haben, ihre Aktien am Unternehmen nicht zu verkaufen, um damit kein negatives Signal zu setzen, während sie selbst ihre eigenen Aktien schon längst still und heimlich verkauft hatten oder noch dabei waren, sie zu verkaufen.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Nicht nur der Aktienplan ist Unsinn....
Jens, Tuesday, 13.04.2004, 22:21 (vor 7969 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Nicht nur der Aktienplan ist Unsinn.... von Garfield am 13. April 2004 16:51:34:
Und es gab schon Fälle, in denen die Manager von Unternehmen, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befanden, die Belegschaft dazu aufgefordert haben, ihre Aktien am Unternehmen nicht zu verkaufen, um damit kein negatives Signal zu setzen, während sie selbst ihre eigenen Aktien schon längst still und heimlich verkauft hatten oder noch dabei waren, sie zu verkaufen.
Stimmt. Das ganze ist ziemlich deprimierend. Und nebenbei gesagt: es gibt ja immer eine Bekanntgabe von Arbeitsmarktzahlen etc. Manche wissen ganz offensichtlich schon vorher wie die lauten und bereichern sich auf diese Weise. Untersuchung läuft z.B. in den USA.
Ähnliches übrigens beim 11. September - inklusiv eines großangelgten Betruges in WTC - vermutlich in der Hoffnung, dass die Festplatten beim Anschlag zerstört werden. Wurden sie aber nicht. Vermutlich gingen ein großteil diese Geschäfte auf die Konten arabischer Staaten - inkl. Saudi Arabien.
Übrigens: ich habe mir nochmal Gedanken darüber gemacht, was du bzgl. des Niedergangs des Ostblocks gesagt hast und den Folgen auf Rest-Europa. Du hast ja gemeint, dass jetzt dieser Gegenpol fehlt und aus diesem Grund der Sozialabbau eingeführt werden kann und Firmen sich so einiges leisten können, man wieder zum "Kapitalismus" stärker tendiert etc..
Nun, du weißt sicherlich, ich bin alles andere als ein Freund des Kommunismus (hatten deswegen ja schon mal ein paar Diskussion), finde es auch großartig, dass der Ostblock zusammengebrochen ist, dennoch hast du wohl zumindest in diesem Punkt teilweise recht. Das wollte ich nur mal mitteilen.
Jens
Re: Aktienplan ist sinnvoll....
terVara, Tuesday, 13.04.2004, 22:55 (vor 7969 Tagen) @ Rüdiger
Als Antwort auf: Aktienplan ist Unsinn.... von Rüdiger am 12. April 2004 16:41:
Moin Rüdiger,
wenn du genau wüßtest, wie Fonds funktionieren und wie ein ausgewogenes Portfolio aussehen muß, was man nach Markowitz recht gut bestimmen kann, und Kenntnis über die Abwicklung von Anlage-Spar-Plänen hättest, und wenn du dich genau mit historisch belegbaren Fakten solcher Fonds befaßt hättest, würdest du nicht so einen hanebüchenden Unsinn schreiben...
Ebenso ist es völliger Quatsch, ständig auf das Zucken der täglichen Kurse zu schauen; Investements sind sehr langfristige Anlage (ab 10 Jahre minimum) und machen in diesen Zeiträumen aus der Erfahrung keine Verluste.
Fakt ist, daß z.B. der Pioneer Fund (aufgelegt 1928) eine durschnittliche Jahresrendite von ca. 10% erwirtschaftet hat... Jahr für Jahr...
Fakt ist, daß ein gewichtetetes Portfolio (Investments, Renten, Immobilien) in den letzten 10 Jahren durchschnittlich 8% erwirtschaftet hat.
Fakt ist auch, daß gut geführte Fonds (z.B. Templeton Groth) in den letzten 5 (sic!) Jahren durchschnittlich 6-8% Rendite erwirtschaften habewn trotz 3 Jahre Baisse...
Wenn in den letzten Jahre viele Leute einen Haufen Geld verloren haben, dann nicht, weil sie in Aktien investiert habe, sondern weil sie den Hals nicht voll genug bekommen konnten und zu einem Zeitpunkt Unsummen investiert haben, wo der Zusammenbruch der Börsen längst absehbar war...
Ein anderer beliebter Kardinalfehler ist, daß in Einzelwerte investiert wird; und das ist tödlich...
Btw: Staatsanleihen bringen heute keine 4-5%... Du kannst froh sein, wenn du 3% bekommst... Da kann ich mein Geld auch gleich unter der Matratze lagern...
Gruß
terVara
Re: Aktienplan ist sinnvoll....
Rüdiger, Wednesday, 14.04.2004, 02:17 (vor 7968 Tagen) @ terVara
Als Antwort auf: Re: Aktienplan ist sinnvoll.... von terVara am 13. April 2004 19:55:07:
Moin Rüdiger,
wenn du genau wüßtest, wie Fonds funktionieren und wie ein ausgewogenes Portfolio aussehen muß, was man nach Markowitz recht gut bestimmen kann, und Kenntnis über die Abwicklung von Anlage-Spar-Plänen hättest, und wenn du dich genau mit historisch belegbaren Fakten solcher Fonds befaßt hättest, würdest du nicht so einen hanebüchenden Unsinn schreiben...
Tja, ich beziehe mich im wesentlichen auf das Buch von Ogger "Kartell der Kassierer", und ich nehme an, DER weiß, was er schreibt. Ich bestreite ja nicht, daß es Leute gibt, die an der Börse reich geworden sind, aber genauso viele sind auch arm geworden .... Wenn selbst ein Börsenguru wie Kostolanyi (schreibt man den so?) bekennt, öfter in seinem Leben völlig pleite gewesen zu sein, dann komme ich halt zu dem Eindruck: Das ist was für Zocker, nichts für Leute wie mich, die eine solide Geldanlage suchen, die nicht viel Arbeit macht und risikoarm ist ....
Btw: Staatsanleihen bringen heute keine 4-5%... Du kannst froh sein, wenn du 3% bekommst...
Stimmt nicht - schau einfach mal in den Kurszettel der FAZ, Spalte Realrendite. Bei langlaufenden Staatsanleihen liegen die Werte immer noch über 4 %, mit Spitzenwerten bis 4,9 %.
Gruß, Rüdiger
Re: Aktienplan ist sinnvoll....
terVara, Wednesday, 14.04.2004, 03:49 (vor 7968 Tagen) @ Rüdiger
Als Antwort auf: Re: Aktienplan ist sinnvoll.... von Rüdiger am 13. April 2004 23:17:52:
Moin Rüdiger,
Tja, ich beziehe mich im wesentlichen auf das Buch von Ogger "Kartell der Kassierer", und ich nehme an, DER weiß, was er schreibt.
ich kenne alle Bücher von Ogger, und er hat in vielen Punkten richtige und kritische Recherchen publiziert. Allerdings darf nicht hingehen, alles, was mit Börse und Aktien zu tun hat, zu verteufeln.
Ogger hat sich zum Thema Börse explizit an genau recherchierten Einzelfällen orientiert. Nur sind diese Einzelfälle nicht die ganze Börse und was damit zusammenhängt...
Wenn selbst ein Börsenguru wie Kostolanyi (schreibt man den so? Yep) bekennt, öfter in seinem Leben völlig pleite gewesen zu sein,...
Kostolanyi hat auch gesagt: "Am besten schließt man die Aktien in einen Tresor und vergißt sie für die nächsten 10 Jahre", womit er ausdrücken wollte, daß Aktien nur für langfristige Anlagen taugen.
Im kurzfristigen Bereich ist das in der Tat Zockerei und hat so manchen in den Ruin getrieben. Ich sprecher hingegen von langfristigen Planungen...
...die eine solide Geldanlage suchen, die nicht viel Arbeit macht und risikoarm ist ....
Es gibt keine risikoarmen Anlagen... Auch nicht bei Staatsanleihen...
Stimmt nicht - schau einfach mal in den Kurszettel der FAZ, Spalte Realrendite. Bei langlaufenden Staatsanleihen liegen die Werte immer noch über 4 %, mit Spitzenwerten bis 4,9 %.
Schön... das ist ein Index-Wert, der relativ uninteressant ist... Und Langläufer haben eine relativ hohe Volatilität, sodaß sie in Rentenfonds allenthalben als Beimischung aufgenommen werden. Relativ sichere Rendite bieten nur Kurzläufer...
Abgesehen davon spielt auch das Rating eine Rolle... Von einem langlaufenden 5%er mit A- oder BB würde ich tunlichst die Finger von lassen... Damit sind letztens auch schon Anleger auf die Schnauze gefallen...
Und das sind auch nur wieder Einzelwerte ohne Risikostreuung... Ich sprach von Fonds...
Gruß
terVara
Re: Aktienplan ist sinnvoll....
Der Bachelor, Wednesday, 14.04.2004, 16:34 (vor 7968 Tagen) @ Rüdiger
Als Antwort auf: Re: Aktienplan ist sinnvoll.... von Rüdiger am 13. April 2004 23:17:52:
Moin Rüdiger,
wenn du genau wüßtest, wie Fonds funktionieren und wie ein ausgewogenes Portfolio aussehen muß, was man nach Markowitz recht gut bestimmen kann, und Kenntnis über die Abwicklung von Anlage-Spar-Plänen hättest, und wenn du dich genau mit historisch belegbaren Fakten solcher Fonds befaßt hättest, würdest du nicht so einen hanebüchenden Unsinn schreiben...
Tja, ich beziehe mich im wesentlichen auf das Buch von Ogger "Kartell der Kassierer", und ich nehme an, DER weiß, was er schreibt. Ich bestreite ja nicht, daß es Leute gibt, die an der Börse reich geworden sind, aber genauso viele sind auch arm geworden .... Wenn selbst ein Börsenguru wie Kostolanyi (schreibt man den so?) bekennt, öfter in seinem Leben völlig pleite gewesen zu sein, dann komme ich halt zu dem Eindruck: Das ist was für Zocker, nichts für Leute wie mich, die eine solide Geldanlage suchen, die nicht viel Arbeit macht und risikoarm ist ....
Das ist kein Argument. In jedem Business gibt es Leute, die Pleite gehen, besonders wenn ihnen die notwendige Erfahrung fehlt. Langfristige Veranlagung in Aktien ist mit das solideste, was es gibt: Du kassierst jährlich deine Dividenden und in aller Regel wirst du auch noch Kursgewinne einstreichen.
Warum schreibt Ogger Bücher? Wohl nur, um damit zu kassieren. Wie kassiert man am besten? Indem man sagt, alles ist in Ordnung oder mit eher reißerischen Titeln wie "Das Kartell der Kassierer", "Nieten in Nadelstreifen", "der Börsenschwindel". Natürlich hat Ogger mit Vielem ja Recht und es ist richtig, auf fragwürdige Praktiken hinzuweisen. Allerdings behauptet Ogger gar nicht, die Börse sei schlecht, sondern vielmehr, dass den Leuten der nötige Durchblick fehlt und sie deswegen allerlei Gaunereien auf den Leim gehen. Die Anleger sind nicht emanzipiert.
Btw: Staatsanleihen bringen heute keine 4-5%... Du kannst froh sein, wenn du 3% bekommst...
Stimmt nicht - schau einfach mal in den Kurszettel der FAZ, Spalte Realrendite. Bei langlaufenden Staatsanleihen liegen die Werte immer noch über 4 %, mit Spitzenwerten bis 4,9 %.
Gruß, Rüdiger
Die Rendite hängt von der Bonität des Schuldners ab. Mit Anleihen aus dem Euro-Raum bekommst du sicher keine 4% mehr, gehe nach Venezuela oder Kolumbien, dann gibts auch mal 10%. Wohin das führen kann, hat das Beispiel Argentinien ja eindrucksvoll gezeigt (teilweise Tilgung).
Unternehmensanleihen bringen zwar etwas mehr, sind idR aber auch riskanter (siehe Worldcom, Enron, Parmalat).
Der Bachelor
Re: Aktienplan ist sinnvoll....
Rüdiger, Thursday, 15.04.2004, 02:42 (vor 7967 Tagen) @ Der Bachelor
Als Antwort auf: Re: Aktienplan ist sinnvoll.... von Der Bachelor am 14. April 2004 13:34:47:
Btw: Staatsanleihen bringen heute keine 4-5%... Du kannst froh sein, wenn du 3% bekommst...
Stimmt nicht - schau einfach mal in den Kurszettel der FAZ, Spalte Realrendite. Bei langlaufenden Staatsanleihen liegen die Werte immer noch über 4 %, mit Spitzenwerten bis 4,9 %.
Gruß, Rüdiger
Die Rendite hängt von der Bonität des Schuldners ab. Mit Anleihen aus dem Euro-Raum bekommst du sicher keine 4% mehr
Ich meinte deutsche Staatsanleihen, keine anderen. Kannst Du in jeder FAZ nachlesen.
Gruß, Rüdiger
@Carlos
Garfield, Tuesday, 13.04.2004, 18:04 (vor 7969 Tagen) @ carlos
Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von carlos am 10. April 2004 18:01:46:
Hallo Carlos!
"Da werden diejenigen, die eine Arbeit haben, aber nicht begeistert sein und ein hartes Woerterl mitreden wollen. Mit mir liesse ich das nicht machen. "
Warum?
"Zwaenge man die Unternehmen per Gesetz dazu, dann wuerden noch mehr von ihnen gehen; mein Fanal waere das, ich wuerde es dann naemlich tun."
Wieso Zwang? Der große Vorteil bei der Sache bestünde doch gerade darin, daß wir gar keine gesetzlichen Regeln und Zwänge bräuchten! Wenn jeder Mensch eine gesicherte Existenz hätte und somit nicht mehr jeden Job für noch so miese Bezahlung annehmen müßte, bräuchten wir auch Gewerkschaften, Tarifverträge und diverse staatliche Regulierungen nicht mehr.
Eigentlich müßte das doch gerade Neoliberalen entgegen kommen. Natürlich tut es das nicht, da Neoliberale in der Regel selbst Unternehmer sind oder aber vom jetzigen System auf die eine oder andere Weise gut leben. Und dann ist es für sie natürlich unbedingt erforderlich, daß jeder Mensch gezwungen ist, allein schon für seine blanke Existenz jeden beschissenen Job gegen miese Bezahlung zu machen. Das ist auch der Hauptgrund dafür, daß Unternehmenssprecher immer wieder zum Sozialabbau drängen.
Müßten die Menschen nicht mehr nur für ihre blanke Existenz arbeiten, dann könnten sie ihre Gehälter frei aushandeln. Und gerade das ist für Neoliberale eine Horror-Vorstellung. Zwar fordern sie immer gern freie Märkte - aber nur, wenn es ihnen nützt. Wenn es ihnen schadet, dann kann es plötzlich gar nicht mehr genug Regulierungen und Zwänge geben.
"Der Export ist die einzige Stuetze, die wir noch haben."
Das ist ja gerade das Schlimme! Somit sind wir total vom Ausland abhängig. Sobald nur in genügend Ländern Krisen ausbrechen, reißt uns das voll mit rein. Die Krise in Südamerika haben auch viele deutsche Unternehmen voll zu spüren bekommen.
Deshalb wäre es gerade auch für die deutsche Wirtschaft wichtig, den deutschen Binnenmarkt wieder zu stärken.
Natürlich kann man über Lohnsenkungen reden - aber nur, wenn man gleichzeitig auch darüber redet, wie man dann die hohen deutschen Lebenshaltungskosten gleichermaßen senkt. Damit die Kaufkraft trotzdem nicht weiter abnimmt.
"Verteuern wir unsere Produkte noch mehr, indem wir die Unternehmen zum Leute einstellen zwingen, dann koennen wir gleich dicht machen."
Carlos, vor allem können wir gleich dicht machen, wenn die Arbeitslosigkeit immer weiter steigt! Wer soll denn die Produkte und Diensleistungen der Wirtschaft kaufen bzw. in Anspruch nehmen, wenn niemand mehr Geld dafür hat? Das ist doch das große Problem!
"Dann sparst Du eben verbissen, bis Du die Euro beisammen hast!"
Ich spare schon jetzt so verbissen, daß ich nicht mal mehr Geld für eine private Zusatzrente übrig habe. Und das, obwohl ich gar nicht so schlecht verdiene und obwohl meine Partnerin ebenfalls auf Vollzeit arbeitet und auch nicht viel weniger verdient als ich.
"Was denkst denn Du, wie es jemandem ergeht, der sich selbstaendig macht? Also jemandem, der auf lange Sicht eben auch mehr Geld haben will? Da sind die ersten Jahre Urlaube, Extra=Wuensche etc. weder zeitlich noch finanziell drin, sondern eine 60=, 70= oder 80=Stundenwoche steht auf dem Plan!"
Ich kann aber keine 60 Wochenstunden in das Studium von Aktienkursen investieren, wenn ich schon mindestens 40 Stunden pro Woche arbeiten muß!
"Und nach ein paar Jahren wirst auch Du gutes Geld verdient haben. Glaub mir."
Ja, aber nur, wenn ich auch viel Geld investieren kann. Wenn ich mir eine Aktie für 10 Euro kaufe und sie am Ende mit sehr viel Glück vielleicht für 20 Euro verkaufe, habe ich zwar 100% Gewinn gemacht, aber leben kann ich von den so verdienten 10 Euro nicht.
"Die Sache ist genau andersrum: Weil die Kosten immer weiter gestiegen sind, hat man maschinisiert."
Carlos, automatisiert wird immer! Auch im 19. Jahrhundert war das schon so. Obwohl damals die Lohnkosten sehr niedrig waren und es anfangs praktisch keinerlei Sozialkosten gab, wurden Maschinen angeschafft. Maschinen sind in vielfacher Hinsicht günstiger als Menschen. Wenn eine Bank beispielsweise Angestellte am Schalter zunehmend durch Automaten ersetzt, dann tut sie das nicht nur wegen der so gesparten Lohnkosten, sondern auch deshalb, weil ein Automat Tag und Nacht arbeitet und somit für die Kunden immer verfügbar ist. Für viele Menschen ist es heute ein Problem, nach Feierabend noch einen menschlichen Angestellten in ihrer Bank zu erreichen. So nehmen sie gern Automaten in Anspruch. Wenn also eine Bank keine Automaten einsetzen würde, dann wäre sie schon längst pleite, weil die Kunden aus Frust über die mangelnde Erreichbarkeit längst zu anderen Banken gewechselt wären.
Nun könnte man mit einem enormen Maß an Naivität ja einwenden, daß die Angestellten am Schalter dann eben auch abends und nachts arbeiten müssen, wenn sie nicht durch Automaten ersetzt werden möchten. Aber das Problem besteht eben darin, daß auch beim besten Willen kein Mensch dauerhaft 24 Stunden durcharbeiten kann. Das ist biologisch nicht möglich.
Maschinen können das aber, und das macht sie so überlegen. Ganz egal, wie weit die deutschen Lohnkosten sinken werden: Die Automatisierung kann man so vielleicht verlangsamen, aber niemals aufhalten. Dieser Tatsache müssen wir uns endlich stellen und die Konsequenzen daraus ziehen.
"Die Lage heute kann man nicht mit Nachkriegsdeutschland vergleichen. Und die Erfahrung lehrt, dass staatliche Monopolkonglomerate auf Dauer immer zu Denkfaulheit und Schlendrian neigen."
Das ist nicht zwangsläufig so. Außerdem gibt es solche Tendenzen auch bei sehr großen privaten Unternehmen, in denen sich auch so mancher Manager vor allem für das eigene Konto verantwortlich fühlt und weniger für das Unternehmen, in dem er angestellt ist. Auch in Deutschland gehen Aufträge häufig keineswegs an den günstigsten Anbieter, sondern oftmals an den Anbieter, der den jeweiligen Entscheidungsträgern die besten Vergünstigungen zuschanzt.
Und es gibt auch viele Beispiele dafür, daß Leiter großer privater Unternehmen die Bedeutung neuer Technologien nicht erkannt haben.
"Dem Eigentuemer, dem Staat also, wird es wurscht sein, wenn ein Staatsunternehmen pleite geht (gesetzt den Fall, man hat keine private Konkurrenz zugelassen), weil von denen niemals auch nur einer verantwortlich ist, wenn es drauf ankommt."
Das ist aber in der privaten Wirtschaft heute oft ganz genauso, Carlos! Manager, die Unternehmen in den Ruin oder zumindest in finanzielle Schwierigkeiten getrieben haben, kriegen oft trotzdem noch fette Abfindungen und finden über ihre Beziehungen auch meist wieder schnell neue Jobs.
Außerdem halte ich es keineswegs für ideal, in einem Bereich nur staatliche Unternehmen zu haben. Man sollte darauf achten, daß es in jedem Bereich sowohl staatliche als auch private Unternehmen gibt.
"Die Telekom ist auch heute noch Scheisse; aber ich erinnere mich mit Wut an die Zeiten, als ich nix weiter als ein Bittsteller war und par ordre de moufti die Gebuhren munter erhoeht wurden."
Sowas ist aber auch möglich, wenn wenige große Unternehmen einen Markt beherrschen. Fährst du Auto? Wenn ja: Wie fühlst du dich denn jetzt, wenn immer pünktlich vor den Feiertagen plötzlich sämtliche Tankstellen die Benzinpreise ordentlich erhöht haben?
"Und du hast mir immer noch nicht erklaert, woher denn eigentlich all diese gigantischen Summen von Staatsgeldern herkommen sollen, die Du fuer Dein Versuchslabor benoetigst."
Carlos, was glaubst du denn, was uns die zunehmende Arbeitslosigkeit jetzt schon kostet!? Wir haben offiziell über 4,5 Millionen Arbeitslose. Und das ist nur die Zahl, die nach diversen Statistik-Verschönerungen noch übrig ist. Wenn man die verdeckten Arbeitslosen, z.B. Vorruheständler, Umschüler usw. noch dazu zählt, dann kommt man garantiert auf eine Zahl, die alles in den Schatten stellt, was wir in der Hinsicht jemals in Deutschland erlebt haben. Schon Mitte der 1990er Jahre, als die Arbeitslosenzahl noch bei etwa 3,5 Millionen lag, wurde die reale Zahl der Arbeitslosen auf 6-7 Millionen geschätzt. Und es werden immer mehr, Carlos.
Wie kommt es nun, daß in Deutschland trotzdem noch keine Verhältnisse wie Anfang der 1930er Jahre herrschen? Der Grund dafür besteht einzig und allein im deutschen Sozialsystem. Das schützt die Erwerbslosen vor Massenelend und die Menschen, die noch Besitz haben, vor einer enormen Zunahme der Kriminalität. Aber dieses Sozialsystem kommt uns mit steigenden Arbeitslosenzahlen auch immer teurer zu stehen.
"Und was ist das? Was ist, wenn so ein Riesending an Bedarf und Kosten vorbei geplant hat?"
Carlos, so etwas passiert in der privaten Wirtschaft auch. Du kannst nicht einerseits von staatlichen Unternehmen absolute Perfektion erwarten, bei privaten Unternehmen dann aber jede Schlamperei verharmlosen. Im übrigen gibt es z.B. über Aufsichtsräte und ähnliches durchaus Kontrollmöglichkeiten, die man nur vernünftig nutzen müßte.
"Kleine Handwerker durften ihr Betriebe behalten, ich weiss. Und Du hast Unrecht: Sie fuegten sich nicht in die DDR=Wirtschaft ein, sondern wurden par ordre de moufti eingefuegt."
Ich weiß jetzt nicht, was du damit meinst. Es gab noch in den 1980er Jahren in der DDR Unternehmen in Privatbesitz. Der Vater eines Mitschülers von mir hatte damals z.B. eine kleine Spedition, der Vater eines anderen Mitschülers besaß eine Autowerkstatt. Interessanterweise sind viele dieser Unternehmer dann erst nach der Wiedervereinigung in den Ruin getrieben worden. Die Spedition beispielsweise war sehr schnell verschwunden. Die Autowerkstatt hält sich zwar noch, aber vor allem durch Auto-Verkauf, und es wird immer schwieriger, im Auto-Bereich noch Gewinn zu machen. Die Kaufkraft nimmt immer weiter ab, die Automobilhersteller wollen natürlich weiterhin steigende Gewinne einfahren, und so bleibt für die Händler immer weniger übrig.
"Aber sie konnten noch so viel Umsatz machen, wie sie wollten; mit dem Buntpapier mit Ziffern drauf, genannt Mark der DDR, konnten sie sich nix kaufen."
Das stimmt so nicht. Der Besitzer dieser Autowerkstatt konnte sich zu DDR-Zeiten jeden Luxus leisten. Wenn man in der DDR nämlich wirklich viel Geld hatte, dann konnte man sich auch mit DDR-Mark alles leisten. Dann mußte man beispielsweise keine 12 Jahre auf ein Auto warten. Wenn jemand in der DDR ein Auto abholte, passierte es immer wieder, daß ihm jemand schon bei der Abholung den doppelten Kaufpreis oder noch mehr für das neue Auto anbot. Allein schon die Berechtigungscheine für den Kauf eines Autos konnte man für einige tausend DDR-Mark verkaufen, wenn das Auto bald abgeholt werden konnte. Es gab auch in der DDR Videorekorder, Computer usw. zu kaufen - sie waren nur sehr teuer.
Für einfache Arbeiter und Angestellte waren diese hohen Preise nicht bezahlbar. Die waren dann wirklich in der Situation, daß sie mit ihrem Geld nicht sehr viel anfangen konnten. Alles Lebensnotwendige war sehr billig, also kaufte man sich von dem Geld, das man nach und nach zur Seite legte, dann eben ein Auto oder einen Farbfernseher. Das war's dann aber auch schon.
"Weil der Staat befahl, was hergestellt werden sollte und was nicht."
Das war einer der Mängel des DDR-Systems. Aber nichts, was ich vorgeschlagen habe, würde dazu beitragen, diesen Mangel wieder einzuführen. Überhaupt produzieren auch private Unternehmen ja keineswegs das, was die Kunden wollen, sondern zuallererst das, was ihnen den meisten Gewinn einbringt. Oft ist das gleichzeitig auch das, was die Kunden wollen. Manchmal ist es aber auch so, daß Wünsche der Kunden bewußt ignoriert werden, weil man sie dazu zwingen will, ein anderes Produkt zu kaufen, das den Unternehmen höhere Gewinne einbringt. Wenn nur noch wenige große Unternehmen einen Markt beherrschen und es somit kaum noch Konkurrenzkampf zwischen ihnen gibt, dann geht sowas prima.
"Wenn die DDR so spitze war, dann haben das offensichtlich doch so einige nicht auf die Reihe gekriegt"
Was willst du denn dauernd mit der DDR? Die hat doch damit nun rein gar nichts zu tun.
"Wenn den Leuten der Sprit angeblich zu teuer ist, sie ihn aber nicht schlicht boykottieren und zu Hause bleiben, dann ist die Sache mit dem teueren Sprit bloss Gequatsche."
Ach Carlos, es gibt vielleicht einige Spinner, die tatsächlich mit dem Auto zum 100 m entfernten Zigaretten-Automaten fahren. Solche Dummheit hat es immer gegeben und wird es auch immer geben. Die meisten Menschen fahren aber vor allem deshalb Auto, weil sie nun einmal zur Arbeit kommen müssen und weil sie Großeinkäufe aus dem Supermarkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nun einmal schlecht nach Hause bekommen. Ich könnte beispielsweise auch mit dem Bus zur Arbeit fahren. Das habe ich einmal gemacht, als mein Auto morgens streikte. Ich habe ungelogen 1,5 Stunden für eine einfache Fahrt zur Arbeit gebraucht. Mit dem Auto fahre ich die 25 km in etwa 25 Minuten. Obendrein ist es mit dem Auto auch noch billiger. Denn die sogenannte "Öko-Steuer" hat ja auch die Preise für öffentliche Verkehrsmittel hoch getrieben.
"Kein Staat soll eingreifen in Dinge, die ein Markt allein regeln kann. Und die Spritpreise kann der Markt regeln. Wenn er denn wirklich will."
Wie denn, Carlos? Die Menschen müssen Auto fahren, und das ist den Öl-Konzernen sehr bewußt.
"wenn die Preise aber trotzdem bezahlt werden, dann hat nicht der Markt die Schuld, sondern der Dummkopf."
Wenn es am Markt aber nichts Günstigeres gibt, dann kann auch der klügste Kunde nichts erreichen.
"Du kannst Dir ja immer auch einen guten Gebrauchten kaufen; die Auto=Clubs helfen Dir technisch und rechtlich dabei."
Gebrauchtwagen haben auch ihre Nachteile. Da weiß man nie, was später an Reparaturkosten auf einen zukommt, man hat keine Steuer-, TÜV- und AU-Befreiung, und man kann dort noch mehr beim Kauf beschissen werden. Letzteres kann man durch Experten-Rat zwar einschränken, aber das kostet dann auch wieder Geld...
"Doch, genau das meine ich, aber bezogen auf die Zeit der 70=er und 80=er; damals wurde der Keim gelegt fuer so viele Wirkungskreise mit negativer Rueckkopplung, i.e. Spiralen abwaerts, deren Folgen wir heute nicht mehr loswerden. Damals war es im Westen ein Leichtes, lange Zeit stempeln zu gehen, krank zu feiern, schwarz zu arbeiten, kurz, einen auf Lau zu machen."
In gewisser Hinsicht gebe ich dir da recht. Wenn man sich die heutige Jugend ansieht, stellt man häufig fest, daß dort Werte wie Verantwortungsbewußtsein und Fleiß immer öfter absolute Fremdworte sind. Das ist auch einer der Gründe, wieso manche Unternehmen davor zurück scheuen, Auszubildende einzustellen. Wenn man immer wieder Azubis wegen Faulheit oder Unfähigkeit rauswerfen muß, dann wird man eben vorsichtig.
Das ist aber nicht die Ursache für die Arbeitslosigkeit. Die Katastrophe besteht eher darin, daß die Menschen, die heute ernsthaft Arbeit suchen, solchen Gammlern sogar noch dankbar dafür sein können, daß die ihnen nicht auch noch Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt machen. Bewerbungen für Stellen, die es nicht gibt, können nun einmal nicht erfolgreich sein, ganz egal, ob jemand ernsthaft sucht oder nicht.
Ich gebe dir mal einen Einblick in das reale Leben eines Arbeitslosen:
Als Beispiel greife ich mir nur mal einen Bekannten meines Vaters heraus. Der ist gelernter Maurer und lebt in Mecklenburg. Kurz nach der Wende lief es da im Baubereich prima. Überall wurde gebaut, und wer im Baubereich Arbeit suchte, fand auch welche.
Nach ein paar Jahren war das aber vorbei, und so wurde auch dieser Maurer arbeitslos, nachdem sein Chef Konkurs angemeldet hat. Zunächst versuchte er auf normalem Wege, Arbeit zu finden.
Mittlerweile raten selbst die Arbeitsämter sogar schon davon ab, Bewerbungen auf Stellen-Anzeigen zu verschicken, da viele dieser Anzeigen nur vorgetäuscht sind. Die werden mehr als Werbung für das Unternehmen aufgegeben, um zu zeigen, wie gut es doch im Geschäft wäre, so nach dem Motto "alle müssen Personal entlassen - uns aber geht es so blendend, daß wir sogar noch Personal einstellen". Tatsächlich wird natürlich niemand eingestellt, Bewerbungen werden nicht beantwortet und man kann letztendlich froh sein, wenn die Unterlagen nicht auch noch an Betreiber von Kunden-Datenbanken verkauft werden (manchmal stecken solche Datenbank-Firmen auch direkt hinter Stellen-Anzeigen, denn auch Arbeitslose sind für gewisse Unternehmen als Kunden durchaus interessant, z.B. für Lotterien, für Hellseher und ähnlichem Mumpitz).
Deshalb raten die Arbeitsämter mittlerweile dazu, Unternehmen einfach anzurufen oder persönlich dort vorzusprechen. Die Kosten dafür darf der Arbeitslose natürlich selbst tragen.
So rief nun also auch dieser Maurer diverse Baufirmen an. Er erhielt nur negative Antworten. Einmal fragte man ihn nach seinem Alter, und als er sagte, daß er 42 ist, sagte der Typ am anderen Ende: "Na, mit 42 klappern doch schon Ihre Knochen." Also wieder außer Spesen nichts gewesen.
Als er erkannte, daß es so keinen Zweck hat, versuchte er es mit einer Ich-AG. Da hat man aber das Problem, daß man erstmal einen Auftrag kriegen muß. Als Ich-AG wird man kaum ernst genommen, und man kann dann auch nicht wählerisch sein. Wenn man z.B. auf Vorkasse besteht, dann kriegt man schon mal gar nichts.
Er bekam dann einen Auftrag in Südwestdeutschland. Er trommelte ein paar arbeitslose Kollegen zusammen, mietete sich mit denen gemeinsam eine winzige 1-Raum-Wohnung im Arbeitsort und fing dann dort an. Dazu mußte er erstmal einiges investieren, da er das Material erstmal selbst bezahlen mußte. Aber er war froh, diesen Auftrag bekommen zu haben.
Nach einem Monat kam auch pünktlich das Geld, und alles war prima. Nach zwei Monaten kam nichts. Auf seine Nachfrage hin wurde das Geld dann mit 2 Wochen Verspätung gezahlt. Nach drei Monaten kam wieder nichts. Diesmal blieb das Geld auch nach mehrfacher Nachfrage aus. Nach vier Monaten kam immer noch kein Geld, auch für diesen 4. Monat nicht mehr. Mittlerweile war das Geld für Material, Essen und Miete aufgebraucht, und so blieb nun nichts weiter übrig, als den Job sausen zu lassen und wieder nach Hause zu fahren. Das ausstehende Geld hat er nie gesehen, und insgesamt hat er dabei noch draufgezahlt.
Sowas wird meist über Schein-Firmen mit irgendwelchen Strohmännern abgewickelt, die dann, wenn finanzielle Ansprüche geltend gemacht werden, einfach offiziell pleite sind. Da ist dann nichts zu holen, und derjenige, der wirklich dahinter steckt, lacht sich eins und sackt den dicken Reibach ein.
Schlimm ist auch, daß manche Unternehmer gerade Leute einstellen, wenn sie merken, daß es auf die Pleite zugeht. So hoffen sie dann, auf deren Kosten noch möglichst viel Geld zur Seite schaffen zu können. Die machen dann Angebote zu absoluten Mondpreisen, kriegen so natürlich auch Aufträge, investieren nur in das allernötigste Material und überweisen soviel Geld wie möglich auf schwarze Konten im Ausland. Löhne werden überhaupt nicht mehr gezahlt, und auch die Zahlungen für Subunternehmen und Zulieferer erfolgen gar nicht oder nur teilweise. Wenn das nicht mehr weitergeht und von überallher Post von Anwälten kommt, verpißt man sich schnell mit allem Geld, was noch da ist.
Die Probleme gehen also keineswegs nur von den abhängig Beschäftigten aus, sondern auch von immer mehr Unternehmern. Da greift die Scheu vor Verantwortung nämlich auch immer weiter um sich, und auch da gibt es immer mehr Luftikusse, die glauben, ohne viel Arbeit schnell reich werden zu können und das manchmal wirklich schaffen, indem sie die Notlage anderer ausnutzen.
"Das alles war natuerlich nicht umsonst zu bekommen, sondern musste in Form von immer hoeheren Sozialabgaben, immer hoeheren Steuern und immer hoeherer Staatsberschuldung bezahlt werden."
Ja, Carlos, aber Sozialhilfe und andere Sozialleistungen werden doch in größerem Umfang nur dann gezahlt, wenn es bereits Arbeitslose gibt! Wie kann sowas also die Ursache für Arbeitslosigkeit sein?
"Du kannst ihnen ja hinterherfluchen, wenn du willst."
Darüber denke ich schon seit einiger Zeit ernsthaft nach.
"Die groesste Schuld daran tragen die Gewerkschaften."
Ich finde an den Gewerkschaften auch einiges zu kritisieren. Trotzdem wäre ohne Gewerkschaften in Deutschland jetzt alles noch viel schlimmer. Dann wären die Löhne heute schon sehr viel niedriger, die Kaufkraft ebenfalls, und damit wäre der deutsche Markt für viele Unternehmen heute noch uninteressanter.
"Ich kann mich auch noch daran erinnern, wie ich mich als Werkstudent immer wieder blutig geaergert habe ueber viele Kollegenschweine, die einen auf mannigfaltigen Lau machten, von den Betriebsraeten gegenueber der Unternehmensleitung aber gedeckt wurden und so deren Entlassung verhindert wurde."
Zufällig ist meine Partnerin auch im Betriebsrat, und ich kann dir versichern, daß da kein Gammler beschützt wird. Als in dem Unternehmen vor einiger Zeit mal Leute entlassen wurden, hat sich der Betriebsrat dafür ganz gezielt die Faulenzer und Blaumacher ausgesucht. Und auch, wenn der Chef jemanden wegen Blaumacherei feuern wollte, hat der Betriebsrat immer zugestimmt, wenn die Anschuldigungen berechtigt waren.
Betriebsräte befinden ich generell in keiner beneidenswerten Situation, da sie immer zwischen der Unternehmensführung und den Beschäftigten stehen. Und üblicherweise bekommen sie auch etwas mehr Einblick in die Situation des Unternehmens. Es liegt dann auch in ihrem eigenen Interesse, Blaumacher nicht zu fördern. Ich jedenfalls habe noch nie solche Erfahrungen mit Betriebsräten gemacht.
"Wie schon oben gesagt: Immer weniger sind dazu bereit, ihr sauer erarbeitetes Geld groessetenteils dem Staat zu geben, nur damit der es zum Fenster hinauschmeissen kann."
Ja, ich gehöre auch dazu.
"Ich kann mit gut verkauftem Ramsch oder einfach auch niederpreisigen Produkten prozentual und per Saldo mehr Gewinn erzielen, als mit Luxusguetern. Aldi zeigt, wie das geht."
Ja, aber ALDI verkauft Produkte des täglichen Bedarfs, die ohnehin in Großserie hergestellt werden müssen, um damit noch Gewinn zu machen. So stellt sich für ALDI natürlich die Frage, ob sie Gewinne lieber mit niedrigen Stückzahlen und hohen Preisen oder umgekehrt machen, gar nicht erst.
Bei Auto-Herstellern sieht das aber noch anders aus. Ferrari und ähnliche Hersteller zeigen, daß man auch mit Kleinserienproduktion durchaus Gewinne machen kann. Wenn man am Markt sehr hohe Preise erzielt.
Man kann aber auch beides kombinieren. Das machen viele Lebensmittelhersteller. Um die Produktionskosten niedrig zu halten, produzieren sie sehr hohe Stückzahlen. Auf einen Teil der Produkte drucken sie Markennamen und verkaufen sie zu überhöhten Preisen, was ihnen gute Profite einbringt. Davon werden sie am Markt aber nicht viel los. Um dann die restliche Produktion nicht in den Müll werfen zu müssen (was zuweilen durchaus auch gemacht wird), verkaufen sie den Produktionsüberhang dann eben zu deutlich niedrigeren Preisen an ALDI. Und damit die Käufer der teureren Marken-Variante dasselbe Produkt nicht so einfach billiger beim ALDI kaufen können, wird da der Markenname nicht draufgedruckt, und man tut natürlich auch alles, um zu verheimlichen, daß diese No-Name-Produkte mit teuren Marken-Produkten identisch sind. Deshalb ist es für den Endverbraucher schwierig, das zu bemerken und dann dasselbe Produkt billiger zu kaufen.
In der Automobilindustrie ist sowas durchaus auch üblich, aber nicht ganz so einfach machbar. Deshalb konzentriert man sich dort lieber auf den Mittel- und Hochpreis-Bereich und läßt den Niedrig-Preis-Markt zunehmend unbeachtet. Das ist auch für die Händler gut, weil sie sonst die von ihnen in Zahlung genommenen Gebrauchtwagen noch schwieriger loswerden würden. Die wollen deshalb auch gar keinen billigen Neuwagen verkaufen. (Ich kenne sogar ein Autohaus, in dem der Geschäftsführer direkt sagt, daß er kein Interesse an Studenten und anderen Kunden für billige Autos hat und daß er solche Leute nicht im Geschäft haben möchte. Das ist kein Ferrari- oder Rolls-Royce-Händler, sondern ein VW/Audi-Autohaus.) Für Autokäufer mit niedrigem Einkommen bedeutet das letztendlich, daß sie sich keinen Neuwagen kaufen können.
"Es geht doch nicht nur um die reinen Produktionskosten, sondern um die Gesamtkosten. Und da spielt die Gesamtsteuerbelastung ein wichtige Rolle."
Nun ja, die Steuerbelastung ist ja schon in den Produktionskosten mit eingerechnet. Okay, beim Verkauf werden weitere Steuern fällig, aber erstens haben manche europäische Länder sogar noch eine höhere Mehrwertsteuer als Deutschland und zweitens sind die Preise für in Deutschland gebaute Autos auch ohne Mehrwertsteuer im Ausland niedriger. Vor einigen Jahren war es jedenfalls noch so. Damals ist ja auch herausgekommen, daß deutsche Auto-Hersteller ausländische Auto-Händler unter Druck gesetzt und sie so gezwungen haben, deutschen Kunden keine Autos zu verkaufen. Da ist dann der freie, unregulierte Markt, der sonst von der Wirtschaft so vehement gefordert wird, auf einmal völlig unerwünscht...
"Nein, das ist falsch. Ich kenne keine einzigen Chinesen, der sich einen Neuwagen fuer 5000 Euro gekauft haette. Diese Zeiten sind laengst vorbei, auch deswegen, weil es, zum mindesten momentan, noch keine nennenswerten chinesischen Automarken gibt, die ernsthafte Konkurrenten waeren."
Vor kurzem habe ich noch eine Reportage über eine Auto-Messe in China gesehen, und wenn ich mich recht erinnere, wurde da sogar ein Auto für nur 3000 Euro vorgestellt. Das war ein Kleinwagen, mit kleinem Motor und ohne die hierzulande üblichen Extras. Es gibt in China immer noch hunderte Millionen Menschen, die sich kein Auto leisten können. Und die sind als Kunden auch für ausländische Autohersteller durchaus interessant.
"Doch, das wird er schon. Der Markt drum herum waechst erst nach und nach. Zuerst geht es nur um gute Rahmenbedingungen fuer Investitionen und den Export der dort produzierten Gueter."
Zuallererst will ein Unternehmen natürlich Gewinn erwirtschaften. Wenn es nur um billige Produktionsstandorte für den Export ginge, wäre das allein noch kein triftiger Grund, um die Produktion ins Ausland zu verlegen. denn in vielen Billig-Lohnländern gibt es auch ungünstige Rahmenbedingungen, z.B. hohe Korruption, Kriminalität usw. Und wenn Deutschland so ein ungünstiger Standort ist - wie erklärst du dir dann, daß deutsche Unternehmen momentan gerade im Export so erfolgreich sind?
Produktionsverlagerungen ins Ausland sind noch viel interessanter, wenn man gleichzeitig auch den dortigen Markt beliefern kann. Dann lohnt sich das richtig. Vor allem, wenn dieser Markt auch noch wächst, wenn man also dmait rechnen kann, in Zukunft höhere Preise zu erzielen.
"Hierzulande ist es mittlerweile verflucht schwer geworden, gutes Personal zu bekommen und schlechtes wieder zu feuern. Aus falsch verstandener Kollegialitaet wollten die Linken und die Gewerkschaften das so, und sie wollen es schon seit weit ueber 35 Jahren so."
Das mag ja alles sein, aber das ist doch nicht die Ursache für die Arbeitslosigkeit. Viele Unternehmen in Deutschland brauchen einfach kein Personal mehr. Noch vor wenigen Jahren galt die IT-Branche als Wachstumsmotor. Seit 2001 ist das auch vorbei. Seitdem werden auch in der IT-Branche Leute entlassen oder gar nicht erst eingestellt. Deshalb ist es ja auch so ruhig um die damals von den Unternehmen so lautstark geforderte "Greencard" für ausländische IT-Fachkräfte geworden. Wenn die Unternehmen da wirklich noch Leute suchen würden, dann würden sie weiterhin nach qualifiziertem Personal schreien. Das tun sie aber nicht. Weil sie wirklich kaum noch neues Personal brauchen.
"Von dem Brutto=Lohn eines Durchschnittsverdieners verbleibt netto immer weniger im Geldbeutel. Den Grossteil davon krallt sich Vater Staat, nicht der Chef; die Gewerkschaften wollten das so."
Also, das kann man den Gewerkschaften aber nur zum geringen Teil anrechnen! Sind die Gewerkschaften daran schuld, daß der Staat Milliardensummen für sinnlose Subventionen, Politiker-Privilegien usw. aus dem Fenster wirft? Die Gewerkschaften haben auch das deutsche soziale Netz nicht wirklich geschaffen. Die Verbesserung von Sozialleistungen ging von der Politik aus, und zwar zu einer Zeit, als diese Sozialleistungen durch die vergleichsweise niedrige Arbeitslosenzahl noch relativ einfach finanzierbar waren. Was aber passiert, wenn es immer mehr Arbeitslose gibt, daran hat damals niemand gedacht. Genausowenig wie heute.
Die Krise wäre unter CDU-Herrschaft genauso gekommen, und tatsächlich hat sich ja zu Kohls Kanzler-Zeiten auch nichts gebessert, ganz im Gegenteil.
"Zuerst haette man eine Sonderwirtschaftszone und die Rahmenbedingungen fuer Investoren schaffen muessen, und eben nicht den Leuten das Geld zum Konsum in die Hand druecken, weil der kapitale Gegenwert dazu voellig fehlte."
Genau das hätte ich 1990 auch bevorzugt, und genau deshalb war ich damals auch gegen eine sofortige Wiedervereinigung. Man hätte zunächst einmal die Wirtschaft der DDR weitgehend an das Westniveau anpassen müssen.
"Der saechsische Ministerpraeside Georg Milbradt fordert deswegen zurecht, aber halt Lichtjahre zu spaet, ein Transparenz= und Offenlegungsgebot bezueglich Investitionen und Buchfuehrung ueber Transferzahlungen in die Ostfoerderung."
Interessant ist in dem Zusammenhang, daß die Geheimniskrämerei um die Machenschaften der "Treuhand" auch nach dem Regierungswechsel weiter betrieben wurde und wird. Das beweist wieder einmal, daß es letztendlich gar keine wesentliche Rolle spielt, welche Partei gerade an der Macht ist.
"1.) ... Im Klartext: Alte Schulden werden mit neuen bezahlt. Schluss damit. Und anschliessend die Steuern fuer alle radikal gesenkt."
Dem kann ich nur zustimmen.
"2.) Genau zwei Berufsgruppen haben sich diesen Staat gekrallt: Beamten und Juristen. Sie dominieren die drei Staatsgewalten und die Parlamente als parteiuebergreifend groesste Fraktion (im Bundestag so in etwa drei Viertel aller Abgeordneten). Schluss damit."
Auch Zustimmung.
"3.) Die drei Gewalten muessen geschliffen werden; jede Menge Ballast muss dort raus. Sie muessen dazu verdonnert werden, fuer das Allgemeinwohl notfalls zu kooperieren, anstatt alles nur zu blockieren."
Wieder Zustimmung.
"4.) Straffung der Justizgewalt und des gesamten sauteuren Gutachterzirkus. Bis auf wenige Ausnahmen Rueckabwicklung der grossen Strafrechtsreform von 1977. Natuerlich keine Todesstrafe, aber Uebernahme vieler Teile der amerikanischen Verhaeltnisse, weil viel billiger. Knacken des Feminats und Wiederherstellung der meisten Teile des Eherechts von vor 1977."
Nochmal Zustimmung.
"5.) Schaffung einer vierten Staatsgewalt, aber ohne das typisch deutsche Parteien= und Buerokratenbrimborium drumrum, und zwar eine Finanzgewalt, die genau zwei Aufgaben haette: Steuern zu erheben und den Staat mit Geld zu versorgen. Rechtliche Bei= oder Nebenordnung zur Bundesbank. Daher ersatzlose Abschaffung des Finanzministeriums und weiter Teile des Wirtschaftsministeriums. Festschreibung in der Verfassung eines Verbotes von Schuldenmacherei. Schulden duerfen nur noch kurzfristig gemacht werden..."
Das wäre sicher auch sinnvoll.
"6.) Knacken der Parteienmacht in saemtlichen Staatsorganen, die nicht direkt mit den Parlamenten zu tun haben."
Ja, aber wie am besten?
"7.) Die Gewerkschaften werden geschliffen, wie vor ueber 20 Jahren in England."
Das würde nur funktionieren, wenn der Staat ihre Rolle übernimmt. Dafür muß man aber erst einmal die Verfilzungen zwischen Politik und Wirtschaft abschaffen. Denn sonst wird die Regierung sich weiterhin vorrangig für die Großkonzerne einsetzen, mit dem Ergebnis, daß Stellenbewerber zunehmend die A-Karte haben werden.
"8.) Die Zahlungen an die EU werden mindestens halbiert. Offizielle Bruesseler Zahlen belegen, dass von jedem EU=Jahreshaushalt 25% bis 30% in dunklen Kanaelen versickern. Das sind fast nur Gelder aus Deutschland. Die EU=Kommission wird zur selben Transparenz verdonnert wie die Bundesregierung und muss sich kuenftig dem Votum der Waehler stellen."
Dem stimme ich wieder zu.
"Der Euro wird wieder abgeschafft und als notwendiges Fernziel festgeschrieben, wenn alle Teilnehmer die Voraussetzungen dafuer erfuellen. Eine stabile Mark, die laut Verfassung von talentlosen Politikern auch nicht mehr ueberschuldet werden kann, ist die beste Basis fuer eine gesunde Wirtschaft und ein dauerhaft stabiles, hohes Lohnniveau."
Das wäre Glücksspiel. Wenn man so eine gravierende Maßnahme einfach so wieder rückgängig macht, dann ist nicht vorhersehbar, was dabei am Ende herauskommt. Ich finde den Euro an sich nicht schlecht, mir hat nur überhaupt nicht gefallen, wie er gerade in Deutschland eingeführt wurde.
"Eine Einigung Europas ist unabdingbar, gerade angesichts der machtbesessenen USA und der erwachenden Weltmacht China, aber mir der jetzigen EU geht das nicht mehr."
Wenn man die EU wirklich reformieren würde, dann würde es schon gehen. Aber vermutlich hast du recht, denn der ganze Sumpf, der sich in der EU etabliert hat, läßt sich nicht so einfach umgestalten. Da kann man wohl wirklich nur den Geldhahn zudrehen und den Sumpf so radikal trocken legen. Dasselbe gilt allerdings auch für Deutschland...
"9.) Rechnungshoefe: Heute sind sie zahnlose Tiger, aber bis 1968 hatten sie das Recht zur Amtsanklage; korrupte Politiker und solche, die fahrlaessig mit den Staatsgeldern umgingen, konnte man vor Gericht bringen, was damals noch selten war. Dann aber hat die große Koalition die Rechnungshöfe geschliffen und ihnen das Recht auf Amtsanklage genommen."
Da stimmte ich dir auch zu. Das muß wieder geändert werden.
"10.) Unsere Politiker gehoeren zu den weltweit am besten alimentierten. Beschraenkung von Bezahlung und Altersversorgung auf das noetigste; und vor allem Transparenz."
Zusätzlich würde ich noch befürworten, daß ein Politiker, der sich der Korruption oder sonstiger Mißwirtschaft schuldig gemacht hat, sämtliche Pensionsansprüche automatisch verliert und mit seinem Privatvermögen für den angerichteten Schaden zu haften hat.
"11.) ... Granatenharte Durchsetzung der Schulpflicht auch bei uns; Schluss mit dem weichgespuelten Wischiwaschi und Bildung rein in die Dummschaedel; Dummheiten sind dort schon zu viele drin. Fuer die Erziehung ihrer Kinder werden Eltern kuenftig mehr als bisher haftbar gemacht (natuerlich unter Einbeziehung der Vaeter, der das wieder sein duerfen und auch sollen)."
Auch Zustimmung.
"12.) Ausweisung aller kriminellen Auslaender ohne Einlegung von Rechtsmitteln. Kein Beitritt der Tuerkei zur EU."
Wieder Zustimmung.
Das sind alles sinnvolle Vorschläge, aber auch wenn man es schaffen würde, das alles durchzusetzen, hätten wir langfristig immer noch wachsende Arbeitslosenzahlen. Okay, der Staat würde eine Menge Geld sparen, man könnte Steuern und auch Sozialabgaben deutlich senken, und das würde sich mit Sicherheit positiv auf die Binnennachfrage und damit auch auf die Wirtschaft auswirken. Vielleicht würde es sogar ausreichen, um die Arbeitslosenzahlen innerhalb weniger Jahre zu halbieren und erst in vielleicht 10-15 Jahren wieder auf die heutigen Arbeitslosenzahlen zu kommen. Aber dann stehen wir wieder vor demselben Problem, nur daß wir - vorausgesetzt, die Ergebnisse der Reformen bleiben dauerhaft erhalten - dann nichts mehr einsparen könnten. Was dann?
Freundliche Grüße
von Garfield