Eine Fahrt nach Köln...
Hallo zusammen!
"Habt ihr denn nie gehört, dass Frauen die Mehrheit der Arbeit in der Welt erledigen? Viele Fraueninitiativen weisen immer wieder darauf hin, aber nicht überall scheint es angekommen zu sein. Wer schaltet da seine Ohren auf Durchzug?"
Oh je! Davon habe ich heute eine Menge mitbekommen. Ich wollte heute nach Köln. Ich fuhr am Vormittag los. Auf der A59 in der Nähe des Flughafens Köln-Bonn Stau! Grund: An der Mittelleitplanke standen mehrere Fahrzeuge der Autobahnmeisterinnerei. Sechs orangefarben gekleidete Frauen wechselten demolierte Leitplanken aus. 200m weiter waren weitere Frauen damit beschäftigt, die Fahrbahn zu reparieren.
Ich beschloss, auf der Deutzer Seite unter der Severinsbrücke zu parken, da man in der Kölner Innenstadt sowieso keinen (Männer)-Parkplatz bekommt. Ich ging also bei dem schönen Frühlingswetter über die Severinsbrücke und beobachtete das Treiben auf dem Rhein. Ich sah ein Baggerschiff, auf dem vier Frauen damit beschäftigt waren, mit einer Art Löffelbagger die Fahrrinne in der Strommitte auszubaggern, damit nicht im kommenden Sommer wieder die Kapitäninnen ein Ausflugsschiff auf einen Felsen setzen. Die Steuerfrau eines mehrere hundert Meter langen Schubschiffes hatte alle Mühe, den Kahn bei dem derzeitigen Niedrigwasser heil an dem Baggerschiff vorbeizubekommen, sie lag mit ihrem langen Fahrzeug halb quer zur Strömung in der Fahrrinne.
Auf der anderen Seite angekommen konnte ich nicht mehr weiter. "Fussgänger, bitte die andere Strassenseite benutzen" stand da. Die Ursache: Mitten auf dem Fussgängerweg stand ein Fahrzeug der Stadtverwaltung Köln, ein Kanaldeckel lag stolperbereit auf dem Gehweg und ein dickes Kabel führte in den Schacht. Eine Frau, die sich die langen Haare zu einem Dutt zusammengebunden hatte, stand in der Blaufrau vor dem Loch und liess das Kabel vorsichtig durch ihre mit dicken Schutzhandschuhen bekleideten Hände gleiten. Aus dem Loch kreischte ab und zu eine Frauenstimme. "Weiter! Zieh doch! Weiter, vorsichtig" Zwei weitere Frauen standen 100 m entfernt auf der Fahrbahn der Brückenabfahrt und dirigierten mit Fähnchen unter Einsatz ihres Lebens die heranrasenden Autos auf die äusserste linke Fahrbahn um. In dem Fahrzeug flimmerten mehrere Fernseh-Monitore. Ich linste - neugierig wie ich bin - mal rein und stellte mit Verblüffung fest, dass die zwei Frauen vor den Fernsehgeräten doch nicht "Vera am Mittag" anschauten. "Donnerlüttchen" dachte ich mir "die Stadt Köln nimmt die Quotenregelung aber verdammt ernst. Hut ab!" Und beschloss insgeheim, bei nächster Gelegenheit einen Anerkennungsbrief an die Stadtverwaltung zu schreiben.
Weiter gings in die Innenstadt. An der Cäcilienstrasse eine Riesenbaustelle. Ein Geschäftshaus wird neu errichtet. Vor dem Gebäude wuselten in einer gewaltigen Staubwolke mindestens zwei Dutzend Frauen mit Schutzhelm bekleidet und mit Schaufeln bewaffnet herum, eine sass am Steuer eines Zementmisch(a)wagens Marke "Porsche-Readymix". Oben im noch offenen 18. Stockwerk stand eine Frau in artistischer Opferpose hart am Abgrund und nahm die Container mit Material in Empfang, die die Frauen am Materialaufzug eingeladen und hochgefahren hatten.
Am Neumarkt ein weiteres Schauspiel. Auf einer hydraulischen Hebebühne standen zwei Frauen und waren damit beschäftigt, defekte Lampen der Strassenbeleuchtung auszutauschen. Wirklich beeindruckend, wie die gazellenartig da oben herumturnten. Ich konnte mich von diesem erhabenen Anblick minutenlang nicht losreissen. Hannibal, vielen Dank für die Erschaffung solcher strahlenden Lichtgestalten. Die Lampen am Neumarkt werden nie mehr erlöschen, Goddess bless them!
Weiter zum Rudolfplatz. Verkehrsunfall. Zusammenstoss auf einer Kreuzung. Einer muss bei Rot durchgefahren sein, ein Auto war fahruntüchtig und Schrott. Der ADAC-Abschleppwagen war schon da. Eine Frau hängte das Wrack an den Seilzug, die andere bediente die Winde und gemeinsam zogen sie das Autowrack auf die Pritsche. Zufrieden fuhren sie dann los, ihre Gesichter strahlten wie VIVA-Gröölies, weil sie das geschafft hatten. In der gleichen Gegend war heute Sperrmülltag. Ein Müllwagen, besetzt mit vier Frauen, fuhr durch die Strassen des Viertels und lud die am Strassenrand deponierten Müllhaufen auf. Mit welcher Fröhlichkeit die Frauen ihre Arbeit erledigten, das konnte man an ihren Gesichtern ablesen. Sie waren richtig froh, dass die Quotenregelung sie aus ihrem tristen, langweiligen Hausfrauendasein befreit hat und ihnen auch noch so einen Job beschert hat, bei dem sie ihre "überflüssigen" Pfunde loswerden konnten, ohne im Fitnessstudio dafür horrende Summen zahlen zu müssen. Sie kriegten es sogar noch bezahlt! Was kann schöner sein!
Nachdem ich meine Vorhaben erledigt hatte, wollte ich mich noch mit etwas barem eindecken und betrat eine Bank. Schock! In der ganzen Halle nur Männer! Also arbeiten die doch, und hängen nicht nur den ganzen Tag in der Kneipe rum. Eine Ehrenrettung für die paar Männer in der Bank, denn ich habe heute den ganzen Tag nur arbeitende Frauen gesehen. Eigentlich müsste ich mich als Mann ja jetzt in Grund und Boden schämen, weil ich mir angesichts der vielen hart arbeitenden Frauen einen schönen Tag in meiner Lieblingsstadt gegönnt hatte, aaaaber -
da in zwei Tagen der vierte Monat des Jahres beginnt, habe ich davon mal abgesehen und die ganze Story in die Schublade "Träumerei" abgelegt.
Frühlingshafte Grüsse,
Ferdi
