Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Ist der Feminismus auf dem Holzweg?

Arne Hoffmann, Sunday, 28.03.2004, 22:29 (vor 7985 Tagen)

Aus einem befreundeten Forum (danke an 7up) stammt dieser Link zu einem Interview der Schweizer Weltwoche mit der führenden französischen feministischen Filosofin Elisabeth Badinter. Inzwischen sieht sie den Feminismus auf dem Holzweg: http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=7311&CategoryID=62

Um nur eines von mehreren lesenswerten Zitaten des Artikels anzuführen:
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Frage: "Haben die Frauen Ihrer Ansicht nach heute schon zu viel Macht?"
Badinter: "Nicht die Frauen, sondern ein dominant gewordener Feminismus. Dass Frauen heute dank dem medizinischen und gesellschaftlichen Fortschritt frei über ihren Körper, ihre Schwangerschaft, ihre Beziehung und ihr Familienleben entscheiden können, ist nur zu begrüssen. Auch Gerichte haben oft die Tendenz, im Streitfall den Frauen Recht zu geben. Dass Feministinnen aber gleichzeitig ihre Opferrhetorik aufziehen, führt zum Widerspruch. Man kann nicht Opfer und Machthaber zugleich sein. Man kann auch nicht von Männern verlangen, dass sie sich mehr in der Familie engagieren, und gleichzeitig sagen, der Entscheid über eine Schwangerschaft gehe sie wenig an.
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Komisch, jetzt wo sie´s sagt, fällt´s mir auch auf ... :-)

Arne

Re: Ist der Feminismus auf dem Holzweg?

Texaco, Sunday, 28.03.2004, 22:33 (vor 7985 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Ist der Feminismus auf dem Holzweg? von Arne Hoffmann am 28. März 2004 19:29:01:

Komisch, jetzt wo sie´s sagt, fällt´s mir auch auf ... :-)
Arne

Mensch, dann schreib doch mal 'nen Buch drüber!

Re: Ist der Feminismus auf dem Holzweg?

Sebastian, Monday, 29.03.2004, 00:14 (vor 7984 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Ist der Feminismus auf dem Holzweg? von Arne Hoffmann am 28. März 2004 19:29:01:

Aus einem befreundeten Forum (danke an 7up) stammt dieser Link zu einem Interview der Schweizer Weltwoche mit der führenden französischen feministischen Filosofin Elisabeth Badinter. Inzwischen sieht sie den Feminismus auf dem Holzweg: http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=7311&CategoryID=62
Um nur eines von mehreren lesenswerten Zitaten des Artikels anzuführen:
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Frage: "Haben die Frauen Ihrer Ansicht nach heute schon zu viel Macht?"
Badinter: "Nicht die Frauen, sondern ein dominant gewordener Feminismus. Dass Frauen heute dank dem medizinischen und gesellschaftlichen Fortschritt frei über ihren Körper, ihre Schwangerschaft, ihre Beziehung und ihr Familienleben entscheiden können, ist nur zu begrüssen. Auch Gerichte haben oft die Tendenz, im Streitfall den Frauen Recht zu geben. Dass Feministinnen aber gleichzeitig ihre Opferrhetorik aufziehen, führt zum Widerspruch. Man kann nicht Opfer und Machthaber zugleich sein. Man kann auch nicht von Männern verlangen, dass sie sich mehr in der Familie engagieren, und gleichzeitig sagen, der Entscheid über eine Schwangerschaft gehe sie wenig an.
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Komisch, jetzt wo sie´s sagt, fällt´s mir auch auf ... :-)
Arne

sehr interessanter artikel, ich kann zwar nicht allen dingen zustimmen aber im grossen und ganzen sehr interessant. dieses gesetz was 2005 in kraft treten soll, weiss jemand mehr darüber? das klingt übel.

Re: Ist der Feminismus auf dem Holzweg?

Odin, Monday, 29.03.2004, 02:37 (vor 7984 Tagen) @ Sebastian

Als Antwort auf: Re: Ist der Feminismus auf dem Holzweg? von Sebastian am 28. März 2004 21:14:30:

sehr interessanter artikel, ich kann zwar nicht allen dingen zustimmen aber im grossen und ganzen sehr interessant. dieses gesetz was 2005 in kraft treten soll, weiss jemand mehr darüber? das klingt übel.

Halte ich für übertrieben. Frau Diamandklapperschlangoulos kann in Deutschland keine Gesetze machen. Außerdem ist sie mittlerweile "entsorgt" als eine der wenigen, die in Brüssel jemals ihren Hut nehmen mußten.

Re: Ist der Feminismus auf dem Holzweg?

Sebastian, Monday, 29.03.2004, 03:19 (vor 7984 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Ist der Feminismus auf dem Holzweg? von Odin am 28. März 2004 23:37:59:

sehr interessanter artikel, ich kann zwar nicht allen dingen zustimmen aber im grossen und ganzen sehr interessant. dieses gesetz was 2005 in kraft treten soll, weiss jemand mehr darüber? das klingt übel.

Halte ich für übertrieben. Frau Diamandklapperschlangoulos kann in Deutschland keine Gesetze machen. Außerdem ist sie mittlerweile "entsorgt" als eine der wenigen, die in Brüssel jemals ihren Hut nehmen mußten.

sie ist entsorgt worden? :) cool, ich bekomme hinter meinem computer wohl nix mit ;).

Das sind meine Lieblinge :-)

Odin, Monday, 29.03.2004, 02:36 (vor 7984 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Ist der Feminismus auf dem Holzweg? von Arne Hoffmann am 28. März 2004 19:29:01:

"In Ihrem Buch kritisieren Sie zwei Aspekte dessen, was Sie den neuen Feminismus nennen. Neben der Opferrolle der Frauen ist dies die Überzeugung, Frauen seien anders und im öffentlichen Leben oft besser als Männer – sensibler, selbstloser, aufrichtiger, mutiger. Ist dem nicht so?
Da kann ich nur lachen. Manche wollten uns sogar glauben machen, wenn Frauen an der Macht wären, gäbe es weniger Krieg. Das ist Unsinn. Der Ansicht, Frauen verhielten sich anders, liegt ein äusserst fragwürdiger Gesinnungswandel zugrunde. Es ist der Wandel hin – oder vielmehr: zurück – zu einem philosophischen Differentialismus. In Ländern wie Frankreich ist dieser Wandel offensichtlich geworden, als es vor fünf Jahren darum ging, eine für alle Parteien verbindliche Frauenquote bei Wahlen einzuführen. Das Ergebnis war, dass der Geschlechtsunterschied in Gesetzes- und Verfassungstexten Einzug fand. Dies ist ein krasser Rückfall ins 19.Jahrhundert. Auch damals war der Geschlechtsunterschied in Gesetzes- und Verfassungstexten bestimmend: als Negativkriterium. Frauen galten politisch als unmündig und zählten nicht."

"Die Überspitzung davon wäre eine juristisch bereinigte Gesellschaft, in der jede Avance mit Gerichtsklage quittiert wird.
Ein Graus! Doch das gibt es nicht nur in Amerika, das blüht uns auch in Europa. Als ich vor zwei Jahren las, was die Europa-Kommissarin Anna Diamantopoulou zur Abstimmung im EU-Parlament vorbereitete, traute ich meinen Augen nicht. Strafbar sollen künftig nicht mehr nur Notzucht, physische Gewaltanwendung und sexuelle Belästigung durch Vorgesetzte sein, sondern jede unerwünschte Avance durch Wort oder Geste. Das ist absurd. Im Jahr 2005 soll diese neue Regelung aber rechtskräftig werden – und niemand protestiert."

Wie sonst können sich die Frauen schützen?
Das Verhältnis zwischen Mann und Frau lebt von Seitenblicken, Andeutungen, neckischen Worten, von mir aus auch von verwegenen Gesten. Wie viele Ehen fangen mit der Bekanntschaft am Arbeitsplatz an! Auf ein interessantes Angebot kommen zehn, die man ausschlägt. Frauen haben doch gelernt, nein zu sagen. Wehrt euch! – möchte ich ihnen zurufen. Gebt zurück, ironisch, witzig, provozierend, frech. Stattdessen lamentieren die Feministinnen und rufen nach immer neuen Gesetzen.

Woher kommt diese Gesetzesgläubigkeit?
Hinter diesem Reflex steht eine gravierende Begriffsverwirrung, die den pathologischen Fall von männlicher Gewalttätigkeit zum Normalfall erklärt und der Gewalt überhaupt ein bestimmtes Geschlecht zuweist: das männliche. Mein neues Buch ist aus der wachsenden Ungehaltenheit über diese Begriffsverwirrung entstanden. Feminismus gerät so zur puren Ideologie. Selbst Statistiken werden zu diesem Zweck verbogen. Eine Untersuchung verkündete unlängst, zehn Prozent der Französinnen würden von ihren Männern misshandelt. Das schien mir unglaublich. Bei näherem Hinschauen zeigte sich, dass unter «Misshandlung» kunterbunt Vergewaltigung, Schläge, Drohung und psychischer Druck aufgeführt wurden. Ohne Differenzierung werden Statistiken beliebig. Manche Formen von Macht- und Gewaltausübung funktionieren in beide Richtungen.

Dabei wollen Sie nichts zu schaffen haben mit Moral und Prüderie.
Im Gegenteil! Was ich beklage, ist gerade das Umschwenken der einst befreienden, lustvollen und körperfreundlichen Frauenbewegung auf einen Feminismus der Moral und der Prüderie, der den weiblichen Körper wieder sakralisiert wie zu Zeiten des Korsetts und der zahllosen Unterröcke.

In Europa gibt es zum Thema Prostitution prinzipiell zwei Standpunkte: Kriminalisierung des Kunden wie in Schweden oder Reglementierung des Gewerbes, wie es in Deutschland oder Holland versucht wird. Wie lautet Ihre Position?
Ich gehe davon aus, dass jede Frau über ihren Körper verfügen soll, wie sie will. Solange sie von keinem Zuhälter abhängig ist, sehe ich nicht ein, warum eine Frau nicht mit Prostitution ihr Geld verdienen soll, wenn ihr sonst nur die Möglichkeit einer strapazierenden, schlecht bezahlten Arbeit offen steht. So ungeduldig ich in den letzten Jahren – leider vergeblich – auf einige exemplarisch harte Prozesse gegen Zuhälter-, Schlepper- und Mafia-Organisationen vorab mit Frauen aus Osteuropa gewartet habe, so entschieden trete ich für die Freiheit einer Frau – oder eines Mannes – ein, den eigenen Körper für Geld zu verdingen. Moralische Urteile haben hier so wenig zu suchen wie Bemitleidung.

Zurück zum Feminismus. Ist er gescheitert?
Die Kämpferinnen sind müde geworden. Schlimmer noch: Ihre Töchter haben ein Problem mit den Müttern. Darin liegt das Scheitern des Feminismus begründet. Unsere Generation hat es nicht verstanden, den Willen zum Kampf für die Gleichstellung und die Lust an der Auseinandersetzung weiterzugeben. Schon das Wort «Feminismus» klingt heute schal, verstaubt, überholt. «Wie öde!», antworten die Töchter. «Der freie Zugang zu Verhütungsmitteln und das Recht auf Abtreibung ist uns heute sicher, schönen Dank», sagen sie, «doch was haben wir letztlich davon? Ihr habt euch abgerackert, tagsüber bei der Arbeit und abends zu Hause, weil der Haushalt bei aller Emanzipation an euch hängen blieb. Nur um uns Kinder habt ihr euch bei all dem Stress nicht richtig kümmern können. Wir wollen auf keinen Fall so werden wie ihr. Als Superwomen habt ihr versagt.» Das ist die bittere Wahrheit. Das Pendel schlägt zurück. Das Mindeste, was wir in dieser Lage unternehmen können, ist der Versuch einer rücksichtslosen Bilanz und einer unerschrockenen Selbstkritik.

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