Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Girls-Day - Ein Diskriminierungstag für Jungen?

Bruno, Monday, 22.03.2004, 14:35 (vor 7991 Tagen)

Hallo Leute,

ich möchte auf den Girls-Day am 22.04.04 hinweisen. Ich erinnere, ein Grund an der Ausgrenzung der Jungen am Zukunftstag festzuhalten war der, dass sich bislang kaum jemand darüber beschwerte. Soll´s etwa wirklich daran scheitern?

Wer sich also beschweren möchte, für den ist innerhalb der nächsten Wochen der geeignete Zeitpunkt. Anbei die wichtigsten Beschwerdeadressen und wichtige Argu-mente

Adressen:

Koordinator für den Girls-Day:
Kompetenzzentrum
Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie
Projekt Girls´Day - Mädchen-Zukunftstag | Öffentlichkeitsarbeit
Wilhelm-Bertelsmann-Str. 10, D-33602 Bielefeld
info@girls-day.de

Bundesministerium für Bildung und Forschung
Referat Publikation; Internetredaktion
Hannoversche Straße 28-30
D-10115 Berlin
E-Mail: information@bmbf.bund.de

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Taubenstraße 42/43
10117 Berlin
Kontaktadresse:
http://www.bmfsfj.de/Kategorien/Service/kontakt.html

Deutscher Gewerkschaftsbund
Bundesvorstand
Henriette-Herz-Platz 2
10178 Berlin
Email: info@bvv.dgb.de

Bundesagentur für Arbeit
Regensburger Straße 104
90478 Nürnberg
Email: Zentrale@arbeitsamt.de

Forum „Girls-Day“ unter http://www.girls-day.de

Argumente (beispielhaft):

1. Ausgrenzung ist ein sehr schlechtes Vorbild für unsere Jugend bezüglich Ge-schlechtergerechtigkeit

2. Männliche Jugendliche haben eine wesentlich höhere Arbeitslosenquote als weib-liche, deshalb ist die Ignoranz der Zukunftsängste männlicher Jugendlicher nicht zu rechtfertigen.

3. Im Forum Bildung (Mitglied dieses Forums u.a. auch Bundesbildungsministerin Frau Bulmahn!) wurde schon 2001 von den bildungspolitisch Verantwortlichen von Bund und Ländern die gleiche Teilhabe von weiblichen und männlichen Mitbürgern an der Erweiterung des Berufswahlspektrums auf geschlechtsuntypische Bereiche für Jungen und Mädchen empfohlen. Diese Empfehlung sollte umgesetzt werden.

4. Eine solche Erweiterung würden die Bestrebungen unterstützen, den Männeranteil an den Schulen zu erhöhen. Der geringe männliche Lehreranteil vor allem in den Grundschulen (etwa 15%) wird auf Grund des Fehlens männlicher Vorbilder und An-sprechpersonen als eine Ursache der besonderen Bildungsschwäche und mangeln-den sozialen Kompetenz der Jungen gesehen.

5. Ein Einblick in Sozial- und Erziehungsberufe würde männlichen Jugendlichen nicht schaden, sehr wohl aber die Erkenntnis, dass die Verantwortlichen ihnen nicht oder bestenfalls nachrangig helfen wollen.

6. Die Ausgrenzung von Jugendlichen aus bildungspolitischen Maßnahmen auf Grund ihres Geschlechtes verstößt gegen den Gleichberechtigungsgrundsatz und gegen die neue Geschlechterpolitik, den „Gender Mainstreaming-Ansatz“, nachdem alle politischen Maßnahmen im Hinblick auf Nutzen für weibliche wie männliche Mit-bürger auszurichten.

7. Auf Grund der schlechteren Bildungsabschlüsse der Jungen und der höheren männlichen Jugendarbeitslosigkeit ist kein Sinn erkennbar, in Deutschland Jungen bei Bildungsmaßnahmen zu diskriminieren.

8. Die immer mehr werdenden Einzelinitiativen entschuldigen nicht die fehlende ein-heitliche Organisation und Budgetierung auf Bundes- oder Landesebene (außer Brandenburg), wie sie im Gegensatz dazu bei den Mädchenaktionen schon jährlich fester Bestandteil ist, sondern täuschen nur über das Desinteresse von Bund und Ländern an einer Chancengleichheit auch für Jungen bei der Berufswahlerweiterung auf geschlechtsuntypische Berufe hinweg.

... 9., 10., 11., ...

Martin, Wednesday, 24.03.2004, 20:28 (vor 7989 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Girls-Day - Ein Diskriminierungstag für Jungen? von Bruno am 22. März 2004 12:35:41:

9. Es gibt auch viele Jungen, die ein schlummerndes Interesse für Natur und Technik haben aber sich nicht an diese Gebiete rantrauen. Die haben unabhängig von irgendwelchen Geschlechterverteilungen in diesen Berufsfeldern genau so gefördert zu werden wie die Mädchen.

10. Es gibt auch viele Mädchen, die in diesen Gebieten schon bestens bewandert sind und keine Spezialförderung mehr brauchen.

11. Wenn bei solchen Aktionen schon Vorauswahlen getroffen werden müssen (warum?), dann nach individueller (und nicht nach vermeintlich geschlechtlich bedingter) Bedürftigkeit.

Martin

Mein Schrieb:

Martin, Monday, 29.03.2004, 02:44 (vor 7984 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Girls-Day - Ein Diskriminierungstag für Jungen? von Bruno am 22. März 2004 12:35:41:

Hallo! Hier meine Einlassung:

Offene Anmerkungen / -fragen zum „Girls-Day“

Sehr geehrte Damen und Herren,
wieder mal steht das (der?) „Girls-Day“ an.
Was mir daran gefällt:
Schüler können in der Wirtschaft und in der Wissenschaft Eindrücke und Inspirationen sammeln, die wichtig für den Berufsentscheid sind. Sie erhalten Einblick in Berufsfelder, die einigen von ihnen vorher unbekannt waren und für die sie Interessen entwickeln können. Und das Ganze unabhängig von bereits entwickelten Vorinteressen, Lieblingsfächern, schulischen Leistungen und sozialen Kompetenzen. Sprich, auch, wer in Mathe und Physik bereits sehr gut ist und gewohnt ist, alles immer selber zu organisieren, darf mit.
Was mir daran nicht gefällt:
Es ist nicht auch unabhängig vom Geschlecht! Die Aktion ist nur für Mädchen, Jungen müssen draußen bleiben!
Die überdurchschnittlich guten Schulabschlüsse von Mädchen würden sich nicht in entsprechenden Studienzahlen, Diplomen und Promotionen niederschlagen, heißt es, und auch, dass die Industrie dringend Nachwuchskompetenz brauche, die in den Mädchen schlummere und die daher explizit ermuntert werden müssen.
Nun gibt es unbestreitbar auch zahlreiche Jungen, in denen versteckte Interessen stecken, die zum Vorschein kommen, wenn man sie entsprechend stimuliert. Oder solche, die genau so Anschauungsunterricht gebrauchen können wie (manche) Mädchen. Oder welche mit hervorragenden Schulnoten, ohne ein entsprechendes Studium zu ergreifen.
Ich kann eigentlich nicht finden, dass eine etwaige Disproportionierung der Geschlechter unter den genannten Merkmalen oder in den „Zielberufsfeldern“ es rechtfertigen, dass die Teilnehmer an dieser Veranstaltung nach Geschlecht ausgewählt werden.
Ich hätte gerne gewusst, warum alle Mädchen zurecht an diesem interessanten Aktionstag teilnehmen dürfen, alle Jungen aber, nur wegen ihres Geschlechtes, nicht. Innerhalb jedes der beiden Geschlechter gibt es unterschiedliche Interessen und Charaktere. Dass diese unter den Geschlechtern etwa ungleich verteilt sind, rechtfertigt doch keine derartige Ungleichbehandlung einer Hälfte der Schüler!
Kann die bedürftige Wirtschaft auf die Rekrutierung und die Motivierung von männlicher Kompetenz verzichten? Schadet es Mädchen, wenn auch Jungen in diese Branche drängen, zumal wenn diese wächst? Sollen in Natur und Technik Frauenquoten geschönt und nicht durch störenden männlichen Nachwuchs verwässert werden? Sollen dort attraktive Arbeitsplätze für Frauen warm gehalten werden? Sollen einschlägig interessierten und begabten Jungen Scheuklappen angelegt werden, indem man sie nicht auch noch mit der Nase auf ihre Möglichkeiten stößt?
Und nicht zu vergessen den psychologischen Aspekt: Bei dieser Aktion wird Jungen, zumal sensiblen (jawohl, sowas gibt’s zur Genüge) eindrucksvoll klar gemacht, dass Mädchen gesucht werden und Jungen verzichtbar sind, zweite Wahl eben, wenn überhaupt.
Ich weiß nicht, ob solche Holzhammermethoden den sicher komplexen Ursachen einer etwaige unerwünschten Geschlechterungleichverteilung in den Zielbereichen gerecht werden!
Warum dürfen Jungen nicht zum Aktionstag?
Bitte dringend um Stellungnahme zu den Punkten. Danke!
Viele Grüße
Martin XY

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