Männerfeindlich
Zur Abwechslung mal eine Glosse aus der WELT von Mariam Lau, in der zwar inhaltlich nichts neues drinsteht, deren Anlaß (Charles/Diana) auch eher ephemer ist, in der aber immerhin einmal in einer breiten Öffentlichkeit explizit ausgesprochen wird, daß das gegenwärtige Meinungsklima männerfeindlich ist. Lustig, daß so etwas meist in Publikationen von Frauen steht. Wohl weil Männer es immer noch für unfein halten, sich zu beklagen.
Männerfeindlich
Kommentar
von Mariam Lau
Stolz präsentiert der amerikanische Fernsehsender NBC jetzt einem Millionenpublikum den neuesten Enthüllungs-Coup: Vor laufenden Kameras spricht Prinzessin Diana von den Qualen ihrer Ehe mit Prinz Charles; wann sie von seiner Affäre mit Camilla Parker Bowles erfuhr, wie schlecht ihr dabei wurde, wie hundsgemein alle zu ihr waren und, exakt, wie wenig sie anschließend essen konnte. "Ich warf mich selbst die Treppe hinunter, obwohl mir bewusst war, dass ich ein Kind erwartete", erklärt sie auf den neu entdeckten Tonbändern und: "Mein Mann gab mir das Gefühl, in jeder Beziehung unzureichend zu sein. Jedes Mal, wenn ich auftauchte, um nach Luft zu schnappen, drückte er mich wieder hinunter."
Wie Prinz Charles auf die Idee kommen konnte, eine Frau, die sich nicht richtig ernähren kann, sich schwanger die Treppe hinunterstürzt und Probleme mit der Atmung hat, für unzureichend zu halten, wissen wir natürlich auch nicht. Dass aber die Passionsgeschichte der schmerzensreichen Lady Di in die immer länger werdende Sammlung von männerfeindlichen Mythen gehört (gleich neben den Film "Monster" oder den weltumspannenden "Vagina Monologen") - das wissen wir. Dass Tony Blair die Queen zwingen wollte, bei Dianas Beerdigung dem großen Fluss der Tränen noch ein paar königliche hinzuzufügen, statt die steife Oberlippe zu bewahren, die ihr das Amt vorschreibt, macht die Sache nicht besser. Es zeigt, dass Männerfeindschaft inzwischen zum Common sense gehört, so wie die Abneigung gegen Globalisierung, gegen George W. Bush, gegen Militarismus, gegen den "Schönheitswahn" und so weiter. Diana war keine glückliche Frau, und sie hat sich vorgestellt, eine Heirat mit einem Märchenprinzen könnte das ändern. Dass es so nicht kam, kann man nicht Old Segelohr in die Schuhe schieben, geschweige denn den Männern in toto.
Artikel erschienen am 6. März 2004
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- Männerfeindlich -
Simon,
15.03.2004, 19:29
- Re: Männerfeindlich -
Odin,
15.03.2004, 20:30
- Re: Männerfeindlich -
Max,
15.03.2004, 21:34
- Re: Männerfeindlich - Rüdiger, 15.03.2004, 23:26
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Max,
15.03.2004, 21:34
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Odin,
15.03.2004, 20:30