Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Kölner Stadtanzeiger: hab den Artikel vorliegen! :-)

Arne Hoffmann, Thursday, 11.03.2004, 18:07 (vor 8002 Tagen)

Howdy,

der Kölner Stadtanzeiger hat mir freundlicherweise den Artikel vom letzten Wochenende zugemailt. Ich kann ihn vermutlich nicht komplett hier reinstellen wg. Copyright und kann ihn nur ganz flott zusammenfassen, weil ich gleich zu einem Chumbawamba-Konzert los möchte. :-)

Der Beitrag ist auf jeden Fall wirklich lang und, wie ich finde, sehr gelungen. Als Autorin zeichnet Kirsten Bürgstein.

Titel: "Symbolische Zielscheiben".

Anreißer: --- "Je länger ich über Männer nachdenke, desto mehr fühle ich mich zu Hunden hingezogen." Der Satz ist käuflich zu erwerben als Keramikschild in einem Kramladen des gehobenen Anspruchs. (...) In der Talkshow "3 nach 9" berichtet Enie van de Meiklokjes, dass sie Männern, die sie ansprechen, gern mit der Handtasche eins überzieht, weil Männer mit Worten nicht kapieren, dass sie ihre Ruhe will. Einzig eine Pornodarstellerin wirft ein, dass sie auch Gewalt gegen Männer ablehne. Auf einem aktuellen Werbefoto der Kette Strauss posiert ein Frauenfuß in High Heels mit der messerspitzen Hacke auf dem kahl rasierten Nacken eines Mannes. Auf einem Schulhof der Region erzählt Johannes (9) seinem Freund einen Witz: "Warum bekommen Männer kein BSE? - Männer sind Schweine." Liebe Leser! Die Auswahl dieser Beispiele ist willkürlich, aber typisch. Sie zeigt Männer in der öffentlichen Darstellung, Männer aus heutiger Sicht. Ersetzen Sie jetzt in den Beispielen "Männer" durch "Frauen" und lesen Sie noch einmal. Ein Witz? Die US-Amerikanerin Daphne Patai schreibt: "Es fällt schwer, sich heute eine andere Gruppe von Menschen vorzustellen, die dermaßen krass in der Öffentlichkeit niedergemacht werden, ohne Protest zu erheben." ---

Es folgt ein Hinweis auf mein Buch und seine zentralen Thesen über Männerdiskriminierung in unserer Gesellschaft. Die brauch ich eh nicht mehr ausführen, sind hier ja bekannt. Auch der Trendforscher Matthias Horx kommt ausführlich zu Wort mit seiner Analyse, in den Medien würden Männer zunehmend als Trottel dargestellt.

Bürgstein befindet: --- Das Denken in diese Richtung fällt tatsächlich schwer. Es ist ungewohnt. Brauchen Männer wirklich eine Lobby, oder sind Autoaufkleber wie "Ich bremse auch für Männer" nur ein schlechter Scherz unter vielen? (...) Egozentrisch, dumm, lächerlich, Muttersöhnchen oder Krimineller, Brutalo, Langweiler oder Loser - in Film und Fernsehen, Werbung und Presse wimmelt es von männlichen Negativbeispielen. (...)
Frauen dagegen glänzen lässig in der Rolle des Superweibs, morgens um sechs so strahlend wie nachts um zwölf, die alles wuppen und dabei immer blendend aussehen. Frauen sind auf dem Vormarsch, auch in der Fernsehunterhaltung: Keine Woche vergeht ohne eine neue Kommissarin, ohne neue Engel für Charlie. Frauen schlagen, ballern und treten wie ein Mann, sind im Ganzen aber cleverer. Hier zeigt sich, dass ihnen auch die Übernahme männlicher Untugenden nicht übel genommen wird: Ellenbogenkultur, Rücksichtslosigkeit oder Gewaltanwendung sind eher Ausdruck einer selbstbewussten, starken Persönlichkeit und kommen besonders gut an, wenn sie sich gegen die Männer selbst richten. Etwa beim gezielten Tritt zwischen die Beine. Der zeugt von Charakter. (...) ---

Es folgt ein Verweis darauf, dass das TV-Nachrichtenprogramm inzwischen fest in Frauenhand sei: --- So werden fast alle großen Politmagazine und politischen Talkshows mittlerweile von Frauen moderiert. Sabine Christiansen, Maybritt Illner, Sandra Maischberger, Anne Will, Marietta Slomka tummeln sich auf besten Sendeplätzen und erklären uns mit Gästen oder ohne die Welt. --- Frauen gälten als ehrgeiziger, gewiefter, durchsetzungsstärker, kreativer und emotional intelligenter.

Bürgstein weist auf die Bevorzugungen hin, die der Feminismus für das weibliche Geschlecht erkämpft hat: --- Frauenquote, Frauenbeauftragte, Frauenparkplätze, Frauennachttaxi, Frauenhäuser, Frauenforschung, Frauengesundheitszentren, Frauennotrufe, Frauenministerium zeugen davon. Männliche Äquivalente fehlen. ---

Im folgenden kommt sie auf die Benachteiligung von Männern im Gesundheitswesen, ihren Einsatz in gefährlicheren Berufen und ihre höhere Zahl unter den Gewaltopfern zu sprechen, die ihnen ein sieben Jahre kürzeres Leben einbringe. Sie legt dar, inwiefern es Männern insgesamt auch psychisch schlechter gehe. Ein Fazit: --- Der Erwartungsdruck ist enorm. Männer sollen stark sein, aber keine Rambos, ein bisschen Schwein, aber keine richtige Sau, sie sollen sensibel sein, jedoch keine Sensibelchen, Gefühle zeigen, aber nicht zum Softie mutieren, sie sollen Frauen auf Händen tragen, aber sich nicht überlegen fühlen, sie sollen Männer sein, nur was ist das? ---

Nächster Teil: Benachteiligung von Jungen im Schulsystem. Unter anderem Bezug auf eine "Geo"-Titelgeschichte zu diesem Thema.

Bürgstein: --- Die Abwertung von Jungen und damit auch von Männern findet sich auch an Stellen, an denen man sie nicht erwartet. Etwa auf Plakaten des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend. --- Es geht um die Plalatkampagne vor zwei Jahren über misshandelte Kinder. Mädchen wurden als Opfer und Jungen als zukünftige Täter dargestellt. Professor Amendt kommt hierzu zu Wort: "(Diese Plakate) bringen unumwunden zum Ausdruck, dass Sie sich nicht für die Seelen der Jungen in der Gegenwart interessieren, sondern nur dafür, wie geschlagene Jungen zu gefährlichen Männern der zukünftigen Generation werden. Die zu Ende gedachte Logik des Plakats gipfelt darin, dass Jungen eigentlich geschlagen werden dürften, wenn nicht die Gefahr damit verbunden wäre, dass sie als Männer weitergeben würden, was ihnen angetan wurde." Das weise auf ein konservatives Männerbild hin: Männer hätten zu funktionieren, und wenn nicht, könne man nichts mit ihnen anfangen. Auch bei der Bekämpfung von sexueller Gewalt sei vielfach nur von Mädchen die Rede.

Nächster Abschnitt: Väterfeindlichkeit. Männer als Samenspender und Zahlväter für Frauen, die ein Kind, aber keinen Partner wollen. Weniger Rechte für Väter nach der Trennung. Renate Schmidt: Väter seien keineswegs die schlechteren Mütter. Väteraufbruch: Geschätzte zwei Millionen Väter würden nach einer Trennung daran gehindert, ihre Kinder zu sehen. Verweis auf die aktuelle Studie des Instituts für Geschlechter- und Generationenforschung über Scheidungsväter. Erwähnt wird auch eines ihrer Nebenergebnisse: --- Gewalttätigkeiten wie Faustschläge, Fußtritte oder Ohrfeigen - in der Trennungsphase bei jedem dritten Paar Realität - gingen zu 60 Prozent von Frauen aus. --- Erwähnung der WDR-Sendung "Lebensart", in der männliche Opfer von Frauengewalt porträtiert wurden. Eine Kriminologin der Landes-Polizeischule Berlin, Cordula Albrecht, wird damit zitiert, dass männliche Opfer durch Frauen erlittene Gewalt kaum öffentlich machten: --- In annähernd 50 Prozent der Fälle, so Cordula Albrecht, die zu diesem Thema Seminare für Polizisten gibt, ginge häusliche Gewalt von Frauen aus. 95 wissenschaftliche Untersuchungen, 79 empirische Studien und 16 vergleichende Analysen führt Arne Hoffmann an, die zu demselben Ergebnis kämen. Zu lesen, zu hören ist davon nichts. ---

Beim Fazit des Artikels komme wieder ich zu Wort: --- "Männer, die sich beklagen, gelten als Jammerlappen oder als chauvinistisch und frauenfeindlich." Dabei sei nicht ein "Opferwettstreit" das Ziel neuer Männerbewegung, sondern Beachtung zu finden als Geschlecht, das sich subjektiv benachteiligt fühle und auch objektiv benachteiligt würde. ---

Wie gesagt, das ist nur eine knappe Zusammenfassung.

Doch, insgesamt sehr gelungen. :-)

Herzlicher Gruß

Arne


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