Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Rote Männer Info Nr. 64

Odin, Tuesday, 24.02.2004, 15:00 (vor 8018 Tagen)

RoteMänner!
Waisen aus dem Abendland!
Weise aus dem Morgenland!

„Bei den biblischen drei Weisen aus dem Morgenland kann es sich auch um Frauen gehandelt haben. Zu diesem Schluss kam die anglikanische Kirche von England und Wales bei ihrer Generalsynode in London.“ http://www.taz.de/pt/2004/02/11/a0226.nf/text Schockschwerenot! Jetzt werden die letzten Domänen der Männer, die wenigen verbliebenen Refugien ihres Stolzes, auch noch geschleift. Aber nimmt es Wunder? Natürlich waren Kaspar, Melchior und Balthasar keine Männer. Was hätten die auch draußen in der Wüste tun sollen? Vielmehr waren die drei mit so wohlklingenden Frauennamen ausgestatteten Flanierer nichts anderes als drei sächsische Touristinnen auf der Suche nach einem Factory Outlet Center, in dem man angeblich Schuhe von „Eccö“ zum halben Preis erwerben konnte. Das hatten sie jetzt nicht gefunden, gut. Stattdessen hatten ihnen ein paar Beduinen für teuer’ Geld Modeschmuck und Weihrauchkerzen angedreht. Die haben sie dann versehentlich in einem Unterstand liegen gelassen, wo gerade ein paar Obdachlose mit Kind hausten. Theologie ist bekanntlich eine wunderbare Sache: Man muss es einfach nur glauben!

Die hessische Landesregierung plant, Lehrerinnen im Rahmen eines „Mentoring-Projekts“ (dummdeutsch für weniger sachlich als soziologisch begründete Beförderungen) stärker für die Übernahme von Führungspositionen in Schulen zu motivieren. Es sei kein Geheimnis, so Staatssekretär Jacobi, dass Frauen der "Karrieresprung" bislang seltener gelingt, aber auch seltener angestrebt wird. Na, da wird sich doch was machen lassen! http://www.kultusministerium.hessen.de/default.asp?URL=http%3A//www.kultusministerium.hessen.de/NewsnPress/chrono.asp

An einer Schule in Lüneburg hat man andere Probleme: Vor dem Lehrerzimmer lag morgens ein Kuchen, und mittags kamen die ersten Lehrer ins Krankenhaus. Es stellte sich heraus, dass das das Zeug wohl eine nicht unbeträchtliche Menge Haschisch enthielt. http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0188.nf/text Merkwürdige Menschen, diese Lüneburger Heiden, dass sie jeden Kuchen vertilgen, der vor ihrer Tür liegt. Aber: „Gewundert hatte sich niemand über das Backwerk vor der Tür, denn das Kuchenbacken hat an der Schule Tradition.“ Dass dies die Folge eines Mentoring-Projekts ist, wurde jedoch dementiert, weil der später ermittelte Übeltäter ein 19jähriger männlicher Weißer war, der damit alle notwendigen Voraussetzungen für eine brilliante Verbrecherlaufbahn mitbringt. http://www.taz.de/pt/2004/02/17/a0119.nf/text Den naschhaften Lehrerinnen und Lehren geht es übrigens inzwischen wieder bestens. Wieso auch nicht.

Zurück zu den Frauen in Lehre und Forschung. Bemerkenswertes förderten Daten der EU zutage: „Obwohl gut die Hälfte der in der Europäischen Union (EU) lebenden Menschen weiblichen Geschlechts sind, lag im Jahre 2001 ihr statistischer Anteil beim wissenschaftlichen Personal in Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Behörden und den Universitäten bei lediglich 27 Prozent. (…) Je mehr die Forschung mangels finanzieller Unterstützung darben muss, umso höher ist der Frauenanteil.“ Da fragt man sich, ob der Verzicht auf Mentoring vielleicht die beste Form der Frauenförderung wäre. Auch wenn der Zusammenhang einen vor Rätsel stellt! Aber schließlich wissen wir jetzt, dass „gut die Hälfte“ der Menschen bei uns Frauen sind. Wer hätte das gedacht? Lang leben die Statistik-Koryphäen der EU! http://www.taz.de/pt/2004/02/13/a0326.nf/text

Aus einer Lokalausgabe der „Rheinischen Post“ (leider kein Link) erreichte uns dieser Kernsatz der frauenbewegten Anwältin Jutta Dubberke: „Frauen sind bei anstehender Trennung oder Scheidung erschreckend uninformiert.“ Wenn die Dame erst wüßte, wie uninformiert viele Männer beim Heiraten sind, wäre sie wahrscheinlich versöhnt. Aber Frau Dubberke weiß auch Erfolge zu feiern: „Zum Beispiel haben sie in Düsseldorf dafür gesorgt, dass im Gerichtsgebäude ein ‚Zeugen-Zimmer’ eingerichtet wurde. Dort können sich die als Zeugin Geladenen, die meistens auch Opfer sind, ungestört auf die Verhandlung vorbereiten.“ Wir wollen gar nicht wissen, wer oder was in diesem Zimmer schon alles gezeugt worden ist, aber zu gerne wüßten wir doch, ob in diesem Etablissement nur Frauen Zutritt haben (die bekanntlich „meistens auch Opfer sind“), um sich möglichst plausible Aussagen zurecht zu legen.

Jedes Jahr pünktlich zur Berlinale stellt die „Zeit“-Redakteurin Katja Nicodemus fest, dass gerade in diesem Jahr besonders die Frauen im Kommen sind. Auch diesmal wieder: Einen „Feldzug der Frauen“ diagnostizierte sie dem Berliner Filmfestival heuer, ähnlich wie auch im vergangenen Jahr. http://www.zeit.de/2004/07/Berlinale-Preview Jeder Film, in dem auch eine Frau mitspielt, wird dann zum Quasi-Frauenfilm hochgejubelt. Zu Minghellas „Cold Mountain“ kommentiert Nicodemus unter anderem: „Während North Carolinas Männer auf den Schlachtfeldern des Sezessionskrieges sterben, müssen die Frauen sehen, wo sie bleiben.“ Na eben, Männer sind eben nie dort, wo man sie braucht, sie hängen in Kneipen rum, stieren auf die Fußballübertragungen im Fernsehen und krepieren auf Schlachtfeldern. Ganz anders die Frauen. Aileen Wournos etwa, die Serienkillerin aus Florida, deren „erster Mord zum eruptiven Gegenschlag eines geschundenen und zerschlagenen Wesens“ wird, und deren „bosenlose Sehnsucht und Verletzlichkeit“ der Film „Monster“ ausdrücke. Frau Nicodemus’ Mitgefühl gilt der Killerin und nicht ihren Opfern, denn das waren ja nur Männer. Man darf vermuten, dass der Film diese Perversion tatsächlich hergibt. Schließlich resümiert die Autorin: „Angesichts dieser weiblichen Feldzüge und Amokläufe entsteht das merkwürdige Gefühl, dass die Welt erst zur Gewaltwüste der Männer werden muss, bevor eine Frau zur Waffe greift.“ Liebe Frau Nicodemus, wenn Sie ein Mann wären, würden wir Ihnen raten, sich ganz dringend mal ordentlich einen blasen zu lassen.

Ebenfalls in der Zeit, eine Ausgabe weiter am 12. Februar und leider nicht online, stellte Jörg Lau fest, der Film „Was das Herz begehrt“ sei, so der Titel des Beitrags, – „Männerfeindlich“. Der Film rutsche immer wieder in „kleinliche und ziemlich männerfeindliche Moralistik ab“ und entwickele sich zu einer moralinsaueren Geschichte einer Läuterung. „Nicht genug damit, dass die Mutter ihrer Tochter den nicht altersgemäßen Liebhaber wegnimmt. Sie muss den albernen Playboy erst so richtig erniedrigen und bloßstellen, bis er seine Bindungsunfähigkeit erkennt, bereut und überwindet. Frauen sind moralisch und erotisch auf der sicheren Seite, Männer aber müssen erst handkastriert werden, bis Frauen sie in ihrem Leben aushalten können.“ Na bitte, geht doch.

„Die UN-Resolution 1325 zur stärkeren Beteiligung von Frauen bei Friedensprozessen harrt der Umsetzung.“ Wir hoffen, euch ist klar, was das bedeutet – und wo hier wieder geschlampt worden ist! „...weitgehendes Versagen bei der Umsetzung der Resolution... Fast dreieinhalb Jahre nach Verabschiedung seien kaum Fortschritte zu verzeichnen.“ Dann ein gedanklicher Sprung, der einfach nur bewunderungswürdig ist: „Im Irak zum Beispiel, so die Direktorin der Frauenliga, könnten die Frauen kaum mehr das Haus verlassen, weil ‚Kidnapping, Vergewaltigungen und Frauenhandel seit dem Krieg massiv zugenommen haben’. Auch innerhalb des UN-Systems gäbe es immer noch kaum Frauen auf höheren und hohen Posten, beispielsweise sei nur eine von 50 Sonderbotschaftern eine Frau.“ Das steht so ungekürzt in der „taz“! Naiv wie wir sind, fragen wir da noch nach einem Zusammenhang zwischen der Gefahrenlage für Frauen im Irak und der Zahl weiblicher UN-Botschafter. Kann etwas unsere Verstocktheit noch deutlicher machen? Zumal „taz“-Autorin Ute Scheub mit so einem guten Beispiel für die besondere Eignung von Frauen in Friedensverhandlungen am Beispiel Kenia aufwartet: „Frauen könnten eine wichtige Rolle bei Verhandlungen zwischen verfeindeten Clans spielen, weil sie zum Clan ihres Vaters und später ihres Ehemanns gehörten, also im Grunde ‚clanlos’ seien.“ http://www.taz.de/pt/2004/02/09/a0116.nf/text

Unterdessen kündigte der Bundesverteidigungsminister ein Gleichstellungsgesetz für die Bundeswehr zum Jahresende an, das insbesondere „Teilzeitbeschäftigung bei den Streitkräften“ ermöglichen soll. Das müssen wir uns vermutlich so vorstellen wie bei „Asterix bei den Briten“: Mitten in der Schlacht ließen die Insulaner zur Teestunde alles stehen und liegen und verloren ihr Land an die Römer. Ich muss schon sagen! Das war nur fast so lustig wie die Idee der Bundesregierung von den in Teilzeit kriegführenden Mütter und Väter, nachzulesen in der Bundestagsdrucksache 15/2455. Man möchte hoffen, dass die marodierenden Clans und Terrorgruppen sich an die neuen Regeln halten. Sicher wird bald eine machtvolle neue Resolution sie dazu aufrufen.

Heute fällt unsere Ausgabe wegen des Streiks der Hobbysetzer ein wenig kürzer aus. Andere Projekte erfordern in diesen Tagen unsere Schreibkraft. Gleichwohl mussten wir zu diesen Themen einfach was sagen:

1. Endlich machen die Frauen Ernst! Sie reden über Revolution und Auflehung gegen die patriarchalische Unterdrückung. In „Bild der Frau“ setzt sich Marie-Theres Kroetz Relin an die Spitze der Bewegung.

2. Magnus Klaue gibt’s dem Väteraufbruch so richtig und erklärt, warum dieser Verband nur im Jahr der deutschen Konterrevolution 1989 entstehen konnte. Männern, findet Klaue, stehen eigentlich keine Rechte zu, weil sie nämlich Tyrannen sind.

3. Aus einem Beitrag in der „Zeit“ über Attraktivität: Warum bei Männern die Ausbeulungen der Brieftaschen wichtiger sind als die des Hosenladens. Sehr aufschlussreich – wenn auch nicht unbedingt neu.

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FRAU KROETZ PLANT DEN GROSSEN FRAUENSTREIK!

Im „Bild der Frau“ vom 12. Januar 2004 lasen wir ein Interview mit der Schauspielerin Marie-Theres Kroetz Relin, die vor allem die Tochter von Maria Schell ist und außerdem eine feministische Rabiatesse. (Leider nicht online!) Dass Frauen nicht gleichberechtigt sind, geht nach Frau Kroetz daraus hervor, dass die UN-Weltmenschenrechtskonferenz 1992 in Wien schriftlich bestätigt habe, dass Frauen auch Menschen sind. „Ich frage mich: Was waren wir vorher? Es kann doch nicht sein, dass sich noch vor zwölf Jahren Männer ernsthaft
hingesetzt haben, um das festzuhalten.“ Das stimmt soweit. Aber wer hat denn damals den Antrag überhaupt eingebracht, solch einen Quatsch zu beschließen? Und was wäre passiert, wenn die Männer diesen hanebüchenen Unfug abgelehnt hätten mit den Argumenten, die Frau Kroetz jetzt anführt? Die Vereinten Nationen erkennen Frauen noch nicht mal als Menschen an, würde Frau Kroetz dann heute lamentieren. Wir kennen das Spiel: Was immer passiert, es belegt auf jeden Fall die Unterdrückung der Frauen.

“Jede 5. Frau in Deutschland bekommt eine Rente unter 300 Euro!“ behauptet Frau Kroetz weiter. Und jede Menge dumme Trienen, die regelmäßig „Bild der Frau“ lesen, werden es ihr wahrscheinlich nachpladdern. Unsere arme Bundesregierung kann nämlich machen, was sie will – sie gilt immer als unsozial. Dabei hat sie eine Art von Grundrente längst zum Gesetz gemacht: Wer wirklich nur 300 Euro im Monat zur Verfügung hat, bekommt automatisch die Aufstockung bis zum Sozialhilfesatz, und dessen Kaufkraft liegt heute immerhin höher als die des durchschnittlichen Einkommens eines Arbeiterhaushalts in den sechziger Jahren. Klar dass das nicht für Leute mit Vermögen gilt. Hat Frau Kroetz vielleicht die gemeint?
„Nach einer UNO-Studie verrichten Männer weltweit 1/3 der Arbeit, bekommen aber
90 Prozent der gezahlten Löhne. Ihnen gehört 99 Prozent des Welt-Vermögens! Total ungerecht." Ja wenn es denn so wäre! Aber über den zugrundeliegenden Arbeitsbegriff lachen sogar die Hühner. Und wenn uns die Vereinten Nationen dann auch noch sagen würden, wer das Geld schließlich wieder ausgibt (also darüber VERFÜGT), dann sähe die Welt sogar für Frau Kroetz schon wieder anders aus.

“Aber es gibt viele erfolgreiche Frauen!“ gibt „Bild der Frau“ zu bedenken. Das ist gemein, weil es den behaglichen Opferstatus relativiert. Aber Frau Kroetz weiß Rat: „... viele beruflich
erfolgreiche Frauen übernehmen dann die Haltung von Männern und schauen auf Hausfrauen herab. Diese Stutenbissigkeit ist traurig.“ Mit anderen Worten: Männer unterdrücken Frauen, aber wenn Frauen nicht unterdrückt werden, sind es in Wirklichkeit auch gar keine richtigen Frauen, sondern verkappte Männer. Jeder, der es irgendwie zu was bringt, und dem dadurch eine Machtposition zukommt, ist damit dann schon per se ein „Mann“, auch ohne Schwanz! Aus der Gleichung „Frauen = Opfer“ wird schlüssig abgeleitet „ohne Opfer keine Frau!“ Oder in Anlehnung an Bob Marley: No cry, no woman! Für den feministischen Viktimismus ist das sehr nützlich.

Was raten Sie einer Frau, die weniger verdient als ein Kollege? „Ich kann in diesen Zeiten nicht raten: Wehr dich. Weil sie im Zweifelsfall den Job verliert.“ Und mal wieder nett drumherum geredet, dass das tarif- und arbeitsrechtlich gar nicht drin ist. Frauen verdienen deswegen weniger als Männer, weil sie ANDERE Arbeiten verrichten und sich mit niedriger dotierten Jobs zufrieden geben, und NICHT weil sie ALS FRAUEN weniger Lohn erhalten. Aber wen kümmert’s?

Dann kommt die Superfrage: „Wie wäre es mit einer Frauenrevolution?“ Frau Kroetz bricht aber nicht in schallendes Gelächter aus und veralbert ihre Interviewerin, sondern antwortet artig: „Ich plane einen Streik, der kommt irgendwann. Mit Männern eine Revolution zu starten, wäre kein Problem. Eine Frauenrevolution ist viel schwieriger. In unseren tiefsten
Ur-Instinkten wollen wir die Gute sein. Zudem machen wir uns gegenseitig fertig. Schluss damit! Nur durch mehr Frauen-Solidarität wird’s irgendwann Gleichberechtigung geben.“ Hier haben wir gleich Alles auf einmal was einen gelungenen Verblödungsfeminismus ausmacht. Bei Loriot hieß es noch „Wir bauen ein Atomkraftwerk“, bei Frau Kroetz dagegen „Wir machen eine Revolution.“ Klasse! Ein Frauenstreik wäre tatsächlich nicht schlecht. Wir sind gespannt, wieviele Busse und Bahnen dann NICHT fahren werden, wieviel Müll in den Straßen liegen bleibt, wieviele Defekte NICHT behoben werden, wenn Frauen mal streiken. Vielleicht ginge ja auch alles ein wenig leichter, wenn endlich mal niemand mehr „die Gute“ sein wollte!

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ÖDIPUS „KONKRET“

ODER „DIE ERFREULICHEN POTENTIALE DER VON TYRANNISCHEN OBERHÄUPTERN BEFREITEN VATERLOSEN FAMILIEN“

Das poststalinistische Politmagazin „Konkret“ zeichnete sich in den siebziger und achtziger Jahren dadurch aus, dass hier der „real existierende Sozialismus“ eines seiner wenigen von DKP und DDR unabhängigen Foren hatte. Zwischendrin durften auch immer einige unabhängige Vorzeigelinke der alten BRD schreiben, solange sie die DDR nicht kritisierten. Man pflegte dabei einen manchmal durchaus erfrischenden, aber verbalradikalen Stil. Die Beiträge spiegelten insofern das „andere“ Westdeutschland. Was oft lesenswert war. Die politischen Korrektheiten der Siebziger, die noch konservativ bis reaktionär geprägt waren, ging man frontal an. Die politischen Korrektheiten aus der DDR dagegen eher rektal. Wer das Monatsmagazin eine Weile gelesen hatte und selbst kein Fan des breschnjew’schen Realsozialismus war, fand irgendwann eine nicht ganz unwesentliche Seite der internationalen Realitäten und der vorhandenen Formen von Unterdrückung ausgeblendet. Mit der Zeit ging einem das auf den Sack. So sexy war Honnecker auch nicht! Und die eine Form repressiver Korrektheit gegen eine andere auszutauschen, war für viele Linke nicht das Gelbe vom Ei. Aber ansonsten bedient „Konkret“ bis heute einen eher anspruchlosen linken Mainstream, der sich vor allem dadurch hervortut, dass er alles, was nicht seinem Politikverständnis entspricht, gern für „neoliberal“ erklärt. Oskar Lafontaine schreibt nur deswegen nicht in „Konkret“, weil er bei der „Bild-Zeitung“ mehr Leser hat und Geld kriegt. Und das obendrein mit kürzeren Beiträgen.

Jetzt endlich nahm sich „Konkret“ allgemein der männlichen Feminismuskritik und im Besonderen des „Väteraufbruchs“ an. Das liest sich dann bei „Konkret“-Autor Magnus Klaue so: „Der ‚gebrauchte Mann’ ist ein Skandalon, die ‚gebrauchte Frau’ jedoch, von der Hausfrau über die Mutter bis zur Prostituierten, hat keine Lobby nötig.“ Klaue hat also besonderes Verständnis für solche Frauen, die die EIGENE Lobby in der beflissenen Gewissheit ignorieren, selbst exklusiv Opfer zu sein, und die einen kleinen und politisch bedeutungslosen Verein mehr oder weniger rechtloser Väter zur veritablen „Lobby“ hochstilisieren, obwohl der im Gegensatz zu „VAMV“, „Frauenrat“ oder dem Juristinnenbund weder Subventionen und in der Regel auch keine Aufmerksamkeit erhält.

Vielleicht war Klaue einfach nur besoffen, als er den Beitrag schrieb. Jedenfalls hat er eine sehr abenteuerliche Erklärung für das Gründungsdatum des „Väteraufbruchs“: „Entstanden ist ‚Väteraufbruch’ (…) nicht zufällig 1989, als familienpolitischer Startschuß zur flächendeckenden Restauration nach der Wiedervereinigung. Da gesellschaftliche Unterdrückung seither bevorzugt als ‚Modernisierung’ verkauft wird, gibt sich auch ‚Väteraufbruch’ undogmatisch-kritisch. Die Intention, Frauen zu rechtlosen Objekten der Gattungsreproduktion zu erniedrigen, kommt nicht mit Macho- und Stammtischgehabe daher, sondern pocht auf jene Ideale von ‚Gleichberechtigung’ und ‚Differenz’, die von der Frauenbewegung der siebziger Jahre reklamiert worden sind.“

Für einen linken Fundamentalisten, dessen Weltbild stramm geordnet ist in „fortschrittliche Kräfte“ und „Reaktionäre“ eine folgerichtige Einschätzung, weil Frauen von vornherein zu Ersteren, Männer aber zu den Letztgenannten gehören (sofern sie sich nicht wie Meister Klaue in Unterwerfungsgesten ergehen.) Das Reich allumfassender Emanzipation, die DDR, befand sich gerade im Zusammenbrechen, da sahen die imperialistischen Machos ihre Chance gekommen. Endlich würden Honnecker, Krenz und Mielke, bekanntlich die konsequentesten Verteidiger der Frauenrechte, ihnen nicht mehr im Wege stehen! Denn genau 200 Jahre nach der Großen Französischen Revolution war das Jahr der allgemeinen Konterrevolution. Wir können euch also nur wünschen, liebe Freunde, dass euere Kinder nicht ausgerechnet 1989 geboren wurden! Oder wenn doch, dass es wenigstens keine Jungs sind. Wenn doch, lasst alle Hoffnung fahren, denn das können nur Faschisten werden! Möglicherweise sogar faschistische Drogenhändler und Serienkiller! Oder noch schlimmer: Sie könnten später Artikel schreiben wie Magnus Klaue.

Klaue meint also allen Ernstes, dass der Zerfall der DDR und das Entstehen einer Väterbewegung zwei Seiten einer Medaille sind. Und damit sind wir bei der Frage, was die Verteidigung der Rechte von Vätern mit der Rückkehr des Manchester-Kapitalismus zu tun hat. Wahrscheinlich muss man dazu Bebels Gassenhauer „Die Frau und der Sozialismus“ bemühen. Und in seinen Proseminaren wird der Schwätzer Klaue seinen Nachbarinnen was von „Basis- und Überbauphänomenen“ zuraunen. Manchmal springt dabei eine Nummer für ihn raus...

Es geht also auch um die fragwürdige Anbiederung der Linken an den Feminismus. Dabei haben diese – schon wieder! – nicht bemerkt, wie sie von den Unterstützern der Emanzipation zu Steigbügelhaltern eines neuen Herrschaftsverhältnisses geworden sind. Klaue hat damit auch überhaupt keine Probleme, teilt aus was das Zeug hält, unterstellt dem „Väteraufbruch“, den realen Kindesmissbrauch zu ignorieren oder sogar schönzureden, nur um den Begriff einer selbstgestrickten Definition von Kindeswohl unterordnen zu können. Überhaupt Kindeswohl, mit diesem Begriff bemäntelten diese von der „Sehnsucht vieler Scheidungsväter nach geheuchelter Harmonie, moralischem Ablaßhandel und ökonomischer Versklavung der Ex-Gattin“ geleiteten Irrläufer nur ihr perfides Eigeninteresse. Dass der Begriff Kindeswohl eine lange parlamentarische Entstehungsgeschichte während der Beratungen des Kindschaftsrechts von 1998 hat, weiß Klaue nicht einmal. Wozu auch recherchieren, wenn man bereits eine Meinung hat?

„Die erfreulichen Potentiale, die ‚vaterlose Familien’ ohne tyrannisches Oberhaupt den Kindern durchaus auch eröffnen, verleugnet ‚Väteraufbruch’.“ Wir kennen leider nicht die Vita des Magnus Klaue, und wissen auch nicht, mit welchen Vater- und Mutterfiguren er es in seiner Kindheit zu tun hatte. Das ist für ihn jedenfalls auch die einzig denkbare Erfahrung. Liebevolle Väter gibt es in der Welt des Ödipus Klaue nicht, sie sind immer nur das eine: tyrannische Oberhäupter. Fast mag einem dieser Autor leid tun, fast mehr noch die Zeitschrift „Konkret“, die inzwischen zum Werkstattbetrieb für mental gestörte Mittelstandsknülche geworden zu sein scheint. Aber vielleicht war das ja schon immer so und wir haben’s nicht gemerkt.

Wahrlich, wahrlich, im Väteraufbruch laufen, wie in allen anderen Vereinen, auch einige kuriose Gestalten herum, Querulanten und hier und da schlicht unangenehme Zeitgenossen. Aber Propagandisten der „Vater-Figur, die blinden Gehorsam verlangt und deren realer geschichtlicher Zerfall verdrängt wird“, haben wir dort eigentlich noch nicht getroffen. Klaue baut Popanze auf, um den Verein lächerlich zu machen und damit er in sein kleingeistiges Weltbild und ein dem Vulgärfeminismus entliehenes Männerbild passt. Belege oder sogar Zitate hat er keine, so dass er wahrscheinlich nicht einmal in die Homepage des Väteraufbruchs oder ein paar ausgewählte Texte reingeschaut hat. Dagegen reibt er sich ausgerechnet daran, dass sich der Väteraufbruch NICHT als Machotruppe präsentiert. Weil er das nicht ist, erscheint Klaue der Verein besonders verlogen: „Die Intention, Frauen zu rechtlosen Objekten der Gattungsreproduktion zu erniedrigen, kommt nicht mit Macho- und Stammtischgehabe daher, sondern pocht auf jene Ideale von ‚Gleichberechtigung’ und ‚Differenz’, die von der Frauenbewegung der siebziger Jahre reklamiert worden sind. Entsprechend versteht sich ‚Väteraufbruch’ als Männerbewegung und stattet sich mit der Rhetorik feministischer Politik aus, um sie gegen den Feminismus zu wenden.“

Wie ist denn sowas möglich, fragt sich der erstaunte Leser. Setzt nicht gerade das beim Feminismus eine seltsame Inkonsistenz voraus, dass seine spezifische Rhetorik sich so leicht gegen ihn selbst wenden lässt? Und ist die Voraussetzung dafür nicht jene hervorstechendste Eigenschaft feministischer Diskurse, ihre selbstgerechte Kasuistik? Damit kann man natürlich einem Autor nicht begegnen, dessen eigenes Argumentationsprinzip genau darin liegt.

Es ist die besondere Qualität dieses hirnfreien und geistlosen Pausenaufsatzes, dass er Männern in seiner logischen Konsequenz nicht nur zu untersagen versucht, sich über ihre Interessen zu verständigen; Klaue spricht Männern – und Vätern zumal! – von vorneherein auf einer rein moralisierenden Ebene alle Rechte ab: „Kein Recht den Tyrannen!“ Damit geht er sogar weiter als die meisten Feministinnen, und wahrscheinlich hält er sich deswegen für besonders „radikal“. (Im romantischen Weltbild solcher Seminaronanierer ist Radikalsein etwa dasselbe wie für einen muslimischen Fundamentalisten der Märtyrertod.) Klaue mag irgendwann noch dazulernen; vielleicht wird er selbst irgendwann mal Vater und erlebt das Schicksal derer, die er heute noch wortreich verhöhnt. Beinah’ wär’s ihm zu wünschen: Vielleicht emanzipiert er sich dann doch noch von seinem hypertrophen Ödipuskomplex. „Konkret“ dagegen bleibt auch im 15. Jahr nach dem Fall der Mauer eine antiliberale Gazette für radikalisierte Kleinbürger. http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=menshealth&jahr=2004&mon=02

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ERKENNTNISSE ÜBER ATTRAKTIVITÄT

Zum Schluss noch ein längeres Zitat aus der „Zeit“, die über Forschungen zu der interessanten Frage berichtete, wieso und welche Gestalten attraktiv erscheinen:

„Feldforscher hätten Hinweise darauf gefunden, dass Männer mit hohem Testosteronspiegel weniger Zeit in ihre elterlichen Pflichten investieren und öfter fremdgehen; Männer mit femininen Gesichtszügen seien dagegen gute Väter.
So weit die gute Nachricht für die Softies. Nun die schlechte: Der Geschmack von Frauen ändert sich im Lauf des Menstruationszyklus. Während des Eisprungs – wenn eine Befruchtung am wahrscheinlichsten ist – gelten plötzlich Macho-Typen als attraktiv, die aussehen wie der idealtypische Proletarier auf einem sozialistischen Propagandafoto. So liefert die Attraktivitätsforschung durchaus verwirrende Botschaften.
Der Evolutionspsychologe David Buss von der University of Texas in Austin bringt für Frauen – neben Kinderliebe und Testosteronhaushalt – noch einen weiteren Faktor ins Spiel. Nachdem er die Vorlieben bei der Partnerwahl in 37 Kulturen auf sechs Kontinenten untersuchte, kam er zu dem Schluss: Frauen bevorzugen Männer mit Macht und Geld. Den Stand finanzieller Ressourcen bewerten jedenfalls Frauen bei der Partnersuche doppelt so hoch wie Männer. Selbst beim Stamm der Bakweri in Kamerun fanden die Forscher diese Vorliebe für reiche Männer – obwohl dort die Frauen traditionell über mehr Eigentum verfügen.“ http://www.zeit.de/2004/07/N-Attraktivit_8at-neu

Wir schließen mit einem aktuellen Wort von Friedrich Küppersbusch: „Ich hatte schon letzte Woche besseres Wetter angeordnet und wünsche diesbezüglich nicht, noch mal enttäuscht zu werden.“ Das ist der alte Geist. Als Männer noch Männer waren.

In diesem Sinne beste Grüße
Euer RedManAlex
(24.02.04)

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