Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Teenager entdeckt, daß er entführt wurde

Odin, Thursday, 19.02.2004, 23:18 (vor 8022 Tagen)

Entführung vor 14 Jahren
Teenager entdeckt sein Suchbild

Ein 17-Jähriger im US-Bundesstaat Kalifornien hat nach 14 Jahren mit Hilfe
des Internets entdeckt, dass er als Kind von seiner Mutter aus Kanada
entführt worden ist. Nach Medienberichten fand der Schüler zufällig sein
eigenes Foto auf einer Webseite für vermisste Kinder.

Nach Polizeiangaben hatte der Vater des Jungen 1989 von einem Gericht das
alleinige Sorgerecht zugesprochen bekommen. Die Mutter floh dann mit dem
Kind erst nach Mexiko und schließlich nach Kalifornien. Jetzt soll der
Teenager mit seinem Vater wieder vereint werden, den er die ganze Zeit nicht
gesehen hat.

Den Berichten zufolge gab der Junge vor einem Jahr im Schulunterricht rein
zum Spaß seinen Namen in die Suchmaschine "Google" ein und landete so auf
der Webseite einer kanadischen Organisation, die beim Aufspüren
verschwundener Kinder hilft. Dort stieß er zu seinem großen Schock auf ein
Bild, das ihn als Dreijährigen zeigt. Der Teenager erzählte seinem Lehrer
von der Entdeckung, der daraufhin die Behörden verständigte.

Die Polizei verfolgte ein Jahr lang die Spur der Mutter und verhaftete die
45-Jährige schließlich in der vergangene Woche in Los Angeles. Sie soll nun
an die Behörden in Kanada ausgeliefert werden. Ein Polizeibeamter schilderte
im kanadischen Fernsehen, der Junge sei sehr bestürzt über die Verhaftung
seiner Mutter gewesen.

Vater Ron Steinmann sagte unterdessen, er habe sich Jahre lang Sorgen um
seinen Sohn gemacht. "Ich habe mich gefragt, ob sie ihn ins Krankenhaus
bringt, wenn er krank ist, und ob er zur Schule geht." Steinmann wartet nun
gespannt auf das Wiedersehen mit seinem Sohn in Kanada, den er nur als
Kleinkind in Erinnerung hat: "Ich bin mir darüber im Klaren, dass er
inzwischen erwachsen geworden ist."

Adresse:
http://www.n-tv.de/5216025.html

Ergänzung

Odin, Saturday, 21.02.2004, 15:00 (vor 8021 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Teenager entdeckt, daß er entführt wurde von Odin am 19. Februar 2004 21:18:07:

Spiegel

KINDESENTFÜHRUNG

Wie Orey seinen Vater im Internet fand

Von Markus Brügge

Sie war ständig auf der Flucht. Ständig darauf gefasst, dass man sie und ihren Jungen entdecken würde. Seit Giselle-Marie Goudreault ihren Sohn vor 15 Jahren entführte und mit ihm aus Kanada floh, war ihr Leben ein einziges Davonlaufen. Jetzt wurde die 45-Jährige verhaftet - ihr Sohn hatte sein Foto auf einer Webseite mit vermissten Kindern entdeckt.

Webseite der Missing Children Society of Canada: Suchte Orey nach seiner Herkunft?
Hamburg - Orey war drei Jahre alt, als seine Mutter hastig die Koffer packte und mit ihm fortlief. Weg aus Kanada, weg vor der Entscheidung des Richters, der ihrem Freund das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn zusprach. Seitdem war das Leben von Giselle-Marie Goudreault und ihrem Sohn eine einzige Odyssee: von Kanada nach Mexiko. Einige Jahre später dann nach Los Angeles. Sie heiratet zweimal, wird wieder geschieden.
Schließlich mietet sie ein kleines Apartment im San Fernando Valley. Gut 500 Dollar Miete muss sie im Monat zahlen, sie arbeitet in der Distriktverwaltung und geht nebenbei putzen, um über die Runden zu kommen. "Ihr ganzes Leben hat sich immer nur um ihren Sohn gedreht - sie ist eine tolle Mutter", sagt Rina Rio, ihre Vermieterin.

Dieser Sohn, Orey, wächst behütet auf, "überbehütet" sagen manche Nachbarn. Nie habe die Mutter ihn abends ausgehen lassen. Wenn er ein Mädchen kennen lernt, darf er sich nicht mit ihm treffen. "Seine Mutter war immer ein bisschen nervös und ängstlich", sagt Rusty Paramonove, der eine Zoohandlung führt, in der Orey einen Nebenjob hatte. "Er war ein guter Junge", erinnert sich Paramonove - "aber er wirkte auch immer ein wenig einsam und schien seinen Vater zu vermissen". Die Nachbarn und Bekannten wissen, dass es einen Vater in Kanada gibt, doch sie gehen von einer normalen Geschichte aus: Krise, Scheidung, die Mutter bekommt das Sorgerecht und zieht mit dem Kind weg. Von einer Entführung und der jahrelangen Flucht weiß im San Fernando Valley niemand.

Am allerwenigstens der Junge selbst. Orey erfährt von dem Mann, der sein Vater ist, über das Internet. Wie der 17-Jährige auf die Webseite der Missing Children Society of Canada gelangt, auf der sein Foto und sein richtiger Name stehen, weiß bis heute niemand. Vielleicht sucht er tatsächlich nach seiner Herkunft und seinem Dad, vielleicht ist es auch nur Zufall. Jedenfalls entdeckt Orey beim Surfen in der Schule ein Foto von sich auf einer Seite, auf der Väter und Mütter ihre entführten oder vermissten Kinder suchen. Orey kennt dieses Bild aus dem Fotoalbum seiner Mutter.

Er ist verwirrt, weiß nicht, wem er glauben soll. Hat seine Mum ihn entführt, wie der fremde Mann auf der Webseite behauptet, der sein Vater sein soll? Der Junge geht zu seinem Lehrer und erzählt ihm alles. Und der Lehrer geht zur Polizei. Am 11. Februar stehen US-Marshalls vor dem kleinen Apartment von Giselle-Marie Goudreault. Sie tragen Waffen und haben einen Haftbefehl bei sich, der auf die 45-Jährige ausgestellt ist, in Kanada wird Goudreault als flüchtige Kindesentführerin gesucht. Dann klicken die Handschellen, Giselle-Marie Goudreault wird abgeführt - Orey kommt in ein Heim. Als sie einige Tage später vor dem Haftrichter steht, weint sie die ganze Zeit, schreiben später die Lokalzeitungen.

Dass seine Mutter jetzt im Gefängnis sitzt, hat Orey nicht gewollt. "Er besucht sie, so oft er kann, und will zu ihr halten", sagt Jimell Griffin, einer der US-Marshalls, der für den Fall zuständig ist.

Und Oreys Vater? Wie er mit dem unerwarteten Glück umgehen soll, seinen verlorenen Sohn wiedergefunden zu haben, weiß Rodney Steinmann auch nicht. Steinmann ist Elektriker in dem kleinen Ort Ponoka und überlegt, ob er bei den amerikanischen Behörden beantragen soll, dass man ihm seinen Sohn übergibt. "Es ist schon so lange her, dass ich ihn das letzte Mal gesehen habe - es wäre toll, wenn ich ihn fragen könnte, ob es ihm gut geht."

Orey wird im Juni 18, und dann ist es allein seine Entscheidung, ob er weiterhin bei seiner Mutter leben oder zum Vater nach Kanada zurückkehren will. Seine Großmutter, Linda Steinmann, die ihren Enkel seit 15 Jahren nicht mehr in den Arm nehmen konnte, weiß das - und sie fürchtet sich ein bisschen vor dieser Entscheidung. "Er muss wissen, was das Beste für ihn ist. Er soll nur wissen, dass wir alle hier oft an ihn denken und uns so freuen würden, von ihm zu hören."

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