Fundstück
susu, Wednesday, 11.02.2004, 23:27 (vor 8030 Tagen)
Terminator 1 und 2 waren in dieser Hinsicht ja völlig unbedeklich. Vor allem T1, schließlich macht Sarah Connor den T-800 platt.
Re: Fundstück
Anti-Sexistin, Thursday, 12.02.2004, 00:12 (vor 8030 Tagen) @ susu
Als Antwort auf: Fundstück von susu am 11. Februar 2004 21:27:25:
Terminator 1 und 2 waren in dieser Hinsicht ja völlig unbedeklich. Vor allem T1, schließlich macht Sarah Connor den T-800 platt.
Sarah Connor machte den T-800 leider nicht endgütlig platt, Susu. Im Terminator 2 hat den letzten Schuß Arnie.
Kennst Du Fight Club? Ich finde, der Film ist eine hervorragende Einführung in die Gender Studies, oder zumindest so lesbar?
Gruß
Anti-Sexistin
Re: Fundstück
gaehn, Thursday, 12.02.2004, 00:14 (vor 8030 Tagen) @ Anti-Sexistin
Als Antwort auf: Re: Fundstück von Anti-Sexistin am 11. Februar 2004 22:12:55:
Terminator 1 und 2 waren in dieser Hinsicht ja völlig unbedeklich. Vor allem T1, schließlich macht Sarah Connor den T-800 platt.
Sarah Connor machte den T-800 leider nicht endgütlig platt, Susu. Im Terminator 2 hat den letzten Schuß Arnie.
Kennst Du Fight Club? Ich finde, der Film ist eine hervorragende Einführung in die Gender Studies, oder zumindest so lesbar?
Gruß
Anti-Sexistin
ähm kann sein das mich meine erinnerung täuscht aber den t-800 aus teil 1 macht sie wohl komplett platt. der typ aus teil 2 ist einfach ein anderer t-800.
oder verstehe ich da etwas falsch?
was hat denn fight club mit gender studies zu tun?
Re: Fundstück
CnndrBrbr, Thursday, 12.02.2004, 11:23 (vor 8030 Tagen) @ gaehn
Als Antwort auf: Re: Fundstück von gaehn am 11. Februar 2004 22:14:59:
ähm kann sein das mich meine erinnerung täuscht aber den t-800 aus teil 1 macht sie wohl komplett platt. der typ aus teil 2 ist einfach ein anderer t-800...
Den man aus Schrottresten des ersten rekonstruiert hat. Also nicht platt genug gemacht.
Re: Fundstück
susu, Thursday, 12.02.2004, 00:24 (vor 8030 Tagen) @ Anti-Sexistin
Als Antwort auf: Re: Fundstück von Anti-Sexistin am 11. Februar 2004 22:12:55:
Sarah Connor machte den T-800 leider nicht endgütlig platt, Susu. Im Terminator 2 hat den letzten Schuß Arnie.
Stimmt (Das bezieht sich auf die Sprengung des Dyson Gebäudes, wo sie aus den in T1 in der Presse zermalmten Überresten einen neuen Terminator bauen. Das Gebäude jagen Sarah, John und der neue T-800 gemeinsam in die Luft, wobei der T-800 die Ladungen durch einen Schuß aus seiner abgesägten Schrotlinte zündet).
Kennst Du Fight Club? Ich finde, der Film ist eine hervorragende Einführung in die Gender Studies, oder zumindest so lesbar?
Sehe ich ähnlich. Fight Club ist übrigens eine art Grown-Up version von "Karlson vom Dach".
susu
Re: Fight Club?
Andreas (der andere), Thursday, 12.02.2004, 10:56 (vor 8030 Tagen) @ Anti-Sexistin
Als Antwort auf: Re: Fundstück von Anti-Sexistin am 11. Februar 2004 22:12:55:
"Kennst Du Fight Club? Ich finde, der Film ist eine hervorragende Einführung in die Gender Studies, oder zumindest so lesbar?"
Ich hielt "Fight Club" bisher immer für die fröhliche Reise eines von seinem Leben überforderten Mannes in die Schizophrenie - eine "Einführung in die Gender Studies"? Wie muß er denn "gelesen" werden, um das zu so zu sehen?
Re: Fight Club!
Anti-Sexistin, Thursday, 12.02.2004, 13:53 (vor 8030 Tagen) @ Andreas (der andere)
Als Antwort auf: Re: Fight Club? von Andreas (der andere) am 12. Februar 2004 08:56:50:
"Kennst Du Fight Club? Ich finde, der Film ist eine hervorragende Einf�hrung in die Gender Studies, oder zumindest so lesbar?"
Ich hielt "Fight Club" bisher immer f�r die fr�hliche Reise eines von seinem Leben �berforderten Mannes in die Schizophrenie - eine "Einf�hrung in die Gender Studies"? Wie mu� er denn "gelesen" werden, um das zu so zu sehen?
Der Film setzt Gewalt in unmittelbaren Zusammenhang mit den Therapie- und Selbsterweckungsseminaren in der Methodistenkirche. Fincher hat - ähnlich wie Tyler, der Pornoausschnitte in Familienfilme einschneidet - ebenfalls viele Bildfetzen für nur eine Millisekunde in den eigenen Film eingeschnitten. Zuerst Brat Pitt/Tyler neben einem Betroffenen in der Hodenkrebsgruppe, Brat Pitt/Tyler im Kopierraum, Marla Singer in einer StraÃenszene - alles noch bevor Tyler/Norton Tyler/Pitt im Flugzeug kennenlernt. Nicht nur dadurch, sondern auch durch die Dialoge zwischen Tyler/Norton und Marla Singer wird die Kontinuität zwischen der friedfertigen Methodistenkirche und dem faschistoiden Fight Club hergestellt. Es handelt sich nicht um einen Bruch.
Ein Blick auf die Geschlechtsidentität der Männergruppen zeigt weiter das Personal auf und die Dialoge.
Tyler/Norton und Marla beim Aushandeln der Stundenaufteilung: Marla ist ein Simulantin, eine Elende-Touristin, sie hat gar keinen Hodenkrebs. Tyler ist ebenfalls ein Simulant. Ihm fehlt nichts.
"Ich habe noch eher eine Berechtigung in der Hodenkrebsgruppe zu sein als Du. Du hast immerhin noch Eier." (Marla zu Tyler/Norton)
Die Hodenkrebsgruppe selbst ist die kritische Reflexion des biologischen Geschlechts: vielen der Männer dort wurden schon die Hoden abgenommen, doch es kommt noch dicker:
"Bob hatte Weibertitten so groà wie die von Gott."
Mantra der Hodenkrebsgruppe: "Wir sind Männer. Still remaining men together."
Tatsächlich sind bei fast allen Anwesenden schon die Geschlechtsmerkmale hinweggefallen, insofern ist Marla gar nicht so fehl am Platze.
Späterer Dialog zwischen Marla und Tyler/Norton, als er dem Fight Club beigetreten ist:
"Ich habe jetzt was Besseres gefunden?"
"Was denn?
"Ist nur für Männer."
"So wie die Hodenkrebsgeschichte?"
Auch Bob mit seinen Weibertitten schafft es in den Fight Club. Ebenfalls sehr signifikant.
Die einzige Person, die von Anfang an weiÃ, daà Tyler/Tyler eine Person sind ist Marla Singer. Sie löst letztlich das Rätsel, so daà Tyler sich zurückerinnert. Schon am Anfang des Films (Exposition) kommt ein Satz, der ihre Rolle besonders stark macht: "daà der Schlüssel zu all dem, ein Mädchen namens Marla Singer ist." In der Folge wird dieser Satz bestätigt. Der Dialog zwischen Tyler und Tyler im Bad des zerfallenen Hauses ("Wir sind eine Generation von Männern, die nur von Frauen aufgezogen worden ist. Ich glaube nicht, daà eine Frau noch ernsthaft die Antwort auf unsere Fragen sein kann.") wird gerade zuletzt vollständig widerlegt.
Der Club selbst performiert eine Männlichkeit, die vollständig entindividualisiert ist ("Wir sind der singende Tanzende Abschaum der Welt", "Im Fight Club hat niemand einen Namen" etc.). Ein reiner Mann ist ein Mann, kein Individuum. Geschlechtsidentität ist eine Machtsstruktur, die nur schwer durchzuhalten ist. Wer ein Mann ist, ist kein Individuum mehr, sondern eine nachlabernde Phrasenmaschine (in dem Film). Der Film läÃt sich genausogut mit Frauen drehen, nur dann hieÃe er nicht Fight Club, sondern Kaffeekränzchen. Schizophrenie wäre bei beiden das Ergebnis.
Noch weiter: vor dem Anspann wird nochmals kurz ein Bild eingeschnitten, nachdem Marla und Tyler vor der Explosion des Finanzviertels stehen. Es ist das letzte Bild vor dem Abspann, der den Film beendet: der Penis, den Tyler in den Familienfilm eingeschnitten hat. Sehr signifikant. Doch, hier geht es um männliche Geschlechtsidentität. Wie auch weibliche ist sie per se schizophren. Und die Einschnitte von Pitt in die Hodenkrebsszene zeigt ja, daà Tyler schon von Beginn an schizo ist. Ich denke nicht, daà er überarbeitet ist. Er hat gerade mal wegen einer Rückrufaktion ein paar Tage StreÃ, wo er "andere Aufgaben zurückstellen muÃ", seine übliche gutbezahlte Bürotätigkeit, bei der so viel abfällt, daà er sich ein luxeriöses Appartment, Calvin Klein-Klamotten und Immobilien (das heruntergekommene Haus gehört ihm) leisten kann. Auch den Vormieter, der einen Roman aus der Sicht eines Organs in Ich-Form geschrieben hat (Jack) muà folglich von Tyler dort einquartiert worden sein. (Die Jack-Stellen sind ebenfalls sehr spannend, würde jetzt aber zu weit führen).
Es spricht insofern mehr dafür, daà Geschlecht selbst Identität und seine Krise in einem ist. Je mehr Geschlecht Tyler performiert (Fight Club für echte Kerle, die Hodenkrebsgruppe mit weinenden Männern), desto schizophrener und entindividualisierter geht es zu.
Anti-Sexistin
Re: Quintessenz?
Andreas (der andere), Thursday, 12.02.2004, 16:13 (vor 8029 Tagen) @ Anti-Sexistin
Als Antwort auf: Re: Fight Club! von Anti-Sexistin am 12. Februar 2004 11:53:45:
Interessant - das erspart mir vermutlich, ihn mir noch mal ansehen zu müssen. Was ich daraus nicht entnehmen kann, ist eine Quintessenz, bzw. ein formulierbares Ziel. Würde ich diesen Film also als "Wesen" der Gender Studies "lesen", könnte ich jetzt keine positive Zielstellung formulieren, d.h. eine, die nicht nur auf Vermeidung von (nicht vermeidbaren) Aspekten abzielt. Anders: Hat Geschlechterforschung ein Ziel, abgesehen von der Destruktion von Geschlechterbildern? - Sollte dem nicht so sein, wäre zu fragen, welche Heilserwartung an die Destruktion gekoppelt ist. Wenn Geschlecht Identität und Krise in sich vereinte, ergäbe sich daraus die SchluÃfolgerung, daà der Mensch unentrinnbar in seinem Schicksal gefangen ist. Er könnte der Krise nur um den Preis der Identität entrinnen, d.h. suizidal werden (geistig oder materiell - was wohl nicht wirklich eine Option darstellt).
Kritikpunkt ist, daà "Geschlecht als Krise" bereits eine Interpretation darstellt; "Krise" setzt das subjektive Empfinden einer solchen voraus, da es ansonsten lediglich das Empfinden des Analysierenden ist. - Jetzt fällt mir auch wieder ein, warum ich den Film beim ersten Mal nicht durchgehalten habe: Die Figuren waren überzeichnete Stereotypen, mit denen ich mich beim besten Willen nicht identifizieren konnte. Ein solches "Geschlechterbild" ist die Karikatur des wirklichen Lebens, das in jeder Beziehung differenzierter ist. Die Theorie über das Bild ist Theorie über eine Theorie, nicht die Realität.
Eine abschlieÃende Bemerkung zum Film: Die "Lösung" des Problems, die Sprengung der (als Phallus-Symbole identifizierten) Wolkenkratzer, ist eine Scheinlösung - die symbolische Vernichtung des Geschlechtsbildes ist nur möglich durch Vernichtung der Kultur (Stadt) als solcher. Und wie die Protagonisten richten wir unser Augenmerk primär auf die ästhetische Seite dieses Fanals, denn eine wirkliche Lösung bietet es nicht ...
Aber danke für den Hinweis 
Re: Quintessenz?
Anti-Sexistin, Thursday, 12.02.2004, 18:51 (vor 8029 Tagen) @ Andreas (der andere)
Als Antwort auf: Re: Quintessenz? von Andreas (der andere) am 12. Februar 2004 14:13:47:
Interessant - das erspart mir vermutlich, ihn mir noch mal ansehen zu müssen. Was ich daraus nicht entnehmen kann, ist eine Quintessenz, bzw. ein formulierbares Ziel. Würde ich diesen Film also als "Wesen" der Gender Studies "lesen", könnte ich jetzt keine positive Zielstellung formulieren, d.h. eine, die nicht nur auf Vermeidung von (nicht vermeidbaren) Aspekten abzielt. Anders: Hat Geschlechterforschung ein Ziel, abgesehen von der Destruktion von Geschlechterbildern? - Sollte dem nicht so sein, wäre zu fragen, welche Heilserwartung an die Destruktion gekoppelt ist. Wenn Geschlecht Identität und Krise in sich vereinte, ergäbe sich daraus die SchluÃfolgerung, daà der Mensch unentrinnbar in seinem Schicksal gefangen ist. Er könnte der Krise nur um den Preis der Identität entrinnen, d.h. suizidal werden (geistig oder materiell - was wohl nicht wirklich eine Option darstellt).
Nein, genau darum geht es nicht. Es geht darum, daà die Machtkonfigurationen so verschoben werden, daà es möglich ist Geschlechtsidentitäten nicht mehr entlang einer heterosexuellen Matrix zu konstituieren. Im Idealfall kommen dabei diverse neue Geschlechtsidentitäten heraus, die nicht mehr polarisiert sind.
Kritikpunkt ist, daà "Geschlecht als Krise" bereits eine Interpretation darstellt; "Krise" setzt das subjektive Empfinden einer solchen voraus, da es ansonsten lediglich das Empfinden des Analysierenden ist.
Nein. Das würde nur zutreffen, wenn das Ich der Geschlechtsidentität vorgängig wäre. Butler hat gerade gezeigt, daà Geschlechtsidentität die Voraussetzung für Identität ist, ohne die es nicht lebensfähig ist. Doch in ihrem Verständnis sind solche Geschlechtsidentitäten eben keine vordiskursiven Gegebenheiten, sondern bereits Produkte einer bestimmten Machtkonfiguration (heterosexuelle Matrix).
- Jetzt fällt mir auch wieder ein, warum ich den Film beim ersten Mal nicht durchgehalten habe: Die Figuren waren überzeichnete Stereotypen, mit denen ich mich beim besten Willen nicht identifizieren konnte. Ein solches "Geschlechterbild" ist die Karikatur des wirklichen Lebens, das in jeder Beziehung differenzierter ist. Die Theorie über das Bild ist Theorie über eine Theorie, nicht die Realität.
Ein Zeichen der Krise
Geschlechtsidentität (Mann/Frau) sind immer Stereotype. Es wird immer Punkte in jedem Menschen geben, die während der Identifikation als Mann/Frau verworfen werden.
Eine abschlieÃende Bemerkung zum Film: Die "Lösung" des Problems, die Sprengung der (als Phallus-Symbole identifizierten) Wolkenkratzer, ist eine Scheinlösung - die symbolische Vernichtung des Geschlechtsbildes ist nur möglich durch Vernichtung der Kultur (Stadt) als solcher. Und wie die Protagonisten richten wir unser Augenmerk primär auf die ästhetische Seite dieses Fanals, denn eine wirkliche Lösung bietet es nicht ...
Ich sehe in Wolkenkratzern keine Phallus-Symbole und wollte das damit jetzt nicht ausdrücken. Der Film geht jedoch grundsätzlich kritisch mit Gewalt um.
Aber danke für den Hinweis
Gern geschehen.
Re: Quintessenz?
susu, Thursday, 12.02.2004, 19:01 (vor 8029 Tagen) @ Andreas (der andere)
Als Antwort auf: Re: Quintessenz? von Andreas (der andere) am 12. Februar 2004 14:13:47:
Hallo (anderer) Andreas
Interessant - das erspart mir vermutlich, ihn mir noch mal ansehen zu müssen. Was ich daraus nicht entnehmen kann, ist eine Quintessenz, bzw. ein formulierbares Ziel. Würde ich diesen Film also als "Wesen" der Gender Studies "lesen", könnte ich jetzt keine positive Zielstellung formulieren, d.h. eine, die nicht nur auf Vermeidung von (nicht vermeidbaren) Aspekten abzielt.
Die positive Formulierung lautet: Annerkennung von Individuen, ohne Geschlecht als moralsiche Kategorie durchsetzen.
Anders: Hat Geschlechterforschung ein Ziel, abgesehen von der Destruktion von Geschlechterbildern? - Sollte dem nicht so sein, wäre zu fragen, welche Heilserwartung an die Destruktion gekoppelt ist. Wenn Geschlecht Identität und Krise in sich vereinte, ergäbe sich daraus die Schlußfolgerung, daß der Mensch unentrinnbar in seinem Schicksal gefangen ist. Er könnte der Krise nur um den Preis der Identität entrinnen, d.h. suizidal werden (geistig oder materiell - was wohl nicht wirklich eine Option darstellt).
Der letzte Satz ist falsch. Ein Ablegen einer "Geschlechtsidentität" bedeutet keineswegs suizidal zu werden (weder geistig noch materiell). Um den Zusammenhang deutlich zu machen:
Zwischen Geschlecht (wie auch immer definiert) und Geschlechtsidentität besteht der gleiche Zusammenhang, wie zwischen Nationalität und nationaler Identität. Nationalität wird i.d.R. durch bestimmte Rechtsnormen definiert (jus sanguis, Zuwanderungsgesetze, Doppelte Staatsbürgescahft, etc.) eine nationale Identität beschreibt eine Haltung der Nationalität gegenüber. Ob jetzt ein Roland Koch von "Leitkultur" redet, oder Joschka Fischer eine gemeinsamme europäische Außenpolitik anstrebt - es geht um die nationale Identität. Nationale Identität ist im Begriff aufzubrechen (ob jetzt europäisch gedacht wird, oder gar kosmopolitisch, ob neue Identitäten entstehen, wie es der noch recht junge Begriff Afro-deutsch nehelegt), weg von einer starren Definition des "deutschen" Denkens (das seine Totalitäre Steigerung im 3. Reich fand). Das ein Mensch der sich als Europäer versteht seine nationale Identität abgelegt hat, steht außer Zweifel. Mit dem Wegbrechen dieser Identität geht aber keineswegs sein Sein an sich verlustig.
Geschlechtsidentitäten sind einem ähnlichen Pluralisierungsprozess unterworfen, es gibt nicht länger "die" männliche Identität, nur noch sich als männliche Identitäten selbst bezeichnende Splitteridentitäten (analog für weibliche Identitäten). Gleichzeitig entstehen Identitäten, die sich nicht mehr als männlich oder weiblich bezeichnen lasse, sondern quasi analog zum kosmopolitisch identifizierten gedacht werden können. Dieser Spaltungsprozess wird letztenendes dazu führen, daß solche Identitäten nur noch individuell gedacht werden können.
Kritikpunkt ist, daß "Geschlecht als Krise" bereits eine Interpretation darstellt; "Krise" setzt das subjektive Empfinden einer solchen voraus, da es ansonsten lediglich das Empfinden des Analysierenden ist.
Wenn du Geschlecht nicht als Kriese empfindest - warum schreibst du dann hier? Und es ist durchaus möglich den Begriff der Krise zu verallgemeinern, auch wenn die Ursache der Krise nicht zwingend als das Geschlecht erkannt wird (Lesetip: "Der gemachte Mann - Konstruktion und Krise von Männlichkeiten" von Robert W. Connell).
Jetzt fällt mir auch wieder ein, warum ich den Film beim ersten Mal nicht durchgehalten habe: Die Figuren waren überzeichnete Stereotypen, mit denen ich mich beim besten Willen nicht identifizieren konnte. Ein solches "Geschlechterbild" ist die Karikatur des wirklichen Lebens, das in jeder Beziehung differenzierter ist. Die Theorie über das Bild ist Theorie über eine Theorie, nicht die Realität.
Fight Club ist eine künstlerische Darstellung. Der Film will nicht "Realität abbilden" sondern durch seine Überzeichnung bestimmte Dinge kenntlich machen. Das Bild stellt also eine Theorie zur Diskussion.
Eine abschließende Bemerkung zum Film: Die "Lösung" des Problems, die Sprengung der (als Phallus-Symbole identifizierten) Wolkenkratzer, ist eine Scheinlösung - die symbolische Vernichtung des Geschlechtsbildes ist nur möglich durch Vernichtung der Kultur (Stadt) als solcher. Und wie die Protagonisten richten wir unser Augenmerk primär auf die ästhetische Seite dieses Fanals, denn eine wirkliche Lösung bietet es nicht ...
Aber danke für den Hinweis 
"Du hast mich in einer komischen Phase meines Lebens kennengelernt", sagt der Narrator am Ende zu Marla. Die Lösung wäre ein ablegen der beiden gescheiterten Entwürfe (sowohl der archaischen, als "wahre" verstandenen Männlichkeit Tylers, als auch der domestizierten "metrosexuellen" Männlichkeit des Narrators zu Beginn des Films). Die Alternative zu finden belibt aber jedem selbst überlassen.
susu
Re:
Andreas (der andere), Friday, 13.02.2004, 01:10 (vor 8029 Tagen) @ susu
Als Antwort auf: Re: Quintessenz? von susu am 12. Februar 2004 17:01:36:
"Wenn du Geschlecht nicht als Kriese empfindest - warum schreibst du dann hier?"
Das ist tatsächlich ein guter Hinweis; ich glaub, ich mal mal Pause. Bye
Re: Fundstück
XRay, Thursday, 12.02.2004, 11:40 (vor 8030 Tagen) @ Anti-Sexistin
Als Antwort auf: Re: Fundstück von Anti-Sexistin am 11. Februar 2004 22:12:55:
Terminator 1 und 2 waren in dieser Hinsicht ja völlig unbedeklich. Vor allem T1, schließlich macht Sarah Connor den T-800 platt.
Sarah Connor machte den T-800 leider nicht endgütlig platt, Susu. Im Terminator 2 hat den letzten Schuß Arnie.
Kennst Du Fight Club? Ich finde, der Film ist eine hervorragende Einführung in die Gender Studies, oder zumindest so lesbar?
Gruß
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"Gender Studies" ?
Ist das die Basis für "Gender Mainstream"?
Wärst du so nett und umreisst hier mal grob, worum es da geht?
Anti-Sexistin
Re: Fundst�ck
Anti-Sexistin, Thursday, 12.02.2004, 14:48 (vor 8030 Tagen) @ XRay
Als Antwort auf: Re: Fundst�ck von XRay am 12. Februar 2004 09:40:14:
Terminator 1 und 2 waren in dieser Hinsicht ja v�llig unbedeklich. Vor allem T1, schlie�lich macht Sarah Connor den T-800 platt.
Sarah Connor machte den T-800 leider nicht endg�tlig platt, Susu. Im Terminator 2 hat den letzten Schu� Arnie.
Kennst Du Fight Club? Ich finde, der Film ist eine hervorragende Einf�hrung in die Gender Studies, oder zumindest so lesbar?
Gru�
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"Gender Studies" ?
Ist das die Basis f�r "Gender Mainstream"?
Es wäre zu schön, wenn gender studies mal die Basis für gender mainstreaming wären, würde man gender niemals mainstreamen.
Kurz: nein. Nur nominelle Verwandtschaft. Gender studies sind kaum in das EU-Projekt gender mainstreaming eingeflossen. Gender mainstreaming funktioniert nach denselben Machtmustern wie jede Form von Ungleichberechtigung. Die zu befreienden Subjekte werden auf der Basis überhaupt erst geschaffen.
W�rst du so nett und umreisst hier mal grob, worum es da geht?
Anti-Sexistin
Re: Fundstück
susu, Thursday, 12.02.2004, 16:54 (vor 8029 Tagen) @ XRay
Als Antwort auf: Re: Fundstück von XRay am 12. Februar 2004 09:40:14:
Hi xRay
"Gender Studies" ?
Ist das die Basis für "Gender Mainstream"?
Wärst du so nett und umreisst hier mal grob, worum es da geht?
Gender Studies widmen sich grob gefast, den historischen, soziokulturellen und politischen Auswirkungen von Geschlecht.
Damit ist dieser Wissenschaftszweig grob umrissen.
Das aktuelle Modell beruht auf folgenden Voraussetzungen:
a) Geschlecht ist keine feste Größe, sondern historischen Wandlungen unterworfen. (Geschlecht ist nicht überhistorisch)
b) Geschlecht wird auf verschiedene Arten konstruiert, die jeweils Machtverhältnisse beinhalten.
c) Geschlecht kommt in der modernen westlichen Welt eine zentrale Ordnungsfunktion zu, die andere Merkmale nicht in dem Maße besitzen. (Geschlecht ist Kriterium zur Einteilung von Menschen in zwei Gruppen)
d) Geschlecht ist ein Verhältnis. (Mann und Frau sind jeweils nur in Relation zueinander definiert)
e) Sowohl Mann und Frau werden in bestimmten Bereichen Defizite nachgesagt, die nur durch den Zusammenschluß von Männern und Frauen aufgehoben werden können. (Zwangsheterosexualität)
Der Begriff "gender mainstreaming" kommt ursprünglich aus den GS, wo er allerdings anders verwandt wird, als in der Politik (die sich hier anscheinend einfach nur einen nett klingenden Begriff gesucht hat).
Bedeutung in den GS: Abbau der Zwangsheterosexualität. Individuelle Eigenschaften von Menschen sollten Vorrang vor qua Geschlecht zugeordneten Eigenschaften haben.
Bedeutungen in der Politik:
1) Amsterdammer Vertag: "die Gemeinschaft [wirkt] drauf hin, Ungleichheiten zu beseitigen und die Gleichstellung von Männern und Frauen zu fördern."
2) Zielvorstellung: Gleichstellung in allen Politikbereichen.
3) (Praxis): Umbenennung von ein paar Funktionärsposten
susu