Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Dick, dumm und auf dem Weg zur Gewalt

Joachim, Wednesday, 11.02.2004, 19:10 (vor 8030 Tagen)

Wie immer findet man die Täter in den Medien, PCs oder Väter, aber von Mütter wird keine Silbe in den Mund genommen um sie als die eigentliche Täterin auszumachen, denn es sind ja überwiegend Mütter die Kinder erziehen, wo eben kein Vater als Täter auszumachen ist da werden halt Medien und PCs für die Jugendgewalt verantwortlich gemacht!

meint Joachim

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Dick, dumm und auf dem Weg zur Gewalt

Bersenbrück (kj)
Dick, dumm, wenig Kontakte - und unter Jungen ein dramatischer Leistungsabfall in der Schule: Mit markigen Worten hat Professor Christian Pfeiffer am Donnerstag bei einem Vortrag in Bersenbrück die Folgen übermäßigen TV-, Video- und PC-Konsums beschrieben.


Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) stellte in seinem Vortrag „Medienverwahrlosung“ in der Heilpädagogischen Hilfe überdies einen Zusammenhang zwischen „exzessivem Konsum von Gewaltfilmen“ und Jugendkriminalität her. Die Thesen Pfeiffers aufgrund jüngster Studien seines Instituts gewinnen durch die jetzt bekannt gewordenen Quälereien an Schulen in Hildesheim und im oberbayrischen Walpertskirchen an Brisanz.
Denn es geht nach seinen Worten besonders um männliche Jugendliche in Hauptschulen und Berufsvorbereitungsjahren - also genau die Gruppe, zu der die Hildesheimer Täter gehören, die einen Mitschüler monatelang „aufs Übelste gequält haben“ (Pfeiffer). In einem Interview mit unserer Zeitung nannte der KFN-Leiter sie „aggressive Verlierer unserer Winner-Loser-Kultur“.

„Jeder vierte Sechsjährige hat ein Fernsehgerät auf seinem Zimmer“, nannte Pfeiffer einen der Gründe für „Medienverwahrlosung“, die schließlich zu Schulversagen und Kriminalität führe. Hinzu komme der tägliche TV-Konsum, das späte Fernsehen und das Betrachten von Horror- und anderen Indexfilmen. „Dazu muss man dann noch Computerspiele rechnen.“ Pfeiffers Fazit: „PC und TV nehmen mehr Zeit in Anspruch als der Schulunterricht. Die soziale Existenz verarmt, die Jugendlichen versäumen ihr Leben.“

Bemerkenswert: Die Diskrepanz zwischen Mädchen und Jungen beim Medienkonsum hat in den vergangenen zehn Jahren offenbar Auswirkungen auf Schulleistung und Kriminalität gehabt. Ob Schulabbruch, Sitzenbleiben, Kriminalität: Die Jungen liegen vorn.

Christian Pfeiffer sah einen möglichen Lösungsweg: „Wir müssen bei Kindern und Jugendlichen wieder Lust auf Leben wecken.“ Gefordert sah er die Kindergärten. Schon hier - und nicht erst in der Schule - könne man dazu beitragen, dass sich Menschen aus anderen Ländern einleben. Denn gerade ethnische Minderheiten zählten „zur Gruppe der Hochgefährdeten“. Sie würden sich oft „als Außenseiter“ fühlen, seien geprägt „vom Dominanzverhalten der Väter“.

Der KFN-Direktor zweifelte in diesem Zusammenhang den Sinn von Freizeitheimen an, stellte sie sogar rhetorisch überspitzt in Frage: „Sind sie vielleicht die Brutstätten von Jugendgewalt?“ Stattdessen plädierte er für mehr Ganztagsschulen „mit einem interessanten Angebot an Theater, Sport und Kultur“. Und er kündigte - nach dem Vorbild eines Forschungsprojekts an der US-amerikanischen Stanford-Universität - einen Modellversuch in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt an, um Kinder, Jugendliche und Eltern zu einem vernünftigen Umgang mit den Medien zu motivieren.

Hier lesen!

Re: Dick, dumm und auf dem Weg zur Gewalt

Garfield, Thursday, 12.02.2004, 12:49 (vor 8030 Tagen) @ Joachim

Als Antwort auf: Dick, dumm und auf dem Weg zur Gewalt von Joachim am 11. Februar 2004 17:10:11:

Hallo Joachim!

Das ist wieder die übliche Ignoranz. Irgendein Dominanzverhalten der Väter soll nun also schuld daran sein, daß gerade ausländische Kinder stark zur Gewalt neigen.

Ich sehe das etwas anders. Ich habe in meiner Schulzeit auch gelegentlich Mitschüler gehabt, die sich ihre Selbstbestätigung dadurch zu holen versuchten, daß sie immer wieder versuchten, andere Schüler zu verprügeln oder sonstwie fertig zu machen. Der Ausländeranteil lag aber immer bei exakt 0%. Auffällig war dagegen, daß das in den allermeisten Fällen Kinder waren, die in der Schule sehr schlechte Leistungen brachten. Offensichtlich ist es so, daß solche Kinder eher dazu neigen, sich die fehlende Bestätigung eben anderweitig zu holen, z.B. indem sie auf anderen herumtrampeln.

Heute ist es so, daß ausländische Kinder unter den lernschwachen Schülern einen sehr großen Anteil haben. Das liegt mit Sicherheit vor allem daran, daß viele dieser Kinder kaum Deutsch sprechen, wenn sie zur Schule kommen. Somit ist es dann schon vorprogrammiert, daß sie von Anfang an immer zurück hängen. Da das noch zusätzlich demotivierend wirkt, ist es dann auch kein Wunder, wenn solche Kinder in der Schule nur miserabelste Leistungen bringen.

Wieso ist es nun aber so, daß die Kinder bei ihrer Einschulung häufig kaum Deutsch sprechen? Die Väter verbieten ihnen wohl kaum, Deutsch zu lernen. Und selbst, wenn sie das täten: Da bei ausländischen Familien die Frauen oft Hausfrauen sind, hätten sie tagsüber, wenn die Männer auf der Arbeit sind, genügend Gelegenheit, ihren Kindern Deutsch beizubringen.

Das Problem besteht eher darin, daß diese ausländischen Mütter häufig selbst kaum Deutsch sprechen. Nicht, weil ihnen ihre Männer verbieten, Deutsch zu lernen. Nein, sie interessieren sich überhaupt nicht dafür. Ich wohne in Nordrhein-Westfalen, wo der Ausländeranteil recht hoch ist. Hier erlebt man öfter mal Szenen wie diese, die meine Partnerin mal in der Praxis einer Frauenärztin erlebt hat:

Eine junge und eine ältere türkische Frau (zu erkennen an den Kopftüchern) kamen in die Praxis. Die jüngere Frau redete Deutsch mit der Arzthelferin, aber es ging eigentlich um die ältere Frau, die offenbar kein Wort Deutsch sprach. Die Arzthelferin fragte, welche Medikamente die ältere Frau nehmen würde. Die jüngere Frau fragte sie auf Türkisch, die ältere Frau antwortete irgendwas, und die jüngere Frau sagte dann zur Arzthelferin, daß sie das nicht wissen würde. Da das für die Ärztin aber wichtig war, versuchte die Arzthelferin weiter, irgendwelche Infos darüber aus den beiden herauszuholen. Das ging dann immer hin und her, die jüngere Türkin mußte immer erst alles auf Türkisch übersetzen, und dann wieder zurück ins Deutsche, aber am Ende wußten sie immer noch nicht, welche Medikamente die ältere Frau bereits nimmt. Die Arzthelferin gab schließlich frustriert auf und sagte: "Ach, soll sich die Ärztin darum kümmern..."

Viele ausländische Frauen, vor allem Türkinnen, die hier schon viele Landsleute vorfinden, richten es sich zu Hause als Hausfrauen sehr bequem ein. Sie reden mit ihren Männern nur türkisch, sie sehen über Satellit türkische Fernsehsender (mindestens einen kann man hier in NRW auch über Kabel empfangen), sie kaufen in türkischen Lebensmittelmärkten ein, die Freunde sind auch alle Türken, und wenn sie mal in irgendeinem Amt, beim Arzt oder sonstwo mit Deutschen zu tun haben, nehmen sie sich jemanden zum Übersetzen mit oder verständigen sich mit Händen und Füßen. Das ist ja bequemer als Deutsch zu lernen.

Ihren Kindern bringen sie das dann auch so bei, und wenn die zur Schule kommen, dann gibt es zwangsläufig die oben erwähnten Probleme.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Dick, dumm und auf dem Weg zur Gewalt

Joseph S, Saturday, 14.02.2004, 01:56 (vor 8028 Tagen) @ Joachim

Als Antwort auf: Dick, dumm und auf dem Weg zur Gewalt von Joachim am 11. Februar 2004 17:10:11:

Hallo,

"Jeder vierte Sechsjährige hat ein Fernsehgerät auf seinem Zimmer", nannte Pfeiffer einen der Gründe für "Medienverwahrlosung", die schließlich zu Schulversagen und Kriminalität führe. Hinzu komme der tägliche TV-Konsum, das späte Fernsehen und das Betrachten von Horror- und anderen Indexfilmen. "Dazu muss man dann noch Computerspiele rechnen." Pfeiffers Fazit: "PC und TV nehmen mehr Zeit in Anspruch als der Schulunterricht. Die soziale Existenz verarmt, die Jugendlichen versäumen ihr Leben."

Vielleich besteht das Ursache-Wirkungs-Verhältnis noch mehr in der anderen Richtung.
Weil die soziale Existenz, besonders der Jungen, so schlecht ist, flüchten sie in die virtuellen
Welten.

Leider habe ich vergessen, wer vor wenigen Tagen im Deutschlandfunk die These vertrat, daß
jugendliche Gewaltbereitschaft viel mit Kampf um Anerkennung zu tun hat. Zumindest das Opfer
ist gezwungen den Täter als Stärkeren anzuerkennen. Wenn ich unser Erziehungssystem nach dem
Kriterium der Anerkennung betrachte, wundere ich mich nicht mehr über Jungengewalt. Unter
mangelnder Anerkennenung kann man in jeder sozialen Schicht leiden. Der Familiendepp einer
Oberklassenfamilie hat auch soziale Problemein seiner Gesellschaft. Wenn die Haupterziehungsperson
den Vater oder die Männer allgemein verteufelt, verweigert sie dem Sohn, der nun mal zwangsläufig
einiges mit dem Vater gemein hat, die soziale Anerkennung.

Wir müssen bei Kindern und Jugendlichen wieder Lust auf Leben wecken.

Da stimme ich voll zu, auch wenn die Realisierung in unserer Gesellschaft besonders für Jungen
alles andere als einfach ist.

Gruß
Joseph

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