Das Forum und die Klischees
Dieser Post bezieht sich auf Ausführungen von Anti-Sexistin im Disput mit X-Ray, ist aber nicht als Aufhänger gedacht für Anti-Sexistin, um diesen Disput fortzusetzen.
Anti-Sexistin steht dabei sinngemäß auf dem Standpunkt, daß hier im Forum häufig das Klischee anzutreffen sei, daß Frauen Abzockerinnen seien. Sie stellt sich gegen alle Klischees und Verallgemeinerungen. X-Ray meint, daß manchmal klischeehafte Bemerkungen nützlich seien, um statistische Zusammenhänge zu verdeutlichen.
Der Disput ist aber für mich ein Aufhänger, allgemeines über das Mißverständnis auszudrücken, hier würden nur inverse Femi-Klischees bedient. Dies vor allem an Neuleser und Einsteiger:
Nach intensivem Befassen mit diesem Forum: Dies ist ein Forum FÜR Gleichberechtigung. Es ist KEINES gegen Frauen.
Da auch ich glaube, daß es sich um verschiedene Ebenen der Diskussion handelt, hier im Forum jedoch meist der seriösen Betrachtung Vorrang gegenüber der klischeehaften eingeräumt wird einige Gedanken dazu.
Mein Postulat hierzu ist: Frauen und Männer sind wirklich als gesellschaftliche Subjekte gleich.
Hier im Forum wird zumeist die gesellschaftliche Realität der Nichtgleichbehandlung moniert. Die wenigen tatsächlichen Fälle (mir fällt eigentlich aber keiner ein) einer unbegründeten Eigenschaftszuweisung wie "Frauen sind soundso" sind wirklich nicht der Tenor hier.
Selbst wenn zum Beispiel auf Abzocke von Frauen hingewiesen wird, dann entweder als Beleuchtung eines konkreten Falles (nichtgeneralisierend) oder als Beleuchtung der gesellschaftlichen Umstände, die solch Verhalten teilweise belohnen. Beides kann zwar von unbeteiligten mit Klischees verwechselt werden. Einer Prüfung darauf halten sie meist nicht stand.
Ich glaube auch nicht - um bei dem Beispiel zu bleiben, daß Frauen - ihrer Natur nach - tendenziell Abzockerinnen sind. (das glaubt wahrscheinlich auch sonst niemand hier).
Jedoch glaube ich, daß alle menschlichen Ausprägungen des homo oeconomicus tendenziell Abzocker sind, wenn die Rahmenbedingungen dieses Verhalten fördern.
Wenn also Rahmenbedingungen Abzockermentalität einer Gruppe von Menschen fördern, wird diese Gruppe tendenziell dieses Verhalten auch zeigen.
Würde beispielsweise ein Gesetz geschaffen, nach dem Schwarzhaarige aufgrund nicht näher spezifizierter jedoch allgemein anerkannter Benachteiligung ein Recht haben, auch nach Berufsausbildung von den Eltern alimentiert zu werden - nun nach geraumer Zeit wären statistisch garantiert mehr Schwarzhaarige 45-jährige bei ihren Eltern zu sichten als beispielsweise Blonde.
Darufhin schüfen die Blonden das Klischee von den faulen Schwarzhaarigen, worüber sich alle ganz normal arbeitenden Schwarzhaarigen aufregten.
Schließlich würden einige Vorkämpfer der Schwarzhaarigen auf die zunehmende Verunglimpfung dieser Gruppe hinweisen und Antidiskriminierungsmaßnahmen fordern... Einige blonde Mitkämpfer finden sich auch. Ist ja auch wahr, wie sich die verbliebenen wertschaffenden Schwarzhaarigen anstrengen und trotz aller Anfeindungen teilweise sogar Höchstleistungen zustande bringen...
Dies jedoch zeigt den Blonden mehr und mehr, daß die ganze Gesellschaft von den Ideologen der Schwarzhaarigen durchsetzt ist.
Immerhin gibt es schon ganze Behörden mit tausenden von Mitarbeitern, die sich um die Aufhebung der Schwarzhaarigen-Unterdrückung bemühen...
Na - klingelts?
Es geht hier im Forum von Ausnahmen abgesehen niemals um DIE Frauen, die als solche Abzockerinnen sind! Es geht darum, daß aufgrund immer noch typischer Biographien Männer in Partnerschaften meist arbeiten gehen.
Es geht darum, daß sich Frauen bei erfolgreichen Männern meist wohler fühlen.
Es geht darum, daß auch die erfolgreiche Ingenieurin lieber mit einem noch erfolgreicheren Manager zusammen ist - als nur mit einem Ingenieur.
Es geht darum, daß deshalb der (wirtschaftlich erfolgreiche) Ingenieur also eher eine (wirtschaftlich weniger erfolgreiche) Abteilungsassistentin findet als eine (wirtschaftlich erfolgreiche) Ingenieurin, der Facharbeiter eher eine ungelernte Verkäuferin als eine Farcharbeiterin, der ungelernte Hilfsarbeiter eben oftmals allein bleibt wohingegen die ungelernte Hilfsarbeiterin noch gute Chancen auf den Pennymarkt-Verkaufstellenleiter hat. Da mag man die Augen vor verschließen, das ganze nicht wahrhaben wollen oder so tun als sei es nicht real und
natürlich gibt es für alles Gegenanzeigen. Aber niemand kann mich nach 37 Jahren Beobachtung der Welt noch ernsthaft vom glatten Gegenteil überzeugen wollen.
Weil dem so ist und weil die Rechtsprechung eine nicht nachvollziehbare Haftung von Ex-Ehepartnern füreinander vorsieht (Man stelle sich einmal vor: zwei Leute, die nichts, aber auch wirklich gar nicht mehr miteinander zu tun haben wollen, werden verpflichtet, füreinander aufzukommen) kann die Frau ohne Kinder tendenziell nach einigen Scheidungen ein ordentliches Plus verbuchen - gegenüber einem partnerfreien Leben mit gleichem beruflichen Werdegang. Der Mann ohne Kinder weist gegenüber einem partnerfreien Leben mit gleichem beruflichen Werdegang nach gleicher Anzahl von Scheidungen tendenziell ein ordentliches Minus aus.
Ökonomisch ist eine Ehe tendenziell für eine Frau ein profitables, für den Mann ein schlechtes Geschäft.
Kinder sind bei gut ausgebildeten Paaren ein negativ-Offset auf beiden Seiten.
Bei aus o.g. Gründen häufig anzutreffenden Paarbeziehungen "besser verdienender Ehemann - schlechter verdienende Ehefrau" sind Kinder bis zu einer gewissen Anzahl oftmals Lebensstandard steigernd - für die Ex-Ehefrau und ruinös schmälernd für den Ex-Ehemann.
Muß man sich nun wundern, daß Frauen tendenziell von solch einer Möglichkeit Gebrauch machen? Nein! Das machen Männer genauso - wenns möglich ist -ist's aber eben seltener. Man muß sich aber sehr wundern, daß solch Möglichkeiten überhaupt bestehen!
Nichts dagegen zu sagen, daß der während der Ehe erwirtschaftete Zugewinn geteilt wird. Der ist nicht wirklich zuordenbar.
Nicht mal wirklich was gegen Betreuungsunterhalt - solange wirklich bedarfsbezogen.
Aber beim besten Willen: Gebe ich die Ehe auf - so auch den daraus resultierenden Lebensstandard. Ich bin wieder allein: will sagen, auch wieder auf mich allein gestellt. Ich nehme die Hälfte des gemeinsamen Gewinns und habe mit dem anderen nichts mehr am Hut.
Ich bin im Osten unseres vereingten Landes groß geworden. Da war nun so ziemlich alles im Argen - aber das Scheidungsrecht war wirklich moderner und auf zwei souveräne Partner zugeschnitten. Da braucht mir auch keiner mit Betreuungsangeboten und ähnlichem Sozial-Gelaber kommen. Es ist am Ende eine Frage der Haltung. Entweder bin ich souverän und emanzipiert oder nicht.
Es ist mehr als nur unschön, daß der Staat sich in die Beziehungsausgestaltung zweier souveräner Menschen hineindrängt. Es ist Familie und Ehe verhindernd.
meint hquer

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