Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Nur eine kurze Frage:

Tran, Tuesday, 03.02.2004, 16:33 (vor 8038 Tagen)

Warum ist in Begriffen wie "LehrerInnen" oder "StudentInnen" das i grossgeschrieben? Das wird schon lange so gemacht, ich weiss, aber warum?
Weiss das jemand?

Tran

Re: Binnen-I

Peter, Tuesday, 03.02.2004, 17:22 (vor 8038 Tagen) @ Tran

Als Antwort auf: Nur eine kurze Frage: von Tran am 03. Februar 2004 14:33:50:

Warum ist in Begriffen wie "LehrerInnen" oder "StudentInnen" das i grossgeschrieben? Das wird schon lange so gemacht, ich weiss, aber warum?

Nach der aktuellen Rechtsschreibung ist das i in Lehrerinnen oder Studentinnen nicht groß geschrieben. Bei deinen Fällen handelt sich stattdessen um eine bewusste Verletzung der Rechtschreibung als politisches Zeichen.

Die traditionellen Regeln der Rechtschreibung sehen vor, dass für eine Gruppe von z.B. zwei männlichen Lehrern und zehn weiblichen Lehrerinnen die Angabe zwölf Lehrer gebraucht wird. Darin sahen und sehen einige Feministen und Feministinnen eine Benachteiligung der Frauen. Insbesondere meinen sie, damit komme zum Ausdruck, der normale Lehrer sei ein Mann und eine Frau nur eine (geduldete) Ausnahme. Weil es aber in der deutschen Sprache keine Form der Mehrzahl existiert, die sich von der Mehrzahl einer eingeschlechtlichen Gruppe unterscheidet, führten interessierte Kreise den Begriff LehrerInnen ein, der Frauen und Männer gleichermaßen umfassen soll. Die Schreibweise hat sich besonders durch die Tagszeitung TAZ verbreitet.

Zur Kritik daran lässt sich unter anderem sagen, dass man LehrerInnen nicht geschlechtsneutral sprechen kann, denn Lehrerinnen sind nach der traditionellen Rechtschreibung nur Frauen. Weil aber das Lesen über das Sprachzerntrum im Gehirn läuft, stolpert man regelmäßig über das große Binnen-I. Das mag am Anfang auch so gewollt gewesen sein, aber es wird auf die Dauer nur lästig.

Stattdessen wird entweder nach neutralen Wörtern gesucht werden wie Studierende statt Studenten (obwohl sie lateinisch dasselbe sind) oder, wie ich es bevorzuge, es werden bei der ersten Erwähung Lehrer und Lehrerinnen genannt, aber im folgenden nur Lehrer, weil darunter auch Frauen fallen. So ist unsere Muttersprache nunmal gewachsen, und an das Patriarchat in der Muttersprache glaube ich nicht. In Gesetzestexten werden immer beide genannt, leider auch in Verwaltungsvorschriften, die dadurch noch unverständlicher werden - vielleicht ist das ja auch so gewollt.

Gruß,

Peter

Raser, Raucher, Diebe und Verbrecher

Mic, Tuesday, 03.02.2004, 17:55 (vor 8038 Tagen) @ Peter

Als Antwort auf: Re: Binnen-I von Peter am 03. Februar 2004 15:22:18:

In femi schreibweise ohne 'I': Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kümmern sich intensiv um unsere Kunden und Kundinnen.

Oder 'die patienten und patientinnen wenden sich an die ärzte und ärztinnen'.
usw. usw.

Auch auf formularen lese ich 'Vom Arzt/Von der Ärztin auszufüllen'

So weit so irr, aber ist euch schon aufgefallen, dass das anführen beider individueller geschlechter bei negativen begriffen offenbar nicht sooo notwendig ist? Da ist immer von rauchern, verbrechern etc. die rede.
Abgesehen von trotteln und idioten bei denen die femis auch nicht so begierig sind eine explizit weibliche form zu erfinden.

Aber im ernst, die sprachzerstörung ist meiner meinung nach kein spaß mehr.
Da muss man/frau was dagegen machen!

Re: Raser, Raucher, Diebe und Verbrecher

Andreas, Tuesday, 03.02.2004, 19:19 (vor 8038 Tagen) @ Mic

Als Antwort auf: Raser, Raucher, Diebe und Verbrecher von Mic am 03. Februar 2004 15:55:03:

Ich benutze konsequenterweise immer die männliche Form: Studenten und Lehrer. Punkt. Damit bin ich auch schon angeeckt, aber das stört mich nicht. Die Leute, die sich immer um das politisch korrekte "Studentinnen und Studenten" bemühen, können das nämlich in der Regel nicht konsequent durchziehen. Sonst müßte es "Bügerinnen- und Bürgersteig" heißen oder neutral "Volkssteig". Absurder wird es dann bei solchen Kontruktionen wie:
Studentinnenvertreter und Studentinnenvertreterinnen und Studentenvertreter und Studentenvertreterinnen.

Ich bin doch nicht blöd und fange noch mit diesem Quatsch an.

Andreas

Re: Raser, Raucher, Diebe und Verbrecher

AJM, Tuesday, 03.02.2004, 20:20 (vor 8038 Tagen) @ Mic

Als Antwort auf: Raser, Raucher, Diebe und Verbrecher von Mic am 03. Februar 2004 15:55:03:

Frei nach Uli Stein:

Liebe Menschinnen und Menschen.......

Übrigens: Auf der Buchmesse in Frankfurt erklärte mir mal ein Sprachforscher, daß das kleingeschriebe "frau" anstatt des "man" eine Vergewaltigung der Spache sei. (Da kann man/frau aber nur staunen). Erklärung: Das kleingeschriebene "frau" gibst es eigentlich nicht, und das kleingeschriebene "man" kommt nicht von Mann (also männlich), sondern von Mensch. Jetzt mal weiter gedacht: Wollen die selbstbewegten Damen damit andeuten, daß sie keine Menschen sind?

Gruß

AJM

Re: Binnen-I

Tran, Tuesday, 03.02.2004, 21:49 (vor 8038 Tagen) @ Peter

Als Antwort auf: Re: Binnen-I von Peter am 03. Februar 2004 15:22:18:

Guten Abend Peter!

Super erklärt - danke!
Ich find´s wirklich etwas daneben, scheine da aber nicht der einzige zu sein. Aber auch was AJM schreibt - das mit dem man/frau - find ich blödsinnig. "Man nehme..." so kenn ich das. Dabei würd ich nie drauf kommen das damit speziell Männer angesprochen wären.
Im übrigen hab ich während meiner Schulzeit (Gott hab sie selig, möge die Bildung in Frieden ruhen) auch aufgeschnappt das Grossschreibung auch ein Zeichen von Respekt sein kann. So zum Beispiel beim "Sie" oder "Du" in Briefen (bzw. hier im Forum). Was soll man da vom kleingeschriebenen "frau" halten?
Frauen sind natürlich genau wie Männer nicht von grundauf schlecht, haben aber meist leider diesen Hang zur Übertreibung.
Und die deutsche Sprache so zu verhunzen find ich äusserst übertrieben.

Tran

Re: Raser, Raucher, Diebe und Verbrecher

Tran, Tuesday, 03.02.2004, 21:55 (vor 8038 Tagen) @ Mic

Als Antwort auf: Raser, Raucher, Diebe und Verbrecher von Mic am 03. Februar 2004 15:55:03:

Guten Abend Mic!

So weit so irr, aber ist euch schon aufgefallen, dass das anführen beider individueller geschlechter bei negativen begriffen offenbar nicht sooo notwendig ist? Da ist immer von rauchern, verbrechern etc. die rede.

Darin sehe ich eigentlich weiter kein Problem. Bin sogar heilfroh das wenigstens ein paar Begriffe verschont bleiben von dieser "...innen"-manie.

Ausserdem....

Abgesehen von trotteln und idioten bei denen die femis auch nicht so begierig sind eine explizit weibliche form zu erfinden.

....würde ich mir bei "Du Trottelin" eher einen Ast lachen als das ich in der Lage wäre dieselbe weiter zu beschimpfen. Es klingt manches einfach zu fürchterlich.

Aber im ernst, die sprachzerstörung ist meiner meinung nach kein spaß mehr.
Da muss man/frau was dagegen machen!

Hm, ja - da wär ich auch dafür. Aber was?

Tran

Re: Binnen-I

XRay, Tuesday, 03.02.2004, 23:19 (vor 8038 Tagen) @ Peter

Als Antwort auf: Re: Binnen-I von Peter am 03. Februar 2004 15:22:18:

...irgendwo hatten wir das Thema schon.
Wenn ich es recht habe, dann wurde wesentlich von feministischer Seite
kritisiert, dass Frauen oft nur mitgemeint seien.
In vielen Fällen war aber jedem klar, dass natürlich beide
Geschlechter gemeint waren. Durch die Einführung des Binnen-I wird
jetzt erst das Problem erzeugt, dass nämlich manche garnicht mehr
mitgenannt werden, die auch gemeint sind.
Obendrein wird mitunter sehr gründlich darauf geachtet, dass
negativ belegte Begriffe eben nicht mit -Innen ergänzt werden.
Ganz signifikant war das z.B. auf den Seiten der Frauenpartei
festzustellen. Alle möglichen Begriffe waren mit -Innen ergänzt.
Nur sobald von Tätern die Rede war, da gab es das nicht.
Wenn die herkömmliche Sprache diskrimminierend gewesen sein sollte,
dann ist sie es damit erstrecht.
Aber das Binnen-I ist schon sehr verbreitet. Da hat z.B. die SPD
zu einer Versammlung alle WählerInnen eingeladen. Damit
war mir klar, dass die SPD meine Stimme nicht haben will.

Re: Raser, Raucher, Diebe und Verbrecher

XRay, Tuesday, 03.02.2004, 23:33 (vor 8038 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Re: Raser, Raucher, Diebe und Verbrecher von Andreas am 03. Februar 2004 17:19:52:

Ich benutze konsequenterweise immer die männliche Form: Studenten und Lehrer. Punkt. Damit bin ich auch schon angeeckt, aber das stört mich nicht. Die Leute, die sich immer um das politisch korrekte "Studentinnen und Studenten" bemühen, können das nämlich in der Regel nicht konsequent durchziehen. Sonst müßte es "Bügerinnen- und Bürgersteig" heißen oder neutral "Volkssteig". Absurder wird es dann bei solchen Kontruktionen wie:
Studentinnenvertreter und Studentinnenvertreterinnen und Studentenvertreter und Studentenvertreterinnen.
Ich bin doch nicht blöd und fange noch mit diesem Quatsch an.
Andreas

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Nee diese Sprachverrenkungen bleiben uns wohl nicht erspart.
Manches Wort wird da vielleicht in der Versenkung verschwinden.
Oder vielleicht gewöhnen wir uns an sowas:
Die Kranken und die KrankInnen ... das Erkranktenhaus..

Irgendwie hat das was von den SchildbürgerInnen.
..:-))

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