Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Laut lachen...

susu, Sunday, 01.02.2004, 00:40 (vor 8041 Tagen)

...mußte ich, als ich mir die aktuelle Titanic kaufte. Das ist nichts ungewöhnliches, ich lese das endgültige Satieremagazin gern. Doch diesmal war ein Artikel darin, der den auch hier teils gepflegten Biologismus so gnadenlos karrikiert, daß ich fast Mitleid habe, mit den zwei Autoren, auf die er sich bezieht.

Das neue Buch von Marc und Stephanie Tease! "Warum Männer unter der Dusche pinkeln und Frauen sich nackt fotografieren lassen - Ganz natürliche Erklärungen für eigentlich unerklärliche Unterschiede".

Ich empfehle ausdrücklich sich (falls nicht bereits geschehen) das genannte Magazin zu besorgen. Hier mal als Beispiel der erste Absatz:

Männer tragen gern Namen wie "Dirk", "Throsten" oder "Mario", Frauen heißen dagegen lieber "Kathrin", "Bernadette" oder "Manuela". Schon bei Säuglingen finden sich diese elementaren Unterschiede. Wissenschaftler machen dafür chemische Botenstoffe im Gehirn verantwortlich, die bei Männern und Frauen je unterschiedlich verteilt sind. Sie haben die Funktion, eine klare Geschlechteridentifikation auch bei Gesprächen im Dunkeln oder am Telefon zu ermöglichen - wichtig für die Reproduktion der Gattung Mensch, die sonst aussterben würde.

Wer sich wiedererkennt: Zähne zusammenbeißen. Alle anderen: Mal ganz elitär lachen, über die Millionen Idioten und Idiotinnen, die sich solcherlei Geschreibe sonst millionenfach kaufen und für wahr halten.

susu

Hehe ... wohl wahr *g* (n/t)

Andreas (der andere), Sunday, 01.02.2004, 00:42 (vor 8041 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Laut lachen... von susu am 31. Januar 2004 22:40:34:

Gibt's auch online: (n/t)

Serge, Sunday, 01.02.2004, 17:58 (vor 8040 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Laut lachen... von susu am 31. Januar 2004 22:40:34:

http://www.titanic-magazin.de/archiv/0204/maenner_frauen1.php

Danke euch beiden, gefällt mir sehr! :-) (n/t)

Arne Hoffmann, Sunday, 01.02.2004, 19:23 (vor 8040 Tagen) @ Serge

Als Antwort auf: Gibt's auch online: (n/t) von Serge am 01. Februar 2004 15:58:21:

-

Frage an susu

Der Eman(n)ze, Sunday, 01.02.2004, 18:14 (vor 8040 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Laut lachen... von susu am 31. Januar 2004 22:40:34:

Hi susu!

Spott und Hohn gegenüber (unzulässig vereinfachenden) Biologismen mögen berechtigt sein. Jedoch gewinne ich aufgrund Deiner pauschal ablehnenden Haltung gegenüber evolutionsbiologischen Erklärungsmodellen den Eindruck, daß Du Dir hier Dein persönliches Feindbild geschaffen hast.

In einer früheren Diskussion betontest Du, daß Du nicht dem Nur-Umwelt-Dogma anhängst. Diese Äußerung scheint meiner Ansicht nach nicht im Einklang zu stehen mit all Deinen Beiträgen.

Ich finde, Biologismen (=Rechtfertigung gesellschaftlicher Normen mit biologischen Unterschieden) und evolutionsbiologische Erklärungsmodelle sollten nicht in einen Topf geworfen werden.

Dein Motiv mag sein, daß Du die Modewelle des Boulevardbiologismus (->"Warum Frauen nicht bla und Männer bla") als abstoßend empfindest - zu recht, wenn man an seriösen Erklärungsmodellen interessiert ist. Aber ich finde, Du solltest auch mal das andere Extrem betrachten: Das Nur-Umwelt-Dogma und seine Etabliertheit. In einigen feministischen Theorien wird seit jahrzehnten an diesem Dogma festgehalten. Die realpolitischen Folgen sind asymmetrische (nicht geschlechtsneutrale) Frauenquoten und GirlsDay, mit dem unterm Strich wieder Zwang auf das Individuum ausgeübt wird - diesmal mit umgekehrtem Vorzeichen: Frauen und Mädchen haben den technischen Bereich "cool" zu finden, das ist total angesagt, über "Männer&Technik" lästernde PowerGirls sind in.

Meinem Empfinden nach sind beide Extreme der Normierung - Biologismus und Nur-Umwelt-Dogma - gleichermaßen in unserer Gesellschaft vertreten. Realpolitisch umgesetzt haben sie trotz Gegensätzlichkeit ganz ähnliche Folgen: Es wird am Individuum herumgedoktort, um irgendeine Statistik so zu "optimieren", daß das jeweilige Dogma rein statistisch erfüllt wird.

Beide Dogmen - das Nur-Umwelt-Dogma und der geschlechtsnormierende Biologismus - haben ein Problem: Es läßt sich weder das eine noch das andere Dogma wissenschaftlich bestätigen.

Ich empfinde dies jedoch gar nicht als schlimm. Es gibt Wege zur Gleichberechtigung (im Sinne von Chancengleichheit und Gleichwertigkeit), die nicht auf eines dieser beiden Dogmen angewiesen sind. Es muß gelingen, das Individuum vor geschlechtsnormierenden Rollenzuweisungen zu bewahren, andererseits dem Individuum die Wahlfreiheit für die persönlich am erfüllensten empfundene Rolle lassen. (letzteres fehlt z.B. den "Frauen durch Quoten in technische Berufe pressen"-Aktionen!)

Gewiß, dieser Weg kann eine Gratwanderung sein. Aber leider sind die einfacheren Wege nicht immer die besseren.

Ich würde mich über ein allgemeinverständliches Statement von Dir freuen. (andere können natürlich auch ihren Senf dazugeben)

Gruß
Der Eman(n)ze

Re: Frage an susu

susu, Sunday, 01.02.2004, 20:33 (vor 8040 Tagen) @ Der Eman(n)ze

Als Antwort auf: Frage an susu von Der Eman(n)ze am 01. Februar 2004 16:14:28:

Hallo Eman(n)ze

Spott und Hohn gegenüber (unzulässig vereinfachenden) Biologismen mögen berechtigt sein. Jedoch gewinne ich aufgrund Deiner pauschal ablehnenden Haltung gegenüber evolutionsbiologischen Erklärungsmodellen den Eindruck, daß Du Dir hier Dein persönliches Feindbild geschaffen hast.

Ich habe ja schon erklärt, daß ich die Soziobiologie für eine Wissenschaft halte, die durchaus den Ansprüchen an Wissenschaft genüge tun kann, daß mir in diesem Bereich aber keine Studie bekannt ist, die tatsächlich einen Verhaltensunterschied zwischen Männern und Frauen eindeutig auf biologische Ursachen zurückführen kann. Ich bin ja Naturwissenschaftleri (in Ausbildung) und mit einem Primatologen gut befreundet, so daß ich da auch Einblicke in Methodik und Kriterien für die Auswertung habe. Ich kann auch begründen, warum jede (!) biologische Feststellung eines Geschlechtsdimorphismus Problematisch ist, und zwar, weil es keine eindeutige Definition von Geschlecht in der Biologie gibt. Wichtiger noch: I.d.R. sind Genkomplexe auf verschiedenen Chromosomen für die Bildung von Eigenschaften zuständig. Damit kann sich die Wirkung von Geschlechtschromosomen auf verschiedene Personen stark unterschiedlich auswirken (Chromosom Nr.5 wirkt z.B. stark auf Hormonproduktion ein, etc.). Dazu kommt, daß in seltenen Fällen auch Crossing-over zwischen X und Y Chromosomen passiert, d.h. ein X-Chromosom kann Y-Gene enthalten und umgekehrt. Die Auswirkungen sind also von verschiedenen Voraussetzungen abhängig, Geschlecht damit nur schwerlich definierbar (je genauer Geschlecht definiert wird, desto größer die Zahl der Personen, die der Definition nach nicht als Mann oder Frau bezeichnet werden können [Außnahme wäre hier eine einseitige Definition eines der beiden Begriffe und der Ausformulierung der Gegendefinition als allen anderen, dabei wird letzterer Begriff aber extrem unscharf]).

In einer früheren Diskussion betontest Du, daß Du nicht dem Nur-Umwelt-Dogma anhängst. Diese Äußerung scheint meiner Ansicht nach nicht im Einklang zu stehen mit all Deinen Beiträgen.

Ich stehe auf dem Standpunkt, daß es biologische Erklärungen für bestimmte Verhalten gibt, daß es aber keine biologische Geschlechtsdefinition geben kann, die sich mit unserem Alltagsbegriff deckt. Das ist in anderen Wissenschaften nicht anders, Alkohol in der Chemie bezeichnet eine Ganze Gruppe von Stoffen, von denen nur einer in der Umgangssprachen gemeint ist usw.

Ich finde, Biologismen (=Rechtfertigung gesellschaftlicher Normen mit biologischen Unterschieden) und evolutionsbiologische Erklärungsmodelle sollten nicht in einen Topf geworfen werden.

Stimmt, immer vorausgesetzt es werden exakte Grenzen gezogen. Und zu oft mangelt es an der Differenzierung zwischen Geschlecht als Fachbegriff eines Teilbereichs der Biologie und dem Umgangssprachlichen Geschlecht.

Dein Motiv mag sein, daß Du die Modewelle des Boulevardbiologismus (->"Warum Frauen nicht bla und Männer bla") als abstoßend empfindest - zu recht, wenn man an seriösen Erklärungsmodellen interessiert ist. Aber ich finde, Du solltest auch mal das andere Extrem betrachten: Das Nur-Umwelt-Dogma und seine Etabliertheit. In einigen feministischen Theorien wird seit jahrzehnten an diesem Dogma festgehalten. Die realpolitischen Folgen sind asymmetrische (nicht geschlechtsneutrale) Frauenquoten und GirlsDay, mit dem unterm Strich wieder Zwang auf das Individuum ausgeübt wird - diesmal mit umgekehrtem Vorzeichen: Frauen und Mädchen haben den technischen Bereich "cool" zu finden, das ist total angesagt, über "Männer&Technik" lästernde PowerGirls sind in.

Auf der anderen Seite gibt´s dann auch den Differenzfeminismus, wo Frauen den Iran als positives Beispiel nennen, weil dort Frauen "ihrem Geschlecht treu" sein können. Das Clean-Slate-Dogma ist im Grunde auch nicht die Grundlage von Girls-Day etc., denn hier wird ja gerade davon ausgegangen, daß Mädchen einen Druck brauchen, um in den technischen, oder den Naturwissenschaftlichen Bereich zu gehen. Ich halte das wiederum für sinnlos, allerdings gehe ich hier doch von eher sozialen Ursachen aus. Wenn ich mir das Umfeld meiner Komilitoninnen ansehe, dann kommen die meist aus Familien, in denen ein Elternteil schon in diesem Bereich arbeitet. Physiker kommen aus allen möglichen Elternhäusern. Und wenn ich an meine Schulzeit denke und die Nachhilfeschülerinnen, die ich hatte. Den Satz "Ich kann das nicht, weil ich ein Mädchen bin" habe ich verdammt oft gehört. In der Regel hieß das: Ich habe das nicht einmal versucht. Und eine von denen studiert jetzt Mathematik... Es mag möglich sein, daß es biologische Ursachen gibt, aber ich halte es für falsch, sie den Leuten ständig entgegen zu rufen. Denn in Sachen Begabung gehen die Individuellen Unterschiede weit über alle potentiellen Geschlechtsunterschiede hinaus.

Niemand ist evolviert um Quantenphysik zu verstehen (eigentlich sind Menschen sogar evolviert um sie nicht zu verstehen).

Meinem Empfinden nach sind beide Extreme der Normierung - Biologismus und Nur-Umwelt-Dogma - gleichermaßen in unserer Gesellschaft vertreten. Realpolitisch umgesetzt haben sie trotz Gegensätzlichkeit ganz ähnliche Folgen: Es wird am Individuum herumgedoktort, um irgendeine Statistik so zu "optimieren", daß das jeweilige Dogma rein statistisch erfüllt wird.
Beide Dogmen - das Nur-Umwelt-Dogma und der geschlechtsnormierende Biologismus - haben ein Problem: Es läßt sich weder das eine noch das andere Dogma wissenschaftlich bestätigen.

Für bestimmte Fragestellungen schon. Durch den vergleich mit indignen Gesellschaften kann bei bestimmten Eigenschaften klar festgestelt werden, daß die Biologie keine, oder nur eine untergeordnete Rolle spielt. Bei entsprechender Genauigkeit der Fragestellung und der Definitionen wäre es auch möglich verhaltensbiologische Ursachen zu bestätigen.

Ich empfinde dies jedoch gar nicht als schlimm. Es gibt Wege zur Gleichberechtigung (im Sinne von Chancengleichheit und Gleichwertigkeit), die nicht auf eines dieser beiden Dogmen angewiesen sind. Es muß gelingen, das Individuum vor geschlechtsnormierenden Rollenzuweisungen zu bewahren, andererseits dem Individuum die Wahlfreiheit für die persönlich am erfüllensten empfundene Rolle lassen. (letzteres fehlt z.B. den "Frauen durch Quoten in technische Berufe pressen"-Aktionen!)
Gewiß, dieser Weg kann eine Gratwanderung sein. Aber leider sind die einfacheren Wege nicht immer die besseren.

Das stimmt. Und ich erkläre noch einmal, daß es darum gehen muß, Individuen Wahlmöglichkeiten zu bieten. Das bedeutet auch, Wahlmöglichkeiten aufzuzeigen, die Sicht auf Lebenswege offenzulegen.

Ich hoffe das war verständlich.

susu

Re: Frage an susu

Garfield, Tuesday, 03.02.2004, 19:51 (vor 8038 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Re: Frage an susu von susu am 01. Februar 2004 18:33:04:

Hallo Susu!

"Und ich erkläre noch einmal, daß es darum gehen muß, Individuen Wahlmöglichkeiten zu bieten. Das bedeutet auch, Wahlmöglichkeiten aufzuzeigen, die Sicht auf Lebenswege offenzulegen."

Dem stimme ich voll zu. Was mich allerdings an deinen Beiträgen häufig stört, ist, daß du oft behauptest, daß es zwischen Männern und Frauen gar keine wirklichen Unterschiede gäbe. Das entspricht einfach nicht der Realität, wie ich sie täglich erlebe. Nehmen wir nur mal ein einziges, simples Merkmal: Die Körpergröße. Die ist bei Frauen im Durchschnitt geringer als bei Männern. Das ist eine statistisch nachgewiesene Tatsache.

Du hast dazu mal geschrieben, daß man ja das Geschlecht gar nicht wirklich definieren könne, und somit könne man solche Unterschiede auch nicht feststellen. Damit kommst du mir vor wie jemand, der im Dunkeln nichts sieht und daraus schlußfolgert, daß dann logischerweise auch nichts da sein kann.

Allerdings ist dieser Vergleich nicht so ganz treffend. Ich glaube eher, daß du im Gegenteil zuviele Details siehst und so den Blick auf das Große und Ganze verlierst.

Nehmen wir mal an, du stellst dich irgendwo in eine Fußgängerzone. Dort befragst du jeden Passanten, ob er oder sie sich selbst als männlich oder als weiblich bezeichnen würde. Du notierst dir die Antwort, mißt danach die Körpergröße der Person und schreibst sie dazu. Am Ende errechnest du den Durchschnitt der Körpergröße für alle Personen, die sich eindeutig als Mann bezeichnet haben, und auch den Durchschnitt für alle Personen, die sich eindeutig als Frau bezeichnet haben. Am Ende wirst du feststellen, daß die Durchschnittsgröße der Frauen geringer ist.

Du kannst auch noch andere meßbare Merkmale mit einbeziehen. Z.B. die Körperkraft usw. Bei einigen Merkmalen wirst du keine eindeutigen Unterschiede feststellen. Bei einigen werden die Unterschiede aber deutlich vorhanden sein.

Das kannst du tausendmal tun, und die Ergebnisse werden immer in etwa gleich ausfallen. Es sei denn natürlich, du postierst dich vor einem Hotel, in dem sich zufällig gerade großwüchsige Frauen oder kleinwüchsige Männer treffen, oder wo viele Bodybuilderinnen anläßlich eines Bodybuildingwettbewerbs für Frauen wohnen.

In einer normalen Fußgängerzone aber wirst du feststellen, daß die Menschen, die sich als Männer bezeichnen, im Durchschnitt auch genau die Merkmale aufweisen, die man Männern im Allgemeinen zuschreibt, und bei den Menschen, die sich als Frauen bezeichnen, analog dazu dasselbe.

Hältst du es wirklich für Zufall, daß genau die Menschen, die sich als Mann bezeichnen, dann im Durchschnitt auch tatsächlich Eigenschaften haben, die als typisch männlich gelten, also z.B. höhere Körpergröße, größere Körperkraft usw.? Und daß die Menschen, die sich als Frauen bezeichnen, ebenfalls im Durchschnitt typisch weibliche Eigenschaften haben? Sofern es nur um psychische Merkmale geht, könnte Erziehung daran schuld sein, aber bei rein körperlichen Merkmalen entfällt der Faktor Erziehung. Niemand kann sich besonders groß wachsen lassen, nur um den für Männer geltenden Klischees zu entsprechen. Das ist etwas, das eben von Natur aus so ist.

Umgekehrt ist es auch keinesfalls so, daß jeder Mensch, der besonders groß ist, deshalb von der Gesellschaft als Mann betrachtet wird. Es gibt ja vereinzelt auch Frauen, die sehr groß sind. Die gelten trotzdem üblicherweise als Frauen und fühlen sich selbst auch mehrheitlich so.

Ich sehe es eigentlich auch so wie der Eman(n)ze, nämlich daß es zwar falsch ist, Menschen in Geschlechter-Klischees hineinzupressen, daß es andererseits aber auch falsch ist, einfach davon auszugehen, daß jeder Mensch etwa gleiche Fähigkeiten und Neigungen hat, und Menschen dann Berufe oder Verhaltensweisen aufzuschwatzen, die ihnen nicht wirklich liegen. Mit beidem tut man weder den betroffenen Menschen noch der Gesellschaft einen Gefallen.

Freundliche Grüße
von Garfield


Re: Frage an susu

Tran, Tuesday, 03.02.2004, 21:40 (vor 8038 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Frage an susu von Garfield am 03. Februar 2004 17:51:47:

Nehmen wir mal an, du stellst dich irgendwo in eine Fußgängerzone. Dort befragst du jeden Passanten, ob er oder sie sich selbst als männlich oder als weiblich bezeichnen würde. Du notierst dir die Antwort,

...und das machst Du dann solange bis einer wie Horst vorbeikommt und sich für keine der beiden Möglichkeiten entscheiden kann. ;-)

Tran

Re: Frage an susu

Garfield, Wednesday, 04.02.2004, 11:23 (vor 8038 Tagen) @ Tran

Als Antwort auf: Re: Frage an susu von Tran am 03. Februar 2004 19:40:28:

Hallo Tran!

Das macht nichts. Horst kriegt dann seine eigene Rubrik! :-)

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Frage an susu

Tran, Wednesday, 04.02.2004, 13:29 (vor 8038 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Frage an susu von Garfield am 04. Februar 2004 09:23:05:

Guten Morgen Garfield!

Ich glaube nicht das man mit drei Spalten auskommen würde.
Wo sollte man zum Beispiel Leute einorden die eigentlich in die Rubrik "Mann" gehörten, würden sie sich nicht plötzlich schminken und Strumpfhosen tragen?
Oder diese merkwürdigen Wesen die zwar oft diese frauentypischen Ausbuchtungen unterm t-shirt haben, ansonsten aber nun wirklich nichts weibliches/frauliches an sich haben?
Will nicht behaupten diese beiden Gruppen würden eine Mehrheit bilden, doch nimmt das ganze meiner Meinung nach jetzt schon überhand.
Während die erstgenannten mich weniger stören, eher ein kleines Kopfschütteln entfachen, habe ich mit letzeren schon eher ein Problem.
In meiner Umgebung sehe ich das es auch anders geht. Da gibt es Frauen die sich auch noch wie Frauen verhalten. (Ob die alle von ihren Männern/Partnern unterdrückt und ausgebeutet werden?)
Die Forderung der Frauen nach mehr Rechten mag vielleicht früher einmal ihre Berechtigung gehabt haben. Aber jetzt?
Ob das wirklich der richtige Weg ist das man als Frau Kampfbereitschaft zeigt, sich auch in Momenten abwehrend zu verhalten in denen gar kein Angriff stattfindet? Ob es sich irgendwie auszahlt wenn sich eine Frau krampfhaft männliche Attribute aneignet, "typisch männliche" Eigenschaften immitiert?
Ich weiss nicht wo eine Frau bei solch einem Verhalten ihren Vorteil hat, ich sehe da eher Nachteile, wie zum Beispiel die fehlende familiäre Geborgenheit und der Machtverlust gegenüber den Männern.
Sehen wirs doch mal so: Wann erfüllen wir einer Frau eher ihren Willen? Wann tun wir eher was sie möchte?
Ich weiss nicht wie Du darüber denkst, aber auf mich macht eine Frau eher Eindruck wenn sie sich auch verhält wie eine Frau.
So würde ich aus Liebe zu meiner Partnerin für sie absolut alles machen, wenn sie es nur richtig verpackt, eine Feministin hingegen würde es noch nichtmal schaffen das ich den Müll rausbringe.
Abschliessend möchte ich betonen das ich mich nicht gerade als "Macho" bezeichnen würde.

Tran

Re: Frage an susu

Garfield, Thursday, 05.02.2004, 13:50 (vor 8037 Tagen) @ Tran

Als Antwort auf: Re: Frage an susu von Tran am 04. Februar 2004 11:29:05:

Hallo Tran!

"Wo sollte man zum Beispiel Leute einorden die eigentlich in die Rubrik "Mann" gehörten, würden sie sich nicht plötzlich schminken und Strumpfhosen tragen?"

Wieso sollten Männer, die sich schminken oder Strumpfhosen tragen, keine Männer mehr sein? Noch vor wenigen Jahrhunderten sah man das ganz anders. Da war es nämlich auch für Männer üblich, sich zu schminken und so etwas wie Strumpfhosen zu tragen. Da sich nur reiche Männer so etwas leisten konnten, galt das sogar als Zeichen für Wohlstand.

Wenn ich mir die Geschichte so ansehe, habe ich sehr das Gefühl, daß das von der Gesellschaft vorgegebenen Männerbild erst in den letzten ca. 150 Jahren so eingeengt wurde. Also etwa genau seitdem sich die Frauenbewegung nach und nach gesellschaftlich etabliert hat.

Als ich vor einiger Zeit beispielsweise ein Buch über die deutsch-englischen Beziehungen las, war ich sehr überrascht, dort zu lesen, daß ein deutscher General so um 1900 herum auf einer offiziellen Feier in Anwesenheit des Kaisers und anderer Würdenträger des Deutschen Reiches ganz selbstverständlich im Ballettkleidchen erscheinen und eine kleine Ballett-Einlage zum Besten geben konnte. Das tat dieser General häufig auf Feiern. Und zwar ohne daß er sich damit gesellschaftlich diskreditiert hätte. Man betrachtete das einfach als eine Marotte von ihm.

Nun stell dir das mal in der heutigen Zeit vor: Auf einer offiziellen Feier in Anwesenheit des Bundespräsidenten und anderer hochrangiger Persönlichkeiten der Bundesrepublik Deutschland kommt plötzlich ein Bundeswehr-General im Ballettkleidchen herein und tanzt den Schwanensee... Wie würde das wohl aufgenommen werden? Ich sehe die Schlagzeilen in "BILD" und anderen Käseblättern schon deutlich vor mir... Der arme Kerl könnte sich doch nirgends mehr blicken lassen, und man würde ihn wahrscheinlich auch schnell von seinem Posten wegkomplimentieren.

Ich gebe Susu insofern Recht, als viele Normen, die uns heute von der Gesellschaft vorgegeben werden, tatsächlich keineswegs natürlich sind. Und ich habe das Gefühl, daß die Frauenbewegung oder einfach nur ganz allgemein das, was immer gern als Emanzipation der Frau bezeichnet wird, daran großen Anteil hat. Noch vor 50 Jahren galt es für verheiratete Frauen als normal, nicht mehr zu arbeiten und sich ganz auf Kinder und Haushalt zu konzentrieren. So galt in den Augen der Frauen jeder Mann als "männlich", der es schaffte, die Familie allein zu ernähren.

Als dann aber immer mehr Frauen selbst auch in der Ehe berufstätig waren, wuchsen ihre Ansprüche an die Männer. Bis heute ist es so, daß die meisten Frauen einen Mann nur dauerhaft als Partner akzeptieren, wenn sein Einkommen über ihrem liegt, oder zumindest nicht sehr weit darunter. Da Frauen aber tatsächlich gar nicht unterbezahlt sind, wird es für sie natürlich schwieriger, Partner zu finden, die deutlich mehr verdienen als sie. Gerade wenn die Einkommen stagnieren oder sogar sinken. Also verlagern sie ihre Ansprüche und damit das, was sie unter "männlich" verstehen, auf andere Bereiche. Wenn ein Mann schon nicht viel mehr oder sogar weniger verdient als sie, dann muß er eben in anderer Hinsicht ein "echter Kerl" sein. Irgendwelche "schwuchtelhaften" Anwandlungen sind dann natürlich absolut tabu. Und die Männer passen sich dem dann an.

Noch im 19. Jahrhundert war es üblich, daß sich Männer, die sehr gut befreundet waren, beispielsweise in Briefen mit "Mein Liebster" anredeten. Heute würde das wohl kaum noch ein Mann tun, aus Angst, dann als Schwuchtel angesehen zu werden.

Ich denke, daß es auch zur Emanzipation des Mannes gehört, sich von solchen gesellschaftlichen Fesseln zu befreien, sofern sie denn als einengend empfunden werden.

Ich kann sowohl Susu als auch dich gut verstehen. Genau wie du finde ich es auch manchmal befremdlich, wenn Männer sich wie Frauen kleiden und schminken. Ich habe einen Arbeitskollegen, der das seit einigen Monaten konsequent durchzieht.

Aber letztendlich ist es doch so, daß wir einfach nur dazu erzogen wurden, das als befremdlich zu empfinden. Ich selbst habe nicht das Bedürfnis danach, in Frauenkleidern herum zu laufen. Aber ich finde es in Ordnung, wenn ein anderer Mann das tut. Frauen ziehen heute schließlich auch Männerkleidung an - wieso soll es also Männern weiterhin verboten bleiben, Frauenkleidung zu tragen?

Und was nun Frauen angeht: Da sind die Geschmäcker ja auch verschieden. Mit einer Radikalfeministin könnte ich auch nicht zusammen leben. Aber ein Heimchen am Herd würde ich auch nicht so toll finden. Bei mir war es eh schon immer so, daß ich keinen festgelegten Traumfrauen-Typ hatte.

Ich denke, daß wir alle einfach toleranter werden müssen. Die Menschen, die mit den gesellschaftlichen Normen keine Probleme haben, sollten es akzeptieren lernen, daß andere Menschen diese Normen eben auch mal sprengen, jedenfalls sofern sie niemandem damit schaden. Und die Menschen, die aus diesen Normen ausbrechen, sollten auch akzeptieren, daß andere Menschen das zuweilen nicht so toll finden, und sie sollten verstehen, daß nicht alle anderen Menschen nur gezwungenermaßen an den üblichen Normen festhalten, sondern daß viele Menschen damit wirklich gar kein Problem haben. Da ist also von beiden Seiten Toleranz und Akzeptanz gefragt.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Frage an susu

susu, Friday, 06.02.2004, 19:35 (vor 8035 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Frage an susu von Garfield am 03. Februar 2004 17:51:47:

Hallo Garfield

Dem stimme ich voll zu. Was mich allerdings an deinen Beiträgen häufig stört, ist, daß du oft behauptest, daß es zwischen Männern und Frauen gar keine wirklichen Unterschiede gäbe. Das entspricht einfach nicht der Realität, wie ich sie täglich erlebe. Nehmen wir nur mal ein einziges, simples Merkmal: Die Körpergröße. Die ist bei Frauen im Durchschnitt geringer als bei Männern. Das ist eine statistisch nachgewiesene Tatsache.
Du hast dazu mal geschrieben, daß man ja das Geschlecht gar nicht wirklich definieren könne, und somit könne man solche Unterschiede auch nicht feststellen. Damit kommst du mir vor wie jemand, der im Dunkeln nichts sieht und daraus schlußfolgert, daß dann logischerweise auch nichts da sein kann.
Allerdings ist dieser Vergleich nicht so ganz treffend. Ich glaube eher, daß du im Gegenteil zuviele Details siehst und so den Blick auf das Große und Ganze verlierst.

Das mag zutreffen. Allerdings liegt der Teufel gerade im Detail und die Frage ist: Welcher Maßstab wird dem Thema gerecht. Ich bin der Meinung eine Grundlegende Theorie des Geschlechts, mit der politsch gearbeitet werden kann muß auf der Ebene des Individuums ansetzen, sonst ist die Gefahr da, daß bestimmte Eigenscahften totalisiert werden. Den Fehler hat die Frauenbewegung gamacht, als sie das "feministsiche Wir" einführte und dabei "die Frauen" zu einer Gruppe mit uniformen Bedürfnissen stilisierte, was dann in der Folge zu internen Kämpfen führte, weil "die Frau" heterosexuell, weiß und middle-class war (und 20-30 Jahre alt, nicht-behindert, cis, etc...). Diesen Fehler sollte die Männerbewegung nicht wiederholen. Jede Wissenschaft bringt Modelle verschiedenen Maßstabs hervor, mit bestimmten Gültigkeitsgrenzen. Das Zweigeschlechtermodell ist ein in bestimmten Kontexten sinnvolles Instrument, kann aber Individuen nicht ausreichend genau beschreiben. Deshalb plädiere ich für ein genaueres Instrumentarium zur Eklärung von Diskriminierung auf Grund von Geschlecht und genauere Modelle sind nicht mehr binär. Für bestimmte Rechnungen ist es vernünftig, die Erde als Punktmasse zu betrachten, wenn ich wissen will, wie ich von Hannover nach Osnabrück komme, hilft mir diese Abstraktion nicht weiter.

Nehmen wir mal an, du stellst dich irgendwo in eine Fußgängerzone. Dort befragst du jeden Passanten, ob er oder sie sich selbst als männlich oder als weiblich bezeichnen würde. Du notierst dir die Antwort, mißt danach die Körpergröße der Person und schreibst sie dazu. Am Ende errechnest du den Durchschnitt der Körpergröße für alle Personen, die sich eindeutig als Mann bezeichnet haben, und auch den Durchschnitt für alle Personen, die sich eindeutig als Frau bezeichnet haben. Am Ende wirst du feststellen, daß die Durchschnittsgröße der Frauen geringer ist.
Du kannst auch noch andere meßbare Merkmale mit einbeziehen. Z.B. die Körperkraft usw. Bei einigen Merkmalen wirst du keine eindeutigen Unterschiede feststellen. Bei einigen werden die Unterschiede aber deutlich vorhanden sein.
Das kannst du tausendmal tun, und die Ergebnisse werden immer in etwa gleich ausfallen. Es sei denn natürlich, du postierst dich vor einem Hotel, in dem sich zufällig gerade großwüchsige Frauen oder kleinwüchsige Männer treffen, oder wo viele Bodybuilderinnen anläßlich eines Bodybuildingwettbewerbs für Frauen wohnen.
In einer normalen Fußgängerzone aber wirst du feststellen, daß die Menschen, die sich als Männer bezeichnen, im Durchschnitt auch genau die Merkmale aufweisen, die man Männern im Allgemeinen zuschreibt, und bei den Menschen, die sich als Frauen bezeichnen, analog dazu dasselbe.
Hältst du es wirklich für Zufall, daß genau die Menschen, die sich als Mann bezeichnen, dann im Durchschnitt auch tatsächlich Eigenschaften haben, die als typisch männlich gelten, also z.B. höhere Körpergröße, größere Körperkraft usw.? Und daß die Menschen, die sich als Frauen bezeichnen, ebenfalls im Durchschnitt typisch weibliche Eigenschaften haben? Sofern es nur um psychische Merkmale geht, könnte Erziehung daran schuld sein, aber bei rein körperlichen Merkmalen entfällt der Faktor Erziehung. Niemand kann sich besonders groß wachsen lassen, nur um den für Männer geltenden Klischees zu entsprechen. Das ist etwas, das eben von Natur aus so ist.

Es ist kein Zufall, aber die Kausalität ist genau entgegengesetzt: Denn wir ordnen uns ja unseren Eigenschaften entsprechend als Mann oder Frau ein. Der Gesetzgeber läßt den Gyn bei der Geburt das Geschlecht feststellen, der geht nach äußeren Geschlechtsorganen (was nur in einer von 2000 Faällen unmöglich ist), diese Zuordnung korelliert in der Überwiegenden Mehrheit mit dem gonodalen Geschlecht, daß wiederum bei 66% der Bevölkerung mit "für ihr Geschlecht normalen" Testosteronwerten einhergeht. Und zwischen T-Level und Körpergröße sowie Muskelkraft besteht ebenfalls eine Korellation. Nur: Bei jedem Schritt in der Kausalkette fällt ein Teil heraus und bestimmte Verhaltensweisen beinflussen den Testosteronspiegel erheblich (Bodybuilding ist ein gutes Beispiel), damit werden auch hier soziale Komponenten aktiv.

Wir haben also bestimmte biologische Eigenschaften, die zu anderen biologischen Eigenschaften führen können und gleichzeitig zu sozialer Einordnung in ein Geschlecht, was wiederum rückwirkt auf bestimmte biologische Eigenschaften.

Ein komplexes Geflecht aus genetischen Eigenschaften, Erziehung und freien Entscheidungen von Individuen führt zu einem Cluster von Eigenschaften, die dann vom Individuum selbst und von seiner sozialen Umgebung als Geschlecht verstanden werden.

Umgekehrt ist es auch keinesfalls so, daß jeder Mensch, der besonders groß ist, deshalb von der Gesellschaft als Mann betrachtet wird. Es gibt ja vereinzelt auch Frauen, die sehr groß sind. Die gelten trotzdem üblicherweise als Frauen und fühlen sich selbst auch mehrheitlich so.
Ich sehe es eigentlich auch so wie der Eman(n)ze, nämlich daß es zwar falsch ist, Menschen in Geschlechter-Klischees hineinzupressen, daß es andererseits aber auch falsch ist, einfach davon auszugehen, daß jeder Mensch etwa gleiche Fähigkeiten und Neigungen hat, und Menschen dann Berufe oder Verhaltensweisen aufzuschwatzen, die ihnen nicht wirklich liegen. Mit beidem tut man weder den betroffenen Menschen noch der Gesellschaft einen Gefallen.

Das stimmt. Allerdings ist eben Geschlecht keine Eigenschaft, die ein Individuum besitzt, sondern eine Funktion dieser Eigenschaften. Vom Geschlecht läßt sich auf keine Eigenschaft eines Individuums schließen.

Re: P.S:? :o) ?

Andreas (der andere), Sunday, 01.02.2004, 20:05 (vor 8040 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Laut lachen... von susu am 31. Januar 2004 22:40:34:

... aber, mal ganz im Ernst: Wer kauft diese Bücher? Ich sehe sie jedesmal, wenn ich in einem Buchladen bin, der eine Bestsellerliste führt, unter den ersten zehn oder zwanzig Plätzen. Aber ich habe noch nie jemanden gesehen, der eins von den Teilen gekauft oder auch nur reingeschaut hätte (und ich halte mich da doch längere Zeit auf). Außerdem ... wie sagt man das nett ... ist das Zeug doch das reinste Altpapier; mein Verstand weigert sich, sich vorzustellen, daß jemand 15 Euro dafür ausgibt, gesagt zu bekommen, z.B. sie könne nicht einparken (Gen-bedingt, klar). - Lassen sie dann ganz deprimiert ihr Auto im Parkhaus stehen und nehmen den Bus nach Hause? ... Ganz sicher, daß diese Bücher nicht ...- als Satire zu verstehen sind oder so was? (P.S.: Ich hab bisher noch keins gelesen.)

Re: P.S:? :o) ?

susu, Sunday, 01.02.2004, 21:06 (vor 8040 Tagen) @ Andreas (der andere)

Als Antwort auf: Re: P.S:? :o) ? von Andreas (der andere) am 01. Februar 2004 18:05:54:

... aber, mal ganz im Ernst: Wer kauft diese Bücher? Ich sehe sie jedesmal, wenn ich in einem Buchladen bin, der eine Bestsellerliste führt, unter den ersten zehn oder zwanzig Plätzen. Aber ich habe noch nie jemanden gesehen, der eins von den Teilen gekauft oder auch nur reingeschaut hätte (und ich halte mich da doch längere Zeit auf). Außerdem ... wie sagt man das nett ... ist das Zeug doch das reinste Altpapier; mein Verstand weigert sich, sich vorzustellen, daß jemand 15 Euro dafür ausgibt, gesagt zu bekommen, z.B. sie könne nicht einparken (Gen-bedingt, klar). - Lassen sie dann ganz deprimiert ihr Auto im Parkhaus stehen und nehmen den Bus nach Hause? ... Ganz sicher, daß diese Bücher nicht ...- als Satire zu verstehen sind oder so was? (P.S.: Ich hab bisher noch keins gelesen.)

Das Buch steht in diesem Haushalt gleich doppelt. Kolleginnen und Bekannte meiner Mutter gaben es ihr wohlmeinend zur Lektüre. Meine Vermutung: Diese Bücher kaufen sich Leute, die ihre Dummheit rechtefrtigen wolllen. Also Frauen, die mal einen Spiegel abgefahren haben und jetzt endlich lesen können, daß das keineswegs daran lag, daß sie ungeschickt sind und mit ein wenig Übung sicher einparken lernen könnten, sondern quasi auf Autos schrotten programmiert sind. Oder Männer, die die Butter im Kühlschrank nicht finden. Die können jetzt sagen: Ich bin gar nicht total bescheuert, sondern eben ein Mann. Schon in der Steinzeit legten die Frauen die Vorräte in der Höhle an und deshalb finden Männer sich in Kühlschränken nicht zurecht (Originalbeispiel!). Es geht ja gerade um Verständnis für "die kleinen Schwächen". Mit ein wenig Motivation könnte man das ändern, daß Buch bietet aber eine gute Ausrede es nicht tun zu müssen.

Die Peases haben in einem Interview mal erklärt, wie sie für das Buch recherchiert haben. Sie redete beim Kaffeklatsch (!) mit ihren Bekannten über Männer, er in der Kneipe mit seinen Kumpels über Frauen. Für alles, was da gesagt wurde, haben sie sich dann überlegt, warum das so sein könnte und quasi darüber ein Bild vom Steinzeitmenschen gefunden. Weil die beiden mit Menschen von ähnlicher Intelligenz zusammensaßen (also einem anscheinend von vielen geteilten Level) kamen dabei diese Sachen rum.

Ich hab´s gerade mal zur Hand genommen und erfahren, daß Kinder schwul oder lesbisch Werden, wenn die Mutter Diabetes hat. Na, das klärt dann ja wirklich alle Mysterien des Universums (ob das wissenschaftlich untermauert ist? Schon Steinzeitmänner wurden schwul, wenn ihre Steinzeitmütter Diabetikerinnen waren? Kommt ne Frau bein Arzt, sagt der Arzt: Sie haben leider Diabetes. Darauf die Frau: Aber der Dirk ist doch verheiratet).

susu

Re: P.S:? :o) ?

Andreas (der andere), Sunday, 01.02.2004, 21:36 (vor 8040 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Re: P.S:? :o) ? von susu am 01. Februar 2004 19:06:34:

"Diese Bücher kaufen sich Leute, die ihre Dummheit rechtefrtigen wolllen."

Das Absurde daran ist ja, daß mehr Aufwand (finanziell und das Ding zu lesen) für die "Rechtfertigung" unternommen wird, als es erfordern würde, die Sache zu ändern. (Es zeigt mithin auch, warum die Vermutung, Dichter großer Komödien wären gute Menschen-Beobachter, stimmen könnte ;-)

"Die können jetzt sagen: Ich bin gar nicht total bescheuert, sondern eben ein Mann. Schon in der Steinzeit usw. ..."

Ja, aber befriedigt das denn? Wenn mir ein Teller runterfällt, murmel ich ja auch nicht einfach nur "Newton, ts-tsss" ...

"Die Peases haben in einem Interview mal erklärt, wie sie für das Buch recherchiert haben. ..."

... und sind insofern zumindest ehrlich. Die Argumente, die hier vertreten werden, finden sich nämlich auch in vielen "fachlichen" Werken, ohne daß die AutorInnen sich selbst oder den LeserInnen über ihre Methode Rechenschaft ablegten. - Was sind die beiden eigentlich von Beruf (nur mal so aus Interesse)?

"Ich hab´s gerade mal zur Hand genommen und erfahren, daß Kinder schwul oder lesbisch Werden, wenn die Mutter Diabetes hat."

Ach du meine Güte! Und - äh, wechseln Diabetiker ihre sexuelle Orientierung dann nach jeder Insulinapplikation? Sowas ...

Grüße, Andreas

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