Parkkralle für säumige Unterhaltszahler
ressespiegel - Berliner Morgenpost vom 22.01.2004
Parkkralle soll säumige Väter erziehen
Unterhalt von Berliner Kindern kostet Land und Bund 50 Millionen Euro
Von Anemi Wick
Tausende Berliner Väter drücken sich um Unterhaltszahlungen. 50 Millionen Euro haben Land und Bund für Kinder allein Erziehender im vergangenen Jahr bezahlt. Nur 7 Millionen Euro flossen wieder an den Staat zurück. Die FDP fordert eine Modernisierung des Unterhaltsvorschussgesetzes.
Eine Parkkralle für säumige unterhaltspflichtige Elternteile - das haben jetzt Experten des Instituts für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) bei einer Anhörung der FDP zum Unterhaltsvorschussgesetz in Berlin vorgeschlagen. Der Verband allein erziehender Väter und Mütter in Berlin unterstützt den Vorschlag. "Wer sich ein Auto leistet, kann auch Unterhalt zahlen", sagt Projektleiterin Elisabeth Küppers. Die Jugendämter, moniert sie, würden Säumige nicht nachhaltig genug verfolgen. "Den Betreffenden könnte mit Haft gedroht werden. Das habe ich aber in den 14 Jahren, in denen ich schon in diesem Bereich arbeite, noch nie erlebt."
Als "Kavaliersdelikt" werde die Tat behandelt, sagt Karin Schulz, Sozialberaterin bei der Selbsthilfe-Initiative Alleinerziehender e.V. Berlin. Eine Parkkralle findet sie eine gute Idee: "In manchen Bundesstaaten der USA wird Säumigen der Führerschein entzogen. Die Methode ist sehr wirkungsvoll."
33 000 Kinder im Alter zwischen einen Jahr und zwölf Jahren leben in Berlin bei nur einem Elternteil. Rund 50 Millionen Euro Unterhaltsvorschuss haben laut Jugendverwaltung das Land Berlin und der Bund im Jahr 2003 bezahlt. Sieben Millionen, also rund 15 Prozent, konnten sich die Jugendämter anschließend zurückholen. 94 Prozent der Schuldner sind Väter. Die Rückzahlungsquote lag im Jahr 2000 noch bei rund 20 Prozent. Die Aufgabe, die Säumigen aufzuspüren und das Geld einzutreiben, liegt bei den Bezirksämtern.
Zahlungsunwillige umgehen ihre Pflicht mit Schwarzarbeit oder falschen Einkommensangaben. Wie viele Väter sich vorsätzlich dem Unterhalt entziehen, ist nicht bekannt. Immerhin besagt eine 2002 durchgeführte bundesweite Studie des Meinungsforschungsinstitutes Forsa, dass sich nach Einschätzung der Unterhaltsberechtigten in 42 Prozent der Problemfälle der Unterhaltspflichtige weigert, zu zahlen. Der Nachweis der Zahlungsfähigkeit sei jedoch schwierig, sagt Ruth Heier, Leiterin des Fachbereichs Familienunterstützende Hilfen des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf. "Und auch eine Frage der personellen Kapazität", ergänzt Katrin Schröder vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Die Idee, Säumigen mit einer Parkkralle auf die Sprünge zu helfen, kann sie jedoch nicht nachvollziehen: "Oft braucht der Betreffende sein Fahrzeug, um seiner beruflichen Tätigkeit nachzukommen, ansonsten könnte er ja gar nicht bezahlen."
Kommende Woche will die FDP-Fraktion die Darstellungen der Experten auswerten und eine Fraktionsinitiative vorbereiten. "Ziel ist es, das Unterhaltsvorschussgesetz zu modernisieren", so Abgeordnete Ina Lenke. Von den Experten angestrebt werde auch eine umfassende Beratung der Väter durch die Kommunalverwaltung. Zudem solle die Altersgrenze von 12 Jahren verändert werden: Mit dem 13. Geburtstag des Kindes nämlich erlischt bislang der Anspruch auf Unterhaltsvorschuss. "Wenn sich die Eltern scheiden lassen und das Kind 11 Jahre alt ist, kann die betreffende Mutter den Vorschuss kaum mehr nutzen", sagt Ina Lenke. Sanktionen wie Parkkralle und Führerscheinentzug würden weiter besprochen: "80 Prozent der Väter, die nicht zahlen, sollen laut Experten ein Auto besitzen. Bei ausreichenden öffentlichen Verkehrsmitteln sind solche Maßnahmen durchaus diskutabel", so Lenke.
