Berufsarmee kommt billiger
pit b., Sunday, 18.01.2004, 23:44 (vor 8054 Tagen)
Hab den Artikel selber noch nicht gelesen. Mach das aber noch.
Berufsarmee kommt billiger]
Re: Berufsarmee kommt billiger
reinecke54, Monday, 19.01.2004, 16:06 (vor 8053 Tagen) @ pit b.
Als Antwort auf: Berufsarmee kommt billiger von pit b. am 18. Januar 2004 21:44:26:
Der Artikel sagt das Offensichtliche. Die Leserbriefe
sind schlicht und einfach saudumm - leider alle von
Maennern(?).
Aber trotzdem glaube ich nicht, dass eine Berufsarmee
billiger waere als eine Wehrpflichtigenarmee.
Der Grund: eine Berufsarmee muss erheblich besser materiell
ausgeruestet sein. Nur mit high-tech-Material kann man das
Leben und die Gesundheit der Berufssoldaten einigermassen
schuetzen. Geschieht dies nicht, wird es Nachwuchsmangel
geben.
Bei Wehrpflichtigen gibt es das Nachwuchsproblem nicht
so ausgepraegt; die Jungs sind ja nicht freiwillig da.
Und die Gesellschaft nimmt durchaus einen sehr hohen
Blutzoll bei Wehrpflichtigen in Kauf. Z.B. ist das
Komitee der russischen Soldatenmuetter seit den
tschetschenischen Attentaten in Russland ziemlich in
der Versenkung verschwunden. Dabei werden noch immer
junge Wehrpflichtige in diesem Krieg verheizt. Jedenfalls
steht Putin in dieser Sache nicht unter dem Druck der
Bevoelkerung, obwohl Russland tendenziell demokratisch ist.
Re: Berufsarmee kommt billiger
Garfield, Monday, 19.01.2004, 18:16 (vor 8053 Tagen) @ reinecke54
Als Antwort auf: Re: Berufsarmee kommt billiger von reinecke54 am 19. Januar 2004 14:06:39:
Hallo Reinecke!
In Rußland herrschen ohnehin ziemlich merkwürdige Verhältnisse. Das kann man nicht so einfach mit den Verhältnissen hierzulande vergleichen. Die USA sind da schon eher vergleichbar, und dort hat es Bush sehr viel Kritik aus der Bevölkerung eingebracht, daß der Irak-Krieg immer noch Opfer unter den US-Soldaten fordert. Und das, obwohl es in den USA längst keine Wehrpflicht mehr gibt. Als es sie noch gab, waren die Proteste während des Vietnamkrieges noch weitaus heftiger und haben schließlich sogar bewirkt, daß einige Waffen - z.B. schwere Bomber und das eigens für den Vietnamkrieg reaktivierte Schlachtschiff "New Jersey" - nicht mehr eingesetzt wurden.
Heute kann es sich kein westliches Industrieland dauerhaft leisten, seine Soldaten mit hoffnungslos veralteter Ausrüstung auf Auslandseinsätze zu schicken. Das gilt für Länder mit Wehrpflichtarmeen sogar noch mehr als für Länder mit Berufsarmeen. Die schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkt sorgt schon dafür, daß sich auch für Berufsarmeen immer noch genügend Leute anwerben lassen. Immerhin kämpfen in vielen Kriegen auch Söldner mit, auch für irgendwelche Bananenrepubliken, die keine hypermoderne Ausrüstung stellen können. Bei Berufssoldaten nimmt die Öffentlichkeit den "Heldentot" auch eher als Berufsrisiko in Kauf. Bei Wehrpflichtigen sieht das anders aus, wie sich in den USA eben während des Vietnamkrieges deutlich zeigte. Übrigens gab es in Australien noch nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour und der daraufhin befürchteten japanischen Invasion Australiens starken Widerstand gegen die geplante Einführung der Wehrpflicht, während die Australier kein Problem damit hatten, daß drei australische Divisionen, bestehend aus Berufssoldaten, zur Unterstützung Großbritanniens längst in Nordafrika kämpften und eine weitere in Singapur.
Die Bundeswehr muß also so oder so modern ausgerüstet werden, egal ob es bei der Wehrpflicht bleibt oder nicht.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Berufsarmee kommt billiger
reinecke54, Monday, 19.01.2004, 20:41 (vor 8053 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Berufsarmee kommt billiger von Garfield am 19. Januar 2004 16:16:45:
Als es sie noch gab, waren die Proteste während des Vietnamkrieges noch weitaus heftiger und haben schließlich sogar bewirkt, daß einige Waffen - z.B. schwere Bomber und das eigens für den Vietnamkrieg reaktivierte Schlachtschiff "New Jersey" - nicht mehr eingesetzt wurden.
Hallo Garfield,
ich bin mir bei den Motiven der damaligen Protestler nicht so sicher.
Proteste gab es schon, als noch keine Wehrpflichtigen in Vietnam waren
(Ich glaube, erst Johnson hat die dorthin verfrachtet). Es ging doch
viel darum, dass es ein schmutziger Krieg gegen die Zivilbevoelkerung war.
Und hat es denn dem Schutz der Wehrpflichtigen gedient, keine schweren Bomber
mehr zu verwenden? Oder die "New Jersey" einzumotten (17. Dezember 1969)? Sie wurde ja auch am 28. Oktober 1982 wiederaktiviert. So Schiffe sind eine
Anschaffung fuers Leben.
Ich bleibe dabei: es gibt praktisch kein Beispiel in der Geschichte
dafuer, dass die Zivilbevoelkerung per Druck auf die Regierung einen
Krieg beendet hat, weil sie ihre Soehne, Vaeter, Maenner, Brueder
schuetzen wollte. Die Wehrpflicht war nie ein Hinderungsgrund fuer
einen Krieg. Aber sie war der Naehrboden fuer zwei Weltkriege
mit jeweils unvorstellbaren Millionen von toten Soldaten.
Natuerlich: ich wollte nicht der Wehrpflicht das Wort reden, weil sie
billiger sei. Ich plaediere leidenschaftlich fuer eine Berufsarmee.
Aber um der Sicherheit dieser Maenner willen muessen wir mehr Geld fuer
die Bundeswehr ausgeben und nicht weniger.
Re: Berufsarmee kommt billiger
Garfield, Tuesday, 20.01.2004, 12:56 (vor 8052 Tagen) @ reinecke54
Als Antwort auf: Re: Berufsarmee kommt billiger von reinecke54 am 19. Januar 2004 18:41:26:
Hallo Reinecke!
Ja, viele Leute, die gegen den Vietnamkrieg protestierten, haben das vor allem im Interesse der vietnamesischen Bevölkerung getan. Die Proteste begannen ja auch erst so richtig, als bekannt wurde, daß die Angriffe der US Armeen häufig die Zivilbevölkerung trafen. Damals ging ja dieses Foto von dem Mädchen, das mit schweren Napalm-Verbrennungen eine Straße entlang lief, um die Welt.
Aber ich denke, daß auch die Tatsache, daß Wehrpflichtige zwangsweise nach Vietnam geschickt wurden, dazu beigetragen hat, die Proteste noch zu verstärken. So fühlten sich nämlich junge Männer weitaus mehr betroffen, nahezu sämtliche Eltern von jungen Männern mußten um ihre Söhne fürchten und viele junge Frauen um ihre Partner.
Wie schon geschrieben gab es ja auch in Australien Proteste gegen Einführung der Wehrpflicht, obwohl das Land 1941/42 schon seit Jahren im Krieg stand. Der Einsatz von Berufssoldaten hat vorher niemanden gestört.
Mir ist auch kein Fall bekannt, in dem die Wehrpflicht einen Krieg verhindert hat. Aber ich denke schon, daß die Proteste gegen manche Kriege durch die Wehrpflicht noch verstärkt wurden. Auch bei dem Einsatz der Sowjetarmee in Afghanistan sind die Proteste so stärker ausgefallen. Das war mit Sicherheit nicht der alleinige Grund, wieso sich die Sowjets dann aus Afghanistan zurück gezogen haben. Die Sowjet-Regierung hat sich von Anfang an nur widerwillig auf dieses Abenteuer eingelassen, und in der Abstimmung dafür hat es viele Gegenstimmen gegeben. Man hatte ja noch das Beispiel der USA im Vietnamkrieg vor Augen. Man hat die Truppen dann vor allem deshalb zurück gezogen, weil die ganze Aktion zu aufwändig wurde und weil das Image der Sowjetunion dadurch Schaden nahm. Aber daß die hohen Personalverluste Proteste in der Bevölkerung bewirkten, war auch ein Grund. Genau darauf hatte die CIA ja auch spekuliert, als sie die islamischen Gotteskrieger in Afghanistan aufgebaut und aufgerüstet hat.
Daß die "New Jersey" und ihre verbliebenen 3 Schwesterschiffe Anfang der 1980er Jahre reaktiviert wurde, hing übrigens vor allem mit den sowjetischen Schweren Raketen-Kreuzern der "Kirov"-Klasse zusammen. Das war ein völlig neuer Typ, der so vorher noch nicht gebaut worden war. Sie entsprachen in etwa den Schlachtkreuzern früherer Zeiten. Die U.S. Navy konnte diese riesigen Schiffe schwer einordnen, wußte also nicht so recht, wozu die Sowjets sie eigentlich gebaut hatten. Da die U.S. Navy für solche teuren Einheiten keinen Bedarf hatte, verzichtete man gern darauf, ähnliche Schiffe zu bauen. Irgendetwas wollte man ihnen aber entgegen setzen. Und da erinnerte man sich an die 4 eingemotteten Schlachtschiffe der "Iowa"-Klasse. Sie waren sehr gut gepanzert und boten somit hinreichenden Schutz gegen die starke Raketen-Bewaffnung der "Kirov"-Kreuzer. Sie waren die schnellsten Schlachtschiffe der Welt und konnten auch mit modernen Kriegsschiffen mithalten. Ihre 406-mm-Geschütze waren obendrein auch noch prima zur Bekämpfung von Punktzielen an Land geeignet. Das konnte man mittlerweile zwar auch mit Flügelraketen, aber die sind wesentlich teurer als Granaten. Man plante ursprünglich, diese Schlachtschiffe in einer zweiten Umbau-Stufe noch radikaler zu modernisieren. Dabei sollte jeweils der hintere Geschützturm entfernt und durch einen Hangar für Hubschrauber ersetzt werden. Das wurde dann aber aus Kostengründen nie realisiert. Anfang der 1990er Jahre wurde sie dann aufgrund der hohen Personalkosten nach und nach wieder außer Dienst gestellt, diesmal endgültig. Gäbe es in den USA die Wehrpflicht noch, dann wäre das Personal billiger, und vielleicht wären die Schlachtschiffe der "Iowa"-Klasse dann jetzt zumindest teilweise noch in Dienst...
Nun ja, aber ich komme vom Thema ab. 
Im Endeffekt sind wir uns offenbar einig, denn ich sehe es auch so, daß die Bundeswehr vernünftig ausgerüstet werden muß, egal ob sie vorläufig noch eine Wehrpflichtarmee bleibt oder nicht.
Freundliche Grüße
von Garfield