Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Frauen bei Jobsuche wirklich benachteiligt?

Der Eman(n)ze, Sunday, 18.01.2004, 21:28 (vor 8054 Tagen)

Folgendes fand ich im Forum http://37082.rapidforum.com/topic=101382589560: Ausgerechnet unser aller Hanni postete folgenden Zeitungsartikel:

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Riskanter Männerüberschuss
Ostdeutschland: Immer mehr Frauen wandern ab - Sinken des Bildungsniveaus und Anstieg von Alkoholismus und Gewalt zu befürchten

Berlin - Für Ostdeutschlands Männer stehen die Chancen auf Partnerschaft und Eheglück in ihrer Heimat immer schlechter. Akuter Frauenmangel bedroht nach Einschätzung einiger WissenschaftlerInnen sogar die Zukunft der ganzen Region.

Frauen wandern ab

Schon heute kommen in den fünf ostdeutschen Bundesländern auf 120 Männer durchschnittlich nur 100 Frauen. Die Schere wird sich weiter öffnen, prognostizieren DemographInnen. Auf der Suche nach einer beruflichen Zukunft verlassen immer mehr junge, gut ausgebildete Frauen den Osten Deutschlands und kehren seltener zurück als ihre männlichen Altersgenossen. ForscherInnen warnen vor sinkenden Bildungsstandards, wachsender Frustration bei den männlichen Zwangs-Singles sowie einer zunehmenden Entvölkerung besonders ländlicher Landstriche.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes leben in den fünf Bundesländern 279.626 mehr Männer als Frauen im Alter zwischen 15 und 50 Jahren. Besonders groß ist der Männerüberhang in der Alterklasse zwischen 20 und 25 Jahren: Allein in diesen Jahrgängen "fehlen" im Osten 69.605 Frauen.

Sozialer Sprengstoff

"Ostdeutsche Frauen scheinen mobiler zu sein", sagt Harald Michel, Leiter des Instituts für angewandte Demographie in Berlin. Sie seien oft besser ausgebildet und offenbar erfolgreicher bei der Jobsuche. Zwar sehen sich auch viele ostdeutsche Männer im Westen nach einem Arbeitsplatz um. Doch im Vergleich zu den Frauen gingen sie dort seltener eine Partnerschaft ein und kehrten öfter in ihre Heimat zurück, sagt Michel. Insgesamt verlassen pro Jahr etwas 300.000 Ostdeutsche die Region, nur rund 200.000 kommen wieder zurück.

Sinken des Bildungsniveaus, Zunahme des Alkoholismus

In einigen ländlichen Gegenden kämen schon heute auf 100 Frauen mehr als 130 Männer, sagt Michel. Die Folgen der statistisch für fast ein Drittel der Männer erfolglosen Partnerinnensuche seien leicht vorstellbar, warnt der Forscher. Wachsende Frustration unter den partnerlosen Männern lasse die Gefahr von Alkoholproblemen, sozialem Abstieg und Gewalt steigen.

Die Abwanderung von gebildeten Frauen könnte nach Ansicht von Ulf Matthiesen, Forscher am Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung in Erkner, nicht nur zu einem Sinken der Geburtenrate und einer zunehmenden Entvölkerung bestimmter Regionen führen, sondern auch das Bildungsniveau sinken lassen. Besonders ländliche Regionen der neuen Bundesländer könnten einst einen hohen Anteil von schlecht ausgebildeten Männern aufweisen, für die eine Partnerin oder Familie nahezu unerreichbar wären, warnt Matthiesen. (Reuters)

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...worauf Optimist folgenden Kommentar postete:

Hannibal schrieb am 14.01.2004 19:19
Zitat: "Ostdeutsche Frauen scheinen mobiler zu sein", sagt Harald Michel, Leiter des Instituts für angewandte Demographie in Berlin. "Sie seien oft besser ausgebildet und offenbar erfolgreicher bei der Jobsuche."

"Wow! Welch lupenreiner Widerspruch - gab es doch erst kürzlich die Meldung vom Arbeitsamt in der Lehrstellen-Situationsanalyse (Gender Mainstraming) die exakt das Gegenteil behauptete. Was stimmt denn nun? Wenn Frauen wirklich erfolgreicher sind - dann kann man doch die Subventionsleistungen für die Frauen-Beratungszentren diesbezüglich ersatzlos streichen, oder? Der ersehnte Zweck ist doch erfüllt? Hanni, wiederhol doch bitte mal Deine Aussage.
Opti"

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;-)

Re: Frauen bei Jobsuche wirklich benachteiligt?

Rotstift, Sunday, 18.01.2004, 23:58 (vor 8054 Tagen) @ Der Eman(n)ze

Als Antwort auf: Frauen bei Jobsuche wirklich benachteiligt? von Der Eman(n)ze am 18. Januar 2004 19:28:16:

"Ostdeutsche Frauen scheinen mobiler zu sein", sagt Harald Michel, Leiter des Instituts für angewandte Demographie in Berlin. Sie seien oft besser ausgebildet und offenbar erfolgreicher bei der Jobsuche. Zwar sehen sich auch viele ostdeutsche Männer im Westen nach einem Arbeitsplatz um. Doch im Vergleich zu den Frauen gingen sie dort seltener eine Partnerschaft ein und kehrten öfter in ihre Heimat zurück, sagt Michel.

Hi

Also wie ist das jetzt? Sind sie erfolgreicher bei der Jobsuche oder liegt ihr Erfolg lediglich darin, sich einen "Westmann" aufzureißen? Scheint so, als ob sich die ostdeutschen Männer etwas mehr um ihre Heiratschancen kümmern müssten. Dann sind sie sicher auch bald so gut wie die Frauen.

mfg
Rotstift

Re: Frauen bei Jobsuche wirklich benachteiligt?

hquer, Monday, 19.01.2004, 17:05 (vor 8053 Tagen) @ Der Eman(n)ze

Als Antwort auf: Frauen bei Jobsuche wirklich benachteiligt? von Der Eman(n)ze am 18. Januar 2004 19:28:16:

Da ich das aus eigener Erfahrung kenne:

Reine Versorgungsprostitution! Da habens Männer halt schwerer. Von wegen bessere Ausbildung und höhere Mobilität ...

meint hquer

Das Vorurteil "Westzicken" stimmt jedenfalls nicht

Der Eman(n)ze, Monday, 19.01.2004, 20:43 (vor 8053 Tagen) @ Rotstift

Als Antwort auf: Re: Frauen bei Jobsuche wirklich benachteiligt? von Rotstift am 18. Januar 2004 21:58:16:

...das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Im Westen (zumindest Süddeutschland) gibt es total liebe, nette Mädels. Netter und lieber und aufrichtiger als rübergezogene Ostmädels. (ich hatte den direkten Vergleich rübergezogene Ostmädel<->Einheimische). Das mag aber auch in der Auslese der Charaktere bei der Wanderungsbewegung Ost->West zu tun haben. Aber auch damit, daß man im (Süd)Westen insgesamt mit weniger Ängsten und Sorgen aufwächst und damit automatisch weniger aggressiv ist.

Außerdem hat man als Ostmann offenbar doch einen Hauch von Exklusivität im Vergleich zu den Einheimischen. (Sage ich mal rein spekulativ)

Also, Ostmänner, ran an die Westschnitten ;-) Nur so kann auch die Wiedervereinigung vorangetrieben werden.

Im Übrigen bin ich dafür, daß alle unter 35 den Osten verlassen. Indem dieses von Treuhand, Birne & Konsorten verkorxte Land boykottiert wird und zur Seniorenanstalt verkommt, wachen die da oben vielleicht endlich mal auf.

Re: Das Vorurteil "Westzicken" stimmt jedenfalls nicht

Garfield, Tuesday, 20.01.2004, 17:00 (vor 8052 Tagen) @ Der Eman(n)ze

Als Antwort auf: Das Vorurteil "Westzicken" stimmt jedenfalls nicht von Der Eman(n)ze am 19. Januar 2004 18:43:31:

Hallo Eman(n)ze!

"Das mag aber auch in der Auslese der Charaktere bei der Wanderungsbewegung Ost->West zu tun haben."

Das kann ich mir gut vorstellen. Der schlechte Ruf der Ostdeutschen bei manchen Leuten im Westen kommt ja auch nicht nur von Vorurteilen, sondern auch daher, daß nach Öffnung der Grenze zuallererst die Penner und Gammler in den Westen gegangen sind, die in der DDR schon nicht gearbeitet haben und im Westen dann natürlich erst recht nicht. Die sind deshalb oft schon vor der Wiedervereinigung in den Westen gegangen, weil es dort Sozialhilfe gab. In der DDR bestand die Sozialhilfe für solche arbeitsscheuen Elemente nämlich nur darin, daß sie Strom, Miete und Wasser umsonst hatten und für Lebensmittel, Kleidung und andere lebenswichtige Dinge (also nicht für Alkohol und Zigaretten) Gutscheine bekamen. Im Vergleich dazu sahen ein paar hundert DM im Monat natürlich verlockender aus.

Man hat das im Osten wirklich deutlich gemerkt. Ich wohnte in einem Dorf, wo jeder jeden kannte, und so war natürlich auch allgemein bekannt, wer keine Lust zum Arbeiten hatte. Die saßen nämlich den ganzen Tag zu Hause rum, obwohl es in der DDR ein Recht auf Arbeit gab. 1990 verschwanden die meisten von denen gen Westen.

Und als diese Penner dann massenweise im Westen auftauchten und zuallererst nicht danach fragten, wie sie nun am schnellsten Arbeit finden, sondern wo sie Sozialhilfe beantragen können und wieviel sie denn kriegen, dachten manche Leute im Westen natürlich, daß im Osten alle so sind...

Mit den Ost-Frauen könnte das jetzt ähnlich aussehen, nur auf einer anderen Ebene. Vielleicht sind es eher die Frauen, die voll auf Karriere fixiert sind und weniger Interesse an Partnerschaft haben, die aus dem Osten in den Westen ziehen.

"Außerdem hat man als Ostmann offenbar doch einen Hauch von Exklusivität im Vergleich zu den Einheimischen."

Ich stamme auch aus dem Osten und wohne jetzt im Westen, aber die Erfahrung habe ich weniger gemacht. Das kann aber auch daran liegen, daß ich schon länger in festen Händen bin. Bist du vielleicht blond? Wenn ja, könnte es vielleicht auch daran liegen. Es gibt im Westen, vor allem im Südwesten, nämlich tatsächlich weniger blonde Männer als im Osten. So hat man dann vielleicht als blonder Mann im Westen schon fast etwas Exotisches.

"Also, Ostmänner, ran an die Westschnitten ;-) Nur so kann auch die Wiedervereinigung vorangetrieben werden."

Dann hab ich meinen Beitrag schon geleistet. :-)

"Im Übrigen bin ich dafür, daß alle unter 35 den Osten verlassen. Indem dieses von Treuhand, Birne & Konsorten verkorxte Land boykottiert wird und zur Seniorenanstalt verkommt, wachen die da oben vielleicht endlich mal auf."

Hab ich auch schon getan, allerdings nur aus privaten Gründen. Ich hatte auch im Osten einen Job. Den wäre ich mittlerweile allerdings auch ohne Umzug los, denn die Fabrik, in der ich damals arbeitete, wurde inzwischen auch geschlossen. Die staatlichen Fördermittel waren ausgelaufen, und die Konkurrenz aus Asien wurde immer härter...

Ich glaube nicht, daß unsere Politiker jemals freiwillig aufwachen. Es gibt nur eine Möglichkeit, um die zu schocken: Ihre Konten einzufrieren, ihre Gehälter auf das Durchschnittsgehalt des deutschen Arbeiters und Angestellten zu reduzieren und ihnen auch sonst alle Privilegien zu nehmen. Dann wären sie von ihren Gesetzen auch mal in voller Härte betroffen und würden sich sehr wundern.

Solange es denen aber prima geht, werden sie weiter Politik von Reichen für Reiche machen, nach dem Motto "nach uns die Sintflut".

Freundliche Grüße
von Garfield

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