Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Altes GEO-Heft

reinecke54, Friday, 16.01.2004, 20:42 (vor 8056 Tagen)

Mir ist kuerzlich ein uraltes GEO-Heft (Sept 98) in die
Haende gefallen. Da war ein seltsamer Artikel "Gipfel
der Muehsal". Ich zitiere ein wenig:

Sie sind jung und hungrig und bereit, im Himalaya ihre
Gesundheit zu ruinieren: Alljaehrlich steigen mehr als
10000 Inder hinauf und schlagen neue Strassen durch die
Berglandschaft Ladakhs, ausgeruestet nur mit Hacken und
Schaufeln, vermummt gegen den Qualm der Teerfeuer und
die Kaelte auf 5000 Meter Hoehe...

Es ist eine schlimme Geschichte, die ich erzaehlen will,
eine, die am Wert des menschlichen Lebens zweifeln laesst.
Sie handelt von Maennern, die eine historische Leistung
vollbringen unter Verhaeltnissen, wie sie karger und
krasser kaum sein koennen. Die um eines geringen Lohnes
willen enorme Strapazen auf sich nehmen, ohne dass ihnen
jemand Achtung dafuer zollt. Es ist die Geschichte von
Arbeitern, die aus dem indischen Tiefland hinauf in den
Himalaya ziehen, um dort mit blossen Haenden einige der
hoechst gelegenen Strassen der Erde zu bauen...

(zur Musterung finden sich zahlreiche Maenner in der Naehe
von Kalkutta bei einer Militaerkommission ein)

Mohammed, 30, stammt aus einem nahe gelegenen Dorf, wo eine
Frau und drei Toechter auf seine Rueckkehr warten - und
dringend auf sein Geld ...

Da geht es uns Maennern in D doch noch Gold. Aber mir kam
beim Lesen der Gedanke, ob die tragische Geschichte dieser
Menschen nicht groesseres Aufsehen erregt haette, wenn es
sich um Frauen gehandelt haette.

Apropos Indien. Weiss jemand etwas ueber die Hijras? Das
sind Kastraten in Indien; man hat ihnen im Jungenalter Penis
und Hoden abgetrennt. Viele ueberleben die brutale Operation
nicht. Im Internet sind sich die Berichte nicht einig, ob
die Jungen freiwillig oder gegen ihren Willen kastriert werden.
Aber kann man bei Kindern von Freiwilligkeit sprechen? Aber
was kann der Grund fuer die Kastration sein? Jedenfalls handelt
es sich um brutalste Genitalverstuemmelung, die nur wenig
Aufsehen erregt.

Nachdenkliche Gruesse.

Re: Altes GEO-Heft

Peter, Friday, 16.01.2004, 20:47 (vor 8056 Tagen) @ reinecke54

Als Antwort auf: Altes GEO-Heft von reinecke54 am 16. Januar 2004 18:42:00:

Sie sind jung und hungrig und bereit, im Himalaya ihre
Gesundheit zu ruinieren:

Bereit? Oder gezwungen, weil hungrig?

Es ist eine schlimme Geschichte, die ich erzaehlen will,
eine, die am Wert des menschlichen Lebens zweifeln laesst.

Hier besonders des männlichen Lebens.

Apropos Indien. Weiss jemand etwas ueber die Hijras? Das
sind Kastraten in Indien; man hat ihnen im Jungenalter Penis
und Hoden abgetrennt. Viele ueberleben die brutale Operation
nicht. Im Internet sind sich die Berichte nicht einig, ob
die Jungen freiwillig oder gegen ihren Willen kastriert werden.
Aber kann man bei Kindern von Freiwilligkeit sprechen?

Nein. Es ist eine schlimme Verstümmelung.

Gruß,

Peter

Re: Altes GEO-Heft

Andreas, Friday, 16.01.2004, 20:59 (vor 8056 Tagen) @ reinecke54

Als Antwort auf: Altes GEO-Heft von reinecke54 am 16. Januar 2004 18:42:00:

Da geht es uns Maennern in D doch noch Gold. Aber mir kam

beim Lesen der Gedanke, ob die tragische Geschichte dieser
Menschen nicht groesseres Aufsehen erregt haette, wenn es
sich um Frauen gehandelt haette.

Jupp! Selbstverständlich! Wenn es sich um Frauen handeln würde, dann wäre sofort die UN mit einer speziellen Konvention vor Ort, um Frauen vor Ausbeutung zu schützen und bessere Arbeitsbedingungen zu fordern. Die Bundesregierung hätte unverzüglich Hilfsprojekte für Frauen in Gang gesetzt. Schließlich geht es ja um FRAUENRECHTE. Die von Dir erwähnten Männer teilen in etwa das Schicksal der chinesischen Bergarbeiter. Zigtausende kommen dort jährlich bei Grubenunglücken ums Leben, weil die staatlichen Abbaugesellschaften die Sicherheitsvorschriften nicht einhalten. Aber das macht ja nix - es sind nur Männer, die abkratzen und lebendig begraben werden. Als Mann ist man ja leider nur Mensch und keine Frau. Deswegen kann man auch keine Frauenrechte in Anspruch nehmen.

Gruß
Andreas

Re: Altes GEO-Heft

gaehn, Friday, 16.01.2004, 22:26 (vor 8056 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Re: Altes GEO-Heft von Andreas am 16. Januar 2004 18:59:03:

Da geht es uns Maennern in D doch noch Gold. Aber mir kam

beim Lesen der Gedanke, ob die tragische Geschichte dieser
Menschen nicht groesseres Aufsehen erregt haette, wenn es
sich um Frauen gehandelt haette.

Jupp! Selbstverständlich! Wenn es sich um Frauen handeln würde, dann wäre sofort die UN mit einer speziellen Konvention vor Ort, um Frauen vor Ausbeutung zu schützen und bessere Arbeitsbedingungen zu fordern. Die Bundesregierung hätte unverzüglich Hilfsprojekte für Frauen in Gang gesetzt. Schließlich geht es ja um FRAUENRECHTE. Die von Dir erwähnten Männer teilen in etwa das Schicksal der chinesischen Bergarbeiter. Zigtausende kommen dort jährlich bei Grubenunglücken ums Leben, weil die staatlichen Abbaugesellschaften die Sicherheitsvorschriften nicht einhalten. Aber das macht ja nix - es sind nur Männer, die abkratzen und lebendig begraben werden. Als Mann ist man ja leider nur Mensch und keine Frau. Deswegen kann man auch keine Frauenrechte in Anspruch nehmen.
Gruß
Andreas

mhm es stimmt wohl das sich die un mehr aufregen würde. aber eines muss man dennoch auch erwähnen, obwohl sich die un aufregt verbessert das recht selten die situation der betroffenen.
letztlich sind diejenige die unter diesen dingen dann wohl am meisten leiden männer in industrieländern, weil das alles ein verdammte gute rechtfertigung für feminismus ist (auch wenn es keine ist).
eigentlich sind diese dinge etwas wogegen alle menschen vereint vorgehen sollten, aber wer kann schon viele menschen vereinen ohne ein klares feindbild zu haben :(.

Re: Altes GEO-Heft

Odin, Friday, 16.01.2004, 22:54 (vor 8056 Tagen) @ reinecke54

Als Antwort auf: Altes GEO-Heft von reinecke54 am 16. Januar 2004 18:42:00:

Sie sind jung und hungrig und bereit, im Himalaya ihre
Gesundheit zu ruinieren: Alljaehrlich steigen mehr als
10000 Inder hinauf und schlagen neue Strassen durch die
Berglandschaft Ladakhs, ausgeruestet nur mit Hacken und
Schaufeln, vermummt gegen den Qualm der Teerfeuer und
die Kaelte auf 5000 Meter Hoehe...

(zur Musterung finden sich zahlreiche Maenner in der Naehe
von Kalkutta bei einer Militaerkommission ein)
Mohammed, 30, stammt aus einem nahe gelegenen Dorf, wo eine
Frau und drei Toechter auf seine Rueckkehr warten - und
dringend auf sein Geld ...

.....und kaum waren die Männer weg und in die Berglandschaft aufgebrochen, kamen die Leute von der UNO um eine neue Statistik zu erheben, welches Geschlecht weltweit am meisten arbeitet. Sie sahen die Frauen im Gemüsemarkt stehen und feilschen, mit ihrem Kind im Arm und eine andere Frau beim Wasserholen und dachten bei sich "Na, typisch, immer die armen Frauen"

Apropos Indien. Weiss jemand etwas ueber die Hijras? Das
sind Kastraten in Indien; man hat ihnen im Jungenalter Penis
und Hoden abgetrennt. Viele ueberleben die brutale Operation
nicht. Im Internet sind sich die Berichte nicht einig, ob
die Jungen freiwillig oder gegen ihren Willen kastriert werden.
Aber kann man bei Kindern von Freiwilligkeit sprechen? Aber
was kann der Grund fuer die Kastration sein? Jedenfalls handelt
es sich um brutalste Genitalverstuemmelung, die nur wenig
Aufsehen erregt.

Glaub, ich hab da was in "Stadt der Freude" drüber gelesen.
Hat was mit Religion zu tun, oder auch bei Sängern (war ja bei uns auch üblich). Die Prozedur der Kastration wird da auch beschrieben. Da vergeht dir alles!

Re: Altes GEO-Heft

Joseph S, Sunday, 18.01.2004, 00:02 (vor 8055 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Altes GEO-Heft von Odin am 16. Januar 2004 20:54:26:

Hallo,

wenn in 3.Welt-Berichten nur über das Los der Frauen geklagt wird, frage ich mich,
was mit den Männern dort ist, und bekomme fast nie eine Antwort.
Das regt zum Nachdenken an.

Gruß
Joseph

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