Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Zivildienst steht vor dem Aus

Andreas, Monday, 12.01.2004, 09:47 (vor 8061 Tagen)

Re: Zivildienst steht vor dem Aus

Arne Hoffmann, Monday, 12.01.2004, 11:45 (vor 8061 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Zivildienst steht vor dem Aus von Andreas am 12. Januar 2004 07:47:02:

Howdy, :-)

danke für die Info. Aber was ich nicht verstehe: Dass der Zivildienst vor dem Aus steht, hängt doch wohl damit zusammen, dass die Wehrpflicht über kurz oder lang nicht mehr haltbar sein wird. Wenn aber das Ende des Zivildienstes zu solch einer Katastrophe für unser Gesundheitssystem werden könnte, wie in dem Beitrag beschrieben, warum entscheidet man sich dann nicht _endlich_ für ein soziales Jahr für beide Geschlechter? Ein einziges Jahr ist nun wirklich keine Zumutung (bei mir waren es noch 20 Monate), und so ein Dienst an der Gemeinschaft könnte für die Charakterbildung junger Frauen ebenso hilfreich sein wie das bei vielen jungen Männern bislang der Fall ist.

Herzlicher Gruß

Arne

Re: Zivildienst steht vor dem Aus

gaehn, Monday, 12.01.2004, 12:00 (vor 8061 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Zivildienst steht vor dem Aus von Arne Hoffmann am 12. Januar 2004 09:45:55:

Howdy, :-)
danke für die Info. Aber was ich nicht verstehe: Dass der Zivildienst vor dem Aus steht, hängt doch wohl damit zusammen, dass die Wehrpflicht über kurz oder lang nicht mehr haltbar sein wird. Wenn aber das Ende des Zivildienstes zu solch einer Katastrophe für unser Gesundheitssystem werden könnte, wie in dem Beitrag beschrieben, warum entscheidet man sich dann nicht _endlich_ für ein soziales Jahr für beide Geschlechter? Ein einziges Jahr ist nun wirklich keine Zumutung (bei mir waren es noch 20 Monate), und so ein Dienst an der Gemeinschaft könnte für die Charakterbildung junger Frauen ebenso hilfreich sein wie das bei vielen jungen Männern bislang der Fall ist.
Herzlicher Gruß
Arne

liegt wohl daran das es relativ schwierig ist der gesamten bevölkerung etwas aufzubürden, was allerdings ein durchweg demokratisches (und durchaus positiver effekt ist). letztlich muss jemand dafür sein, wenn nun aber alle mehr mühe haben (menschen sind mühen abgeneigt) dann finden sich nur wenige die dafür sind.
das verhindert natürlich auch das man eine grosse masse von menschen allzusehr ausbeuten kann.

nur so ein gedankengang

Re: Wehrpflicht wackelt..

XRay, Monday, 12.01.2004, 12:19 (vor 8061 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Zivildienst steht vor dem Aus von Arne Hoffmann am 12. Januar 2004 09:45:55:

Howdy, :-)

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Hau mi net
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danke für die Info. Aber was ich nicht verstehe: Dass der Zivildienst vor dem Aus steht, hängt doch wohl damit zusammen, dass die Wehrpflicht über kurz oder lang nicht mehr haltbar sein wird. Wenn aber das Ende des Zivildienstes zu solch einer Katastrophe für unser Gesundheitssystem werden könnte, wie in dem Beitrag beschrieben, warum entscheidet man sich dann nicht _endlich_ für ein soziales Jahr für beide Geschlechter? Ein einziges Jahr ist nun wirklich keine Zumutung (bei mir waren es noch 20 Monate), und so ein Dienst an der Gemeinschaft könnte für die Charakterbildung junger Frauen ebenso hilfreich sein wie das bei vielen jungen Männern bislang der Fall ist.
Herzlicher Gruß
Arne

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Artikel im Magazin des Deutschen Bundeswehrverbandes 1/2004 mit dem Titel:
"Alles auf dem Prüfstand: Wehrplicht wackelt"

Hier heisst es unter anderem
"Sollte Struck, selbst entschiedener Wehrpflichtbefürworter, mit dem Grünen-Koalitionspartner
das Ende vom Zwangsdienst für Männer einläuten, würde er nach Ansicht von Außenminister
Joschka Fischer (Grüne) in die Geschichte eingehen. Dem knorrigen Sozialdemokraten ist dies
allerdings "wurscht". Er will die Wehrpflicht nicht der eigenen Profilierung opfern und hört
auf die Warnungen von Militärs, dass die Bundeswehr ohne den garantierten Nachwuchs erhebliche
Personal- und Qualitätsprobleme bekommen werde.

Doch Struck will die Bundeswehr nun so umstrukturieren, dass sie theoretisch auf die Wehrpflcht
verzichten kann. Das sei der Anfang vom ihrem Ende, verlautet aus allen Parteien........"

Re: Zivildienst steht vor dem Aus

terVara, Monday, 12.01.2004, 12:50 (vor 8061 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Zivildienst steht vor dem Aus von Arne Hoffmann am 12. Januar 2004 09:45:55:

Moin Arne,

danke für die Info. Aber was ich nicht verstehe: Dass der Zivildienst vor dem Aus steht, hängt doch wohl damit zusammen, dass die Wehrpflicht über kurz oder lang nicht mehr haltbar sein wird.

so sieht es wohl aus...[/i]

Hier zu ein frischer Leit-Artikel aus der Financal Times Deutschland: http://www.ftd.de/pw/de/1073815402093.html?nv=op

Gruß

tervara

Die allgemeine Dienstpflicht ist verfassungswidrig

Daddeldu, Monday, 12.01.2004, 18:19 (vor 8061 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Zivildienst steht vor dem Aus von Arne Hoffmann am 12. Januar 2004 09:45:55:

Hallo,

…warum entscheidet man sich dann nicht _endlich_ für ein soziales Jahr für beide Geschlechter?

Eine allgemeine Arbeitspflicht ist gemäß Art. 12 Abs. 2 GG eindeutig verfassungswidrig:

„Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden, außer im Rahmen einer herkömmlichen allgemeinen, für alle gleichen öffentlichen Dienstleistungspflicht.“

Das Wort „herkömmlichen“ meint hier eine Dienstleistungspflicht, die es schon seit langem gibt, dass heißt der Gesetzgeber darf keine neuen einführen.

Ein einziges Jahr ist nun wirklich keine Zumutung

Doch.

(bei mir waren es noch 20 Monate)

Noch schlimmer.
Die Wehrpflicht ist (und eine allgemeine Dienstpflicht wäre) die größte Belastung, die der Staat einem unbescholtenen Bürger zumutet.

Die Dienstpflicht wäre auch sehr ungerecht und unsozial. Denn wirtschaftlich betrachtet ist sie nichts anderes als eine Naturalsteuer in Höhe von 100 % (abzüglich einem geringen Selbstbehalt). Der Staat belastet damit einseitig die Verpflichteten, anstatt mittels Steuern die Allgemeinheit breit und nach Leistungsfähigkeit gestaffelt zu belasten.

Wir haben mit dem Zivildienst den Punkt erreicht, den als Form der öffentlichen Sklaverei zu bezeichnen ich nicht umhin komme. Der Staat hat KEIN RECHT, junge Männer zur Zwangsarbeit heranzuziehen, um der Allgemeinheit die Finanzierung sozialer Dienste zu ersparen. Ein Zivildienst, bei dem ein Bürger zur Verrichtung von Arbeit gezwungen wird, die als notwendig erachtet wird, muss durch Arbeit vom freien Arbeitsmarkt ersetzt und von der Allgemeinheit finanziert werden. Alles andere ist nicht nur illegal (laut Zivildienstgesetz müssen Zivildienstplätze arbeitsplatzneutral sein), sondern auch ein unsoziales Sonderopfer, welches den jungen, ohnehin finanzschwachen Männern abverlangt wird. Alle anderen Bürger werden, egal wie leistungsstark sie sind, niemals mit mehr als 48,5 % ihres Einkommens belastet.

Übrigens ist es auch volkswirtschaftlich keineswegs günstig. Oder glaubt wirklich jemand, dass wir volkswirtschaftlichen Wohlstand schaffen, indem wir junge Menschen auf dem Höhepunkt ihrer körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit zu einem Jahr Zwangsarbeit heranziehen und sie damit gleichzeitig vom Wirtschaftsleben fernhalten?

so ein Dienst an der Gemeinschaft könnte für die Charakterbildung junger Frauen ebenso hilfreich sein wie das bei vielen jungen Männern bislang der Fall ist.

Der Staat ist für die Charakterbildung seiner erwachsenen Bürger nicht zuständig und sollte es auch nicht sein.

Freundlicher Gruß

Daddeldu

Re: Probleme für die Wehrpflicht

XRay, Monday, 12.01.2004, 18:48 (vor 8061 Tagen) @ Daddeldu

Als Antwort auf: Die allgemeine Dienstpflicht ist verfassungswidrig von Daddeldu am 12. Januar 2004 16:19:16:

Hierzu noch aus eine dpa-Meldung aus "Die Bundeswehr" dem Magazin des
Deutschen Bundeswehrverbandes 1/2004 mit dem Titel:

"Studie konstatiert zunehmende Probleme für die Wehrpflicht"

Berlin.
Eine Studie aus dem Bundestag sieht angesichts von immer weniger Rekruten
zunehmende Ungerechtigkeiten beim Auswahlverfahren und damit die Wehrpflicht
in Frage gestellt. Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold, der die Expertise
in Auftrag gegeben hat, sprach sich in einem Gespräch mit der Deutschen
Presse-Agentur (dpa) für die Einführung eines Freiwilligendienstes in
der Bundeswehr aus. Damit bröckelt auch in der SPD die Unterstützung für
den Militärzwangsdienst für Männer.

Nach der der dpa vorliegenden Studie des Wissenschaftlichen Dienstes des
Bundestags spitzt sich die Frage zu, wie die im Grundgesetz verankerte
allgemeine Wehrpflicht noch verwirklicht werden kann, wenn immer weniger
Rekruten eingezogen werden. Die Umwandlung in eine "Auswahlwehrpflicht"
sei mit Blick auf den "Grundsatz der gleichen Lasten für alle" verfassungswidrig.

Arnold sagte: "Die Freiwilligkeit ist die bessere Lösung." Er betonte:
"Wir sollten uns davor hüten, die Wehrpflicht auf dem Altar des Zeitgeistes
zu opfern. Wir sollten uns aber auch davor hüten, politische und gesellschaftliche
Realitäten zu ignorieren." Es sei vernünftig, dass Verteidigungsminister
Peter Struck (SPD) die Bundeswehr bis 2010 umstrukturieren wolle, dass die
Wehrpflicht entfallen könnte. "Weitsicht in der Planung hat nichts mit
politischem Umfallen zu tun." Struck hält die Wehrpflicht weiter für unabdingbar.

Durch die Reduzierung der Zahl der Wehrpflichtigen von rund 80000 auf künftig
50000 stelle sich die Frage der Wehrgerechtigkeit, sagte Arnold. Es sei
ein Problem, dass nur 65 Prozent der wehrdiensttauglichen Männer eingezogen
würden. Arnold sagte: "Die freiwillige Verpflichtung könnte auf breite
gesellschaftliche Akzeptanz stossen. Warum sollte es uns nicht gelingen,
50000 freiwillige Wehrpflichtige für die Bundeswehr zu gewinnen?" Auch
für Ersatzdienste könnten Männer und Frauen gefunden werden. "Es muss eine
Kultur der Freiwilligkeit entwickelt werden." Es müsse aber berufliche
oder finanzielle Anreize geben. Die Freiwilligen müssten immer so viel
wie ein Lehrling verdienen.

Einfluss sollten freiwillig geleistete Jahre auch auf die Studienplatzvergabe
haben. So könnte ein angehender Arzt mehr Chancen mit einem sozialen Jahr
haben als mit einer Eins im Abitur. Die Bundeswehr könnte Studenten Vorteile
gewähren, die zuvor ein Jahr gedient haben oder im Auslandseinsatz waren.
Dort, wo jetzt schon attraktive Angebote für freiwillige soziale Dienste
gemacht würden - zum Beispiel im Umweltschutz -, gebe es mehr Bewerber als
Angebote

dpa

Keine Dienstpflicht niemals

reinecke54, Monday, 12.01.2004, 19:12 (vor 8061 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Zivildienst steht vor dem Aus von Arne Hoffmann am 12. Januar 2004 09:45:55:

Vor 20 Jahren fragte mich mein japanischer Freund,
warum wir in D junge Leute in einem so produktiven
und lernfaehigen Alter zu so einem Unsinn wie dem
Wehrdienst zwingen. Sinngemaess gilt das auch fuer
den Zivildienst. Die gut & teuer ausgebildeten
jungen Leute sollen schnell in die Wirtschaft kommen,
um das Maximum an Produktivitaet zu erhalten.
Da ist eine allgemeine Dienstpflicht nur hinderlich.
(Ist ja auch, wie mehrfach hier dargestellt, nicht
verfassungskonform).

Auch wuerde man die Jungendarbeitslosigkeit verschaerfen.
Dass dies bei jungen Maennern jetzt schon der Fall ist,
wird ja auch von unserer Regierung zugegeben. Ich erinnere
an einen Gastkommentar von RENATE Schmidt in der FTD:
http://www.ftd.de/pw/de/1056459057621.html?nv=rs
Zitat: Der Anteil der Männer an den jungen Arbeitslosen nimmt zu, denn ohne Einberufung müssten Unternehmen ihnen Arbeits- oder Ausbildungsplatz für die Dauer eines eventuell späteren Wehr- oder Zivildienstes freihalten. Bereits ein Fünftel aller jungen Arbeitslosen sollen nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung "Wartezeitarbeitslose" sein.

P.S.: Hatten wir jemals eine Familienministerin, die
uns Maennern so wohlgesonnen ist? Kann Mann da wollen,
dass sie Praesidentin wird ...

Re: Zivildienst steht vor dem Aus

Odin, Monday, 12.01.2004, 20:02 (vor 8061 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Zivildienst steht vor dem Aus von Arne Hoffmann am 12. Januar 2004 09:45:55:

warum entscheidet man sich dann nicht _endlich_ für ein soziales Jahr für beide Geschlechter? Ein einziges Jahr ist nun wirklich keine Zumutung (bei mir waren es noch 20 Monate), und so ein Dienst an der Gemeinschaft könnte für die Charakterbildung junger Frauen ebenso hilfreich sein wie das bei vielen jungen Männern bislang der Fall ist.

Die Abschaffung der Wehrpflicht eilt für die Grünen ein wenig. Im Moment ist kaum zu hoffen, daß noch einmal eine Wahl gewonnen wird und mit einer Kanzlerin Merkl ist das Thema erstmal gegessen.
Trotzdem wäre mein Favorit eigentlich die Einführung einer ALLGEMEINEN Wehrpflicht oder eines ALLGEMEINEN Zivildienstes - also für Männer und Frauen - gewesen. Auch einem sozialen Jahr für alle könnte ich etwas abgewinnen, evtl. als Praktikumsjahr an der Schule. Ich finde, bevor sich die Jugendlichen in die Karrierelaufbahn stürzen sollen sie merken, daß es auch noch anderes gibt, daß es Not nicht nur in Indien gibt, wie das Leben einmal endet und daß das Leben nicht nur aus Handy, Party und Sex besteht.

Re: Wehrpflicht wackelt..

Bruno, Monday, 12.01.2004, 23:22 (vor 8061 Tagen) @ XRay

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht wackelt.. von XRay am 12. Januar 2004 10:19:33:

Liebe Forumsteilnehmer,

ich fürchte, das mit der Abschaffung der Wehrpflicht ist nur ein Männernepp. Sie soll erst 2008 kommen, also muss man unbedingt wieder Rot/Grün wählen, wahrscheinlich nur um dann festzustellen, dass das ganze doch bloß wieder gelogen war, wie bei der letzten und vorletzten Wahl.

Gruß

Bruno

Gleichberechtigung ist etwas Tolles. Schade, dass sie nur für Frauen gilt.

Re: Wehrpflicht wackelt..

Manfred, Tuesday, 13.01.2004, 20:35 (vor 8060 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht wackelt.. von Bruno am 12. Januar 2004 21:22:15:

Interessanter Gedanke, wäre tatsächlich denkbar...
Was perfides Schmierentheater betrifft traue ich dem derzeitigen Regime ja durchaus eine Menge zu, das trifft nunmal den Begabungskern vieler der derzeitig Regierenden.
Leicht ist es nunmal nicht, Männern einen Grund zu geben Rot-grün zu wählen. Und wenns auch schwer fällt zu akzeptieren: diese dürfen immer noch wählen!
Gegenargument: Männer sind durchaus keine besonders hervorzuhebenden Wehrpflichtgegner, also könnte das nach hinten losgehen.

Gruß,
Manfred

Re: Zivildienst steht vor dem Aus

Garfield, Wednesday, 14.01.2004, 11:32 (vor 8059 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Zivildienst steht vor dem Aus von Odin am 12. Januar 2004 18:02:25:

Hallo Odin!

"Ich finde, bevor sich die Jugendlichen in die Karrierelaufbahn stürzen sollen sie merken, daß es auch noch anderes gibt, daß es Not nicht nur in Indien gibt, wie das Leben einmal endet und daß das Leben nicht nur aus Handy, Party und Sex besteht."

Ich bin zwar gegen Pflichtdienste, aber da stimme ich dir zu. Vor einigen Monaten lief ab und zu ein Werbespot im Fernsehen. Ich weiß gar nicht mehr genau, worum es dabei ging. Ich glaube, es war Werbung für solch ein soziales Jahr. Da wurde z.B. ein junges Mädchen in einem Alten-Pflegeheim, gezeigt, und sie sagte dann sowas wie "hier habe ich gelernt, worum es im Leben wirklich geht". Das fand ich gut.

Viele Jugendliche legen heute aber eine genau entgegen gesetzte Haltung an den Tag. Es wird ihnen ja auch heute überall eingetrichtert, daß sie sich über nichts Gedanken machen müssen und ruhig immer ohne Rücksicht auf Verluste teure Marken-Klamotten, Spiele-Konsolen, Handies usw. kaufen sollen. Man lebt ja schließlich nur einmal, und die Eltern werden's schon bezahlen... Dann sieht man Werbespots, in denen Jugendliche sowas sagen wie "Arbeiten? Seriös werden? Das kann ich später immer noch..." Um dann fröhlich auf Betten herumzuhüpfen.

Die Werbung ist aber nur einer der Gründe für die immer mehr um sich greifende Verantwortungslosigkeit. Viele Eltern nehmen sich heute zu wenig Zeit für ihre Kinder, und manchmal ist es auch wirklich so, daß sie diese Zeit gar nicht erübrigen können. Man muß ja heute weit häufiger als früher weite Strecken zur Arbeitsstelle zurück legen, und allein das kostet viel Zeit. Obendrein ziehen viele Unternehmen es vor, ihre Mitarbeiter endlos Überstunden machen zu lassen, anstatt neues Personal einzustellen.

Überhaupt erkennt man in unserer Gesellschaft deutlich die Tendenz, Verantwortung möglichst auf andere abzuschieben. Besitzer von Unternehmen delegieren Verantwortung an Manager weiter, um so ihre Ruhe zu haben und sich ganz auf's Geldausgeben konzentrieren zu können. Die Manager wiederum tun dann vorrangig das, was ihnen selbst am meisten nützt. Unsere Politiker entwerfen und beschließen Gesetze, von denen sie selbst meist gar nicht oder nicht voll betroffen sind, oder aber sie sichern sich durch satte Gehaltserhöhungen schon im voraus gegen eventuelle negative Folgen für sie selbst ab. De facto übernehmen sie also auch keine Verantwortung für das, was sie beschließen.

Ist es da ein Wunder, wenn die ganze Nation diesem Beispiel unserer "Führungspersönlichkeiten" folgt? Wieso sollen sich dann also Jugendliche noch abstrampeln, um eine der immer seltener werdenden Lehrstellen zu ergattern? Wieso sich um Jobs bemühen, die immer schwerer zu kriegen sind und obendrein auch noch immer schlechter bezahlt werden? Da hüpft man halt lieber sorglos auf Betten herum und schiebt die Schuld für das eigene Versagen auf andere.

Durch soziale Dienste könnten Jugendliche vielleicht wieder auf den Boden der Realität zurück geholt werden. Allerdings finde ich, daß so etwas freiwillig sein sollte. Man kann ja bestimmte Anreize bieten, wie z.B. bevorzugte Vergabe von Studienplätzen, bevorzugte Einstellung im öffentlichen Dienst, Bevorzugung bei Umschulungen über das Arbeitsamt oder auch kleinere finanzielle Anreize.

Ich denke auch, daß es gerade im Pflegebereich fatal wäre, Menschen dazu zu zwingen, dort zu arbeiten. Nicht jedem liegt solche Arbeit. Wenn jemand an einer Maschine arbeitet und mit seinem Job unzufrieden ist, schadet es niemanden, wenn er der Maschine mal aus Frust einen Tritt verpaßt. Jedenfalls, wenn die Maschine stabil genug ist, um das unbeschadet zu überstehen. Wenn ich mal alt und krank und auf Pflege angewiesen bin, möchte ich nicht von jemandem versorgt werden, der gezwungen wurde, diesen Job zu machen und das dann an mir ausläßt. Solche Jobs kann nicht einfach jeder machen.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Wehrpflicht wackelt..

Odin, Wednesday, 14.01.2004, 15:25 (vor 8059 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht wackelt.. von Bruno am 12. Januar 2004 21:22:15:

Liebe Forumsteilnehmer,
ich fürchte, das mit der Abschaffung der Wehrpflicht ist nur ein Männernepp. Sie soll erst 2008 kommen, also muss man unbedingt wieder Rot/Grün wählen, wahrscheinlich nur um dann festzustellen, dass das ganze doch bloß wieder gelogen war, wie bei der letzten und vorletzten Wahl.

Entgegen dem großen Geschrei von allen Seiten gegen Rot/Grün trage ich mich seit längerem mit dem Gedanken, der SPD beizutreten.
Trotz der vermeintlichen oder tatsächlichen Frauenpolitik ist dies die erste Regierung, die wieder männliche Werte für mich verkörpert, z.B. daß sich Leistung wieder lohnen soll und daß man nicht nur schauen soll, wen man für seine momentane Not verantwortlich und haftbar machen kann, sondern auch, was man selber tun muß, um aus dem Schlamassel herauszukommen. Die verordneten "Medikamente" sind im Gegensatz zu den Äußerungen aus dem Unionslager für mich auch noch sozial ausgewogen.
Nach 16 Jahren "aussitzen" und 4 Jahren "ruhiger Hand" habe ich erstmals wieder das Gefühl, daß etwas vorwärts geht.
Ich traue auch NUR dieser Regierung den Willen zur Abschaffung des Wehrdienstes zu!

Re: Wehrpflicht wackelt..

gaehn, Wednesday, 14.01.2004, 16:58 (vor 8059 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht wackelt.. von Odin am 14. Januar 2004 13:25:06:

Liebe Forumsteilnehmer,
ich fürchte, das mit der Abschaffung der Wehrpflicht ist nur ein Männernepp. Sie soll erst 2008 kommen, also muss man unbedingt wieder Rot/Grün wählen, wahrscheinlich nur um dann festzustellen, dass das ganze doch bloß wieder gelogen war, wie bei der letzten und vorletzten Wahl.

Entgegen dem großen Geschrei von allen Seiten gegen Rot/Grün trage ich mich seit längerem mit dem Gedanken, der SPD beizutreten.
Trotz der vermeintlichen oder tatsächlichen Frauenpolitik ist dies die erste Regierung, die wieder männliche Werte für mich verkörpert, z.B. daß sich Leistung wieder lohnen soll und daß man nicht nur schauen soll, wen man für seine momentane Not verantwortlich und haftbar machen kann, sondern auch, was man selber tun muß, um aus dem Schlamassel herauszukommen. Die verordneten "Medikamente" sind im Gegensatz zu den Äußerungen aus dem Unionslager für mich auch noch sozial ausgewogen.
Nach 16 Jahren "aussitzen" und 4 Jahren "ruhiger Hand" habe ich erstmals wieder das Gefühl, daß etwas vorwärts geht.
Ich traue auch NUR dieser Regierung den Willen zur Abschaffung des Wehrdienstes zu!

hallo odin,

ich bin selbst politisch sehr interessiert, wichtig ist denke ich das männerrechtler alle parteien unterwandern (je nach vorliebe). denn so arbeiten letztlich alle grösseren ideologien bzw. ideen, der vorteil davon ist das die ideen parteiübergreifend vertreten werden.

von daher soll ruhig jeder dort für männerrechte eintreten wo er ist, etwas anderes ist für die männerrechte auch nicht wichtig.
die feministen machen es im übrigen ganz genauso :-D.

bye

Re: Wehrpflicht wackelt..

reinecke54, Thursday, 15.01.2004, 12:49 (vor 8058 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht wackelt.. von Odin am 14. Januar 2004 13:25:06:

Ich traue auch NUR dieser Regierung den Willen zur Abschaffung des Wehrdienstes zu!

Richtig! aber das ist auch die einzige - wenn auch extrem
wichtige - Reform, die ich dieser Regierung zutraue. Der
Rest ist Stueckwerk. Daher muss die Abschaffung der Wehrpflicht
noch diese Legislaturperiode durchgezogen werden!

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