Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Alleinerziehende Väter

Odin, Saturday, 20.12.2003, 14:38 (vor 8083 Tagen)

Schwarzwälder Bote
Freitag, 19. Dezember 2003

Wenn der Papa mit den Kindern lebt: Warum arbeitet der nicht?
Allein erziehende Väter gelten noch immer als Exoten, obwohl ihre Zahl
rasant wächst / Gütliche Scheidung erleichtert Erziehung

Von Rainer Wehaus
Stuttgart. Vielleicht bildet es sich Henning Dimpker ja nur ein. Aber
wenn er mit seinen beiden Töchtern im Alter von neun und elf Jahren im
Linienbus sitzt, erntet der 42-Jährige bisweilen ziemlich komische
Blicke. Blicke, die meist von älteren Frauen kommen und die zu sagen
scheinen: "Die armen Kinder. Wie konnte die Mutter sie nur mit dem Mann
allein loslassen."

Dimpker weiß von anderen allein erziehenden Vätern, dass diese Ähnliches
erleben. Etwa, wenn der Mann im Kindergarten mit fünf Müttern
zusammensteht und ihn das Gefühl beschleicht: "Irgendwie gehöre ich da
nicht hin." Und die plaudernden Mütter scheinen zu denken: "Warum ist
der Typ nicht bei der Arbeit?"

Allein erziehende Väter gelten noch immer als Exoten. Genauso fühlen sie
sich viele denn auch. Dabei sind sie die am schnellsten wachsende
Familienform. 1991 zählte das Statistische Bundesamt noch 204 000 allein
erziehende Väter in Deutschland, heute sind es 372 000. 18 Prozent der
rund 2,1 Millionen Alleinerziehenden sind männlich.

Die Gerichte haben an dieser Steigerung allenfalls geringen Anteil. Noch
immer sprechen sie im Streitfall zumeist den Müttern die Kinder zu.
Dimpker, der beim Verband allein erziehender Mütter und Väter (VAMV)
arbeitet, vermutet als Grund für die Väter-Entwicklung eher einen Werte-
und Bewusstseinswandel. Immer weniger Frauen - vor allem Berufstätige in
den Städten - definieren sich in erster Linie über ihre Rolle als
Mutter: Immer mehr verzichten daher nach einer Scheidung freiwillig auf
das Umgangsrecht mit den Kindern.

Verdienst höher als der von Frauen in der gleichen Rolle
Das Geschlecht des Alleinerziehenden scheint für die Qualität der
Erziehung nicht wirklich wichtig zu sein. "Männer gehen nicht besser
oder schlechter mit Kindern um, sondern anders", sagt Rüdiger
Meyer-Spelbrink vom Verein Väteraufbruch für Kinder. Nach den
Erfahrungen des 43-Jährigen, der selbst zwei Kinder im Alter von 13 und
15 Jahren allein großzieht, lassen Väter ihrem Nachwuchs eine längere
Leine, fordern aber auch mehr: "Das Gluckenhafte ist bei uns nicht so
ausgeprägt."

Materiell dürfte es den betroffenen Kindern vergleichsweise gut gehen.
Den Statistiken zufolge verdienen allein erziehende Väter deutlich mehr
als ihre weiblichen Leidensgenossen. Für Dimpker liegt dies auch daran,
dass sich Männer zunächst einmal meist ohne Unterbrechung ihrer
beruflichen Karriere widmen können. Zu Alleinerziehenden werden sie oft
erst in höherem Alter als Frauen. Was auch daran liegt, dass der Wunsch
der Kinder vor Gericht umso mehr zählt, je älter sie sind. Und gerade
Jungen, so Dimpker, ziehe es nach einer Scheidung oftmals eher zum Vater
als zur Mutter.

Doch Probleme haben auch allein erziehende Väter. Genug. Das Knüpfen
neuer sozialer Kontakte fällt Männern in solchen Fällen meist schwerer
als Frauen, sagt Dimpker. Viele klagen über einen Karriereknick. Denn
noch immer quittieren es die meisten Chefs mit Kopfschütteln, wenn ein
Mann der Kinder wegen etwa Teilzeitarbeit beantragt.

Auch bei Vermietern oder Behörden stoßen allein erziehende Väter noch
immer auf Widerstand und Vorurteile. "Mütter bekommen erheblich leichter
Hilfen und Verständnis", sagt Meyer-Spelbrink, "weil sie sich gut als
Opfer darstellen können." Bei einem Mann hingegen werde eigentlich immer
vorausgesetzt, dass er das Ganze schon schaukeln werde. Wohl dem, der
sich im Guten von seiner Frau getrennt hat und der weiter auf ihre Hilfe
setzen kann. Nicht selten aber kommt es zu Rosenkriegen, die allein
erziehende Väter und ihre Kinder schwer belasten.

Franz Daum aus Herrenberg (Name geändert) weiß eine solche Geschichte zu
erzählen. Als seine Ehe nach 19 Jahren in die Brüche ging, habe seine
Frau ihm mit Hilfe "gierig-aggressiver Rechtsanwälte" das Leben so
schwer wie nur möglich gemacht, sagt der 60-Jährige. Obwohl er gut
verdiente, sei er dadurch zahlungsunfähig geworden.

Hinzu sei ein parteiisches Jugendamt gekommen, das ihm von vorneherein
nahe gelegt hätte, auf das Umgangsrecht für seine Tochter zu verzichten.
Zum Glück seien seine beiden Kinder damals schon älter gewesen, sagt
Daum, so dass ihr Wille, bei ihm zu leben, berücksichtigt werden musste.

Nach langem Rosenkrieg schimpft ein Betroffener auf seine Richter
Das Ganze ist jetzt über zehn Jahre her, doch noch immer liegt Daum mit
seiner Frau im Streit. Es geht um Unterhalt, den er zahlen soll, obwohl
doch er die Kinder versorgt. Vor dem Amtsgericht war er auf Verständnis
gestoßen, doch das Stuttgarter Oberlandesgericht hob unlängst das Urteil
wieder auf. Sogar der geldwerte Vorteil, den er durch seinen Dienstwagen
habe, sei in den Unterhalt einbezogen worden, schimpft Daum. Und dies,
obwohl er dadurch keinen Cent mehr einnehme. Daum hat genug von
Richtern, die, wie er meint, willkürlich und meist männerfeindlich
urteilten.

Re: Alleinerziehende Väter

Garfield, Monday, 22.12.2003, 12:33 (vor 8081 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Alleinerziehende Väter von Odin am 20. Dezember 2003 12:38:48:

Hallo Odin!

Ich denke, der Anteil alleinerziehender Väter steigt deshalb, weil manche Frauen in der heutigen "Spaßgesellschaft" ein Kind bald nur noch als Last empfinden und es dann gar nicht ungern sehen, wenn das Kind nach der Scheidung beim Vater bleibt.

Andererseits ist es aber auch so, daß durch die deutschen Unterhaltsgesetze ein Kind eine gute Einkommensquelle für die Mutter darstellt. Das wird dafür sorgen, daß die Zahl alleinerziehender Mütter wohl trotzdem auch weiterhin deutlich höher sein wird als die Zahl alleinerziehender Väter. Jedenfalls, solange Gerichte und Jugendämter dazu neigen, die Kinder eher den Müttern als den Vätern zu überlassen.

Würden die deutschen Unterhaltsgesetze geändert werden, dann hätten wir wahrscheinlich sehr bald wieder Zustände wie im Mittelalter. Da hatte nämlich auch jede Mutter eines unehelichen Kindes das Recht, dieses Kind ein Jahr nach der Geburt (wenn es also nicht mehr gestillt werden mußte) einfach beim Vater abzuliefern, der dann verpflichtet war, für das Kind zu sorgen. (Für eheliche Kinder hatte der Vater ohnehin immer zu sorgen.) Das wurde seitens der Frauen damals auch fleißig genutzt. Trotzdem bekam ein alleinerziehender Vater damals selbstverständlich üblicherweise keinerlei Unterstützung von der Gesellschaft, während alleinerziehende Mütter schon damals solche Unterstützung gelegentlich bekamen, wenn auch natürlich nicht in dem Maße wie heute. Witwen wurde recht häufig diverse Unterstützung zuteil (auch wenn sie keine Kinder zu versorgen hatten), und manchmal gab es (z.B. in Italien) sogar kirchliche Heime für Mütter unehelicher Kinder, die ihre Kinder nicht beim Vater abgeben wollten oder konnten (z.B. weil sie den Namen des Vaters und/oder seinen Wohnort nicht kannten).

Es ist also nicht erst seit kurzem so, daß Väter keine oder kaum Unterstützung bekommen. Das war wohl schon immer so, und leider hat sich bis heute nicht viel daran geändert.

Freundliche Grüße
von Garfield


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