Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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TAZ gegen simple Biologismen

Garp, Saturday, 13.12.2003, 15:38 (vor 8090 Tagen)

nicht mehr ganz neu der Link dennoch gut.
Nicht Debatten über das Y-Chromosom bzw. Diskussionen der Feuilleton-Chefs über eine mediale Männerdämmerung sind sinnvoll. Vielmehr geht es um die Krise der männlichen Arbeiterschicht und der gering qualifizierten Jungen.
Ein guter Artikel gegen biologistische Zuschreibungen im Stile der SPIEGEL-Titelgeschichte.

http://www.taz.de/pt/2003/11/22/a0110.nf/text

Re: TAZ gegen simple Biologismen

Peter, Saturday, 13.12.2003, 20:05 (vor 8090 Tagen) @ Garp

Als Antwort auf: TAZ gegen simple Biologismen von Garp am 13. Dezember 2003 13:38:35:

http://www.taz.de/pt/2003/11/22/a0110.nf/text

Danke für den Link.

Peter

Falls der Link mal in Datennirwana führt, hier einige Zitate:

Die Krise der Kerle
Der Mann ist kein Irrtum der Natur, sondern ein Produkt der Gesellschaft: Die satirisch anmutenden Abgesänge auf das Y-Chromosom brauchen dringend eine Gegenstimme

(...)

Die fortbestehende männliche Dominanz in den Spitzenpositionen von Wissenschaft, Technik und Industrie verdeckt, dass die ganz normalen Arbeitsmänner tatsächlich mit einer Zersetzung ihrer traditionellen Rolle konfrontiert sind. (...)
Viel interessanter aber ist zum Beispiel, dass in deutschen Haupt- und Sonderschulen doppelt so viele Jungen wie Mädchen sitzen. 60 Prozent der GymnasiastInnen sind weiblich, unter den StudienanfängerInnen überwiegen inzwischen ebenfalls die Frauen. Bei den Hochschulabschlüssen, erst recht bei Promotion und Habilitation, sind die Herren jedoch nach wie vor im Vorteil. Professuren sind Männersache, ebenso die Schlüsselpositionen in Unternehmen und vor allem in den naturwissenschaftlichen Berufen. Die derzeitige Leitbranche der Ökonomie, die Informationstechnik, ist ein dezidiert männliches Territorium. Die Start-up-Unternehmen waren Patriarchat pur, eine echte "Brüderhorde", resümieren Alexander Meschnig und Mathias Stuhr ihre Erfahrungen in einer Gründerfirma der New Economy. (...)

(Peter: Ist es Patriarchat, wenn die Männer in Start-ups sich selber ausbeuten, in der Hoffnung auf den geschäftlichen Durchbruch? Zumal das Risiko des geschäftlichen Einbruchs immer besteht.)

Der starke Mann, der die Natur besiegt; der unersetzliche Familienversorger, der mutige Verteidiger von Frauen und Kindern; der Erwerbsmann, der sich über seine bezahlte Tätigkeit definiert. Was ist heutzutage noch männlich? (...)
taz Nr. 7215 vom 22.11.2003, Seite 11, 241 Zeilen (Kommentar), THOMAS GESTERKAMP

Re: TAZ gegen simple Biologismen

Frank, Monday, 15.12.2003, 12:40 (vor 8089 Tagen) @ Garp

Als Antwort auf: TAZ gegen simple Biologismen von Garp am 13. Dezember 2003 13:38:35:

Ein guter Artikel gegen biologistische Zuschreibungen im Stile der SPIEGEL-Titelgeschichte.

Finde ich auch. In der Tat ist es eine bedenkliche Entwicklung, dass der massive Arbeitsplatzabbau in den klassischen Männerberufen den Haupt- und Sonderschülern keine Perspektive mehr für einen gesellschaftlichen Aufstieg bietet. Dass Gesterkamps Artikel das so benennt, hebt ihn wohltuend vom törichten Geschreibsel à la Spiegel ab.

Wenngleich - mit Blick auf die Arbeiterklasse - nicht ganz ohne Berechtigung, nervt mich das ständige Gerede von der "Krise des Mannes" dennoch gewaltig. Denn in den letzten 30 Jahren sind sich die Geschlechter immer ähnlicher geworden. Diese Anpassung war jedoch extrem einseitig: die Frauen haben sich ausschließlich den Männern angeglichen. Wenn das "männliche Prinzip" also offenbar so attraktiv ist, dass sogar sämtliche Frauen es kritiklos für sich selber übernehmen, kann ich darin beim besten Willen keine Krise des Männlichen erkennen.

Ich sehe eher die Frauen in einer Identitätskrise: das klassisch weibliche Rollenbild wird ihnen vom Feminismus madig gemacht, wohingegen ihre beständige Entwicklung zu zweitklassigen Männern die Kerle vergrault. Hin- und hergerissen zwischen Beruf, Haushalt und Kindererziehung, zwischen weiblichem und männlichem Rollenklischee, verwöhnt, neurotisch, nörgelig, ohne originär weibliches Selbstbewusstsein: Arme Mädels.

Hervorragende Analyse! (n/t)

Jörg, Monday, 15.12.2003, 17:53 (vor 8088 Tagen) @ Frank

Als Antwort auf: Re: TAZ gegen simple Biologismen von Frank am 15. Dezember 2003 10:40:47:

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