Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht

Andreas, Saturday, 29.11.2003, 17:19 (vor 8104 Tagen)

Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht

Odin, Sunday, 30.11.2003, 19:54 (vor 8103 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht von Andreas am 29. November 2003 15:19:42:

Die scheinen wohl langsam kalte Füße zu kriegen...

Ich denke, daß denen wohl nichts anderes übrig bleiben wird. Die Grünen bestehen auf eine erneute Diskussion darüber, der Finanzminister braucht das Geld und mittelfristig fehlen am Arbeitsmarkt die Arbeiter. Da kann man nicht eine ganze Generation zum Bund einziehen.
Bin blos gespannt, ob sie das vor 2006 noch hinkriegen. Wenn die CDU wieder regiert, dann ist erstmal Sense. Ich glaube kaum, daß sich die FDP durchsetzen kann - will.

Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht

Maesi, Monday, 08.12.2003, 21:15 (vor 8095 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht von Odin am 30. November 2003 17:54:36:

Hallo Odin

Die scheinen wohl langsam kalte Füße zu kriegen...

Ich denke, daß denen wohl nichts anderes übrig bleiben wird. Die Grünen bestehen auf eine erneute Diskussion darüber, der Finanzminister braucht das Geld und mittelfristig fehlen am Arbeitsmarkt die Arbeiter. Da kann man nicht eine ganze Generation zum Bund einziehen.

Es gibt x Beispiele in der Welt, wo die Landesverteidigung durch eine Berufsarmee sichergestellt wird; insofern kann ich das sture Beharren auf einer Milizarmee in Deutschland nicht verstehen.

Wer allerdings glaubt, eine Armee aus Berufssoldaten waere billiger als eine Milizarmee, der irrt. Eine schlagkraeftige Berufsarmee muss erstens gut bezahlt werden; niemand (ausser Wehrpflichtige) wird fuer einen Hungerlohn Kopf und Kragen riskieren. Zweitens muss ein erheblicher Abbau der Truppenstaerke zwangslaeufig durch einen hoeheren Mechanisierungsgrad kompensiert werden, um die heutige Schlagkraft zu erhalten; dies bedeutet in der Praxis teure High-Tech-Waffen mit ebenso teuren Ausbildungen der Soldaten. Drittens muss den Soldaten nach deren 'Aktivdienst' ein beruflicher Wiedereinstieg ermoeglicht werden, ansonsten wird man, mit der Aussicht nach der Entlassung aus der Armee arbeitslos auf der Strasse zu stehen, kaum genuegend Freiwillige finden; der Staat koennte es sich finanziell wohl kaum leisten, aus dem Dienst entlassene Soldaten in einem Alter von 30 oder 35 Jahren zu pensionieren. Viertens muesste parallel eine Loesung fuer den Ausfall der zahllosen Zivis gefunden werden, die von der Gesellschaft derzeit als billige Arbeitskraefte ausgebeutet
werden.

Selbstverstaendlich koennte Deutschland auch eine billige Pseudo-Armee von ein einigen tausend Berufssoldaten unterhalten; ob die jedoch die Verpflichtungen im Rahmen der NATO erfuellen koennte, halte ich fuer aeusserst fraglich. Bereits jetzt werden etliche europaeische Mitgliedstaaten (darunter auch Deutschland) von den USA seit Jahren mit schoener Regelmaessigkeit wegen ungenuegender Leistungen zugunsten der NATO geruegt.

Bin blos gespannt, ob sie das vor 2006 noch hinkriegen. Wenn die CDU wieder regiert, dann ist erstmal Sense. Ich glaube kaum, daß sich die FDP durchsetzen kann - will.

Ein Grundsatzentscheid ist relativ schnell moeglich. Die praktische Durchsetzung steht jedoch auf einem anderen Blatt; hier ist allein schon wegen der Traegheit des bestehenden Systems sowie aufgrund der starken Verquickung mit dem Zivildienst mit einer laengeren Uebergangsfrist zu rechnen. Ausserdem hat Deutschland derzeit ganz andere, draengendere Probleme, die Aufhebung der Wehrpflicht bzw. der damit einhergehende Umbau der Miliz- in eine Berufsarmee wuerde wohl recht schnell wieder auf die lange Bank geschoben; insbesondere, weil derzeit schlichtweg das Geld fuer den Umbau der Armee vom Miliz- zum Berufsheer fehlt.

Gruss

Maesi

Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht

Garfield, Tuesday, 09.12.2003, 18:14 (vor 8094 Tagen) @ Maesi

Als Antwort auf: Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht von Maesi am 08. Dezember 2003 19:15:01:

Hallo Maesi!

Ich bin mir nicht so sicher, ob eine Berufsarmee wirklich teurer wäre als die jetzige Wehrpflichtarmee. Erstmal würde bei einer Berufsarmee der ganze Verwaltungsapparat entfallen, der jetzt nur oder überwiegend für Wehrpflichtige zuständig ist. Und man bräuchte auch keine Berufssoldaten mehr zur Ausbildung der Wehrpflichtigen einsetzen.

Dazu kämen noch Einspar-Effekte außerhalb der Bundeswehr: Die Polizei bräuchte sich z.B. nicht mehr um fahnenflüchtige Wehrpflichtige kümmern. Das bringt zwar direkt keinen Spar-Effekt, würde aber dafür sorgen, daß die Polizei mehr Zeit hat, um sich um wirklich wichtige Dinge zu kümmern, was dann den Schaden durch Kriminalität etwas senken würde.

Auch der Zivildienst würde entfallen, und damit auch der dazu nötige Verwaltungsapparat. Dann fielen zwar billige Arbeitskräfte weg, aber wenn man stattdessen Personal einstellt, zahlt das immerhin Lohnsteuern - und das ist die Haupteinnahmequelle des Staates.

Außerdem könnte man die Möglichkeit des freiwilligen sozialen Jahres nutzen, um diesen Mangel an billigen Arbeitskräften wieder auszugleichen. Viele Jugendliche, die jetzt ohne Ausbildung oder Job in der Luft hängen, würden das nutzen, wenn man ihnen dazu noch zusätzliche Anreize bieten würde. Das macht sich im Lebenslauf immerhin besser als das Wort "arbeitssuchend", und man kann so auch die Chancen auf eine Lehrstelle verbessern. Jetzt gibt es ja auch nicht nur im Pflegebereich Zivildienstleistende, sondern auch z.B. in der Forstwirtschaft usw.

Natürlich müßte man in einer Berufsarmee auch immer wieder neue Soldaten rekrutieren und testen. Und natürlich müßte man sie auch ausbilden. Da sie dann aber weitaus länger bei der Truppen bleiben, wäre die Zahl der Rekruten immer weitaus niedriger als heute.

Obendrein würde sich ihre Ausbildung auch wirklich auszahlen. Was nützt denn die 9monatige Ausbildung eines Grundwehrdienstleistenden? In 9 Monaten lernt man nicht sonderlich viel, und wenn man dann ein paar Jahre aus der Armee raus ist, hat man eh alles wieder vergessen.

Aber vor allem kann man Wehrpflichtige noch nicht so einfach auf Auslandseinsätze schicken, und häufig verfügen sie auch gar nicht über die dafür erforderliche Ausbildung. Auslandseinsätze werden aber weiterhin wichtig bleiben, und die Bundeswehr ist dabei schon längst am Limit angelangt.

Und was die technische Ausrüstung angeht: Die Kosten dafür hat man so oder so. Ob nun ein Wehrpflichtiger oder ein Berufssoldat einen Panzer fährt: Der Panzer sollte in jedem Fall einigermaßen modern ausgerüstet sein. Die teuersten Waffensysteme (z.B. Kampfflugzeuge oder Kriegsschiffe) werden ohnehin schon jetzt ganz oder überwiegend von Berufssoldaten bedient.

Selbst wenn eine Berufsarmee durch höhere Personalkosten tatsächlich insgesamt mehr Kosten bringen würde: Man muß dabei auch das Verhältnis von Aufwand und Nutzen sehen. Wenn ich die Wahl habe, viel zu investieren und damit im Durchschnitt nur mittelmäßige Resultate zu erzielen oder aber sehr viel zu investieren und dafür sehr gute Resultate zu erreichen, dann entscheide ich mich für Letzteres.

Ich denke, es hat schon seinen Sinn, daß auch manche hohen Militärs eine Berufsarmee befürworten. Und daß mittlerweile viele europäische Armeen Berufsarmeen sind.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht

Maesi, Sunday, 14.12.2003, 12:57 (vor 8089 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht von Garfield am 09. Dezember 2003 16:14:58:

Hallo Garfield

Ich bin mir nicht so sicher, ob eine Berufsarmee wirklich teurer wäre als die jetzige Wehrpflichtarmee. Erstmal würde bei einer Berufsarmee der ganze Verwaltungsapparat entfallen, der jetzt nur oder überwiegend für Wehrpflichtige zuständig ist. Und man bräuchte auch keine Berufssoldaten mehr zur Ausbildung der Wehrpflichtigen einsetzen.
Dazu kämen noch Einspar-Effekte außerhalb der Bundeswehr: Die Polizei bräuchte sich z.B. nicht mehr um fahnenflüchtige Wehrpflichtige kümmern. Das bringt zwar direkt keinen Spar-Effekt, würde aber dafür sorgen, daß die Polizei mehr Zeit hat, um sich um wirklich wichtige Dinge zu kümmern, was dann den Schaden durch Kriminalität etwas senken würde.

Naja, gewisse wehrpflichtspezifische Einsparungen gaebe es wahrscheinlich schon. Aber dem stuenden eben hoehere Ausgaben in anderen Bereichen entgegen. Meine Ueberlegungen stuetzen sich auf Abklaerungen der Schweizer Regierung, die schon einen Wechsel zu einer Berufsarmee hin untersuchen liess. Das Ergebnis war, dass keine Einsparungen durch einen blossen Systemwechsel zu verzeichnen waeren, sondern dass im Gegenteil die Kosten tendenziell eher steigen wuerden. Die Schweizer Sozialdemokraten diskutierten zwar ein alternatives Modell, welches tatsaechlich billiger waere; die dabei festzustellenden Kosteneinsparungen sind jedoch ausschliesslich auf eine parallel vorzunehmende massive Abruestung zurueckzufuehren. Die Verquickung von Systemwechsel und Abruestung ist sehr beliebt und politisch durchaus clever, wenn jedoch die aus der Abruestung resultierenden Kosteneinsparungen zugunsten des Systemwechsels verbucht werden, dann ist das lediglich ein buchhalterischer Trick, ein Etikettenschwindel; denselben Effekt koennte man naemlich auch durch blosse Abruestung erzielen, wobei die temporaeren Zusatzkosten durch die Umstellung von der Miliz- zur Berufsarmee entfielen.

Es ist offensichtlich, dass eine Milizarmee wesentlich billiger ist als eine Berufsarmee bei einer vergleichbaren Zahl von aktiven Wehrmaennern. Deshalb setze ich voraus, dass eine Berufsarmee einen erheblich geringeren Truppenbestand aufweist als eine Milizarmee. Das bedeutet aber auch, dass der Kampfwert des einzelnen Soldaten stark gesteigert werden muss, um eine vergleichbare Kampfkraft zu erzielen, ansonsten haetten wir den von mir oben erwaehnten Abruestungseffekt. Die dazu notwendige Kampfwertsteigerung des einzelnen Soldaten muesste zum groessten Teil ueber eine hoehere Mechanisierung sowie modernere Waffen erkauft werden.

Die von Dir erhofften Einsparungen im Verwaltungsbereich kann ich leider nicht nachvollziehen. Auch eine Berufsarmee braucht selbstverstaendlich eine Verwaltung; die Leute wollen schliesslich verpflegt und entloehnt werden, die Infrastruktur muss verwaltet und gewartet, Material und Munition bestellt und in der Armee verteilt werden. Einsparungen gaebe es am ehesten, weil wesentlich weniger Leute gemustert und unterhalten werden muessten. Andererseits wuerden die Verwaltungskosten bedingt durch spezielleres Material und kompliziertere Infrastruktur wiederum erhoeht.

In dieser Beziehung empfehle ich Dir, Parkinsons Buch ueber die Mechanismen in Verwaltungen zu lesen. Dort siehst Du am Beispiel der britischen Marine schwarz auf weiss: egal, wie sich der Mannschaftsbestand der kaempfenden Truppe in der Royal Navy infolge von zwei Weltkriegen massiv erhoeht und nach Friedensschluss jeweils wieder vermindert hat, die Verwaltungsbestaende sind immer gestiegen oder wenigstens gleich geblieben; das Resultat ist, dass in der modernen Royal Navy ein viel hoeherer Anteil des Personals in der Verwaltung taetig ist als noch vor 100 Jahren. Die Tendenz der Verwaltungen, sich meist auszudehnen und sehr selten zu schrumpfen, ist eines der Parkinsonschen Gesetze.

Auch der Zivildienst würde entfallen, und damit auch der dazu nötige Verwaltungsapparat. Dann fielen zwar billige Arbeitskräfte weg, aber wenn man stattdessen Personal einstellt, zahlt das immerhin Lohnsteuern - und das ist die Haupteinnahmequelle des Staates.

Saemtliche Aenderungen im Zivildienst haben mit der Armee ueberhaupt nichts zu tun und tangieren das Verteidigungsbudget nicht.

Den staatlichen Mehreinnahmen durch Lohnsteuern stuenden wesentlich hoehere Ausgaben fuer deren Gehaelter entgegen; oder zahlt ihr in Deutschland bereits gegen 100% Einkommenssteuern wie in Schweden, sodass ein grosser Teil der erhoehten Ausgaben an den Staat fallen? Ob die Loehne durch staatliche Steuermittel oder durch Beitraege an Sozialversicherungswerke bezahlt werden, ist dabei fuer den Buerger ziemlich unerheblich; er zahlt immer. Tatsache ist, dass die Zivis nur zum kleineren Teil durch Festangestellte ersetzt werden koennten, wenn die jetzigen Kosten nicht ueberschritten werden duerften. Ich bezweifle, dass das ohne eine gewisse Reduktion der derzeit durch die Zivis geleisteten Dienste zu machen ist. Im Klartext: weniger Service fuer gleich viel Geld, das bedeutet letzten Endes eine Verteuerung.

Außerdem könnte man die Möglichkeit des freiwilligen sozialen Jahres nutzen, um diesen Mangel an billigen Arbeitskräften wieder auszugleichen. Viele Jugendliche, die jetzt ohne Ausbildung oder Job in der Luft hängen, würden das nutzen, wenn man ihnen dazu noch zusätzliche Anreize bieten würde. Das macht sich im Lebenslauf immerhin besser als das Wort "arbeitssuchend", und man kann so auch die Chancen auf eine Lehrstelle verbessern. Jetzt gibt es ja auch nicht nur im Pflegebereich Zivildienstleistende, sondern auch z.B. in der Forstwirtschaft usw.

Vergiss es, Garfield. Das freiwillige soziale Jahr gibt es bereits heute fuer junge Frauen; das absolvieren nur sehr wenige. Ich sehe nicht ein, dass das bei den jungen Maennern anders sein sollte.

Natürlich müßte man in einer Berufsarmee auch immer wieder neue Soldaten rekrutieren und testen. Und natürlich müßte man sie auch ausbilden. Da sie dann aber weitaus länger bei der Truppen bleiben, wäre die Zahl der Rekruten immer weitaus niedriger als heute.

Zweifellos gaebe es einen hoeheren Professionalisierungsgrad der Truppe, bedingt durch dauernde Anwendung des Gelernten. Andererseits gilt fuer eine Armee dasselbe wie in der Privatwirtschaft - ohne Weiterbildung laeuft da nix. Und gerade heutzutage ist permanente Weiterbildung lebenswichtig. Wenn ein neues Waffensystem eingefuehrt wird, dann muessen die Leute halt daran ausgebildet und geuebt werden. In einer hochspezialisierten Berufsarmee wuerden die Ausbildungskosten wohl kaum sinken; es muessten zwar weniger Menschen ausgebildet werden, dafuer waeren die spezielleren Ausbildungen bedingt durch moderne Waffen wesentlich teurer.

Obendrein würde sich ihre Ausbildung auch wirklich auszahlen. Was nützt denn die 9monatige Ausbildung eines Grundwehrdienstleistenden? In 9 Monaten lernt man nicht sonderlich viel, und wenn man dann ein paar Jahre aus der Armee raus ist, hat man eh alles wieder vergessen.

Ein Reservist kostet die Armee nahezu nichts und ist somit irrelevant aus Kostensicht. Solange der Milizsoldat im aktiven Dienst ist, ist er normalerweise auch up-to-date punkto Ausbildung. Deine Einschaetzung, dass man in 9 Monaten nicht sonderlich viel lernt, kann ich im uebrigen nicht teilen.

Aber vor allem kann man Wehrpflichtige noch nicht so einfach auf Auslandseinsätze schicken, und häufig verfügen sie auch gar nicht über die dafür erforderliche Ausbildung. Auslandseinsätze werden aber weiterhin wichtig bleiben, und die Bundeswehr ist dabei schon längst am Limit angelangt.

Ein Berufssoldat benoetigt dazu natuerlich auch eine Ausbildung. Sofern die Auslandseinsaetze in einem vergleichbaren Ausmass verbleiben, gibt es hier kaum Einsparungen.

Und was die technische Ausrüstung angeht: Die Kosten dafür hat man so oder so. Ob nun ein Wehrpflichtiger oder ein Berufssoldat einen Panzer fährt: Der Panzer sollte in jedem Fall einigermaßen modern ausgerüstet sein. Die teuersten Waffensysteme (z.B. Kampfflugzeuge oder Kriegsschiffe) werden ohnehin schon jetzt ganz oder überwiegend von Berufssoldaten bedient.

Nein, Garfield. Die Kosten hat man nicht einfach so oder so. Bedingt durch den verminderten Mannschaftsbestand muesste der Mechanisierungsgrad, die Kampfkraft sowie die Mobilitaet der Truppen wesentlich erhoeht werden, damit dieselben Aufgaben erfuellt werden koennten. Das laeuft darauf hinaus, dass vielleicht nicht mehr, aber zweifellos moderneres Material in hoeherer zeitlicher Kadenz angeschafft werden muesste. Die Transportkapazitaeten fuer mobile Einsatztruppen waeren zu erhoehen, es muessten wesentlich mehr intelligente Waffen (insbesondere auch fuer die Infanterie) beschafft werden. Die Wartung eines breiteren Spektrums von speziellen Waffen waere kostenintensiver. Und genau in den hohen Beschaffungs-/Wartungskosten fuer modernes Material sehe ich (neben der hoeheren Entloehnung der Soldaten) den Hauptpunkt, wo jegliche Kosteneinsparungen einer zahlenmaessig kleineren Berufsarmee gleich wieder weggefressen wuerden.

Selbst wenn eine Berufsarmee durch höhere Personalkosten tatsächlich insgesamt mehr Kosten bringen würde: Man muß dabei auch das Verhältnis von Aufwand und Nutzen sehen. Wenn ich die Wahl habe, viel zu investieren und damit im Durchschnitt nur mittelmäßige Resultate zu erzielen oder aber sehr viel zu investieren und dafür sehr gute Resultate zu erreichen, dann entscheide ich mich für Letzteres.

Objektiv gesehen stimmt das. Aber bei vielen Leuten wird die Hoffnung geweckt ein Systemwechsel braechte substantiell tiefere Verteidigungsausgaben, die dann selbstverstaendlich in soziale Belange fliessen koennten. Wenn die Verteidigungskosten nach der Umstellung auf eine Berufsarmee auch nur aehnlich hoch blieben, waeren die Hoffnungen enttaeuscht, und es wuerden eine ganze Menge Fragen gestellt. Es muss jede Regierung selbst wissen, inwieweit sie es sich leisten kann Versprechungen abzugeben oder unerfuellbare Hoffnungen zu wecken. Punkto Wechsel von einer Miliz- in eine Berufsarmee werden ganz eindeutig Hoffnungen geweckt, ohne dass vorgaengig serioese Abklaerungen erfolgt sind; und das ist unehrlich.

Im uebrigen haette Deutschland bei wesentlich tieferen Verteidigungsausgaben durchaus ein Problem mit der NATO; sie haben dieses Problem ja jetzt schon. Die Deutschen muessen sich bewusst sein: wenn man in einem militaerischen Buendnis ist, dann kann man nicht mehr nach Belieben schalten oder walten sondern muss auf die Buendnispartner Ruecksicht nehmen; man ist Teil eines groesseren Ganzen und muss die auferlegten Pflichten erfuellen; ansonsten funktioniert das Buendnis nicht lange.

Ich denke, es hat schon seinen Sinn, daß auch manche hohen Militärs eine Berufsarmee befürworten. Und daß mittlerweile viele europäische Armeen Berufsarmeen sind.

In der Schweiz befuerworten ebenfalls viele Offiziere eine Berufsarmee. Aus Sicht der Offiziere sind Berufssoldaten wesentlich einfacher zu fuehren; man braucht weniger Ruecksicht auf Befindlichkeiten Einzelner zu nehmen. Es kann eine hoehere Homogenitaet der Truppe erreicht werden; Missliebige koennen einfacher abgeschoben oder sogar entlassen werden. Der einzelne Soldat kann je nach Bedarf auch ueber einen laengeren Zeitraum hin ausgebildet werden; das Gelernte kann immer wieder geuebt werden und geht waehrend der wesentlich laengeren Dienstzeit des Berufssoldaten nicht verloren.

Gruss

Maesi

Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht

Garfield, Monday, 15.12.2003, 13:10 (vor 8088 Tagen) @ Maesi

Als Antwort auf: Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht von Maesi am 14. Dezember 2003 10:57:32:

Hallo Maesi!

Vieles, was du schreibst, spricht aber gerade für eine Berufsarmee!

Alle Konzepte zur Umwandlung der Bundeswehr in eine Berufsarmee gehen davon aus, daß die Truppenstärke gleichzeitig vermindert wird. Natürlich ergäbe sich der eventuelle Einspareffekt dann nicht daraus, daß es keine Wehrpflichtigen mehr gibt, sondern eher daraus, daß die Zahl der Soldaten verringert wurde.

Wie du schon geschrieben hast, muß das dann durch eine Verbesserung der Kampfkraft des einzelnen Soldaten ausgeglichen werden. Zum einen durch bessere und teurere Ausrüstung. Das bleibt der Bundeswehr aber ohnehin nicht erspart. Auch Wehrpflichtige müssen gerade bei Auslandseinsätzen vernünftig ausgerüstet werden.

Aber noch viel mehr läßt sich eine geringere Truppenstärke durch bessere Ausbildung ausgleichen. Die ist bei Wehrpflichtigen aufgrund ihrer geringen Dienstzeit aber gar nicht mehr möglich.

Welch große Bedeutung die Ausbildung hat, zeigte sich auch im Zweiten Weltkrieg deutlich. Da haben deutsche Jagdflieger enorm hohe Abschußzahlen erreicht. Bei den US Army Air Force und bei der Royal Air Force wurde ein Jagdflieger mit 5 Abschüssen schon als "As" gefeiert. Bei der Luftwaffe galt man erst mit 100 Abschüssen als "As". Soviele Abschüsse hat - wenn ich mich jetzt recht erinnere - kein US-Amerikaner oder Brite jemals erreicht. Da lag das Maximum so etwa zwischen 60 und 80. Es gab wohl einen Japaner, der auf knapp über 100 Abschüsse kam, und es soll auch bei den Sowjets einen Flieger gegeben haben, der über 100 Abschüsse erreichte (bis er dann wahrscheinlich im Gulag verschwand). Bei der Luftwaffe gab es mehr als 100 Jagdflieger, die jeweils auf mehr als 100 Abschüsse kamen. Einige kamen sogar auf über 200 Abschüsse, und zwei überschritten die 300-Marke. Bis heute ist Erich Hartmann mit 352 Abschüssen der erfolgreichste Jagdflieger aller Zeiten.

Nach dem Krieg wurde viel darüber diskutiert, ob diese Zahlen wirklich korrekt waren. Man unterstellte den Deutschen, sie aus Propaganda-Gründen künstlich hoch gerechnet zu haben. Militärhistoriker haben die Zahlen aber teilweise wirklich überprüft, also mit allierten Verlusten verglichen, und kamen zu dem Schluß, daß sie stimmten. Erich Hartmann wurde von den Sowjets als "Volksfeind Nr.1" bezeichnet und nach dem Krieg so lange wie möglich in Gefangenschaft gehalten, was auch beweist, daß seine Abschußzahlen korrekt waren.

Als die Zahlen nicht mehr anzuzweifeln waren, vermutete man ihre Ursache in besseren genetischen Voraussetzungen der Deutschen. Tatsächlich kann es aber zwischen Deutschen, Franzosen und Briten keine so großen genetischen Unterschiede geben. Außerdem sind auch viele Deutsche in die USA ausgewandert, und so hätte es dort dann ja auch so erfolgreiche Jagdflieger geben müssen.

Es ist also ganz offensichtlich, daß die deutschen Jagdflieger vor allem deshalb so erfolgreich waren, weil sie in ihren Kampfeinsätzen das beste Training absolviert hatten. Bei ihren Einsätzen im Spanienkrieg und in Polen hatten sie es meist mit Gegnern zu tun, die technisch unterlegene Flugzeuge flogen. Das machte es ihnen sehr einfach, erste Erfahrungen zu sammeln, ohne dabei zu Tode zu kommen. Auch später in Frankreich trafen sie meist auf unterlegene Technik. Das einzige der deutschen Bf 109 gleichwertige allierte Flugzeug war zu der Zeit die britische Spitfire, die aber zunächst nur in geringer Stückzahl auftauchte. Auch dort hatten also die deutschen Jagdflieger meist leichtes Spiel und konnten ihre Fähigkeiten weiter trainieren.

Als sich diese Situation dann im Laufe des Krieges mehr und mehr änderte, hatten die dienstälteren deutschen Jagdflieger bereits soviel Erfahrung, daß sie es auch locker mit Gegnern aufnehmen konnten, die gleichwertige bis überlegene Flugzeuge flogen. Das waren dann auch die Flieger, die solch hohe Abschußzahlen erreichten. Dazu kam noch, daß in Deutschland Jagdflieger aufgrund der prekären Kriegslage fast ununterbrochen im Einsatz waren, während es bei den US-Amerikanern beispielsweise üblich war, daß sie zwischendurch regelmäßig Urlaub machten.

Die jungen deutschen Nachwuchsflieger, die dann zunehmend unter Zeitdruck und deshalb eher schlecht ausgebildet werden mußten, fielen dagegen bei ihren Einsätzen wie die Fliegen, oft bevor sie überhaupt einen einzigen Abschuß erreichten.

Beim Heer sah das sehr ähnlich aus. Auch dort hatten die altgedienten, kampferfahrenen Soldaten mit EK 1 und Nahkampfspange die besten Überlebenschancen, während Neulinge weit häufiger den "Heldentod" starben.

Die Belastung der Bundeswehr durch Auslandseinsätze wird weiter anhalten und womöglich sogar noch steigen. Die USA werden weiter versuchen, ihre Wirtschaft durch Kriege anzukurbeln und sich Zugang zu Rohstoffquellen durch Kriege zu sichern. Allein schon dadurch wird es immer wieder Unruheherde in der Welt geben, und oft wird auch die Bundeswehr im Rahmen der NATO die Kastanien mit aus dem Feuer holen müssen.

Die Bundeswehr wird also einen mindestens gleichbleibenden Bedarf an gut ausgebildeten Soldaten haben, die im Ausland erfolgreich eingesetzt werden können. Wehrpflichtige können aber oftmals nicht den erforderlichen Ausbildungsstand erreichen, sind dabei also mehr Klotz am Bein als wirklich nützlich.

Auch wenn die Bundeswehr an keinen Kampfhandlungen teilnimmt (was keineswegs mehr sicher ist), zeigen doch die Ereignisse im Irak wieder, daß ein Krieg auch nach Ende der offiziellen Kampfhandlungen noch längst nicht beendet sein muß.

Deshalb glaube ich, daß die Wehrpflicht nicht mehr lange zu halten ist. Wenn man an ihr festhält, gibt es nur noch zwei Alternativen: Entweder Deutschland tritt aus der NATO aus und hält sich fortan möglichst neutral aus allem raus. Oder aber man verpflichtet auch Wehrpflichtige zu Auslandseinsätzen und nimmt dabei in Kauf, daß sie dann durch ihren schlechteren Ausbildungsstand entsprechend schlechtere Überlebenschancen haben.

Ich befürchte Letzteres...

Freundliche Grüße
von Garfield



Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht

Garfield, Monday, 01.12.2003, 11:34 (vor 8102 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht von Andreas am 29. November 2003 15:19:42:

Hallo Andreas!

Die Wehrpflicht ist eben nicht mehr lange zu halten. Früher war es ja noch so, daß Wehrpflichtige das Recht hatten, Auslandseinsätze zu verweigern. Sie konnten also nur freiwillig ins Ausland geschickt werden.

So kam es, daß vor allem Berufssoldaten auf Auslandseinsätze geschickt wurden. Man sagte ihnen zu, daß die Einsatzdauer begrenzt bleibt. Diese Zusage konnte angesichts der wachsenden Belastung der Bundeswehr durch Auslandseinsätze natürlich nicht eingehalten werden. Die Soldaten mußten häufig länger im Ausland bleiben, und einigen hat das mittlerweile schon Eheprobleme und teilweise sogar Scheidungen eingebracht. So wuchs die Unzufriedenheit in der Truppe, und da man sich noch nicht von der Wehrplicht trennen wollte, blieb nur noch eine Möglichkeit: Auch Wehrpflichtige zu Auslandseinsätzen zu verpflichten.

Das hat man mittlerweile getan, und so muß nun also jeder, der seinen Zwangsdienst bei der Bundeswehr ableistet, damit rechnen, ins Ausland zu kommen und da womöglich den "Heldentot" für Volk und Vaterland zu finden. Selbst wenn die Bundeswehr nicht direkt an Kampfhandlungen teilnimmt (was durchaus nicht sicher ist): Die aktuellen Ereignisse im Irak zeigen wieder einmal deutlich, daß ein Krieg mit der Besetzung eines Landes noch lange nicht vorbei sein muß (was übrigens keine neue Erkenntnis ist - nur für George W. Bush scheint sie neu gewesen zu sein).

Bisher haben viele Leute das wohl noch gar nicht so recht mitbekommen. Aber ich bin mal gespannt darauf, was passiert, wenn der erste Wehrpflichtige im Sarg zurück nach Deutschland reist.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht

Odin, Monday, 01.12.2003, 13:16 (vor 8102 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht von Garfield am 01. Dezember 2003 09:34:47:

Bisher haben viele Leute das wohl noch gar nicht so recht mitbekommen. Aber ich bin mal gespannt darauf, was passiert, wenn der erste Wehrpflichtige im Sarg zurück nach Deutschland reist.

Du siehst ne weinende Mutter vor der Kamera und die Reporterstimme, die betont, wie sehr die Frauen wieder unter den Kämpfen zu leiden haben :-)

Dazu gibt es dann natürlich eine Sammlung für die weiblichen Hinterbliebenen, besonders für die Witwe, die sich dann mit ner knappen Million zur Ruhe setzen kann (Beispiel die Irakopfer aus Italien)

Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht

Garfield, Monday, 01.12.2003, 13:48 (vor 8102 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht von Odin am 01. Dezember 2003 11:16:48:

Hallo Odin!

Ja, genauso stelle ich mir das auch vor... Aber zumindest ist dann dafür gesorgt, daß sich die Medien des Themas etwas intensiver annehmen.

In den USA hat das ja während des Vietnamkriegs auch ganz gut funktioniert. Die Bundeswehr wird natürlich glücklicherweise nicht so viele Opfer zu beklagen haben, aber es sollte doch einigen Menschen mehr zu denken geben, wieso eigentlich nur Männer dazu gezwungen werden können, irgendwo im Ausland sinnlos zu verrecken.

Früher konnte man ja immer noch so argumentieren, daß Wehrpflichtige ja nicht zu Auslandseinsätzen gezwungen werden können und somit kaum gefährdet sind. Das gehört nun der Vergangenheit an.

Jetzt kann man zwar immer noch sagen, daß junge Männer ja auch Zivildienst leisten könnten. Wenn man aber so argumentiert, spricht man sich praktisch auch gegen die Wehrpflicht aus. Denn wenn niemand mehr Wehrdienst leistet, wird das Ganze ja vollends zur Farce.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht

Ferdi, Monday, 01.12.2003, 14:01 (vor 8102 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht von Garfield am 01. Dezember 2003 11:48:23:

Hallo Garfield!

Früher konnte man ja immer noch so argumentieren, daß Wehrpflichtige ja nicht zu Auslandseinsätzen gezwungen werden können und somit kaum gefährdet sind. Das gehört nun der Vergangenheit an.

In der Tagespresse stand, dass zwar Wehrpflichtige zu Auslandseinsätzen eingesetzt werden können, aber sie können nach wie vor nicht dazu gezwungen werden. Sie müssen ihr Einverständnis dazu geben.

Gruss,
Ferdi

Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht

Garfield, Monday, 01.12.2003, 14:23 (vor 8102 Tagen) @ Ferdi

Als Antwort auf: Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht von Ferdi am 01. Dezember 2003 12:01:41:

Hallo Ferdi!

Das ist aber schon so, seit die Bundeswehr an Auslandseinsätzen teilnimmt! Vor allem bei der Marine werden schon lange Wehrpflichtige auf freiwilliger Basis auch im Ausland eingesetzt.

Im November 2003 hat Struck vorgeschlagen, künftig auch Wehrpflichtige zu Auslandseinsätzen zu verpflichten. Und vor einigen Tagen habe ich in irgendeiner Nachrichtensendung so am Rande gehört, daß das nun so beschlossen sein soll.

Ich habe gerade mal bei Google nachgesehen, ob ich im Internet was dazu finde, fand aber nur uralte Sachen. Mal sehen, vielleicht finde ich noch was dazu. Dann setz ich den Link hier rein.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht

Ferdi, Monday, 01.12.2003, 14:48 (vor 8102 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht von Garfield am 01. Dezember 2003 12:23:06:

Hallo Garfield!

Was Du schreibst stimmt zwar, aber da handelte es sich um Wehrpflichtige, die sich zu einem längeren Dienst freiwillig verpflichtet haben. "Normale" Wehrpflichtige durften nicht im Ausland eingesetzt werden. Das Neue daran, was Struck vorgeschlagen hat, das ist, dass nun auch "normale" Wehrpflichtige auf freiwilliger Basis im Ausland eingesetzt werden dürfen. So habe ich das in Erinnerung, es stand vor einigen Tagen im Bonner General-Anzeiger so. Ich schaue mal, ob ich die Ausgabe noch habe, wenn ich sie finde, scanne ich den entsprechenden Bericht ein.

Gruss,
Ferdi

Du hast recht.

Garfield, Monday, 01.12.2003, 14:51 (vor 8102 Tagen) @ Ferdi

Als Antwort auf: Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht von Ferdi am 01. Dezember 2003 12:01:41:

Hallo Ferdi!

Ich hab noch etwas gegraben und bin teilweise fündig geworden. Prinzipiell hast du recht - Auslandseinsätze bleiben für Wehrpflichtige (noch) freiwillig.

Struck wurde in vielen Artikeln allerdings nicht korrekt zitiert. Da war immer die Rede von Auslandseinsätzen für Wehrpflichtige. Das irritierte mich, weil es solche Einsätze schon lange gibt. Tatsächlich ging es Struck aber darum, daß er nun auch Wehrpflichtige, die nur 9 Monate Dienst leisten, freiwillig ins Ausland schicken möchte. Bisher dürfen die nämlich überhaupt nicht im Ausland eingesetzt werden, auch nicht freiwillig. Kritisiert wurde dies, weil 9 Monate wenig Zeit zur Ausbildung sind.

Alles, was ich dazu gefunden habe, wurde Mitte November veröffentlicht. Die Artikel waren überwiegend kritisch, aber vermutlich hat sich Struck letztendlich doch durchgesetzt, und in dieser Nachrichtensendung haben sie das dann auch wieder so mißverständlich formuliert.

Wie dem auch sei: Irgendwann wird man aufgrund des zunehmenden Geld- und Personalmangels nicht umhin kommen, entweder die Wehrpflicht endlich abzuschaffen oder aber auch Wehrpflichtige für Auslandseinsätze zu verpflichten.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht

Odin, Tuesday, 02.12.2003, 16:54 (vor 8101 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht von Garfield am 01. Dezember 2003 11:48:23:

Ja, genauso stelle ich mir das auch vor... Aber zumindest ist dann dafür gesorgt, daß sich die Medien des Themas etwas intensiver annehmen.
In den USA hat das ja während des Vietnamkriegs auch ganz gut funktioniert. Die Bundeswehr wird natürlich glücklicherweise nicht so viele Opfer zu beklagen haben, aber es sollte doch einigen Menschen mehr zu denken geben, wieso eigentlich nur Männer dazu gezwungen werden können, irgendwo im Ausland sinnlos zu verrecken.

Ja, es sollte ihnen zu denken geben, tut es aber leider nicht und wird es wohl auch in Zukunft nicht. Gelegenheit zum nachdenken gäbe es auch heute schon genug. Frag mal den Normalbürger, was er sich denkt, wenn auf Seite 3 der Zeitung berichtet wird, daß ein Müllfahrer vom rückwärts fahrenden Müllwagen überrollt und tödlich verletzt wurde und auf Seite 4 steht dann der Protest der Frauenbeauftragten, daß die alten Schreibtischstühle in den AOK-Büros endlich ersetzt werden müssen, weil schon so viele Frauen über Rückenbeschwerden klagen und wie frauenfeindlich das ist, wo doch der oberste Konzernchef einen besseren Sessel hat.

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