Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende
Frank, Thursday, 20.11.2003, 22:13 (vor 8113 Tagen)
CLOPPENBURG - Eltern müsse so viel Geld gegeben werden, dass sie die Wahl hätten, ob sie Kindererziehung eigenverantwortlich regeln oder arbeiten möchten und ihre Kinder von anderen erziehen lassen wollten. Bezahlen sollten das die Lebensgemeinschaften ohne Kinder. Das hat Theo Heeck, Diözesanvorsitzender des Familienbundes Deutscher Katholiken auf dem wirtschaftsethischen Forum Zukunftsperspektive Wirtschaft und Familie am Sonnabend in Stapelfeld gefordert.
Einig waren sich die Teilnehmer, dass die Familie finanziell stark unterstützt werden müsse. Mehr gesellschaftliche Anerkennung wurde für die Hausfrau, den wichtigsten Beruf der Welt, gefordert. Als erschreckendes Signal wurde gewertet, dass akademisch gebildete Frauen zu 40 Prozent kinderlos blieben, es drohe eine Verdummung des Volkes, hieß es. Wir sind in eine Sackgasse der Evolution geraten. In 50 Jahren ist Schluss mit lustig, diese Kultur mit der Gleichberechtigung der Frau ist am Ende. Künftig haben wir die Mehrheit im Altenheim, aber keine gestaltende Mehrheit mehr, betonte Professor Hermann von Laer aus Vechta. Frauen, die Karriere machen wollen, müssen dies auch mit Kindern tun können, so von Laer, der eine finanzielle Unterstützung der Mütter einforderte. Kritik übte er an einer Politik, die Ganztagsschulen bevorzuge und damit Druck auf Frauen ausübe mit dem Ziel, dass die berufstätig würden. Professorin Rosemarie Nave-Herz aus Oldenburg, sprach sich für eine stärkere staatlich organisierte Betreuung der Kinder aus. Beide Ehepartner sollten trotz Kinder Karriere machen können.
Personalleiterin Hannelore Rudloff (Firma Pöppelmann aus Lohne) meinte dagegen, dass Mann oder Frau sich entscheiden müssten, wer Karriere mache. Ein Partner müsse sich um die Kinder kümmern, damit keine sozialmoralischen Fehlentwicklungen drohten, die die Wirtschaft später teuer reparieren müsse. In Absprache mit Familie, Nachbarn und Freunden sei durchaus möglich, dass Frauen Teilzeit arbeiteten, aber die Familie müsse im Mittelpunkt stehen. Michael Abeln, Geschäftsführer der C&A Filiale Oldenburg, betonte die große Bedeutung der Familie für die Wirtschaft. Im Unternehmen bestehe Interesse, dass den im Betrieb tätigen Frauen neben ihrer Arbeit auch Familienleben und Kindererziehung möglich sei.
(entnommen der Nordwest-Zeitung vom 17.11.)
http://www.nwz-online.de/2_449.php?showid=235151&navpoint=3.5
Re: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende
Maesi, Friday, 21.11.2003, 21:21 (vor 8112 Tagen) @ Frank
Als Antwort auf: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende von Frank am 20. November 2003 20:13:45:
Hallo Frank
CLOPPENBURG - Eltern müsse so viel Geld gegeben werden, dass sie die Wahl hätten, ob sie Kindererziehung eigenverantwortlich regeln oder arbeiten möchten und ihre Kinder von anderen erziehen lassen wollten. Bezahlen sollten das die Lebensgemeinschaften ohne Kinder. Das hat Theo Heeck, Diözesanvorsitzender des Familienbundes Deutscher Katholiken auf dem wirtschaftsethischen Forum Zukunftsperspektive Wirtschaft und Familie am Sonnabend in Stapelfeld gefordert.
Tja, wieder mal besteht die Absicht die Kinderlosen zur Kasse zu bitten. Ich bin selbst kinderlos und sehr wohl bereit, fuer Familien meinen Obolus zu entrichten. Aber das ganze hat einen Haken: Wenn ich fuer etwas bezahle, will ich auch die Gewissheit, dass das Geld sinnvoll eingesetzt wird. Bei jeder Subvention muss beachtet werden, dass auch Missbrauch damit betrieben wird; und je hoeher die ausgeschuetteten Subventionsbetraege, desto mehr wird beschissen. Das Geld darf deshalb nur fuer familienerhaltende Massnahmen eingesetzt werden - niemals aber fuer familienzerstoerende Massnahmen.
[...] Als erschreckendes Signal wurde gewertet, dass akademisch gebildete Frauen zu 40 Prozent kinderlos blieben, es drohe eine Verdummung des Volkes, hieß es.
Was soll dieser Bloedsinn? Glauben die allen Ernstes nur akademisch gebildete Frauen braechten intelligenten Nachwuchs hervor? *kopfschuettel*
Wir sind in eine Sackgasse der Evolution geraten.
Welche Evolution meint das wirtschaftsethische Forum? Die biologische? Unsinn! der Mensch hat sich seit mehreren zehntausend Jahren genetisch kaum veraendert, insofern wuerden wir ebenso lang schon in der Sackgasse stecken. Wenn dieses Forum eine gesellschaftliche 'Evolution' meint, sollte es eher den Begriff 'Entwicklung' benutzen, um jegliche Missverstaendnisse zu vermeiden.
In 50 Jahren ist Schluss mit lustig, diese Kultur mit der Gleichberechtigung der Frau ist am Ende.
Wahrscheinlich schon frueher. Diktierte (Un-)Gleichstellung kann nicht lange gutgehen. Insofern Zustimmung.
Künftig haben wir die Mehrheit im Altenheim, aber keine gestaltende Mehrheit mehr, betonte Professor Hermann von Laer aus Vechta.
Das ist korrekt. Die Frage stellt sich jedoch, ob in der Geschichte der Menschheit jemals die Mehrheit der Menschen tatsaechlich so gestaltend am Werk war, wie Professor von Laer zu vermuten scheint...
Frauen, die Karriere machen wollen, müssen dies auch mit Kindern tun können, so von Laer, der eine finanzielle Unterstützung der Mütter einforderte.
Koennen sie auch, wenn sie einen Mann finden, der die Kinderbetreuung/-erziehung hauptamtlich uebernimmt. Dann brauchen sie auch keine staatliche Unterstuetzung.
Kritik übte er an einer Politik, die Ganztagsschulen bevorzuge und damit Druck auf Frauen ausübe mit dem Ziel, dass die berufstätig würden.
Halt, sichern! Jetzt widerspricht sich der Professor gleich selber. Weiter oben faselt er etwas davon, dass Frauen, die Karriere machen wollten, dies auch mit Kindern tun koennen muessten. Jetzt uebt er Kritik daran, dass auf Frauen mittels Ganztagsschulen Druck ausgeuebt wuerde, berufstaetig zu werden. Wie soll eine Frau Karriere machen, ohne berufstaetig zu sein? Diese Frage sollte Herr Prof. von Laer dem staunenden Leser mal beantworten.
Im uebrigen muss die Mutter keineswegs gleich voll berufstaetig sein, nur weil die Kinderchen ganztags in der Schule weilen; sie kann sich glaenzend auch mit anderen Taetigkeiten die Zeit vertreiben (z.B. mit Hausarbeit, fernsehen, shoppen etc.). Und ich kann mir vorstellen, dass so manche ueberarbeitete Vollzeitmutti mit nur einem Kind auch genau das tut. Als Alternative bietet sich natuerlich auch ein Teilzeitjob an.
Professorin Rosemarie Nave-Herz aus Oldenburg, sprach sich für eine stärkere staatlich organisierte Betreuung der Kinder aus. Beide Ehepartner sollten trotz Kinder Karriere machen können.
Klingt gut; aber die Kosten, Frau Professorin, die Kosten. Ausserdem muesste es sich dann um Betreuungsmoeglichkeiten rund um die Uhr, sieben Tage die Woche handeln. Gerade Karrieristen haben naemlich haeufig sehr flexible Arbeitszeiten, muessen schon mal an einem Wochenende nach Uebersee, am Abend bis Mitternacht einen wichtigen Bericht schreiben und via Mail verschicken, damit er am naechsten Morgen am Meeting diskutiert werden kann, an unvorhergesehenen Krisensitzungen teilnehmen etc. Als Professorin (oder als Chefin in einer staatlichen Verwaltung) kann sie es sich moeglicherweise leisten, jeden Morgen um 08.00 Uhr zu kommen und abends puenktlich um 16.00 Uhr wieder heimzugehen; in der Privatwirtschaft koennen sich das selbst untere Kader aber nicht leisten. Kinderkrippen und Tagesschulen, bei denen die Kinder spaetestens um 17.00 Uhr raus muessen, sind hoechstens etwas fuer Nicht-Karrieristen.
Personalleiterin Hannelore Rudloff (Firma Pöppelmann aus Lohne) meinte dagegen, dass Mann oder Frau sich entscheiden müssten, wer Karriere mache.
Es ist wohltuend, dass sich endlich mal jemand realistisch zu den Voraussetzungen fuer eine Karriere aeussert. Karrieristen neigen zur Selbstausbeutung. Nicht, weil sie daran besondere Freude haetten sondern weil der Druck dazu sehr gross ist; denn fuer jeden erfolgreichen Karrieristen stehen zehn andere parat, die seinen Job uebernehmen wollen, und bereit sind, hart dafuer zu arbeiten. Mit anderen Worten: fuer eine erfolgreiche Karriere muss man sehr viel Engagement und Zeit einsetzen - Zeit, die dann halt bei der Familie abgeht.
Ein Partner müsse sich um die Kinder kümmern, damit keine sozialmoralischen Fehlentwicklungen drohten, die die Wirtschaft später teuer reparieren müsse.
Die traditionelle Rollenteilung also; allerdings in einer geschlechtlich neutralen Variante. Fuer Leute, die Karriere machen wollen, wahrscheinlich auch heute noch die einzige realistische Moeglichkeit Kinder zu haben. Wie wertvoll Karrieristen fuer einen Betrieb sind, wenn sie sich dauernd auch noch um Familienbelange kuemmern muessen, kann sich wohl jeder selbst beantworten. Da nuetzen dann auch die vielgeruehmten Softskills nichts.
In Absprache mit Familie, Nachbarn und Freunden sei durchaus möglich, dass Frauen Teilzeit arbeiteten, aber die Familie müsse im Mittelpunkt stehen.
Die Praxis zeigt, dass mehr als eine Teilzeitstelle fuer denjenigen, der den Hauptteil der Familienarbeit uebernimmt, meist nicht drinliegt.
Michael Abeln, Geschäftsführer der C&A Filiale Oldenburg, betonte die große Bedeutung der Familie für die Wirtschaft. Im Unternehmen bestehe Interesse, dass den im Betrieb tätigen Frauen neben ihrer Arbeit auch Familienleben und Kindererziehung möglich sei.
Die Bedeutung der Familie wird von jedem Unternehmen, das ernstgenommen werden will, betont. Leider sind es oftmals nur Lippenbekenntnisse. Allerdings muss man wohl davon ausgehen, dass ein Unternehmen hoechstens einen bestimmten Prozentsatz von Mitarbeitern beschaeftigen kann, die zu einem wesentlichen Teil noch mit Familienarbeit belastet sind. Familienarbeit erfordert ein hohes Mass an Flexibilitaet, berufliche Arbeit ebenfalls (heute mehr denn je). Hier haben wir eine klassische Konkurrenzsituation, die nur teilweise mit flankierenden Massnahmen abgemildert werden kann.
Aus diesem Grund waere das traditionelle Rollenmodell eigentlich auch heute noch sehr effizient, da eine maximale berufliche Flexibilitaet des einen Elternteils und eine gleichzeitige maximale Flexibilitaet in der Familienarbeit des anderen Elternteils miteinander verbunden werden. Dem stehen aber zwei gewichtige Fakten entgegen:
1. Meist wollen beide Partner im Berufsleben verbleiben; es bleibt ihnen dann nichts anderes uebrig, als die Familienarbeit ausgewogen untereinander zu verteilen bei gleichzeitiger Einbusse an Effizienz (sowohl im beruflichen wie auch familialen Bereich).
2. Die haeufig anzutreffende Scheidung vernichtet die elterliche Kooperation nahezu immer. Dadurch sind beide wieder auf sich allein gestellt.
Die traditionelle Rollenteilung ist heute offensichtlich nicht mehr gefragt. Sie bindet naemlich die Ehepartner aneinander und schraenkt deren individuelle Freiheit empfindlich ein; die individuelle Freiheit jedoch ist heute ein hohes Gut, das kaum mehr jemand missen moechte. Selbst wenn es sich nur um die Freiheit handelt, den Lebensabschnittspartner in die Wueste zu schicken.
Gruss
Maesi
Re: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende
Nick, Friday, 21.11.2003, 21:50 (vor 8112 Tagen) @ Maesi
Als Antwort auf: Re: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende von Maesi am 21. November 2003 19:21:19:
Die traditionelle Rollenteilung ist heute offensichtlich nicht mehr gefragt. Sie bindet naemlich die Ehepartner aneinander und schraenkt deren individuelle Freiheit empfindlich ein; die individuelle Freiheit jedoch ist heute ein hohes Gut, das kaum mehr jemand missen moechte. Selbst wenn es sich nur um die Freiheit handelt, den Lebensabschnittspartner in die Wueste zu schicken.
Und auf diese Weise wird individuelle Freiheit, die ihre naturgegebenen Grenzen negiert, zu einem Gut, das sich selbst zerstört, nicht wahr?
Re: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende
Andreas, Friday, 21.11.2003, 22:13 (vor 8112 Tagen) @ Maesi
Als Antwort auf: Re: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende von Maesi am 21. November 2003 19:21:19:
Hallo Maesi!
Was mich an dieser ganzen Geschichte so stört, ist der Umstand, daß in Deutschland wohl scheinbar jeglicher sozialer Zusammenhalt innerhalb der Familie zerbrochen ist. Als ich aufgewachsen bin, waren beide Elternteile berufstätig. Waren meine Eltern arbeiten, habe ich bei meinen Großeltern den Tag verbracht. Wenn ich hier in unserer Stadt mitansehe, wie die Kinder großgezogen werden, kommt mir das kalte Grausen. Da stehen schon die kleinen 7-jährigen morgens um kurz nach 6 Uhr an der Bushaltestelle, um zur Ganztagsschule zu fahren. Die kommen dann wie die Fabrikarbeiter erst abends um 19 Uhr wieder zurück. Wenn dann noch gefordert wird, der Staat soll sich mehr an der Kindererziehung beteiligen, dann erinnert mich das an Huxleys "Brave New World". Wo soll das denn enden? Sollen die Kinder bereits nach der Geburt den Behörden übergeben und in staatliche Kindererziehungsanstalten gesteckt werden? Wo bleiben dann eigentlich noch die Bezugspersonen, die ein Kind braucht, um gesund aufwachsen zu können? Wo sind denn die Großeltern? Viele von denen sind in Rente und haben keine Aufgabe mehr. Viele von denen würden sich doch sicherlich freuen, wenn sie sich um einen kleinen Wichtel kümmern können und die Kinder hätten so einen Ruhepol. Also echt, diese Gesellschaft ist dermaßen kaputt, das gibts gar nicht!
viele Grüße
Andreas
Re: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende
Nick, Friday, 21.11.2003, 22:38 (vor 8112 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Re: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende von Andreas am 21. November 2003 20:13:16:
Hallo Andreas,
vor unser aller Augen vollzieht sich in rasender Geschwindigkeit das Drama der Selbstzerstörung, des schier physischen Untergangs einer ganzen Kultur, hervorgerufen durch eine hemmungs- und geistlose Vergötzung des Ego. "Geistlos" ist allerdings eigentlich noch ein Euphemismus, eine Beschönigung...
Offensichtlich sind die Akteure nicht mehr erreichbar, nicht zur Umkehr zu bewegen.
Dabei ist das alles so unnötig wie nur was. Es wäre so leicht zu vermeiden.
Vergeblich! Die Irren werden wohl sich selbst besiegen.
Lange kann's ja nicht mehr dauern...
Es ist zum Verzweifeln!
Nick
Re: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende
Manfred, Sunday, 23.11.2003, 00:09 (vor 8111 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende von Nick am 21. November 2003 20:38:20:
Da muß ich Euch leider zustimmen. Mich beschleicht dieser Fatalismus auch immer öfter. Allerdings habe ich damit kein allzugroßes Problem mehr - was nicht heilbar ist, stirbt!
Eine harte aber uralte und effektive Methode der Natur, sich von den schlimmsten Missbildungen zu befreien. Dass auch der Zeitgeist im weiteren Sinne eine solche Mißbildung sein kann, ist nicht neu. Der Natur dürfte es egal sein 
Schöne Grüße,
Manfred
Re: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende
AJM, Saturday, 22.11.2003, 17:33 (vor 8111 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Re: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende von Andreas am 21. November 2003 20:13:16:
Hallo Andreas
Sollen die Kinder bereits nach der Geburt den Behörden übergeben und in staatliche Kindererziehungsanstalten gesteckt werden? Wo bleiben dann eigentlich noch die Bezugspersonen, die ein Kind braucht, um gesund aufwachsen zu können?<
Die eigentlich Frage, die ich mir stelle, wenn ich Diskussionen über kinderbetreuung, Krippen, KiTa's, etc. höre, ist: Warum haben diese menschen (Mann wie Frau) überhaupt Kinder bekommen? Ich glaube kaum, daß das Erlebnis im Kreißsaal das alles Glücklichmachende ist. Wer, wenn nicht die Eltern selbst, sollen dem Nachwuchs Werte aufzeigen, soziale Geborgenheit bieten und auf ein eigenständiges Leben vorbereiten?
Natürlich gibt es Fälle, in denen das Einkommen EINES Partners nicht ausreicht, um den Lebenstandard zu halten UND ein Kind aufzuziehen. Aber dann muß die Frage erlaubt sein, warum solche Menschen Kinder bekommen, und sie bei erstbester Gelegenheit zu Fremden abschieben. Du hast sehr richtig geschrieben, daß es früher Großeltern gab, Onkels und Tanten und trotzdem haben letztendlich die Eltern die Erziehung in der Hand gehabt. Erziehung oder auch nur Aufbewahrung von staatlichen und/oder konfessionellen Stellen ist mir dabei äußerst suspekt, ebenso die sogenannten Selbsthilfegruppen, die (meiner Erfahung nach) doch sehr feministisch orientert sind, zumundest bei mir in der Gegend.
Gruß
Andreas
Re: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende
Maesi, Monday, 08.12.2003, 21:05 (vor 8095 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Re: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende von Andreas am 21. November 2003 20:13:16:
Hallo Andreas
Was mich an dieser ganzen Geschichte so stört, ist der Umstand, daß in Deutschland wohl scheinbar jeglicher sozialer Zusammenhalt innerhalb der Familie zerbrochen ist. Als ich aufgewachsen bin, waren beide Elternteile berufstätig. Waren meine Eltern arbeiten, habe ich bei meinen Großeltern den Tag verbracht. Wenn ich hier in unserer Stadt mitansehe, wie die Kinder großgezogen werden, kommt mir das kalte Grausen. Da stehen schon die kleinen 7-jährigen morgens um kurz nach 6 Uhr an der Bushaltestelle, um zur Ganztagsschule zu fahren. Die kommen dann wie die Fabrikarbeiter erst abends um 19 Uhr wieder zurück. Wenn dann noch gefordert wird, der Staat soll sich mehr an der Kindererziehung beteiligen, dann erinnert mich das an Huxleys "Brave New World".
Die menschliche Solidaritaet war nie selbstlos sondern erfuellte immer einen Zweck. Wenn Menschen frueher Kinder hatten, diente das der Vorsorge fuer das eigene Alter; der Vorsorge fuer den Fall, dass man selber nicht mehr arbeitsfaehig war infolge Krankheit oder Invaliditaet. Allerdings hatte diese direkte Solidaritaet auch ihre Grenzen: so manch einer, der kraenkelte und schlecht versorgt wurde, bekam bald Besuch vom gnaedigen Gevatter Tod beispielsweise in Form einer Lunkenentzuendung.
In unserem Sozialstaat haben wir die Solidaritaet an Institutionen delegiert (Altersvorsorge, Arbeitslosenunterstuetzung, Krankenkassen etc.). Der Vorteil der institutionalisierten Unterstuetzung ist, dass jeder in den Genuss dieser Solidaritaet kommt; auch jene, die keine Angehoerigen/Nachkommen haben, die sich um sie kuemmern koennten. Der Versorgungsstandard ist zudem recht hoch und auf jeden Fall besser als in frueheren Zeiten der direkten Solidaritaet. Der Nachteil ist, dass die direkte Solidaritaet zwischen Menschen dadurch verkuemmert. Immer weniger Leute fuehlen sich zustaendig fuer ihre Mitmenschen; schliesslich haben wir ja Sozialwerke, die sich um sie kuemmern sollen.
Dieses Delegieren von Pflichten ist auch im Bereich Kinderbetreuung/-erziehung zu beobachten. Immer mehr Betreuungs- und Erziehungsarbeit wird an professionelle Betreuer bzw. die Schule delegiert.
Wo soll das denn enden? Sollen die Kinder bereits nach der Geburt den Behörden übergeben und in staatliche Kindererziehungsanstalten gesteckt werden?
Viele halten das jedoch offensichtlich fuer wuenschbar. Natuerlich will man die Kinder nicht voellig abschieben; sie bescheren einem ja ein gewisses Mass an emotionalem Glueck und dies kann nur im gegenseitigen persoenlichen Begegnen erfolgen. Aber die unangenehmen Pflichten scheinen immer weniger Leute uebernehmen zu wollen. Ob das fuer die Kinder und die Eltern aber auch fuer die Gesellschaft insgesamt gesund ist, bezweifle ich.
Wo bleiben dann eigentlich noch die Bezugspersonen, die ein Kind braucht, um gesund aufwachsen zu können? Wo sind denn die Großeltern? Viele von denen sind in Rente und haben keine Aufgabe mehr. Viele von denen würden sich doch sicherlich freuen, wenn sie sich um einen kleinen Wichtel kümmern können und die Kinder hätten so einen Ruhepol.
In der Tat haetten aeltere Menschen hier eine Moeglichkeit, ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben. Es ist ja so, dass Menschen das Gefuehl haben muessen, gebraucht zu werden; nicht wenige Rentner haben nach der Pensionierung diesbezueglich Probleme. Ich bin ueberzeugt, viele wuerden sehr gern solche Aufgaben uebernehmen. Allerdings hat das einige Pferdefuesse: die Kindseltern muessen sich mit ihren Eltern/Schwiegereltern absprechen; ev. leben sie weit voneinander entfernt, dann wird das sehr schwierig. Eine Kindertagesstaette oder Ganztagsschule im Wohnort ist halt schon sehr bequem. Desweiteren kann eine taegliche Betreuung der Kleinen auch fuer die Grosseltern irgendwann zur Belastung werden.
In dieser Beziehung waere es eigentlich wichtig, dass familienerhaltende Massnahmen beschlossen und durchgesetzt wuerden. Gerade das Gegenteil wird heute jedoch gemacht: jeglicher Zwang zur Kooperation zwischen den Menschen wird beseitigt, und dann wundert man sich, dass die Menschen nicht mehr kooperieren.
Nick hat durchaus Recht, wenn er die 'Geistlosigkeit' nahezu grenzenlos erscheinender Freiheit anprangert; auch wenn ich seine Fixierung auf das (christlich) Religioese nicht so recht nachvollziehen kann. Freiheit im liberalen Sinne ist immer untrennbar verknuepft mit Verantwortung; den grossen Geistern der Aufklaerung war das eigentlich voellig selbstverstaendlich. So gesehen, ist jene Freiheit, alles zu tun, wozu man Lust hat und was nicht verboten ist, ohne aber die Verantwortung dafuer zu uebernehmen, eine Pervertierung des liberalen Gedankens.
Die entscheidende Frage ist, ob die grosse Masse der Menschen mit der liberalen Auffassung von der verantwortungsvollen Freiheit ueberhaupt umgehen kann; ich weiss nicht, ob sie das kann. Sollte das nicht der Fall sein, werden wir uns frueher oder spaeter wieder in einem autoritaeren System wiederfinden.
Also echt, diese Gesellschaft ist dermaßen kaputt, das gibts gar nicht!
viele Grüße
Zukuenftige Generationen werden moeglicherweise den Kopf schuetteln ueber die Auswuechse unserer Gesellschaft in Form der Scheidungswaisen, so wie wir aus heutiger Sicht den Kopf schuetteln ueber die Scheiterhaufen des 16. - 18. Jhds., auf denen Ketzer und Hexen verbrannt wurden. Die heutige Massenproduktion von Halbwaisen (= Scheidungskinder mit nur einem Elternteil) ist jedenfalls eine gesellschaftliche Katastrophe.
Gruss
Maesi
Neue Geschichten von "Waldi"
Nick, Monday, 15.12.2003, 15:26 (vor 8088 Tagen) @ Maesi
Als Antwort auf: Re: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende von Maesi am 08. Dezember 2003 19:05:28:
Hallo Maesi,
du schreibst: "Nick hat durchaus Recht, wenn er die 'Geistlosigkeit' nahezu grenzenlos erscheinender Freiheit anprangert; auch wenn ich seine Fixierung auf das (christlich) Religioese nicht so recht nachvollziehen kann. Freiheit im liberalen Sinne ist immer untrennbar verknuepft mit Verantwortung; den grossen Geistern der Aufklaerung war das eigentlich voellig selbstverstaendlich. So gesehen, ist jene Freiheit, alles zu tun, wozu man Lust hat und was nicht verboten ist, ohne aber die Verantwortung dafuer zu uebernehmen, eine Pervertierung des liberalen Gedankens.
Der "liberale Gedanke" als solcher hat eben keine immanente Möglichkeit, sich vor seiner eigenen Pervertierung zu schützen, denn er findet seine Rechtfertigung und seine Legitimität nicht in sich selbst. Ich will zeigen, daß er letztlich transzendent begründet ist - und sich ohne diese Wurzel selbst zerstören muß. Als "Fixierung auf das Religiöse" mag ich das nicht bezeichnen wollen, da ich es begründe. Meine zentrale Prämisse ist natürlich schon, daß der Mensch Geschöpf ist, mithin sein Maß nicht selbst "erfinden" kann, sondern es vorfindet. Mein Freiheitsbegriff ergibt sich dann daraus mit Notwendigkeit: das dem Menschen gegebene Maß ist für ihn der einzig mögliche Raum seiner Freiheit, den er also mit eigenem Sinn und Inhalt füllen soll; er kann es aber nur innerhalb dieser Grenzen tun. Wenn er sie zu überschreiten sucht, wird er sofort "geistlos" (und zwar im Wortsinne) und scheitert deshalb notwendig an seiner bodenlosen Beschränktheit. In meiner Sicht ist diese Aussage nichts weiter, als die Konstatierung eines schlichten, hochevidenten, empirischen Tatbestandes. Ich verweise u.a. auf die in diesem Forum in Rede stehenden Probleme, als triviale Anschauungsbelege. Unten komme ich wieder darauf zurück.
Ich sehe im Grunde nicht, daß wir sehr weit auseinander lägen, Mäsi. Auch mein Freiheitsbegriff ist nämlich zutiefst liberal - allerdings eben innerhalb dieser beschriebenen menschlichen Proportionen. Es ist für mich schlichte Empirie, daß der Mensch ohne "Religio" (= "Rückbindung" an höhere, außer seiner selbst zu findende Vor- und Maßgabe) völlig degeneriert. Warum sollte er z.B. Verantwortung für andere übernehmen, wenn sein durchschnittlicher Ego-Verstand erwiesenermaßen gerade mal (wenn überhaupt) zum Verfolgen seines Eigenvorteils ausreicht? Also zu genau dem, wozu auch ein Regenwurmverstand genügt? Und warum sollte er dann nicht ernten, was er sät: eine Existenzform als Wurm in irgend einem autoritären Schindersystem. Der Mensch trägt nämlich durchaus und immer die Verantwortung für sein Tun, ob er das nun will, oder nicht. Ersichtlich geschehen dauernd Dinge, die er nicht will, die er aber dennoch verursacht hat und verantwortet. Warum macht die Conclusio dann eigentlich solche Schwierigkeiten? Das ist für mich ein echtes Rätsel.
Wären alle Menschen "große Geister der Aufklärung", nun, dann läge das Problem vielleicht etwas anders. Aber erstens ist dies, wie wir wissen, überhaupt nicht der Fall, und zweitens würde das Problem dadurch nur quantitativ verschoben, qualitativ aber weiter bestehen, denn elementare Einsicht jeder wahren Vernunft ist, daß sie selbst prinzipiell begrenzt ist. Den großen Geistern der Aufklärung war eine höhere Vernunft deshalb eben auch eine völlige Selbstverständlichkeit. Wir wissen es heute mit letzter Sicherheit - und dennoch haben es alle "vergessen". Warum? Ist das nicht v.a. ein schlagender Beweis für ganz ausgemachte menschliche Beschränktheit?
Der tiefere Zusammenhang ergibt sich für mich jedoch aus der Möglichkeit der menschlichen Würde, die Folge seiner Freiheit ist, soweit (und nur(!) soweit) letztere in seinem Gewissen gründet. Der Mensch weiß, was recht und unrecht ist. Er erwartet ja z.B. auch durchaus, daß recht an ihm geschehen möge. Er begreift, daß er also auch recht an anderen handeln soll. Aber er tut es nicht, wo er "seinen Vorteil" sucht. Diese Paradoxie z.B. löst sich nur transzendent auf. Sie "handelt" nämlich von "Dingen", die man nicht kaufen und nicht eintauschen kann: Liebe, Treue, Zuverlässigkeit, Freundschaft, absichtslose Zuneigung... sind keine Waren! All das kann man nirgendwo kaufen, gegen nichts eintauschen, das gibt es nur als freiwilliges Geschenk. Der Mensch hat Würde, weil er fähig ist, solches zu schenken. Er erhält es ausschließlich dann, wenn es ihm einer schenkt. Und jeder weiß, daß es Betrug ist, wenn ein solches Geschenk "berechnend" ist. Weißt du, von was ich hier rede?
Diese Würde ist zum Beispiel nicht von der individuellen Intelligenz abhängig: mithin nicht vom persönlichen Grad der Vernunftbegabung, soweit die Ausbildung des Verstandes damit gemeint ist. Gewissen ist unlösbar gebunden an Wahrheit. Wahrheit kann der Mensch nicht "schaffen" (das nennt man dann ganz zutreffend "Lüge"), sondern nur vorfinden, erkennen, erforschen etc. Kurz: seine Würde kann der Mensch sich definitiv nicht selbst geben, sondern sie ergibt sich aus seiner Stellung zur Wahrheit - aus seiner Übereinstimmung mit seinem "Maß" eben - und ist, wo sie erscheint, unmittelbar evident. Ebenso wie ihr Fehlen.
Die ganze wunderbare, große Natur hat ihre Würde - die sie sich eben auch nicht selbst gegeben hat. Der Mensch schon garnicht! Freilebende Wildtiere zum Beispiel haben alle eine für jeden unmittelbar erkannbare, große Würde. Wer sich mal längere Zeit in der Wildnis aufhält, der weiß das.
Menschliche Würde ist somit Wurzel und rechter Gebrauch der menschlichen Freiheit. Nichts sonst! Und da der Mensch sich selbst wunderbarerweise als Person, als "Ich", erkennen kann, kann er (prinzipiell) auch den transzendenten Ursprung erfahren, der Quelle dieser Würde ist. Das ist das außerordentlich Spezifische am Menschen, dieses implizit über ihn hinausweisende Ich-Bewußtsein - das Wunderbarste am Leben überhaupt. Der "liberale Gedanke" in der Politik ergibt sich nun zwingend aus der Anerkennung dieser menschlichen Personalität: letztere hat sie nämlich vor allem anderen zu respektieren und zu schützen. Der "libertinäre Gedanke" hingegen negiert die Verantwortung, die für die personale Würde konstitutiv ist. Weil Libertinage also die Würde (die eigene und die des Anderen) zerstört, ist sie letztlich die glatte Negation der Liberalität, ihre Pervertierung eben, und hat in der Politik als "Feind der menschlichen Freiheit" zu gelten! Niemand kann sich auf seine "Freiheit" berufen, wenn er dadurch die Grundlagen der Freiheit zerstört. Gewissenlosigkeit und Egokult besitzen weder Würde, noch ein "Recht auf Freiheit"!
Gegen diesen Gedanken kann man nur polemisieren (und tut es vielfach) - aber nicht argumentieren. Menschliche Anmaßung, selber quasi "Gott zu sein", ist der unmittelbare Eintritt ins Reich der Unfreiheit. Ich nenne das "Waldi-Freiheit". Sie endet immer am Ende der jeweiligen Hundeleine und kennzeichnet die würdeloseste aller menschlichen Seinsformen. Sie wird gleichwohl von den meisten Zeitgenossen willig gewählt. Sie ist nachgerade großmäuliger Jedermann-Standard geworden. Würde verleihen kann sich der Mensch nicht - aber nehmen kann er sie sich. Wegwerfen kann er sie. Dem Wesen nach ist das die Arroganz des Sklaven. Nötig wäre das aber nicht.
Diese Art der "Freiheit", die man sich heute so "nimmt", ist von Anfang an eine komplette Illusion. Sie zerstört sich schon im Ansatz zwingend selbst und endet notwendig im Terror und im Wahnsinn. Ich denke nicht, daß Faschismus und Kommunismus schon das letzte Wort darüber waren, was dem Menschen als "Schöpfer seiner selbst" so alles möglich ist. Ich denke eher, das waren Fingerübungen zum Warmwerden.
Bei allen (von mir voll anerkannten) historischen Verdiensten der Aufklärung - ihr totales Scheitern als politische Utopie ist längst erwiesene Tatsache. "Die entscheidende Frage ist (nämlich), ob die grosse Masse der Menschen mit der liberalen Auffassung von der verantwortungsvollen Freiheit ueberhaupt umgehen kann", sagst du. Entscheidend[/u] - in der Tat! Dann entscheidet es also über die Antwort auf die Grundfrage. Auschwitz hätte zum Beispiel nie sein dürfen! Es war aber, und zwar in einem der vorzüglichsten Kulturvölker. Und es ist klar absehbar, daß weit Schlimmeres jeden Moment möglich ist, sobald nur die Schappizufuhr einmal stockt. Oder sei es nur, meinetwegen, daß wir keine geistige Widerstandskraft mehr gegen irgendwelche suizidalen Gotteskrieger aus der Wüste aufbringen können... was auch immer.
Ein (inzwischen endlich auch medial) aktuell gewordenes Beispiel für hilfloseste Unvernunft "im Namen der Freiheit" und der "Autonomie des Individums": der narzißtische Pöbel hierzulande bekommt nicht mal mehr das Allereinfachste, nämlich seine simple biologische Reproduktion, "vernünftig" auf die Reihe. Die Katastrophe ist schon seit gut 20 Jahren klar absehbar. Irgendwelche Konsequenzen hat gleichwohl kein Verantwortlicher daraus gezogen. Lieschen Müller und Fridolin Schulze sowieso nicht. Selbst jetzt noch will sich niemand die unabweisbaren Szenarien wirklich klarmachen, die unerbittlich eintreten werden. Für mich ist's ein weiteres Anschauungsstück in menschlicher "Begabung zur Vernunft", wie stupende nun allseits die Beruhigungspillen rumgereicht werden: "Wird schon nicht so schlimm werden"... "wir kriegen das in den Griff"...
Kriegen wir nicht! Es wird viel, viel schlimmer werden, als es sich die schwärzeste Phantasie auszumalen vermag! Die Kinder, die in den letzten gut 30 Jahren nicht geboren wurden, existieren nicht! Gegenwärtige Debatten über krisenhaft werdende Sozialsysteme sind belangloses Vorgeplänkel, das am Kern des Dramas vorbeigeht und im Grunde dramatische Ahnungslosigkeit über die Schrecken offenbart, die da in Wahrheit anrollen. Was soll ich viel dazu sagen? Dauert ja nicht mehr so lange... wartet eben ab, bis ihr älter werdet, dann seht ihr es schon selber: mit uns altert nämlich unsere gesamte Welt, historisch einmalig, "als Block" gewissermaßen, ohne die geringste Möglichkeit gegenzusteuern, und zwar in genau der Geschwindigkeit, in der wir alle selber altern: das heißt, man kann in Echtzeit dabei zugucken, wie eine Kultur des Hochmuts untergeht. Das gab es so noch nie - und man kann definitiv nichts mehr daran ändern. Die wenigen Jungen indes, die dann dieses transkontinentale Siechenheim des ultimativen Trübsinns finanziell und ideell tragen müßten, die sind vielfach psychisch total zerrüttete Krüppel aus zerstörten "Teilfamilien", schlimmere Hedonisten und Egomanen ohnehin, als es ihre gierigen Altvorderen schon gewesen sind, die sie dazu ja "erzogen" haben - und die ihnen außer Trillionen Euro-Schulden vor allem ihre Gewissenlosigkeit "vermacht" haben: was wird die einmal davon abhalten, das "vergehende" Leben genauso "abzutreiben", wie heutzutage das "werdende" entsorgt wird? Die Euthanasie-Gesetze in einigen europäischen Ländern sind erste Bewegungen hin auf diese "brave new world". Und so weiter... und so fort...
Was ist geschehen? Man hatte 1968 "die Liebe befreit", vor allem von ihrer tiefen, seelischen Bedeutung für Kindererziehung, Partnerschaft, Ehe, Treue, Verläßlichkeit etc. - all die altmodischen "lästigen Dinge", die die Freiheit unnötig einschränken - und den ultimativen Primat des "Ich" postuliert. Im selben Jahr hatte übrigens Papst Paul VI., den viele wohl heute noch unbesehen als "einen der größten Deppen des 20. Jahrhunderts" bezeichnen werden, seine Enzyklika "Humanae Vitae" veröffentlicht. Da steht u.a. drin, daß die Zeugung menschlichen Lebens auch göttliche Dimensionen enthält, in die der Mensch deshalb nicht folgenlos eingreifen darf. Es gibt nach wie vor genug Leute, für die der "Kampf" (ausgerechnet!) gegen "Pille-Paule" Hauptinhalt ihrer öffentlichen Existenz zu sein scheint. Faszinierend! Es muß halt jeder selber zusehen, wie er sich auf der Höhe der Zeit hält...
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Nun endet also die Neuerfindung dessen, was mal Liebe hieß, im definitiven Fiasko - diese Gender-Debatten hier sind für mich nur ein kleiner Teilaspekt und Ausdruck dieser Grundproblematik - und "die Sache" hat folgerichtig längst einen schönen, neuen, technizistischen Namen bekommen: Beziehung! Warum erstarrt eigentlich nicht schlagartig zum Eisblock, wer dieses Wort nur liest? Aber es ist ja längst in aller Munde - und stört offenbar keinen mehr, da es die "Sache" wohl ganz korrekt benennt: ein streng auf's eigene Ego bezogenes Geflecht "nutzbringender Beziehungen". Aber ist der Grund für Liebe oder für Solidarität z.B. wirklich "immer nur ein bestimmter Zweck"? Reicht das wirklich aus für ein Leben als Mensch? Oder entwürdigt uns nicht dieses Nutzendenken, an das wir uns alle gewöhnt haben? Ist es nicht genau das, was wir im Kern am Feminismus kritisieren? So sind aber nicht nur "die Femis" - so sind wir alle (geworden). Streng genommen ist es eigentlicher Inhalt unseres Lebenstils: eine durch und durch sinnlose Existenz, ohne Liebe, ohne Wert, ohne Würde, die an sich selbst zugrunde geht, weil sie aus Selbstsucht nicht über sich selbst hinauskommt.
Ich habe meine Ansichten noch nie davon abhängig gemacht, was "alle" denken, sondern habe immer auf meine natürliche Vernunft vertraut und bin gut damit gefahren. Damit war ich zwar meistens in der Minderheit (was mir egal ist), aber ich meine unbeirrt, daß es außerordentlich vernünftige Gründe gibt, auf Gott zu vertrauen. Hingegen ist es offenbar und erwiesenermaßen mehr als lebensmüde, sich auf den Menschen und seine Fähigkeit zur "kollektiven Vernunft" zu verlassen. So sehe ich das nun mal. Was sollte daran "Fixierung" sein? Was bötest du als dritte Alternative an, Maesi?
Nur für "Waldi" erscheint das alles furchtbar attraktiv, da ja seine gesamte Existenz, incl. seines Schappi, inzwischen von der "Vernunft" anderer Leute abhängt. Und wie nennt er das? Genau: Freiheit! Deswegen endet Waldi auch einmal so, wie es bei einem Taschenhündchen kommen muß: verlassen und kläglich winselnd an einer Hundeleine vor dem Supermarkt, aus dem Frauchen eines Tages eben nicht mehr zurückkommt.
Wer könnte ihn denn davor bewahren, Maesi? Das menschliche "Kollektiv" etwa, mit seiner bestechenden Begabung zur "Vernunft"? Mit seiner weisen Voraussicht und seinem Mitgefühl für fremdes Leiden? Oder der nächste "Große Bruder"? Ist letzterer aber nicht doch die logische Folge des Vorangehenden: des kollektivierten, gottlosen, arroganten Pöbels? Denn es ist kaum zu glauben, das lehrt die Geschichte, welchen ausgemachten Quatsch gerade diejenigen willig zu glauben in der Lage sind, die immer glauben, sie würden ohne Glauben leben.
Für mich hat das alles sehr viel mit der Problematik zu tun, über die wir hier diskutieren. Die Sache geht eben tiefer.
Herzlichen Gruß an dich
vom Nick