Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Überraschende Erkenntnis über Sexualverbrecher

Arne Hoffmann, Wednesday, 19.11.2003, 12:14 (vor 8114 Tagen)

Howdy :-)

Das ist zwar bestenfalls ein Randthema der Männerbewegung (und wenn dann vor allem im Zusammenhang mit Falschbeschuldigungen), aber in den größeren Zusammenhang der Debatte gehört es durchaus: Sexualstraftäter kommen einer Untersuchung des US-amerikanischen Justice Departments zufolge nach ihrer Entlassung aus dem Knast seltener dorthin zurück als andere Verbrecher, und nur 5,3 Prozent von ihnen werden nach ihrer Entlassung wegen eines erneuten Sexualverbrechens festgenommen. Das steht ziemlich konträr zu dem, was auch ich lange Zeit geglaubt habe, nämlich dass diese Leute typische Rückfalltäter seien, schwer therapierbar, die man deshalb vielleicht besser so lange wegsperren sollte wie möglich.

Der vollständige Artikel unter http://www.nypost.com/news/nationalnews/10980.htm:

---> November 17, 2003 -- WASHINGTON - Sex offenders are less likely to be rearrested after their release from prison than other criminals, a government study released yesterday has found.

The Justice Department study of 9,691 men convicted of rape, sexual assault and child molestation who were released in 1994 found that 43 percent were arrested for any type of crime within three years, compared with 68 percent for all other former inmates.

The study found 5.3 percent of sex offenders were arrested for another sex crime after their release.

Most children molested by those in the Justice Department study were 13 or younger and in half the cases were related to the offender.

The study examined prison releases in 1994 from Arizona, Maryland, North Carolina, California, Michigan, Ohio, Delaware, Minnesota, Oregon, Florida, New Jersey, Texas, Illinois, New York and Virginia. The researchers did not include sex-offender recidivism rates for the individual states.

Herzlicher Gruß

Arne

Re: Überraschende Erkenntnis über Sexualverbrecher

Garfield, Wednesday, 19.11.2003, 12:54 (vor 8114 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Überraschende Erkenntnis über Sexualverbrecher von Arne Hoffmann am 19. November 2003 10:14:53:

Hallo Arne!

Hm, die geringe Rückfallquote unter Sexualstraftätern in den USA resultiert vielleicht teilweise auch daraus, daß ein guter Teil dieser inhaftierten Männer tatsächlich gar keine Sexualstraftäter sind.

In den USA wurde ja der Mißbrauch mit dem Mißbrauch durch inkompetente Therapeuten sehr intensiv betrieben. Ich kann mir gut vorstellen, daß dadurch so mancher Mann unschuldig als Sexualstraftäter im Knast gelandet ist. Dazu kommen noch die üblichen Falschbeschuldigungen durch rachsüchtige oder einfach nur gelangweilte Frauen und Mädchen, die es hier in Deutschland ja leider auch gibt. Und dann kommt noch die Prüderie in den USA dazu, die dafür sorgt, daß so manches "Verbrechen" weit härter bestraft wird als hierzulande. Man denke nur an den kleinen Jungen, der vor Gericht gestellt wurde, weil er eine Mitschülerin geküßt hat. Da kann man sich vorstellen, was dort einem Mann blüht, der den Fehler gemacht hat, eine Beziehung mit einer etwas zu jungen Frau einzugehen.

Klar, daß solche Männer nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis nicht mehr rückfällig werden.

Der einzige Grund für die geringere Rückfallquote ist das sicher nicht, aber ich kann mir vorstellen, daß es dazu beiträgt.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Überraschende Erkenntnis über Sexualverbrecher

Lars, Wednesday, 19.11.2003, 18:26 (vor 8114 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Überraschende Erkenntnis über Sexualverbrecher von Garfield am 19. November 2003 10:54:21:

Ich glaube es geht hier zwei unterschiedliche Kategorien von Sexualstraftätern:

- die, die zwar in ihrer Trieberfüllung rücksichtslos gegenüber andere sind, aber nicht im engeren Sinne geisteskrank, und deshalb auch in den Knast und nicht in die Klapse kommen; es wird sich hierbei wohl um eher konventionelle "Gelegeneheitsvergewaltiger" handeln, bei denen die Gewalt Mittel zum Zweck ist. Da sie nicht direkt geisteskrank sind, wird bei ihnen die Furcht vor einer zweiten Haftstrafe eine erneute Sexualstraftat i.d.R. verhindern.

- und zum anderen eben die richtigen "Psychos" (bei denen der Gewaltaspekt oft Selbstzweck ist und die Verbrechen Seriencharakter haben) und die deshalb in die Klapse kommt; und da scheinen zuverlässige Therapie-Methoden irgendwie noch nicht gefunden worden und die Rückfall-Quote wesentlich höher zu sein.

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Interessant wären aber mal folgende ZAHLEN: Wie viele Anklagen und wieviele Schuldsprüche gab es in den letzten Jahren wegen Sexualdelikten? (und dann noch mal jeweils unterschieden nach den Tatbeständen der Vergewaltigung einerseits und der - weit auslegbaren - sexuellen Belästigung andererseits!) Es muß nämlich mal Schluß sein, mit den durchs Land warbernden Gerüchten "Ich hab mal gehört, jede vierte Frau war schon mal Opfer einer Vergewaltigung .. oder sexueller Gewalt .. oder irgendwie so ..."

(Natürlich werden sich die Feministinnen dann mit der "Dunkelziffer" rausreden, aber dieses Totschlag-Argument könnte man Notfalls der gleichen Logik folgend mit der Frage nach Falschen Anschuldigungen und Justizirrtümern neutralisieren.)

Michael Jackson?

Odin, Wednesday, 19.11.2003, 20:10 (vor 8114 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Überraschende Erkenntnis über Sexualverbrecher von Lars am 19. November 2003 16:26:33:

Ich glaube es geht hier zwei unterschiedliche Kategorien von Sexualstraftätern:
- die, die zwar in ihrer Trieberfüllung rücksichtslos gegenüber andere sind, aber nicht im engeren Sinne geisteskrank, und deshalb auch in den Knast und nicht in die Klapse kommen; es wird sich hierbei wohl um eher konventionelle "Gelegeneheitsvergewaltiger" handeln, bei denen die Gewalt Mittel zum Zweck ist. Da sie nicht direkt geisteskrank sind, wird bei ihnen die Furcht vor einer zweiten Haftstrafe eine erneute Sexualstraftat i.d.R. verhindern.
- und zum anderen eben die richtigen "Psychos" (bei denen der Gewaltaspekt oft Selbstzweck ist und die Verbrechen Seriencharakter haben) und die deshalb in die Klapse kommt; und da scheinen zuverlässige Therapie-Methoden irgendwie noch nicht gefunden worden und die Rückfall-Quote wesentlich höher zu sein.
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Ich denke, Du vergißt eine zahlenmäßig sehr große Art: Diejenigen, die zwanghaft das tun, was sie selber oft nicht für richtig halten und die gerne bereit wären, Hilfe anzunehmen, wenn sie sich ihnen bietet - dies dann aber oft erst im Gefängnis.
In diesem Sinne würde ich den momentanen Skandal um Michael Jackson sehen. Leider sieht die Staatsgewalt hier keine andere Reaktion als die Strafverfolgung vor, obwohl eher Hilfe angebracht wäre - aber die muß sich andererseits ja auch nicht ausschließen. Wenn man sich etwas über MJ Leben informiert und hört, daß sein Vater ihn regelrecht ausgepeitscht hat, kann man sich vorstellen, daß er nach wie vor auf der Suche nach dem Kind in ihm ist und diesen Kontakt zum Kind eben auch außen sucht.
Sollte sich ihm die Chance zur Therapie dann eben "zwangsläufig" bieten (durch Inhaftierung), könnte ich mir eine "Heilung" auch recht gut vorstellen. Leider ist er aber schon etwas alt für eine erfolgreiche Therapie.

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