Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Der Vater ist wie das Flussbett der Familie

Odin, Saturday, 15.11.2003, 02:09 (vor 8119 Tagen)

Heilbronner Stimmer 15.11.2003

Der Vater ist wie das Flussbett der Familie

Von Petra Burger

Der Förderverein der Grundschule in Bonfeld hatte erneut zu einem
Vortragsabend eingeladen: "Kinder brauchen Väter", lautete das Thema, zu dem
Karin Sommerfeld als ehemalige Gymnasiallehrerin und nun praktizierende
Lernberaterin referierte.

Ein Titel, der mehr als 40 Zuhörer ins Klassenzimmer lockte. Dass dabei die
Väter in der Mehrzahl waren, überraschte Referentin Karin Sommerfeld. Ein
derartiges Interesse des starken Geschlechts habe sie noch nie erlebt. Kern
des Vortrags war die sich in den letzten 90 Jahren grundlegend veränderte
Familienstruktur.

Die ehemals klaren Positionen von Mann, Frau und Kind seien durch die beiden
Weltkriege - Wegfall ganzer Vätergenerationen - sowie durch die Emanzipation
der Frau und die Antibabypille ins Wanken geraten. Früher sei der Vater
Ernährer und Patriarch gewesen und habe die Familie nach außen hin
vertreten. Die Frau habe die Geschicke im Heim, wie Haushalt, Erziehung und
Pflege, gelenkt. Diese Grenzen seien heute verschoben oder aufgehoben.
Mütter hätten - teilweise gezwungenermaßen - das Heft in die Hand genommen.

Dies führe einerseits zur Überlastung der Frauen; andererseits würden die
Väter - bewusst oder unbewusst - aus der Verantwortung gedrängt. Dies führe
allerdings zum Ungleichgewicht im fragilen Geflecht Familie. Kinder
bräuchten zwei Pole: den Vater als Halt und Mann der ernsten Worte sowie die
Mutter, die, aller Emanzipation und Selbstständigkeit zum Trotz, eher den
Bereich Liebe, Wärme und Geborgenheit abdeckt. Besonders essentiell sei dies
in den ersten beiden Kindheitsphasen.

Doch bereits ab dem Kindergartenalter seien die Väter gefordert, etwas mit
ihren Kindern zu unternehmen. Mitnehmen und mitmachen ist hier die Devise.
Sei es Fahrradfahren, Drachensteigen oder andere Aktivitäten außer Haus. Das
beschleunige den Abnabelungsprozess von der Mutter, baue das kindliche
Selbstvertrauen auf und stärke ein positives Vaterbild.

In der Pubertät seien dagegen Standhaftigkeit und Nervenstärke des Vater
gefragt. In dieser Phase würden Männer eher als Diskussions- und
Sparringspartner akzeptiert als Frauen. Mangelnde Vaterpräsenz könne zu
Konzentrationsschwächen oder Aggressivität beim Kind führen. Die Gefahr, in
Berührung mit Drogen oder Kriminalität zu kommen, wachse.

Weshalb der Vater fehlt, ob durch Tod, Scheidung oder berufliche
Abwesenheit, sei nicht entscheidend. Wichtig sei: Kinder sollten andere
männliche Bezugspersonen wie Onkel, Freunde, Opa haben oder bis zum zwölften
Lebensjahr einem männlich orientierten Verein, beispielsweise Feuerwehr oder
THW, angehören. Diese könnten den Part des Vaters ersetzen, so die
Referentin. Besonders wichtig sei dies für Jungen wegen ihrer körperlichen
Überlegenheit zur Mutter.

Einen Rat legte Karin Sommerfeld den Frauen ans Herz: Keinesfalls den Mann
als Vater vor dem Kind schlecht machen. Dann könne dieser nicht mehr als
Vorbildfigur und zur Identifikation dienen. Vollgestopft mit Erkenntnissen
und Denkanstößen, wollte nach dem Vortrag keine richtige Diskussion
aufkommen. Das war aber unwesentlich für den Erfolg den Abends, über den
sich die Teilnehmer als auch Gunda Kisker, Vorsitzende des Fördervereins,
sehr zufrieden zeigten.

15.11.2003

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