Wiener IT-Salon speziell für Frauen gegründet
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Wiener IT-Salon speziell für Frauen gegründet
Der Wiener "IT Salon Pour Elle", eine regelmäßige Veranstaltung für mittlere und höhere IKT-Managerinnen, wurde Dienstag Abend vor fast 100 Frauen aus der Taufe gehoben. Acht bis zehnmal pro Jahr soll Teilnehmerinnen die Chance geboten werden, Branchenkolleginnen zu treffen und Informationen auszutauschen. Daraus entstehende Seilschaften sollen die Chancen für Frauen in der Branche verbessern helfen.
Österreich ist beim Frauenanteil in der IT-Branche mit unter 30 Prozent EU-Schlusslicht. Auf Management-Ebene sieht es europaweit allerdings noch trauriger aus. Bettina Unger präsentierte in ihrem Eröffnungsvortrag "Wonder Women in the Rude Boys' Paradise?" verschiedene Statistiken. Beispielsweise sind demnach in den 50 größten New Economy Unternehmen Deutschlands gerade je vier Prozent der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder weiblich. An den österreichischen technischen Universitäten sind weibliche Studenten mit 10 bis 25 Prozent zwar immerhin bemerkbar, der Frauenanteil unter den Professoren liegt aber zwischen null und drei Prozent. Eine Umfrage von heise online unter den fünf österreichischen Mobilfunk-Netzbetreibern ergab, dass lediglich der zweitkleinste Anbieter tele.ring eine Frau im Top-Management aufweist.
Sabine Fleischman, Managerin von Microsoft Services Austria, lobte in der Diskussion die Frauenpolitik ihres Konzerns. Diese sei nur vorhanden, da es sich um ein amerikanisches Unternehmen handle. "Seit Jahren stammen nur zehn Prozent der Bewerbungen von Frauen, teilweise ist das sogar rückläufig", klagte die Microsoft-Managerin, entsprechend würden auch nur zehn Prozent der freien Stellen von Frauen besetzt. "Wenn wir Frauenförderung immer mit Familienfreundlichkeit koppeln, schaffen wir es nie, das alte Rollenbild aufzubrechen."
"Die Wirtschaft kann nicht auf Dauer auf das Potenzial von 50 Prozent der Bevölkerung verzichten", betonte Unger, "Frauen in IKT-Führungspositionen können auch für Frauen in untergeordneten Positionen Verbesserungen erreichen." Gesellschaftsweit seien Frauen in technischen Berufen unterrepräsentiert, ebenso in Führungspositionen. Im Management von ITK-Unternehmen würden sich diese Umstände kumulieren. Zudem stünden die Aufstiegschancen weiblicher Mitarbeiter generell schlecht, da sie stärker von atypischen Beschäftigungsverhältnissen betroffen seien. "Ich glaube nicht wirklich, dass es möglich ist, als Frau in die Seilschaften der Männer einzudringen", sagte Unger im Anschluss zu heise online, "Daher müssen Frauen selbst Seilschaften mit Frauen gründen."
Der nächste IT Salon Pour Elle wird am 22 Jänner 2004 unter dem Thema "Konkurrenz unter Frauen - 'Stutenbissigkeit' oder feministischer Schulterschluss?" stehen. Nähere Informationen werden von den Veranstalterinnen Brigitte Piwonka (results&relations) und Beatrix Hausner (Österreichische Computer Gesellschaft) noch bekannt gegeben. (Daniel AJ Sokolov) (tol/c't)
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