Ende eines Mythos
Bruno, Wednesday, 12.11.2003, 15:37 (vor 8121 Tagen)
Liebe Forumsteilnehmer,
hier lesen:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,273615,00.html
Gruß
Bruno
Gleichberechtigung ist etwas Tolles. Schade...usw.
Re: Ende eines Mythos
Maesi, Thursday, 20.11.2003, 20:46 (vor 8113 Tagen) @ Bruno
Als Antwort auf: Ende eines Mythos von Bruno am 12. November 2003 13:37:40:
Hallo Bruno
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,273615,00.html
Dass Jessica Lynch keine Heldin ist, wussten wir laengst; und dass der Krieg grausam ist, ebenfalls. Auch dass Soldaten bis zum Tode ausgebeutet werden, ist keineswegs neu, oder dass im Propagandakrieg massiv gelogen wird.
Nur eines ist neu: ein weiblicher Veteran sagt uns all diese Dinge! Also muessen wir es jetzt wohl endlich glauben, auch wenn wir das bisher nach zig Millionen toter und kriegsversehrter maennlicher Soldaten in der gesamten Menschheitsgeschichte womoeglich noch immer nicht taten. Zur epochalen Erkenntnis, dass Frauen im Kriegsdienst auch ganz richtig sterben koennen, zumindest soweit es die Bundeswehr angeht, kam die Zeitschrift 'Emma' vor mehr als drei Jahren. Nun haben wir den schlagenden Beweis, dass sie auch kriegsinvalide werden koennen. Natuerlich wissen wir Maennerrechtler, dass sowas Soldatinnen weitaus weniger widerfaehrt als den Soldaten - selbst, wenn wir es nicht nur in absoluten Zahlen messen sondern bezogen auf den kleineren Frauenanteil in der Armee.
Da stellt sich unweigerlich die Frage, ob Gender-Mainstreaming auch ausgewogene Anteile weiblicher und maennlicher Opfer unter den Soldaten anstrebt. Wahrscheinlich eher nicht, zumindest habe ich noch von keinem Programm einer Gleichstellungsstelle gehoert, das solches anstrebte; vielleicht wuerde ein solcher Plan als zu zynisch angesehen...
Aber ich will nicht ueberkritisch sein: dies ist sicher einer der besseren Spiegel-Artikel. Wenigstens erkannte der Spiegel, dass Jessica Lynch an ihrem Helden-Image nicht voellig unschuldig ist. Immerhin liess sie sich so darstellen und bekam Kohle dafuer. Und jetzt bekommt sie obendrein noch Kohle dafuer, sie dass den Mythos wieder zerstoert. Aeusserst clever, nicht wahr? Das Geld sei ihr vergoennt, denn wahrscheinlich wuerde sie mit Freuden das alles gegen ihre Gesundheit wieder eintauschen - wenn sie bloss koennte. Nur: 6999 andere Kriegsinvalide (wohl fast ausschliesslich maennlich) muessen sich mit der Rente allein zufrieden geben.
Ohne Zweifel ist das kleine Maedchen vom Lande ebenfalls Opfer dieses Krieges geworden; ein unguter Nachgeschmack entsteht jedoch, weil die Medien sich so bereitwillig auf Miss Lynch stuerzen, waehrend die viel zahlreicheren maennlichen Opfer nur in nackten Zahlen in einem Nebensatz erwaehnt werden. Das Soldatenwesen ist maennerdiskriminierend, es war es immer und wird es vorderhand bleiben - auch hierzulande, Wehrpflicht sei Dank. Und die edlen sozialdemokratischen Frauen des ASF haben ja eindruecklich begruendet, weshalb das so bleiben soll; wahrscheinlich nennen sie das dann 'positive Diskriminierung'.
Gruss
Maesi