Re: Wirklich?
Als Antwort auf: Wirklich? von Mic am 04. November 2003 11:57:37:
Hallo Mic!
Also, ich glaube das schon. Ich habe schon häufig erlebt, daß Frauen sehr wohl auch ein großes Interesse an Pornographie und ähnlichem haben - sie geben das aber nur sehr selten offen zu.
Ein Beispiel: Als ich in der 7. oder 8. Klasse war, brachte ein Mitschüler mal ein Pornoheft mit zur Schule. Ich lebte damals in der DDR, wo es so etwas normalerweise gar nicht gab. Dieser Mitschüler hatte es von einem Verwandten aus dem Westen bekommen. Er legte das Heft in der Pause auf den Tisch und sah es sich mit seinem Banknachbarn an. In kürzester Zeit versammelten sich sämtliche Mädchen aus der Klasse um ihn, um sich dieses Heft ebenfalls anzusehen. Die Jungen blieben interessanterweise zumeist sitzen und zeigten wenig Interesse. Die Mädchen machten dann zwar immer wieder Bemerkungen wie "iiihhh - sieht das eklig aus", aber keine ging weg. Alle sahen sich das Heft schön von vorn bis hinten an.
Das könnte man ja noch damit erklären, daß sie sexuell noch nicht viel Erfahrung hatten und einfach neugierig waren. Und daß Mädchen den Jungen in dem Alter sexuell nun mal etwas voraus sind.
Aber Jahre später habe ich genau dasselbe wieder erlebt. Diesmal waren es aber keine pubertierenden Teenies, sondern erwachsene Frauen um die 40. Das war so: Ich arbeitete mit diesen Frauen zusammen, und in der Pause gingen wir in einen Pausenraum. Dort lag auf unserem Tisch ein Pornoheft für schwule Männer, also nur mit Fotos von nackten Männern drin. Ein Kollege war schwul, und vermutlich hatte er es dort liegen gelassen. Die Frauen fanden dieses Heft hochinteressant. Sie sahen es sich sofort von vorn bis hinten an und vergaßen dabei auch nicht, Bemerkungen wie "das sieht ja furchtbar aus" zu machen. Danach nahm eine der Frauen das Heft demonstrativ mit zwei Fingern und warf es in einen Kohleofen. Es war jedoch Sommer, und so war der Ofen nicht in Betrieb. Als dann noch eine Frau dazu kam, nutzten sie die Gelegenheit, fischten das Heft sofort wieder aus dem Ofen und sahen es sich noch einmal von vorn bis hinten an.
Ich habe auch schon relativ viele Frauen kennen gelernt, die gern Pornofilme sehen. Manchmal tun sie das heimlich, damit ihre Partner nichts davon erfahren. Manchmal sehen sie auch einfach mit, wenn der Partner ein Porno sieht. Dann kommen zwar Bemerkungen wie "mußt du wieder so'nen Scheiß sehen", aber man merkt doch deutlich, daß sie den "Scheiß" durchaus interessant finden.
Frauen wollen dabei auch genauso viel sehen wie Männer. Deshalb sind "Pornos für Frauen", in denen nicht alles gezeigt wurde, auch niemals zum Verkaufsrenner geworden. Obwohl Frauen sehr wohl auch selbst Pornos kaufen. Nur eben selten im Sex-Shop, und sie holen sie auch nur selten aus Videotheken. Sie bestellen sie lieber bei Sex-Versandhäusern, weil es so anonymer ist.
Denn es ist vielen Frauen ungemein wichtig, daß möglichst niemand davon erfährt, daß sie sowas interessiert.
Das liegt zum einen daran, daß die katholische Kirche es über Jahrhunderte hinweg geschafft hat, Sex als etwas Schlechtes, Schmutziges hinzustellen, etwas, das man nur zur Kinderzeugung tun darf und ansonsten als Sünde betrachten muß.
Bei Frauen achtete man besonders auf Sittsamkeit. Das lag nicht direkt an ihrem Geschlecht und hatte auch nichts mit Unterdrückung zu tun. Es resultierte einfach aus der Tatsache, daß Frauen nun einmal schwanger werden können und daß es früher nicht die heutigen Verhütungsmittel gab. Wenn eine Frau also Sex hatte, wurde sie mit weit höherer Wahrscheinlichkeit als heute schwanger. Passierte das, bevor sie verheiratet war, hatten ihre Eltern ein Problem. Natürlich waren Männer immer verpflichtet, Frau und Kinder zu ernähren. Da das auch damals nicht billig war, fand es kein Mann so richtig prickelnd, für das Kind eines anderen aufzukommen. Eine Frau mit Kind bekam man also sehr schwer unter die Haube. Die einzige Möglichkeit bestand in einer enorm hohen Mitgift, die die Eltern dann aufbringen mußten. Wenn sie das nicht konnten, durften sie die Tochter zumindest bis zum Tod des Vaters ernähren. Das erklärt, wieso Eltern meist sehr darauf achteten, daß ihre Töchter vor der Heirat keinen Sex hatten. Verschärft wurde das noch durch die katholische Kirche, und so kam es, daß eine Frau mit einem unehelichen Kind bald auch automatisch einen äußerst schlechten Ruf weg hatte. Und daß umgekehrt Frauen, die streng auf "Sittsamkeit und Tugend" achteten und ihr Interesse an Sex brav verbargen, hoch angesehen waren. Sie fanden leicht einen Ehemann, und ihre Eltern mußten keine so hohe Mitgift aufbringen.
Die ersten Feministinnen stammten überwiegend aus dem Bürgertum, in dem die althergebrachten christlichen Ideale und damit auch das alte "Sex ist Sünde"-Dogma eine hohe Bedeutung hatten. Das übernahmen sie in ihre Ideologie. Zunächst hatte das keine große Bedeutung, zumal dann später auch linksorientierte Strömungen in die Frauenbewegung reinkamen. Als dann aber mit zunehmender Entwicklung von Fotographie und Film auch Pornographie immer verbreiteter wurde, wirkten sich diese alten christlichen Ideale doch wieder aus.
Das wurde nun mit der Theorie von der moralisch überlegenen Frau vermischt. Feministinnen etablierten das Ideal von der edlen, reinen Frau, für die Sex immer mit Liebe zusammen hängt und die keinerlei Interesse an solchem "Schweinkram" wie Pornographie hat. Damit konnten sie an das alte christliche Frauenbild anknüpfen, was ihnen die Sache sehr einfach machte.
Deshalb gilt Pornographie bis heute für viele Menschen als etwas Negatives, etwas, das nur rückständige, egoistische Macho-Männer interessiert, während die reine, edle Frau solch niedere Interessen natürlich nicht hat.
Und die Frauen versuchen, brav diesem Image zu entsprechen. Das bringt sie in einen Konflikt. Einerseits interessieren sie sich durchaus sehr für Erotik und damit auch für Pornographie, andererseits möchten sie dieses Interesse aber vor anderen - insbesondere vor Männern - und manchmal sogar vor sich selbst geheim halten. Oft kommt noch dazu, daß sie mit ihrem eigenen Aussehen nicht zufrieden sind und deshalb nicht möchten, daß ihre Partner in Pornofilmen besser gebaute Frauen bewundern. Wenn sie dann ihren Männern verbieten, Pornos zu sehen, dürfen die natürlich nicht wissen, daß sie selbst sowas auch interessiert.
Deshalb werden ja auch keine Männer in Striptease-Shows für Frauen reingelassen. Den allermeisten Frauen wäre es höchst peinlich, in Anwesenheit des Partners oder anderer Männer vor Begeisterung über einen männlichen Stripper auszuflippen. Nicht nur, weil sie Eifersuchtsszenen ihrer Partner befürchten, sondern auch, weil ihnen bewußt ist, daß sie damit nicht dem feministischen Idealbild von der edlen, moralisch dem Manne überlegenen Frau entsprechen.
Und deshalb verheimlichen sie es eben auch gern, wenn sie sich Pornos ansehen oder im Internet durch Sex-Seiten surfen. Sie versuchen, so etwas möglichst anonym zu tun, ohne daß irgendjemand das mitbekommt.
Tja, wäre interessant zu erfahren, was Frau Schwarzer zu diesem Ergebnis zu sagen hat.
Aber vermutlich wird sie das wieder stillschweigend ignorieren, da es nicht in ihr Weltbild paßt.
Freundliche Grüße
von Garfield
gesamter Thread:
- Studie: Auch Frauen sind scharf auf Sex-Websites -
Alexander,
04.11.2003, 10:57
- Wirklich? -
Mic,
04.11.2003, 13:57
- Re: Wirklich? - Alexander, 04.11.2003, 14:01
- Re: Wirklich? -
Garfield,
05.11.2003, 12:11
- Frauen und Pornos - AJM, 05.11.2003, 15:05
- Re: Wirklich? - Andreas, 05.11.2003, 18:00
- Re: Wirklich? - Mic, 11.11.2003, 17:03
- Re: Studie: Auch Frauen sind scharf auf Sex-Websites - Jolanda, 05.11.2003, 03:39
- Originalbeitrag im Plain Dealer - Daddeldu, 05.11.2003, 13:37
- Wirklich? -
Mic,
04.11.2003, 13:57