Rote Männer Info Nr. 58
RoteMänner!
Astronauten! Taikonauten! Feminauten!
(Krokonauten wären auch schön gewesen...)
Chaotische Zustände in NRW! In Nordrhein-Westfalen streikten am 16.
Oktober die Frauenhäuser!
http://www.taz.de/pt/2003/10/14/a0063.nf/text Streikende Häuser? Sehr
ulkig! Oder nicht? Die Wirtschaft des Landes an Rhein und Ruhr stand
zeitweise kurz vor dem Zusammenbruch. Unsere Korrespondenten berichteten
von chaotischen Zuständen auf Straßen und Plätzen. In einem
Schuhgeschäft in Herne wurde ein Paar hochhackige Schnürstiefel
gestohlen. Ähnliche Vorfälle wurden aus Ennepetal, Ibbenbüren und
Detmold gemeldet. In Bergheim wurden aus einem Friseursalon künstliche
Palmen mit einer vorgehaltenen Waffe geraubt, die sich später als
Vibrator herausstellte. Ministerpräsident Steinbrück forderte in einer
Fernsehansprache die Bevölkerung zu Ruhe und Besonnenheit auf.
Dessenungeachtet erklärte sich der Fachbereich Sozialpädagogik der
Fernuniversität Hagen mit den "streikenden Frauenhäusern" solidarisch
und forderte die Studentenschaften des Landes zu "verschärften Aktionen"
auf. Diese schlossen sich daraufhin dem Ausstand an und verabschiedeten
eine gemeinsame Resolution, in der sie das Patriarchat zum Rücktritt
aufforderten. Die Lage ist nach wie vor unübersichtlich.
Am 6. September prämierte das hessische Sozialministerium den
Pressebeitrag "Frische Eizellen zu Tausenden gesucht" und den
dazugehörigen Kommentar "Jungbrunnen Frau", die beide in der
Sonntagszeitung der FAZ erschienen waren. Mit dem Untertitel "Frauen in
die Produktion? Stammzellforscher und Fortpflanzungsmediziner brauchen
Qualitätsware" lenke die Autorin Martina Keller den Blick auf einen
Forschungsbereich, der Frauen als unerschöpfliches Reservoir für die
Erzeugung von Eizellen betrachte und benutze.
http://www.sozialministerium.hessen.de/Presseservice/index.htm Es
zwingt sie zwar niemand, ihre überzählige Unbrut herzugeben.
Andererseits öffnen sich schillernde Perspektiven: Ostern als
Herausforderung - Eierlegen als Vollzeitjob!
Berlin erschauerte kürzlich wegen der "Befürchtung des erzbischöflichen
Pressesprechers Andreas Förner, Kondomautomaten könnten den sexuellen
Leistungsdruck auf die Jugend erhöhen." Das könne man sich bei den in
vielerlei Hinsicht leistungsresistenten Teenagern kaum vorstellen,
giftete da kampfeslustig die "Berliner Zeitung". Gleichwohl ließ sie es
sich nicht nehmen, ein überaus tugendhaftes Mädchenlied zu zitieren, das
dann "in der Stunde sittlicher Not mit fester Stimme" vorgetragen werden
solle.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin_berlin/283778.html
Wer dieses wunderbare Gedicht jetzt schon angeklickt hat, wird es am
Ende unserer heutigen Betstunde unweigerlich noch einmal antreffen.
Wahre Tugend!
Susan Vahabzadeh schreibt in der "Süddeutschen" über Quentin Tarantinos
jüngstes Leinwandgemetzel "Kill Bill": "Ein furioses Blutbad, an dessen
vorläufigem Ende man nicht weiß, wo oben und unten ist. Männer sind hier
- bis auf Bill, den man nie sieht - Randfiguren, Futter für Umas
Schwert. Man sollte, die Erfahrung macht schon der Krankenpfleger, der
die Braut im Koma missbraucht hat, sich in Acht nehmen vor dieser Frau.
Ein feministisches Statement, hat Tarantino gesagt. Das ist auch wieder
etwas, worüber man geteilter Meinung sein kann: Ist das ein niedlicher
Gag, oder sollte irgendwer ihn drauf hinweisen, dass kleine Jungs keine
Worte in den Mund nehmen sollen, die sie nicht verstehen?"
http://www.sueddeutsche.de/sz/feuilleton/red-artikel2150/
So schön hat lange keine Frau mehr eine schleimige Anbiederung am den
Feminismus quittiert. Damit müssen die Arschkriecher rechnen, selbst
wenn sie Tarantino heißen. Klasse!
Einen veritablen RoteMännerFilmTipp gab dieselbe Autorin eine Woche
später mit dem neuen Film der Coen Brüder "Intolerable Cruelty" ("Ein
unmöglicher Härtefall"): "Die Coens haben sich bei den klassischen
Screwball-Komödien bedient, aber das Personal ist deutlich trostloser:
Geschiedene Biester, die ihr nichtsnutziges Leben beim Geldausgeben
verschwenden, ..."
http://www.sueddeutsche.de/sz/feuilleton/red-artikel1130/ Und weil das
Ganze auf der Ebene von Komödie, Slapstick-Dialogen und bitterem
Zynismus bleibt, wird der eigentlich wünschenswerte Lernerfolg bei
verrückten Heiratswilligen bedauerlicher Weise im Lachen untergehen.
Trotzdem ein wunderbarer Film!
Noch ein Kopftuchstreit! "Wer das Kopftuch verbietet, muss genauso
Kreuz, Kippa oder Nonnengewänder aus den Schulen verbannen. Und zwar
ohne Ausnahme." Das erklärten gleich drei Ausländerbeauftragte.
Eigentlich nachvollziehbar. Die Bundesbeauftragte Frau Beck ging sogar
noch weiter. "Wenn Lehrerinnen das Kopftuch nicht tragen dürften, dann
hätte das auch Auswirkungen auf alltägliche christliche Symbole wie
Osterhasen oder Adventskränze: ,Dürfen wir dann noch den Adventskranz
entzünden?', fragte Beck. ,Was machen wir mit dem Osterhasen?'"
http://www.taz.de/pt/2003/10/16/a0094.nf/text
Wir gehen noch weiter: Dann ist auch Schluss mit Jesuslatschen. Und wer
langhaarig und unrasiert als Ersatzheiland durch die Klassenzimmer
wandelt, dem droht der Rausschmiss.
Der Berliner Ausländerbeauftragte Günter Piening brach eine Lanze für
die betroffenen Frauen: "'Jede Frau mit Kopftuch wird zu einer
Repräsentantin des politisch-fundamentalistischen Islams gemacht.' Die
Frauen gerieten so regelrecht in eine Falle: Von zu Hause werde ihnen
vorgeschrieben, das Kopftuch zu tragen - die Gesellschaft befehle ihnen,
das Tuch abzunehmen." Da hat Piening nicht Unrecht, denn die Debatte
dreht sich längst nicht mehr nur um eine eigentlich doch recht
selbstbewußte Lehrerin aus dem Ländle. Wieweit diese Kopftuch-Hysterie
inzwischen führt, lasen wir in der "Süddeutschen": Ein Tischgebet im
Kindergarten kann die Rechte atheistischer Eltern und ihrer Kinder
beeinträchtigen, stellt das Bundesverfassungsgericht fest.
http://www.sueddeutsche.de/sz/politik/red-artikel25/ Das einzige, was
noch schlimmer ist als religiöse Fanatiker sind anti-religiöse
Fanatiker. Intellektuelle Nichtraucher! Warum tritt man Eltern, die
wegen solchen Kleinigkeiten den Klageweg beschreiten, nicht einfach
metertief in den Arsch? Wenn man ihnen anschließend erklärt, wieviel
Geld dadurch gespart wurde, werden sie strahlen!
Dass Kindesmissbrauch durch Mütter inzwischen keineswegs mehr als
vernachlässigbar angesehen wird, zeigt ein Urteil des Landgerichts
Landau: Die Täterin wurde nicht nur zu sechs Jahren Haft verdonnert,
sondern muss ihrem Sohn und ihrer Tochter auch Schmerzensgeld zahlen.
http://www.n-tv.de/5190165.html
Die Neuauflage der Riesterrente sieht keine "Unisex-Tarife" vor. Frauen
leben nun mal deutlich länger, da ist die selbe Rente entsprechend
teuerer. Für die gleiche Monatsrente müssen sie daher bei normalen, also
privatwirtschaftlichen Rentenlieferanten deutlich mehr einzahlen als
Männer. Eine Frage der Mathematik, aber Heide Oestreich findet das
"ungerecht". http://www.taz.de/pt/2003/10/24/a0067.nf/text In Bezug
auf Frau Oestreich sind wir heute ausnahmsweise etwas milder gestimmt
(warum, erfahrt ihr weiter unten) - obwohl dieses Urteil wirklich
grunzdumm ist. Was Frau Oestreich fordert, ist schlichte Ausbeutung:
Weil Männer früher sterben, sollen sie mehr bezahlen, alles andere sei
ungerecht! Unser Lösungsvorschlag: Zahlt doch die Riesterrente auf einen
Schlag aus, dann bekommen alle gleichviel mit 65, jeder kann's sich
einteilen, und absolut keiner wird "ungerecht" behandelt. Schlau, gell?
1. "Wer sich nicht traut, zahlt drauf," behauptete kürzlich die
"Süddeutsche" wider die Ehemuffel. Was dort nicht steht: Wer sich traut,
zahlt womöglich erst recht drauf. Denn die Ehe ist heute Glücksspiel und
nicht selten eine wohlberechnete Falle, um die arbeitende Bevölkerung zu
ruinieren.
2. Potztausend, Heide Oestreich entdeckt die Männer - leider nur als
"Vatis". Denen gehöre die Zukunft, "Mutti" war gestern. Schon eine
Überraschung!
3. Barbara Dribbusch, ansonsten eher als Vorkämpferin des Bundesvereins
der weiblichen Bedenkenträger und Besitzstandswahrer bekannt, entdeckt
die USA als gesellschaftspolitisches Biotop - für Karrierefrauen!
4. Ein wunderbarens "Streiflich" der "Süddeutschen" schrie förmlich nach
einer Dokumentierung. Spülende Männer als Sexobjekte!
5. Noch'n Gedicht: Das wunderbare "Mädchenlied". Nicht alles war früher
schlecht!
Schließlich gibt es - exklusiv für die Direktempfänger - eine Karikatur
in der Anlage, die uns deren Schöpfer "Bigrumble" für die Erstverwertung
zur Verfügung gestellt hat. Danke dafür!
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EHE ALS GLÜCKSSPIEL:
DAS RISIKO DES RUINS - FÜR DAS LINSENGERICHT EINES STEUERVORTEILS
"Wer heute noch heiratet, muss völlig bescheuert sein," schrieb unser
Parlamentskorrespondent vor drei Jahren in einem Brief an die damalige
SPD-Bundestagsabgeordnete Margot von Renesse. Das stimmt auch heute
noch: Geht die Ehe schief, wie fast jede zweite unter den heutzutage neu
geschlossenen, zahlt Einer in der Regel heftig drauf. Nachdem ein
fünfstelliger Betrag für die reinen Scheidungskosten hingeblättert
wurde, kommen Unterhalt, Versorgungs- und Zugewinnausgleich hinzu.
Vereinzelt mag es Fälle geben, in denen Frauen für ihre Männer
unterhaltspflichtig werden. Der Normalfall sieht anders aus: Weil viele
Frauen sich allzu bereitwillig in die Rolle des ökonomischen
Beta-Tierchens hineinfinden und ihre Männer die Maloche für's Einkommen
allein machen lassen, werden diese nach der Scheidung dadurch belohnt,
dass sie diese exklusive Versorgerrolle - oft für den Rest ihres Lebens
- fortsetzen müssen, dann allerdings ohne die familiäre Zuarbeit. Auch
ihre Rentenansprüche müssen sie zu beträchtlichen Teilen abtreten. Das
alles, weil den Frauen zugebilligt wird, dass sie ja im Rahmen der
familiären Arbeitsteilung "gezwungen" waren, zu Hause zu bleiben um
Haushalt und Kind(er) zu versorgen. Meistens haben sie sich gerne
"zwingen" lassen und waren um Erklärungen nicht verlegen, weshalb das so
sein musste. Wenn's dann gar zu langweilig wurde, sind sie halbtags in
irgendwelche Leichtlohngruppen eingetaucht - auch um ihre persönlichen
Konsumgelüste mit den familiären Einnahmen ein wenig kompatibler zu
gestalten. Ihren Männern halten solche Weibchen bis heute gerne vor, sie
hätten ihre Karriere behindert. Vor dreißig Jahren hieß das noch "Die
besten Jahre meines Lebens habe ich dir geopfert..." Heute ist nicht nur
das Pathos einem nüchternen Unterhaltsrecht gewichen, auch die Substanz
der Begründung dieses Rechts ist in den Zeiten weiblicher
Gleichberechtigung nurmehr eine reine Chimäre.
Gleichwohl heiraten auch heute noch viele Menschen, ja sogar Männer!
Liebe macht blind, sagt der Volksmund. Recht hat er, nicht nur die
äußeren und inneren Werte des jeweils geliebten Wesens betreffend,
sondern auch was die rechtliche Situation betrifft, in die man sich als
Mann leichtfertig begibt. Das Schlimmste ist: Die Meisten ahnen nicht
einmal, wie sehr sie sich durch ihr Jawort in den Schwitzkasten der
Angetrauten begeben. Solchen, die es ahnen, darf man guten Gewissens
attestieren, dass hier ein Reflex aus die Tierreich erfolgreich
übernommen wird, den man allgemein "die Kehle geben" nennt: "Beiß mir
die Schlagader durch, Anouschka", oder wie es die
Achtzigerjahre-Britpopband "The Smiths" einst sang "...to die by your
side, oh, what a heavenly way to die!"
Es gibt aber bis heute auch Männer, die neben vergänglichen Emotionen
glauben, eine Ehe bringe ihnen finanzielle Vorteile. Mit dieser
keineswegs völlig irrealen Möglichkeit gehen die familienpolitischen
Vorkämpfer der Ehe heute zu Werke. In der Tat: Dort wo das Glücksspiel
Ehe Erfolg hat, ist die Institution auch für Männer lukrativ. Der
Schluss allerdings, den die "Süddeutsche" dieser Tage zog, erscheint und
doch recht abenteuerlich: "Wer sich nicht traut, zahlt drauf"
http://www.sueddeutsche.de/immobilien/geldmarkt/artikel/87/20067/
Hundertausende Männer müssen nämlich die Erfahrung machen, dass es
umgekehrt genau so richtig sein kann. Draufzahlen muss im Fall der
Scheidung, wer so dumm war und sich traute, und wer für das
Linsengericht eines monatlichen Steuernachlasses blind die
Selbstversklavung unterschrieben hat. Selbst die reichlich feministische
Bremer Richterin Sabine Heinke aus dem Dunstkreis des VAMV räsonnierte
neulich in einer Anhörung des Bundestages darüber, ob es nicht sinnvoll
wäre, den Ehepartnern vor der Trauung einen Erläuterungsbogen zum
Unterschreiben vorzulegen, dem sie entnehmen könnten, was sie da im
Begriff stehen zu tun.
Hier die zentralen "Pros" des Heiratens, die die Onlineausgabe der
"Süddeutschen" dieser Tage sammelte:
"Das Bundesverfassungsgericht hat bereits vor Jahren festgestellt, dass
Partner nicht ehelicher Lebensgemeinschaften steuerlich nicht wie
Ehepaare behandelt werden dürfen. Sie müssen ihre Steuern wie
Alleinstehende entrichten. Die Empfehlung der Verfassungsrichter lautet:
,Heiraten Sie!'
In der gesetzlichen Krankenversicherung würde eine Gleichstellung mit
Ehepaaren zugleich eine kostenlose Mitversicherung des Partners
bedeuten.
Ein nichtehelicher Lebenspartner hat beim Tod des anderen keinen
Anspruch auf eine Witwenrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung.
Ein nichtehelicher Partner hat keinen gesetzlichen Erbanspruch. (...) Er
kann nur einen Erbschaftsteuer-Freibetrag von 5200 Euro geltend machen.
Zum Vergleich: Wäre er verheiratet, würde ein Freibetrag von 307 000
Euro gelten."
So mancher, der sich in der Vergangenheit von diesen Argumenten hat
beeindrucken lassen, hat diesen Tag später bitter bereut und verflucht.
Allmählich begreifen die Leute, was ihnen da angedealt werden soll. In
der oben schon erwähnten Anhörung des Bundestages (zum vom Land
Baden-Württemberg beantragten und nur von der FDP unterstützten Gesetz
über den "gläsernen Ehegatten", Bundestagsdrucksache 15/403) beschwor
der Sachverständige Prof. Schwab die Abgeordneten: "Gehen Sie den Weg,
den Leuten die Ehe zu verleiden, bitte nicht gar so konsequent weiter."
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IST "MUTTIPOLITIK" HISTORISCH UNTERLEGEN ?
HEIDE OESTREICHS NICHT VÖLLIG MISSLUNGENER VERSUCH, EINEN TAG LANG DIE
FRONTEN ZU WECHSELN
Dass wir das erleben dürfen: Heide Oestreich bricht anlässlich des 50.
Geburtstags des Bundesministeriums "für Familie und Gedöns" eine Lanze
für die Papis. Eine kleine nur, aber immerhin! Frau Oestreich nennt sie
"Vatis" - jetzt erst ahnen auch wir die sozialisationsbedingten
Beeinträchtigungen, die ihr Schreibzentrum manchmal so schauerlich
zurichten. Gleichwohl, das Folgende hätten wir nicht erwartet, und es
beginnt bereits bei der Überschrift: "Mutti war die Beste!" Ein
subversiverer Imperfekt war nie! "Mutti" ist out, bedeutet uns Heide
Oestreich. Wenn es nicht ebendiese Autorin wäre, würden wir jetzt nicht
so psychologisch tiefschürfend analysieren: Aber es ist eben nur
"Mutti", die verblödete Karikatur, und keinesfalls das feministoide
Mutterbild in allen seinen Varianten, dem sich Frau Oestreich hier
wirklich kritisch nähert. Vielmehr fällt die Familienfrau des
Adenauerstaates dem Oestreich'schen Verdikt anheim, viel weniger dagegen
die heroische Alleinerzieher-Mami, die den Geschlechterdschungel mit
geschwungener Machete durchkämmt, und die auf der Jagd, zu weiterem
Spermienraub entschlossen, das Vileda-Tuch um die Lenden statt um den
Kopf trägt, um nicht dem Islamismusverdacht von Alice Schwarzer zum
Opfer zu fallen.
"Die deutsche Familienpolitik war und ist Muttipolitik." schreibt Heide
Oestreich. Na eben! Von Würmelings "Karnickel-Pass" für kinderreiche
Familien bis hin zu Renate Schmidts undogmatischem Umgang mit
feministischen Lehrsätzen, alles Muttipolitik. Trotz Christine Bergmanns
bergmannhaftem Kampf gegen allgegenwärtige Männergewalt. Irgendwie
undankbar, findet ihr nicht? Aber dann lesen wir auch in seiner
Ehrlichkeit durchaus Überraschendes in diesem neuen Oestreich:
"Die Mutti war nämlich ganz froh, dass sie nicht mehr in den
merkwürdigen Männerberufen arbeiten musste, in die die letzten
Kriegsjahre sie gezwungen hatte. Jetzt konnte sie wieder ganz für uns da
sein, die Kinder. Und der Weststaat fand das auch ganz in Ordnung und
pflegte diese Ordnung mit dem Schutz von Ehe und Familie im Grundgesetz
und mit kleinen Geldgeschenken: Ehegattensplitting, Erziehungsgeld,
Kindergeld, Steuerfreibeträge wurden eingeführt, abgeschafft, wieder neu
eingeführt und erhöht."
Sind wir so ausgehungert in unserem Wunsch nach Verbrüder- und
-schwesterung? Erliegen wir einer Art genderbezogenem Stockholm-Syndrom,
wenn wir diesen Beitrag der Frau Oestreich durchaus verhalten goutieren?
Indessen ahnen wir doch schon, worauf die listenreiche Heide hinauswill:
Das Familienministerium hat perfider Weise die Familie gefördert.
Jahrzehntelang konnte da kaum eine Alleinerziehendenkultur aufkommen,
weil die vor blindem Vaterstolz blöde grinsenden Schwanzträger immer im
Wege standen:
"Nie beachteter Mittäter der Muttipolitik war und ist natürlich Vati.
Vati nimmt es auf sich, allein den Doppelverdiener zu spielen,
Deutschland aufzubauen, keine Zeit zu haben und vorzeitig einem
Herzinfarkt zu erliegen. Und er nimmt es auf sich, dass Mutti ihn
manchmal abends mit so merkwürdig leerem Blick ansieht. Ein bisschen
nörgelig ist, mehr Geld braucht und einen Schlappschwanz geheiratet
hat."
Aber falsch geraten! Frau Oestreich hat ein Einsehen und - vielleicht in
einem Anfall christlicher Barmherzigkeit oder historischen Weitblicks -
sieht uns nahen: "Väter", bekannt aus amerikanischen
Schwarzweiß-Komödien der vierziger und fünfziger Jahre sowie einzelnen
Filmen mit Heinz Rühmann, könnten eine Renaissance erleben. Weil
inzwischen augenfällig wird, dass die Rabiatessen der Emanzenbewegung
zunehmend sozialverträglich ersetzt werden durch Frauen, für die
Emanzipation kein Kampfbegriff, sondern eine Selbstverständlichkeit ist,
welchletztere ohne Männer aber gar nicht geht. Also leitet auch Frau
Oestreich den geordneten Rückzug ein. Sie weiß, dass die Reservearmeen
des Arbeitsmarktes, gleich ob mit oder ohne Unterhaltsberechtigung, bald
aufgelöst werden müssen:
"Die Muttipolitik hat ihre besten Jahre hinter sich. Man merkt es noch
nicht gleich, noch sind die Arbeitslosenzahlen zu hoch. Aber das
schrumpfende Angebot an zukünftigen Fachkräften hat weitblickende
Unternehmen jetzt schon alarmiert. Familienfreundlichkeit kommt langsam
in Mode. Die Muttis, die immer so dankbar und harmlos daher kamen, haben
es allen gezeigt: Sie haben die Arbeitskräfte derart verknappt, auf dass
sie auf dem Arbeitsmarkt unverzichtbar geworden sind. Jetzt muss die
Reservearmee ran."
Sie haben also mal wieder alles richtig gemacht, die Frauen. Sie haben
in Wirklichkeit ihre Männer gar nicht ausgebeutet, sondern systematisch
und in geradezu honnecker'schem Weitblick die Arbeitskräfte verknappt.
Auch damit die Kinder nicht in irgendwelche Tagesstätten gehen mussten,
die immer so alberne Namen hatten. Und jetzt werden sie's uns allen
zeigen, sie werden die Welt retten, und am Ende stehen sie in
schweißgestärkten Holzfällerhemden vor einem Sonnenuntergang, die
Fanfaren erklingen, alles ist getan, und sie gehen heim zu Johnny
Walker, der auch gerade erst seinen Bankschalter zugemacht hat.
"Und wenn wir noch 50 Jahre warten, dann wird sie (die Familienpolitik,
RMI) vielleicht sogar begriffen haben, dass Familien auch Vatis haben.
Glückwunsch." http://www.taz.de/pt/2003/10/23/a0128.nf/text
Welch menschliche Wendung, nur mühsam unterdrücken wir den Ausbruch
einer einsamen Zähre. Reih' dich bei uns ein, Heide, zögere nicht, und
werd' eins mit den RotenMännern!
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DAS LETZTE TABU: FRAUEN UND KARRIERE
Dann aber wieder das: Deutschland habe in Europa die wenigsten Frauen in
wirtschaftlichen Spitzenpositionen, berichtete die "taz" nur einen Tag
später, und Barbara Dribbusch kommentierte das voller Pathos auf Seite 1
als "Das letzte Verbot". Nur: Wer verbietet denn hier, und was? "Als
Gründe für den niedrigen Frauenanteil in den oberen Etagen nennen zwei
Drittel der befragten Firmen den Mangel an Kandidatinnen. (...) Dabei
ist der Wunsch nach mehr weiblichen Führungskräften überall groß..."
Stellt sich die Frage, woher dieser Mangel an Kandidatinnen rührt. Schon
merkwürdig, dass unsere deutschen Frauen offenbar weniger Ehrgeiz haben,
wenn es um Fragen wie Erwerbsarbeit und Karriere geht. Gleichwohl musste
auch hier dem pavlovschen Reflex nachgegeben und das Hohelied von der
Powerfrau angestimmt werden: "Frauen gelten ... als besonders
kommunikationsstark, zielorientiert, ausdauernd und teamfähig."
http://www.taz.de/pt/2003/10/25/a0073.nf/text Gleiches trifft
bekanntlich auch auf den Irischen Setter zu.
Und dann Frau Dribbusch. Sie rät den Mädels: "Lern was Vernünftiges,
arbeite dich eisern nach oben und werde Chefin. Diese Methode
funktioniert am besten bei Frauen in jenen westlichen Gesellschaften, in
denen hoher individueller Wettbewerbsdruck herrscht. Jobwelten also, in
denen die Konkurrenz zwischen den Menschen so stark ausgeprägt ist, dass
die Mann-Frau-Kategorien dagegen in den Hintergrund treten." Das ist
stark! Ausgerechnet eine der massivsten Verteidigerinnen der sozialen
Besitzstände (jedenfalls wenn es die der Frauen sind), entdeckt
plötzlich den Urwald-Kapitalismus amerikanischer Provenienz als Chance:
"In den USA läuft es so: Begabte Menschen, auch Frauen, setzen dort
alles daran, aus ihrem Talent den größtmöglichen beruflichen Erfolg zu
machen. Deshalb ist der Anteil von Frauen in US-Führungspositionen
vergleichsweise hoch."
Schließlich erklärt uns Frau Dribbusch jenes "letzte Verbot", das wohl
eher als letztes Tabu gemeint ist, und dessen Überwindung einen ziemlich
eklatanten Verzicht auf die Bequemlichkeiten des Unterhaltsfeminismus
der Küchenweibchen voraussetzen würde. Frau Dribbusch sieht hier
freilich immer eher finstere Mächte und unüberwindbare
Unterwerfungsideologien am Werk anstatt schlichter Träg- und Faulheit:
"'Macht' passt angeblich nicht zu ,Weiblichkeit'. Das ist das letzte,
das eigentliche Identitätsverbot, an das sich viele Frauen immer noch
halten. Wobei sie sich übrigens in vielen Ehen heimlich dafür rächen."
Ach, wirklich? http://www.taz.de/pt/2003/10/25/a0053.nf/text
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DER SEX-APPEAL DER HAUSMEISTER
Als schöner Kommentar auf Barbara Dribbusch könnte jenes kongeniale
Streiflicht der "Süddeutschen" durchgehen, das am selben Tag erschien,
und das wir kaum gekürzt dokumentieren:
In der Urzeit, als die Menschen noch Mammutfelle trugen und in Höhlen
hausten, die sie winters mit Bären teilten, war die Sache klar geregelt:
Der Mann musste, wie ein schwäbischer Dichter sehr viel später notierte,
"hinaus ins feindliche Leben", musste Wisent und Wollnashorn jagen,
während daheim "die züchtige Hausfrau" den Felsboden bohnerte und die
Knochen vom Frühstück wegräumte. (...)
Längst ist das feindliche Leben eine Domäne der Frau, sogar
Fußballweltmeister werden die jetzt, und vor den mächtigsten unter ihnen
- Angela Merkel, Sabine Christiansen - kuschen selbst Minister. Der Mann
hingegen, ach Gott! Ist schon froh, wenn er, wie jüngst Georg
Marszalkowski, in Hamburg zum "Hausmann des Jahres" gekürt wird. Leidet
an Schlaflosigkeit wie David Gest, den Liza Minelli während ihrer kurzen
Ehe angeblich verprügelt hat. Dreht durch wie jener 38-jährige Maurer
aus Saint-Etienne, der soeben zu vier Monaten auf Bewährung verurteilt
wurde. Der Mann hatte seine Frau mit vorgehaltenem Revolver zum
Hemdenbügeln gezwungen.
Es fällt auf, dass im Geschlechterkampf zunehmend der Haushalt ins
Zentrum rückt. Aus irgendwelchen Gründen fruchtet es nicht mehr, wenn
sich der Mann über die Fragen "Wer kocht, wer wäscht, wer bügelt?" mit
dem Hinweis hinwegstiehlt, das gehe ihn nichts an, er sei schließlich
für die Fragen "Was können wir wissen, was sollen wir tun, was dürfen
wir hoffen?" zuständig. Nein, er muss ran, muss zu Besen und Bügeleisen
greifen, und wenn jetzt einer sagt, das kenne er schon, das sei sein
tägliches Leben, dann darf er sich mit Brad Pitt und Robbie Williams zu
den "most sexiest men alive" zählen. Die Zeitschrift Avanti will nämlich
herausgefunden haben, dass Männer, die Hausarbeit verrichten, sexy seien
und bei Damen Lust auf Zärtlichkeit wecken - wie verwegen die auch sein
mag zwischen Lappen und Eimer.
Mit Verlaub, Kolleginnen von Avanti: Das ist doch ein Trick, das sagt
ihr doch nur, um gutwillige Männer an den Herd zu locken, damit ihre
Gattinnen Zeit haben, Fußball zu spielen oder Wollnashörner zu jagen.
Andererseits, so rätselhaft, wie Frauen sind, ist die aphrodisierende
Wirkung eines Mannes in Küchenschürze nicht ausgeschlossen. Wer bisher
mit Rosen und einer Flasche Barolo bei der Angebeteten erschien, ohne
den erhofften Erfolg zu haben, tut gut daran, es mit dem Staubsauger zu
probieren. Und was das Theater betrifft, so wäre der Fall Romeo und
Julia glaubwürdiger, wenn der junge Mann, statt am Balkon Süßholz zu
raspeln, mal ordentlich bei den Capulets durchgefegt hätte. "Das wilde
Blut, das in den Wangen flattert", seufzt Julia. Solche Leidenschaften
kann nur ein Hausmann entfachen.
http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/berufstudium/artikel/181/20161/
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Mädchenlied:
Noch ist meines Wesens Schrein
wie ein Blumenblatt gefaltet.
Gott, der mich zum Blühn gestaltet,
läßt mich heut noch Knospe sein.
Allem bin ich noch verwehrt,
das in Süße mich bedrängte.
Glut, die manchen Schmelz versengte,
ließ mein Herzstück unversehrt.
Erst der tiefsten Liebe soll
eines Nachts mein Kelch sich weiten,
und der keuschen Seligkeiten
bin ich dann zum Rande voll.
Bis in diese Stunde will
allem Glanz ich mich versagen
und gar hochgemut und still
meine eigne Herbe tragen.
Amen!
Euer RedManAlex
(28.10.03)
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liberal, wir stehen für eine soziale und ökologische Politik und kämpfen
dafür, dass diese nicht durch einen Vulgärfeminismus diskreditiert und
beeinträchtigt wird, wie er in allen relevanten linken Parteien
inzwischen starke Positionen erobert hat. Beiträge, Anregungen, Hinweise
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