Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Michael Moore "Das Ende des Mannes"

Indiana Jones, Friday, 17.10.2003, 00:40 (vor 8148 Tagen)

Hoi !

Ich hab gehört das die Männerbewegung in den USA fortgeschrittener sein soll als in Europa, aber als ich in "The Stupid White Men" das Kapitel "Das Ende des Mannes" gelesen habe scheint es mir irgendwie nicht so.

Mit Texten wie "Die Männer, sind eine aussterbende Art" oder "Wie Frauen ohne Männer überleben" "Mikes Phantasieliste weiblicher Präsidenten" als Kandidaten, mit Anhängen in Klammer, werden z. B. Cynthia McKinney (die fähigste Person im gegenwärtigen Kongreß); Ophra Winfrey (die Kamningespräche der Talkshow-Gastgeberin mit Dr. Phil wären für uns alle die Rettung) gennant und noch anderen netten Sachen; "Kaufen Sie eine Trittleiter" in dem eine HP erwähnt wird wo man solche bestellen kann, woll mit dem dem Hintergrund als Aufruf das Männer Suicid begehen sollen.

Dieses Kapitel könnte von genauso gut von den größten Männerhasserinen verfasst sein.

Ist schon ironisch für jemanden wie Michael Moore der nach den Deffizieden der Gesellschaft sucht und dabei solch faschistoides Gut einfach unhinterfagt übernimmt, da kann der Typ lange nach den Gründen von Gesellschaftlichen Problemen suchen solange er nicht den Faschistisch-Männerfeindlichen Mainstream erkannt hat.

Bye !

"Stupid white women"

Lars, Friday, 17.10.2003, 20:40 (vor 8147 Tagen) @ Indiana Jones

Als Antwort auf: Michael Moore "Das Ende des Mannes" von Indiana Jones am 16. Oktober 2003 21:40:19:

Ich finde grundsätzlich schon, daß Michael Moore einen guten Job macht, in dem er gravierende Mißstände im "Land of the Free" benennt und gekonnt satirisch verarbeitet:
- den hochgerüsteten Sicherheitsfanatismus der Middle-Class-Spießer in den Vororten (und dahinter ihr schlechts soziales Gewissen)
- die prekären Verhältnisse, in denen die Unterschicht lebt
- der Einfluß der Industrie- und Finanzlobby auf die Politik
- die reine Middleclass-bezogenheit der Wahlkämpfe (die Unterschichten kommen weder als Thema noch als Wähler vor!)
- der Hurra-Patriotismus
- die Medien-Verdummung.

Interessanter Weise dokumentiert selber er in seinen Filmen (wohl ungewollt), daß an allen diesen Mißständen längst auch Frauen beteiligt sind, und zwar nicht nur als Betroffene, sondern auch: Als verlogen drumrum-redende Pressesprecherinnen, als volksverdummende Moderatorinnen, als patriotisch scharfmachende Lehrerinnen, als antisoziale und Law&Order-erpichte Middle-class-Tussies in den Vorstädten, ja sogar auch Mitglieder in Waffenclubs! (Und gleichzeitig zeigt er auch reihenweise Männer negativ betroffene!)

Daß Moore dennoch von "Stupid white MAN" spricht, zeigt wohl, wie tief sich feministische Stereotypen ins Denken gerade auch unter Linken eingeraben haben. Die Feministinnen haben sich seit Mitte der 70er Jahre konsequent und hartnäckig bei JEDEM sozialkritischem Thema sozusagen "dazwischengequetscht" und gerufen: "Jaja, aber besonders betroffen sind dabei wiiirrrr Frrraaauen, und Schuld sind v. a. die Männer!" Das haben sie Jahre und Jahrzehnte durchgezogen und v. a. den neuhinzukommenden jungen Männern und Frauen eingeimpft.

Ironie der Geschichte: Damals in den 70ern war die Agitation der Feministinnen noch PUNKTUELL zutreffend (wegen Erziehung der Mädchen nur zur Hausfrauen&Mutter-Rolle, Frauen im Film nur als hübsches Beiwerk). Während aber die Klischees in den 70er und 80ern relativ zügig und erfolgreich abgebaut wurden, nahm der Einfluß der Feministinnen und das Gewicht ihrer Themen im linken/liberalen Spektrum aber nicht ab, sondern irrsinniger Weise zu!

Um den Bogen zu Michael Moore zurückzuschlagen: Er spricht viel von der Neigung der weißen (*) Mittelklasse zur Hysterie und Saubermann-Attitüde. Wieso ist er eigentlich nie auf die Idee gekommen, die Sexualitäts- und Männerfeindlichkeit der US-Feministinnen genau in diese Linie einzuordnen?*g*

-----

(*) = Auch die Charakterisierung der Mittelklasse als "weiß" trifft heute wohl nur noch sehr bedingt zu.

Die Amis waren schon immer prüde

Der Eman(n)ze, Saturday, 18.10.2003, 14:57 (vor 8146 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: "Stupid white women" von Lars am 17. Oktober 2003 17:40:54:

Ein Volk, das im 21.Jhd. mit Gesetzen lebt, die sexuelle Praktiken wie Oralverkehr, Analverkehr, Selbstbefriedigung u.v.m. als Verbrechen hinstellen, halte ich für unzurechnungsfähig.

Ebenso verrückt ist die Porno-Paranoia: Wo hervorragende Filme wie "Die Blechtrommel" wegen "pornographischen Inhalts" verboten werden, ist wohl der Gipfel der Prüderie erreicht. Wo man verhaftet wird, wenn man am Strand sein 3jähriges Kind nackt rumlaufen läßt, wo ein 10?jähriger Junge verhaftet wird, weil er seiner Cousine? beim Pinkeln zugeschaut hat und von einer hinter Gardinen glotzenden Nachbarin eifrig denunziert wurde (!).

Wo Mr.Bush & strohdumme hochgepushte Popstar-Püppchen (Britney Spears)höchstpersönlich "Keinen Sex vor der Ehe" predigen, wo wegen jedem Sch*** aus der Bibel zitiert wird -> wo die Leute gleichzeitig bis an die Zähne mit Schußwaffen bewaffnet sind, wo die Hälfte aller Leute in Sekten organisiert ist...

Für mich ist dieser Staat krank. Krankhaft prüde. Alle tun mir leid, die dort aufwachsen müssen.

NIE werde ich auf den Gedanken kommen, an diesem Gebilde namens USA irgendetwa vorbildhaftes zu sehen. Nicht mal im Traum.

Re: Die Amis waren schon immer prüde

Jolanda, Saturday, 18.10.2003, 15:08 (vor 8146 Tagen) @ Der Eman(n)ze

Als Antwort auf: Die Amis waren schon immer prüde von Der Eman(n)ze am 18. Oktober 2003 11:57:32:

Applaus, genauso sehe ich das auch "Handreicht".

Ich würde auch nie mehr im Leben in dieses Land reisen, nicht, wenn es zu umgehen ist.

Es grüsst dich
Jolanda

Re: Die Amis waren schon immer prüde

Manfred, Saturday, 18.10.2003, 15:15 (vor 8146 Tagen) @ Der Eman(n)ze

Als Antwort auf: Die Amis waren schon immer prüde von Der Eman(n)ze am 18. Oktober 2003 11:57:32:

Sag nie "nie"...
Die Amerikaner sind ein sehr vielfältiges Volk. So vielfältig, daß viele von ihnen auch der Einfalt huldigen. Sicher, die von dir angesprochenen Dinge sind Eigenschaften, die auch ich nicht gutheißen kann. Trotzdem ist der amerikanische Durchschnittshaushalt so wie das Tagesgeschehen dort "normaler" als man glauben mag und dem unsern sehr ähnlich.

Schöne Grüße,
Manfred

Re: Die Amis waren schon immer prüde

Der Eman(n)ze, Saturday, 18.10.2003, 15:30 (vor 8146 Tagen) @ Manfred

Als Antwort auf: Re: Die Amis waren schon immer prüde von Manfred am 18. Oktober 2003 12:15:58:

Sag nie "nie"...
Die Amerikaner sind ein sehr vielfältiges Volk. So vielfältig, daß viele von ihnen auch der Einfalt huldigen. Sicher, die von dir angesprochenen Dinge sind Eigenschaften, die auch ich nicht gutheißen kann. Trotzdem ist der amerikanische Durchschnittshaushalt so wie das Tagesgeschehen dort "normaler" als man glauben mag und dem unsern sehr ähnlich.
Schöne Grüße,
Manfred

Der Anteil der "Einfalt huldigenden" Leute muß dann aber erdrückend hoch sein.

Wo bleiben die Leute, die mit Transparenten wie

"Ja, ich habe masturbiert"
"Ja, ich hatte Oralverkehr"
"Ja, ich hatte Analverkehr"
"Ja, unsere 8- und 10jährigen Kinder machten schon mal Doktorspiele"

zu Tausenden vor den Sitz des zuständigen Gouverneurs ziehen? Oder gibt es in den gesamten USA derer nur 100? In einem Staat mit so lächerlichen Gesetzen könnte ich nicht leben!

Re: Die Amis waren schon immer prüde

Jolanda, Saturday, 18.10.2003, 15:36 (vor 8146 Tagen) @ Manfred

Als Antwort auf: Re: Die Amis waren schon immer prüde von Manfred am 18. Oktober 2003 12:15:58:

Hallo Manfred

Es ging da doch ein Friedenspreis an eine amerikanische Schriftstellerin, an eine Frau, klar, es ist sehr "in" Frauen auszuzeichnen.

Die hat gesagt, in Amerkia ist die Stimmung gegen Europa sehr aggressiv und man ist schlecht zu sprechen auf die Europäer und die Amerikaner halten auch nicht wirklich viel von den Europäern, sie meinte, sie könnte sich nicht an so eine antieurpäische Stimmung erinnern, seit sie geboren ist, dieser Präsident würde mit seiner Arroganz viel kaputt machen, was in jahrelanger Arbeit aufgebaut wurde.

Weisst du, ich habe vor 17 Jahren Amerika bereist, ich war vier Monate unterwegs, ich habe dort viele Amerikaner kennen gelernt, liebe Menschen, einfach sehr oberflächlich. Keiner wusste, wo die Schweiz ist oder Italien, sie wussten eh nichts über Europa. Ein weisser Fleck auf der Karte.

Ich bin mit einem canadischen Eishockeyspiler befreundet, Rick Laycock, er hat zu mir gesagt, in Amerkika hört die Welt ausserhalb der eigenen Staatsgrenzen auf, er hätte zwei Semester in Amerika studiert und er hätte gedacht, er spinne, als er sah, dass Canada, das an Amerika angrenzt, dass das nur ein weisser Fleick war auf der Weltkarte.

Klar gibt es auch in Amerika liebe Menschen und man kann nicht ein Volk als ganzes verurteilen.

Nur kann ich persönlich gar nichts mehr anfangen mit der Arroganz dieser Regierung und ich würde mir eher in den Hintern beissen als dieses Land zu besuchen.

Aber das sind persönliche Ansichten, ganz klar.

Es grüsst dich
Jolanda

Re: Die Amis waren schon immer prüde

Manfred, Saturday, 18.10.2003, 16:12 (vor 8146 Tagen) @ Jolanda

Als Antwort auf: Re: Die Amis waren schon immer prüde von Jolanda am 18. Oktober 2003 12:36:32:

Hallo Jolanda!

Ich teile Deine Ansichten größtenteils durchaus!
Die Nabelschau war schon immer ein Problem der Amis, bzw. der Welt mit den Amis.
Die Amis haben eine Eigenschaft die bei uns weitgehend fehlt. Es ist der Patriotismus im allgemeinen. Das hat einige positive Aspekte, gerät aber bei einem Präsidenten der dies durch pathetische Auftritte geschickt zu manipulieren weiß schnell in eine gefährliche Richtung des "Kadavergehorsam". Das nimmt gefährliche Züge nicht nur für die USA selbst an, sondern auch für ganze Welt.
Diese "wir sind die größten" Parolen, machen die USA dann sehr stark und haben sie in vielerlei Hinsicht an die Weltspitze gebracht, wenn es in eine
konstruktive Richtung geht. Es macht sie aber zu gefährlichen Idioten, wenn sie dem falschen Ideal nacheifern.

Keiner wusste, wo die Schweiz ist...

Ja die Geografieschwäche der Amis ist sprichwörtlich. Habe ich auch schon kennengelernt und sie ist in ihrer Ausgeprägtheit manchmal kaum zu ertragen.

Schöne Grüße,
Manfred

*nun.doch.mal.die.Amis.in.Schutz.nehm*

Lars, Saturday, 18.10.2003, 17:35 (vor 8146 Tagen) @ Jolanda

Als Antwort auf: Re: Die Amis waren schon immer prüde von Jolanda am 18. Oktober 2003 12:36:32:

Erstmal: Fairer Weise muß man hinzufügen, daß die allermeisten Europäer wohl außer New York, Kalifornien und Florida kaum einen der US-Bundesstaaten auf der Karte so auf Anhieb finden würden, und höchstens 10 der Präsidenten parat haben *g*

Außerdem sollten wir dazu stehen, daß wir (fast) alle in unserer Kindheit und Jugend ganz wesentlich mit "amerikanischer Populärkultur" aufgewachsen sind, und daß wir GERNE damit aufgewachsen sind. Ich meine zB:

- Rock- und Popmusik (zu 50% auch den USA)
- oder weiter ausholend den Blues und den Jazz
- die Hitchcock-FIlme
- die 80er-Jahre-Blockbuster ("Star Wars", "Indiana Jones", "Alien" ect.)
- Serien wie "Ein Colt für alle Fälle" *g*
- MTV
- Coca Cola, McDonalds, Blue jeans ect. ect.

Man sollte daher trennen zwischen Kritik an politischen und gesellschaftlichen Zuständen in den USA und allgemeinem Antiamerikanismus.

Zu bedenken ist freilich: Die auch in Europa sehr beliebten Hollywood-Filme sind gewissermaßen nur der "export-fähige" Teil der amerikanischen Kultur, sie werden seit eh und je ganz bewußt mit Blick auf den WELTmarkt (und nicht bloß das amerikanische Kinopublikum!) produziert. D. h. Hollywood steht NICHT für die Amerikanisierung der internationalen Kinolanndschaft, sondern umgekehrt für die Ausrichtung des amerikanischen Kinos an dem, was auch weltweit ankommt (die Prüderie und das ganze "Oh-Jesus!"-Gedöns kommen in Hollywood-Filmen fast nie vor!). Die Ironie: In Europa schimpfen die Intellektuellen auf Hollywood wegen "Amerikanisierung", aber in den USA gilt Hollywood in religiösen und konservativen Bevölkerungsschichten als Sündenpfuhl und schlechtes Aushängeschild für "God´s own Country"!

Re: Michael Moore "Das Ende des Mannes"

Michael Moore, Friday, 17.10.2003, 21:30 (vor 8147 Tagen) @ Indiana Jones

Als Antwort auf: Michael Moore "Das Ende des Mannes" von Indiana Jones am 16. Oktober 2003 21:40:19:

Ähm, hallo?
Jungs, das ist Ironie, schaut euch doch mal an, was er über Schwarze schreibt, oder über amerikanische Firmen, das ist genauso abwegig und verrückt, man darf davon kein Wort ernstnehmen.

Re: Michael Moore "Das Ende des Mannes"

Jörg , Saturday, 18.10.2003, 00:22 (vor 8147 Tagen) @ Michael Moore

Als Antwort auf: Re: Michael Moore "Das Ende des Mannes" von Michael Moore am 17. Oktober 2003 18:30:24:

Bitte keine Namen von real existierenden Personen faken
(unabhängig davon, ob diese hier mitlesen oder nicht). Danke.

Jörg

powered by my little forum