Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Schachmatt dem Schach

Frigg, Thursday, 16.10.2003, 00:56 (vor 8149 Tagen)

Liebe Kampfgefährtinnen,

ich möchte euch heute auf ein Thema hinweisen, welches nur bei oberflächlicher Betrachtung unbedeutend erscheint: Habt ihr euch schon Gedanken gemacht über den patriarchalischen Urspruch des Schachspiels?

Ich bin mir sicher, dass euch nach einigem Nachdenken die Haare sträuben werden, angesichts der verborgenen frauenfeindlichen Aussagen dieses Spiels!
Zwar scheint die Dame im Spiel eine äußerst wichtige Figur zu sein, doch wenn man nun denkt, mit dem Fall dieser Figur sei das Spiel beendet, so hat man weit gefehlt – der König alleine ist entscheidend.
Auch scheint der König tatsächlich typisch männlich zu sein: Schwach, kommt kaum vorwärts, muß sich ständig verstecken und ist auf Gedeih und Verderb allen anderen Figuren des Spiels ausgeliefert. Sogar der Bauer kann ihn gefährden, der eigene Bauer muß sich schützend vor ihn stellen. Nichtsdestotrotz: Fällt der schwache König, ist das Spiel vorbei!

Warum? – werdet ihr euch fragen. Warum wird nicht weitergespielt? Warum ist das Spiel nicht erst beendet, wenn die Dame fällt? Vielleicht sogar eine – durch den Tod des Königs und dem Gewinn etwaiger Witwenrente – gestärkte Dame! Vielleicht ein zusätzlicher Zug, da Ballast abgeworfen wurde! Welche zusätzlichen Spielzüge würden sich eröffnen? Wie viel freier und interessanter der Spielaufbau, wenn als zusätzliches Element eingefügt würde, den König rasch zu opfern, damit mit den anderen Figuren freier gespielt werden kann!
Warum überhaupt heißt es "Dame"? Wo ist die Königin? Gewiss, manche bezeichnen sie als „Königin“, doch eigentlich ist ihr Name „Dame“. Was soll damit ausgesagt werden? Ist sie eine Hofdame? Die Putzfrau? Eine Konkubine gar? NEIN! Wir fordern die offizielle Bezeichnung „Königin“. Mit ihrem Fall ist das Ende und der Verlust des Spieles erreicht!
Manche von euch werden nun sagen: Dies ist keine Gleichberechtigung. Gleichberechtigung wäre, wenn sowohl der Fall des Königs, als auch der Verlust der Königin des Spiel beendet. Ja, wenn sogar der König gleich stark wie die Königin wäre, also etwa in alle Richtungen soviel Felder, wie er will – oder als Kompromiss die Königin auch weniger Felder, z.B. vier. Der König dann auch nur maximal vier.
Gewiß, dies wäre Gleichberechtigung. Ihr habt ein gutes Herz, liebe Frauen, ich weiß. Doch bedenkt: War den Männern die bisherige Unterdrückung der Dame nicht gleichgültig? Berechtigt uns das nicht zum Ausgleich nun ein paar tausend Jahre die Bevorzugung der Königin zu verlangen? Vergeßt euer gutes Herz, hier ist eine Revolution gefordert, kein Reförmchen!

Doch weiter im Spiel: Der Turm. Eindeutig MÄNNLICH! Krieg symbolisiert er und damit die Unterdrückung der Weiblichkeit, die ja, wie wir alle wissen, alleinige Opfer männlicher Kriege sind. Dies erfordert den kompletten Austausch dieser Figur – dieses Phallussymbol – dieses Symbol weiblicher Unterdrückung! Ich schlage eine Figur in Form einer Gebärmutter vor: Dem Symbol weiblicher Lebensspendung! Weiblicher Frieden anstelle männlichen Krieges!
Vielleicht kämen auch andere Formen in Frage. Hier können wir gerne diskutieren. Ja – nun lacht nicht – ich habe sogar mal an einen Phallus gedacht….
Bitte setzt euch wieder und beruhigt euch. Natürlich wäre das wieder ein männliches Symbol. Aber denkt doch an die Freude, den Phallus durch die Königin oder einer anderen Figur zu Fall zu bringen! Gespielte Kastration gewissermaßen. Ich würde mit Freuden Schach spielen, diese Figur in der Hand halten und fest zu drücken und mir dabei die Schreie der Männer vorstellen, ihr gequältes Winseln…. Aber lassen wir das jetzt.

Der Springer, DER Springer. Rein männlich! Aber hier lassen wir Güte walten. Wir fordern nur einen weiblichen Springer, eventuell Dame genannt. Ein männlicher kann bleiben.

Der Läufer, DER Läufer (oder gar Bischoff, wie ihn einige nennen. Also das Symbol von Hexenverbrennung und weiblicher Unterdrückung in der Kirche, pfui Deibl!). Auch hier fordern wir eine männliche und eine weibliche Figur – vielleicht Priesterin genannt, oder Druidin, Mondgöttin gar – ach, was gibt es für herr(frau)liche, friedliche Bezeichnungen für weibliche Figuren!

Nun zu den Bauern: Vier weibliche, vier männliche. Diese sind genau zu kennzeichnen und unterscheidbar zu gestalten. Man könnte hier sogar daran denken, etwas Alltagsleben in diesen Figuren auszudrücken: Nur die weiblichen dürfen bei der Eröffnung zwei Felder gehen – als Symbol für den Girls-day, der unseren Mädchen einen besseren Start ins Leben geben soll. Die männlichen sollten nach dem Eröffnungsspiel einmal aussetzen, als Symbol für den Kriegsdienst, den diese männlichen Gewaltmenschen mit solcher Freude verrichten (ja, ja, töten lernen, das wollen sie!). Hier sollten wir diskutieren, auch die anderen Figuren betreffend, ob sich hier noch mehr Alltag mit dem Spiel ausdrücken lässt. (eine Figur mehr, als „Gleichstellungsbeauftragte“ auf weiblicher Seite vielleicht? Männliche Figuren müssen bei langen Spielen ausscheiden, weil mit ihnen ja – aufgrund ihrer schwächlichen Natur – früher „Schluss“ ist?)

Allzu kompliziert sollten wir das aber nicht gestalten. Denkt daran, dass auch Männer spielen wollen, und über die Beschaffenheit derer Gehirne brauche ich euch ja nichts zu erzählen. Also liebe Kampfgenossinnen: Jede schreibe an ihre Abgeordnete, wendet euch an die Frauenbea… Gleichstellungsbeauftragte, diskutiert es in euren Frauenkreisen, im Kochkurs, in der Babygruppe, beim Beckenbodentraining usw. Und vor allem: Setzt eure Männer (soweit vorhanden) unter Druck. Verweigert den Beischlaf, bis ihr seine Unterstützung habt. Nehmt ihm den Hausschlüssel ab, lasst ihn draußen stehen, wenn er vom Töpferkurs oder vom Geburtsvorbereitungsseminar oder vom Wickelkurs kommt. Lasst ihn erst rein, wenn er seine Unterstützung versprochen hat.
Die Geschiedenen sollen mehr Unterhalt fordern – oder zumindest damit drohen. Meldet die Kinder krank, wenn sie zum Vater sollen, öffnet ihm nicht, wenn er sie abholen will. Erst muss er einlenken und unser Ansinnen bedingungslos unterstützen!

Kriegerinnen! Auf in den Kampf!

Frigg – die Führerin und Göttin

*weglach* - Und was machen wir mit dem "Dame"-Spiel? (nt) (n/t)

Andreas (der andere), Thursday, 16.10.2003, 01:45 (vor 8148 Tagen) @ Frigg

Als Antwort auf: Schachmatt dem Schach von Frigg am 15. Oktober 2003 21:56:30:

Das"Dame"-Spiel" wird ab jetzt maskuliert 50:50 bitte

MeckMax, Thursday, 16.10.2003, 02:57 (vor 8148 Tagen) @ Andreas (der andere)

Als Antwort auf: *weglach* - Und was machen wir mit dem "Dame"-Spiel? (nt) (n/t) von Andreas (der andere) am 15. Oktober 2003 22:45:41:

Ja meine Herren, das Dame-Spiel erfordert es gradezu, maskuliert zu werden.
Fehlte schließlich auch noch, das hier den Weibern in bester Manier der spielerische Hof gemacht wird.

Mal schauen:

Man braucht also zwölf Spielfiguren pro Spieler/in. Da bietet es sich ja gradezu an, diese zunächst geschlechtlich zu kennzeichnen. Ähm, die weiblichen können ja z.B. zwei zusätzliche Wülste an der Aussenkannte bekommen, damit dann "der Dame" auch alle Möglichkeiten offen bleiben. Oder eine Vertiefung in der Mitte der Steine, während die männlichen dann die dort hinein passende Spitze bekommen. Das ganze soll ja spielbar bleiben.

Die Aufstellung:

Hier äussert sich dann ganz natürlich der weibliche Instinkt. Diese Steine müssen unbedingt in den Vordergrund, also in die erste Reihe platziert werden. Ihnen gebührt der erste Zug.... und dem entsprechend auch der erste Abschuss.
Die männlich markierten Steine besetzen die hinteren Reihen, um Deckung und letztlich dann dem Spiel DIE entscheidende Wend geben zu können. Das gebührt ihnen voll und ganz.

Die Dame:

Diese muss, natürlich voll gleichberechtigt und spielbedingt, immer aus einem männlichen und einem weiblichen Stein bestehen. Wer oben oder unten ist, spielt keine Rolle dabei. Hauptsache man kann erkennen, welche dem/der Gegener/in gehört. Das ergibt sich aus dem entsprechenden, erkennbaren Wechsel der Steine.

Das Spiel:

Zwingend notwendig ist, das die ersten vorpreschen. Folglich dürfen hier die weiblichen Steine Courage zeigen und den ersten Schlag gegen den Gegner vorbereiten, bzw. ausführen. Diese schlagen sich zunächst natürlich selbst. Es sei denn, die männlichen kommen ihnen aus der Nachhut zu Hilfe (im Zweifel laut um Hilfe rufen).
Aber Achtung: Hat ein Spieler sämtliche Steine einer Geschlechtsmarkierung verloren, muss er bei dem Spielgegener ein Gnadengesuch einreichen, um eventuell die ihm verbliebenen, gleichberechtigt eintauschen zu können. Nur so ist es möglich, das Spiel zum Ende zu führen. Wird dieser eklatant wichtige Punkt vergessen, so ist die Bildung der entscheidenden Dame unmöglich und er hat das Spiel verloren.Denn nur die weitestgehende gleichberechtigte Kombination der Steine auf dem Spielfeld berechtigt, eine HerrenDame überhaupt bilden zu können. Sonst bekommt man als Spieler wieder die Benachteiligungskeule zu spühren und muss das Feld räumen. Das bedeutet weiter den vollkommenen Verlust auf das natürliche Anrecht der Möglichkeit, zu gewinnen.
Ohne Gleichberechtigung geht eben nix mehr heute.

Gut Holz (oder Plastik eben) beim Dame Spiel.

Ach, fast hätte ich es vergessen. Natürlich ist der Name des Spiels reiner Sexissmus. Ich bin dafür, einen anderen Namen zu wählen, damit die Gleichberechtigung direkt erkennbar ist im alten Spiel.

HerrenDame vielleicht, oder gar MaskuWeib statt der öden Behauptung "Dame".

Bessere Vorschläge sind natürlich jeder Zeit willkommen und müssen gebürend eingearbeitet werden.

spielerischer Gruß vom

MeckMax

Brett vorm Kopf?

Dürüp, Thursday, 16.10.2003, 02:03 (vor 8148 Tagen) @ Frigg

Als Antwort auf: Schachmatt dem Schach von Frigg am 15. Oktober 2003 21:56:30:

was soll der Unsinn?
hast du schon gemerkt, daß im Englischen die Dame
Queen heißt, also ...
und wo siehst du da irgendwie was Geschlechtliches an den
Spielfiguren? die Dame ist nur eine Spielfigur, der König
genauso
das Wesentliche am Schachspiel ist nicht die
"Rollenverteilung" sondern, daß man es spielt!

du bist am Zug

Öh - Du hast schon gemerkt, daß das ironisch gemeint war?!? ;-) (n/t)

Andreas (der andere), Thursday, 16.10.2003, 02:19 (vor 8148 Tagen) @ Dürüp

Als Antwort auf: Brett vorm Kopf? von Dürüp am 15. Oktober 2003 23:03:59:

Re: Schachmatt dem Schach

reinecke, Thursday, 16.10.2003, 12:42 (vor 8148 Tagen) @ Frigg

Als Antwort auf: Schachmatt dem Schach von Frigg am 15. Oktober 2003 21:56:30:

Halt! Die Dame darf nicht geschlagen werden. Ich plaediere fuer
ein Frauenhaus beim Schachspiel!

Re: Schachmatt dem Schach

Jörg, Thursday, 16.10.2003, 15:14 (vor 8148 Tagen) @ reinecke

Als Antwort auf: Re: Schachmatt dem Schach von reinecke am 16. Oktober 2003 09:42:54:

Halt! Die Dame darf nicht geschlagen werden. Ich plaediere fuer
ein Frauenhaus beim Schachspiel!

Das ist eine gute Idee! Übrigens: Wie ich heute noch im Radio gehört habe,
ist das Frauenhaus für Frauen angeblich der einzige Zufluchtsort (es wird
also unverschämterweise immer noch so getan, als wenn es das Gewaltschutz-
gesetz gar nicht gäbe, das bekanntlich jeder Frau problemlos den schnellen
Rausschmiß ihres Mannes/Partners aus der gemeinsamen Wohnung ermöglicht).

Jörg

Re: Schachmatt dem Schach

reinecke54, Thursday, 16.10.2003, 17:46 (vor 8148 Tagen) @ Jörg

Als Antwort auf: Re: Schachmatt dem Schach von Jörg am 16. Oktober 2003 12:14:05:

Richtig! Wer die Dame schlaegt, dessen Koenig fliegt
vom Schachbrett (Gewaltschutz)!

Re: Schachmatt dem Schach

Springer F6, Thursday, 16.10.2003, 20:57 (vor 8148 Tagen) @ reinecke54

Als Antwort auf: Re: Schachmatt dem Schach von reinecke54 am 16. Oktober 2003 14:46:16:

Und die Rochade wird per Gesetz verboten: Soll nicht denken, daß er sich vor der Verantwortung drücken kann! ;-)

Re: Schachmatt dem Schach

Guestwriter, Thursday, 16.10.2003, 17:05 (vor 8148 Tagen) @ reinecke

Als Antwort auf: Re: Schachmatt dem Schach von reinecke am 16. Oktober 2003 09:42:54:

Halt! Die Dame darf nicht geschlagen werden. Ich plaediere fuer
ein Frauenhaus beim Schachspiel!

Ja! Und weibliche Figuren dürfen gar nicht erst von Männerhand bewegt geschweige denn aufs Spielfeld gestellt werden. Das ist sexuelle Belästigung! Andersherum gilt das natürlich nicht!

Re: Schachmatt dem Schach

Bruno, Thursday, 16.10.2003, 16:09 (vor 8148 Tagen) @ Frigg

Als Antwort auf: Schachmatt dem Schach von Frigg am 15. Oktober 2003 21:56:30:

Hallo Frigg,

einfach klasse! Klasse und genial!

Einige Verbesserungen hätte ich noch um das Spiel dem allgemeinen Zeigeist anzupassen:

1. Die weiblichen Firguren dürfen auf keinen Fall von männlichen Figuren geschlagen werden, umgekehrt natürlich schon.

2. Männliche und weibliche Figuren dürfen nicht direkt nebeneinander zu stehen kommen, um sexuelle Belästigung zu vermeiden.

3. Entsprechend den Errungenschaften der Quotenfrauenpartei muss nach jedem Zug einer männlichen Figur unbedingt ein Zug mit einer weiblichen Figur stattfinden. Umgekehrt natürlich nicht, sonst wäre es ja keine Gleichberechtigung.

4. Wenn eine weibliche Figur geschlagen wurde, muss auch eine männliche Figur entfernt werden, um die Quote zu gewährleisten. Umgekehrt natürlich nicht. Ich sagte ja: Gleichberechtigung!

5. Eine Spielerin darf beim Zuge eines männlichen Gegners ein Frauenveto einlegen. Umgekehrt gilt das natürlich nicht, wegen der Gleichberechtigung.

6. Als Vorschlag für den Ersatz der Türme würde ich kleine Häuschen nehmen, die man dann als „Frauenministerien“ bezeichnet und an den Ecken dem Spiel quasi den Rahmen geben.

7. Das Spiel wird nicht mit „Schach matt“ beendet, sondern mit den Worten „Schwanz ab“

Ich denke mit diesen Maßnahmen müsste es zu schaffen sein, das Schachspiel völlig geschlechtergerecht zu konzipieren.

Gruß

Bruno

P.S. Gleichberechtigung ist etwas Tolles. Schade, dass sie nur für Frauen gilt.

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