Roland Koch und die Weltmeisterinnen
Wie nicht anders zu erwarten war, ist der WM-Titel für unsere Fußballfrauen wieder einmal Anlass für jede Menge peinliche Lobhudeleien auf das weibliche Geschlecht. Motto: "unsere Mädels sind Weltmeisterinnen geworden, die Kerle - Rumpelfüßler - dagegen bloß Vize. Womit wieder mal bewiesen ist, dass Frauen ..." usw.
Den Vogel schießt Roland Koch, hessischer Ministerpräsident, ab, der dafür plädiert, Frauen in der Männer-Bundesliga mitspielen zu lassen. "Dadurch würde der Fußball 'spielerischer und fairer'. Auch der FDP- Fraktionschef Kubicki ist sich sicher, dass sich durch eine solche Maßnahme 'die Attraktivität des Spieles' steigen würde." Vielleicht meint er ja auch nur den Trikottausch, wer weiß.
Jedenfalls weiß jeder, der sich mit Fußball ein bißchen auskennt, dass solche Vorschläge totaler Blödsinn sind. Die Leistungsdichte und das Leistungsniveau sind beim Frauensport (gilt auch für Tennis, Golf und viele andere Sportarten) einfach nicht so hoch wie bei den Männern. Würde tatsächlich z.B. die beste Frauenfußballmannschaft in der Männer-Bundesliga mitspielen dürfen, wäre der Rekord von Tasmania Berlin wahrscheinlich ernsthaft in Gefahr (wir erinnern uns: 8 Punkte und 28 Niederlagen in 34 Spielen, 15:108 Tore)...
Aber nein, natürlich nicht! Denn wir können sicher sein, dass die Frauenmannschaft 30 Punkte Vorsprung bekäme oder per Dekret als unabsteigbar erklärt würde. Gelänge es ihr tatsächlich einmal ein Spiel gegen eine Männermannschaft zu gewinnen, und sei es gegen den 1.FC Köln, wäre das Geschrei ähnlich schrill wie jetzt nach dem WM-Titel. Dann würde sich auch wahrscheinlich keiner daran stoßen, dass die Kölner nur mit acht Leuten gespielt haben oder mit Bleiwesten...
http://www.stern.de/sport-motor/fussball/?id=514368&nv=cp_L2_rt
Re: Roland Koch und die Weltmeisterinnen
Als Antwort auf: Roland Koch und die Weltmeisterinnen von Frank am 15. Oktober 2003 19:36:23:
Soweit ich mich erinnere, haben die Frauen gegen Frauen gewonnen und die Männer gegen Männer verloren. Aber so weit zu denken ist nicht mehr gefragt heutzutage...
Re: Roland Koch und die Weltmeisterinnen
Als Antwort auf: Re: Roland Koch und die Weltmeisterinnen von Martin am 16. Oktober 2003 09:39:59:
Soweit ich mich erinnere, haben die Frauen gegen Frauen gewonnen und die Männer gegen Männer verloren. Aber so weit zu denken ist nicht mehr gefragt heutzutage...
Richtig. Der Schwachsinn regiert allenthalben.
Re: Roland Koch und die Weltmeisterinnen
Als Antwort auf: Roland Koch und die Weltmeisterinnen von Frank am 15. Oktober 2003 19:36:23:
Ich könnte nicht mal einem Trikottausch besonders erwartungsvoll entgegensehen. Die Erotik Ausstrahlung wäre wohl die gleiche, wie die einer Boxerin nach dem 7. Niederschlag.
Aber im Ernst! Was mich wurmt ist eigentlich, daß ich diese unterträglichen Allüren einiger Weiber gepaart mit den mindestens ebenso ekelhaften Schleimabsonderungen vieler Politiker, dem Sport an sich kontraproduktiv sind. Auch dem Frauensport an sich.
Ich war nie ein "klassischer" Fußballfan, auch nicht bei den Männern.
Im Gegensatz zu anderen Sportarten, bei denen mich (rein subjektiv) die reine Ausführung des Sportes -die Aktion als solche- besticht, konnte ich den Fußballereignissen nur dann etwas abgewinnen, wenn ich von der Begeisterung der Massen mitangesteckt wurde.
Klar, daß diese Massenbegeisterung beim Frauenfußball erst wachsen mußte.
Genauso klar, daß Frauen an körperlicher Sportlichkeit im Schnitt den Männern unterlegen sind.
Zwei schwere Hürden, die aber -und das sah ich eigentlich mit Freude- vom Frauenfußball allmählich gemeistert wurden. Die Technik der Frauen wurde ansehnlicher, der Sport attraktiver. Gleichzeitig lächelt man nicht mehr über den Frauenfußball, sondern er etabliert sich immer mehr. Er begann sich mühevoll, aber "redlich zu emanzipieren".
Tja, und genau das scheint eben nicht wirklich gewünscht zu sein. Es muß im Hauruckverfahren passieren. Das verlogenene "genial" ist mehr wert als das ehrliche "sehr gut". Keine Minute ist eine gute Minute wenn nicht "Männerbastionen gestürmt" werden. Götter haben sich nichts zu erarbeiten, sie nehmen es einfach!
Die gewonnene WM im Frauenfußball sollte eigentlich sportlich zu wertvoll sein, als daß man sie auf dem Altar des Sexismus opfert.
Sogar meine Azubis und Wertkstudenten freuen sich, wenn sie seine gute Zensur oder andere Erfolge vorweisen können. Nein - sie treten mir nicht gleich vor lauter Arroganz gegen das Schienbein. Aber sie sind auch männlich und keine Politiker. Frauen und Politiker! Ich will nicht glauben, daß es daran liegen kann; zwingt mich also nicht dazu.
Schöne Grüße,
Manfred
Re: Roland Koch und die Weltmeisterinnen
Als Antwort auf: Roland Koch und die Weltmeisterinnen von Frank am 15. Oktober 2003 19:36:23:
Hallo,
bei allem Respekt für die Leistung der Frauen-Nationalmannschaft.
Aber die Aussagen dieser Heeren hat so viel Substanz wie die sportliche Widerstandsfähigkeit einer Frauenmannschaft in der (Männer-)Bundesliga.
Das waren wieder mal nichts anderes als Beiträge aus der Reihe: "Keiner fragt, Politiker antworten".
Und wieviel Anhnung Politiker von Sport haben, zeigt sich regelmäßig, wenn sie in Vereinen Verantwortung übernehmen (Erich Riedl bei 1860 München, Zuber beim 1. FC Kaiserslautern, etc)...
Gruß
Collantix
Re: Roland Koch und die Weltmeisterinnen
Als Antwort auf: Re: Roland Koch und die Weltmeisterinnen von Collantix am 16. Oktober 2003 12:14:12:
Oder ganz aktuell:
Gerhard Glogowski bei Eintracht Braunschweig...
Gruß
tervara