Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Brief an Edeka

reinecke54, Wednesday, 01.10.2003, 15:34 (vor 8163 Tagen)

Hallo Alle,

ich bin ja eines der aelteren Semester und auch noch in einem
fast frauenfreien Berufsfeld. Daher war mir bisher die heutige
Diskriminierung von Maennern kaum bewusst. Daher mein folgender
Brief an Edeka Suedwest.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige "Ausbildung zum/zur Diplom-Betriebswirt/in an der Berufsakademie" in Ihrer Zeitschrift gelesen. Es ist erfreulich, wenn Betriebe ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen, obwohl die Zeiten fuer den Einzelhandel wahrlich nicht einfach sind.

Der letzte Satz Ihrer Anzeige hat mich jedoch erschuettert. Dort heisst es:

Maennliche Bewerber sollten bereits ihren Wehrdienst bzw Zivildienst absolviert haben oder davon befreit sein.

Muss man hierin nicht eine grundgesetzwidrige Diskriminierung von Maennern sehen? Im Artikel 3 Abs 2 heisst es:

Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

Sicher, dieser Artikel wird schon von der Wehrpflicht durchloechert und "in seinem Wesensgehalt angetastet", obwohl es in Artikel 19 Abs. 2 heisst: Auf keinen Fall darf ein Artikel in seinem Wesensgehalt angetastet werden. Jedoch verstoesst eine Diskriminierung von Maennern in der Arbeitswelt auch gegen EU-Recht.

Wenn es um Benachteiligungen von Maennern geht, werden Klagen meist von unserer Justiz abgebuegelt. Daher moechte ich an Ihre gesellschaftliche Verantwortung appellieren.

Ich darf Ihnen hier einmal aktuelle Arbeitslosenzahlen der Bundesanstalt fuer Arbeit nennen. Saisonbereinigte Arbeitslosigkeit bei Personen unter 25 Jahren im August 2003:

Maenner: 11.9%
Frauen: 8.3%

In absoluten Zahlen ausgedrueckt heisst das, dass fast doppelt so viele Maenner wie Frauen in dieser Altersklasse arbeitslos sind. Ein wesentlicher Grund ist, dass junge Maenner, die ihren Wehr/Zivildienst noch nicht abgeleistet haben, oft als Bewerber abgelehnt werden. Frauen dagegen duerfen nicht gefragt werden, ob sie schwanger sind.
Ausbildung und Beruf sind fuer Maenner aber in unserer Gesellschaft ungleich wichtiger als fuer Frauen, weil der Mann als Ernaehrer der Familie noch immer in den Koepfen vor allem der Frauen ist. Unser Unterhaltsunrecht reduziert Maenner nach der Scheidung voellig auf die des Ernaehrers (Zahlvater).

Ich bitte Sie daher: beenden Sie die Diskriminierung von Maennern!
Ich bitte Sie: geben Sie auch unseren jungen Maennern eine Chance!

Mit freundlichen Gruessen,

Re: Brief an Edeka

Odin, Wednesday, 01.10.2003, 16:20 (vor 8163 Tagen) @ reinecke54

Als Antwort auf: Brief an Edeka von reinecke54 am 01. Oktober 2003 12:34:18:

ich bin ja eines der aelteren Semester und auch noch in einem
fast frauenfreien Berufsfeld. Daher war mir bisher die heutige
Diskriminierung von Maennern kaum bewusst. Daher mein folgender
Brief an Edeka Suedwest.

Willkommen im Club :-)
Freut mich insbesondere, daß Du auch gleich aktiv wirst. Der Brief ist super und die Tropfen, die den Stein höhlen werden langsam zum Wasserfall.

Re: Brief an Edeka

Joachim, Wednesday, 01.10.2003, 18:17 (vor 8163 Tagen) @ reinecke54

Als Antwort auf: Brief an Edeka von reinecke54 am 01. Oktober 2003 12:34:18:

Hallo Alle,
ich bin ja eines der aelteren Semester und auch noch in einem
fast frauenfreien Berufsfeld. Daher war mir bisher die heutige
Diskriminierung von Maennern kaum bewusst. Daher mein folgender
Brief an Edeka Suedwest.
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige "Ausbildung zum/zur Diplom-Betriebswirt/in an der Berufsakademie" in Ihrer Zeitschrift gelesen. Es ist erfreulich, wenn Betriebe ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen, obwohl die Zeiten fuer den Einzelhandel wahrlich nicht einfach sind.
Der letzte Satz Ihrer Anzeige hat mich jedoch erschuettert. Dort heisst es:
Maennliche Bewerber sollten bereits ihren Wehrdienst bzw Zivildienst absolviert haben oder davon befreit sein.

was wären die Konsequenzen, wenn die Anzeige so aussehen würde "Weibliche Bewerberinnen sollten bereits ihr Kind ausgetragen haben und davon befreit sein"! Es ist im Prinzip genau das gleiche, wie es mit Männer gemacht wird?

Mir kommt nur noch Kopfschütteln über das dämliche männerfeindliche, diskriminierende Deutschland!

meint Joachim

Antwort von Edeka kam prompt

reinecke54, Wednesday, 01.10.2003, 19:47 (vor 8163 Tagen) @ reinecke54

Als Antwort auf: Brief an Edeka von reinecke54 am 01. Oktober 2003 12:34:18:

vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir werden diesen in Zukunft bei der
Gestaltung unserer Anzeigen berücksichtigen.

Zu Ihrer weiteren Information: Wir haben bisher zukünftige Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen nach berufseignungsdiagnostischen Kriterien ausgewählt und
werden dies auch weiterhin tun. Bewerber, welche uns als geeignet
erscheinen, jedoch noch Wehr- oder Zivildienst ableisten müssen, werden
selbstverständlich bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen berücksichtigt.
Wir sind uns auch in diesem Bereich unserer gesellschaftlichen
Verpflichtung bewußt.

Re: Antwort von Edeka kam prompt

Jörg, Wednesday, 01.10.2003, 20:21 (vor 8163 Tagen) @ reinecke54

Als Antwort auf: Antwort von Edeka kam prompt von reinecke54 am 01. Oktober 2003 16:47:56:

Hallo reinecke54,

meine Gratulation zu diesem Erfolg!

Manche Briefe von Männerrechtlern, die hier veröffentlicht wurden, fielen
zum Teil sehr polemisch aus, so daß man schon von vornherein damit rechnen
mußte, daß sie beim Adressaten sofort auf Ablehnung stoßen.

Dein Schreiben hat sich jedoch wohltuend davon abgehoben und - wie man
sieht - auch zum Erfolg geführt.

Gruß, Jörg

Re: Brief an Edeka

Sven74, Wednesday, 01.10.2003, 20:33 (vor 8163 Tagen) @ reinecke54

Als Antwort auf: Brief an Edeka von reinecke54 am 01. Oktober 2003 12:34:18:

Maennliche Bewerber sollten bereits ihren Wehrdienst bzw Zivildienst absolviert haben oder davon befreit sein.

Hallo!

Als ich mich vor gut 10 Jahren um einen Ausbildungplatz beworben hatte, erhielt ich nach einem sehr gut verlaufenen Vorstellungsgespräch eine telefonische Absage mit etwa folgendem Wortlaut:

"Leider haben wir uns für einen anderen Bewerber entscheiden müssen, da dieser bereits seinen Grundwehrdienst abgeleistet hat und wir unsere Auszubildenden gleich nach der Ausbildung voll einsetzen wollen."

Ich war zwar ausgemustert worden, hatte dies aber leider nicht extra im Bewerbungsschreiben und im Vorstellungsgespräch erwähnt.

PS: Glücklicherweise hat MEINEN Ausbildungsplatz wenigstens ein männlicher Bewerber erhalten und nicht eine priviligierte junge Frau.

Sven/4

Re: Brief an Edeka

Emmalein, Thursday, 12.02.2004, 13:42 (vor 8029 Tagen) @ reinecke54

Als Antwort auf: Brief an Edeka von reinecke54 am 01. Oktober 2003 12:34:18:

Diese Art von Benachteiligung ist NICHTS im Vergleich zu der, die Expatriate da geäussert hat. Denn Männer werden ja noch EIGESTELLT. Sie müssen nur ihren Zivildienst oder Wehrdienst ABSOLVIERT haben.

Frauen hingegen werden bei Expatriate GAR NICHT ERST EINGESTELLT. Denn es besteht ja DIE MÖGLICHKEIT, dass sie schwanger werden. Und das bis zu einem sehr hohen Alter. Leider.

Ich habe leider keine Zahlen vorliegen, aber ich bin mir sicher, dass diese Einstellungspraxs von Expatriate KEIN Einzelfall, sondern eher ein REGELFALL ist. Leider. Und das in vielen Teilen der Welt. Ich weiss nicht genau, wie das in Deutschland ist. Aber die Einzigen Organisationen, die so etwas vielleicht festhalten, sind Frauenrechtsorganisationen, und wenn ich mit Quellen von denen komme, heisst es wieder, die sind gefälscht. Deswegen lass ich das lieber ganz ;-).

Es grüsst
das Emmalein

Re: Brief an Edeka

Sam, Thursday, 12.02.2004, 14:12 (vor 8029 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: Brief an Edeka von Emmalein am 12. Februar 2004 11:42:49:

Denn es besteht ja DIE MÖGLICHKEIT, dass sie schwanger werden. Und das bis zu einem sehr hohen Alter.

Das wird wohl häufig überschätzt. Siehe etwa: http://www.zeit.de/2004/08/biologische_Uhr

Sam

Re: Brief an Edeka

Garfield, Thursday, 12.02.2004, 14:13 (vor 8029 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: Brief an Edeka von Emmalein am 12. Februar 2004 11:42:49:

Hallo Emmalein!

"Ich habe leider keine Zahlen vorliegen, aber ich bin mir sicher, dass diese Einstellungspraxs von Expatriate KEIN Einzelfall, sondern eher ein REGELFALL ist."

Bezogen auf kleine und mittlere Unternehmen mag das stimmen. Die stellen aber eben auch keine jungen Männer ein, die ihren Wehr- oder Zivildienst noch nicht abgeleistet haben.

Große Unternehmen sind da aber häufig vorsichtiger. Die wollen sich kein schlechtes Image leisten und deshalb wird man dort nur selten Bewerberinnen nach einer geplanten Schwangerschaft fragen oder gar junge Frauen gar nicht erst einstellen.

Junge Männer, die ihren Wehr- oder Zivildienst noch nicht abgeleistet haben, werden dort aber genauso wenig eingestellt. Denn es gilt nicht als "politisch/sexuell unkorrekt", Männer aus geschlechtsspezifischen Gründen nicht einzustellen. Ämter und der öffentliche Dienst praktizieren das ja auch tagtäglich ganz ungeniert, wobei es dann Männer jeden Alters treffen kann.

Einen Unterschied gibt es dann noch: Jemand, der eine Bewerberin nach einer geplanten Schwangerschaft fragt, gilt nicht nur als "politisch/sexuell unkorrekt", sondern er ist noch nicht einmal berechtigt, eine ehrliche Antwort zu verlangen. Laut Gesetz kann eine Frau diese Frage nämlich auch dann mit "nein" beantworten, wenn sie bereits schwanger ist und das auch weiß. Einzige Ausnahme: Die angestrebte Tätigkeit birgt irgendein Gefährdungspotenzial für das ungeborene Kind. Nur dann ist eine Bewerberin verpflichtet, beim Vorstellungsgespräch anzugeben, daß sie schwanger ist.

Männliche Bewerber dagegen sind verpflichtet, die Frage nach Wehr- oder Zivildienst in jedem Fall ehrlich zu beantworten.

Es hat schon seine Gründe, daß junge Männer von Arbeitslosigkeit stärker betroffen sind als junge Frauen. Die Wehrpflicht ist definitiv einer dieser Gründe, und ganz offensichtlich behindert sie junge Männer weitaus mehr als die Möglichkeit einer Schwangerschaft junge Frauen behindert. Aber gerade der Start ins Berufsleben ist für die spätere Karriere ungemein wichtig.

Freundliche Grüße
von Garfield


Man muss früher ansetzen

Emmalein, Thursday, 12.02.2004, 14:22 (vor 8029 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Brief an Edeka von Garfield am 12. Februar 2004 12:13:13:

Hi, Garfield,

Du setzt viel zu spät an mit Deiner Benachteiligungsproblematik. Denn wenn wir nun mal davon ausgehen, dass manche Unternehmer nun mal NICHT nach dem Geschlecht entscheiden, sondern nach der QUALIFIKATION, dann haben Menschen mit Abitur mehr Chancen auf eine Lehrstelle als Menschen ohne Abitur. KOmmst Du noch mit?

Momentan ist da das Verhältnis unausgewogen: Mehr Mädels schaffen das Abi als Jungs. Dazu gab es glaub ich sogar was in der letzten Roten Männer Info (der Quelle werdet Ihr aber doch glauben, oder?;-))

Und mehr Jungs kommen auf die Hauptschule, mit dessen Zeugnis es sehr schwer ist, eine Lehrstelle zu ergattern, als Mädels.

Sie haben also schon beim Start da Nachteile.

Man muss also dort ansetzen. Warum schaffen Jungs nicht das Gymnasium? Warum sind sie in der Grundschule schlechter als die Mädchen? Warum gehen so viele von ihnen auch ohne Schulabschluss ab?

Die Antwort kenne ich nicht.

Ich wüsste sie aber gerne.

Es grüsst unwissend
das Emmalein

Re: Man muss früher ansetzen

Garfield, Thursday, 12.02.2004, 15:34 (vor 8029 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Man muss früher ansetzen von Emmalein am 12. Februar 2004 12:22:25:

Hallo Emmalein!

Genau das kommt dann nämlich auch noch dazu. Deshalb schrieb ich ja an anderer Stelle auch, daß die Tatsache, daß Männer am Arbeitsmarkt zunehmend den Kürzeren ziehen, mehrere Gründe hat und daß die Wehrpflicht nur einer davon ist.

Im Rote-Männer-Info wurde - wenn ich mich recht erinnere - auch über die Gründe geschrieben, wieso Jungen in der Schule zunehmend schlecht abschneiden. Viele Leute führen das darauf zurück, daß es heute an den Schulen überwiegend weibliches Lehrpersonal gibt und daß überhaupt der Unterricht immer mehr auf Bedürfnisse und Talente der Mädchen abgestimmt wird, während man die Bedürfnisse und Talente der Jungen weitgehend ignoriert.

Das alles trägt sicher auch dazu bei, aber ich sehe da noch einen anderen Faktor, der mit Feminismus und Frauen gar nichts zu tun hat.

In meiner Schulzeit hab ich es immer so erlebt, daß die Schüler, die in Naturwissenschaften und Mathematik besonders gut waren, fast ausnahmslos Jungen waren. Und oft waren das Jungen, die eigentlich gar nicht besonders fleißig waren und auch gar nicht viel für diese Fächer taten. Mädchen dagegen lagen meist in Sprach-Fächern vorn, und ansonsten überall da, wo es vor allem auf Fleiß ankam. Wenn es darum ging, Gedichte auswendig zu lernen und gut vorzutragen, schnitten die Mädchen definitiv besser ab. Wenn es jedoch darum ging, komplizierte mathematische Aufgaben zu lösen, dann lagen die Jungen deutlich vorn, und zwar ganz besonders dann, wenn es sich um verwirrend formulierte Textaufgaben handelte und wenn es keinen festen Rechenweg gab, um das Problem zu lösen. Wenn man also improvisieren mußte und nicht auf fleißig Erlerntes zurück greifen konnte. Da waren die Mädels meist absolut ratlos.

Ich stand in meiner Schulzeit in Mathe auch meist 1,0. Vor allem später in der Abi-Zeit. Je höher das Niveau wurde, umso besser wurden meine Zensuren in Mathe. In Physik stand ich meist so etwa 1,3, weil man da nicht alles mit Mathematik lösen kann, sondern manches auch einfach lernen muß.

Es machte mir einfach Spaß, komplizierte mathematische Aufgaben zu lösen. Irgendwelche mathematischen Theorien und Lehrsätze haben mich nie interessiert. Das hab ich so nebenbei beim Rechnen gelernt.

Ich bin nun aber in der DDR aufgewachsen, wo es nicht die heutigen Probleme mit Lehrermangel gab. Die Klassen waren relativ klein, der Unterricht lief durchgehend von etwa 8 bis 14 Uhr, und am Nachmittag hatten die Lehrer Zeit, um Klassenarbeiten zu kontrollieren usw. So konnten sich die Lehrer genügend Zeit für die Schüler nehmen.

Meine Partnerin ist in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen. In ihrer Schule lief es im Mathematik-Unterricht so, daß man einen bestimmten Rechenweg wirklich auswendig lernen mußte. In Klassenarbeiten durfte man nur genau diesen Rechenweg verwenden und mußte ihn auch auf ganz bestimmte Weise aufschreiben. Alles nur, damit der Lehrer (es war wirklich ein männlicher Lehrer) auf einen Blick sofort sah, ob die Zahlen stimmten und sich nicht erst die Mühe machen mußte, den Rechenweg nachzuvollziehen und nachzurechnen.

Das bremste natürlich Kreativität und die Lust am Lernen ernorm. Unter solchen Umständen wäre ich froh gewesen, wenn ich eine 2 in Mathe geschafft hätte. Mehr wäre da nicht drin gewesen. Ich weiß nicht, wieso dieser Lehrer das so gemacht hat. Vielleicht einfach nur aus Bequemlichkeit, vielleicht aber auch wirklich, weil er es anders zeitlich nicht geschafft hätte. Eine Lehrerin schrieb mir mal in einem Forum, daß so etwas in NRW eigentlich gar nicht erlaubt ist. Es läuft aber im realen Leben so ab.

Und ich denke, daß Mädchen mit so einer Art des Unterrichts besser zurecht kommen als Jungen. Ihnen kommt es entgegen, wenn sie einen Rechenweg einfach auswendig lernen können und ihn sich nicht immer wieder neu ausdenken müssen. Jungen dagegen fühlen sich damit unterfordert und gelangweilt. Zumindest die Jungen, die halbwegs intelligent sind.

Fakt ist ja auch, daß die Mehrheit der Frauen durchschnittlich intelligent ist. Unser heutiges Schulsystem bevorzugt genau diese Schülergruppe. Bei Jungen dagegen streut sich die Intelligenz sehr weit. Die weniger intelligenten Jungen waren früher schon die Schlußlichter in der Schule. Das heutige Schulsystem sorgt aber fatalerweise dafür, daß nun auch die sehr intelligenten Jungen ausgebremst werden und ihre Talente nicht entwickeln können. Und das wird sich auf unsere Gesellschaft übel auswirken.

Freundliche Grüße
von Garfield


...hat viele Gruende!

Andreas, Thursday, 12.02.2004, 15:57 (vor 8029 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Man muss früher ansetzen von Emmalein am 12. Februar 2004 12:22:25:

Man muss also dort ansetzen. Warum schaffen Jungs nicht das Gymnasium? Warum sind sie in der Grundschule schlechter als die Mädchen? Warum gehen so viele von ihnen auch ohne Schulabschluss ab?
Die Antwort kenne ich nicht.
Ich wüsste sie aber gerne.
Es grüsst unwissend
das Emmalein

Das Problem liegt zu einem grossen Teil daran, dass unser Schulsystem vollstaendig feminisiert ist. Zuviele Frauen, zuwenige Maenner. Die Jungs haben gerade in den fruehen Jahren kaum maennliche Vorbilder, an denen sie sich orientieren koennen. Mittlerweile wird das auch in der allgemeinen Diskussion langsam wahrgenommen. Man scheut sich aber nach wie vor, die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Waehrend an Universitaeten Frauen durch das Studium gefoerdert werden, waehrend unsere Gesellschaft permanent darueber jammert, dass zuwenige Frauen in Fuehrungspositionen anzutreffen sind, gibt es bislang nur wenige, die eine aktive Gleichstellungspolitik fuer Maenner im Bereich Erziehung fordern. Und wenn es welche gibt, dann werden sie von den Feministinnen niedergegroelt. Viel haengt auch damit zusammen, dass durch den Frauenverherrlichungswahn in Deutschland, Jungen und jungen Maennern das Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein systematisch geraubt wird. Waehrend man den Maedchen beibringt, wie toll und klug sie sind, versucht man Jungs immer mehr in den Dreck zu treten, indem man ihnen einredet, wie minderwertig sie sind. Waehrend Maedchen ueberall willkommen sind (Motto der Stadt Stuttgart zum Maedchenkulturfestival 2003: "Stuttgart heisst alle Maedchen und jungen Frauen willkommen"), gibt es auf der anderen Seite T-Shirts zu kaufen mit dem Aufdruck: "Jungen sind dumm, wirf mit Steinen nach ihnen." Es ist kein Wunder, wenn die Jungs immer mehr Selbstvertrauen verlieren.

Zum anderen liegt das Problem auch darin, dass Jungen anders lernen als Maedchen. Und unser Schul- und Bildungssystem ist sehr stark auf die Art und Weise ausgerichtet, wie Maedchen lernen. Waehrend Maedchen in der Regel eher durch Wiederholungs- und Kontrollstrategie lernen, arbeiten Jungs gerne mit elaborativen Methoden, die aber an unseren Schulen kaum gefoerdert werden. Unser Schulsystem befindet sich im Grunde genommen auf Steinzeitniveau und wird beiden Geschlechtern - aber insbesondere den Jungen - in ihren Eigenarten kaum gerecht. Ich trete schon seit langer Zeit fuer ein geschlechterspezifisches Schulsystem ein, dass Staerken und Schwaechen beider Geschlechter besser beruecksichtigt.

Dann gibt es da noch einen sogenannten "Frauenbonus". Ich habe schon oefter die Erfahrung gemacht, dass an Schulen und vor allem an Universitaeten Frauen in Pruefungen besser benotet werden, weil sie eben Frauen sind. Ich habe die Vermutung, dass viele maennliche Professoren Angst haben, eine Frau nach ihrer Leistungs zu bewerten, da sie sonst Aerger mit der Frauenbeauftragten bekommen. Und welcher Professor will in unserem feministischen Staatssystem gerne als "frauenfeindlich" beschimpft werden?

Gruss
Andreas

Re: Man muss früher ansetzen

reinecke54, Thursday, 12.02.2004, 16:26 (vor 8029 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Man muss früher ansetzen von Emmalein am 12. Februar 2004 12:22:25:

Dass die Wehrpflicht einen bedeutenden Einfluss
auf die Arbeitslosigkeit junger Maenner hat, wird
auch von unserer Bundesregierung anerkannt.

Ich habe schon einmal den schoenen Gastkommentar
von Renate Schmidt in der FTD erwaehnt
http://www.ftd.de/pw/de/1056459057621.html?nv=rs.

Ich zitiere: Es hat einen fatalen Nebeneffekt, dass ein erheblicher Prozentsatz der jungen Wehrpflichtigen nicht mehr gebraucht wird: Der Anteil der Männer an den jungen Arbeitslosen nimmt zu, denn ohne Einberufung müssten Unternehmen ihnen Arbeits- oder Ausbildungsplatz für die Dauer eines eventuell späteren Wehr- oder Zivildienstes freihalten. Bereits ein Fünftel aller jungen Arbeitslosen sollen nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung "Wartezeitarbeitslose" sein.

Re: Man muss früher ansetzen

michail, Thursday, 12.02.2004, 16:35 (vor 8029 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Man muss früher ansetzen von Garfield am 12. Februar 2004 13:34:29:

U. a. eine durchdachte Formulierung des Mechanismus der Nivellierung von Leistung mit Ausgangspunkt die Leugnung der Geschlechterdifferenzen.

Ich las irgendwo in diesem Forum, männliche oder weibliche Identität wären schizophrenieanfällig! Es ist kein Wunder, wenn ähnliche Ansichten im Schulsystem das Bildungswesen allmählich ‘dekonstruieren’. Um dann verzweifelt nach Elite-Unis zu schielen...

Besten Gruß

Re: ...hat viele Gruende!

Garfield, Thursday, 12.02.2004, 16:47 (vor 8029 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: ...hat viele Gruende! von Andreas am 12. Februar 2004 13:57:40:

Hallo Andreas!

"Dann gibt es da noch einen sogenannten "Frauenbonus". Ich habe schon oefter die Erfahrung gemacht, dass an Schulen und vor allem an Universitaeten Frauen in Pruefungen besser benotet werden, weil sie eben Frauen sind. Ich habe die Vermutung, dass viele maennliche Professoren Angst haben, eine Frau nach ihrer Leistungs zu bewerten, da sie sonst Aerger mit der Frauenbeauftragten bekommen. Und welcher Professor will in unserem feministischen Staatssystem gerne als "frauenfeindlich" beschimpft werden?"

Diesen Frauenbonus gab es schon vor dem Feminismus. In der DDR war Feminismus ja kein wesentliches Thema, aber trotzdem habe ich in meiner Schulzeit immer wieder Erlebnisse wie dieses gehabt:

Eine Mitschülerin wurde in Chemie vom Lehrer zur Leistungskontrolle nach vorn an die Tafel geholt. Sie war ja ein liebes, nettes Mädel und auch sehr fleißig, aber hochintelligent war sie nicht, und sie hatte von Chemie keinen blassen Schimmer. Natürlich hatte sie wie immer fleißig gelernt und konnte sämtliche Reaktions-Gleichungen aus der Stunde zuvor mit Sicherheit auswendig. Leider hatte sie aber den Sinn des Ganzen überhaupt nicht begriffen. Der Lehrer machte es ihr noch relativ einfach, indem er ihr eine Aufgabe gab, die dem Beispiel aus der vorherigen Stunde wirklich sehr ähnelte. Die beteiligten Elemente waren aber nicht so ganz dieselben, und somit half ihr das auswendig Gelernte nun nicht weiter. Sie schrieb irgendwelchen Unsinn an die Tafel und brach schließlich in Tränen aus. Der Lehrer (er war eh schon kurz vor der Rente und nahm nicht mehr alles so genau) bekam Mitleid mit ihr und sagte tatsächlich: "Na, dann setzen Sie sich mal hin, ich gebe Ihnen eine 2."

Normalerweise war es in meiner Klasse nicht üblich, daß man einem anderen etwas mißgönnte. Und wenn mal einer eine Zensur besser bewertet wurde, gab es deshalb nicht gleich Beschwerden. Aber für so eine offensichtliche Fehlleistung, die man eigentlich auch mit dem allerbesten Willen maximal mit einer 4 hätte bewerten können, eine 2 zu geben, war doch den meisten in der Klasse zuviel. Es gab lautstarke Proteste, und dann sagte der Lehrer, daß dieses Mädel dann eben in den nächsten Stunde noch einmal dran kommen sollte. So geschah es dann auch, und diesmal gab er ihr auch genau die Formel, die vorher im Unterricht als Beispiel behandelt worden war. Die kannte sie natürlich bestens auswendig, und der Lehrer verzichtete auch darauf, zuviel nachzufragen. So bekam sie dann doch noch ihre 2...

Viele Mädchen spekulierten wirklich auf diesen Frauenbonus. Als ein Lehrer mal Jungen und Mädchen gleichermaßen unfair behandelte, setzten einige Mädels aus Wut darüber prompt das Gerücht in Umlauf, daß er schwul wäre.

Heute wird das wohl noch schlimmer sein. Nicht unbedingt, weil Lehrer Konsequenzen befürchten, wenn sie Fehlleistungen von Mädchen oder Frauen entsprechend schlecht bewerten. Sie wollen einfach aus Prinzip nicht nachgesagt bekommen, daß sie frauenfeindlich wären, und so wird auf den schon früher üblichen Frauenbonus noch eins drauf gesetzt.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Man muss früher ansetzen

Garfield, Thursday, 12.02.2004, 18:19 (vor 8029 Tagen) @ michail

Als Antwort auf: Re: Man muss früher ansetzen von michail am 12. Februar 2004 14:35:

Hallo Michail!

Ja, das mit den "Elite-Unis" ist auch wieder so ein Blödsinn. Anstatt das Niveau der deutschen Schulen und Universitäten allgemein wieder zu heben, will man nun sowas einführen und damit die normalen Studienabschlüsse noch weiter entwerten.

Dabei geht es allerdings auch darum, daß heute ja praktisch jeder studieren kann. Das wurde einst von den Nazis so eingeführt, man wollte es nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr abschaffen, und zunächst suchte man ja überhaupt auch noch händeringend nach qualifizierten Fachkräften.

So nebenbei bemerkt war der Zweite Weltkrieg eine Riesen-Chance für die Frauen. Zwar haben die Nazis versucht, Frauen den Zugang zu manchen Studienrichtungen zu erschweren (z.B. zum Jura-Studium) und Frauen auch überhaupt dazu zu animieren, als Hausfrauen jede Menge Kinder in die Welt zu setzen, aber der Krieg machte alle diesbezüglichen Bestrebungen zunichte. Die Frauen, die nicht Jura studieren durften, studierten dann eben etwas anderes. Je länger der Krieg dauerte, umso mehr Männer mußten an die Front. Bald zogen ganze Jungen-Gymnasialklassen geschlossen von der Schulbank in den Krieg.

Gegen Kriegsende war der Frauenanteil an den deutschen Universitäten folgerichtig sehr hoch und betrug auch in manchen naturwissenschaftlichen Fächern deutlich über 50%. Nach dem Krieg waren viele Männer gefallen, durch Verkrüppelungen arbeitsunfähig oder noch für Jahre in Gefangenschaft. Nun hatten die Frauen ihre große Chance - genutzt haben sie sie allerdings genausowenig wie heute. Kaum waren wieder genügend Männer da, kehrte die Masse der Frauen an den Herd zurück. Und zwar freiwillig und gern.

So lag ihre oftmals gute berufliche Qualifikation dann brach, und wieder waren die Männer gefragt. Bis sich so um 1970 herum die Lage auf dem Arbeitsmarkt zunehmend änderte. Jetzt gab es keinen Arbeitskräftemangel mehr, sondern es gab wieder Arbeitslose, und das mit steigender Tendenz. Zunächst betraf das nur ungelernte Arbeiter, dann zunehmend auch Facharbeiter, und bald erreichte die Krise auch Akademiker.

Heute haben wir nun die Situation, daß viele junge Menschen studieren, weil sie sich so noch gute Chancen ausrechnen, einen der immer seltener werdenden gutbezahlten Jobs zu ergattern. Immer mehr von ihnen müssen dann aber feststellen, daß das auch mit Uni-Diplom nicht mehr so einfach wie früher ist. Und gerade Frauen scheinen oftmals überhaupt nur deshalb zu studieren, weil sie sonst nichts mit sich anzufangen wissen. So wählen sie dann zielgerichtet auch Studienrichtungen, die nicht zu anspruchsvoll sind und somit auch kaum Aussichten auf einen Job nach dem Studium bieten. Bei Männern findet man das seltener - meist nur bei Männern, die von Beruf Sohn reicher Eltern sind und deshalb wissen, daß sie sowieso bis an ihr Lebensende finanziell ausgesorgt haben. Wer männlich ist und keine reichen Eltern hat, der weiß genau, was in Zukunft von weiblicher Seite von ihm erwartet werden wird und versucht, dieser weiblichen Erwartungshaltung zu entsprechen. Frauen dagegen stehen in der Hinsicht weitaus weniger unter Druck. Von ihnen wird mittlerweile zwar auch ein wenig mehr erwartet als früher, aber wenn sie schon studieren, dann kann man ja nichts dagegen sagen, und es ist ja nicht ihre Schuld, wenn sie dann nach ihrem Studium "leider" keine Stelle finden und dann "gezwungen" sind, als Hausfrauen zu leben...

Den Staat kostet das alles aber Geld. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand nur aus Langeweile studiert und danach gar nicht ernsthaft nach einer Stelle sucht, oder ob jemand wirklich studiert, um in dem Fachgebiet dann später auch etwas zu leisten, dann aber keine Chance dafür bekommt.

Zunächst hat man einfach nur Studiengebühren gefordert. Das fand ich gar nicht so schlecht, wenn solche Gebühren für ein Erststudium innerhalb der Regelstudienzeit nicht erhoben werden würden. Solche Maßnahmen wirken aber unpopulär, weil es so zu offensichtlich wird, daß man damit Menschen aus reichen Elternhäusern, die sich Studiengebühren locker leisten können, eindeutig bevorzugt.

Also versucht man nun durch die Hintertür, die Studenten-Zahlen zu senken. Man führt "Elite-Unis" ein, bei denen man die Studenten durch irgendwelche Tests selektiert, und womöglich wird es an solchen Unis auch hohe Studiengebühren geben.

Die herkömmlichen Unis läßt man zwar weiter bestehen, aber man verläßt sich darauf, daß die dort erzielten Abschlüsse bald sowieso wertlos sein werden, was dann die Menschen, die noch ernsthaft studieren wollen und sich aber keine "Elite-Uni" leisten können, zunehmend abschrecken wird. Die werden dann eben normale Berufsausbildungen machen und sich resignierend in ihr Schicksal fügen, wenn sie damit dann auch nicht viel erreichen.

Irgendwann werden die gewöhnlichen Unis dann nur noch von Endlos-Studenten bevölkert sein, und dann kann man sie auch nach und nach schließen. Und schon haben wir wieder die Zustände der Kaiserzeit, als praktisch nur Kinder reicher Eltern studieren konnten.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Man muss früher ansetzen

Sam, Thursday, 12.02.2004, 19:01 (vor 8029 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Man muss früher ansetzen von Garfield am 12. Februar 2004 13:34:29:

In meiner Schulzeit hab ich es immer so erlebt, daß die Schüler, die in Naturwissenschaften und Mathematik besonders gut waren, fast ausnahmslos Jungen waren. Und oft waren das Jungen, die eigentlich gar nicht besonders fleißig waren und auch gar nicht viel für diese Fächer taten. Mädchen dagegen lagen meist in Sprach-Fächern vorn, und ansonsten überall da, wo es vor allem auf Fleiß ankam. Wenn es darum ging, Gedichte auswendig zu lernen und gut vorzutragen, schnitten die Mädchen definitiv besser ab. Wenn es jedoch darum ging, komplizierte mathematische Aufgaben zu lösen, dann lagen die Jungen deutlich vorn, und zwar ganz besonders dann, wenn es sich um verwirrend formulierte Textaufgaben handelte und wenn es keinen festen Rechenweg gab, um das Problem zu lösen. Wenn man also improvisieren mußte und nicht auf fleißig Erlerntes zurück greifen konnte. Da waren die Mädels meist absolut ratlos.

Du sprichst mir aus der Seele, Garfield. Ich habe es exakt genauso erlebt. (Hatte selbst in der Schule Mathematik-Leistungskurs.) Ich erinnere mich an einen Mitschüler, der irgendwann in der Mittelstufe mit ein paar Fünfern und Sechsern sitzengeblieben war und dann in unseren Jahrgang kam. Der hatte nachher in unserem kleinen Kurs konstant 15 Punkte, fand bei komplizierten stochastischen Fragestellungen z. T. Lösungswege, die denen in unseren Büchern nicht einmal ähnelten. War beeindruckend.

Sam

Re: Brief an Edeka

Odin, Thursday, 12.02.2004, 22:54 (vor 8028 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Brief an Edeka von Garfield am 12. Februar 2004 12:13:13:

Laut Gesetz kann eine Frau diese Frage nämlich auch dann mit "nein" beantworten, wenn sie bereits schwanger ist und das auch weiß. Einzige Ausnahme: Die angestrebte Tätigkeit birgt irgendein Gefährdungspotenzial für das ungeborene Kind. Nur dann ist eine Bewerberin verpflichtet, beim Vorstellungsgespräch anzugeben, daß sie schwanger ist.

Soweit ich weiß, nicht mal da! Das wurde doch letztes Jahr erst vor Gericht entschieden, daß eine Frau nichtmal da angeben muß, daß sie schwanger ist. Ich glaube, es ging um einen Job im Nachtdienst.

Re: Man muss früher ansetzen

Odin, Thursday, 12.02.2004, 23:03 (vor 8028 Tagen) @ Sam

Als Antwort auf: Re: Man muss früher ansetzen von Sam am 12. Februar 2004 17:01:

Du sprichst mir aus der Seele, Garfield. Ich habe es exakt genauso erlebt. (Hatte selbst in der Schule Mathematik-Leistungskurs.) Ich erinnere mich an einen Mitschüler, der irgendwann in der Mittelstufe mit ein paar Fünfern und Sechsern sitzengeblieben war und dann in unseren Jahrgang kam. Der hatte nachher in unserem kleinen Kurs konstant 15 Punkte, fand bei komplizierten stochastischen Fragestellungen z. T. Lösungswege, die denen in unseren Büchern nicht einmal ähnelten. War beeindruckend.
Sam

Ich hatte auch mal einen Schüler, der fiel durch u.a. wegen Mathe. Wir meldeten in bei der Nachhilfe an. Außerdem hatte er dann im neuen Schuljahr einen männlichen Lehrer. Nach zwei Monaten rief mich der Nachhilfelehrer an, warum ich ihm den Schüler vorbeischicke. Der könne doch alles. Ich redete mit dem Lehrer, der hatte auch keine Probleme. Der Junge meint: "Des versteh i halt, wenn der was erklärt". Also war Nachhilfe beendet. Ich glaub, der hatte dann im Abschlußzeugnis eine zwei.

Re: Man muss früher ansetzen

michail, Friday, 13.02.2004, 00:18 (vor 8028 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Man muss früher ansetzen von Garfield am 12. Februar 2004 16:19:

Hi Garfield,

schön! Ein krasses Dilemma, Massengefälligkeit (Chancengleichheit) mit Leistungsförderung und -forderung zu arrangieren. Und eine Herausforderung für die moderne Sozialdiplomatie.

Ob sie nun die Lösung lokal durch verschiedene Elite-Unis anzugehen suchen, oder global durch Anhebung der allgemeinen Erwartungen: Die Frage nach der ‘Notwendigkeit einer Frauenquote’ würde sich ohnehin alsbald stellen. Etwa eine Gleichstellung bei niedrigeren Noten (wg. des Kinderkriegens) vielleicht. Ob das der Grund ist, warum Herr Schröder so schnell wieder wenig von seinem Konzept sprach?

(Ich hätte jetzt gern gesagt, daß mein Kommentar nur Spaß war. Aber er ist es leider nicht!)

Herzlichen Gruß
Michail

Re: Brief an Edeka

Garfield, Friday, 13.02.2004, 11:10 (vor 8028 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Brief an Edeka von Odin am 12. Februar 2004 20:54:52:

Hallo Odin!

Ach, wurde das mittlerweile auch schon geändert? Das wäre ja schon ein starkes Stück. Muß eine Frau nun eine bereits vorhandene Schwangerschaft auch nicht mehr angeben, wenn in der angestrebten Tätigkeit z.B. irgendwelche giftigen Dämpfe auftreten können, die Erwachsenen nicht viel ausmachen, ungeborene Kinder aber schwer schädigen können?

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Man muss früher ansetzen

Garfield, Friday, 13.02.2004, 11:44 (vor 8028 Tagen) @ michail

Als Antwort auf: Re: Man muss früher ansetzen von michail am 12. Februar 2004 22:18:

Hallo Michail!

Ich denke Schröder hat nicht erwartet, daß ihm bei der Sache mit den Elite-Unis so viel Gegenwind entgegen schlägt. Den Begriff "Elite-Uni" hat man dann ja auch schnell wieder durch einen anderen ersetzt (der mir jetzt allerdings nicht einfällt).

Ich denke, daß wir Universitäten gerade in Zukunft dringend brauchen werden. Wir brauchen dringend Innovation, und da könnten die Universitäten einiges leisten. Man sollte das Niveau überall gleichermaßen anheben. Man könnte ja auch Tests einführen, um sicherzustellen, daß jemand wirklich nur dann einen Studienplatz bekommt, wenn er oder sie auch die dafür nötigen Vorkenntnisse und Fähigkeiten mitbringt. Studiengebühren halte ich dagegen nur für sinnvoll, wenn jemand bereits ein Uni-Diplom hat oder ein Studium abgebrochen hat oder die Regelstudienzeit überschreitet. Niemand sollte auf Staatskosten nur aus Langeweile studieren, aber es muß so sein, daß jeder, der den Willen, die Vorkenntnisse und auch die Fähigkeiten hat, um ein Studium erfolgreich zu absolvieren, das auch tun kann. Ganz egal, wie der finanzielle Hintergrund aussieht.

Irgendwelche Frauenquoten sind da sowieso vollkommen kontraproduktiv. Martin van Creveld hat in seinem Buch "Das bevorzugte Geschlecht" an verschiedenen Beispielen schön dargestellt, wie das Niveau an Bildungsreinrichtungen nach und nach sank, sobald sie auch von Frauen besucht wurden. Das liegt mit Sicherheit nicht daran, daß Frauen prinzipiell weniger leisten können als Männer. Es liegt daran, daß die gesamte Gesellschaft dazu neigt, an Frauen immer geringere Anforderungen zu stellen als an Männer. Frauen werden von Kindheit an dazu erzogen, nicht soviel leisten zu müssen wie Männer. Männer dagegen werden nach wie vor dazu erzogen, es Frauen immer möglichst leicht zu machen. Beides bewirkt dann eben, daß man bei Frauen die Meßlatte immer niedriger anlegt als bei Männern. Da man Mädchen aber im heutigen gemeinsamen Unterricht schlecht so massiv bevorzugen kann, baut man eben den Unterricht so um, daß er Mädchen möglichst weit entgegen kommt. Gleichzeitig senkt man das allgemeine Niveau.

Bei letzterem kommt dann verschärfend noch das hinzu, was man heute unter "antiautoritärer Erziehung" versteht. Meine Partnerin hat die Auswirkungen dieses Unsinns mal erlebt, als sie vor einigen Jahren noch einmal in ihrer ehemaligen Schule war. Da liefen in einem Klassenraum die Schüler tatsächlich über Tische und Bänke. Im Klassenraum war ein unbeschreiblicher Lärm. Sie fragte einen der Lehrer (den sie noch von früher her kannte), was denn da los wäre. Der zuckte nur resignierend mit den Schultern und sagte: "Das ist jetzt so. Ihr wart dagegen harmlos..." Wie soll man in solch einer Atmosphäre etwas lernen? Mich wundert, daß deutsche Schüler bei der Pisa-Studie nicht noch viel schlechter abgeschnitten haben.

Man ist heute bemüht, Kindern ihre Kindheit möglichst lange zu erhalten und übersieht dabei, daß diese Phase letztendlich nur dazu dient, die Kinder auf ihr späteres Leben als Erwachsene vorzubereiten. Je länger man sie vom realen Leben abschirmt, umso schwerer werden sie es später haben. Denn das Berufsleben wird immer härter werden.

In meiner Schulzeit gab es in den ersten Wochen noch keine Zensuren. Aber nach dieser Eingewöhnungsphase ging es dann richtig los, mit Zensuren und allem Drum und Dran. Meine Partnerin hat in ihrer Schulzeit in der gesamten ersten Klasse schon keine Zensuren mehr bekommen. Da wurde fast nur gespielt, wie im Kindergarten. Man kann nicht einerseits Verkürzung der Ausbildungszeiten fordern, andererseits dann aber so ein ganzes Jahr nutzlos vertrödeln. Gerade kleine Kinder sind enorm lernfähig, und das sollte eigentlich dazu genutzt werden, um ihnen etwas Brauchbares beizubringen.

Mittlerweile gibt es ja auch schon Studiengänge nur für Frauen. Das wird auch bald genauso ein Sandkasten sein wie die bereits existierenden "Frauenwissenschaften". Die dort studierenden Frauen werden zwar vielleicht bald grundsätzlich auch Doktortitel nachgeworfen bekommen - nur werden nur wenige Unternehmen diese Abschlüsse als vollwertig anerkennen. Der Öffentliche Dienst wird dann zum Auffangbecken für Absolventinnen solcher Frauen-Studiengänge werden, und das kann sich dann fatal auf die Leistungsfähigkeit öffentlicher Einrichtungen auswirken. Da werden wir noch einiges erleben müssen...

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Man muss früher ansetzen

michail, Friday, 13.02.2004, 17:26 (vor 8028 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Man muss früher ansetzen von Garfield am 13. Februar 2004 09:44:

Hi Garfield,

die Zustände, die Du beschreibst: antiautoritäre Erziehung und Abwertung der Leistung (vor allem, aber nicht nur bei Mädchen), liegen schon zu Beginn dicht beieinander. Eine Schlüsselfuktion zur Entwicklung dieser Mentalität ist sicher in den Interpretationen von Freuds Analysen seitens der Frankfurter Schule zu sehen. Leistungs- und Realitätsprinzip als Unterdrückungsmanifestationen des ‘Ich’ gegen das ‘Es’, Kultur als Produkt dieser Unterdrückung und dazu Vatergewalt als Instrument der Erhaltung solcher Strukturen.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß der von Freud imaginierte Vatermord in der Urhorde heute von bestimmten Denkrichtungen aus auf rechtsstaatsebene sublimiert werden sollte. Ich habe zwar in meinen Seiten auf die Zusammenhänge hingewiesen, aber leider noch zuwenig auf die ideologischen Vorläufer. Soll ja noch werden...

So, und jetzt mache ich mich schleunigst aus dem Staub; mir scheint, es sind wieder mal Aufklärer unterwegs, die auf Maskulisten schießen.
Erstaunlich, wie viele Leute heutzutage Wörter richtig lesen können!

Schönen Gruß
Michail

Re: Brief an Edeka

ChrisTine, Saturday, 14.02.2004, 20:36 (vor 8027 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Brief an Edeka von Garfield am 13. Februar 2004 09:10:

Hi Garfield,

Muß eine Frau nun eine bereits vorhandene Schwangerschaft auch nicht mehr angeben, wenn in der angestrebten Tätigkeit z.B. irgendwelche giftigen Dämpfe auftreten können, die Erwachsenen nicht viel ausmachen, ungeborene Kinder aber schwer schädigen können?

So ist es. Eine Wäschereibesitzerin hatte das durchgezogen bis zum BGH und ist gescheitert. Sie mußte den nichtausgezahlten Lohn nachzuzahlen, zzgl. sämtlicher Gerichtskosten. Der Betrieb kam dadurch in arge finanzielle Schwierigkeiten.
Fazit der Besitzerin: Sie stellt keine Frauen mehr ein. Bin mal gespannt, was Emmalein jetzt zu diesem Sexismus dieser Besitzerin sagt.

Gruß - Christine

Diese Geschichte habe im im übrigen durch den Deutschlandfunk erfahren, dessen Moderator sich ausführlich mit der Besitzerin unterhalten hatte.

Re: Man muss früher ansetzen

Garfield, Monday, 16.02.2004, 11:32 (vor 8025 Tagen) @ michail

Als Antwort auf: Re: Man muss früher ansetzen von michail am 13. Februar 2004 15:26:

Hallo Michail!

Nur als Ergänzung:

Im Wochenende waren meine Partnerin und ich auf der Geburtstagsfeier einer Kollegin meiner Partnerin. Verwandten dieser Kollegin gehört eine Fleischerei. Die plauderten nun ein wenig aus dem Nähkästchen, über ihre Erfahrungen mit Auszubildenden. Da war z.B. ein junges Mädchen, das nicht in der Lage war, von einer Summe ein Drittel zu bilden. Die Chefin fragte sie: "Wie bildest du ein Drittel?" Sie kuckte sie groß an und zuckte mit den Schultern. Auf die Idee, daß man dazu die Summe durch 3 teilen muß, kam sie offensichtlich nicht. Probleme bereitet auch immer wieder Prozent-Rechnung, also einfache Dreisatzaufgaben, z.B. zur Berechnung der Mehrwertsteuer.

Teilweise liegt das daran, daß Unternehmen im Verkaufs- und Handwerksbereich häufig nur Azubis mit Hauptschulabschluß einstellen. Aber selbst die müßten die Grundrechenarten, Bruchrechnung und Prozentrechnung eigentlich beherrschen. Tatsächlich können die aber oft gar nichts. Die Chefin und ihr Mann haben dann ab und zu versucht, den Azubis wenigstens die primitivsten mathematischen Kenntnisse beizubringen, aber viel Zeit hatten sie dazu nie. Die Azubis waren ja immer 2 Tage pro Woche in der Berufsschule, und an den übrigen Tagen war dann oft zuviel zu tun, um da den Azubis noch lange Nachhilfe-Unterricht zu geben.

Als Konsequenz dessen stellen sie mittlerweile gar keine Azubis mehr ein.

Mir stellt sich da schon mal die Frage, was die Schüler heute in den Schulen eigentlich machen. Offensichtlich ist der Unterricht ja schon so aufgeweicht, daß die da kaum noch etwas lernen. Jetzt will man zwar den Kenntnisstand der Schüler regelmäßig überprüfen, aber ich befürchte, daß diese Tests sehr bald auch aufgeweicht werden, um den mageren Kenntnissen der Schüler Rechnung zu tragen und das deutsche Schulsystem nicht so mies aussehen zu lassen, wie es offensichtlich tatsächlich ist.

Vielleicht ist es auch nur hier in NRW so schlimm. Weil hier der Ausländeranteil relativ hoch ist. Und da gibt es dann immer wieder das Problem, daß Kinder eingeschult werden, die kaum Deutsch verstehen. Denen muß man dann erst einmal die deutsche Sprache beibringen, man muß ihnen aufgrund der Sprachbarriere natürlich alles umständlicher und länger erklären, und der Rest der Klasse langweilt sich derweil und beschäftigt sich dann mehr mit irgendwelchem Unsinn als mit dem Unterricht.

Anstatt irgendwelche Ausbildungsplatz-Abgaben einzuführen, sollte man lieber dafür sorgen, daß auch die Hauptschüler wieder zumindest die Grundlagen der Mathematik und die deutsche Sprache beherrschen. Hilfreich wäre dabei, wenn man Kinder, die nicht deutsch sprechen, grundsätzlich erst nach einem Sprachkurs einschulen würde. Und wenn man auch den gesamten Unterricht wieder leistungsorientierter gestaltet. Die Schulen dürfen nicht länger feministische, "antiautoritäre" und/oder ethnische Sandkästen sein. Das bringt niemandem etwas, am allerwenigsten den Schülern selbst. Denn die müssen mit den mageren Kenntnissen, die sie heute in den Schulen teilweise erwerben, dann im späteren Leben zurecht kommen.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: ...hat viele Gruende!

Emmalein, Monday, 16.02.2004, 19:58 (vor 8025 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: ...hat viele Gruende! von Andreas am 12. Februar 2004 13:57:40:

Hi, Du,

wie also soll ich denn nun Jungs in dem oft für Jungs vorhandenen "Hassfach" Englisch unterrichten, und zwar so, dass sie auch Grammatik, Vokabeln, Zeitenfolgen usw. lernen?

Eine Sprache zu lernen ist nicht immer nur elaboriert. Das ist manchmal auch ganz einfach sich auf den Hosenboden setzen und lernen.

Vokabeln und Grammatik sind bei jeder Sprache das harte Brot. Aber es gibt ja auch noch den "Kuchen". Gibt es da vielleicht eine Möglichkeit, den Kuchen jungenorientierter zu gestalten?

Es grüsst fragend
das Emmalein

Re: Man muss früher ansetzen

Emmalein, Monday, 16.02.2004, 20:03 (vor 8025 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Man muss früher ansetzen von Garfield am 12. Februar 2004 13:34:29:

Hi, Garfield,

warum ist denn der Anteil an unterdurchschnittlich begaben Jungen denn dann höher? Oder sind Jungen "fauler", weil sie sich nicht auf den Hosenboden setzen und lernen wollen?

Als pädagogische Massnahme kann man jemandem, der will, aber nicht kann, teilweise noch eine bessere Note geben als jemandem, der kann, aber nicht will. Zu können, aber nicht zu wollen, ist nämlich Leistungsverweigerung.

Die Fächer, die ich in Zukunft unterrichten werde, sind alle mit ein bisschen Lernaufwand durchschnittlich gut "hinzubekommen".

Wenn das die meisten Lehrer von sich sagen - liegt es dann daran, dass Jungen sich nicht auf den Hosenboden setzen und lernen wollen? Wenn nicht ,warum nicht?

Es grüsst neugierig
das Emmalein

Re: Man muss früher ansetzen

Emmalein, Monday, 16.02.2004, 20:12 (vor 8025 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Man muss früher ansetzen von Garfield am 16. Februar 2004 09:32:47:

Hi, Garfield,

in der Schule kann es manchmal schon sehr schwierig sein, zu unterrichten, weil man als Lehrer zum Teil Schülern die elementarsten Dinge beibringen muss, a la: Mach Deine Hausaufgaben! Sprich nicht im Unterricht! Fürs Essen sind die Pausen da! Und seinen Nachbarn schlägt man nicht mit dem Lineal! Und das nicht etwa nur in der Grundschule! Nein ,dieses Problem stellt sich noch auf Handelsschulniveau!

Man muss also in einem extrem hohen Masse für Disziplin sorgen, anstatt dass man sich dem Unterrichtsgeschehen widmen kann. Leider muss ich sagen, dass da Jungen noch undisziplinierter sind als Mädchen.

Ob es wohl daran liegt, dass ihnen die Möglichkeiten zum Austoben immer mehr genommen werden, also Fussballplätze usw. immer mehr schliessen, und die Jungs nur noch vor den Kisten hocken, und dann ihr Bewegungspotential in der Schule im Unterricht ausleben wollen, in dem sie extrem stören?

Es grüsst das Emmalein

Re: Man muss früher ansetzen

Sven74, Monday, 16.02.2004, 20:27 (vor 8025 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: Man muss früher ansetzen von Emmalein am 16. Februar 2004 18:12:49:

Hi, Garfield,
in der Schule kann es manchmal schon sehr schwierig sein, zu unterrichten, weil man als Lehrer zum Teil Schülern die elementarsten Dinge beibringen muss, a la: Mach Deine Hausaufgaben! Sprich nicht im Unterricht! Fürs Essen sind die Pausen da! Und seinen Nachbarn schlägt man nicht mit dem Lineal! Und das nicht etwa nur in der Grundschule! Nein ,dieses Problem stellt sich noch auf Handelsschulniveau!

Liegt wohl an den Schlüsselkindern, welche zu wenig Erziehung von Elternseite erfahren. Auch hier dürfte der Mangel an Vätern eine Rolle spielen.

Man muss also in einem extrem hohen Masse für Disziplin sorgen, anstatt dass man sich dem Unterrichtsgeschehen widmen kann. Leider muss ich sagen, dass da Jungen noch undisziplinierter sind als Mädchen.
Ob es wohl daran liegt, dass ihnen die Möglichkeiten zum Austoben immer mehr genommen werden, also Fussballplätze usw. immer mehr schliessen, und die Jungs nur noch vor den Kisten hocken, und dann ihr Bewegungspotential in der Schule im Unterricht ausleben wollen, in dem sie extrem stören?
Es grüsst das Emmalein

Ein Tipp für die Pausenaufsicht:

Versuche ein Fingerspitzengefühl zu bekommen, ob es sich um eine harmlose Rauferei oder um richtige Prügel handelt. Dies fällt Lehrerinnen naturgemäß schwerer, da sie ja in ihrer Kindheit nun einmal Mädels waren und keine raufenden Jungen.

Re: ...hat viele Gruende!

Sven74, Monday, 16.02.2004, 20:38 (vor 8025 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: ...hat viele Gruende! von Emmalein am 16. Februar 2004 17:58:38:

Hi, Du,
wie also soll ich denn nun Jungs in dem oft für Jungs vorhandenen "Hassfach" Englisch unterrichten, und zwar so, dass sie auch Grammatik, Vokabeln, Zeitenfolgen usw. lernen?
Eine Sprache zu lernen ist nicht immer nur elaboriert. Das ist manchmal auch ganz einfach sich auf den Hosenboden setzen und lernen.
Vokabeln und Grammatik sind bei jeder Sprache das harte Brot. Aber es gibt ja auch noch den "Kuchen". Gibt es da vielleicht eine Möglichkeit, den Kuchen jungenorientierter zu gestalten?
Es grüsst fragend
das Emmalein

Für das Fach Deutsch hätte ich einen Vorschlag (kann man abgewandelt) vielleicht auch in den Englischuntericht einbauen.

Schon in der Grundschule wurde (zumindest bei mir) sehr früh von den beliebten Begriffen wie Wiewörter und Tuwörter abgegangen und die unverständlichen lateinischen Begriffe eingeführt. Wenn dies schon (unverständlicherweise) sein muss, wäre ein sinnvoller "Spickzettel" mit den Übersetungen eine Hilfe. Mir wäre damals das Pauken der Grammatik mit so einem Spickzettel leichter gefallen.

PS: Die englische Grammatik ist zudem wesentlich einfacher als die deutsche Grammatik.

Sven74

Re: ...hat viele Gruende!

susu, Monday, 16.02.2004, 22:17 (vor 8024 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: ...hat viele Gruende! von Emmalein am 16. Februar 2004 17:58:38:

Hey -insert name here-

wie also soll ich denn nun Jungs in dem oft für Jungs vorhandenen "Hassfach" Englisch unterrichten, und zwar so, dass sie auch Grammatik, Vokabeln, Zeitenfolgen usw. lernen?
Eine Sprache zu lernen ist nicht immer nur elaboriert. Das ist manchmal auch ganz einfach sich auf den Hosenboden setzen und lernen.
Vokabeln und Grammatik sind bei jeder Sprache das harte Brot. Aber es gibt ja auch noch den "Kuchen". Gibt es da vielleicht eine Möglichkeit, den Kuchen jungenorientierter zu gestalten?

Verzichte auf das harte Brot. das hat zumindest bei mir funktioniert. Ich habe nie Vokabeln gelernt, nie Grammtik gepaukt und bin relativ Sprunghaft von einer 5 zu 2ern und 1ern aufgestiegen (wurde sogar mein bestes Abifach). Grund: Ich habe den Kuchen entdeckt. OK, ein Grundwortschatz muß sein, allerdings muß er nicht besonders groß sein (Zwei Schuljahre lang kam in jedem Vokabeltest das Wort Hopscotch vor, das a) unüberstzbar ist und b) mir bislang nur in Schulbüchern begegnete). Danach sollte der Wortschatz lesenderweise erweitert werden. Dafür braucht´s vor allem (individuelle) Literaturtips und Ermunterung. Und den Oxford, falls wer doch mal nachschlagen will. Der Rest dieses Haushalts (Pädagogen allesammt) reagierten auf diesen Vorschlag mit Kopfschüttlen.

Wichtiger Abschlußtip: Nie, wirklich niemals sollte "the diary of Adrian Mole" in der Schule gelesen werden. Lektüre mit Vokabelangaben, wenn nur bei Altenglisch (Sonette Shakespeares etc.). Vokabelangaben sind Gift für kontextorientiertes Textverständnis - also das Erfassen des Inhalts, ohne jetzt jedes Wort eins zu eins ins Deutsche übersetzen zu können. Diese Fähigkeit führt nämlich dazu, das Hirn zwischen Deutsch und Englscih hin- und herschalten zu können. Und ohne das siehts außerhalb der Schule wieder schlecht aus mit dem Englisch.

susu

Re: ...hat viele Gruende!

Emmalein, Tuesday, 17.02.2004, 11:45 (vor 8024 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Re: ...hat viele Gruende! von susu am 16. Februar 2004 20:17:02:

Hi, Susu,

dieser Tipp ist mir nicht wirklich neu, ich habe vor, auf privater Basis so etwas ähnliches wie eine Schulbibliothek für die englischen Bücher einzurichten, bei denen man sich von mir halt englische Bücher ausleihen kann (hier in D sind Schulbibiliotheken, wenn denn vorhanden, eine einzige Katastrophe, da kriegt die Jugend meist höchstens Shakespeare vorgesetzt, eine etwas harte Einstiegslektüre, wie ich finde). Und er passt sowohl für Jungen als auch für Mädchen, wobei vielleicht einige individuelle Prioräten anders liegen (obwohl auch nicht wirklich, teilweise gleichen sich die Lieblingsbücher doch stark!). Nichtsdestotrotz ist er nicht übel. Und er verweist auf ein Problem, das ich vor allem im Vergleich mit England sehe: Unsere schlecht ausgestatteten Schulbibliotheken, die teilweise damit entschuldigt werden, dass es doch Stadtbibliotheken gibt. So etwas gibt es in England nicht. Da hat jede Schule eine grosse, recht ausführliche Stadtbibliothek sogar mit fremdsprachlichen Werken!

Gibt es denn irgendetwas Jungenspezifisches, was man im Englischunterricht berücksichtigen könnte, etwas, das grundsätzlich in andere Richtungen weisst als sie selbst der moderne kommunikative Unterricht ausweist?

Es grüsst fragend
das Emmalein

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