Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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kein Fortschritt ohne Frauen?

Frank, Friday, 26.09.2003, 21:33 (vor 8167 Tagen)

Gelegentlich liest man in der Presse Stellungnahmen von UNO- oder sonstigen Schlauköpfen, die sich dahin gehend äußern, dass es in den Ländern der sog. Dritten Welt erst dann aufwärts gehen werde, wenn man den Frauen bessere Bildungschancen einräume. (Manchmal ist auch unverhohlen von "mehr Frauenrechten" als Bedingung für den Aufschwung in diesen Ländern die Rede).
Ist da eigentlich was dran, oder ist auch das nur pure feministische Propaganda?

Blödsinn

der Aufklärer, Friday, 26.09.2003, 22:31 (vor 8167 Tagen) @ Frank

Als Antwort auf: kein Fortschritt ohne Frauen? von Frank am 26. September 2003 18:33:33:

Gelegentlich liest man in der Presse Stellungnahmen von UNO- oder sonstigen Schlauköpfen, die sich dahin gehend äußern, dass es in den Ländern der sog. Dritten Welt erst dann aufwärts gehen werde, wenn man den Frauen bessere Bildungschancen einräume. (Manchmal ist auch unverhohlen von "mehr Frauenrechten" als Bedingung für den Aufschwung in diesen Ländern die Rede).
Ist da eigentlich was dran, oder ist auch das nur pure feministische Propaganda?

Gequirlte Kacke ist das. Der Grund für ihr Desaster liegt im Protektionismus bzw. in der idiotischen Subventionspolitik der reichen Industriestaaten. Baue diese ab und die Entwicklungsländer sind in der Lage, sich selbst zu helfen. Feministisches Geschwafel gibt es vieles und das wenigste davon stimmt.

Der Aufklärer

Re: kein Fortschritt ohne Frauen?

michail, Friday, 26.09.2003, 23:19 (vor 8167 Tagen) @ Frank

Als Antwort auf: kein Fortschritt ohne Frauen? von Frank am 26. September 2003 18:33:33:

Hi Frank,

weil Feminismus (Frauenfortschritt) wie jeder Luxus nur dort entstehen konnte, wo es schon allgemeinen Fortschritt und Prosperität gab, drehen es die Femis einfach um und sagen, daß es Fortschritt und Wohlstand nur dort geben kann, wo es den Feminismus (Frauenfortschritt) gibt.

Die Geschichte zeigt aber eindeutig was zuerst da war.

Gruß
Michail

Jein

Lars, Saturday, 27.09.2003, 01:06 (vor 8167 Tagen) @ Frank

Als Antwort auf: kein Fortschritt ohne Frauen? von Frank am 26. September 2003 18:33:33:

Gelegentlich liest man in der Presse Stellungnahmen von UNO- oder sonstigen Schlauköpfen, die sich dahin gehend äußern, dass es in den Ländern der sog. Dritten Welt erst dann aufwärts gehen werde, wenn man den Frauen bessere Bildungschancen einräume. (Manchmal ist auch unverhohlen von "mehr Frauenrechten" als Bedingung für den Aufschwung in diesen Ländern die Rede).
Ist da eigentlich was dran, oder ist auch das nur pure feministische Propaganda?

In erster Linie geht es bei der Dritte-Welt-Problematik eigentlich eher um wirtschafts- und handelspolitische Fragen (zu den unterschiedlichen Meinungen, die es bei diesen Fragen dann gibt, siehe auch: Die Lars-Anabasis-Kontroverse im "OT: Dritte-Welt"-Thread *g*).

Zum Geschlechter-Aspekt:

- Ok, man könnte argumentieren: Gebildete Frauen lassen sich nicht so schnell schwängern. Frauenbildung wäre also gut in Hinblick auf das Problem der Bevölkerungsexplosion.

- Und WENN die Staaten dort schon mal Bildungsprogramme einigermaßen finanziert und organisiert kriegen, ist es natürlich haarestäubend, wenn diese dann trotzdem auf Dorf aufgrund irgendwelcher Traditionen von 50% nicht in Anspruch genommen werden (können).

Insoweit ist die These "Kein Fortschritt ohne Frauen" nicht ganz aus der Luft gegriffen. (Und generell moralisch: Anders als in den Industrieländern haben frauenrechtlerische Parolen in der Dritten Welt ja auch durchaus ja oft noch eine Berechtigung; Stichwort: Klitoris-Beschneidung u. ä.)

Aber die Bildungsproblematik in der Dritten Welt besteht ja nicht darin, daß es dort den Frauen an Bildung mangelt, sondern der Bevölkerung INSGESAMT! Die Bildungsschranken liegen dort nicht in erster Linie zwischen Männern und Frauen, sondern zwischen einer kleinen Oberschicht und dem Rest der Bevölkerung, sowie zwischen Stadt und Land sowie verschiedenen ethnischen Gruppen. - Nebenbei: Das beste Beispiel dafür, daß ein Land zur Industrialisierung nicht zwingend Frauenbildung braucht, ist ja das Europa des 19. Jahrhunderts!

Insoweit ist die These dann auch wieder unsachlich.

Bevölkerungsexplosion

Simon, Saturday, 27.09.2003, 01:27 (vor 8167 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Jein von Lars am 26. September 2003 22:06:16:

- Ok, man könnte argumentieren: Gebildete Frauen lassen sich nicht so schnell schwängern. Frauenbildung wäre also gut in Hinblick auf das Problem der Bevölkerungsexplosion.

Das impliziert aber, daß es so etwas wie eine Bevölkerungsexplosion überhaupt gibt, bzw. daß diese an sich ein Problem wäre. Wie kommt es eigentlich dazu, daß in Bezug auf die Dritte Welt (meist geht es diesbezüglich ja um Afrika) von einer Bevölkerungsexplosion und von Überbevölkerung die Rede ist, obwohl - um beim Beispiel Afrika zu bleiben - die meisten Gebiete dort wesentlich dünner besiedelt sind als Westeuropa. Es wird so getan, als sei das dortige Armutsproblem eines von zu vielen Menschen, während etwa in Deutschland permanent über den Geburtenrückgang gejammert wird. Das Bild der "Explosion" ist darüberhinaus latent rassistisch, genau wie das der "Ausländerflut". Die Bevölkerungszunahme könnte doch z.B. auch einmal als Erfolg gefeiert werden, zeigt sie doch, daß offenbar - alles in allem - durch Fortschritte in Hygiene, Medizin und Nahrungserzeugung mehr Menschen überleben können als in früheren Jahrzehnten/Jahrhunderten. Das Problem der Armut ist ein politisches - und keines von "zu vielen" Menschen. Welche Anmaßung! (Die ich Dir nicht unterstelle: Du referierst ja nur eine verbreitete Ansicht.)

Re: Bevölkerungsexplosion

Manfred, Saturday, 27.09.2003, 15:05 (vor 8167 Tagen) @ Simon

Als Antwort auf: Bevölkerungsexplosion von Simon am 26. September 2003 22:27:28:

...Wie kommt es eigentlich dazu, daß in Bezug auf die Dritte Welt (meist geht es diesbezüglich ja um Afrika) von einer Bevölkerungsexplosion und von Überbevölkerung die Rede ist, obwohl - um beim Beispiel Afrika zu bleiben - die meisten Gebiete dort wesentlich dünner besiedelt sind als Westeuropa... Das Problem der Armut ist ein politisches - und keines von "zu vielen" Menschen. Welche Anmaßung! (Die ich Dir nicht unterstelle: Du referierst ja nur eine verbreitete Ansicht.)

Nicht ganz. Denn es geht beim Begriff "Überbevölkerung" ja nicht zwingend darum, wieviele Einwohner pro qkm ein Gebiet hat, sondern auch darum, wieviele Einwohner pro Fläche durch die dort herrschenden Verhältnisse ernährt werden können. Es spielt also auch z.B. die Landwirtschaft eine große Rolle. So kann ein großes Steppengebiet dessen Boden einfach nichts hergibt und wo auch sonst kein Wirtschaftszweig zum Nahrungserwerb gedeiht (Fischfang, Viehzucht etc.) unter diesem Aspekt als "überbevölkert" eingestuft werden, auch wenn dort nur 10 Ew. pro qkm leben, während wir in Europa stellenweise das dreißigfache erreichen.

Schönen Gruß
MAnfred

Re: Bevölkerungsexplosion

Lars, Saturday, 27.09.2003, 16:17 (vor 8167 Tagen) @ Simon

Als Antwort auf: Bevölkerungsexplosion von Simon am 26. September 2003 22:27:28:

Hallo Simon,

grundsätzlich teile ich selber haargenau diese Kritik am "Überbevölkerungs"-Begriff, nur schien mir das in diesem thematischen Zusammenhang etwas zu weitführend. V. a. : Rein pragmatisch, vom kurz- und mittelfristigen Interessenstandpunkt der Dritt-Welt-Völker aus gesehen, würde es schon Sinn machen, das Bevölkerungswachstum zu verringern. Denn dies ließe sich noch vergleichsweise einfach bewerkstelligen und würde helfen, die wirtschaftliche dort Situation etwas zu entspannen, wohingegen sich an den welt- wie binnenwirtschaftspolitischen Verhältnissen aufgrund starker Interessengruppen kurzfristig kaum was ändern dürfte.

Gruß
Lars

Besser: "RELATIVE Bevölkerungsexplosion", "ÖKONOMISCHE Überbevölkerung"

Lars, Saturday, 27.09.2003, 16:38 (vor 8167 Tagen) @ Manfred

Als Antwort auf: Re: Bevölkerungsexplosion von Manfred am 27. September 2003 12:05:08:

Nicht ganz. Denn es geht beim Begriff "Überbevölkerung" ja nicht zwingend darum, wieviele Einwohner pro qkm ein Gebiet hat, sondern auch darum, wieviele Einwohner pro Fläche durch die dort herrschenden Verhältnisse ernährt werden können. Es spielt also auch z.B. die Landwirtschaft eine große Rolle. So kann ein großes Steppengebiet dessen Boden einfach nichts hergibt und wo auch sonst kein Wirtschaftszweig zum Nahrungserwerb gedeiht (Fischfang, Viehzucht etc.) unter diesem Aspekt als "überbevölkert" eingestuft werden, auch wenn dort nur 10 Ew. pro qkm leben, während wir in Europa stellenweise das dreißigfache erreichen.
Schönen Gruß
MAnfred

Ich wäre für den Begriff der "relativen Bevölkerungsexplosion" mit dem wichtigen Zusatz, daß dieser Begriff ökonomisch, nicht geographisch gemeint ist, daß er - was in Geographie-Lehrbüchern leider oft unerwähnt bleibt - sich nicht grundsätzlich auf die agrarische Tragfähigkeit bezieht, sondern auf die gesamtwirtschaftliche.

Denn: Selbst wenn biblische Plagen morgen die deutsche Landwirtschaft heimsuchen würden, wäre die deutsche Wirtschaft insgesamt (mit Industrieexporten usw.) in der Lage die hiesige Bevölkerung zu "ernähren".

Es stimmt schon, was Simon meint: Der gänge unreflektierte Gebrauch des Überbevölkerungsbegriff in Zusammenhang mit Afrika, weckt bei Otto Normalverbraucher und Ließchen Müller wohl die Vorstellung: "Siehst Du, Es gibt einfach zuviele Negers!" ... *an.den.Kopf.fass*

Re: Besser: "RELATIVE Bevölkerungsexplosion", "ÖKONOMISCHE Überbevölkerung"

Rüdiger, Saturday, 27.09.2003, 17:08 (vor 8167 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Besser: "RELATIVE Bevölkerungsexplosion", "ÖKONOMISCHE Überbevölkerung" von Lars am 27. September 2003 13:38:18:

Ich wollte heute nacht schon auf Simon antworten, ging aber nicht wegen Gastschreibersperre.

In der Sahelzone mit ihren knappen, dürren, erholungsbedürftigen Hälmchen können leider auch recht wenige Menschen schon zu viel sein, wenn deren Rindviecher und Ziegen jeden neuen Halm gleich kahlfressen. Und was soll ein Mensch dort anders werden als Bauer oder Hirte?

Ebenso: Welch anderes Brennmaterial haben die Nepalesen als Holz? Also werden halt die Wälder an den erosionsgefährdeten Berghängen abgeholzt, wenn die Bevölkerung auch nur wenig wächst....

Bei "Bevölkerungsexplosion" denke ich mehr an solche Länder wie z. B. Bangla Desh, wo auf der halben Fläche der alten BRD weit über 100 Mio. Menschen leben, und das auch noch in Überschwemmungsgebieten - notgedrungen... Die platzen ja wirklich aus allen Nähten.

Deutschland ist in diesem Sinne zwar nicht überbevölkert, aber subjektiv empfinde ich Deutschland als voll: Ständig zunehmende Zersiedlung, überall Verkehrsstaus, Menschenmassen... In Finnland z. B. hab ich das SO nicht erlebt .... Wenn D statt 80 nur noch 40 Mio. Einwohner hätte, wäre das sicherlich kein Beinbruch....

Gruß, Rüdiger

Nicht ganz ernst gemeinte Bemerkung

Lars, Saturday, 27.09.2003, 23:12 (vor 8166 Tagen) @ Rüdiger

Als Antwort auf: Re: Besser: "RELATIVE Bevölkerungsexplosion", "ÖKONOMISCHE Überbevölkerung" von Rüdiger am 27. September 2003 14:08:16:

Wenn D statt 80 nur noch 40 Mio. Einwohner hätte, wäre das sicherlich kein Beinbruch....
Gruß, Rüdiger

40 statt 80? Aus Gründen der "polical correctness" wage ich nicht ausszusprechen, wie sich dies mit der Geschlechterfrage verbinden ließe ...*g*

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