@Silke: Bildungspolitik
Hallo Silke,
ich finde Deine Ausführungen zur Bildungspolitik sehr interessant. Insbesondere die nachfolgenden zwei Punkte aus Deinen Postings an Lars und an Garfield würde ich gerne nochmals aufgreifen.
Zu b)
Ich kann aus meinem Kollegium nur berichten, dass wir einen deutlichen Frauenüberhang haben und darüber absolut nicht glücklich sind. Wir Lehrerinnen sehnen uns in der Tat nach dem männlichen Gegenpart, der für eine ausgewogenere Erziehung von Schülerinnen und Schülern sorgen könnte. Immer nur Sopran statt Bass, immer nur zu häkeln statt zu werken und immer nur zu kochen statt zu hämmern schränkt alle ein - nicht nur die Jungs (die im Übrigen beim Kochen wahre Wunder vollbringen!).
Da jedes Kind anders gestrickt ist, brauchen wir eine riesige Palette an Lehrerpersönlichkeiten, um möglichst jedem Kind einen Ansprechpartner zu bieten. Männer werden von Kindern hierbei genauso gebraucht wie die Frauen.
Das bedeutet: WENN wir also einen neuen männlichen Kollegen ergattern könnten, dann hätten wir besseres zu tun, als ihn wieder zu vergraulen. Dasselbe gilt für diejenigen, die wir noch haben.
Hierbei wäre es hilfreich für alle Beteiligten, dass so eine Meinung mal zu den Superpädagogen vordringt. Diese sitzen allerdings nicht an den Schulen, sondern tun ihren unverzichtbaren Dienst im Ministerium, wo sie sich neue "Streitschriften" (Der aktuelle Dauerbrenner nennt sich "Qualitätsmanagment".) für bessere Schüler einfallen lassen. Oft frage ich mich, warum diese begnadeten Helden keinen Unterricht mehr halten ... Ich würde ihnen gerne über die Schulter schauen.
...Der erste Teil klingt ja sehr positiv, dem zweiten Teil kann ich voll uns ganz zustimmen. Ich kann bestätigen, dass die Ministerien oftmals viel zu weit von der Realität entfernt sind.
Du schreibst, die Kolleginnen und Kollegen würde es begrüßen, wenn es mehr männliche Lehrer geben würde. Das ist eine Grundlage, auf der man aufbauen kann.
Wie du vielleicht schon mitbekommen hast, interessiere ich mich für die Bildungspolitik. Da Du Praktikerin bist, hätte ich drei Fragen an Dich und wäre froh, wenn du mir helfen könntest.
1. Wie, glaubst Du, wäre der Anteil an männlichen Lehrern und Erziehern zu erhöhen? Welche sinnvollen Maßnahmen könnten erfolgversprechend sein?
2. Wie kann deiner Vermutung nach spezieller auf die Kompetenzdefizite der Jungen und Mädchen eingegangen werden. Was sollte man tun, um diese geschlechtsspezifischen Differenzen zu beseitigen?
3. Die Politiker bringen immer wieder die Ganztagsschulen ins Gespräch. Aber gerade die Länder, die dies praktizieren (z.B. Schweden oder Finnland) haben größere (Finnland sogar die größte) geschlechterspezifische Diskrepanz zu ungunsten der Jungen. Das kann es also wohl nicht sein. Oder was meinst Du?
Gruß
Bruno