Boys Day: eigene Erfahrungen?
Odin, Tuesday, 23.09.2003, 14:11 (vor 8171 Tagen)
Diese Anfrage habe ich gefunden und leite sie mal weiter:
Betreff: Girls Day 2004 - und die Jungs?
Hallo,
am 22.04.2004 findet wieder der weltweite (?) "Girls-Day" statt. Keine
Frage, eine sinnvolle und richtige Investition in die Zukunft unserer
Mädchen. Schade nur, dass es keine ähnliche Aktion für unsere Jungs gibt...
Ich suche Menschen, die Anregungen oder sogar Erfahrungen haben, mit
Alternativprogrammen zum "Girls-Day" für Jungs.
Herzliche Grüße
Uwe Bergmeier
Rückmeldungen bitte an: Uwe.Bergmeier@gmx.de
Idee
Lars, Tuesday, 23.09.2003, 15:02 (vor 8171 Tagen) @ Odin
Als Antwort auf: Boys Day: eigene Erfahrungen? von Odin am 23. September 2003 11:11:38:
Was mir da so´n bißchen vorschwebt, wäre ein Flugblatt, daß vor den Schulen an die Jungs verteilt wird und (zunächst einmal in moderatem Tonfall) dazu aufruft am "Girls Day" einfach ebenfalls die Väter (oder ggf. auch die Mütter) mal auf der Arbeit zu besuchen.
- Ich vermute, ein großer Teil der Eltern (Väter UND Mütter) würde das unterstützen, oder zumindest endlich "mit der Nase drauf gestoßen werden", daß da in der Bildungspolitik etwas falsch läuft.
- Der reine "Girls Day" wäre an den betreffenden Schulen keine unhinterfragte Selbstverständlichkeit mehr.
- Die dann fälligen Strafen für die Jungs würden den Charakter des reinen "Girlsdays" als faktischen Anti-Jungen-Tag noch deutlicher machen. Manche "Rotgrüne" LehrerInnen, welche das unerlaubte Fernbleiben der Jungs vom Unterricht zwecks Berufsinfo mit einem Eintrag ins Klassenbuch ahnden sollen, könnten sich gewisser Selbstzweifel hinsichtlich ihres ach so "liberalen", "emanzipatorischen" und "egalitären" Selbstverständnisses wohl kaum noch erwehren. Zumindest die Minderheit der LehrER dürfte wachgerüttelt werden und sich im Kollegium vielleicht doch mal kritisch zu Wort melden.
- V. a. erfahren die Jungs durch eine solche Flugblatt-Aktion - selbst wenn die Durchführung eines gleichzeitigen Boys Day dann doch (noch) nicht klappen sollte -, daß das, was ihre LehrerInnen ihnen da erzählen (von wegen, wie gemein die Jungs immer noch die Mädchen unterdrücken), draußen in der Gesellschaft zunehmend umstritten ist; daß sie nicht die einzigen sind, denen das alles etwas komisch vorkommt.
- Die anschließende Konfrontation mit den LehrerInnen wegen dem unerlaubten Fernbleiben - oder auch nur schon die Diskussion über das Flugblatt im Unterricht - könnte das Bewußtsein der Jungs dafür schärfen, wer in der Schule und in der Gesellschaft auf ihrer Seite steht und wer nicht.
Unnötig zu erwähnen, daß ein solches Flugblatt einschlägige Internet-Adressen enthalten sollte.
Re: Idee
Odin, Tuesday, 23.09.2003, 21:07 (vor 8171 Tagen) @ Lars
Als Antwort auf: Idee von Lars am 23. September 2003 12:02:14:
Was mir da so´n bißchen vorschwebt, wäre ein Flugblatt, daß vor den Schulen an die Jungs verteilt wird und (zunächst einmal in moderatem Tonfall) dazu aufruft am "Girls Day" einfach ebenfalls die Väter (oder ggf. auch die Mütter) mal auf der Arbeit zu besuchen.
. ....
- Die anschließende Konfrontation mit den LehrerInnen wegen dem unerlaubten Fernbleiben - oder auch nur schon die Diskussion über das Flugblatt im Unterricht - könnte das Bewußtsein der Jungs dafür schärfen, wer in der Schule und in der Gesellschaft auf ihrer Seite steht und wer nicht.
Unnötig zu erwähnen, daß ein solches Flugblatt einschlägige Internet-Adressen enthalten sollte.
Die Idee, die Väter am Arbeitsplatz mit den Jungs zu besuchen hat was - aber NUR wenn dies mit den Lehrern abgesprochen ist. Die Jungs für eigene politische Zwecke zu benutzen würde ich ablehnen.
Re: Boys Day: eigene Erfahrungen?
Dieter, Tuesday, 23.09.2003, 17:02 (vor 8171 Tagen) @ Odin
Als Antwort auf: Boys Day: eigene Erfahrungen? von Odin am 23. September 2003 11:11:38:
Mein Sohn ist noch im Kindergarten, und da gibt es keinen "Girls-Day". Ich werde also warten müssen, bis er in die Schule kommt, bevor ich Gelegenheit habe, eine Gegenberanstaltung zu organisieren.
Was wir dann machen werden, wird sich zeigen. Sicher einen Einblick in meine Arbeit, ein Besuch bei befreundeten Unternehmen und auch etwas "Indoktrination" unter dem Blickwinkel "ihr seit genauso wichtig wie die Mädchen"
Gruß
Dieter
Re: Boys Day: eigene Erfahrungen?
Advocatus Feminae, Wednesday, 24.09.2003, 00:04 (vor 8171 Tagen) @ Dieter
Als Antwort auf: Re: Boys Day: eigene Erfahrungen? von Dieter am 23. September 2003 14:02:12:
Sicher einen Einblick in meine Arbeit, ein Besuch bei befreundeten Unternehmen und auch etwas "Indoktrination" unter dem Blickwinkel "ihr seit genauso wichtig wie die Mädchen"
Gruß
Dieter
Letztes Jahr hatte ich meine Tochter mit bei der Arbeit. Einige Kollegen hatten wie selbstverständlich auch Söhne mit. Die Signale in Niedersachsen waren missverständlich: erst hieß es, Jungs okay, dann igittigitt bloß nicht, das ist ein Görls day.
Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass es für Jungs fast noch wichtiger ist als für Mädels, Ihren Papa zur Arbeit zu begleiten (Stichwort: unsichtbare Väter, fehlende Vorbilder, fehlende männliche Bezugspersonen und Rollenvorbilder etc. etc.)
Re: Boys Day: eigene Erfahrungen?
Dieter, Wednesday, 24.09.2003, 11:11 (vor 8170 Tagen) @ Advocatus Feminae
Als Antwort auf: Re: Boys Day: eigene Erfahrungen? von Advocatus Feminae am 23. September 2003 21:04:18:
Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass es für Jungs fast noch wichtiger ist als für Mädels, Ihren Papa zur Arbeit zu begleiten (Stichwort: unsichtbare Väter, fehlende Vorbilder, fehlende männliche Bezugspersonen und Rollenvorbilder etc. etc.)
Jungs, die ihren Papa auf die Arbeit begleiten können, leider sicher nicht unbedingt unter unsichtbaren Väter, fehlenden Vorbilder, fehlenden männliche Bezugspersonen und Rollenvorbilder, das trifft eher die, die bei Alleinerziehenden aufwachsen. Aber keine Frage, es ist für Söhne und für Töchter halt gleich wichtig.
Gruß
Dieter
Leider wächst mein Sohn so auf (bin Wochendpapa) (n/t)
Advocatus Feminae, Thursday, 25.09.2003, 00:35 (vor 8170 Tagen) @ Dieter
Als Antwort auf: Re: Boys Day: eigene Erfahrungen? von Dieter am 24. September 2003 08:11:14:
Re: Boys Day: eigene Erfahrungen?
Bruno, Tuesday, 23.09.2003, 17:17 (vor 8171 Tagen) @ Odin
Als Antwort auf: Boys Day: eigene Erfahrungen? von Odin am 23. September 2003 11:11:38:
Diese Anfrage habe ich gefunden und leite sie mal weiter:
Betreff: Girls Day 2004 - und die Jungs?
Hallo,
am 22.04.2004 findet wieder der weltweite (?) "Girls-Day" statt. Keine
Frage, eine sinnvolle und richtige Investition in die Zukunft unserer
Mädchen. Schade nur, dass es keine ähnliche Aktion für unsere Jungs gibt...
Ich suche Menschen, die Anregungen oder sogar Erfahrungen haben, mit
Alternativprogrammen zum "Girls-Day" für Jungs.
Herzliche Grüße
Uwe Bergmeier
Rückmeldungen bitte an: Uwe.Bergmeier@gmx.de
Hallo Odin,
sehr gute Frage. Ich habe mich damit beschäftigt und beschäftige mich auch weiterhin damit. Ich möchte ausführlich darauf eingehen und auch darlegen, was man tun könnte.
Zunächst einmal Grundlegendes:
Eine Parallelveranstaltung zum Girls-Day (nennen wir sie Boys-Day; in den USA, von woher es der Girls-Day wurde dieser schon länger in den Girls- and Boys-Day erweitert; dort hat man offenbar schon gemerkt, dass die Jugend mehr als nur 50% der Jugendlichen umfasst) hätte nur Sinn, wenn sie die Intension des Girls-Days ergänzt. Also während den Mädchen Technikberufe vorgestellt würden, sollten die Jungen Sozial- und Erziehungsberufe vorgestellt bekommen. Diese Vorstellung ist eigentlich ganz logisch und müsste auch auf Zustimmung der Jugend-, Bildungs- und Arbeitsmarkrpolitik bekommen. Warum:
1. Auch die Jungen haben berechtigte Zukunftsängste (männliche Jugendarbeitslosenquote höher als die weibliche) und durch die Einseitigkeit dieser Veranstaltung wird den Jungen demonstriert, dass man sich für ihre Probleme bestenfalls nachrangig interessiert.
2. Eine Integration der Jungen in Sozial- und Erziehungsberufe würde der Empfehlung des Forum Bildung von 2001 entsprechen, in dem führende bildungspolitische Verantwortliche von Bund Ländern, Wissenschaft und Sozialpartnern kar dargelegt haben, dass es dringend notwendig wäre, den Anteil von Männern im Erziehungsbereich zu erhöhen.
3. Eine Erhöhung des Männeranteils in Erzioehungsberufen würde deren soziale Kompetenz in der Erziehungsarbeit und damit auch in der bereitschaft auch im Privaten mehr Erziehungsarbeit zu übernehemn, erhöhen.
Also alles Argumente, die ja den Femis eigentlich gefallen müssten. Trotzdem wird eine solche Parallelveransatltung abgelehnt. Das Kompetenzzentrum Frauen in Technnologie und Informationsgesellschaft, das Koordinator des Girls-Days ist, legt dar, dass alle Veranstalter gegen die Ausweitung des Girls-Days sind. Insbesondere die Industier würde sich vehement dagegen aussprechen. Deshalb sei auch schon beschlossen, in den nächsten beiden Jahren den Girls-Day wieder nur einseitig durchzuführen. Warum?
Das ist die große Frage. Meine persönliche Meinung ist, dass niemand den männlichen Erzieher wirklich will. Die Industrie nicht, weil sie Männer möchte, die sich nur um ihren Beruf kümmern und nicht um die Familie, die Politik nicht, weil sie in Wirklichkeit nicht mehr Väter in der Erziehung möchte, sondern Familien, in denen Mütter und Väter gleichzeitig arbeiten, denn dann kann man beide steuerlich belangen. Warum die Gewerkschaften das nicht wollen, weiß ich nicht, aber ich habe den Eindruck, dass die Frauenressorts dort gegen alles sind, was auch nur annähernd Männern helfen könnte, egal warum. Und die Sozialpartner (z.B. Caritas, Diakonie, Wohlfahrtsverbände) halten sich raus. Ich habe dort mehrfach um Mithilfe bei einem Boys-Day gebettelt. Keine Antwort. Die gleichen Verbände, die billige Zivis gerne nehmen zeigen keinerlei Hilfsbereitschaft, wenn es darum geht, Männer für den Sozial- und Erziehungsbereich zu gewinnen. Und das, obwohl alle den Pflegepersonalnotstand beklagen. Einzige Ausnahme, war das Deutsche Rote Kreuz, das zwar ohne konkrete Festlegung des Umfanmges der Veranstaltung natürlich nicht pauschal seine Unterstützung zusagen konnte, das eine solche Veranstaltung jedoch ausdrücklich begrüßt hat.
Was kann man tun?
Nun, das Kompetnzzentrum hat dargelegt, dass es auch deshalb kein Handlungsbedarf sieht, weil es bisher nur sehrwenige negative Äußerungen zu der Art der Durchführung gab. Dies ist ein klarer Appell an uns. Da können wir zeigen, was wir drauf haben.
Deshalb meine Vorschläge:
Bei der nächsten Durchführung des Girls-Days sollten sich möglichst viele bei den Ministerien (Bildungsministerium, Frauenministerium) und beim Kompetenzzentrum über deren Einseitigkeit beschweren. Zudem sollten Leserbriefe an Zeitungen geschrieben werden mit der Beschwerde über die Einseitigkeit der Durchführung. An diesem Tag im April 2004 wird es ja wieder genug Pressemeldungen dazu geben. Nur wenn wir gemeinsam durch eine solche konzertierte Aktion im April nächsten Jahres zeigen, dass es sehr wohl Beschwerden über die Ausgrenzung der Jungen gibt, haben wir Erfolg.
Beispiele für einen Girls- and Boys-Day in Deutschland ist unter http://www.region-des-lernens.de/holzminden/girls_and_boys_day_2003.pdf zu finden.
Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen.
Gruß
Bruno
GirlsDay / BoysDay und die Frauendomäne Erziehungswesen
Lars, Tuesday, 23.09.2003, 19:41 (vor 8171 Tagen) @ Bruno
Als Antwort auf: Re: Boys Day: eigene Erfahrungen? von Bruno am 23. September 2003 14:17:33:
Das ist die große Frage. Meine persönliche Meinung ist, dass niemand den männlichen Erzieher wirklich will. Die Industrie nicht, weil sie Männer möchte, die sich nur um ihren Beruf kümmern und nicht um die Familie, die Politik nicht, weil sie in Wirklichkeit nicht mehr Väter in der Erziehung möchte, sondern Familien, in denen Mütter und Väter gleichzeitig arbeiten, denn dann kann man beide steuerlich belangen. Warum die Gewerkschaften das nicht wollen, weiß ich nicht, aber ich habe den Eindruck, dass die Frauenressorts dort gegen alles sind, was auch nur annähernd Männern helfen könnte, egal warum.
Bei den Gewerkschaften liegt daß daran, daß die in erster Linie die Interessen ihrer jeweiligen Mitglieder und der daran gekoppelten Job-verschaffungs-Seilschaften vertreten: Die IG-Metall ist eine Männergewerkschaft, die GEW (Lehrergewerkschaft) ist eine Frauengewerkschaft; der IG-Metall-Betriebsrat kennt Mitarbeiter, die ihre Kumpels oder ihre Söhne in der Branche unterbringen unterbringen wollen, die GEW-Vertreterin kennt Lehrerinnen, die ihren Freundinnen oder Töchtern zum Lehramt verhelfen wollen.
Außerdem dürfte es zumindest unter den Feministinnen unter den GEW-Frauen Konsens sein, daß Männer im allgemeinen einen schlechten Einfluß auf den Nachwuchs haben.
Genau bei diesem Widerspruch kann man die Feministinnen kriegen: Sie wollen mehr Frauen in technische und Wirtschaftsberufe-berufe, aber sie wollen nicht wirklich mehr Männer ins Erziehungswesen:
a) weil sie ahnen, daß am Ende doch die meisten Frauen eher in die vermeintlich stressfreieren Erziehungsberufe gehen und demnach die Plätze freigehalten werden müssen
b) weil Feministinnen männlichen Lehrern oder Sozialpädagogen menschlich abgrundtief mißtrauen (so wie man Väter von den Kindern fernhalten muß, muß man Lehrer von Schülern fernhalten)
c) weil das Erziehungs- und Bildungswesen (noch vor den Massenmedien) DAS Instrument feministischer Gesellschaftspolitik ist! Hier sollen der "Neue Mann" und die "Neue Frau" geformt werden! Und erst der "NEUE Mann" darf dann wieder auf die Schüler losgelassen werden.
Re: GirlsDay / BoysDay und die Frauendomäne Erziehungswesen
Silke, Friday, 26.09.2003, 00:31 (vor 8169 Tagen) @ Lars
Als Antwort auf: GirlsDay / BoysDay und die Frauendomäne Erziehungswesen von Lars am 23. September 2003 16:41:02:
Außerdem dürfte es zumindest unter den Feministinnen unter den GEW-Frauen Konsens sein, daß Männer im allgemeinen einen schlechten Einfluß auf den Nachwuchs haben.
Genau bei diesem Widerspruch kann man die Feministinnen kriegen: Sie wollen mehr Frauen in technische und Wirtschaftsberufe-berufe, aber sie wollen nicht wirklich mehr Männer ins Erziehungswesen:
a) weil sie ahnen, daß am Ende doch die meisten Frauen eher in die vermeintlich stressfreieren Erziehungsberufe gehen und demnach die Plätze freigehalten werden müssen
b) weil Feministinnen männlichen Lehrern oder Sozialpädagogen menschlich abgrundtief mißtrauen (so wie man Väter von den Kindern fernhalten muß, muß man Lehrer von Schülern fernhalten)
c) weil das Erziehungs- und Bildungswesen (noch vor den Massenmedien) DAS Instrument feministischer Gesellschaftspolitik ist! Hier sollen der "Neue Mann" und die "Neue Frau" geformt werden! Und erst der "NEUE Mann" darf dann wieder auf die Schüler losgelassen werden.
Lieber Lars,
bist du Erzieher - Pädagoge - Lehrer -(irgendsowas)? Wenn ja, dann würde ich mir gerne dein berufliches Umfeld anschauen, denn es ist so ganz anders als meines.
So sehr Frau ich bin, so sehr bemühe ich mich gerade in meinem Job - Lehrerin in der Sekundarstufe - um Objektivität. Keine deiner Aussagen treffen ins Schwarze, sondern erscheinen mir nur klischeebeladene Pauschalverurteilungen mit Halbwahrheits- und Seifenoperncharakter zu sein.
Zu a)
Wenn der vermeintlich stressfreiere Job in der Erziehung so attraktiv ist, dann lassen sich die Männer garantiert nicht von den Gewerkschaftlerinnen aus der Bahn schmeißen. Ich habe schon einmal erzählt, dass die meisten meiner männlichen Mitreferendare nach ihrer Ausbildung umgesattelt haben auf andere Berufszweige, gerade WEIL ihnen die Schule zu nervig und stressig war ("Da kann ich anderswo 'ne ruhigere Kugel schieben..."). Na klar, irgendjemand wird jetzt wieder sagen, dass die hasserfüllten Kolleginnen den männlichen Lehrkräften das Leben zur Hölle gemacht und für eine permanent lilafarbene Atmosphäre gesorgt haben müssen ... Aber wer bei uns (im Kollegium) Häkeldeckchen sucht ist genauso verkehrt wie bei uns (im Kollegium) hinter jeder Ecke eine Anti-Männer-Parole zu vermuten. Völlig daneben ... völlig. Wir alle - Männer wie Frauen - haben andere Probleme zu besprechen.
Zu b)
Ich kann aus meinem Kollegium nur berichten, dass wir einen deutlichen Frauenüberhang haben und darüber absolut nicht glücklich sind. Wir Lehrerinnen sehnen uns in der Tat nach dem männlichen Gegenpart, der für eine ausgewogenere Erziehung von Schülerinnen und Schülern sorgen könnte. Immer nur Sopran statt Bass, immer nur zu häkeln statt zu werken und immer nur zu kochen statt zu hämmern schränkt alle ein - nicht nur die Jungs (die im Übrigen beim Kochen wahre Wunder vollbringen!).
Da jedes Kind anders gestrickt ist, brauchen wir eine riesige Palette an Lehrerpersönlichkeiten, um möglichst jedem Kind einen Ansprechpartner zu bieten. Männer werden von Kindern hierbei genauso gebraucht wie die Frauen.
Das bedeutet: WENN wir also einen neuen männlichen Kollegen ergattern könnten, dann hätten wir besseres zu tun, als ihn wieder zu vergraulen. Dasselbe gilt für diejenigen, die wir noch haben. Man sollte mit dem Vorurteil vorsichtig sein, dass per se alle Erzieherinnen einen an der Waffel haben ... Also hüpf' bitte nicht ins Pauschalboot, auch wenn es so schön billig und bequem ist.
Zu c)
Als ob die staatlich gesponserte Erziehung für sowas überhaupt Zeit hätte! Der Lehrer ist genauso froh wie die Lehrerin, wenn er in einer 45-Minuten-Einheit überhaupt ein wenig Raum zur tatsächlichen Erziehung hat (neben der Tätigkeit als Sekretär/in und Wissensvermittler/in). Dazu zählt eine Schule ganz bescheiden Dinge wie: "Haue deine Mitschüler und Mitschülerinnen nicht! Klebe deinen Kaugummi nicht unter die Tischplatten! Gröle nicht in den Fluren, wenn Unterricht gehalten wird! Halte eventuell einem nachfolgenden Mitschüler (resp. einer nachfolgenden Mitschülerin) und - in besonders mutigen Momenten - einer Lehrkraft die Türe auf! Wasche dir nach dem Gang zur Toilette bitte bitte bitte die Hände! Setze dabei bitte bitte bitte nicht den ganzen Waschbereich unter Wasser!"
Soll ich weitermachen mit den bescheuerten Erziehungsaufgaben, die wir tatsächlich noch wahrzunehmen VERSUCHEN?
*Sollte ich irgendwann mal viiiieeel Zeit haben, dann werde ich vielleicht meiner (offensichtlich überall sonstwo ausgeführten) richtigen Bestimmung nachkommen und "neue" Männer schaffen ... Dafür wurde ich anscheinend ausgebildet, nachdem ich mich sicherlich erfolgreich einer Unzahl von Ideologietests unterzogen hatte. Nicht-Feministinnen haben bei sowas ja keine Chance! Die werden garantiert gnadenlos ausgesiebt.*
Lars, ich lade dich herzlich ein, einmal eine echte Schule von innen zu betrachten. Ich lade dich weiterhin ein, in echten Klassen einmal Gast zu sein und zu betrachten, was dort den Jungen (denn die Mädchen sind ja hier egal, auch wenn sie in der Schule dasselbe Programm mitmachen) angetan wird. Und wenn du dann nicht genug hast, darfst du sogar mal ein echtes Kollegium kennen lernen und den - echten - männlichen Lehrkräften dort deine Sorgen um sie mitteilen.
Re: GirlsDay / BoysDay und die Frauendomäne Erziehungswesen
AJM, Friday, 26.09.2003, 11:09 (vor 8168 Tagen) @ Silke
Als Antwort auf: Re: GirlsDay / BoysDay und die Frauendomäne Erziehungswesen von Silke am 25. September 2003 21:31:10:
Wir Lehrerinnen sehnen uns in der Tat nach dem männlichen Gegenpart, der für eine ausgewogenere Erziehung von Schülerinnen und Schülern sorgen könnte.<
Guten Morgen,
ich bin zwar kein Lehrer (das ist auch besser für alle Beteiligten
), habe aber aufgrund der Tatsache, der Sohn eines (inzwischen pensionierten) Schulleiters zu sein, einen sehr guten Einblick in die Veränderungen des Bildungswesens der letzten 25 Jahre. Wenn Du, wie oben zitiert, von einer ausgewogenen Erziehung sprichst, dann heißt das doch letztendlich, daß die Erziehung jetzt einseitig, frauen- bzw. mädchenbezogen ist. Und genau dies wird ja allenthalben in diesem Forum kritisiert.
Vielleicht sollte ich etwas weiter ausholen, denn es gibt. m.E. einen sehr großen Irrtum in unserer Gesellschaft. Daß nämlich die Schule einen Erziehungsauftrag hat. Nun gut, dank jahrzehntelanger femisistischer und post-68-Indoktrination hat die Schule heute defacto den Status eines Ersatzelternhauses (warum, wissen wir alle). Eigentlich ist die Schule ein Ort, an dem Wissen vermittelt werden soll, Grundlagen und Denkansätze, logisches Kombinieren und auch Toleranz gegenüber Mitmenschen (nicht jeder ist gleich). Um das alles zu erreichen, ist eine Vorraussetzung elementar: Disziplin! Leider wird durch das Elternhaus, bewußt oder unbewußt, auf eine solche Tugenden (ebenso wie Ordnung, Ehrgeiz oder Fleiß) kein gesteigerten Wert gelegt. Die Folgen sind bekannt: Von 45 Minuten Unterrichtszeit kann sich mit Glück 10 Minuten dem Stoff gewidment werden. Der Rest geht für andere "Erziehungsaufgaben" drauf.
Diese Art der Unterrichtsgestaltung ist aber nun durch die Kultusministerien (hier in Hamburg seit langem in femnistischer Hand) durchaus gewollt und erwünscht. Alles vor dem (offiziell) Hintergrund, daß die Kinderinnen und Jugendlichinnen frei entfalten können und in ihren Entwicklung nicht gestört werden.
Das Kollegiem der Schule meines Vaters bestand früher etwa 50:50 aus Männlein und Weiblein. Heute sind von 27 Lehrkräften noch 3 männlich. Und die gehen in den nächsten 3 Jahren alle in Pension. Hinzu kommt, daß die Schule in einem Stadtteil liegt, die einen hahen Ausländeranteil hat, was dazu führt, daß manche Klassen zu 70% aus nichtdeutschen Schülern besteht (aber das ist eine anderes Thema). Was aber wichtig ist, daß sich die Lehrerinnen gegen die Schüler von heute kaum noch durchsetzen können. Disziplinarmaßnahmen gibt es eine mehr (es könnte den Schüler ja in seiner Entwicklung nachhaltig stören, wenn man ihm aufzeigt, daß sein Verhalten nicht erwünscht ist). Zu meiner Zeit lag (Jahrgang 1964) die durchschnittliche Klassenstärke bei 32 Schülern. Heute (an dieser Schule) grad noch 15 Schüler. Und trotzdem ist ein ruhiger und sinnvollen Ablauf des Unterrichts aus o.g. nicht möglich.
Ihr Lehrerinnen wünscht Euch vielleicht einen männlichen Gegenpart, in den Kultusministerien (zumindest in den SPD und/oder grün-dominierten) wird es leider nicht so gesehen. Ich möchte den Lehrerinnen vor Ort nicht einmal unterstellen, daß sie sich absichtlich so verhalten, wie es derzeit gang und gäbe ist, nämlich daß Mädchen eher bevorzugt werden. Instinktiv jedoch wird eher Partei Mädchen ergriffen (nenn es wie Du willst: Emotionale Intelligenz (eigentlich ein Paradoxon), Mutterinstinkt, wasweißich). Die Ergebnisse zeigen nun einmal deutlich, daß Jungen weniger gefördert werden und entsprechende schlechtere Schulabschlüsse ablegen. Und daß geht proportional einher mit der steigenden Anzahl von Lehrerinnen und feministischem Denken in den zuständigen Gremien.
Gruß
AJM
Re: GirlsDay / BoysDay und die Frauendomäne Erziehungswesen
Odin, Friday, 26.09.2003, 14:45 (vor 8168 Tagen) @ AJM
Als Antwort auf: Re: GirlsDay / BoysDay und die Frauendomäne Erziehungswesen von AJM am 26. September 2003 08:09:24:
Ihr Lehrerinnen wünscht Euch vielleicht einen männlichen Gegenpart, in den Kultusministerien (zumindest in den SPD und/oder grün-dominierten) wird es leider nicht so gesehen. Ich möchte den Lehrerinnen vor Ort nicht einmal unterstellen, daß sie sich absichtlich so verhalten, wie es derzeit gang und gäbe ist, nämlich daß Mädchen eher bevorzugt werden. Instinktiv jedoch wird eher Partei Mädchen ergriffen (nenn es wie Du willst: Emotionale Intelligenz (eigentlich ein Paradoxon), Mutterinstinkt, wasweißich). Die Ergebnisse zeigen nun einmal deutlich, daß Jungen weniger gefördert werden und entsprechende schlechtere Schulabschlüsse ablegen. Und daß geht proportional einher mit der steigenden Anzahl von Lehrerinnen und feministischem Denken in den zuständigen Gremien.
Ich muß hier Silke recht geben - wenn auch nur zum Teil, da Lars nicht von Frauen insgesamt, sondern von "Feministinnen" gesprochen hat - und da gebe ich ihm recht: Diese haben wirklich Grund, Männer von der Erziehungsarbeit fernzuhalten, da die Kinder für sie nichts anderes als Geiseln sind die sie brauchen, um ihre Ansichten in der Gesellschaft unterzubringen.
So kommt es natürlich auch vor, daß Männer in der Erziehungsarbeit ausgebissen werden. Generell aber ist es so, daß Männer händeringend gesucht werden. Ich selber arbeite mit Jugendlichen. Da ist das Problem nicht so schlimm. Wir achten sehr darauf, daß die Teams ausgewogen sind - zur Hälfte mit Männern, zur Hälfte mit Frauen. Wenn Du so willst, gibts also bei uns Quotenmänner 
So manches mal mußte ich notgedrungen eine Frau ins Team nehmen, weil kein Mann zu finden war, aber in der Regel haben wir auch Männer unter den Bewerbern - ich hatte sogar schon mal ein reines Männerteam + Praktikantin 
Je jünger die Kinder aber sind, umso weniger Männer findest du - und hier (und da spielen die Emanzen m.E. wirklich eine große Rolle) siehst Du politisch keine Bestrebungen, daran wirklich etwas zu ändern (boys-day etc.)
Re: GirlsDay / BoysDay und die Frauendomäne Erziehungswesen
Lars, Friday, 26.09.2003, 18:17 (vor 8168 Tagen) @ AJM
Als Antwort auf: Re: GirlsDay / BoysDay und die Frauendomäne Erziehungswesen von AJM am 26. September 2003 08:09:24:
Vielleicht sollte ich etwas weiter ausholen, denn es gibt. m.E. einen sehr großen Irrtum in unserer Gesellschaft. Daß nämlich die Schule einen Erziehungsauftrag hat. Nun gut, dank jahrzehntelanger femisistischer und post-68-Indoktrination hat die Schule heute defacto den Status eines Ersatzelternhauses (warum, wissen wir alle). Eigentlich ist die Schule ein Ort, an dem Wissen vermittelt werden soll, Grundlagen und Denkansätze, logisches Kombinieren und auch Toleranz gegenüber Mitmenschen (nicht jeder ist gleich). Um das alles zu erreichen, ist eine Vorraussetzung elementar: Disziplin! Leider wird durch das Elternhaus, bewußt oder unbewußt, auf eine solche Tugenden (ebenso wie Ordnung, Ehrgeiz oder Fleiß) kein gesteigerten Wert gelegt. Die Folgen sind bekannt: Von 45 Minuten Unterrichtszeit kann sich mit Glück 10 Minuten dem Stoff gewidment werden. Der Rest geht für andere "Erziehungsaufgaben" drauf.
Ich hab jetzt leider keine Zeit, ein ellenlanges Grundsatzreferat über Fragen der Pädagogik zu verfassen, möchte aber festhalten, daß diese - wenn ich das mal so flapsig sagen darf: - konservative Bildungs-Ideologie, NICHT zum Grundkonsens der Männerrechtsbewegung zählt. Ich zumindest teile eher einen "anti-autoritären" Wertekanon (und bin gerade aus DEM Grund Antifeminist! *g*) und finde, nicht Disziplin, Ordnung, Fleiß ect. sollten die obersten Gesichtspunkte bei Erziehung und Bildungs sein, sondern:
- das Wechselspiel von kritischem Hinterfragen der Normen und argumentativem Überzeugen
- die freie Entfaltung der Persönlichkeit
- das gute ditaktische "Rüberbringen" der Bildungsinhalte
- das Ausgleichen milieubedinger Bildungsferne
Ich für meinen Teil bin sehr FROH, NACH der "68er-Revolution" aufgewachsen zu sein.
Re: GirlsDay / BoysDay und die Frauendomäne Erziehungswesen
AJM, Sunday, 28.09.2003, 13:26 (vor 8166 Tagen) @ Lars
Als Antwort auf: Re: GirlsDay / BoysDay und die Frauendomäne Erziehungswesen von Lars am 26. September 2003 15:17:34:
- das Wechselspiel von kritischem Hinterfragen der Normen und argumentativem Überzeugen
- die freie Entfaltung der Persönlichkeit
- das gute ditaktische "Rüberbringen" der Bildungsinhalte
- das Ausgleichen milieubedinger Bildungsferne
Guten Tag,
Die Auflistung Deiner Wünsche, was die Schule leisten soll, hat m.E. einen entscheidenden Haken: Ohne ein Basiswissen, ohne den Stoff, über den man redet, zu kennen, ist ein Hinterfragen und ein argumentatives Überzeugen gar nicht möglich, das es ansonsten in sinnentleertem Gelaber endet. Um um genau diese "basics" ging es mit. Allerdings ist ein einer Schulklasse ohne ein Mindestmaß an Disziplin eine Vermittlung dieser Grundlagen nicht möglich. Das Problem, weclhes wir in D haben, ist, daß das Wort Disziplin nehr negativ belegt ist. Nur fällt mei auch kein anderes ein. Es geht auch nicht um Strammstehen, Kadavergehorsam oder sonstiges, sondern um den Willen der Schüler, dem Unterricht aufmerksam und wirkungsvoll zu folgen. (Ich habe extra "Willen" und nicht "Fähigkeit" geschrieben, da die meisten Kids durchaus in der Lage sind, einem PC-Spiel mehr als 2 Stunden ihr Aufmerkamkeit zu widmen)
Auch das didaktische Rüberbringen funktioniert nur, wenn beide Seiten (also sowohl Lehrer als auch Schüler) zum Einen die gleiche Sprache sprechen, zum anderen aber auch das gleich Ziel haben.
Was mit Entfaltung der Persönlichkeit in Zusammenhang mit Schule gemeint ist, wird mir nicht ganz klar. Denn hier geht es um Vermittlung von WIssen, von Arbeitsweisen und ganz allgemein um die Vorbereitung auf das nachfolgende Berufsleben. Und spätestens dort werden Defizite sichtbar und die Konfrontation mit der Leistungsgesellschaft.
Deinen letzten Punkt über das Ausgleichen milieubedinger Bildungsferne verstehe ich ebenfalls nicht so ganz, vielleicht bin ich einfach zu wenig Theoretiker. Aber (und das mit mein allgemeienr Vorwurf an da derzeitege Bildungssystem): Was sich heute bei mir auf Lehrstellen oder auch Arbeitsplätze bewirbt, ist zu einem überwiegenden Teil haarsträubend ungebildet. Zwar können Schulabgänger mittlerweile erstklassig palavern (sie nennen es wohl eher diskutieren, jedoch steckt wenig Wissen dahinter), bei einem einfachen Dreisatz oder gar Rechtschreibung (von Grammatik will ich erst gar nicht reden) versagen sie vollends.
Was ich damit sagen will in einem Satz: Mir ist egal, WELCHES Bildungsprinzip angewandt wird, solange das Ergebnis Schulbgänger produziert, die Für den von ihnen gewählten Beruf die notwendige Grundlage haben.
Gruß
Andreas
Verwissenschaftlichung
Norbert, Monday, 29.09.2003, 11:52 (vor 8165 Tagen) @ AJM
Als Antwort auf: Re: GirlsDay / BoysDay und die Frauendomäne Erziehungswesen von AJM am 28. September 2003 10:26:14:
Hi
Auch das didaktische Rüberbringen funktioniert nur, wenn beide Seiten (also sowohl Lehrer als auch Schüler) zum Einen die gleiche Sprache sprechen, zum anderen aber auch das gleich Ziel haben.
Dazu fällt mir der Begriff 'Verwissenschaftlichung' ein.
Ich hatte mal in der Hauptschule ein Problem.
Durch einen Rohling(außerhalb der Schule) hatte ich einen Armbruch erlitten, mußte dann wegen Komplikationen einige Zeit ins Krankenhaus.
In dieser Zeit wurden die mir die damals gebräuchlichen Begriffe 'wer-Fall' usw. durch die lateinischen Begriffe ersetzt.
Nach meine Rückkehr in den Unterricht hatte es niemand für nötig befunden mir dieses zu erklären, und ich verstand erst einmal nur noch Bahnhof.
Ähnliches erging mir später, als ich mal einer Nichte bei den Hausaufgaben helfen sollte. Unbekannte Begriffe, deren Bedeutung ich erst einmal herausfinden musste.
Danach war die Sache ganz trivial, nur unnötiger Aufwand durch die Verwendung von Fremdwörtern, die im Umgangsgebrauch unüblich waren und bis heute noch sind.
Durch so etwas kann man auch jedem Kind die Lust am lernen vergällen.
Gruß
Norbert
Gemeinsame Aktionen?
Odin, Tuesday, 23.09.2003, 21:15 (vor 8171 Tagen) @ Bruno
Als Antwort auf: Re: Boys Day: eigene Erfahrungen? von Bruno am 23. September 2003 14:17:33:
Deshalb meine Vorschläge:
Bei der nächsten Durchführung des Girls-Days sollten sich möglichst viele bei den Ministerien (Bildungsministerium, Frauenministerium) und beim Kompetenzzentrum über deren Einseitigkeit beschweren. Zudem sollten Leserbriefe an Zeitungen geschrieben werden mit der Beschwerde über die Einseitigkeit der Durchführung. An diesem Tag im April 2004 wird es ja wieder genug Pressemeldungen dazu geben. Nur wenn wir gemeinsam durch eine solche konzertierte Aktion im April nächsten Jahres zeigen, dass es sehr wohl Beschwerden über die Ausgrenzung der Jungen gibt, haben wir Erfolg.
Beispiele für einen Girls- and Boys-Day in Deutschland ist unter http://www.region-des-lernens.de/holzminden/girls_and_boys_day_2003.pdf zu finden.
Wie wärs, wenn wir sowas mal etwas längerfristig vorbereiten, anstatt daß irgendjemand einen Tag vorher einfällt, man könnte ja einen Leserbrief in die Zeitung setzen? Bis zum April kann man sich genug Gedanken machen, was man machen könnte und auch noch genug Mitstreiter finden.
Denselben Gedanken hatte ich auch für den Welt-Männertag am 4. November. Allerdings ist es dafür schon ein wenig knapp.
Ein Gedankenaustausch wäre hier sicher sinnvoll, um mal was Größeres vorzubereiten.
Was war denn am 4. November?
Lars, Tuesday, 23.09.2003, 21:26 (vor 8171 Tagen) @ Odin
Als Antwort auf: Gemeinsame Aktionen? von Odin am 23. September 2003 18:15:18:
Denselben Gedanken hatte ich auch für den Welt-Männertag am 4. November. Allerdings ist es dafür schon ein wenig knapp.
Re: Was war denn am 4. November?
Odin, Wednesday, 24.09.2003, 02:18 (vor 8171 Tagen) @ Lars
Als Antwort auf: Was war denn am 4. November? von Lars am 23. September 2003 18:26:45:
Denselben Gedanken hatte ich auch für den Welt-Männertag am 4. November. Allerdings ist es dafür schon ein wenig knapp.
Hab mich geirrt, ist der 3. November - aber was da war, weiß ich auch nicht 
Der Girls' Day ist eine Wahnsinnschance!
Gast, Tuesday, 23.09.2003, 17:31 (vor 8171 Tagen) @ Odin
Als Antwort auf: Boys Day: eigene Erfahrungen? von Odin am 23. September 2003 11:11:38:
Ich hatte vor kurzem schon mal hier oder bei Max&Moni etwas zu dem Thema gepostet. Vielleicht kommt die Idee ja jetzt an die richtige Adresse...
Der Girls' Day wäre eine gute Gelegenheit für Sozialpädagogen, die vorhaben, Jungenarbeit zu machen. Wenn Mädchenzentren staatlich gefördert werden, und der Girls' Day von der Wirtschaft unterstützt wird, dann könnten entsprechende Jungs-Projekte mit Fug und Recht auch mal die Hand aufhalten. Die Gender-kraten ließen sich vielleicht sogar auf unsere Seite ziehen, denn Feministinnen sind der Meinung, daß vor allem die Karrierefixiertheit der jungen Männer der "Gleichberechtigung" im Weg steht. Wer also vorgibt, mit den Jungs darüber nachdenken zu wollen, der kriegt vielleicht sogar deren Unterstützung.
Eine wichtige Forderung wäre dabei das Gespräch von Mann zu Mann. Mädchenprojekte machen das auch so. Die gehen in die Schule und lassen die Jungs draußen. Z.B. wenns um Gesundheitsvorsorge geht. Dann wäre die Bahn frei, um über das zu reden, was die Jungs wirklich interessiert.
(Post-)pubertierende Schüler interessiert vor allem eins: Wie komme ich an ein Mädchen? Oder noch besser: an zwei? Wenn man das anschneidet, wird man auf eine Mischung aus Unsicherheit und Geprotze treffen. Wenn es aber gelingt, die Stimmung etwas aufzulockern, und die Schüler das Gefühl kriegen, hier etwas lernen zu können, dann dürften sie gierig lauschen. Also: ein paar Erfolgsstories und ein paar Mißgeschicke, ein bißchen Aufklärung über die Schizophrenie der Frauen was Männer betrifft - das kann nicht schaden, das hilft denen weiter. Ein guter Ansatzpunkt: Hat irgendein Schüler überhaupt einmal mitgekriegt, wie Frauen über Männer reden, wenn sie unter sich sind?
Dann ist es aber wichtig, die Kurve zu kriegen: Beziehungen sind kein Zuckerschlecken! (Oder doch selten.) Hier werden die meisten Schüler etwas hören, von dem sie noch nichts wissen können: Wie das ist, wenn man mit einer Frau zusammenlebt. Und dass sie hier über Macht verfügen - das kann sich ein Schüler von selbst noch nicht vorstellen.
Und wenn sie soweit sind, kann man auch gesellschaftspolitische Themen ansprechen. Warum müssen Jungs erst zum Bund? Welche Rechte und Pflichten haben Männer und Frauen in einer Ehe? Wie haben sich die Gesetze entwickelt und warum? Warum und wie sehr werden Frauen extra gefördert? Fakten. Fakten. Fakten. Scheidungsgeschichten. Medien und Wirklichkeit.
Was hätten heranwachsende Männer davon? Ihnen würde eine Sicht vermittelt, an die sie sonst nicht kommen könnten, und die sie selbst erst aus schlechter Erfahrung einnehmen würden. Es würde sie resistenter gegenüber feministischen Lehrerinnen, Politikerinnen und Journalistinnen machen. Sie könnten lernen, durch den Propaganda-Schleier zu sehen. Ihnen bliebe die Illusion erspart, Frauen gäben doch tatsächlich dem Softie gegenüber dem Ernährer den Vorzug. Vielleicht bliebe uns ja sogar der eine oder andere männliche Feminist erspart!
Zu befürchten wäre aber, daß die Schüler ihr Wissen gleich anwenden und rausposaunen, und dann gäbe es im nächsten Jahr vermutlich keinen Boys' Day mehr. Unerläßlich also der Ratschlag: Man fährt besser, indem man erst mal zuhört, beobachtet und seine Schlüsse zieht. Auch etwas, das Schüler lernen könnten.
Und ein letztes: Es versteht sich von selbst, daß für eine solche "Mission" nur Personen in Frage kommen, die Muskulinität ausstrahlen. Jungs sind nur bereit von Leuten zu lernen, die sie auch respektieren. Kommen da Schlaffis und Loser an, die mit den Frauen nicht zurecht kommen, dann ernten sie höchstens Spott. Und - sorry - Schwule wären hier schlicht an der falschen Stelle. Bevor ich in Punkto Frauen schlauer geworden bin, hätte ich die Frage, "Was bedeutet es in dieser Gesellschaft, ein Mann zu sein", schon im Ansatz schwul gefunden.
Re: Der Girls' Day ist eine Wahnsinnschance!
Lars, Tuesday, 23.09.2003, 20:16 (vor 8171 Tagen) @ Gast
Als Antwort auf: Der Girls' Day ist eine Wahnsinnschance! von Gast am 23. September 2003 14:31:30:
Und ein letztes: Es versteht sich von selbst, daß für eine solche "Mission" nur Personen in Frage kommen, die Muskulinität ausstrahlen. Jungs sind nur bereit von Leuten zu lernen, die sie auch respektieren. Kommen da Schlaffis und Loser an, die mit den Frauen nicht zurecht kommen, dann ernten sie höchstens Spott. Und - sorry - Schwule wären hier schlicht an der falschen Stelle. Bevor ich in Punkto Frauen schlauer geworden bin, hätte ich die Frage, "Was bedeutet es in dieser Gesellschaft, ein Mann zu sein", schon im Ansatz schwul gefunden.
LOL; Also Deine Grund-Idee, daß GM-Sprech für sich auszunutzen finde ich richtig, aber Dein "letzteres" eher komisch: Bist Du sicher, daß Du die heutigen Jungs da richtig einschätzt? (Bzw. um welche Altersgruppe genau geht es?)
Betont "maskuline" Rauhbein-Pädagogen, die sich wie ein GI-Drill-Seargent vor den Jungs aufbauen ("Na Männer!"), werden gerade bei den aufgeweckteren Jungs entweder Belustigung oder Skepzis hervorrufen. (Bei uns an der Schule gab es zwei Arten von Lehrern: sozusagen den Feldwebel und den Softie. Wir Jungs waren zwar froh, nicht so zerknirscht zu sein wie die Softie-Lehrer und witzelten auch, daß die wohl zuhause unter der Fittiche ihrer Gattinnen stehen würden, aber dennoch fanden wir diese Art von Lehrern sympathischer und lebensnaher und das Lernklima bei denen entspannter und sachlicher. - Ich behaupte, viele Jungs lernen lieber von Leuten, die keinen "Respekt" einflößen, sondern (auf gleicher Augenhöhe stehend) einfach sachlich überzeugend argumentieren.
Andererseits hätten wir jedes Gespräch mit Erwachsenen über Mädchen&Beziehungen mega-peinlich gefunden!
Re: Der Girls' Day ist eine Wahnsinnschance! / Ergänzung
Lars, Tuesday, 23.09.2003, 20:27 (vor 8171 Tagen) @ Lars
Als Antwort auf: Re: Der Girls' Day ist eine Wahnsinnschance! von Lars am 23. September 2003 17:16:23:
Ich behaupte: Die meisten männlichen "FeministEN" sind biographisch gerade aus der (falsch verstandenen) Opposition gegen ungeschickt auftrendende, klischee-"männliche" Rudelführer entstanden. Ist doch klar: Je cooler und unnahbarer die männlichen Identifikationsfiguren daherkommen (vielleicht auch: je mehr Konflikte es mit diesen gibt), desto naheliegender wird es für die Jungs sich "irgendwie" anders zu orientieren. Da bietet sich dann, sozusagen aus Trotz heraus die Rolle des Pro-Feministen an.
Zur Beruhigung
Gast, Tuesday, 23.09.2003, 22:02 (vor 8171 Tagen) @ Lars
Als Antwort auf: Re: Der Girls' Day ist eine Wahnsinnschance! von Lars am 23. September 2003 17:16:23:
So war das nicht gemeint. Eine Type wie Harald Schmidt wäre OK. Zum Beispiel. Irgendjemand der auch Erfolg bei Frauen hat. Oder meinetwegen auch ein in sich ruhender Mönch. Fast alles wäre OK. Nur nicht: "Also, ich bin der Martin, und ich habe mich lange damit beschäftigt, und ich finde es echt wichtig ..."
...aber wie durchsetzen?
nochmal der Gast, Tuesday, 23.09.2003, 19:19 (vor 8171 Tagen) @ Odin
Als Antwort auf: Boys Day: eigene Erfahrungen? von Odin am 23. September 2003 11:11:38:
Im ersten Posting habe ich etwas zum Konzept pädagogischen(?)geschrieben. Genauso wie der Girls Day hat es natürlich einen politischen Hintergrund. Ich sehe einen Boys Day als eine Chance an, den lace curtain zu überwinden, und langfristig das Klima so zu verändern, daß gesellschaftliche Debatten über Männerrechte möglich sind. Es ist völlig klar, daß der organisierte Feminismus dagegen Widerstand leisten wird.
Dazu ein paar Gedankensplitter - leider kein Konzept:
Feminismus heißt, überkommene Frauenprivilegien auf Kosten der Männer ausbauen zu wollen. Und Frauen reden über Männer hinter dem Rücken anders als ihnen ins Gesicht. Feministinnen schließen von sich auf andere und glauben deshalb fest, Männer würden sich gegen Frauen verschwören, um sie zu unterdrücken. Das zu verhindern ist ihre heilige Pflicht, die alle Mittel rechtfertigt. Deshalb ist es für sie anrüchig, wenn Männer unter sich sein wollen - und erst recht, wenn sie sich erklärtermaßen mit ihrer Rolle (also ihrem Verhältnis zu Frauen) beschäftigen wollen. Der Widerstand ist sowohl instinktiv, als auch ideologisch rationalisiert.
Öffentlicher und politischer Druck ist gut und richtig, sofern er vorher soweit durchdacht ist, als daß die Ziele klar sind. Der Reflex ist ja erstmal: Wieso gibt einen Tag für Mädchen, aber keinen für Jungen? Der Durchschnittsmann stöhnt leise, geht seiner Wege, und lacht dann diejenigen Männer aus, die weibisch genug sind, sich darüber aufzuregen. Flugblätter gegen Ungleichbehandlung bringen es nicht.
Das Ziel könnte heißen: Einen Boys Day durchführen können, und zwar unbedingt unabhängig von den "Gleichstellungsbeauftragten".
Ein Argument wäre die Frage: Wenn denn die Mädchen einmal alleine sein sollen, und ihnen dabei alle Türen geöffnet werden, wann geschieht dies einmal für die Jungen? Die Forderung: Entweder ihr schafft den Girls Day ab und veranstaltet einen Berufsschnuppertag für alle Kinder, oder ihr unterstützt auch gender-spezifische Angebote für Jungen. Das müßte im Prinzip reichen, um den Druck aufzubauen.
Daß die Gender-kraten versuchen, Angebote für einen Boys Day abzublocken, ist doch gar nicht so schlecht. Es müßten sich nur ein paar Pädagogen finden, die diese "Marktlücke" zu schließen gedenken, und dafür die Mittel einfordern. Es müßten genug Leute sein, und sie müßten sich in der Sache einig sein.
Wenn der Druck stark genug geworden ist, müsen auch die Anbieter profiliert genug sein, um die unkontrollierte Durchführung für sich beanspruchen zu können. Sonst ist zu befürchten, daß die Gender-kraten die Kiste selbst aufziehen, oder ein paar handzahme Wollsocken da hin schicken.
Solche Anbieter müßten sich positionieren:
1. Das müssen Männer machen, sonst kommt man an die Jungs gar nicht ran.
2. Jungen brauchen geschlechtsspezifische Berufs-Orientierung.
3. Das kommt letztlich auch den Frauen zugute. Familie und Beruf.
4. Es wäre eine nicht mehr leugnende Ungerechtigkeit, wenn für die Jungs gar nichts veranstaltet würde.
Das eigentliche Ziel aber wäre es, den GM-Sprech zu benutzen, um den lace curtain zu zerreißen.