Interview zur Männergesundheit
Odin, Wednesday, 17.09.2003, 22:52 (vor 8176 Tagen)
aus der letzten Psychologie heute ein Teil aus einem Interview mit dem Titel: Warum sind Männer solche Gesundheitsmuffel:
Menschen in Gesundheitsberufen müßten sich mehr mit Männern und ihrem Verhältnis zur eigenen Gesundheit beschäftigen. Sie müßten reflektieren, wie man mit einem männlichen Patienten spricht, wenn man ihm Verhaltensänderungen nahe legen will. Gesundheitschecks im Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz werden beispielsweise eher angenommen, weil Männer ihre Leistungsfähigkeit erhalten wollen und derberufliche Erfolg ein wichiger Faktor in der männlichen Identität ist.
Gesundheitskommunikation, ide bei Männern ankommen soll, darf auf keinen Fall zu gefühlsduselig daherkommen. Viele Gesundheitsangebote in der Erwachsenenbildung lesen sich wie reine Selbsterfahrungstrips. Das spricht Männer nicht an. Der Erfolg von Zeitschriften wie Men's Health oder Fit for fun dagegen gibt Hinweise, wie Männer leichter zu erreichen sind. Man muss ihre Sprache sprechen und bei ihren Interessen ansetzen. In den Zeitschriften findet man beispielsweise Anglizismen wie Workout, Checkup oder Foodguide, die offensichtlich vor allem jungen Männern gefallen. Auch ist es bei der Gesundheitsvermittlung hilfreich, komplexe, insbesondere psychische Ursachen von Erkrankungen zunächst auszublenden. Anklang finden oft handlungsorientierte Gesundheitskonzepte.
Re: Interview zur Männergesundheit
Dieter, Thursday, 18.09.2003, 12:29 (vor 8176 Tagen) @ Odin
Als Antwort auf: Interview zur Männergesundheit von Odin am 17. September 2003 19:52:32:
In den Zeitschriften findet man beispielsweise Anglizismen wie Workout, Checkup oder Foodguide, die offensichtlich vor allem jungen Männern gefallen.
Nicht allen, zum Glück, sondern nur denen, die glauben, mit dieser Sprachvergewaltigung zu einem besonders modernen und dynamischen Image zu kommen. Anglizismen sind ein Armutszeugnis ...
Gruß
Dieter
OT - Meister Propper und die germanische Sprache
Anabasis, Thursday, 18.09.2003, 13:23 (vor 8176 Tagen) @ Dieter
Als Antwort auf: Re: Interview zur Männergesundheit von Dieter am 18. September 2003 09:29:41:
Hallo Dieter,
Nicht allen, zum Glück, sondern nur denen, die glauben, mit dieser Sprachvergewaltigung zu einem besonders modernen und dynamischen Image zu kommen. Anglizismen sind ein Armutszeugnis ...
Anglizismen zeigen Spaß am Spiel mit der Sprache (unter anderem). Genauso wie die Lateinomanie im Mittelalter und der frühen Neuzeit.
Die Versuche, die deutsche Sprache rein zu halten (vor ca. 1000 Jahren) führten zu folgenden Konstruktionen:
Nase - Gesichtserker
Fenster - Windauge (gut, dass es nicht geklappt hat - sonst würden wir heute Lizenzgebühren für Deutsch an Bill Gates zahlen)
Vierzylindermotor - Viertopfzerknalltreibling
Gruß Anabasis
Re: Sprache
Peter, Thursday, 18.09.2003, 17:28 (vor 8175 Tagen) @ Anabasis
Als Antwort auf: OT - Meister Propper und die germanische Sprache von Anabasis am 18. September 2003 10:23:20:
Die Versuche, die deutsche Sprache rein zu halten (vor ca. 1000 Jahren) führten zu folgenden Konstruktionen:
Alle deine Versuche waren vor höchstens 500 Jahren. Weitere (erfolgreiche) Versuche waren
Ausflug
Leidenschaft
Einschreiben
Und damit endet mein Ausflug in die Sprachdiskussion.
Gruß,
Peter
Re: Sprache
Manfred, Friday, 19.09.2003, 00:00 (vor 8175 Tagen) @ Peter
Als Antwort auf: Re: Sprache von Peter am 18. September 2003 14:28:36:
Trotzdem unterscheide ich zwischen den Anglizismen (und Fremdwörtern allgemein) die kurz und prägnant etwas aussagen, was ansonsten im Deutschen lange oder holperig wird, und denen die der "Coolness" wegen bis zur Peinlichkeit aus dem Hut gezaubert werden.
Gruß,
Manfred
Re: OT - Meister Propper und die germanische Sprache
Odin, Friday, 19.09.2003, 01:04 (vor 8175 Tagen) @ Anabasis
Als Antwort auf: OT - Meister Propper und die germanische Sprache von Anabasis am 18. September 2003 10:23:20:
Anglizismen zeigen Spaß am Spiel mit der Sprache (unter anderem). Genauso wie die Lateinomanie im Mittelalter und der frühen Neuzeit.
Ja, wir haben mehr Fremdwörter, als man gemeinhin so denkt
Sprache
Mic, Friday, 19.09.2003, 14:41 (vor 8175 Tagen) @ Anabasis
Als Antwort auf: OT - Meister Propper und die germanische Sprache von Anabasis am 18. September 2003 10:23:20:
Das benutzen bzw. 'einbürgern' von fremdworten, zeigt doch sehr viel. Klar, dass zu römischer zeit viele lateinische worte übernommen wurde; klar dass heute begriffe für dinge oder tätigkeiten aus der sprache übernommen werden in der diese sachen 'erfunden' wurden. Natürlich muss man nicht alles eindeutschen.
Aber für simple uns allen seit je her geläufige dinge jetzt englische worte zu verwenden ist einfach lächerlich, ein anbiedern an die 'überlegene' amerikanische zivilisation.
Re: Sprache
Norbert, Friday, 19.09.2003, 15:09 (vor 8175 Tagen) @ Mic
Als Antwort auf: Sprache von Mic am 19. September 2003 11:41:26:
Das benutzen bzw. 'einbürgern' von fremdworten, zeigt doch sehr viel. Klar, dass zu römischer zeit viele lateinische worte übernommen wurde; klar dass heute begriffe für dinge oder tätigkeiten aus der sprache übernommen werden in der diese sachen 'erfunden' wurden. Natürlich muss man nicht alles eindeutschen.
Aber für simple uns allen seit je her geläufige dinge jetzt englische worte zu verwenden ist einfach lächerlich, ein anbiedern an die 'überlegene' amerikanische zivilisation.
Hi
Sicher übernehmen alle Kulturen Worte aus anderen Sprachen in ihre Sprache.
So wird z.B. 'Kindergarten' im englischsprachlichen Raum verwendet.
Ich habe mich früher auch schon immer mal wieder über den Schwachsinn der unsinnigen Verwendung von Fremdwörten geärgert.
Z.B. beim Herrn Strauß oder andern Politikern.
Die haben ihr Latein rausgekramt gehabt, um ihre Überlegenheit zu zeigen.
Und nebenbei den Sinn ihrer Worte zu verschleiern, bzw. gerade deren Sinnentleertheit.
Es ist wie mit der Mode, aktuell ist zur Zeit halt die englische Sprache.
Daneben darf aber nicht übersehen werden, dass es auch sinnvolle Verwendungen gibt, gerade in Bereichen, in der die Forschung neues entdeckt/entwickelt.
Übrigens: die meisten haben doch schon auf ein 'Icon geklickt'.
Icon dürfte sich von Ikone ableiten, da es nichts anderes als Bildchen heißt.
Gerade in der Computerwelt, in der es von englischen Begriffen nur so wimmelt, übersetzt die einzelnen Worte mal in eure Heimatsprache, und die ganze Großartigkeit von derartigen Begriffen löst sich ins Nichts auf.
Bzw. es wird einem wieder vieles klarer.
Nur, die Verwendung bei der Kommunikation dieser Übersetzung führt dann zu Unverstehen bei anderen.
So hat auch fast jede Brache, ..., ihre eigene Sprache.
Speziell unsere beliebten Juristen.
Habt ihr z.B. eine Forderung als Gläubiger und diese wird 'bestritten', oh nein glaubt nicht was ihr aus eurem normalen Wortschatz denken würdet.
Es bedeutet, dass die Forderung als solche akzeptiert wird, aber weitergehende Forderungen nicht.
Zumindest wurde mir dieses so erklärt.
Hier wäre mir ein Fremdwort fast lieber gewesen, als ein so falsch benutzes Wort.
Wie aus dem Posting zu erkennen, auch etliche Fremdwörter verwendet, die aber das Verstehen erleichten sollen.
Gruß
Norbert
Re: Sprache
Nick, Friday, 19.09.2003, 15:38 (vor 8175 Tagen) @ Mic
Als Antwort auf: Sprache von Mic am 19. September 2003 11:41:26:
Ein besonders schauerliches Beispiel:
Vor einiger Zeit hatte die "Deutsche Telekom" für ihre deutschen Kunden ein Tarifsystem mit Zonenbezeichnungen wie "Local Call", "German Call" u.s.w.
Also da schüttelt's mich dann schon!
Nick
Re: Sprache
Jolanda, Friday, 19.09.2003, 18:02 (vor 8174 Tagen) @ Mic
Als Antwort auf: Sprache von Mic am 19. September 2003 11:41:26:
Hi Mic
Mir ist da ein Sketch eingefallen vom "Polt" er referiert da in seinem bayerischen Dialekt über das Wort Toleranz.
Er meinte...Toleranz, Toleranz, überall schreien sie nach Toleranz...dabei...was heisst eigentlich Toleranz, das ist ja ein Fremdwort, das kommt in der deutschen Sprache ja eigentlich gar nicht vor...(doppeldeutig)...also Toleranz dieses Wort, das heisst auf deutsch, etwas aushalten, etwas ertragen...er denkt da an die alten Römer, wenn die jemanden gefoltert haben.....und er hat es überlebt....dann war der...tolerant...
))
Ich finde, das passt gar nicht so schlecht hierher, erwartet man nicht gerade von Männern immer soviel Toleranz, sie sollten alles ertragen, aushalten und wenn sie das überleben....dann sind sie eben tolerant...aber wohl auch dumm oder?!
Es grüsst dich
Jolanda
Re: OT - Meister Propper und die germanische Sprache
Manfred, Friday, 19.09.2003, 15:49 (vor 8175 Tagen) @ Anabasis
Als Antwort auf: OT - Meister Propper und die germanische Sprache von Anabasis am 18. September 2003 10:23:20:
Hallo!
Da gibt es aber noch einen weiteren -wie ich finde- sehr interessanten Aspekt des Sprachgefühls. Nimm mal die -wie Du sie nennst- Konstrukte unten
Nase - Gesichtserker
Fenster - Windauge
Vierzylindermotor - Viertopfzerknalltreibling
Wir sind uns vermutlich einig, dass die deutschen Begriffe hier lächerlich bis peinlich klingen. Nur woran liegt das? Ist es wirklich der objektive Wortklang? (Sofern es hier überhaupt ausreichend Objektivität geben kann)
Grade bei Fenster-Windauge fällt es mir schwer objektiv zu sagen was am Wort "Fenster" um soviel besser ist. Weil es einen Buchstaben kürzer ist? Kaum! Ich würde das Wort "Windauge" vom Klang her sogar als das harmonischere bezeichnen. Worauf ich hinaus will ist eigentlich, dass die Tatsache wie "etwas klingt" offensichtlich sehr stark von Assoziationen abhängt die wir insgesamt mit dem Klang/Wort verbinden.
Würden wir einer Band mit dem Namen "Rollende Steine" eine Karriere zutrauen? Im Gegensatz dazu haben es die "Rolling Stones" jedoch geschafft, und klint das wirklich um soviel anders, geschweige denn besser?
Ich hab keine Antwort dafür, aber warum bekommt der Engländer oder amerikaner beim Namen "Rolling Stones" keine Gänsehaut, warum findeter den Namen ok, wir aber umgekehrt schämen uns beinahe für das Pendant "Rollende Steine"?
Ok, das ist im Grunde kaum noch vom Gegenstand des Forums abgedeckt, deshalb lasse ich es dabei. Beispiele gäbe es noch genung. Trotzdem juckt mich diese Frage der Sprachkultur.
Schöne Grüße,
Manfred