Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Jungen und Bildungspolitik

Bruno, Tuesday, 16.09.2003, 16:07 (vor 8177 Tagen)

Liebe Forumsteilnehmer,

ein Artikel zur miserablen Situation der deutschen Bildungspolitik insbesondere für Jungen unter http://www.welt.de/data/2003/09/16/169499.html

Immerhin interessiert sich einmal eine große Zeitung für das Thema. Die deutschen Politiker interessiert es nicht. Denn im Chancengleichheitsreferat des Bundesbildungsministeriums wird nach wie vor nur mädchen- jedoch keine jungenspezifische Förderung betrieben. Und auf dem Gender Mainstreaming-Loge des Bundesbildungsministeriums steht stolz "Frauen in Forschung und Beruf" oder so ähnlich. Hat man da nicht 50% der Bevölkerung vergessen?

Gruß

Bruno

Re: Jungen und Bildungspolitik

Garp, Tuesday, 16.09.2003, 18:29 (vor 8177 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Jungen und Bildungspolitik von Bruno am 16. September 2003 13:07:32:

Hallo Bruno,

vielen Dank für den Link. Meiner Meinung noch sind die schlechteren Bildungschancen von Jungen die Hauptsorge, wenn es um das Thema Männer/Jungenrechte geht. Denn die Jungenchancen von heute werden die Männerchancen von morgen sein (ok etwas abgedroschen;-). Zudem in einer zukünftigen Wissensgesellschaft wird der Faktor Bildung ständig an Bedeutung gewinnen. Die Situation in Deutschland ist zwar problematisch aber noch nicht so dramatisch wie in anderen Industrienationen. Nochmals hierzu den Link aus der Businessweek.

http://www.businessweek.com/magazine/content/03_21/b3834001_mz001.htm

In den USA gibt es inzwischen zahlreiche Universitäten mit einem Geschlechterverhältnis von 60/40 gegen die Jungen. Da kann man sehen was uns eventuell noch bevorsteht.
Allerdings ist dieses Thema Bildungschancen für Jungen in den Medien in dem letzten Jahr doch recht präsent. So z.B. die Titelgeschichte in GEO die SPIEGEL-Reportage und auch durch die PISA-Studie selbst. Ich hab neulich einen weiteren Link zu diesem Thema aus der Schweiz entdeckt:

http://www.zak.ch/artman/publish/article_39.shtml

Zumindest wird dieses Thema in zahlreichen Ländern zunehmend diskutiert. Es ist zwar nicht sehr aussagekräftig aber auch eine google-Recherche zeigt erfreuliches.
Zu dem Stichwort „Jungenarbeit“ findet google immerhin an die 8000 Eintragungen, dies war vor einem Jahr noch wesentlich weniger.
Zu „Mädchenarbeit“ finden sich dagegen 13000 Eintragungen. Für zwanzig Jahre Vorsprung gar nicht so schlecht die Bilanz. Ich denke auch, dass das Bewusstsein bei Eltern und Lehrern für die problematische Lage von Jungen deutlich gestiegen ist.
Das eigentliche Problem besteht in der Ignoranz der politischen Ebene und der großen Jugendorganisationen. In England z.B war das Thema Bildungschancen von Jungen schon offizielles Wahlkampfthema. Generell scheint England in diesem Bereich vorbildlich zu sein. Bis dahin haben wir in Deutschland noch einen weiten politischen Weg vor uns. Aber ich bin mir sicher, dass dieses Thema sich durchsetzen wird! Und mit dem Thema Benachteiligung gegen Jungen wird auch die Diskussion um Benachteiligungen gegen Männer neu geführt werden.

PS: hast du eigentlich nicht mal einen Brief an das Sozialministerium im BW geschrieben? Gab es eine Antwort?
Gruß

Garp

Bröckeln die feministischen Diskussionsverbote? (Theorie)

Lars, Tuesday, 16.09.2003, 23:49 (vor 8177 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Jungen und Bildungspolitik von Bruno am 16. September 2003 13:07:32:

Immerhin interessiert sich einmal eine große Zeitung für das Thema.

(die zweite nach "Focus"!)

Mir scheint, so gaaanz langsam fangen die feministischen Denk- und Diskussionsverbote an zu bröckeln. Allerdings hat das (noch) nichts mit der Internet-Männerrechtsbewegung zu tun, sondern mit ganz anderen politischen Faktoren:

- Die Vernachlässigung der Jungen an den Schulen kommt INDIREKT durch das PISA-Thema und den Bedarf der deutschen Wirtschaft an schlaueren Arbeitskräften zur Sprache,

- Die Ungleichbehandlung bei der Wehr(&Ersatzdienst)Pflicht kommt INDIREKT durch Wunsch des Staates nach noch mehr billigen Zivi-Arbeitskräften zur Sprache.

D. h. sobald "höhere" Staats- und Privatwirtschafts-Interessen im Spiel sind, erweisen sich die Diskussionsverbote der Feministinnen als doch nicht sooo wirksam.

Wenn ich den Gedanken mal etwas weiter spinne: Erfolg haben die Feministinnen doch nur dort, wo sie ANDERE gesellschaftliche Kräfte für sich nutzen können:

- Die sexualfeindliche Entwicklung in den USA wurde von einer Allianz aus Feministinnen und konservativen, religiösen Gruppen vorangetrieben.

- Im "Gewaltschutzgesetz" u. ä. fließen Feminismus einerseits und allgemeine Law&Order-/"Der-Angeklagte-wird´s-schon-gewesen-sein"-Stimmung andererseits zusammen.

- Der ganze "Frauenforschungs-", "Frauenreferats-" und "Frauen&Lesben-Räume"-Zirkus an den heutigen Universitäten hat sich wesentlich aus den Campus-Nieschen-Strukturen der 68er-StudentEN(!)-Bewegung heraus entwickelt.

Meine These: Der Feminismus selber und allein ist nicht so stark, die Männerrechtsbewegung ist nur so schwach.

Re: Jungen und Bildungspolitik

Bruno, Friday, 19.09.2003, 15:30 (vor 8174 Tagen) @ Garp

Als Antwort auf: Re: Jungen und Bildungspolitik von Garp am 16. September 2003 15:29:59:

Hallo Bruno,

...Hallo Garp,

vielen Dank für den Link. Meiner Meinung noch sind die schlechteren Bildungschancen von Jungen die Hauptsorge, wenn es um das Thema Männer/Jungenrechte geht.

...die Jungen diskriminierende Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik ist eine der größten Probleme in diesem Land.

In den USA gibt es inzwischen zahlreiche Universitäten mit einem Geschlechterverhältnis von 60/40 gegen die Jungen. Da kann man sehen was uns eventuell noch bevorsteht.

...sehe ich auch so. Trotz mehr weiblichen Studienanfängern wird einseitig die Integration von Frauen in technisch naturwissenschaftliche Studiengänge gefördert. Die Unterbesetzung der männlichen Studierenden in den Sozial- und Erziehungswissenschaften wird jedoch als völlig in Ordung empfunden. Desahlb muss es in einigen Jahren selbstverständlich zu einem deutlichen Überhnag an weiblichen Studierenden führen.

Das eigentliche Problem besteht in der Ignoranz der politischen Ebene und der großen Jugendorganisationen.

...und damit in der Unfähigkeit der deutschen Politikerinnen und Politiker bezüglich chancengleicher Jugend- und Bildungspolitik für Mädchen und Jungen. In den jährlichen Bildungsberichten des Bundesbildungsministeriums „Bildung auf einen Blick“ werden zum Beispiel einseitig nur die Benachteiligungsfelder der Mädchen und jungen Frauen aufgeführt. Kein Wort über die schlechtere Bildungssituation der Jungen, die eklatant schlechte Lesekompetenz der Jungen, die Unterbesetzung in Sozial- und Erziehungsstudiengängen, der Überhang an Jungen in Sonderschulen und die schlechtere vertretung an Gymnasium, der Überhang an weiblichem Personal in den Erziehungsberufen.

PS: hast du eigentlich nicht mal einen Brief an das Sozialministerium im BW geschrieben? Gab es eine Antwort?

...ich habe zwar an das SM in BW geschrieben, aber wegen was anderem. Bezüglich Bildungspolitik siehe die Anfrageaktion unter http://www.manndat.de/netzgruppe.htm

Gruß

Bruno

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