Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Männertod durch Gender Mainstreaming

Odin, Monday, 08.09.2003, 21:20 (vor 8185 Tagen)

Frauenpolitik

Männertod durch Gender Mainstreaming

Wie feministische Frauenpolitik noch unangreifbarer werden konnte als sozialistische Sozialpolitik
von Naomi Braun-Ferenczi

.....
So viel lässt sich aus den offiziellen Statements jedenfalls herausfiltern: GM heißt, dass jedes Gesetz, jede Maßnahme, jede Entscheidung einer Prüfung unterzogen werden soll, ob sie im Verhältnis der Geschlechter irgendwie geartete Ungleichheiten zur Folge haben könnte. Ausdrücklich geht es darum, proaktiv Ungleichheitspotenziale aufzuspüren, entsprechende Statistiken zu führen oder durch "wissenschaftliche" Untersuchungen Gleichstellungsbedarf zu ermitteln. Vom Erbringen dieser Leistungen sollen Genehmigungen oder die Bewilligung staatlicher Förderung abhängig gemacht werden.
Das Ziel, eine Gesellschaft in dieser Weise flächendeckend durch ein einheitliches Gestaltungsprinzip umzukrempeln, kennen wir von den totalitären Regimen des 20. Jahrhunderts. Sie sind das Gegenteil zu einer liberalen Staatsauffassung, gemäß der sich die Menschen in ihrem gesellschaftlichen Dasein frei entfalten können.

Totalitär
Die Frauenbewegung hat Öffentlichkeit und Politik inzwischen europaweit erfolgreich mit der Botschaft konditioniert, dass der größte und ungerechteste Unterschied in unserer Gesellschaft sich auf das Geschlecht bezieht. Arm und reich, alt und jung, gebildet oder ungebildet, all diese Unterschiede sind allenfalls noch unter dem Vorzeichen der Gender-Debatte wahrzunehmen.
Frauen ist es mittlerweile auch gelungen, in einem weit über ihrem prozen-
tualen Anteil an den Parteirnitgliedern liegenden Ausmaß in allen Parteien
politische Ämter zu besetzen und dabei das Themenfeld Frauen- und Familienpolitik für sich zu monopolisieren. Für die Funktionärinnen der Frauenpolitik gilt es, immer neue geschlechtsspezifische Ungleichheiten zu finden, zu lancieren und zu skandalisieren.
Umgesetzt wird diese Politik von Spezialistinnen der Bürokratie, der Ausschüsse des Parlaments und der Verbände. Die Bürokratien in Bund, Ländern und die Stadtverwaltungen sind flächendeckend in ihrem Sinne umorganisiert worden. Es gibt eine inzwischen völlig selbstverständliche "Zuständigkeit" der Frauenpolitik für die Fragen beider Geschlechter. Wenn von der Familie die Rede ist, geht es hauptsächlich um die "Vereinbarkeit" von Beruf und Familie für Frauen. Frauenpolitik, so wird impliziert, ist also automatisch auch gut für Kinder, jugendliche und Senioren. Frauenpolitik wurde damit für jeden sichtbar institutionalisiert und erschließt sich immer neue Aufgabenbereiche für Beschäftigte und bürokratische Lobbyistinnen mit fachlich und biographisch verengtem Horizont.

Rund 100 Lehrstühle für Frauenforschung oder Gender-Studies gibt es, aber keinen einzigen für Männerforschung. In den Medien sind Frauen heutzutage im Verhältnis von etwa 3 zu 1 überrepräsentiert. Kein Wunder, dass die Entdeckungen neuer Benachteiligungen kein Ende nehmen. Und wenn für die Gegenwart mal nichts gefunden wird, dann muss die schlimme Vergangenheit herhalten, weshalb jetzt eine Art intergenerationeller Täter-Opfer-Ausgleich nötig sei, für den die Männer von heute für Tausende vonjahren des Patriarchats büßen müssen.

Fakten stören
Da sind Fakten natürlich nur störend, die nicht für die Rechtfertigung von GM herangezogen werden können. Frauengewalt scheint es nicht zu geben, obwohl nach allen wissenschaftlichen Statistiken Männer, männliche jungen und Senioren im gleichen Ausmaß, sowohl was Quantität als auch Qualität häuslicher Gewalt angeht, Opfer von Frauen sind wie umgekehrt. Aber das stand doch fast nie in der Zeitung? Stimmt: Extrem aufgebauschte Horrorzahlen über ausschließlich weibliche Opfer haben einfach mehr Sex-Appeal. Männer sind nicht nur am oberen, sondern auch am unteren Rand der Gesellschaft unter sich und sterben sieben Jahre früher. Frauen dürfen zur Bundeswehr, Männer müssen. Unterrn Strich füllen Männer die staatlichen Rentenkassen, Frauen leeren sie.
Heute ist Frauenpolitik als überparteilicher Konsens fest verankert. Während Maßnahmen gegen soziale Chancen-Ungleichheiten stets gegen andere Interessengruppen durchgesetzt werden mussten, gab es gegen Frauenpolitik seit den 70er Jahren keinen parteipolitischen Widerstand mehr. Männerpolitik gibt es überhaupt nicht.
Gender-Politik ist in der Praxis reine Frauenpolitik und Gender-Forschung ist nichts anderes als Frauenforschung.
Mit GM wird die Frauenpolitik ganz offiziell aus dem für die Demokratie kennzeichnenden Pluralismus der Interessenartikulation und der politischen Willensbildung ausgenommen. Nicht nur alles staatliche Handeln, sondern auch die Freiräume der privaten Selbstverwirklichung sollen nun unter die Diktatur der Gender-Politik gezwungen werden.

Unverhohlene Drohungen
Die Infrastruktur für diese Zielsetzung ist längst vorhanden. Flächendeckend gibt es bereits die Gleichstellungsbeauftragten und die Netzwerke ihrer informellen Informantinnen. Unverhohlenen Drohungen im Zusammenhang mit GM gegen Chefs, Unternehmer, Behördenleiter und Vorgesetzte aller Art werden von einer Avantgarde aus Aktivistinnen und Expertinnen vorgenommen. Als Sanktionsmittel dienen für den Anfang die Kürzung von Fördermitteln, eine restriktive Vergabepraxis öffentlicher Aufträge, negative dienstliche Beurteilungen und öffentliche Brandmarkung. Oft genügt allein das Klima der Angst, der Denunziation und des unausgesprochenen Verdachts, um Widerstand im Keim zu ersticken. So geschehen auch bei einem deutschen Jura-Professor, der offenbar auf Druck von höchster Stelle hin einen genderkritischen Artikel von seiner Website nehmen musste und dem ich für meinen Beitrag wertvolle Anregungen verdanke. Um seinen Job nicht zu gefährden, muss ich ihn namentlich unerwähnt lassen. So weit sind wir schon wieder!

Propaganda
Totalitarismus lebt von Propaganda und Erziehung. Und die ferninistische Umerziehung zeitigt bereits erste Erfolge, wenn man sieht, wie das Fernsehen Männer bereits als Bösewichter oder Vollidioten inszeniert, mit denen die guten weiblichen Heldinnen, Kommissarinnen und Fantasy-Idole unserer Tage ungestraft nach Beheben umspringen. Frauengewalt gegen Männer wird in den Medien kritiklos ästhetisiert. Als hirnloses Material ohne Schmerzempfinden werden Männer massenweise entsorgt. Und Emma triumphiert bei jedem abgeschnittenen Penis. Wir sind sogar schon so weit, dass brutale Gewalt gegen Männer als verkaufsfördernd gilt, wie Werbespots von lkea und eSixt zeigen. Und auch der ideologische Nachschub ist bestens organisiert, wenn man sich die Curricula der künftigen Erzieherinnen und Sozialarbeiterinnen anschaut, in denen jungen nur als zu domestizierende Störfaktoren vorkommen, weil weiblich und normal identifiziert werden. Umgekehrt werden heute nur noch Mädchen geschützt und gefördert, egal, ob sie auf einem Gebiet schlechter abschneiden (dann muss man Benachteiligung ausgleichen) oder besser (dann sind sie eben begabter und konzentrierter).
Für seine totalitären Ziele braucht man auch die Büttel in Polizei und Justiz, die die Drecksarbeit leisten. Hierzu empfiehlt sich die Lektüre der Begründung zum Gewaltschutzgesetz, mit dem der Rechtsstaat im Interesse von Frauen suspendiert wurde. Oder den dazu passenden Aktionsplan der Bundesregierung zur Aufrüstung der öffentlichen Meinung und zur Gehirnwäsche der Experten in Polizei, Justiz und Sozialbehörden. Die neuen polizeilichen. Dienstanweisungen und die Flut der teils amtlichen, teils von steuerfinanzierten Verbänden und Initiativen verteilten Flugblätter und Broschüren sprechen eine eindeutige Sprache. Unschuldige Scheidungsopfer oder Männer, die zu Unrecht wegen Gender-Delikten einsitzen, bevölkern bereits heute in Scharen Gefängnisse, Obdachlosenheime und Friedhöfe. Es scheint, dass das Ziel der lkone der Frauenbewegung, Valerie Solanas, ausgedrückt im "Manifest zur Vernichtung der Männer", in greifbare Nähe rückt. Solanas wollte seinerzeit selbst schon mal den Anfang machen und schoss Andy Warhol über den Haufen.RecherchierenSieselbstimInternet, welche deutschen Politikerinnen Solanas' Manifest "witzig" und "brilliant" finden!

Naomi Braun-Ferenczi:
Jg. 1976, finanzierte ihr Jura-Studium als Nachtmodell. Sie bezeichnet sich als "individualistische Feministin" und "emanzipierte Maskulistin".

Entnommen aus "eigentümlich frei"
Aktuelle Ausgabe noch am Bahnhofskiosk erhältlich und absolut empfehlenswert. Weitere Artikel zu dem Thema:

"Frauen jammern, Männer arbeiten" - Über das Verhältnis der Geschlechter. Ein Interview von Arne Hoffmann ("Sind Frauen besser Menschen?" Schwarzkopf Schwarzkopf-Verlag) mit Martin van Creveld ("Das bevorzugte Geschlecht" Akademie-Verlag).

Neue soziale Bewegung - Die Männerbewegung schlägt zurück. Von Arne Hoffmann

Re: Männertod durch Gender Mainstreaming

Lars, Monday, 08.09.2003, 22:31 (vor 8185 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Männertod durch Gender Mainstreaming von Odin am 08. September 2003 18:20:13:

Ich finde, falsch am "Gender-Mainstreaming"-Konzept ist nicht die Grundidee, alle Systeme auf Diskriminierungspotentiale zu checken; falsch ist nur, daß dies nur, bzw. vorrangig mit Blick auf etwaige Frauendiskrimierung geschehen soll.

Sollten wir nicht anstatt generell die Idee eines Diskriminierungs-Checks abzulehnen, vielmehr die KONSEQUENTE Ausweitung des Gender-Mainstreaming im Sinne eines fäiren Interessen-PLURALISMUS fordern, also die explizite Einbeziehung des Problems des Männerdiskriminierung (mit Männer-Beauftragten ect.)? Wir sollten das Definitionsmonopol der Feministinnen in Gender-Fragen angreifen und dem Thema Gleichstellungspolitik durch OFFENSIVE, POSITIVE Forderungen seine einseitig-feministische Schlagseite nehmen, so daß die Feministinnen in der Öffentlichkeit die unvorteilhafte Rolle der Privilegien-Verteidigerinnen einnehmen müssen!

OFFENSIV argumentieren!

Lars, Monday, 08.09.2003, 23:07 (vor 8185 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Männertod durch Gender Mainstreaming von Lars am 08. September 2003 19:31:23:

Überhaupt fällt mir gerade auf, daß wir hier oft viel zu defensiv diskutieren: Wir REAGIEREN auf feministische Forderungen und Maßnahmen, und begründen warüm wir dagegen sind. Im allgemeinen "kommt es jedoch besser", wenn man offensiv diskutiert und sagt, woFÜR man ist, und dann die andere Seite reagieren muß! Ich denke, man sollte es so aufziehen:

Erster Schritt: Nach Männerförderung rufen (und nicht Frauenförderung ablehnen; das würde nur dazu führen, daß endlos für und wieder Frauenförderung diskutiert wird, und damit in jedem Fall wieder nur die Situation von Frauen im Blickpunkt steht! und im Zweifellsfall kommt auch noch das Totschlagwort "frauenfeindlich")

Zweiter Schritt: Die Feministinnen können Forderungen z. B. nach einer jungengerechteren Schule u. ä. nur ablehnen, in dem sie öffentlich erklären, daß die Probleme von Jungen oder Männern nichts mit Diskriminierung zu tun hätten, sondern selbstverschuldet sein.

Dritter Schritt: Die Feministinnen dann fragen: "Dann sind Männer also dümmer, schlechtere Menschen?" Das wiederum können Feministinnen öffentlich natürlich auch nicht sagen!

D. h. man muß sie dahin bringen, daß sie ihr implizites anti-egalitäres Credo "Frauen sind bessere Menschen" EXPLIZIT bekräftigen müssen, daß sie sich selbst als anti-egalitär outen müssen!

Re: OFFENSIV argumentieren!

Simon, Tuesday, 09.09.2003, 20:22 (vor 8184 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: OFFENSIV argumentieren! von Lars am 08. September 2003 20:07:20:

Überhaupt fällt mir gerade auf, daß wir hier oft viel zu defensiv diskutieren: Wir REAGIEREN auf feministische Forderungen und Maßnahmen, und begründen warüm wir dagegen sind. Im allgemeinen "kommt es jedoch besser", wenn man offensiv diskutiert und sagt, woFÜR man ist, und dann die andere Seite reagieren muß!

Hallo Lars,

mit dem offensiven Argumentieren gegenüber Feministinnen und feministisch beeinflußten Frauen (also fast allen) ist es eine vertrackte Sache. Geht man hin und benennt - offensiv - die Diskriminierung von Männern etwa im Hinblick auf Wehrpflicht, Quotenregelung oder Sexualverhalten, ist die Reaktion doch genau die gleiche, wie wenn man - reaktiv - den Feminismus kritisiert: etwa so: "Ach Du Armer, hast Du etwa Probleme mit Frauen, hast Du Angst um Deine Privilegien (!) als Mann, willst Du Frauen weiterhin (!) niederhalten?"
Diese feministischen Falschbehauptungen von den männlichen Privilegien und dem Niederhalten von Frauen müssen zuerst einmal öffentlichkeitswirksam widerlegt werden, bevor positive Forderungen überhaupt Gehör finden.

Ich denke, man sollte es so aufziehen:

Erster Schritt: Nach Männerförderung rufen (und nicht Frauenförderung ablehnen; das würde nur dazu führen, daß endlos für und wieder Frauenförderung diskutiert wird, und damit in jedem Fall wieder nur die Situation von Frauen im Blickpunkt steht! und im Zweifellsfall kommt auch noch das Totschlagwort "frauenfeindlich")

Gut und schön, aber ich bin gar nicht unbedingt FÜR Männerförderung, ich bin vielmehr GEGEN Frauenförderung. Gäbe es die von feministischer Seite durchgesetzte Frauenförderung nicht, gäbe es auch keinen Grund, eine spezifische Männerförderung zu fordern. Es ist doch so, daß wir hier alle in erster Linie GEGEN etwas sind, was nützt es denn, wenn wir uns jetzt den Zwang auflegen, unbedingt konstruktiv sein zu müssen? Okay, dann gibt es vielleicht in ein paar Jahren neben den Lehrstühlen für Frauenforschung auch solche für Männerforschung. Wollen wir das, wollen wir eine sich immer weiter vergrößernde Kluft zwischen den Geschlechtern akzeptieren und irgendwann bei der Vorstellung landen, Männer und Frauen seien gänzlich unterschiedliche Spezies?

Zweiter Schritt: Die Feministinnen können Forderungen z. B. nach einer jungengerechteren Schule u. ä. nur ablehnen, in dem sie öffentlich erklären, daß die Probleme von Jungen oder Männern nichts mit Diskriminierung zu tun hätten, sondern selbstverschuldet sein.

Aber das tun sie doch schon längst. So offensiv kann man gar nicht argumentieren, daß sie von diesem Dogma abließen. Probleme von Frauen/Mädchen seien gesellschaftliche Probleme, die aus der Rolle als Opfer des Patriarchats resultieren, Probleme von Männern/Junges hingegen seien Privatsache, und die öffentliche Klage darüber gilt als Jammerei. Ein solches Denken wäre erst einmal durch vehemente Kritik zu _destruieren_, bevor wieder Platz für _konstruktive_ Vorschläge ist. Letztere können sonst wieder nur allzu leichtfertig als Retourkutsche oder Backlash abgetan werden. Zunächst einmal wäre, durch Kritik, im öffentlichen Bewußtsein zu verankern, daß diese Backlash-Theorie falsch ist.

Dritter Schritt: Die Feministinnen dann fragen: "Dann sind Männer also dümmer, schlechtere Menschen?" Das wiederum können Feministinnen öffentlich natürlich auch nicht sagen!

Doch, können sie, tun sie auch. Und von Männern wird erwartet, daß sie mit Humor darauf reagieren. Die meisten - alte Kavalierschule - folgen dieser Erwartung dann auch. Denen, die's nicht tun, wird unterstellt, sie hätten Probleme mit Frauen oder sonstige soziale oder psychische Defizite.

D. h. man muß sie dahin bringen, daß sie ihr implizites anti-egalitäres Credo "Frauen sind bessere Menschen" EXPLIZIT bekräftigen müssen, daß sie sich selbst als anti-egalitär outen müssen!

Ich wiederhole mich: das haben sie bereits getan, das tun sie immer noch ständig, und sie gedenken auch damit fortzufahren. Worum es geht, ist, daß MÄNNER, über die engen Zirkel der Männerrechtler hinaus, endlich erkennen, daß all dies ernstgemeint ist und sie nicht verpflichtet sind, stets gute Miene zum bösen Spiel zu machen, in der Erwartung, daß das alles schon nicht so ernst gemeint ist, man Damen nicht widerspricht, man als Mann keine Schwäche zeigen darf usw.

Anklage ist die beste Verteidigung

Lars, Wednesday, 10.09.2003, 17:19 (vor 8183 Tagen) @ Simon

Als Antwort auf: Re: OFFENSIV argumentieren! von Simon am 09. September 2003 17:22:50:

Diese feministischen Falschbehauptungen von den männlichen Privilegien und dem Niederhalten von Frauen müssen zuerst einmal öffentlichkeitswirksam widerlegt werden, bevor positive Forderungen überhaupt Gehör finden.

Hallo Simon,

Du verwechselst da öffentliche Debatten mit einem systematisch vorgehenden sozialwissenschaftlichen Seminar! In öffentlichen Debatten zählen nicht allein logische Argumente, sondern vor allem das "Gesprächsklima".

Und wir haben (zumindest hier und jetzt) ein ganz klar Kläger-freundliches öffentliches Diskussionsklima, d. h. die Masse der Öffentlichkeit ist - grundsätzlich, unabhängig von der Materie -´eher geneigt dem Kläger Glauben zu schenken als dem Angeklagten (nach dem volkstümlichen Motte: "Na, wo Rauch aufsteigt, wird auch irgendwo ein Feuer sein.") Wer sich verteidigt hat in aller Regel die schlechteren Karten und wird schon als halb-schuldig wahrgenommen, egal ob in der Talk-Show oder im Wahlkampf. Absurd, aber so läuft es!

Außerdem:

Wenn Du in einer Polit-Talkrunde gegen eine Feministin antritts und dann erstmal deren Diskriminierungsvorwürfe widerlegen willst, wirst Du 2 Stunden lang nur auf ihre Vorwürfe und Verdächtigungen REAGIEREN, im Mittelpunkt wird 2 Stunden lang mal wieder die Situation DER FRAUEN stehen, und die Frage, wie sehr sie nun tatsächlich diskrimiert werden; selbst wenn es Dir in der Zeit gelingt, alle Anschuldigungen zu widerlegen, hat die Feministin immerhin erreicht, daß die umgekehrte Frage der Diskriminierung von Männern allenfalls ganz indirekt und am Rande zur Sprache kam.

Deshalb sage ich: Anklage ist die beste Verteidigung. Die Femeinistinnen werden einem dann natürlich vorwerfen, zu "jammern". Aber damit tun sie sich in unserer kläger-freundlichen Öffentlichkeit langfristig keinen Gefallen, sie kommen dann rüber wie die "selbstzufriedenen und kritikunfähigen Paschas", von denen sie immer geredet haben. Die von Arne Hoffmann irgendwo unten berichtete empörte Reaktion einer "Allegra"-Leserin (!) auf einen herablassend-zynischen "Allegra"-Kommentar zum Thema Scheidungs-Unrecht, ist ein Beispiel dafür, daß der "Hört-doch-auf-zu.jammern!"-Spott auch nach hinten losgehen kann.

Zum GM selbst:

Nicht alle Männer-Benachteiligungsfelder sind den Feministinnen zu verdanken. Die reine Männerwehrpflicht und die ideologische Überhöhung der Mutter im Sorgerecht reichen viel weiter zurück. Andererseits gibst, bzw. gab es jenseits aller feministischen Polemeik auch ein paar tatsächliche Frauen-Benachteiligungsfelder (etwa die Schwierigkeit, nach der Baby-Pause wieder in den Beruf reinzukommen; hier war die Forderung nach frauengerechteren Regelungen doch nachvollziehbar).

Insofern würde ich schon die Losung ausgeben: Gender-Mainstreaming IN BEIDE RICHTUNGEN.

Gruß
Lars

Re: Anklage ist die beste Verteidigung

Simon, Wednesday, 10.09.2003, 18:37 (vor 8183 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Anklage ist die beste Verteidigung von Lars am 10. September 2003 14:19:50:

Diese feministischen Falschbehauptungen von den männlichen Privilegien

Und wir haben (zumindest hier und jetzt) ein ganz klar Kläger-freundliches öffentliches Diskussionsklima, d. h. die Masse der Öffentlichkeit ist - grundsätzlich, unabhängig von der Materie -´eher geneigt dem Kläger Glauben zu schenken als dem Angeklagten (nach dem volkstümlichen Motte: "Na, wo Rauch aufsteigt, wird auch irgendwo ein Feuer sein.") Wer sich verteidigt hat in aller Regel die schlechteren Karten und wird schon als halb-schuldig wahrgenommen, egal ob in der Talk-Show oder im Wahlkampf. Absurd, aber so läuft es!

Hallo Lars,

bedauerlicherweise läuft es so, daß jemand sich nur als Opfer zu inszenieren braucht, um von den Regeln der Logik und der Evidenz entbunden zu werden. So tun es die meisten Feministinnen, aber auch andere gesellschaftliche Gruppen, die ihre Interessen durchsetzen wollen. Nun gibt es zwei Arten, damit umzugehen, wenn man diesen Opferdiskurs ablehnt. Man kann ihn kritisieren - und wird aber in dem von Dir benannten gesellschaftlich vorherrschenden Gesprächsklima, in welchem demjenigen geglaubt wird, der zuerst "Ich bin Opfer" schreit (in den USA gibt es dafür mittlerweise den sarkastischen Ausdruch 'Me-too-ism'), kaum sich durchsetzen können -, oder man kann, so wie Du es vorschlägst, sozusagen taktisch, selber die Opferrolle einnehmen, um somit jene Vorteile sich zu ergattern, die Feministinnen und andere Berufsopfer für sich in Anspruch nehmen. In taktischer Hinsicht wäre das vielleicht wirklich ganz klug. Jedoch sehe ich die Gefahr, diese unsägliche Opfermentalität, diese Verantwortungsverweigerung und Anspruchshaltung für die Zukunft weiterhin zu zementierern.

Re: Anklage ist die beste Verteidigung

Lars, Wednesday, 10.09.2003, 21:37 (vor 8183 Tagen) @ Simon

Als Antwort auf: Re: Anklage ist die beste Verteidigung von Simon am 10. September 2003 15:37:23:

In taktischer Hinsicht wäre das vielleicht wirklich ganz klug. Jedoch sehe ich die Gefahr, diese unsägliche Opfermentalität, diese Verantwortungsverweigerung und Anspruchshaltung für die Zukunft weiterhin zu zementierern.

Hallo Simon,

ich denke da erstmal an das Nahziel, die Öffentlichkeit darauf zu stoßen, daß es sowas wie Männerbenachteiligung überhaupt gibt. Und in der öffentlichen Debatte braucht man da einfach emotionalisierende Opfer-Bilder (bzw. bildhafte Vorstellungen), um Überhaupt Aufmerksamkeit zu erregen:

- Der finanziell ruinierte Scheidungsvater, der seine Kinder kaum noch sehen darf;

- das "Sexuelle-Belästigungs"-Mobbing-Opfer, dessen gerichtliche Rehabilitierung leider zu spät kommt

- Jungs, die von Lehrerinnen, Psychologinnen und Jugendarbeiterinnen eienegetrichtert bekommen, daß sie dem falschen Geschlecht angehören

Und immer wieder Feministinnen öffentlich fragen, was sie "diesen Opfern zu sagen haben" *g* Erst so zwingt man die Feministinnen dazu, sich mit der Männerrechtsbewegung überhaupt auseinanderzusetzen!

Schlüsselwort "Doppelmoral"

Lars, Wednesday, 10.09.2003, 21:51 (vor 8183 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Anklage ist die beste Verteidigung von Lars am 10. September 2003 18:37:45:

Und immer wieder explizit den Vorwurf "Doppelmoral" bringen:

- Schlagende Männer sind Gewalttäter, schlagende Frauen haben sicher einen Grund

- Männer die im Streit ihre Frau anschreien, sind aggressive Machos; Frauen, die im Streit ihre Männer anschreien, sind selbstbewußt.

- Daß Frauen im Management oder den Naturwissenschaften unterrepräsentiert sind, ist Diskriminierung; daß Jungs unter den Abiturienten unterrepräsentiert sind, ist Ergebnis eines fairen Wettbewerbs.

- In Wirtschaft und Politik müssen Frauenquoten her, bei der Müllabfuhr und in der Armee? Ach nö, da lieber nicht.

Rethorische Zuspitzung, griffige Formeln, eindringliche Bilder, wiederkehrende Schlüsselwörter - sowas ist in der Politik unverzichtbar.

Re: Anklage ist die beste Verteidigung

Ferdi, Thursday, 11.09.2003, 00:14 (vor 8183 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Anklage ist die beste Verteidigung von Lars am 10. September 2003 18:37:45:

ich denke da erstmal an das Nahziel, die Öffentlichkeit darauf zu stoßen, daß es sowas wie Männerbenachteiligung überhaupt gibt. Und in der öffentlichen Debatte braucht man da einfach emotionalisierende Opfer-Bilder (bzw. bildhafte Vorstellungen), um Überhaupt Aufmerksamkeit zu erregen:
[quote]- Der finanziell ruinierte Scheidungsvater, der seine Kinder kaum noch sehen darf;
- das "Sexuelle-Belästigungs"-Mobbing-Opfer, dessen gerichtliche Rehabilitierung leider zu spät kommt
- Jungs, die von Lehrerinnen, Psychologinnen und Jugendarbeiterinnen eienegetrichtert bekommen, daß sie dem falschen Geschlecht angehören
[/quote]

Das wirkt. In der Abtreibungsdebatte haben Bilder von zerhackten, blutigen Föten und Embryos eine ganz enorme Wirkung. Manchen Radfems schmeckt dann das Frühstück nicht mehr, man stelle sich das vor! Das ist ausbaufähig.

Gruss,
Ferdi

/ Zur Abtreibungsfrage

Lars, Thursday, 11.09.2003, 13:40 (vor 8183 Tagen) @ Ferdi

Als Antwort auf: Re: Anklage ist die beste Verteidigung von Ferdi am 10. September 2003 21:14:58:

Das wirkt. In der Abtreibungsdebatte haben Bilder von zerhackten, blutigen Föten und Embryos eine ganz enorme Wirkung. Manchen Radfems schmeckt dann das Frühstück nicht mehr, man stelle sich das vor! Das ist ausbaufähig.
Gruss,
Ferdi

Wobei ich in der Abtreibungsfrage allerdings vergleichsweise dicht bei den Feminististinnen bin: Die Bilder der abgetriebenen Embyonen sehen natürlich schlimm aus, aber das Leben einer unvorbereiteten alleinerziehenden Mutter und eines ungewollten Kindes (am besten noch in finanziell prekären Verhältnissen) kann auch ein Schrecken ohne Ende sein (zumal ich einen Embrio noch nicht als Mensch gelten lassen würde). Bevor man Abtreibung wieder unter Strafe stellt, sollte man zuerst über die Situation von jungen, alleinerziehenden Müttern (bei denen KEIN Unterhaltsvater greifbar ist und bei denen die ungewollte Babypause Jugend und Ausbildung verhagelt) sowie von ungewollten Kindern diskutieren.

Manchen radikalen Abtreibungsgegnern ist tatsächlich vorzuhalten, daß sie sich mehr für das ungeborene als für das geborene Leben interessieren, und daß es sich leicht moralisieren läßt, wenn man gewiß sein kann, daß man die Folgen dieser rigorosen Moral selber nie ausbaden müssen wird. (Daß Männer hier auch betroffen sein, ist sehr theoretisch: Die Abtreibungsfrage stellt sich doch nicht in Beziehungen, sondern eher dort, wo der biologische Vater "über alle Berge" ist.)

Re: / Zur Abtreibungsfrage

Ferdi, Thursday, 11.09.2003, 15:04 (vor 8182 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: / Zur Abtreibungsfrage von Lars am 11. September 2003 10:40:54:

Hallo Lars!

Ich wollte jetzt auch nicht eine neue Debatte zur Abtreibungsfrage lostreten, sondern nur ein Beispiel anführen, welch kolossale Wirkung Bilder mit der richtigen Aussage haben können. Ich erinnere nur an die Plakate, mit denen die Grünen bei der letzten Wahl geworben haben, wo eine auf einem Sofa sich räkelnde Frau ihre Füsse auf dem Rücken eines Mannes hat, oder die Werbung von MTV für eine gewaltverherrlichende Sendung, auf dem Bild trat eine Frau einem Mann, der mit dem Rücken zur Wand stand, voll zwischen die Beine.

Wenn man solche Bilder mit einer so eindringlichen Aussage auch dafür einsetzt, auf die himmelschreiende Ungerechtigkeit bei der Behandlung von Männern aufmerksam zu machen, erreicht man unter Umständen mehr, als mit langatmigen Texten, deren Lektüre nur ermüdet. Zum Thema Männerwehrpflicht könnte ich mir zum Beispiel eine Bildcollage vorstellen, auf der einerseits die verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen bei einer Rede über den Einsatz deutscher Soldaten in wer weiss was für fremden Ländern zu sehen ist, und einmontiert schwerverletzte, blutüberströmte Soldaten aus irgendeinem Konflikt gezeigt werden. Oder eine elegant gekleidete Politikerin lässt sich darüber aus, dass die Männerwehrpflicht ein Ausgleich dafür sei, dass Frauen Kinder in die Welt setzen. Hier wäre ein schlammbesudelter Wehrpflichtiger in einem Dreckloch einer todschick gekleideten Mutter entgegenzusetzen, die sich auf einer Spielplatz-Bank sonnt wie am Strand von Valencia, während ihr Kind friedlich mit anderen spielt.

Leider habe ich kein Händchen dafür so etwas herzustellen, mir fehlt dafür auch ein brauchbares Bildbearbeitungsprogramm, aber ich könnte mir vorstellen, dass solche Collagen entsprechende Wirkungen auf der Gegenseite haben. Es ist zwar eine Bildzeitungsmethode, aber diese Methoden sind ja bekanntlich die besten. Sonst würden sie von den einschlägigen Boulevardblättern nicht verwendet.

Gruss,
Ferdi

Re: / Zur Abtreibungsfrage

Odin, Thursday, 11.09.2003, 21:47 (vor 8182 Tagen) @ Ferdi

Als Antwort auf: Re: / Zur Abtreibungsfrage von Ferdi am 11. September 2003 12:04:58:

Zum Thema Männerwehrpflicht könnte ich mir zum Beispiel eine Bildcollage vorstellen, auf der einerseits die verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen bei einer Rede über den Einsatz deutscher Soldaten in wer weiss was für fremden Ländern zu sehen ist, und einmontiert schwerverletzte, blutüberströmte Soldaten aus irgendeinem Konflikt gezeigt werden.

Bei derlei Plakaten solltest Du vielleicht auf so Feinheiten achten wie: Welche Partei wirklich FÜR und welche GEGEN die Wehrplicht ist - sonst wirds peinlich - und teuer

Re: / Zur Abtreibungsfrage

Jolanda, Thursday, 11.09.2003, 17:49 (vor 8182 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: / Zur Abtreibungsfrage von Lars am 11. September 2003 10:40:54:

Hallo Lars

Ich finde es toll, dass du dir immer über beide Seiten Gedanken machst, echt. Nur eines muss ich hier einwenden, ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie in der heutigen Zeit bei so vielen Verhütungsmitteln immer noch so viele Frauen ungewollt schwanger werden können?!

Wenn sie doch so gut und so klug sind, warum bringen sie es dann nicht fertig mindestens richtig zu verhüten?

Ich bin auch nicht für Schuldzuweisungen, bestimmt nicht, nur ich bin für mehr Verantwortung, gerade gegenüber ungeborenem Leben, hier wird in unserer Spassgesellchaft sehr sorglos damit umgegangen und das finde ich eine echte Scheissentwicklung.

Von diesen Bildern mit den abgetriebenen Föten halte ich gar nichts. Mir hat mein Schwager gesagt, diese Bilder seien oftmals getürkt. Denn so entwickelt wie diese Föten seien, könne das keinesfalls innerhalb der Frist abgetrieben worden sein, wie da steht.

Es waren da Bilder von abgetriebenen Embryos und da stand:

Michael, 14 Wochen alt. Mein Schwager sagte dann, das sei niemals ein Fötus in der 14. Schwangerschaftswoche, dieser Fötus sei einige Wochen älter und auf keinen Fall auf legalem Weg abgetrieben worden, weil man in diesem Stadium gar nicht mehr abreiben dürfe.

Klar wollte man aufrütteln, nur ich fand die Bilder echt schrecklich und klar kann man auf Bildniveau argumentieren, nur dann können wir auch gleich auf der Basis der Feministinnen argumentieren, das ist genauso schwachsinnig.

Es grüsst dich
Jolanda

Re: / Zur Abtreibungsfrage

Lars, Thursday, 11.09.2003, 19:41 (vor 8182 Tagen) @ Jolanda

Als Antwort auf: Re: / Zur Abtreibungsfrage von Jolanda am 11. September 2003 14:49:54:

ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie in der heutigen Zeit bei so vielen Verhütungsmitteln immer noch so viele Frauen ungewollt schwanger werden können?!
Wenn sie doch so gut und so klug sind, warum bringen sie es dann nicht fertig mindestens richtig zu verhüten?
Ich bin auch nicht für Schuldzuweisungen, bestimmt nicht, nur ich bin für mehr Verantwortung, gerade gegenüber ungeborenem Leben, hier wird in unserer Spassgesellchaft sehr sorglos damit umgegangen und das finde ich eine echte Scheissentwicklung.

Ich glaube, das hat nichts mit der "Spaßgesellschaft" zu tun. Es war schon immer so, daß ausgerechnet sozial schwache Paare am "fruchtbarsten" waren. Und schon seit Generationen rätseln Akademiker aus der aufgeklärten Mittelschicht über die Gründe für dieses Paradoxon: Uninformiertheit? Phlegma? Fatalismus? Tradition? Oberflächlicher und kurzlebiger Kinderwunsch? Im Eifer des Gefechts Kondom vergessen?

Wir werden es wohl nie erfahren. Ich vermute, tief im inneren unserer Problemstadtteile herrschen noch Mentalitäten, die für Akademiker aus der aufgeklärten Mittelschicht einfach nicht nachvollziehbar sind; die man wohl nur "verstehen" kann, wenn man selber dort aufgewachsen ist ...

Re: / Zur Abtreibungsfrage

hquer, Friday, 12.09.2003, 14:03 (vor 8182 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: / Zur Abtreibungsfrage von Lars am 11. September 2003 16:41:18:

Ich glaube, das hat nichts mit der "Spaßgesellschaft" zu tun. Es war schon immer so, daß ausgerechnet sozial schwache Paare am "fruchtbarsten" waren. Und schon seit Generationen rätseln Akademiker aus der aufgeklärten Mittelschicht über die Gründe für dieses Paradoxon: Uninformiertheit? Phlegma? Fatalismus? Tradition? Oberflächlicher und kurzlebiger Kinderwunsch? Im Eifer des Gefechts Kondom vergessen?
Wir werden es wohl nie erfahren. Ich vermute, tief im inneren unserer Problemstadtteile herrschen noch Mentalitäten, die für Akademiker aus der aufgeklärten Mittelschicht einfach nicht nachvollziehbar sind; die man wohl nur "verstehen" kann, wenn man selber dort aufgewachsen ist ...

Vollkommen korrekt und ich bin ebenfalls Deiner Meinung, daß die Abtreibungsproblematik eher liberal gehandhabt werden sollte. Jedoch ein Einwand zum feministischen Standpunkt "Mein Bauch gehört mir":

Ja natürlich - jedoch nicht immer der Inhalt. Ein Kind wurde von zweien gezeugt und "gehört" somit auch beiden. Von Vergewaltigungsfällen und medizinisch indizierten Notlagen abgesehen, fordere ich ein Vetorecht für die betroffenen Männer bei Abtreibungen. Dies stellt keine große Behinderung der betroffenen Frauen dar. Denn war die Schwangerschaft eher ein "Unfall", wird wohl der Mann kaum etwas dagegen haben. (Das Vetorecht wäre auch gleichzeitig eine Sicherung der Frau durch Verantwortungsübernahme des Mannes). Gleichzeitig würde durch ein (positives) Vetorecht ausgeschlossen, daß Männer ihre Frauen zur Abtreibung zwingen können. Der Impuls muß von der Frau kommen - denn diese hat ja dann alle biologischen Folgen zu tragen. Die psychischen Folgen haben jedoch beide zu schultern.

Mich stört einfach, daß eine Frau ohne jegliche Rücksprache mit dem werdenden Vater über den Tod des gemeinsamen Nachwuchses entscheiden kann.

meint hquer

Re: / Zur Abtreibungsfrage

Lars, Friday, 12.09.2003, 15:16 (vor 8181 Tagen) @ hquer

Als Antwort auf: Re: / Zur Abtreibungsfrage von hquer am 12. September 2003 11:03:48:

Jedoch ein Einwand zum feministischen Standpunkt "Mein Bauch gehört mir":
Ja natürlich - jedoch nicht immer der Inhalt. Ein Kind wurde von zweien gezeugt und "gehört" somit auch beiden. Von Vergewaltigungsfällen und medizinisch indizierten Notlagen abgesehen, fordere ich ein Vetorecht für die betroffenen Männer bei Abtreibungen. Dies stellt keine große Behinderung der betroffenen Frauen dar. Denn war die Schwangerschaft eher ein "Unfall", wird wohl der Mann kaum etwas dagegen haben. (Das Vetorecht wäre auch gleichzeitig eine Sicherung der Frau durch Verantwortungsübernahme des Mannes). Gleichzeitig würde durch ein (positives) Vetorecht ausgeschlossen, daß Männer ihre Frauen zur Abtreibung zwingen können. Der Impuls muß von der Frau kommen - denn diese hat ja dann alle biologischen Folgen zu tragen. Die psychischen Folgen haben jedoch beide zu schultern.
Mich stört einfach, daß eine Frau ohne jegliche Rücksprache mit dem werdenden Vater über den Tod des gemeinsamen Nachwuchses entscheiden kann.
meint hquer

Einverstanden. Allerdings hätte eine solche Regelung sowieso eher den Charakter einer prinzipiellen Klarstellung ohne praktische Relevanz (Dort wo ein Mann sein Veto und damit ja seine Verantwortungsbereitschaft anmeldet, werden eh eine Partnerschaft und entsprechend positive Rahmenbedingungen für eine Schwangerschaft vorliegen, und dort wiederum wird die Frau eh nicht auf die Idee verfallen, das unerwartete Kind - bloß weil es vielleicht gerade etwas unpassend kommt - abzutreiben.)

Aber es wäre mal eine symbolische Aufwertung des Vaters.

Re: / Zur Abtreibungsfrage

Manfred, Friday, 12.09.2003, 23:44 (vor 8181 Tagen) @ hquer

Als Antwort auf: Re: / Zur Abtreibungsfrage von hquer am 12. September 2003 11:03:48:

...Von Vergewaltigungsfällen und medizinisch indizierten Notlagen abgesehen, fordere ich ein Vetorecht für die betroffenen Männer bei Abtreibungen...

Gut gemeint, aber: Vorsicht! Das würde nur die Zahl der erstunkenen Vergewaltigungsbezichtigungen in die Höhe schnellen lassen! Den Vater quasi mit abtreiben, als Zahlmeister ist er in diesen Fällen ja unbrauchbar.
Irgendwie bin ich eben auch eine Art Frauenversteher ;-)

Schöne Grüße,
Manfred

Re: Anklage ist die beste Verteidigung

Garfield, Wednesday, 10.09.2003, 18:57 (vor 8183 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Anklage ist die beste Verteidigung von Lars am 10. September 2003 14:19:50:

Hallo Lars!

Prinzipiell ist das ja keine schlechte Idee. Nur leider ist es doch so, daß ein Mann als Opfer häufig immer noch nicht akzeptiert wird. Da wirkt zum einen das uralte Männerbild, nach dem ein Mann immer stark zu sein hat und aus eigener Kraft mit allen Problemen fertig werden muß. Und zum anderen wirken die darauf aufgesetzten radikalfeministischen Dogmen, nach denen nur Frauen Opfer sein können und Männer immer Täter sind.

Wenn sich also Männer öffentlich hinstellen und sich als Opfer darstellen, werden sie unweigerlich auf diese Klischees stoßen. Somit ist es wohl wirklich nötig, diese Klischees erst einmal zu demontieren und damit einen Bewußtseinswandel in den Medien und in der Bevölkerung zu erreichen, bevor man überhaupt mit Aussicht auf Erfolg Benachteiligungen von Männern öffentlich ansprechen kann.

Ein Beispiel: Früher hieß es, daß ja nur Männer ihre Frauen verprügeln, nicht aber umgekehrt. Die wenigen Männer, die es überhaupt wagten, irgendjemandem zu erzählen, daß sie von ihren Frauen geschlagen werden, wurden ausgelacht und/oder als einzelne Ausnahmefälle betrachtet. Weil es eben das Klischee von der friedfertigen Frau gab. Dieses Klischee mußte erst durch diverse Studien über Gewalt in der Partnerschaft angekratzt werden, damit die Medien wenigstens ab und zu auch mal weibliche Gewalt gegen Männer thematisieren. Das hat aber immer noch nicht ausgereicht, um das unsinnige "Gewaltschutzgesetz" zu verhindern. Die Klischees von der gewaltlosen Frau und vom brutalen Mann sitzen einfach zu tief in zu vielen Köpfen drin. Da muß noch viel Demontage-Arbeit geleistet werden.

Freundliche Grüße
von Garfield


Re: Anklage ist die beste Verteidigung

hquer, Friday, 12.09.2003, 13:46 (vor 8182 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Anklage ist die beste Verteidigung von Garfield am 10. September 2003 15:57:57:

Es gibt auch das Klischee des nudelholzschwingenden Hausdrachens.
Ich will damit sagen: Auch das ist ein Frauenbild, welches in der Bevölkerung als vorhanden akzeptiert ist. Man weiß, sowas gibts. Und man weiß auch - trotz aller Frotzeleien über den dazugehörigen Mann - dies ist nicht lustig.
Jetzt kommt es nur darauf an, dieses Bild stärker in den Medien als Problemfall zu thematisieren.
Die Frau als Haustyrann ist medienfähig. Das zeigen Beispiele von Stern-TV bis zu den Nachmittags-Talks (Diese sind zwar qualitativ minderwertig - jedoch zeigt allein deren Existenz, daß diese durchaus viele Menschen erreicht). Wichtig ist es, auf jeden Fall ein Bewußtsein bei allen Schichten zu schaffen, daß dieses Bild keines aus den 50-er Jahren ist, sondern auch heute real ist.

hquer (noch neu hier, aber sehr interessiert)

Re: Anklage ist die beste Verteidigung

Garfield, Friday, 12.09.2003, 14:46 (vor 8182 Tagen) @ hquer

Als Antwort auf: Re: Anklage ist die beste Verteidigung von hquer am 12. September 2003 10:46:21:

Hallo hquer!

Ja, das ist schon mal ein guter Ansatz. Aber oft werden solche Frauen in den Medien als seltene Ausnahmen präsentiert. Häufig wird gleichzeitig betont, daß häusliche Gewalt angeblich meist von Männern ausgehen würde. Allein schon, weil man sonst ja wieder Unmengen von Protest-Briefen, -Mails und -Anrufen von Feministinnen bekommt.

So läuft das dann oft nach dem Motto "Ausnahmen bestätigen die Regel" ab. Wichtig ist aber, daß die Öffentlichkeit begreift, daß diese in den Medien gezeigten Fälle keine Ausnahmen, sondern eben nur die Spitze eines Eisberges sind. Wenn über männliche Gewalt berichtet wird, ist das natürlich völlig klar - bei Frauen allerdings nicht.

Gestern hab ich auf ARD einen Bericht über eine geistesgestörte Frau gesehen, die seit Jahren immer wieder Menschen mit Messern angegriffen hat. Sie war deshalb zwar zeitweise in einer psychiatrischen Anstalt, wurde aber immer wieder auf freien Fuß gesetzt. Jetzt hat sie ihre Nachbarin umgebracht. Sie hat die Tür eingetreten und dann solange auf die Frau eingestochen, bis sie tot war.

Wenn ein Mann sich so aufführt, dann findet der sich ganz fix im Knast oder in der geschlossenen Anstalt wieder. Auch wenn er niemanden getötet hat. Und das ja auch zu Recht. Bei einer Frau wird das aber nicht so eng gesehen. Es ist ja nur eine schwache Frau, welchen Schaden kann die schon anrichten... Und überhaupt haben Frauen ja sowieso weniger kriminelle Energie... Es gibt wirklich jede Menge Polizisten und Justiz-Mitarbeiter, die diese Märchen glauben.

Und ich glaube auch nicht, daß sich daran durch diesen tragischen Fall viel ändern wird. Vielleicht sind die Leute, die nun mit diesem Fall zu tun hatten, in Zukunft bei ähnlichen Fällen nicht mehr ganz so sorglos. Aber auf die breite Öffentlichkeit hat das kaum Einfluß. Dieser Fall wird eben auch als Ausnahme betrachtet...

Interessant war auch ein Satz, den die Mutter der Ermordeten dazu sagte: "Wenn ich mir das vorstelle, da kommt so ein Mensch plötzlich in die Wohnung und sticht mit einem Messer zu..." Interessant fand ich dabei das Wort "Mensch". Wäre es ein männlicher Täter gewesen, dann hätte sie sicher das Wort "Mann" verwendet. So aber scheint sie Hemmungen davor gehabt zu haben, das Wort "Frau" zu verwenden und hat deshalb eben "Mensch" gesagt. Weil offenbar diese Frau für sie aufgrund dieses Verbrechens eigentlich gar keine Frau sein kann. Und was nicht sein kann, darf eben nicht sein. Also ist diese Täterin keine Frau, sondern eher ein brutaler Mann in einem weiblichen Körper, so eine Art Neutrum, das man dann eben auch neutral als "Mensch" bezeichnet...

Freundliche Grüße
von Garfield


Re: OFFENSIV argumentieren!

Manfred, Saturday, 13.09.2003, 21:20 (vor 8180 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: OFFENSIV argumentieren! von Lars am 08. September 2003 20:07:20:

Ich denke auch, dass es höchste Zeit wird, das bis zur Unerträglichkeit überstrapazierte "wir kriegen die Kinder"-Totschlagargument anzugehen.

Da gibt es jede Menge zu relativieren, u.a.

- Die Schwangerschaft ohne männliche Beteiligung ist verdammt selten
- Kinder gebären ist freiwillig!
- Kinder zu haben soll auch schonmal als Segen empfunden worden sein
- Die Gesellschaft vergütet Kindersegen vielfach
- Das Restrisiko bei einer Geburt ist (nicht zuletzt durch männliche
Forscher) gering
- Es gibt vielfache Maßnahmen zum Mutterschutz
- grade bei deutschen Frauen hat das Argument etwas peinliches, wir sind
(fast oder absolut) Schlußlicht bei der Geburtenrate

Das ist nur das, was mir so auf die Schnelle einfällt. Der Feminismus lebt u.a. sehr von seinen selbst errichteten Tabuzonen und der männlichen Dummheit dies als eisernes Gesetz zu akzeptieren.

Gruß,
Manfred


Re: Männertod durch Gender Mainstreaming

MalSehen, Tuesday, 09.09.2003, 16:34 (vor 8184 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Männertod durch Gender Mainstreaming von Lars am 08. September 2003 19:31:23:

Ich finde, falsch am "Gender-Mainstreaming"-Konzept ist nicht die Grundidee, alle Systeme auf Diskriminierungspotentiale zu checken; falsch ist nur, daß dies nur, bzw. vorrangig mit Blick auf etwaige Frauendiskrimierung geschehen soll.

Ich halte das Konzept schon für falsch. Es ist mir Schleierhaft unter welchen Kriterien man so etwas überhaupt machen will. Das ganze Konzept ist schwammig, das man immmer irgendwas finden wird.
Dort wo Diskriminierung tatsächlich passiert, dort kann sie abgestellt werden. Ein vorauseilendes Prüfen wird nur jede Menge Scheintatbestände produzieren und vermeindliche Diskriminierung in Interessenpolitik verwandeln.

MalSehen

Link zu "Gender-Mainstreaming"

Andreas (der andere), Tuesday, 09.09.2003, 22:27 (vor 8184 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Männertod durch Gender Mainstreaming von Lars am 08. September 2003 19:31:23:

Hi!

Darf ich zum System "Gender-Mainsteaming" nochmal dezent auf den exzellenten (sicher bekannten) Artikel von Michael Bock: "Gender-mainstreaming als totalitäre Steigerung von Frauenpolitik", unter http://radbruch.jura.uni-mainz.de/~bock/vortraege/bockvor11.html verweisen. Außerdem ist das "Konzept Gender-Mainstreaming" eigentlich kein "Konzept", sondern ein dialektisches System, dessen Stärke (im Sinne seiner Einsetzbarkeit) gerade darauf beruht, daß es sich nicht auf spezifische Positionen festlegt, sondern lediglich über ihr Negativ (die zu beseitigenden Repressionsmechanismen des Patriarchats) definiert. - Das, was Du gerne modifizieren würdest, ist leider die Basis ...

Grüße, Andreas

Re: Männertod durch Gender Mainstreaming

Bruno, Wednesday, 10.09.2003, 01:48 (vor 8184 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Männertod durch Gender Mainstreaming von Lars am 08. September 2003 19:31:23:

Hallo Lars,

ich bin völlig deiner Meinung, dass der Gender Mainstreaming-Ansatz für Männer sehr positiv ist oder besser wäre, wenn er in der Praxis so umgesetzt werden würde, wie er sich in der Theorie anhört. Aber die Praxis sieht, wie du auch schon bemerkt hast, anders aus. Einige Beispiele:

1. Seit Februar diesen Jahres existiert ein zentrales Gender Mainstreaming (GM) Reaferat für die Bundesregierung. Sitz dieses Referates ist das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, also ein Ministerium, das zwar auch für Väter, Jungen und männliche Senioren, aber nicht allgemein für alle Männer zuständig ist. Das bedeutet, das GM-Referat, das die Sichtweise von Frauen und Männern berücksichtigen soll, hat gar kein Manndat für die Berücksichtigung aller männlicher Mitbürger. Damit wird GM schon im Ansatz verhindert.

2. Das Chancengleichheitsreferat im Bildungsministerium ist bis auf einen männlichen Bürosachbearbeiter weiblich besetzt. Das GM-Logo hat die Aufschrift „Frauen im Beruf“. Das zeigt, dass die männlichen Sichtweise gar nicht gewünscht ist. Dies spiegeklt sich in der Tatsache wieder, dass es ausschließlich geschlechtsspezifische Bildungsprogamme und –initiativen für Mädchen, nicht jedoch für Jungen gibt, obwohl Jungen das schlechtere Bildungsniveau aufweisen.

3. In allen Parteien und den meisten Gremien bzw. Ministerien ist GM im Frauenressort angesiedelt. Ein Mann, der eine Frage zu Männerbesnchtieligungen und GM hat landet immer wieder im Frauenressort und die erklären einem dann, dass man sich nur für Frauenbelange interessiert. Siehe Sozialminiaterium Baden-Württemberg: GM unter der Rubirk Frauen. Siehe verdi: Infobroschüre sagt, dass für GM Frauenräten zuständig sind, also keinerlei Interesse, männliche Sichtweisen zu berücksichtigen.

4. Aktuell die Diskussion um die Genanalyse bei der Vaterschaftsermittlung. Soweit ich weiß, wurde auch so argumetiert, dass dies die Persönlichkeitsrechte der Fraue und des Kindes verletzen würde. Diese Argumentation ist ein klarer Verstoß gegen GM. Denn das Persönlichkeitsrecht des Mannes wird hier völlig ignoriert. Zudem wird das Persönlichkeitsrecht des Kindes nur teilweise berücksichtigt. Denn dieses hat ein legitimes Recht zu wissen, wer sein Vater ist.

Durch die sytematische Ausgrenzung der männlichen Beanchteiligungsfelder wird GM zu einem reinen Frauenfördermittel missbraucht.

Es wundert mich, weshalb wir nicht mehr bei unserer Argumentation auf den GM-Ansatz abheben. Als Beispiel hier möchte ich nennen die Wehrpflicht.

Die einseitig männliche Wehrpflicht ist die Folge einer historisch geschlechtsspezifiusch Männern zugeteilten Rolle in der Gesellschaft, etwas, was GM ja bekämpfen will. Dies wird in der Wehrpflicht-Diskussionen meines Wissens nie erwähnt.

Gruß

Bruno

Re: Männertod durch Gender Mainstreaming

Lars, Wednesday, 10.09.2003, 17:41 (vor 8183 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Re: Männertod durch Gender Mainstreaming von Bruno am 09. September 2003 22:48:53:

Hallo Bruno,

ich stimme in allen Punkten zu. Ich hab mir überlegt, ob es politisch-taktisch nicht klüger wäre, sich nicht weiterhin endlos mit dem Feminismus auseinanderzusetzen und dadurch nur dessen Vorwürfe abermals in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatten zu rücken, sondern vielmehr (bei weitgehender Ignorierung des feministischen Diskurses) selbstbewußt sozusagen als Men´s Rights Movement einfach die Männer-Benachteiligungsfelder dirket anzuprangern.

Ich finde so gesehen auch den Titel des Forums etwas zu defensiv.

Gruß
Lars

Re: Männertod durch Gender Mainstreaming

Maesi, Saturday, 13.09.2003, 14:22 (vor 8181 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Männertod durch Gender Mainstreaming von Lars am 08. September 2003 19:31:23:

Hallo Lars

Ich finde, falsch am "Gender-Mainstreaming"-Konzept ist nicht die Grundidee, alle Systeme auf Diskriminierungspotentiale zu checken; falsch ist nur, daß dies nur, bzw. vorrangig mit Blick auf etwaige Frauendiskrimierung geschehen soll.
Sollten wir nicht anstatt generell die Idee eines Diskriminierungs-Checks abzulehnen, vielmehr die KONSEQUENTE Ausweitung des Gender-Mainstreaming im Sinne eines fäiren Interessen-PLURALISMUS fordern, also die explizite Einbeziehung des Problems des Männerdiskriminierung (mit Männer-Beauftragten ect.)? Wir sollten das Definitionsmonopol der Feministinnen in Gender-Fragen angreifen und dem Thema Gleichstellungspolitik durch OFFENSIVE, POSITIVE Forderungen seine einseitig-feministische Schlagseite nehmen, so daß die Feministinnen in der Öffentlichkeit die unvorteilhafte Rolle der Privilegien-Verteidigerinnen einnehmen müssen!

MalSehen hat ja bereits auf die Schwammigkeit des 'Konzeptes' hingewiesen. Gender-Mainstreaming (GM) geht davon aus, dass Frauen und Maenner jeweils eigene Lebenswirklichkeiten kennen und deshalb jeweils in dessen Licht beurteilt werden muessten. Da stellt sich schon mal die Frage, worin bestehen diese maennlichen und weiblichen Lebenswirklichkeiten und wer setzt die Kriterien dafuer fest? Wie soll man sowas einigermassen plausibel in Gesetzesnormen giessen? Inwieweit besteht dann ueberhaupt noch die Maxime 'vor dem Gesetz sind alle gleich'? Hat womoeglich ein Baecker ebenfalls eine andere Lebenswirklichkeit als ein Bankdirektor oder ein Showmaster? Hat nicht auch der Moslem eine andere Lebenswirklichkeit als ein Christ? Und weshalb sollten die nicht auch jeweils unterschiedlich beurteilt werden? Wir begeben uns da auf das Feld der Beliebigkeit und Willkuer, die gerade im Verhaeltnis zwischen Buerger und Staat ueberhaupt nichts zu suchen haben sollten.

GM geht wesentlich weiter als die konventionellen Gesetzesnormen und versucht nicht bloss irgendwelche vom Gesetzgeber erlassenen Verbote oder Gebote durchzusetzen. Es geht hier vielmehr darum, den Buerger im Sinne einer als 'richtig' postulierten Ideologie zu formen. GM soll uns alle erfassen - auch in unserer Privatsphaere. Etwas salopp formuliert: es handelt sich um eine kollektive (Um-)Erziehungsstrategie, die zugegebenermassen geschickt in wohlklingende Worte gekleidet wurde. Ausserdem sollen die verschiedenartigen Menschen ausschliesslich aus einer einzigen Perspektive heraus, naemlich aus der Geschlechtszugehoerigkeit heraus, beurteilt werden. Es ist eines der typischen Merkmale von totalitaeren Ideologien, dass sie die Welt von einem bestimmten Blickpunkt heraus erklaeren und/oder formen wollen.

Die (wohl feministischen) Autorinnen gehen davon aus, dass bei einer bestimmten Massnahme saemtliche relevanten Konsequenzen (zumindest im Geschlechterbereich) beruecksichtigt und einigermassen sicher quantifiziert werden koennten; das ist jedoch, wissenschaftlich gesehen, reines Wunschdenken. Die auch nur kurzfristigen Konsequenzen einer bestimmten Entscheidung koennen in einem solch komplexen System voller Abhaengigkeiten untereinander unmoeglich ermittelt werden: bereits das (unvermeidliche) geringfuegige Andersinterpretieren von einzelnen Eingangsparametern durch unterschiedliche Personen wuerde haeufig zu gaenzlich anderen Ergebnissen fuehren. Noch schlimmer: bei gleichinterpretierten Eingangsparametern koennte sich, je nach Wahl des zeitlichen Betrachtungshorizonts (1 Monat, 1 Jahr, 1 Jahrzehnt), ein und dieselbe Entscheidung sowohl als richtig als auch falchs entpuppen.

In der Praxis koennte also nicht nach objektiv-wissenschaftlichen Kriterien entschieden werden; der einzelne Konsequenzenpruefer muesste vielmehr subjektiv-intuitiv entscheiden, wodurch wir bei der von mir prognostizierten Willkuer waeren. Ausserdem: selbst wenn flaechendeckend nur oberflaechlich die geschlechterpolitischen Konsequenzen einer jeden relevanten Entscheidung untersucht wuerden, haetten wir es mit einem atemberaubenden, geldverschlingenden Administrationsmoloch zu tun, der saemtliche parkinsonschen Alptraumszenarien von Buerokratie zur Realitaet werden liesse.

Fazit: Frau Braun-Ferenczi hat den totalitaeren Ansatz von GM recht treffend geschildert, ebenso Dr. Michael Bock; dass in der Praxis fast ausschliesslich Frauen in der Geschlechterpolitik taetig sind, verschlimmert dieses Problem lediglich zulasten der 'Maennerseite', es beruehrt aber nicht den 'faulen Kern' des GM. Nein, Lars, der Ansatz ist IMHO schon grundfalshc, indem eine bestimmte Ideologie den Menschen von Staates wegen anerzogen werden soll. Dies widerspricht dem liberalen Gedankengut von Toleranz, auf das die meisten westlichen Demokratien bauen, es liquidiert die Verschiedenartigkeit der Menschen zugunsten eines aufgezwungenen Egalitarismus. Wir haben genuegend Gesetze, die Diskriminierungen (nicht nur aufgrund des Geschlechts) verbieten. Es ist aber nicht einzusehen, dass Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts (und nur diese) mittels GM einen Sonderstatus gegenueber saemtlichen anderen Diskriminierungsformen (z.B. Auslaenderdiskriminierung, Antisemitismus) erhaelt. Beachte bitte, dass meine Kritikpunkte grundsaetzlicher Art sind; welches Geschlecht durch die real existierende GM-Buerokratie bevorzugt wird, ist dabei voellig unerheblich.

Als Lektuere empfehle ich ausserdem Michails treffliche Analyse der Definition von GM innerhalb der EU (siehe Link). Dort sehen wir, dass bereits die Grundlage auf EU-Ebene frauenbevorzugend ist. Da stellt sich die Frage, ob der theoretische Ansatz von GM, den Du als gut erachtest, nicht bloss eine Chimaere ist. Klaere uns doch bitte auf, welchen GM-Ansatz Du meinst, wo man den Text nachlesen kann und welche praktische Bedeutung er hat.

Gruss

Maesi

http://www.maskulist.de/debatte3.htm#debatte3b

Gender-Mainstreaming in BEIDE Richtungen

Lars, Saturday, 13.09.2003, 17:28 (vor 8180 Tagen) @ Maesi

Als Antwort auf: Re: Männertod durch Gender Mainstreaming von Maesi am 13. September 2003 11:22:52:

Hallo Maesi,

eine spezifisch weibliche "Lebenswirklichkeit" ist/war z. B. der Umstand, daß Schwangerschaft und Säuglingsbetreuung naturgemäß der Mutter zufallen. Hieraus ergab sich zumindest in der Vergangenheit das Problem, daß sich die Baby-Pause schnell als Karriere-Knick wenn nicht gar als Karriere-Killer erweisen konnte. Dies als ArbeitsministerIn zu ignorieren, würde bedeuten, stillschweigend den männlichen Arbeitnehmer als selbstverständliche Norm vorauszusetzen und Chancenungleich zu zementieren. (Allerdings sind soweit ich weiß mittlerweile da mittlerweile effektive Zurück-in-den-Job-Regelungen erlassen worden)

Eine spezifische männliche "Lebenswirklichkeit" ist z. B. der Umstand, daß Jungs stärker zum "Rumzappeln" und Laut-sein neigen. Hieraus ergibt sich in der Schule das Problem, daß die LehrerInnen sich lieber auf die pflegeleichteren Mädchen konzentrieren und jungen-typisches Verhalten sanktionieren. Dies als BildungsminterIn oder SchulleiterIn zu ignorieren, würde bedeuten, stillschweigend die SchülerIN als selbstverständliche Norm vorauszusetzen und Chancenungleichheit zu zementieren.

Du fragst zurecht: Und was ist mit den "Lebenswirklichkeiten" von unterschiedlicher Berufsgruppen, unterschiedlicher Religionen, unterschiedliche Ethnien ect? Müßten die nicht auch in einem allumfassenden Diskriminierungs-Check mit berücksichtigt werden?

Ich meine: Im Prinzip Ja:
- Zur Lebenswirklichkeit von Arbeitnehmern der unteren Lohngruppen (aber auch bestimmter Kategorien von Kleinunternehmern) gehört etwa, daß sie sich nicht "mal so eben" privat-versichern können. Dies als SozialministerIn zu ignorieren, bedeutet, ein Mittelschichts-Einkommen als die selbstverständliche Gegebenheit vorauszusetzen (was volkswirtschaftlich absurd ist) und ungleich verteilte Armutsrisiken stillscheigend hinzunehmen.
ect. ect. ect.

Grundsätzlich finde ich schon, daß der Staat bei allem, was er tut und unterläßt, erstmal nach möglichen Benachteiligungseffekten fragt. (man sollte es natürlich nicht ins groteske steigern)

Du wendest ein: Entsteht dabei nicht eine riesige zwangs-egalisierende Bürokratie, die mit dem liberalen Staatsverständnis widerspricht?

Dem "reinen", "klassischen" 19.Jhdt.-Laissez-faire-Liberalismus mit seiner Vorstellung vom "Nachtwächter-Staat" widerspricht dies in der Tat. Allerdings besitzt dieser Liberalismus weder Verfassungsrang, noch ist er in der Bevölkerung (weder der männlichen, noch der weiblichen) von einem breiten Konsens getragen. Er kann daher (außerhalb der FDP *g*) auch nicht als Diskussionsgrundlage vorausgesetzt werden.

Ich persönlich gehe auch nicht von einem klassisch-liberalen Staatsverständnis aus, sondern eher von einem linksliberalen / sozialdemokratischen Staatsverständis. D. h. Es reicht nicht aus, wenn der Staat die allgemeinen bürgerlichen Freiheiten festschreibt und auf alle Bürger die gleichen Gesetze anwendet, er muß vielmehr auch die GESELLSCHAFT sehen, in der sich völlig ungeachtet der Gleichheit vor dem Gesetz die Chancen, v. a. aber die gesundheitlichen und Armuts-Risiken auf die einzelnen Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich verteilt sind; und er muß fragen, wie dem mit Anti-Diskriminierungs-Gesetzen und Maßnahmen des sozialen Interessenausgleichs begegnet werden kann, im Sinne einer ungefähren Korrelation zwischen Fleiß und Wohlstand.

Und von DIESEM linksliberlaen, sozialdemokratischen Staatsverständnis aus kritisiere ich die feministischen "Gender-Mainstreaming"-Vorstellungen, da sie aus einer gruppenegoistischen und anti-egalitären Haltung heraus das Frauen-Interesse als das einzig legitime und die Frauen-Beanachteiligung als die einzig denkbare ver-absolutieren (und sich dabei der Methoden der Demagogie und des Diskussions-Verbots bedienen)

Gruß
Lars

Re: Gender-Mainstreaming in BEIDE Richtungen

Maesi, Monday, 15.09.2003, 00:55 (vor 8179 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Gender-Mainstreaming in BEIDE Richtungen von Lars am 13. September 2003 14:28:46:

Hallo Lars

eine spezifisch weibliche "Lebenswirklichkeit" ist/war z. B. der Umstand, daß Schwangerschaft und Säuglingsbetreuung naturgemäß der Mutter zufallen. Hieraus ergab sich zumindest in der Vergangenheit das Problem, daß sich die Baby-Pause schnell als Karriere-Knick wenn nicht gar als Karriere-Killer erweisen konnte. Dies als ArbeitsministerIn zu ignorieren, würde bedeuten, stillschweigend den männlichen Arbeitnehmer als selbstverständliche Norm vorauszusetzen und Chancenungleich zu zementieren.

Bei dieser Ueberlegung gibt es einen wichtigen Denkfehler: Zwar faellt die Schwangerschaft (naturgemaess) und die Saeuglingsbetreuung (gesellschaftsbedingt) tatsaechlich der Mutter zu. Aber nicht jede Frau ist eine Mutter, Mutterschaft ist vielmehr selbstgewaehlt. Sofern eine Frau also auf ein Kind verzichtet oder einen Mann findet, der die Saeuglings/Kinderbetreuung uebernimmt, bleibt dieser Karriereknick aus. Allerdings wird eine Frau, die sich fuer die berufliche Karriere entscheidet, ihre Chancen auf ein Familienleben mit Kindern schmaelern. Egal, wie sie sich als Individuum entscheidet, sie wird mit ihrer Entscheidung ihre Chancen fuer das eine und andere beeinflussen.

Ausserdem gehoert die Karriere keineswegs zur typisch-maennlichen Lebenswirklichkeit; der erfolgreiche Karrierist ist vielmehr auch unter den Maennern eine Ausnahme. Ob eine Frau, die Mutter wird, ohne diese Mutterschaft tatsaechlich beruflich Karriere gemacht haette, wissen wir nicht. Wir wissen auch nicht, wie oft die Mutterschaft von Frauen als Entschuldigung bloss vorgeschoben wird, weil sie nicht zugeben will, dass sie sich den mit einer Berufskarriere verbundenen Stress schlichtweg nicht antun wollte.

Chancengleichheit (bzw. -ungleichheit) kann nie absolut betrachtet werden; sie kann nur immer im Hinblick auf ein bestimmtes Ziel (als Ideal) gelten. Sobald ich mich jedoch auf ein (oder mehrere) bestimmte Ziele konzentriere, schmaelere ich meine Chancen andere, (momentan) nicht anvisierte Ziele zu erreichen. Ein erfuelltes Familienleben und eine Karriere konkurrieren sich aber direkt als Ziele, denn in beides muss man Zeit, viel Zeit investieren. Es ist deshalb kein Wunder, dass viele Karrieristen (soweit sie ueberhaupt eine Familie haben) ein wenig erfuelltes Familienleben haben; das ist der Preis, den sie fuer die Karriere zahlen mussten.

Eine spezifische männliche "Lebenswirklichkeit" ist z. B. der Umstand, daß Jungs stärker zum "Rumzappeln" und Laut-sein neigen. Hieraus ergibt sich in der Schule das Problem, daß die LehrerInnen sich lieber auf die pflegeleichteren Mädchen konzentrieren und jungen-typisches Verhalten sanktionieren.

Im Unterschied zur selbstgewaehlten Mutterschaft ist der tendenziell hoehere Bewegungsdrang von Jungen aber tatsaechlich naturbedingt. Insofern hinkt der Vergleich.

Du fragst zurecht: Und was ist mit den "Lebenswirklichkeiten" von unterschiedlicher Berufsgruppen, unterschiedlicher Religionen, unterschiedliche Ethnien ect? Müßten die nicht auch in einem allumfassenden Diskriminierungs-Check mit berücksichtigt werden?
Ich meine: Im Prinzip Ja:
- Zur Lebenswirklichkeit von Arbeitnehmern der unteren Lohngruppen (aber auch bestimmter Kategorien von Kleinunternehmern) gehört etwa, daß sie sich nicht "mal so eben" privat-versichern können. Dies als SozialministerIn zu ignorieren, bedeutet, ein Mittelschichts-Einkommen als die selbstverständliche Gegebenheit vorauszusetzen (was volkswirtschaftlich absurd ist) und ungleich verteilte Armutsrisiken stillscheigend hinzunehmen.

Ich nehme an, Du meinst damit die Krankenversicherung. Nun gibt es neben der privaten doch auch eine gesetzliche Krankenversicherung, die eigentlich ausreichen sollte. Ist die in der BRD nicht obligatorisch? Genuegt sie womoeglich den minimalen Anspruechen nicht?

Derjenige, der mehr Kohle besitzt wird wahrscheinlich immer eine bessere und individuellere Betreuung/Behandlung erhalten, weil er in der Lage und bereit ist, einen hoeheren Preis zu bezahlen; da hilft auch ein noch so gut ausgebauter Sozialstaat nichts.

Grundsätzlich finde ich schon, daß der Staat bei allem, was er tut und unterläßt, erstmal nach möglichen Benachteiligungseffekten fragt. (man sollte es natürlich nicht ins groteske steigern)

Die Zahl der fuer GM relevanten staatlichen Handlungen (von den Unterlassungen ganz zu schweigen) ist astronomisch; dazu gehoeren ja nicht nur alle politischen Entscheidungen auf Bund-, Laender- und Kommunenebene sondern auch saemtliche administrativen Entscheidungen und letzten Endes sogar Gerichtsentscheidungen. Ich bleibe dabei, dass mit einem vernuenftigen Aufwand die geschlechterbezogenen Konsequenzen bei all diesen Entscheidungen gar nicht abgeschaetzt werden koennen. Da GM ausdruecklich von den Konsequenzenpruefung bei allen Entscheidungen spricht, liegt hier bereits im Grundsatz eine Steigerung ins Groteske vor.

GM beschraenkt sich auch nicht bloss darauf, was der Staat tut oder unterlaesst; die Idee ist ja, dass alles (auch das nichtstaatliche Handeln) dieser Ideologie unterworfen wird. Das wiederum macht einen wesentlichen Teil des Totalitarismus von GM aus. Ausserdem wird dadurch die Zahl der Konsequenzenpruefungen noch einmal drastisch erhoeht.

Wenn der Staat bei den Entscheidungen ausser den geschlechtsspezifischen auch noch andere Konsequenzen miteinbezoege (z.B. finanzielle, religioese, ethnische, gesundheitliche Aspekte etc.) wuerde die Zahl der Pruefungen potenziert. Wenn es einen Komparativ zu unmoeglich gaebe, wuerde ich sagen, das ist noch unmoeglicher als die Pruefungen nur aufgrund einer geschlechtsspezifischen Perspektive.

Du wendest ein: Entsteht dabei nicht eine riesige zwangs-egalisierende Bürokratie, die mit dem liberalen Staatsverständnis widerspricht?
Dem "reinen", "klassischen" 19.Jhdt.-Laissez-faire-Liberalismus mit seiner Vorstellung vom "Nachtwächter-Staat" widerspricht dies in der Tat. Allerdings besitzt dieser Liberalismus weder Verfassungsrang, noch ist er in der Bevölkerung (weder der männlichen, noch der weiblichen) von einem breiten Konsens getragen. Er kann daher (außerhalb der FDP *g*) auch nicht als Diskussionsgrundlage vorausgesetzt werden.

Du irrst: bestimmte klassisch liberale Vorstellungen haben sehr wohl Verfassungsrang. Z.B. Niederlassungsfreiheit, Handels- und Gewerbefreiheit, Recht auf Eigentum, Pressefreiheit, Recht auf freie Meinungsaeusserung, Religionsfreiheit etc. Sie machen sogar wesentliche Grundlagen der Verfassung aus.

Wir befinden uns nicht in einem kapitalismusbetonten Liberalismus, wie jenem des 19. Jhds. Insofern ist dieser Einwurf heute voellig irrelevant. Gerade im Geschlechterbereich haben wir schon heute einen buerokratischen Wasserkopf ohne einen erheblichen Nutzen. Mit GM wuerde dieser noch weiter aufgeblaeht (und zwar erheblich).

Die Menschen sind in der Realitaet sehr unterschiedlich hinsichtlich ihrer Faehigkeiten, Begabungen, Neigungen, Wuensche, Lebenseinstellungen usw. Im GM-Ansatz wird Ungleichheit bezueglich des Geschlechts als unerwuenscht erklaert; weitergehende Abklaerungen ueber alternative Erklaerungsmoeglichkeiten werden von GM gar nicht in erst Betracht gezogen. Aus diesem ethisch fragwuerdigen und voellig ungesicherten Axiom leitet sich die Legitimitaet ab, eine festgestellte oder auch nur prognostizierte Ungleichheit mittels staatlicher Massnahmen zu beseitigen bzw. zu verhindern.

GM hat damit aber ueberhaupt nichts mit liberalem Verstaendnis zu tun (weder klassisch liberal noch linksliberal). Es handelt sich um eine Ideologie, welche das Individuum (im besten Falle) vor moeglichst allen negativen Konsequenzen seiner Entscheidungen zu bewahren sucht oder (im schlimmsten Fall) willkuerlich gaengelt. Verantwortung hinsichtlich der vom Individuum getroffenen Entscheidungen und der sich daraus ergebenden Konsequenzen ist dieser Ideologie fremd. Sie sieht im Menschen vielmehr ein unmuendiges Kind, das in ein enges Korsett von Konventionen gepresst werden muss, weil es die Konsequenzen seiner Handlungen nicht sieht oder tragen kann.

Dies wirft aber grundsaetzliche Fragen auf, die weit ueber die liberale Interpretation eines Staates hinausgehen: Wenn der Mensch nicht in der Lage ist, die Verantwortung fuer das eigene Tun sowie der sich daraus ergebenden Konsequenzen zu tragen, ist er dann ueberhaupt in der Lage, politische oder gesellschaftliche Entscheidungen zu treffen? Ist er in der Lage, zu waehlen? Ist er in der Lage, ein politisches Amt zu uebernehmen? Oder benoetigt er auch hier ueberall eine staatliche Buerokratie, die ihm sagt, was er zu tun oder zu lassen hat?

Ich persönlich gehe auch nicht von einem klassisch-liberalen Staatsverständnis aus, sondern eher von einem linksliberalen / sozialdemokratischen Staatsverständis. D. h. Es reicht nicht aus, wenn der Staat die allgemeinen bürgerlichen Freiheiten festschreibt und auf alle Bürger die gleichen Gesetze anwendet, er muß vielmehr auch die GESELLSCHAFT sehen, in der sich völlig ungeachtet der Gleichheit vor dem Gesetz die Chancen, v. a. aber die gesundheitlichen und Armuts-Risiken auf die einzelnen Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich verteilt sind; und er muß fragen, wie dem mit Anti-Diskriminierungs-Gesetzen und Maßnahmen des sozialen Interessenausgleichs begegnet werden kann, im Sinne einer ungefähren Korrelation zwischen Fleiß und Wohlstand.

Zu den meisten Risiken hat der Sozialstaat aber laengst Loesungen gefunden (Altersvorsorge, Krankheit, Invaliditaet, Armut, Arbeitslosigkeit, Diskriminierungen). Ob diese gut sind, sei jetzt mal dahingestellt. GM wird hier aber ganz bestimmt keine substantielle Verbesserungen bringen; eher das Umgekehrte ist der Fall, da durch die aufgeblaehte Buerokratie anderswo benoetigte Geldmittel entzogen werden.

Politische Interessenausgleiche finden in Parlamenten, in der UNO sowie in zwischenstaatlichen, bilateralen und multilateralen Verhandlungen statt. Wirtschaftliche, soziale, oekologische und sonstige Interessenausgleiche durch mannigfaltige Interessengruppen (Arbeitgeberverbaende, Gewerkschaften, Umweltschutzverbaende, Elternverbaende usw. usf.). Inwiefern soll der Staat hier anders eingreifen, als dass er bestimmte Rahmenbedingungen setzt? Weshalb sollte er bestimmte Interessen besser wahrnehmen, als Vertreter der betroffenen Interessengruppen selber?

Wenn der Staat beispielsweise mittels GM geschlechterspezifische Interessen wahrnehmen soll, was macht er, wenn diese mit anderen legitimen Interessen kollidieren? Wer definiert und formuliert ueberhaupt staatlicherseits die geschlechterpolitischen Interessen und mit welcher Legitimation? Wie sieht die buerokratische Umsetzung aus? GM widerspricht in wesentlichen Teilen dem Grundgesetzartikel ueber die 'Gleichheit aller vor dem Gesetz' sowie jenem des Diskriminierungsverbots. Ist die staatliche Buerokratie befugt, so wichtige Artikel des Grundgesetzes zu umgehen? Weshalb ist eine annaehernd ausgeglichene Geschlechterverteilung in allen Berufen und Hierarchiestufen vorteilhaft? Wo und wie wurde das belegt?

Dies alles sind keineswegs abstrakte Fragen, sie stellen sich bereits heute, angesichts der zahlreichen Frauenfoerdermassnahmen und -Sonderregelungen. Die letzten beiden Fragen sind sogar zentral, denn auf dem Dogma der geschlechterspezifischen Gleichverteilung baut der ganze GM-Ansatz auf. Ausser blossen ethisch-doktrinaeren Behauptungen habe ich bisher noch keine wissenschaftlich haltbare Untersuchung dazu gesehen.

Dass ausgerechnet der Staat eine ungefaehre Korrelation zwischen Fleiss und Wohlstand herbeifuehren soll, ist schlichtweg lachhaft; er ist ja noch nicht einmal in der Lage, die eigenen Bediensteten nach Fleiss oder Leistung zu entloehnen sondern bedient sich vielmehr ziemlich starrer Besoldungstabellen mit Gehaltserhoehungen, die sich nach der Anzahl der Dienstjahre richten. Wie sollte er das dann in der ganzen Gesellschaft schaffen?

Es stellt sich ausserdem grundsaetzlich die Frage, wie Fleiss gemessen werden kann. Und selbst die groesste Fleissigkeit ist nutzlos, wenn die daraus resultierenden Produkte oder Dienstleistungen von niemandem gewuenscht werden. Soll auch unerwuenschter Fleiss honoriert werden? Und wenn ja, warum und nach welchen Kriterien?

Und von DIESEM linksliberlaen, sozialdemokratischen Staatsverständnis aus kritisiere ich die feministischen "Gender-Mainstreaming"-Vorstellungen, da sie aus einer gruppenegoistischen und anti-egalitären Haltung heraus das Frauen-Interesse als das einzig legitime und die Frauen-Beanachteiligung als die einzig denkbare ver-absolutieren (und sich dabei der Methoden der Demagogie und des Diskussions-Verbots bedienen)

Das kritisiere ich natuerlich auch, allerdings nicht bloss im Rahmen von GM sondern am ideologischen Feminismus insgesamt.

Ausserdem gab es nie eine breit angelegte gesellschaftspolitische Diskussion um GM. Irgendeine (offensichtlich feministische) Interessengruppe hat diesen Ansatz ausgearbeitet, und nun soll er mittels EU- u/o einzelstaatlicher Gesetzgebung der Gesellschaft uebergestuelpt werden. Der EU-Grundsatztext ist eindeutig maennerfeindlich-sexistisch; da beisst die Maus keinen Faden ab. Du erachtest die Grundidee als gut. Wo aber ist der nach Deinem Empfinden korrekte Grundsatztext von GM zu finden? Die EU-Fassung kann es ja wohl kaum sein. Existiert dieser nichtdiskriminierende GM-Ansatz tatsaechlich, oder handelt es sich lediglich um ein nirgends textlich ausformuliertes Ideal ohne praktische Bedeutung? Es hat ja wenig Sinn, einem Phantomtext nachzujagen...

Gruss

Maesi

Sehr interessanter Artikel

Frank, Tuesday, 09.09.2003, 12:42 (vor 8185 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Männertod durch Gender Mainstreaming von Odin am 08. September 2003 18:20:13:

Hallo Odin,

vielen Dank für diesen interessanten Beitrag. Ich habe ihn umgehend in meine Textsammlung aufgenommen.
Die Autorin schildert den Ist-Zustand der Frauenpolitik hierzulande erfreulich direkt und ohne auf feministische Tabus Rücksicht zu nehmen. Eine solche Behandlung des Themas findet man in unserer gleichgeschalteten Presse viel zu selten.

Es scheint, dass das Ziel der lkone der Frauenbewegung, Valerie Solanas, ausgedrückt im "Manifest zur Vernichtung der Männer", in greifbare Nähe rückt. Solanas wollte seinerzeit selbst schon mal den Anfang machen und schoss Andy Warhol über den Haufen.RecherchierenSieselbstimInternet, welche deutschen Politikerinnen Solanas' Manifest "witzig" und "brilliant" finden!

Weiß jemand, wen sie damit meint?

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