Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Mädchenkriminalität

Odin, Monday, 08.09.2003, 00:41 (vor 8186 Tagen)

18 Jugendliche schlugen Mädchen krankenhausreif
Schnelsen: Mutter des Opfers (15) beklagt schockierende Brutalität. Sie erstattete Strafanzeige und informierte den Innensenator. 14 der Täter sind Mädchen.

Von Sabine Minkwitz

Das fürchtet jede Mutter: dass das Kind gequält, misshandelt, zusammengeschlagen wird. Für Marion G. (alle Namen geändert, die Red.) aus Schnelsen ist dieser Albtraum Wirklichkeit geworden. Ihre 15 Jahre alte Tochter Maike wurde von einer Bande aus 14 Mädchen und vier Jungen krankenhausreif geprügelt. Diagnose: Prellungen, Blutergüsse. "Ich habe meine Tochter fast nicht erkannt, so schlimm sah sie aus." Die verzweifelte Frau klagt an: "Wir müssen endlich etwas unternehmen, um unsere Kinder zu schützen."

Dienstag, gegen 18.30 Uhr auf einem Spielplatz am Scheelring. Ein langer Schultag liegt hinter Maike G. Mathe, Deutsch, Sport - bis 16 Uhr hat das Mädchen (15) an der Gesamtschule gepaukt. Jetzt will sie gemeinsam mit ihrer Freundin Katja noch etwas ausspannen. Sie setzen sich auf eine Bank. "Plötzlich umkreiste uns die Mädchenbande. Ich kenne ihre Anführerin. Sie heißt Lilly und ist 16. Sie wollte sich rächen, weil ich bei einer anderen Schlägerei im Juli meine Freundin beschützt hatte", sagt Maike G., deren Gesicht auch Tage nach dem Vorfall immer noch Spuren der Misshandlungen zeigt.

Die folgenden Minuten ihres Albtraums schildert Maike G. so: ",Sag nie mehr etwas Schlechtes über mich', drohte mir Lilly und gab mir eine Backpfeife. Als ich sie beruhigen wollte, hatte ich zehn Fäuste im Gesicht und lag im nächsten Moment am Boden. Von den harten Schlägen war ich wie benebelt. Die Mädchen rissen mir meine Ohrringe und zwei Armbänder ab. Außerdem versuchten sie, meinen Ring abzustreifen."

Und es wurde noch schlimmer. Maike G. hörte, wie eine Angreiferin der Anführerin Lilly zurief: "Brauchst du dein Messer?" ",Nein, die wehrt sich ja nicht.'" Schließlich gelang es Maike, sich loszureißen. Mit ihrer Freundin rettete sie sich in die Wohnung einer Bekannten.

Von dort alarmierte sie ihre Mutter, die sofort zu ihr fuhr und den Notarzt verständigte. Der kam sofort. Maike G. wurde ins UKE gebracht. Die erste oberflächliche Diagnose der Sanitäter ließ Schlimmes befürchten: Verdacht auf Schädelbasisbruch. Glücklicherweise bestätigte sich das nicht. Doch allein die Arztberichte des Chirurgen, des Augenarztes und des Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten umfassen mehrere Seiten.

Die Ärzte bescheinigen Maike G. schwere Blutergüsse in den Ohren, auf der Stirn, starke Prellungen im Brustbereich, zwei blaue Augen und einen Schock. Ihre Mutter erstattet auf der Polizeiwache am Garstedter Weg Strafanzeige wegen Körperverletzung. Schon am nächsten Tag kommt ein Beamter der Kriminalpolizei, lässt sich den Fall minutiös schildern.

Seither ermitteln die Beamten. Noch ist niemand festgenommen worden. Mutter Marion G. ist unterdessen noch einmal persönlich ins Polizeipräsidium gefahren. "Jetzt muss etwas geschehen. Diese Lilly gehört eingesperrt." Außerdem versuchte die besorgte Mutter telefonisch Innensenator Dirk Nockemann über den Vorfall zu informieren. "Sein Vorzimmer versprach mir einen Rückruf."

Der Fall von Maike G. ist der vorläufige Höhepunkt einer ganzen Reihe von Vorkommnissen, in denen es um so genannte Mädchengewalt und Mädchenkriminalität geht. In der Innenbehörde hat man die Brisanz des Themas inzwischen erkannt. Erst am Donnerstag hatte der neue Innensenator Dirk Nockemann (45) gegenüber dem Hamburger Abendblatt die Bekämpfung der Mädchenkriminalität zur Chefsache erklärt. "Das ist ein sehr ernstes Thema."

Zur Erinnerung: Im August beraubten auf dem Dom sechs Mädchen eine 13-Jährige und verprügelten sie. Die 15 Jahre alte Haupttäterin Vanessa M. ist der Polizei als eine von 440 jugendlichen Intensivtätern in Hamburg bekannt. Kurz darauf beunruhigte der Fall der 17 Jahre alten Sarah B., die über Monate hinweg Jugendliche in der Disco-Buslinie "Night Cruiser" tyrannisierte. Mindestens zwölf Überfälle gehen auf das Konto des Mädchens, die in einer von Sozialpädagogen betreuten Jugendwohnung in Ottensen lebte. Jetzt sitzt sie in U-Haft am Holstenglacis.

erschienen am 6. Sep 2003 in Hamburg

Hamburger Abendblatt - Lokales (06-09-2003)


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