Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Frauen an die Regierung!

Lars, Friday, 05.09.2003, 23:08 (vor 8188 Tagen)

Warum?

Es ist doch so, daß PolitikerINNEN fast immer nur als partei-interne Frauenvertreterinnen oder als der Öffentlichkeit kaum bekannte Ministerinnen und Staatssekretärinnen Karriere machen, fast nie jedoch als Regierungschefinnen (auf Regional- oder nationaler Ebene) oder Volkspartei-Chefinnen machen.

Ich behaupte nun, daß letzteres nur vordergründig einen weiteren Sieg der Feministinnen darstellen würde. Hießen die Kanzlerkandidatinnen 2006 Renate Schmidt (SPD) und Angelika Merkel (CDU), dann würden zwar bei deren Nominierung in der "Emma"-Redaktion die Sekt-Korken knallen, aber anschließend werden wir überrascht einen Wahlkampf erleben, in dem das "Frauengedöns" (Schröder *g*) auf einmal eine viel geringere Rolle spielt als noch 1998 und 2002! Denn:

Beide Politikerinne wüßten:

- Sie werden nun von der GESAMTEN Bevölkerung aufmerksam beobachtet und brauchen Stimmen aus der weiblichen UND männlichen Bevölkerung (ganz anders als die bisherigen partei-internen Frauen-Politikerinnen!)

- Nun, da dem Symbolfeminismus genüge getan ist, werden die WählerINNEN ihre Entscheidung entlang ihrer allgemeinpolitischen Parteienpräferenzen treffen;

- die WählER dagegen wären angesichts der erstmaligen Wahl zwischen zwei Kanzerlerkandidatinnen irritiert bis alarmiert, und werden feministische Untertöne im Wahlkampf nicht mehr so gelassen überhören wie bisher.

D. h. sowohl Schmidt als auch Merkel werden peinlichst bemüht sein, kein "Männerhasserin"-Image zu kriegen und ggf. sogar feministische Eifererinnen aus den eigenen Reihen zurückpfeiffen! Das gleiche gilt nach der Wahl auch für die Regierungspolitik. Keine Regierungschefin kann es sich leisten von der männlichen Hälfte der Bevölkerung als "Kanzerlin der Frauen" wahrgenommen zu werden. - Das sind Grundmechanismen der parlamentarischen Demokratie, an denen (solange es das geheime Wahlrecht gibt) keine noch so große feministische Medienmacht etwas ändern kann.

Meine Theorie: So wie die parlamentarische Demokratie die Frauenemanzipation nach sich gezogen hat, so wird sie langfristig aber auch dem Radikalfeminismus einen Riegel vorschieben.

Re: Frauen an die Regierung!

Bruno, Saturday, 06.09.2003, 01:49 (vor 8188 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Frauen an die Regierung! von Lars am 05. September 2003 20:08:09:

- Sie werden nun von der GESAMTEN Bevölkerung aufmerksam beobachtet und brauchen Stimmen aus der weiblichen UND männlichen Bevölkerung (ganz anders als die bisherigen partei-internen Frauen-Politikerinnen!)

...das bringt aber nichts. Die Politikerinnen machen vorweg auf gemäßigten Feminismus und wenn die Wahl rum ist packen sie den Hammer aus. Schau dir doch mal die Antworten von Frauenpolitikerinen an, die man bekommt auf Anfragen. Alles halb so schlimm. Da steht dann, sie setzen sich selbstverständlich für Frauen und Männer ein und blablabla.

- Nun, da dem Symbolfeminismus genüge getan ist, werden die WählerINNEN ihre Entscheidung entlang ihrer allgemeinpolitischen Parteienpräferenzen treffen;

...das bringt auch nichts. Wenn Mann nur zwischen Feministin 1 und Feministin 2 wählen kann, wählt Mann halt das kleinere Übel und nach der Wahl? Siehe oben.

- die WählER dagegen wären angesichts der erstmaligen Wahl zwischen zwei Kanzerlerkandidatinnen irritiert bis alarmiert, und werden feministische Untertöne im Wahlkampf nicht mehr so gelassen überhören wie bisher.

...tut mir leid, sehe ich anders. Im Wahlkampf wird die eine Feministin die andere durch besseren und stärkeren Feminismus überzeugen wollen. Denn eins ist uns ja allen klar. Feministische Politik zu betreiben ist heute schick und modern. Sich für Männer einzusetzen ist politischer Selbstmord.

D. h. sowohl Schmidt als auch Merkel werden peinlichst bemüht sein, kein "Männerhasserin"-Image zu kriegen und ggf. sogar feministische Eifererinnen aus den eigenen Reihen zurückpfeiffen! Das gleiche gilt nach der Wahl auch für die Regierungspolitik. Keine Regierungschefin kann es sich leisten von der männlichen Hälfte der Bevölkerung als "Kanzerlin der Frauen" wahrgenommen zu werden.

...Sorry Lars. Aber hier ist der Wunsch der Vater des Gedankens. Gerne würde ich das auch glauben. Ich bin seit etwa einem dreiviertel Jahr intensiv mit dem Thema beschäftigt und habe schon viel persönliche oder schriftliche Korrespondenz mit Frauenpolitikerinnen bzw. weiblichen Politikerinnen geführt. So traurig es auch ist. Wenn Frauen in einem politischen Amt sind, setzen sie sich vorwiegend nur für Fraueninteressen ein. Egal was für eine Partei man auch nimmt. Die Frauenpolitikerinnen der einzelnen Parteien unterscheiden sich nur darin, wie sie es rüber bringen. Von brutal hart bis charmant sensibel. Aber die Aussage ist immer die gleiche: Wir kümmern uns nur um Frauen. Die Motive sind manchmal so simpel wie schockierend. Da haben manche, wenn man sie aus der Reserve gelockt hat, schon mal zugegeben, dass die Benachteiligungspolitik von Männern aus Gründen des Revanchismusses gerechtfertigt wird ("Jetzt sind wir mal dran"). Aber auch Politikerinnen, die vielleicht Gleichberechtigung wollen, können nicht wie sie wollen. Zum einen kommen sie aus der Frauenpolitik (Frauenunion bei der CDU bzw. ASF bei der SPD; die Grünen sind ohnehin eine Frauenpartei, die mit Männerdiskriminierung explizit Wahlwerbung macht) und sind somit nur auf Benachteiligungsfelder von Frauen sensibilisiert oder die Frauenfrauen der eigenen Partei würde ihr die Hölle heiß machen, wenn sie nicht noch bessere Männerdiskriminierungen durchsetzt.

- Das sind Grundmechanismen der parlamentarischen Demokratie, an denen (solange es das geheime Wahlrecht gibt) keine noch so große feministische Medienmacht etwas ändern kann

...Die Demokratie ist seit der politischen Umsetzung der feministischen Forderungen flöten, z.B. Straffreihheit für Abtreibung (egal ob man dafür oder dagegen ist) ist ein Verstoß gegen das Menschenrecht auf Leben oder die Gleichstellungsgesetze und Gleichberechtigungsgesetze in Bund und Ländern, in denen einseitig nur die Unterrepräsentanz von Frauen nicht jedoch die Unterrepräsentanz von Männern in Behördenbereichen als Benachteiligung definiert wird und mit denen Frauen in gewissem Umfang bevorzugt befördert und eingestellt werden müssen. Diskriminierung und Demokratie. Das geht nicht, auch nicht wenn man es in schöne Worte kleidet.

Meine Theorie: So wie die parlamentarische Demokratie die Frauenemanzipation nach sich gezogen hat, so wird sie langfristig aber auch dem Radikalfeminismus einen Riegel vorschieben.

...Meine Theorie: Die Demokratie ist durch die Einführung des Feminismusses in die Rechtssprechung (auch wenn man es bei uns noch nicht offen ausspricht, dass der Feminismus als Staatszielt gilt) schon dem Untergang geweiht.

Das einzige was helfen kann, ist, dass wir mehr tun und dass es immer mehr werden, die mehr tun. Lauter werden, Vereine (z.B. Vätervereine) unterstützen, Initiativen gründen, an die politische Basis (auf Kreisebene) gehen und dort mit persönlichem Wirken unsere Ideen einbringen, Leserbriefe schreiben usw. Wir können uns nur selbst helfen. Aber wir können es, wenn wir wirklich wollen.

Gruß

Bruno

Re: Frauen an die Regierung!

Lars, Saturday, 06.09.2003, 02:53 (vor 8188 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Re: Frauen an die Regierung! von Bruno am 05. September 2003 22:49:20:

Daß Feminismus in den Medien "in" ist und sich kaum ein Mann traut, sich demgegenüber kritisch zu äußern, ist eine Sache; was die schweigende Mehrheit der Männer denkt/ahnt/empfindet ist eine andere Sache. Und solche unterschwelligen Stimmungen spielen bei der Wahlentscheidung sehr wohl mit rein. Oder meinst Du nicht, daß die Parteien schon längst SpitzenkandidatINNEN aufgestellt hätten, wenn ihre Analysten Grund zu der Annahme hätten, daß das der männlichen Bevölkerung egal wäre (bei den Frauen käme es ja auf jeden Fall gut an)?

Meinst Du nicht, daß allein schon der vage Eindruck oder das Gerücht, die Regierungschefin bewege sich in eine männerfeindliche Richtung, ausreicht, daß bei der nächsten Wahl ganz schnell ein paar fest einkalkulierte Prozent CDU- bzw. SPD-Stammwählerstimmen fehlen und damait die Regierungsmehrheit futsch ist? Kanzlerkandidatinnen werden (anders als partei-interne Frauenpolitikerinnen!) um ihrer Karriere wegen bedenken müssen, daß die Wählerschaft beider Volksparteien ist zur guten Hälfte männlich ist!

Re: Frauen an die Regierung!

Anabasis, Saturday, 06.09.2003, 14:21 (vor 8188 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Frauen an die Regierung! von Lars am 05. September 2003 23:53:08:

Hallo Lars

Meinst Du nicht, daß allein schon der vage Eindruck oder das Gerücht, die Regierungschefin bewege sich in eine männerfeindliche Richtung, ausreicht, daß bei der nächsten Wahl ganz schnell ein paar fest einkalkulierte Prozent CDU- bzw. SPD-Stammwählerstimmen fehlen und damait die Regierungsmehrheit futsch ist?

Nein! Die meisten Männer glauben den feministischen Mist. Sie empfinden die feministischen Machenschaften als harte, aber gerechte Notwendigkeiten!
Von daher wird selbst harte Kampflesbenpolitik noch als Wohltat für die Gesellschaft wahrgenommen - auch von vielen Männern.

häusliche Gewalt:
Ich habe mal mit einem Polizisten gesprochen, der fest davon überzeugt war, dass nur Männer prügeln. Er hat mir die Fälle aus seiner Praxis erzählt; es kamen immer nur Männer als Übeltäter vor. Mein Verweis auf die KFN-Studie, wonach Anzeigeverhalten von Männern und Frauen differieren (Männer schämen sich), machten ihn eher einsilbig (so nach dem Motto, was ist den das für ein Spinner).

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
Egal, mit wem Du spricht – Alle sind der Überzeugung, dass Frauen 70% des Lohnes eines Mannes kriegen. Zwar wird in diesen Statistiken der Chefarzt mit der Krankenschwester in eine Kategorie gesteckt und die kaufmännische Leiterin mit dem technischen Leiter verglichen, aber diese Feinheiten sind eher unbekannt.

Sexueller Missbrauch
Wenn Mutti den Penis von Klein-Sohnemann wäscht, dann wird das als Fürsorge wahrgenommen. Wenn Vati die Scheide von Klein-Tochterfrau wäscht, wird dass als sexueller Missbrauch wahrgenommen.

usw. usw.

Gruß Anabasis

Re: Frauen an die Regierung!

Lars, Saturday, 06.09.2003, 17:02 (vor 8187 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Re: Frauen an die Regierung! von Anabasis am 06. September 2003 11:21:52:

Die Frage ist also: Sind die Männer so sehr feministisch indoktriniert, daß sie ihre potentielle Wähler-Macht in der Praxis nicht gegen eine feministische Regierungschefin einsetzen würden?

Ok, in den drei von Dir genannten Punkten ist das wohl wirklich so. Zugegeben, ich hab derlei bis vor kurzem selber geglaubt.

Gleichwohl hat mich das zu keiner Zeit zu einem wirklichen Parteigänger des Feminismus gemacht, und ich vermute, bei der Masse der Männer ist es ebenso:

- Sie können sich z. B. häusliche Gewalt seitens der körperlich ja meist schwächeren Frauen bildlich einfach nicht vorstellen; gleichwohl beunruhigt es sie, daß in den Medien die Männer zunehmend unter Kollektiv-Verdacht geraten und in den öffentlichen Debatten langsam die Beweislast umgekehrt wird, und die Angst davor, Opfer eine falschen Anschuldigung zu werden greift um sich. (Auch wenn die Männer das wegen "political correctness" nicht laut äußern; aber in der Wahlkabine sind sie ja unbeobachtet...)

- Das gleiche gilt beim Thema sexueller Mißbrauch. Dies gilt insbesondere in Hinblick auf Kinder. Die meisten Männer kriegen doch mittlerweile die Panik, wenn sie auf der Straße von einem Kind nach der Uhrzeit gefragt werden ("Oje, nicht daß die die anderen Passanten denken ...!") D. h. sie haben bemerkt, daß hier aus der Sensibilisierung der Öffentlichkeit mittlerweile eine Hysterisierung geworden ist, die für einen einen Mann ganz schnell existenzbedrohuénd werden kann. (Natürlich traut sich kaum jemand das LAUT zu äußern, aber in der Wahlkabine ...)

- Die Behauptung "weniger Lohn für gleiche Arbeit" wird zwar weithin geglaubt, gleichwohl wird das Quoten-Wesen von der schweigenden Mehrheit der Männer als nicht (oder zumindest: heute nicht mehr) gerechtfertigt abgelehnt.

Der Punkt ist nun: Solange Männer an der Spitze der Regierung stehen, sagen sich die meisten Männer: "Na, so ganz schlimm, wie die Feministinnen es wollen, wird´s aber nie kommen." - Wenn jetzt aufeinmal eine Bundeskanzlerin regiert, wird das (heimliche, unausgesprochene!) Mißtrauen der WählER immens sein! Und dessen wird sich diese Bundeskanzlerin ebenso bewußt sein wie die Oppositionsführerin, die ja beide auch um Männerstimmen KONKURRIEREN müssen. Und dann gilt das uralte Prinzip "Karriere (= Wiederwahl/bzw.Regierungsübernahme)geht vor Prinzipien (=Feminismus)".

Von daher denke, die "Political-Correctness-Disziplinierung" greift nur außerhalb der Wahlkabine, nicht aber innerhalb dieser.

Unser aller Brett vor dem Kopf

Anabasis, Saturday, 06.09.2003, 18:10 (vor 8187 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Frauen an die Regierung! von Lars am 06. September 2003 14:02:35:

Hallo Lars,

Die Frage ist also: Sind die Männer so sehr feministisch indoktriniert, daß sie ihre potentielle Wähler-Macht in der Praxis nicht gegen eine feministische Regierungschefin einsetzen würden?

Ich stoße am laufenden Band auf Bretter, die ich vor dem Kopf gehabt habe. Klar doch, wir beuten die dritte Welt aus! Ich zitiere im folgenden aus einer Bücherliste:
[link=http://www.maxeiner-miersch.de/buchtipps.htm" target="_top]http://www.maxeiner-miersch.de/buchtipps.htm[/link]

=====================
Mendoza, Plinio A.; Montaner, Carlos A.;
Vargas Llosa A.
Guide To The Perfect Latin American Idiot
Madison Books, Lanham 2000
Lateinamerika vor allem als Opfer des US-Imperialismus und seiner Komplizen: Dieses Bild gilt bis heute als einzig verbindliche Deutung der Verhältnisse. Die drei Autoren sezieren die dem zugrunde liegenden Ideologien und Mythen und fordern ihre Landsleute auf, sich allmählich selbst an die Nase zu fassen. Doch die eigenen Intellektuellen und eine Kamarilla westlicher Unterstützer will partout die Opferrolle Lateinamerikas festschreiben. Für soviel dümmliche Ignoranz und Larmoyanz haben die Autoren nur noch beißenden Spott übrig. Der Titel sagt alles
=====================
Kabou, Axelle
Weder arm noch ohnmächtig — Eine Streitschrift gegen schwarze Eliten und weisse Helfer
Lenos, Basel 1993
Eine Afrikanerin entlarvt die Legende, Europäer wären an allem Schuld, was in Afrika falsch läuft.
=====================
Kohlhammer, Siegfried
Auf Kosten der Dritten Welt?
Steidl, Göttingen 1993
Kohlhammer rechnet vor: Es stimmt nicht, das die Industrieländer die Dritte Welt ausbeuten. Hunger und Armut sind grösstenteils hausgemacht.
=====================

Zugegeben, ich hab derlei bis vor kurzem selber geglaubt.

Und ich auch. Selbst, als ich bei meiner Scheidung tüchtig gerupft wurde, habe ich weiterhin noch viele feministische Mythen geglaubt. Und warum habe ich oben diese Kurz-Rezensionen gepostet? Ich war natürlich auch glühender Anti-Imperialist. Die Bösen, dass waren doch die weißen Männer!

Gleichwohl hat mich das zu keiner Zeit zu einem wirklichen Parteigänger des Feminismus gemacht...

Es reicht, die Mythen zu glauben. Jede 4. Frau ist vergewaltigt worden. Jede 2. Frau wird regelmäßig von ihrem Mann zusammengeschlagen. 150% aller Frauen sind als Kind sexuell missbraucht worden (oder wie die aktuellen Quatschzahlen auch gerade heißen).

- Sie können sich z. B. häusliche Gewalt seitens der körperlich ja meist schwächeren Frauen bildlich einfach nicht vorstellen; gleichwohl beunruhigt es sie, daß in den Medien die Männer zunehmend unter Kollektiv-Verdacht geraten und in den öffentlichen Debatten langsam die Beweislast umgekehrt wird, und die Angst davor, Opfer eine falschen Anschuldigung zu werden greift um sich. (Auch wenn die Männer das wegen "political correctness" nicht laut äußern; aber in der Wahlkabine sind sie ja unbeobachtet...)

Nix mit Wahlkabine! Wenn Du als Mann gefressen hast, das 50% aller Frauen zusammengeschlagen werden, dann hast Du – so Du noch Anstand im Leib hast – Mitleid mit den Frauen. Und nimmst dann auch Einschränkungen in Kauf. Erst, wenn sich das Brett vor dem eigenen Kopf gelöst hat, ändert sich auch das Wahlverhalten!

- Das gleiche gilt beim Thema sexueller Mißbrauch. Dies gilt insbesondere in Hinblick auf Kinder. Die meisten Männer kriegen doch mittlerweile die Panik, wenn sie auf der Straße von einem Kind nach der Uhrzeit gefragt werden ("Oje, nicht daß die die anderen Passanten denken ...!") D. h. sie haben bemerkt, daß hier aus der Sensibilisierung der Öffentlichkeit mittlerweile eine Hysterisierung geworden ist, die für einen Mann ganz schnell existenzbedrohend werden kann. (Natürlich traut sich kaum jemand das LAUT zu äußern, aber in der Wahlkabine ...)

Ja, man(n) kriegt die Panik. Aber immer, wenn den Männern weisgemacht werden kann, es gehe ums Gemeinwohl, kannst Du ihnen anschließend einen Hut aus Stahl aufziehen und ein Bajonett aufs Gewehr stecken. Dann wird die Panik unterdrückt und in das Maschinengewehrfeuer gelaufen. Solange man(n) glaubt, es geht um Kindeswohl, nimmt man(n) noch ganz andere Sachen in Kauf. Also – solange die Lügen geglaubt werden, ändert sich in der Wahlkabine nichts!

- Die Behauptung "weniger Lohn für gleiche Arbeit" wird zwar weithin geglaubt, gleichwohl wird das Quoten-Wesen von der schweigenden Mehrheit der Männer als nicht (oder zumindest: heute nicht mehr) gerechtfertigt abgelehnt.

Möglicherweise brennt das Quotenwesen dem einen oder anderen gerade persönlich auf den Nägeln. Aber das sind nur wenige. Für den Rest gilt – s.o.

Der Punkt ist nun: Solange Männer an der Spitze der Regierung stehen, sagen sich die meisten Männer: "Na, so ganz schlimm, wie die Feministinnen es wollen, wird´s aber nie kommen." - Wenn jetzt auf einmal eine Bundeskanzlerin regiert, wird das (heimliche, unausgesprochene!) Misstrauen der WählER immens sein!

Lars – die Feministinnen haben so viel gelogen und jede Lüge wird in der gesellschaftlichen Diskussion geglaubt. Sie können jede Phantasiezahl in den Raum stellen und morgen liest Du sie in seriösen Magazinen und Zeitungen. Sie haben ihr Pulver doch noch nicht verschossen!
- die vielen bösen männlichen Manager und die unterprivilegierten weiblichen Manager!
- die weibliche Gesundheit ist in Gefahr (war immer in Gefahr, wird immer in Gefahr sein)
- die armen verlassenen allein erziehenden Mütter
- die armen arbeitslosen Frauen (Zwar sind mehr Männer arbeitslos, aber Frauenfördermaßnahmen werden vom Arbeitsamt weiter für wichtig gehalten, weil Frauen länger arbeitslos seien. Zur gleichen Zeit hat die Bundesregierung kritisiert, dass viele Frauen nur wegen Rentenansprüchen arbeitslos gemeldet seien und gar keine Lust haben, zu arbeiten!)
- usw.

Und wenn eine Bundeskanzlerin einen weltweiten Konjunkturaufschwung erwischt und ein paar Mal über einen überfluteten Elbdeich stiefelt, dann wird sie wieder gewählt. Den meisten männlichen Wählern geht am Arsch vorbei, was die jetzt schon in Amt und Würden sitzenden Kampflesben so treiben. Du kannst heute auf die bloße Aussage Deiner Lebensgefährtin aus Deiner eigenen Wohnung fliegen! Wo bleibt der (wahlkabinentechnische) Aufschrei der Männer?

Gruß Anabasis

OT: Dritte Welt

Lars, Saturday, 06.09.2003, 21:04 (vor 8187 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Unser aller Brett vor dem Kopf von Anabasis am 06. September 2003 15:10:49:

Hallo Anabasis,

es stimmt zwar, daß es in der Dritten-Welt diverse hausgemachte vor-koloniale Traditionen gibt, die wirtschaftlichen Aufschwung und Demokratie behindern (Stammesbezogenes Denken, Religionen ect.). Auch hatte die Kolonialzeit nicht nur negatives für die dortigen Völker (z. B. auch Abschaffung bestimmter grausamer Bräuche). Und ebenso ist es richtig, darauf hinzuweisen, daß keine Ausbeutung der Dritten-Welt im platten, neokolonialen Sinne der 70er-Jahre-Dritte-Welt-Aktivisten stattfindet (quasi, daß wir von den Arbeitsprodukten der Dritten Welt leben würden).

Dennoch muß man in Hinblick auf die Industrieländer kritisieren, daß sie gegenüber den Entwicklungsländern keine wirkliche Entwicklungshilfepolitik betreiben, sondern nur eine Gläubigerpolitik. Denn neue Kredite werden der Dritten Welt ja nicht aus Wohltätigkeit gewährt, sondern weil eine akute Zahlungsunfähigkeit der Dritten Welt in den Industrieländern eine Banken-Pleite-Welle (sowie Pleiten von Pensionsfonds, die Dritt-Welt-Staatsanleihen und -Schuldtitel halten) und eine Wirtschaftskrise auslösen würde.

Also springt bei drohenden Staatsbankrotten der IWF (*) ein, mit Überbrückungskrediten und Umschuldungsmaßnahmen. Die Bedingung sind die ganz zurecht berüchtigten "Strukturanpassungsprogramme", die für die dortige Bevölkerung noch mehr Armut bedeuten. Außerdem sind diese Programme nur ausgerichtet auf Haushaltssanierung und bessere Rahmenbedingen für Multi-Direktinvenstitionen, was meistens kaum einen Binnenmarkt-Effekt hat und den Aufbau wichtiger Infrastrukturen und die Konzeption langfristiger Wirtschaftspolitik wesentlich erschwert. (Der nächste wirtschaftliche Zusammenbruch ist dann meist schon vorprogrammiert.)

D. h. da wo eigentlich der Aufbau von Binnenmarkt und Infratsruktur geboten wäre, zwingen die Industrieländer mit ihrer kurzsichtigen Gläubiger-Politik die Entwicklungsländer auf den Pfad "Exportieren - egal was und wie -, damit wir weiter die Zinsen zahlen können". Insofern gibt es durchaus einen Zusammenhang zwischen der Politik der Industrieländer und der Armut in den Entwicklungsländern.

Den Militär-Cliquen in der Dritten-Welt ist das egal. Die denken nur an ihre Pfründe. Den Regierungen der Industrieländer ist jedoch vorzuhalten, daß ihnen in der Vergangenheit jeder Dritte-Welt-Diktator recht war, solange dieser nur brav den IWF-Vorgaben folgte und die Zinsen zahlte.

Gruß
Lars

------

(*) Wenn bei Dritte-Welt-Staatsbankrotten der IWF einspringt, heißt das eigentlich, daß wir Steuerzahler einspringen! (Genauso wie bei teilweiser Schuldenstreichung bisher oft die betroffenen Banken vom Steuerzahler teil-entschädigt wurden) Man könnte es auch so sehen: Unsere Steuergelder fließen in die Dritte-Welt und von dortaus (an den dortigen Menschen vorbei!) als Zinsen in die Tresore der internationalen Banken.

Re: OT: Dritte Welt

Anabasis, Saturday, 06.09.2003, 22:35 (vor 8187 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: OT: Dritte Welt von Lars am 06. September 2003 18:04:31:

Hallo Lars,

Es gibt Untersuchungen, die besagen, zwischen Entwicklungshilfe und wirtschaftlichem Aufschwung einer Nation bestehen Null Zusammenhang – ob in China ein Sack Reis umfällt oder die GTZ in Afrika Brunnen bohrt, ist egal.

Argentinien war bis nach dem zweiten Weltkrieg eines der zehn reichsten Länder der Welt. Wo sie heute stehen, ist bekannt. Korea war bis nach dem zweiten Weltkrieg blutig von Japan unterdrückt – die halbe Portion Südkorea ist eine der mächtigsten Industrienationen der Welt! Zimbabwe war bis vor kurzem ein wohlhabender Agrarexporteuer. Die Manöver von Mugabe (nieder mit den Weißen!) haben das Land in eine Hungersnot getrieben [link=http://www.n-tv.de/3164246.html" target="_top]http://www.n-tv.de/3164246.html[/link]!

Wenn morgen der liebe Gott oder meinetwegen Manitu aus einer Erde zwei machen würde – wir auf einer Erde, die Entwicklungsländer auf einer zweiten Erde, dann würden wir das kaum merken. Für die Entwicklungsländer wäre es bitter!

Dennoch muß man in Hinblick auf die Industrieländer kritisieren, daß sie gegenüber den Entwicklungsländern keine wirkliche Entwicklungshilfepolitik betreiben, sondern nur eine Gläubigerpolitik.

Wie willst Du die Länder den behandeln? Wie unmündige Kinder?

Ich habe ja nicht umsonst diese Rezensionen gepostet – ich sehe einen Zusammenhang zwischen der Mythenbildung des Feminismus und der Mythenbildung der Gutmensch-Fürsprecher der Entwicklungsländer: Böse weiße Männer, die Knebelkredite vergeben, Strukturanpassungsprogramme verordnen, Kinder ficken und die Rohstoffe räubern!

Auch in Afrika leben erwachsene Menschen!

Gruß Anabasis

Re: OT: Dritte Welt

Lars, Sunday, 07.09.2003, 00:02 (vor 8187 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Re: OT: Dritte Welt von Anabasis am 06. September 2003 19:35:56:

Wenn morgen der liebe Gott oder meinetwegen Manitu aus einer Erde zwei machen würde – wir auf einer Erde, die Entwicklungsländer auf einer zweiten Erde, dann würden wir das kaum merken.

Wenn das so wäre, könnte der IWF ja noch heute Abend den kompletten Schuldenerlaß für die Dritte Welt beschließen!

Ein Beispiel, wie nördlliche und südliche Wirtschaft zusammenhängen:

1994 gingen dem Staat Mexiko die US-Dollar-Devisen aus. Könnte uns egal sein? Mitnichten! US-Pensionsfonds hatten in "Tesobonos" (in US-$ gezeichnete mexikanische Staatsanleihen) investiert, die Mexiko jetzt nicht mehr bedienen konnte. Den US-Investoren drohten Verluste in Höhe von 50 Mrd. US-$. Eben dieser Betrag kam dann als Kredit an Mexiko von den USA, dem IWF und einzelnen IWF-Mitgliedern.

Ich habe ja nicht umsonst diese Rezensionen gepostet – ich sehe einen Zusammenhang zwischen der Mythenbildung des Feminismus und der Mythenbildung der Gutmensch-Fürsprecher der Entwicklungsländer: Böse weiße Männer, die Knebelkredite vergeben, Strukturanpassungsprogramme verordnen, Kinder ficken und die Rohstoffe räubern!
Auch in Afrika leben erwachsene Menschen!
Gruß Anabasis

Es geht mir nicht um den "bösen weißen Mann" (mal abgesehen davon, daß im IWF auch die Japaner und mittlerweile wohl auch einige Frauen sitzen *g*), sondern um die fatale Logik der internationalen Gläubiger-Politik. Selbst ehem. IWF-Ökonomen räumen heute ein, daß die "Strukturanpassungsprogramme" der 80er und 90er Jahre sich in vielen Fällen als langrfistig konraproduktiv erwiesen haben, weil Infrastruktur, aber auch die "working force" der Bevölkerung um des kurzfristigen Schuldendienstes wegen kaputtgespart wurden. Aber was nützen diese Erkenntnisse, wenn die Gläubigerkonsortien stur auf ihre Rechte pochen?

Re: OT: Dritte Welt

Anabasis, Sunday, 07.09.2003, 00:29 (vor 8187 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: OT: Dritte Welt von Lars am 06. September 2003 21:02:49:

Hallo Lars,

Es geht mir nicht um den "bösen weißen Mann" (mal abgesehen davon, daß im IWF auch die Japaner und mittlerweile wohl auch einige Frauen sitzen *g*), sondern um die fatale Logik der internationalen Gläubiger-Politik.

Ich finde, in Deiner Argumentation ist Ursache und Wirkung vertauscht.

1. Länder der Dritten Welt kriegen Kredite.
2. Sie verbraten das Geld, statt zu investieren (Korea und die anderen Tieger sind die lobenswerten Gegenbeispiele).
3. Anschliessend stehen die Länder vor dem Bankrott.
4. Und jetzt – egal, was der IWF macht oder nicht macht, er hat die Arschkarte (böse Imperialisten, Kolonialisten, WeißNichtWasIsten).

Warum kriegen die Mexikaner (HimmelAr***Nochmal) nicht hin, was die Ostasiaten massenweise hinkriegen? Investieren statt verballern?

Ich wiederhole – ich schreie – FÜR MICH SIND DAS ERWACHSENE MENSCHEN, KEINE KINDER! (Und jetzt wieder ruhig - mit gedämpftem Zorn:) Wo nehmen die eigentlich das Recht her, solchen Scheiß mit fremder Leute Geld zu machen?

Ich bin den Ostasiaten, insbesondere den Japanern, unendlich dankbar! Sie haben der Welt gezeigt, dass jedes Land der Welt Wohlstand genießen kann. Man muss nur das richtige machen. Nicht auf die weißen Teufel schimpfen! (Ich muss das gleich wieder relativieren – die Teufel sind austauschbar. Idi Amin hat die indischen Teufel aus dem Land gejagt – also die Leute, die den Handel am Laufen hielten. Die Bewohner Bangladeschs haben gleich drei oder vier Eliten hintereinander zum Teufel gemacht und dann zu selbigem gejagt! Den Teufelsaustreiber Robert Mugawe hatten wir in diesem Thread bereits.)

Gruß Anabasis

Re: OT: Dritte Welt

Lars, Sunday, 07.09.2003, 01:24 (vor 8187 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Re: OT: Dritte Welt von Anabasis am 06. September 2003 21:29:21:

Warum kriegen die Mexikaner (HimmelAr***Nochmal) nicht hin, was die Ostasiaten massenweise hinkriegen? Investieren statt verballern? [...]
Ich bin den Ostasiaten, insbesondere den Japanern, unendlich dankbar! Sie haben der Welt gezeigt, dass jedes Land der Welt Wohlstand genießen kann. Man muss nur das richtige machen.

Ok, es hat schon auch was mit der jeweiligen politischen Kultur des Landes zu tun, ob von den Krediten nach Schuldendienst und Korruption auch noch etwas in die dortige Volkswirtschaft fließt. Im 19ten Jahrnundert wurden ja auch sehr unterschiedliche Kulturräume zu einem Weltmarkt vereint.

Bei Japan und des ostaiatischen Tiger-Staaten wird auch eine Rolle gespielt haben, daß es dort bereits sowas wie eine zentralstaatlich-bürokratische Tradition gab. D. h. die dortigen Eliten besaßen von ihrer Erziehung her ein gewisses Staats-Ethos (und hatten kein rein parasitäres Verhältnis zu ihren Ämtern) und die Bürokratie ist nicht NUR korrupt, sondern besitzt auch eine gewisse Effizienz und "Tiefenwirkung" ins weite Land hinein. Auf diese Weise läßt sich Wirtschaftspolitik machen.

In Latein-Amerika und Afrika hat man es dagegen traditionell eher mit "schwachen Staaten" zu tun. Die mächtigen Familien dort gucken weniger auf den Staat als vielmehr auf ihre Hacienda bzw. ihren Stammesanhang; den Staat gibts dann auch noch irgendwo, hauptsächlich als Selbstbedienungsladen. IWF-kredite versickern dann in Korruption bzw. in Stammeskriegen.

NUR: Daran werden die "Strukturanpassungsprogramme" des IWF nichts ändern! Im Gegenteil: Diese Programme zielen doch alle auf das Zauberwort "Deregulierung" ab. D. h. die rauben den dortigen Regierung die ohnehin schon geringen Möglichkeiten, Wirtschaftspolitik zu betreiben (dem IWF geht es ja nur kurz- und mittelfristig um die Haushaltssanierung und die Sicherheit der Auslandsinvestitionen!). Und die Armutsverschärfung, die z. B. die Streichung von Grundnahrungsmittel-Subventionen zur Folge hat, bewirkt Volksunruhen, die dann wieder Militärregime auf den Plan rufen ect. ect.

Nicht auf die weißen Teufel schimpfen! (Ich muss das gleich wieder relativieren – die Teufel sind austauschbar. Idi Amin hat die indischen Teufel aus dem Land gejagt – also die Leute, die den Handel am Laufen hielten. Die Bewohner Bangladeschs haben gleich drei oder vier Eliten hintereinander zum Teufel gemacht und dann zu selbigem gejagt! Den Teufelsaustreiber Robert Mugawe hatten wir in diesem Thread bereits.)
Gruß Anabasis

Natürlich ist das, was Mugabe macht, übler Populismus zwecks Machterhalt. Aber das entschuldigt doch nicht die Politik der internationalen Gläubiger-Konsortien!

@Lars und Anabasis

Garfield, Thursday, 11.09.2003, 21:42 (vor 8182 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: OT: Dritte Welt von Lars am 06. September 2003 22:24:48:

Hallo ihr beiden!

Also, so wie ich das sehe, habt ihr beide recht. Einerseits ist es offensichtlich, daß die Menschen in Afrika und Südamerika ihre Ärsche aus verschiedenen Gründen einfach nicht bewegt bekommen und daß alle Bestrebungen, die Schuld dafür irgendwelchen Ausländern anzuhängen und sie dann konsequenterweise aus dem Land zu entfernen, voll nach hinten losgegangen sind.

Andererseits ist es aber auch klar und logisch, daß große Konzerne in der westlichen Welt nun einmal wie immer versuchen, daraus auch noch irgendwie Kapital zu schlagen und daß diese Konzerne ihre Regierungen entsprechend beeinflussen.

Das Zusammenwirken dieser beiden negativen Faktoren erklärt dann auch die miese Situation vieler Entwicklungsländer.

Die Zeche bezahlen wie immer die Steuerzahler in den Industriestaaten und die Bevölkerung in den Entwicklungsländern.

Parallelen zwischen den Leuten, die für noch mehr Entwicklungshilfe eintreten und der Frauenbewegung sehe ich übrigens auch. Ich denke, daß beides nur Auswüchse eines allgemeinen Phänomens sind, das vor allem durch die modernen Medien verursacht wird, und natürlich auch durch den Wohlstand in den Industrienationen.

Dieser Wohlstand ermöglicht es nämlich vielen Menschen, unproduktiv zu sein und trotzdem ihren Lebensunterhalt gesichert zu haben. So kommt es, daß es in den westlichen Ländern viele Menschen gibt, die einfach Langeweile haben und sich deshalb irgendein Betätigungsfeld suchen wollen, das aber natürlich nichts mit Arbeit zu tun haben sollte.

Die meisten wollen sich dann für etwas Positives einsetzen. Also z.B. für den Umweltschutz, für die Emanzipation der Frau, für Abrüstung, oder eben auch für Hilfe für die Entwicklungsländer. Durch die modernen Medien wird jeder davon unterrichtet, daß diese Themen gut und wichtig sind. Also stürzen sich dann vieler diese gelangweilten Wohlstandsbürger darauf, und das Ergebnis ist ein Heer von Gutmenschen, die sich nichts Schöneres vorstellen können, als die Menschheit mit ihrer Weisheit zu beglücken.

Viele dieser Gutmenschen wissen gar nicht so genau, worum es eigentlich geht - aber sie hören überall, daß ihr jeweiliges Betätigungsfeld eine gute Sache ist, also gibt ihnen das ein gutes Gefühl. Man plappert Parolen nach, ohne darüber nachzudenken und stört sich so auch nicht an offensichtlichen Widersprüchen. So kommt es, daß ein und derselbe Gutmensch zwar lauthals verlangt, daß jeder Mensch auf der Welt das Recht haben sollte, in Deutschland zu wohnen, andererseits aber z.B. auch fordert, daß Weiße aus Südafrika verschwinden sollten, da sie angeblich plötzlich kein Recht darauf haben, dort zu wohnen. Einerseits gehört die Welt doch uns allen, und jeder sollte sich überall niederlassen dürfen, andererseits dann plötzlich aber auch wieder nicht...

In einem Dorf namens Huckstorf in Mecklenburg gibt es eine "Öko-Siedlung". Die besteht aus Holzhäusern mit Grasdächern. Mir ist schon mal nicht so ganz klar, wieso es ökologisch sinnvoll sein sollte, ganze Wälder für den Hausbau abzuholzen. Noch interessanter ist ein Schild an der Zufahrtsstraße zu dieser Siedlung. Das zeigt ein durchgestrichenes Auto. Es soll also zum Ausdruck bringen, daß Autos dort unerwünscht sind. Merkwürdigerweise steht aber vor jedem dieser "Öko-Häuser" mindestens ein Auto. Vor einem dieser Häuser habe ich sogar einen UAZ-Geländewagen aus sowjetischer Produktion stehen sehen. Der verbraucht so ca. 18 Liter Treibstoff auf 100 km, und der stammte mit Sicherheit aus NVA-Beständen und hatte bestimmt keinen Katalysator. Na ja, aber wenn man ein "Öko-Haus" gebaut hat und vielleicht Mitglied bei den Grünen ist, dann hat man ja schon seinen Beitrag zum Umweltschutz geleistet und muß das nicht mehr so eng sehen...

Das sind eben unsere Gutmenschen. Interessant ist auch, daß manche Themen nur kurzzeitig modern sind. Für Abrüstung interessiert sich heute bespielsweise kaum noch jemand, obwohl die Welt alles andere als friedlicher geworden ist. Friedens-Demos gibt es zwar noch ab und zu, aber nur dann, wenn mal wieder ein medienwirksamer Krieg tobt. Die übrigen Kriege auf der Welt interessieren nicht weiter - so eine Demo macht ja nur so richtig Spaß, wenn auch genügend Leute dabei sind.

Ja, und die Feministinnen sind auch nichts weiter als eine Fraktion dieser Gutmenschen-Bewegung. Die Frauenbewegung hat sich ja überhaupt erst herausgebildet, als es genügend Frauen gab, die nicht mehr arbeiten mußten und so den ganzen Tag über nichts Sinnvolles zu tun hatten. Die ersten Frauenrechtlerinnen waren ja keine abgearbeiteten Frauen aus dem einfachen Volk, sondern Gattinnen von gut verdienenden Männern, die es nicht mehr nötig hatten, für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten. Also eben keine Angehörigen einer unterdrückten Gruppe, sondern der privilegiertesten Gruppe überhaupt, die übrigens häufig selbst auch die Arbeitskraft weiblicher Dienstboten nutzte.

Heute rekrutiert der Feminismus seine Kämpferinnen aus den Reihen von Schülerinnen ohne Lebenserfahrung und Endlos-Studentinnen ohne Ziele im Leben und natürlich von Hausfrauen und alleinerziehenden Müttern, die festgestellt haben, daß Kinder auch Arbeit machen und daß es irgendwie auch blöd ist, kein oder nur wenig eigenes Geld zu verdienen. Viele dieser Frauen haben immerhin schon gelernt, daß sich Jammern eben doch mehr für sie lohnt als die Ärmel hochzukrempeln und ihr Leben selbst in den Griff zu nehmen.

Wahrscheinlich ist der Feminismus sogar der erfolgreichste Teil der Gutmenschen-Bewegung. Es gibt wohl nirgends sonst im Gutmenschen-Reich so gute Möglichkeiten, einträgliche Jobs in Instituten, Ministerien oder Beratungsstellen zu ergattern. Und für die Milliardensummen, die in Frauenprojekte fließen, wird auch weitaus weniger ein entsprechender Effekt erwartet als z.B. bei Umweltschutzprojekten. Da kann man mit öffentlicher Unterstützung auch mal so wichtige Dinge wie Striptease-Lehrgänge oder Kurse zum Anlegen von Seiden-Schals realisieren oder auch mal einen Frauenfriedhof anlegen. Hauptsache, das Geld wird restlos verpulvert. Denn auch hier gilt der Grundsatz, daß Fördermittel möglichst schnell ausgegeben werden müssen, da man sonst keine neuen Gelder bewilligt bekommt. (Nach diesem Grundsatz wirtschaften sich ja auch manche Städte und Gemeinden seit Jahrzehnten in den Ruin.)

Freundliche Grüße
von Garfield


Re: @Lars und Anabasis

Manfred, Friday, 12.09.2003, 23:31 (vor 8181 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: @Lars und Anabasis von Garfield am 11. September 2003 18:42:27:

Wahrscheinlich ist der Feminismus sogar der erfolgreichste Teil der Gutmenschen-Bewegung.

Prägnant formuliert! Ich würde das unterschreiben. Der Feminismus
ist im Gegensatz zu anderen Sparten des Gutmenschentums nun mal gestützt durch
1) "hormonale Anfälligkeit" - speziell der Männer
2) eine lange Tradition der Pflichtenverteilung und Erwartungshaltung an die Geschlechter
3) die Tatsache, dass es sich bei den diesen Trend forcierenden, nicht um eine Minderheit handelt (eine verrückte Minderheit ist schlimm genug, aber eine verrückte Mehrheit...)
4) den Umstand, dass die einzige "Immunabwehr gegen den kollektiven Irrsinn" - die Intelligenz - derzeit selbst einen Tiefpunkt ihrer Kraft durchläuft, denn selten war eine Bevölkerung denkfauler und trendsüchtiger als diese.

schöne Grüße,
Manfred

@Garfield & Lars (lang) (OT: Dritte Welt)

Anabasis, Monday, 15.09.2003, 02:06 (vor 8179 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: @Lars und Anabasis von Garfield am 11. September 2003 18:42:27:

Hallo,

Antiimperialismus, Feminismus & Co.
> Einerseits ist es offensichtlich, daß die Menschen in Afrika und Südamerika ihre Ärsche aus verschiedenen Gründen einfach nicht bewegt bekommen und daß alle Bestrebungen, die Schuld dafür irgendwelchen Ausländern anzuhängen und sie dann konsequenterweise aus dem Land zu entfernen, voll nach hinten losgegangen sind.
> Andererseits ist es aber auch klar und logisch, daß große Konzerne in der westlichen Welt nun einmal wie immer versuchen, daraus auch noch irgendwie Kapital zu schlagen und daß diese Konzerne ihre Regierungen entsprechend beeinflussen.

Einspruch – die meisten Unternehmungen verdienen an friedlicher Entwicklung in rechtssicheren Staaten viel mehr. Siemens und Konsorten würden liebend gern ihr Geld damit verdienen, in diesen Ländern die Infrastruktur aufzubauen. Nur kann man in manchen Ländern kein Geld verdienen, wenn man mit Verbrechern keine Geschäfte machen will. Und es gibt Unternehmen, die diese Kröte schlucken. Was dann an Geschäften übrig bleibt, sind die mit hoher Rendite – und die Gutmenschen können in Verdrehung der tatsächlichen Verhältnisse behaupten, das Unglück der Dritten Welt läge nur an raffgierigen Kapitalisten.

Die Handelsströme laufen zwischen den entwickelten Ländern – was Afrika mit seinen 3% Weltanteil am Bruttosozialprodukt zum Welthandel beiträgt – da ist Luxemburg wahrscheinlich noch interessanter.

Krötenschlucken gibt es in vielen Wirtschafszweigen. Um Dieter Bohlen mit seiner Erfahrung im Musikgeschäft zu zitieren: „Das ist leider die große Krankheit dieser Branche: Wenn du einen Hit hast, dann hast du Narrenfreiheit, Du darfst dem Chef einen großen Haufen auf den Schreibtisch setzen und kannst davon ausgehen, dass er dir sogar noch das Klopapier reicht.“

Klar ist es moralisch fragwürdig, sich von einem Schlageraffen zum Esel machen zu lassen. Klar ist es moralisch fragwürdig, mit einem Warlord in der dritten Welt Geschäfte zu machen. Mir wäre es auch lieber, die Menschen wären nicht so.

Und um den Bogen zum Feminismus zu schlagen – genauso, wie die Antiimperialisten die Fakten nur einseitig referieren um ihre Ideologie abzustützen, referieren Feministinnen nur die Teile der menschlichen Gemeinheiten aus denen sie Honig saugen können. Es ist kein Zufall, dass die Grünen Antiimperialismus, Feminismus, und Öko-Oberlehrertum in sich vereinen; die Denke ist immer die gleiche: „Wir sind die Guten, die anderen sind die Teufel.“

Intellektuellenschelte

Parallelen zwischen den Leuten, die für noch mehr Entwicklungshilfe eintreten und der Frauenbewegung sehe ich übrigens auch. Ich denke, daß beides nur Auswüchse eines allgemeinen Phänomens sind, das vor allem durch die modernen Medien verursacht wird, und natürlich auch durch den Wohlstand in den Industrienationen.
Dieser Wohlstand ermöglicht es nämlich vielen Menschen, unproduktiv zu sein und trotzdem ihren Lebensunterhalt gesichert zu haben. So kommt es, daß es in den westlichen Ländern viele Menschen gibt, die einfach Langeweile haben und sich deshalb irgendein Betätigungsfeld suchen wollen, das aber natürlich nichts mit Arbeit zu tun haben sollte.

Es ist nichts dagegen zu sagen, dass gelangweilte Müßiggänger sich irgendwelche Betätigungsfelder aussuchen. So ist die griechische Philosophie entstanden. Die Alchemisten waren herrlich durchgeknallt –wir profitieren von ihrem Spleen. Alexander von Humboldt war ein Müßiggänger und leidenschaftlicher Wissenschaftler, der sein Vermögen mit Forschungen durchbrachte – in manch lateinamerikanischem Staat ist er so was wie ein Nationalheiliger.

Ich habe hier schon einige Postings gelesen, die in Richtung Intellektuellenschelte gehen und bornierten Intellektuellen und wackeren Arbeitsmann als Antagonisten aufbauen. Mir gefällt das nicht. Das wir hier diskutieren können, ist doch der Möglichkeit zum Müßiggang zu verdanken. Nach 12 Stunden Maloche 6 Tage die Woche würde ich mich nicht mehr in diesem Forum tummeln können.

Erkenntnis und Fortschritt laufen nicht rational ab. Der menschliche Spiel- und Sexualtrieb haben sicher wesentlichen Anteil daran. Die leistungsstärksten Webserver stehen bei Pornoanbietern, die Bildverarbeitung wäre ohne die Spielefexe mit Doom und die Kino-Fans mit Jurassic Parc noch lange nicht da, wo sie heute stehen. Lange, ehe sich die Feinmechanik in der Produktion nützlich machte, wackelten im 16 Jhd. aufziehbare Figuren durch die Zimmer von Fürstenkindern. Und Zork, der in seinem Töpferofen mit Raseneisenerzen rumspielte, wurde solange von seiner Frau als nichtsnutziger Versager zusammengekeift, bis er die Eisenzeit begründete.

Also lassen wir doch die Spinner spinnen, die Spieler ballern und die PornokonumentInnen w****en (naja, was auch immer).

Wir sind die Guten – auf die Knie vor uns!

Die meisten wollen sich dann für etwas Positives einsetzen. Also z.B. für den Umweltschutz, für die Emanzipation der Frau, für Abrüstung, oder eben auch für Hilfe für die Entwicklungsländer. Durch die modernen Medien wird jeder davon unterrichtet, daß diese Themen gut und wichtig sind. Also stürzen sich dann vieler diese gelangweilten Wohlstandsbürger darauf, und das Ergebnis ist ein Heer von Gutmenschen, die sich nichts Schöneres vorstellen können, als die Menschheit mit ihrer Weisheit zu beglücken.

...die Menschheit mit Weisheit beglücken - würde ich auch gern. Mein ungeschriebenes Lieblingsbuchprojekt hat den Titel: „Kritik der kritischen Kritik“. *g*

Stanislav Lem hat das Problem, dass wir liebend gerne andere belehren, in seinem Roman „Der futurologische Kongress“ dargestellt: „‚Bestell dir seinen Umwurf! Ich spendiere ihn dir, wenn du magst!’ Gemeint war die Heimzahlung, die sich bei ‚Procustics’ in Auftrag geben lässt, die Szene meines Triumphes über Symington, der sich zu meinen Füßen im Staub wälzt und einbekennt, er selbst, seine Kunst und seine Firma seien ein Haufen Unflat.“

Ach war das schön, als ich noch guten Gewissens rotgrüner Ideologie anhing. Wir waren die Guten, die Welt war erklärbar und mein intellektueller Lieblingssport war „moralisches Abmahnen“. Es gab Teufel (Atommafia, USA, Industrie, Männer, weiße Männer...) und Opfer, die es zu verteidigen gilt (Umwelt, Proletariat, Frauen, Zukunft der Menschheit, des Planeten...). „Skrupelloser Konzernboss“ war für mich eine Tautologie, ein Pleonasmus.

Ob „Pro Asyl“ (Ausländer rein, Rheinländer raus), ob Öko-Siedler in Huckstorf – alles frohe glückliche selbstgerechte Gutmenschen.

Gutmenschensalto

Das sind eben unsere Gutmenschen. Interessant ist auch, daß manche Themen nur kurzzeitig modern sind. Für Abrüstung interessiert sich heute bespielsweise kaum noch jemand, obwohl die Welt alles andere als friedlicher geworden ist. Friedens-Demos gibt es zwar noch ab und zu, aber nur dann, wenn mal wieder ein medienwirksamer Krieg tobt. Die übrigen Kriege auf der Welt interessieren nicht weiter - so eine Demo macht ja nur so richtig Spaß, wenn auch genügend Leute dabei sind.

... und als Gutmensch brauchst Du auch einen Teufel zum Niedermachen. Als Gutmensch stehst du da wie doof, wenn im Krieg zwischen Äthiopien und Erithrea kein klassischer Teufel zu finden ist. Wo sind die USA, die eine Öl-Pipeline bauen wollen? Nicht da? Gibt es sonst einen Konzern, der seine dreckigen Finger im Spiel hat? Jetzt wird es schwierig! Gerade noch habe ich die Nato, die USA, die Konzerne moralisch abgemahnt für ihre ersichtliche Schlechtigkeit. Und plötzlich soll ich mich zu der Erkenntnis durchringen, dass diejenigen, für die ich mich zum Fürsprecher mache, Erwachsene sind, die gerade schwere Fehler machen. Nee, so geht das nicht.

Der Gutmensch braucht etwas zum Abgrenzen – einen anerkannten Teufel. Der Gutmensch ist von daher der Nachfolger des Frömmlers.

... und die Feministinnen?

Ja, und die Feministinnen sind auch nichts weiter als eine Fraktion dieser Gutmenschen-Bewegung. Die Frauenbewegung hat sich ja überhaupt erst herausgebildet, als es genügend Frauen gab, die nicht mehr arbeiten mußten und so den ganzen Tag über nichts Sinnvolles zu tun hatten. Die ersten Frauenrechtlerinnen waren ja keine abgearbeiteten Frauen aus dem einfachen Volk, sondern Gattinnen von gut verdienenden Männern, die es nicht mehr nötig hatten, für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten. Also eben keine Angehörigen einer unterdrückten Gruppe, sondern der privilegiertesten Gruppe überhaupt, die übrigens häufig selbst auch die Arbeitskraft weiblicher Dienstboten nutzte.

In meinem Bücherregal steht „Die Frau und der Sozialismus“ von August Bebel. Bebel war sicher keine gelangweilte Fabrikantengattin. Ich fürchte, wir Männer haben uns gleich zweifach den Feminismus eingebrockt:
- Sozialismus-Ideologie analog Bebel
- stolzes Verteidigen der männlichen Rolle (Hurrah, wir dürfen die Knochenjobs machen! Hurrah, wir dürfen uns Bajonette in den Bauch stechen! Frauen sind ja zu zart dafür.)
...

Wahrscheinlich ist der Feminismus sogar der erfolgreichste Teil der Gutmenschen-Bewegung. Es gibt wohl nirgends sonst im Gutmenschen-Reich so gute Möglichkeiten, einträgliche Jobs in Instituten, Ministerien oder Beratungsstellen zu ergattern.

Der wirtschaftlich erfolgreichste Teil der Gutmenschenbewegung ist IMHO die Klimabewegung. Was die an Reisen und Forschungskohle abzocken...
Ich will hier kein neues Faß aufmachen. Deshalb nur der Verweis zu den Postings von Polentario auf dem Heise-Server.
http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?read=1&msg_id=4144650&forum_id=46977
http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?read=1&msg_id=4183171&forum_id=46977

Du findest, wenn Du Dich einliest (Polentario hat recht brauchbare Links gepostet), bei den CO2-Apokalyptikern alles wieder, was den Feminismus ausmacht. Absurdes Alarmgeschrei auf unhaltbarer Faktenlage, Verschweigen gegenteiliger Erkenntnisse, Verteufeln/Verdächtigen der Mitglieder der wissenschaftlichen Gemeinschaft, die anderer Auffassung sind.

Wirtschaftlich sind die CO2-Spackos auch gefährlicher als die Feministinnen. Der CO2-Emmissionenhandel vernichtet Wohlstand und die CO2-Reduktionskosten übersteigen bereits die Aufwendungen der Welt für Entwicklungshilfe. Der einzige Trost: Ein Scheidungsurteil kann Dich wirtschaftlich vernichten und zu einer Paria-Existenz inmitten einer Wohlstandsgesellschaft verurteilen. Die CO2-Hysterie reduziert den Wohlstand proportional für alle.

Gruß Anabasis

Intellektuellenschelte

Simon, Monday, 15.09.2003, 15:59 (vor 8179 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: @Garfield & Lars (lang) (OT: Dritte Welt) von Anabasis am 14. September 2003 23:06:48:

Hallo Anabasis,

Deiner Kritik an der hier manchmal aufkeimenden Intellektuellenschelte (und damit verbundenen Vokabeln wie "unproduktiv", "Schmarotzer" etc.) stimme ich voll und ganz zu!

Simon

Re: @Garfield & Lars (lang) (OT: Dritte Welt)

Garfield, Monday, 15.09.2003, 20:19 (vor 8178 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: @Garfield & Lars (lang) (OT: Dritte Welt) von Anabasis am 14. September 2003 23:06:48:

Hallo Anabasis!

"Einspruch – die meisten Unternehmungen verdienen an friedlicher Entwicklung in rechtssicheren Staaten viel mehr."

Das ist richtig - für die meisten Unternehmen ist es darüber hinaus auch hinderlich, wenn in einem Land Korruption und sonstige Kriminalität an der Tagesordnung sind und man schon einfache Transporte nur gegen Schmiergeld durchs Land bekommt. Es gibt aber auch Unternehmen, die sowas nicht stört oder die solche Zustände in Kauf nehmen, da die Gewinnspanne auch so immer noch hoch genug ist. Insbesondere betrifft das Unternehmen, die sich mit der Förderung von Bodenschätzen befassen. Die können sich in manchen Entwicklungsländern voll austoben. Da werden manchmal tatsächlich Söldnertrupps engagiert, wenn die Bevölkerung gegen irgendwelche Machenschaften dieser Unternehmen protestiert. Häufig sind das sehr große und reiche Unternehmen, die auch die örtlichen Behörden und Regierungen auf ihrer Gehaltsliste haben. In Kenia gab es mal einen Bürgerrechtler namens Ken Saro Wiwa (wenn ich das jetzt richtig in Erinnerung habe). Der setzte sich u.a. gegen die Ausbeutung und Verschmutzung seines Landes durch den Shell-Konzern ein. Er wurde daraufhin verhaftet und hingerichtet. Die sind da echt nicht zimperlich.

Es sind natürlich keineswegs nur ausländische Unternehmen, die sich in Entwicklungsländern so aufführen. Auch einheimische Unternehmen haben dort häufig sehr ähnliche Geschäftspraktiken. So mancher Umweltschützer hat sich schon mit gebrochenen Knochen halbtot im Dreck wiedergefunden, nachdem er sich mit einem Holz-Unternehmer in einem Entwicklungsland angelegt hat, der illegal Tropenbäume fällt.

Das war früher auch nicht anders. Am Sklavenhandel verdienten immer auch afrikanischen Stammeshäuptlinge mit. Die haben nämlich oft ihre Landsleute weggefangen, und die Europäer brauchten sie dann nur noch gefesselt in Empfang nehmen und auf die Sklavenschiffe verfrachten.

„Wir sind die Guten, die anderen sind die Teufel.“

Das ist quasi der große Leitsatz der Gutmenschen-Bewegung.

"Es ist nichts dagegen zu sagen, dass gelangweilte Müßiggänger sich irgendwelche Betätigungsfelder aussuchen."

Das ist solange richtig, wie diese Betätigungsfelder nützlich und sinnvoll sind. Aber dann ist das ja auch kein Müßiggang mehr. Alexander von Humboldt würde ich nicht als Faulenzer bezeichnen. Ich unterscheide prinzipiell nicht zwischen geistiger und körperlicher Arbeit. Aber bei Gutmenschen ist es häufig so, daß sie, wenn sie etwas Positives leisten, dies häufig eher zufällig schaffen. Meist jedoch gehen ihre Aktionen mangels Sachkenntnis voll nach hinten los. DAS stört mich daran.

"Stanislav Lem hat das Problem, dass wir liebend gerne andere belehren, in seinem Roman „Der futurologische Kongress“ dargestellt"

Ah, du kennst Stanislav Lem. Er hat einige meiner Lieblingsbücher geschrieben. Neben "Der futurologische Kongreß" find ich noch "Das Fiasko" toll.

"Ach war das schön, als ich noch guten Gewissens rotgrüner Ideologie anhing. Wir waren die Guten, die Welt war erklärbar und mein intellektueller Lieblingssport war „moralisches Abmahnen“. Es gab Teufel (Atommafia, USA, Industrie, Männer, weiße Männer...) und Opfer, die es zu verteidigen gilt (Umwelt, Proletariat, Frauen, Zukunft der Menschheit, des Planeten...). „Skrupelloser Konzernboss“ war für mich eine Tautologie, ein Pleonasmus."

Ja, Jugendliche neigen natürlich besonders zu Pauschalisierungen und damit zum Gutmenschentum. Das liegt wohl an der geringen Lebenserfahrung. Wenn allerdings Menschen im Alter jenseits der 30 immer noch solch abstruse Vorstellungen pflegen, dann ist da was faul.

"Der Gutmensch braucht etwas zum Abgrenzen – einen anerkannten Teufel. Der Gutmensch ist von daher der Nachfolger des Frömmlers."

Ich würde es eher so ausdrücken, daß der Frömmler eine heute eher unmoderne Form des Gutmenschen ist.

"In meinem Bücherregal steht „Die Frau und der Sozialismus“ von August Bebel. Bebel war sicher keine gelangweilte Fabrikantengattin."

Es gab schon im 19. Jahrhundert unterschiedliche Gruppierungen in der Frauenbewegung. Frauen aus den untersten Bevölkerungsschichten traf man da jedenfalls so gut wie nie an. Die hatten nämlich genug damit zu tun, für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten.

"Der wirtschaftlich erfolgreichste Teil der Gutmenschenbewegung ist IMHO die Klimabewegung. Was die an Reisen und Forschungskohle abzocken..."

Das ist richtig. Aber da kommt teilweise wenigstens noch etwas Sinnvolles heraus. Wenn man sich auf dem Gebiet der Klimatechnik betätigen will, muß man meist einen richtigen Beruf erlernen oder ein Studium absolvieren. Spätestens dabei bleibt der klassische Gutmensch im Sieb hängen. Gutmenschen findet man da vor allem unter dem Fußvolk, das Demos veranstaltet oder bei Klimakonferenzen randaliert. Die leisten dann natürlich auch nichts Sinnvolles, kriegen dafür aber meist auch kein Geld.

Bei Berufsfeministinnen ist das anders. Da reicht als Qualifikation oft schon das weibliche Geschlecht aus. Wenn's hoch kommt, muß man vielleicht noch ein paar Jahre "Frauenwissenschaften" studieren. Da Logik und Rationalität von Feministinnen mittlerweile auch als "patriarchal" bezeichnet werden, kann man sich ja vorstellen, welches Niveau solch ein Studium hat. Da wird dann garantiert keine GutmenschIn ausgesiebt. Und die Gelder, die an Berufsfeministinnen fließen, werden in weit höheren Maße für Unsinn verplempert, der allenfalls den Berufsfeministinnen selbst und ihren Klientinnen nützt, und manchmal noch nicht einmal denen.

"Du findest, wenn Du Dich einliest (Polentario hat recht brauchbare Links gepostet), bei den CO2-Apokalyptikern alles wieder, was den Feminismus ausmacht. Absurdes Alarmgeschrei auf unhaltbarer Faktenlage, Verschweigen gegenteiliger Erkenntnisse, Verteufeln/Verdächtigen der Mitglieder der wissenschaftlichen Gemeinschaft, die anderer Auffassung sind."

Ich hab leider keine Zeit, mir das alles durchzulesen, aber ich glaube es dir auch so. Ich rege mich auch immer wieder darüber auf, welch Unsinn da oft ohne jegliche wissenschaftliche Grundlage verbreitet wird. Dann wird beispielsweise berichtet, daß ein Fluß einen Pegelstand wie zuletzt vor 80 Jahren erreicht hat, und prompt kommt dann üblicherweise die Bemerkung, daß unser Klima ja völlig verrückt spielen würde, und daß das ja nur durch unsere Umweltverschmutzung möglich wäre und jetzt immer schlimmer werden würde... Zwar hat man ein paar Sätze vorher gerade gesagt, daß es vor 80 Jahren auch schon mal so eine Überschwemmung gegeben hat, aber irgendwie scheint das dann auf einmal gar keine Rolle mehr zu spielen. Auch daß im Mittelalter die durchschnittlichen Temperaturen zeitweise höher waren als heute, interessiert kaum jemanden.

Es hat aber teilweise schon seinen Sinn, daß die Regierungen diesen Kohlendioxid-Fanatikern manchmal nachgeben. Gerade in Deutschland hängt die Wirtschaft ja stark von der Automobilindustrie ab. Wenn nun immer strengere Abgasnormen herausgebracht werden, dann drängt das die Menschen dazu, sich früher neue Autos zu kaufen, um in den Genuß von Steuervergünstigungen zu kommen. Oder zumindest bessere Katalysatoren nachzurüsten. Gleichzeitig hat der Staat einen prima Grund, ältere Autos höher zu besteuern. Das trifft dann oft Menschen, die nur geringe Einkommen haben, sich deshalb kein neues Auto leisten können, aber ohne Auto nicht auskommen.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Unser aller Brett vor dem Kopf

Odin, Saturday, 06.09.2003, 22:53 (vor 8187 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Unser aller Brett vor dem Kopf von Anabasis am 06. September 2003 15:10:49:

Nix mit Wahlkabine! Wenn Du als Mann gefressen hast, das 50% aller Frauen zusammengeschlagen werden, dann hast Du – so Du noch Anstand im Leib hast – Mitleid mit den Frauen. Und nimmst dann auch Einschränkungen in Kauf. Erst, wenn sich das Brett vor dem eigenen Kopf gelöst hat, ändert sich auch das Wahlverhalten!

KORREKT!

Re: Frauen an die Regierung!

Odin, Saturday, 06.09.2003, 22:50 (vor 8187 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Frauen an die Regierung! von Lars am 06. September 2003 14:02:35:

- Das gleiche gilt beim Thema sexueller Mißbrauch. Dies gilt insbesondere in Hinblick auf Kinder. Die meisten Männer kriegen doch mittlerweile die Panik, wenn sie auf der Straße von einem Kind nach der Uhrzeit gefragt werden ("Oje, nicht daß die die anderen Passanten denken ...!")

Wahrscheinlich hätte ich sogar selbst diesen Gedanken noch vor 2 Wochen lachend als Übertreibung eingestuft. Aber vorletztes Wochenende war ich auf einem Markt in Österreich, als ich ein weinendes Kind auf der Straße stehen sah. Ich bin gleich darauf zu und habe gefragt, ob es ihre Eltern verloren hat, dann fragte ich es, aus welcher Richtung es gekommen sei und bin mit ihr in diese Richtung wieder zurück.
Mein erster Impuls war, dem Kind meine Hand zu geben, um ihm Sicherheit zu geben - und natürlich auch, um es in dem Pulk nicht auch noch zu verlieren. Scheiße, dachte ich, ein Single-mann, mit einem Kind an der Hand das die Eltern verloren hat. Das tust Du Dir nicht an! Also bin ich daneben hermarschiert, bis es ihre Mutter erblickt hat und ich bin gleich weiter gegangen.
Ich hab mir schon vorgestellt, was das für ne Diskussion gibt, wenn das Kind erzählt, es sei mit einem Mann zurückspaziert!

Re: Frauen an die Regierung!

Bruno, Sunday, 07.09.2003, 02:19 (vor 8187 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Re: Frauen an die Regierung! von Anabasis am 06. September 2003 11:21:52:

Egal, mit wem Du spricht – Alle sind der Überzeugung, dass Frauen 70% des Lohnes eines Mannes kriegen. Zwar wird in diesen Statistiken der Chefarzt mit der Krankenschwester in eine Kategorie gesteckt und die kaufmännische Leiterin mit dem technischen Leiter verglichen, aber diese Feinheiten sind eher unbekannt.
Sexueller Missbrauch
Wenn Mutti den Penis von Klein-Sohnemann wäscht, dann wird das als Fürsorge wahrgenommen. Wenn Vati die Scheide von Klein-Tochterfrau wäscht, wird dass als sexueller Missbrauch wahrgenommen.
usw. usw.
Gruß Anabasis

...und egal, wen du fragst, alle meinen Frauen hätten die höhere Arbeitslosenquote.

Gruß

Bruno

Feministische Lügen mit Statistiken - die 328 (oder wie ist der aktuelle Stand?)

Anabasis, Sunday, 07.09.2003, 12:41 (vor 8187 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Re: Frauen an die Regierung! von Bruno am 06. September 2003 23:19:04:

Hallo Bruno,

...und egal, wen du fragst, alle meinen Frauen hätten die höhere Arbeitslosenquote.

Die Statistiken werden regelmäßig veröffentlicht. Also ist klar, dass mehr Männer arbeitslos sind.

Baden-Würtemberg:
Arbeitslose Männer 2002: 53,9%
Arbeitslose Frauen 2002: 46,1%

Und jetzt kommt die Preisfrage - wie begründest Du als Margit Haupt-Koopmann, Vizepräsidentin vom Landesarbeitsamt Baden-Württemberg, dass weiter nur Frauen gefördert werden sollen?

Richtige Lösung:
"Frauen seien im Durchschnitt zwar geringer von Arbeitslosigkeit betroffen als Männer. Verlören sie aber ihren Job, dauere es bis zu einer Neueinstellung wesentlich länger."

Als ausgebuffte Feministin verschweigst Du folgendes:
Jede Frau, die keine Lust hat zu arbeiten, und lieber Männe in die Firma schickt, ist als arbeitslos gemeldet, um ihre Rentenansprüche aufzustocken. Sprich mal mit Arbeitsvermittlern: "Ja, ich will sooo gerne Vollzeit arbeiten, aber Dienstags muss ich die Kleine um 14.00 Uhr zum Kurs bringen, Donnerstag-Vormittag habe ich Kur-Nachbehandlung". Hätten Sie nichts passendes für mich?

Clement will ja die Arbeitslosenstatistiken bereinigen ([link=http://www.netzeitung.de/arbeitundberuf/250386.html" target="_top]http://www.netzeitung.de/arbeitundberuf/250386.html[/link] und [link=http://www.freenet.de/freenet/kontrovers/specials/wirtschaft/statistik/" target="_top]http://www.freenet.de/freenet/kontrovers/specials/wirtschaft/statistik/[/link]). Insbesondere sollen nur noch echt vermittelbare geführt werden. Mal sehen, mit welcher Begründung renten-anwartschafts-arbeitslose Muttis weiterhin in der Statistik bleiben.

Link zum Thema im M&M-Forum: [link=http://f27.parsimony.net/forum66387/messages/8591.htm" target="_top]http://f27.parsimony.net/forum66387/messages/8591.htm[/link].
Kleiner Tipp - wenn Du die URL zum Arbeitsamt BW verfolgst und Dir das Frauenkapitel ansiehst, dann ist der Sonntag hinüber. Aber sie warnen ja ausdrücklich:
Titel: Frauen und Männer am Arbeitsmarkt, Baden-Württemberg
Inhalt: Art und Struktur der Beschäftigung in Baden-Württemberg, Entwicklung und Struktur der Frauenarbeitslosigkeit

Gruß Anabasis

Re: Feministische Lügen mit Statistiken - die 328 (oder wie ist der aktuelle Stand?)

Lars, Sunday, 07.09.2003, 17:58 (vor 8186 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Feministische Lügen mit Statistiken - die 328 (oder wie ist der aktuelle Stand?) von Anabasis am 07. September 2003 09:41:40:

Daß die höhere Arbeitslosigkeit von Männern in der öffentlichen Debatte nicht erwähnt wird, ist in der Tat ein Skandal.

Über Clemens Arbeits-Statisktik-Reform würde ich jedoch nicht jubeln. Nach seinen Plänen sollen auch Leute, die weniger als 15 Stunden pro Woche arbeiten bereits aus der Statistik rausfliegen (als ob jemand mit einem 15-Stunden-Job, von seinem Erwerbseinkommen leben könnte). Das ist doch Schönfärberei, nach dem Motto: Wenn wir die Arbeitslosen schon nicht von der Straße kriegen, wollen wir sie zumindest raus aus der Statistik kriegen! Probleme nicht lösen, sondern einfach wegdefinieren!

Vor ein paar Jahren, während meiner Abi-Zeit meinte ein Radikaliski aus meinem Jahrgang: "Pass auf, wenn das so weiter geht, werden die anfangen, die Arbeitslosenstatistiken zu manipulieren!" Damals kam mir das etwas verschwörungstheoretisch vor ...

Re: Feministische Lügen mit Statistiken - die 328 (oder wie ist der aktuelle Stand?)

Bruno, Tuesday, 09.09.2003, 02:41 (vor 8185 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Feministische Lügen mit Statistiken - die 328 (oder wie ist der aktuelle Stand?) von Anabasis am 07. September 2003 09:41:40:

Hallo Anabasis

Die Statistiken werden regelmäßig veröffentlicht. Also ist klar, dass mehr Männer arbeitslos sind.
Baden-Würtemberg:
Arbeitslose Männer 2002: 53,9%
Arbeitslose Frauen 2002: 46,1%

Link zum Thema im M&M-Forum: http://f27.parsimony.net/forum66387/messages/8591.htm.

...Danke für den Tipp. Die Beiträge sind aber von mir.

Übrigens. Mit der Bundesanstalt für Arbeit und dem Landesarbeitsamt habe ich schon Briefkontakt gehabt. Die um 43% höhere männliche Jugensarbeitslosenquote und die ingesamt um etwa 20% höhere Arbeitslosenquote der Männer insgesamt wird nicht als Benachteiligung der Männer angesehen!

Tja, so ist das mit der Chancengleichheitspolitik. Man sucht sich nur die Benachteiligungsfelder der Frauen heraus und grenzt die Benachteiligungsfelder der Männer aus und schon wird aus Gender Mainstreaming Frauenförderung Teil 2.

Gruß

Bruno

Re: Feministische Lügen mit Statistiken - die 328 (oder wie ist der aktuelle Stand?)

Anabasis, Tuesday, 09.09.2003, 11:56 (vor 8185 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Re: Feministische Lügen mit Statistiken - die 328 (oder wie ist der aktuelle Stand?) von Bruno am 08. September 2003 23:41:12:

Hallo Bruno,

...Danke für den Tipp. Die Beiträge sind aber von mir.

Klar.

Übrigens. Mit der Bundesanstalt für Arbeit und dem Landesarbeitsamt habe ich schon Briefkontakt gehabt. Die um 43% höhere männliche Jugensarbeitslosenquote und die ingesamt um etwa 20% höhere Arbeitslosenquote der Männer insgesamt wird nicht als Benachteiligung der Männer angesehen!

Hab's verfolgt! Gute Aktion!

Man sucht sich nur die Benachteiligungsfelder der Frauen heraus und grenzt die Benachteiligungsfelder der Männer aus

So isses!

Gruß Anabasis

Re: Frauen an die Regierung!

Odin, Saturday, 06.09.2003, 16:42 (vor 8188 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Frauen an die Regierung! von Lars am 05. September 2003 23:53:08:

Oder meinst Du nicht, daß die Parteien schon längst SpitzenkandidatINNEN aufgestellt hätten, wenn ihre Analysten Grund zu der Annahme hätten, daß das der männlichen Bevölkerung egal wäre (bei den Frauen käme es ja auf jeden Fall gut an)?

Irgendwie hoffe ich noch immer, daß bei den Parteien die QUALITÄT der Arbeit einzelner Kandidaten den Ausschlag gibt, und nicht das Geschlecht oder wahltaktische Überlegungen.
Insofern wäre es für mich zweitrangig, ob der Bundeskanzler und der Bundespräsident weiblich oder männlich sind. Es käme darauf an, ob ich finde, daß er oder sie gute Arbeit leistet.
Bundespräsident ist da nicht so wichtig, aber ich könnte mir nie eine Kanzlerin Merkl vorstellen. Die ist noch nicht mal eine gute Oppositionsführerin - und als Ministerin war sie, naja....

Re: Frauen an die Regierung!

Bruno, Sunday, 07.09.2003, 02:16 (vor 8187 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Frauen an die Regierung! von Lars am 05. September 2003 23:53:08:

Hallo Lars,

Daß Feminismus in den Medien "in" ist und sich kaum ein Mann traut, sich demgegenüber kritisch zu äußern, ist eine Sache; was die schweigende Mehrheit der Männer denkt/ahnt/empfindet ist eine andere Sache. Und solche unterschwelligen Stimmungen spielen bei der Wahlentscheidung sehr wohl mit rein. Oder meinst Du nicht, daß die Parteien schon längst SpitzenkandidatINNEN aufgestellt hätten, wenn ihre Analysten Grund zu der Annahme hätten, daß das der männlichen Bevölkerung egal wäre (bei den Frauen käme es ja auf jeden Fall gut an)?

...das will ich gerne glauben, aber ist es wirklich so? Vielleicht werden nur deshalb nicht nur SpitzenkanditatINNen aufgestellt, weil die männlichen Politiker auch nach Macht streben und sich die Butter nicht so einfach vom Brot nehmen lassen.

Meinst Du nicht, daß allein schon der vage Eindruck oder das Gerücht, die Regierungschefin bewege sich in eine männerfeindliche Richtung, ausreicht, daß bei der nächsten Wahl ganz schnell ein paar fest einkalkulierte Prozent CDU- bzw. SPD-Stammwählerstimmen fehlen und damait die Regierungsmehrheit futsch ist? Kanzlerkandidatinnen werden (anders als partei-interne Frauenpolitikerinnen!) um ihrer Karriere wegen bedenken müssen, daß die Wählerschaft beider Volksparteien ist zur guten Hälfte männlich ist!

...Das Problem ist, es gibt keine Alternative. Wo die Konkurenz fehlt, gibt es auch keine Wahlmöglichkeit. Beide große Parteien haben ihren Frauenklüngel. Sie doch mal die Familienpolitik. Vom EuGH wird regelmäßig festgestellt, dass in Deutschland Väter diskriminiert werden. Das stört die Familienministeriun nicht. PISA zeigte, was die meisten vorher auch schon sahen, nämlich dass die Jungen die großen Verlierer der Bildungspolitik sind. Aber es gibt nur mädchenspezifische Bildungsprogramme, keine für Jungen. Hat man eine Politikerin oder einen Politiker gesehen, die/der das schlechtere Bildungsniveau beklagt hat? Nein, im Gegenteil. Alle sind stolz darauf. Gut, die political correctness verbietet offen zu sagen, das man/frau für Jungen diskriminierende Politik ist. Aber sie ist heute Gang und gebe.

Glaub mir, ich würde deiner Theorie gerne glauben, aber ich kann dafür kaum Anhaltspunkte sehen. Aber vielleicht bin ich nur ein zu großer Pessimist. Vielleicht aber doch ein Realist.

Wir müssen uns mehr wehren oder noch besser selber aktiv werden. Nur wir selbst können uns helfen.

Gruß

Bruno

Re: Frauen an die Regierung!

Garfield, Tuesday, 09.09.2003, 17:56 (vor 8184 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Frauen an die Regierung! von Lars am 05. September 2003 23:53:08:

Hallo Lars!

"Oder meinst Du nicht, daß die Parteien schon längst SpitzenkandidatINNEN aufgestellt hätten, wenn ihre Analysten Grund zu der Annahme hätten, daß das der männlichen Bevölkerung egal wäre (bei den Frauen käme es ja auf jeden Fall gut an)?"

Ich glaube, das größte Hindernis für eine Bundeskanzlerin wären gar nicht die Männer, sondern viel mehr die Frauen. Umfragen ergeben immer wieder, daß eine erstaunlich hohe Zahl von Frauen bei Wahlen männliche Kandidaten bevorzugt.

Ich kann mir dafür mehrere Gründe vorstellen, vor allem den Neid und die Mißgunst, die man oft unter Frauen feststellt. Das ist ja auch der Grund, wieso es in einigen Zahnpasta-Werbespots schon seit Jahrzehnten die berühmte Zahnarztfrau gibt, während die von Feministinnen vehement geforderte Zahnärztin schnell wieder aus den Werbespots verschwunden ist.

Dabei denken sich die Produzenten solcher Werbespots nämlich sehr wohl etwas. Die analysieren genauestens, wie ihre Werbe-Konzepte auf potenzielle Kunden wirken. Zahnpasta wird öfter von Frauen als von Männern gekauft. Wenn nun eine Hausfrau, die es vielleicht noch nicht einmal für nötig gehalten hat, einen Beruf zu erlernen und ein paar Stunden pro Woche im Supermarkt um die Ecke Regale einräumt, in solch einem Werbespot eine Zahnärztin sieht, dann kommt dieser Neid eben auch hoch. Neid ist eine negative Emotion, Werbespots sollen aber möglichst nur positive Assoziationen wecken. Also verzichtet man lieber auf die Zahnärztin und zeigt stattdessen eine Zahnarztfrau, mit der sich auch jede Hausfrau identifizieren kann.

Schon Dorothea Leporin fiel im 18. Jahrhundert auf, daß gerade Frauen - vor allem, wenn sie selbst sehr ungebildet waren - häufig versuchten, andere Frauen daran zu hindern, sich zu bilden. Der Grund dafür war eben auch wieder dieser Neid unter Frauen.

Und ich denke, daß das wirklich der wesentliche Grund dafür ist, daß wir immer noch keine Bundeskanzlerin haben. Denn genügend männliche Wähler würde eine Kandidatin für dieses Amt finden. Es waren schon immer vor allem die Männer, die die Frauenbewegung unterstützt und überhaupt erst ermöglicht haben.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Frauen an die Regierung!

Ferdi, Saturday, 06.09.2003, 14:44 (vor 8188 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Re: Frauen an die Regierung! von Bruno am 05. September 2003 22:49:20:

Hallo!

Zwar haben wir offiziell und auf dem Papier eine Demokratie, aber inzwischen hat sich die einmal gewählte Regierungsclique so fest eingenistet, dass sie auch mit freien Wahlen nicht mehr so ohne weiteres auszuwechseln ist. Der männliche Wähler hat doch nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Der Staatsfeminismus hat sich in eine Maschine verwandelt, in der sämtliche Regelmechanismen versagen oder absichtlich ausgeschaltet oder überbrückt wurden. Versuche, diese Maschine noch zu bremsen, versagen. Man versuche mal, einen durchdrehenden, ausser Kontrolle geratenen Motor mit den Händen anzuhalten. Er wird die Finger abhacken und sich weiter und weiter drehen. Bis - ja bis irgendein heller Kopf mal endlich auf die Idee kommt, einfach den Netzstecker zu ziehen. Dann bleibt der unselige Moloch endlich knirschend stehen und kann verschrottet und durch etwas besseres ersetzt werden.

Die Energie dieser durchdrehenden Maschine kommt nämlich von uns, von den Männern. Wir haben den Netzstekcer in der Hand. Aber wir ziehen ihn nicht! Warum nicht?

Gruss,
Ferdi

Re: Frauen an die Regierung!

Bruno, Sunday, 07.09.2003, 02:25 (vor 8187 Tagen) @ Ferdi

Als Antwort auf: Re: Frauen an die Regierung! von Ferdi am 06. September 2003 11:44:38:

Die Energie dieser durchdrehenden Maschine kommt nämlich von uns, von den Männern. Wir haben den Netzstekcer in der Hand. Aber wir ziehen ihn nicht! Warum nicht?
Gruss,
Ferdi

Hallo Ferdi,

ich glaube, dem Mann wird keine Verletzbarkeit zugestanden. Nicht von den Frauen, aber auch nicht von den Männern.

Klagen, jammern, zu erkennen, benachteiligt zu sein, macht vielen Männern mehr Angst, als die Benachteiligungen ertragen zu müssen.

Gruß

Bruno

Re: Frauen an die Regierung!

Anabasis, Saturday, 06.09.2003, 16:40 (vor 8188 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Re: Frauen an die Regierung! von Bruno am 05. September 2003 22:49:20:

Hallo Bruno,

Ich bin seit etwa einem dreiviertel Jahr intensiv mit dem Thema beschäftigt und habe schon viel persönliche oder schriftliche Korrespondenz mit Frauenpolitikerinnen bzw. weiblichen Politikerinnen geführt. So traurig es auch ist. Wenn Frauen in einem politischen Amt sind, setzen sie sich vorwiegend nur für Fraueninteressen ein. Egal was für eine Partei man auch nimmt. Die Frauenpolitikerinnen der einzelnen Parteien unterscheiden sich nur darin, wie sie es rüber bringen. Von brutal hart bis charmant sensibel. Aber die Aussage ist immer die gleiche: Wir kümmern uns nur um Frauen. Die Motive sind manchmal so simpel wie schockierend. Da haben manche, wenn man sie aus der Reserve gelockt hat, schon mal zugegeben, dass die Benachteiligungspolitik von Männern aus Gründen des Revanchismusses gerechtfertigt wird ("Jetzt sind wir mal dran"). Aber auch Politikerinnen, die vielleicht Gleichberechtigung wollen, können nicht wie sie wollen. Zum einen kommen sie aus der Frauenpolitik (Frauenunion bei der CDU bzw. ASF bei der SPD; die Grünen sind ohnehin eine Frauenpartei, die mit Männerdiskriminierung explizit Wahlwerbung macht) und sind somit nur auf Benachteiligungsfelder von Frauen sensibilisiert oder die Frauenfrauen der eigenen Partei würde ihr die Hölle heiß machen, wenn sie nicht noch bessere Männerdiskriminierungen durchsetzt.

Ich finde es toll, dass Du so engagiert bist!

Gruß Anabasis

Re: Frauen an die Regierung!

Andreas (der andere), Saturday, 06.09.2003, 01:54 (vor 8188 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Frauen an die Regierung! von Lars am 05. September 2003 20:08:09:

Klingt nach 'ner hervorragenden Strategie - wie stellen wir's jetzt an?

Freundliche Grüße, Andreas

Re: Frauen an die Regierung!

Maesi, Saturday, 13.09.2003, 14:01 (vor 8181 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Frauen an die Regierung! von Lars am 05. September 2003 20:08:09:

Hallo Lars

Warum?

Ja, warum? Ich bin gespannt, auf Deine Argumentation...

Es ist doch so, daß PolitikerINNEN fast immer nur als partei-interne Frauenvertreterinnen oder als der Öffentlichkeit kaum bekannte Ministerinnen und Staatssekretärinnen Karriere machen, fast nie jedoch als Regierungschefinnen (auf Regional- oder nationaler Ebene) oder Volkspartei-Chefinnen machen.

Es ist so, dass weibliche Politiker sich in bestimmten Bereichen der Politik tummeln (Sozialbereich, Bildung und Erziehung, Umwelt etc.) waehrend sie in anderen Bereichen selten bis nie in Erscheinung treten (Wirtschaft, Aussenpolitik, innere und aeussere Sicherheit etc.).

Ich behaupte nun, daß letzteres nur vordergründig einen weiteren Sieg der Feministinnen darstellen würde. Hießen die Kanzlerkandidatinnen 2006 Renate Schmidt (SPD) und Angelika Merkel (CDU), dann würden zwar bei deren Nominierung in der "Emma"-Redaktion die Sekt-Korken knallen, aber anschließend werden wir überrascht einen Wahlkampf erleben, in dem das "Frauengedöns" (Schröder *g*) auf einmal eine viel geringere Rolle spielt als noch 1998 und 2002!

Das Geschlecht von Kanzlerkandidaten ist im Grunde genommen nebensaechlich. Weder von Renate Schmidt noch von Angela Merkel wuerde ich behaupten, dass es sich um Feministinnen im engeren Sinn handelt; sie sind hoechstens auf bestimmten Gebieten feministisch indoktriniert (wie etwa auch 95% der restlichen Politiker). Deshalb handelte es sich bei einer allfaelligen Wahl einer dieser beiden Frauen wohl kaum um einen feministischen Sieg.

Beide Politikerinne wüßten:
- Sie werden nun von der GESAMTEN Bevölkerung aufmerksam beobachtet und brauchen Stimmen aus der weiblichen UND männlichen Bevölkerung (ganz anders als die bisherigen partei-internen Frauen-Politikerinnen!)

Das gilt fuer jeden Kanzlerkandidaten...

- Nun, da dem Symbolfeminismus genüge getan ist, werden die WählerINNEN ihre Entscheidung entlang ihrer allgemeinpolitischen Parteienpräferenzen treffen;

Die Stammwaehler tun das sowieso; die Wechselwaehler werden wohl einzuschaetzen versuchen, wessen Wahlversprechen realistisch sind und nach diesen Kriterien waehlen...

- die WählER dagegen wären angesichts der erstmaligen Wahl zwischen zwei Kanzerlerkandidatinnen irritiert bis alarmiert, und werden feministische Untertöne im Wahlkampf nicht mehr so gelassen überhören wie bisher.

Mag sein. Halte ich jedoch eher fuer unwahrscheinlich, denn bei Geschaeften im Bundestag, in denen massiv sexistische Toene angeschlagen werden (z.B. GewSchG) hat kein Mensch darauf reagiert. Weshalb sollte das bei einer Wahl im Falle von laengst nicht so offensichtlichen 'feministischen Untertoenen' wesentlich anders sein?

D. h. sowohl Schmidt als auch Merkel werden peinlichst bemüht sein, kein "Männerhasserin"-Image zu kriegen und ggf. sogar feministische Eifererinnen aus den eigenen Reihen zurückpfeiffen! Das gleiche gilt nach der Wahl auch für die Regierungspolitik. Keine Regierungschefin kann es sich leisten von der männlichen Hälfte der Bevölkerung als "Kanzerlin der Frauen" wahrgenommen zu werden. - Das sind Grundmechanismen der parlamentarischen Demokratie, an denen (solange es das geheime Wahlrecht gibt) keine noch so große feministische Medienmacht etwas ändern kann.

Obwohl sich der Feminismus haeufig als hochpolitisch ausgibt, besetzen seine Juengerinnen in der Praxis erstaunlicherweise (oder vielmehr bezeichnenderweise) selten politische Mandate. Der Feminismus versucht vielmehr mittels aktiver Lobbyarbeit Politiker in bestimmten Bereichen in ihrem Sinne zu beeinflussen; auf etlichen Gebieten war und ist er sehr erfolgreich darin. Desweiteren setzt der Feminismus sehr stark auf die Buerokratie; das sieht man(n) etwa daran, dass buerokratische Stellen geschaffen werden (z.B. Gleichstellungsbeauftragte), die im Stil von 'politischen Kommissaren' die Umsetzung ihrer Vorstellungen von Feminismus in staatlichen Organen initiieren und ueberwachen. Auch Gender-Mainstreaming ist ein (noch zu verwirklichendes) buerokratisches Vehikel, welches von Feministinnen weitgehend vereinnahmt wurde.

Moderne Politiker lassen sich ausserdem sehr oft von Experten beraten, bzw. Experten werden eingesetzt, um Stelleninhaber von staatlichen Organen (z.B. Richter, Polizisten, Verwaltungsbeamte) aus- und weiterzubilden; in bestimmten Bereichen ist es Feministinnen gelungen, ihre 'Experten' erfolgreich zu installieren (z.B. haeusliche Gewalt, Geschlechterpolitik, Bildungs- und Erziehungswesen), um dadurch die staatlichen Organe in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Sowohl in der Buerokratie eingebettete Funktionaere als auch 'Experten' entziehen sich weitgehend dem demokratischen System. Sie werden nicht gewaehlt sondern eingestellt oder berufen, und normalerweise bleiben sie auch bei einem Regierungswechsel weiterhin im Amt. Der Durchschnittspolitiker, ausgestattet mit einem politischen Amt, neigt normalerweise nicht dazu, funktionierende buerokratische Systeme anzutasten, da er auf deren Mitarbeit dringend angewiesen ist; er wechselt hoechstens einige wenige Chefbeamte aus. Als Alternative muesste er naemlich erhebliche Teile der herrschenden Buerokratie zumindest auf den hoeheren und mittleren Ebenen mit neuen loyalen Mitarbeitern besetzen oder teilweise gar abschaffen. Das ist, insbesondere bei einer gut ausgebauten staatlichen Buerokratie, nahezu unmoeglich, ohne den Staat in eine tiefe Krise zu stuerzen; davon abgesehen waeren gar nicht genuegend neue Mitarbeiter vorhanden.

Ausserdem sind die feministischen Funktionaerinnen fuer den Durchschnittsbuerger sehr schwer fassbar; letzterer hat normalerweise keinen direkten Kontakt zu ihnen sondern hoechstens zu den von ihnen 'ausgebildeten' oder 'gesteuerten' politischen und buerokratischen Organen (beispielsweise in Form von feministisch indoktrinierten Richtern, Jugendamtsmitarbeitern oder Polizeibeamten, oder im OeD mit Vorgesetzten, denen feministische Planziele aufgedrueckt werden). Wir haben es hier also mit 'Grauen Eminenzen' zu tun, die zwar innerhalb des buerokratischen Systems, normalerweise aber ausserhalb der ordentlichen buerokratischen Hierarchie in direkt der obersten Fuehrungsebene unterstellten Stabsstellen die Faeden ziehen und dadurch eine erhebliche Machtposition besitzen ohne dafuer jedoch die entsprechende Verantwortung uebernehmen zu muessen. Der durchschnittliche Chefbeamte oder gar einfache Mitarbeiter wird sich deshalb hueten, sich mit diesen Funktionaerinnen anzulegen.

Meine Theorie: So wie die parlamentarische Demokratie die Frauenemanzipation nach sich gezogen hat, so wird sie langfristig aber auch dem Radikalfeminismus einen Riegel vorschieben.

Sofern eingefleischte Feministinnen fuer den Waehler erkennbar politische Aemter besetzen wuerden, waere das vielleicht (und wirklich nur vielleicht) richtig. Da der real existierende Feminismus jedoch mehrheitlich in der vom Waehler nicht direkt beeinflussbaren und noch schwerer durchschaubaren Buerokratie manifest ist (und auch dort nur in bestimmten Bereichen), faellt Deine Theorie in sich zusammen.

Die IMHO einzige gangbare Alternative ist vielmehr der beruechtigte Marsch durch die Institutionen (=Buerokratie), den ja auch der Feminismus selbst vor ueber 30 Jahren angetreten hat. Selbst dann ist es aber eine Sache von 10 - 20 Jahren, bis sich wesentliches aendern wird.

Fazit: ob der Kanzlerkandidat maennlich oder weiblich ist, ist letzten Endes wohl nebensaechlich (so sollte es in einer wirklich gleichberechtigten Gesellschaft ja auch sein). Das Anforderungsprofil erfordert auf jeden Fall einen eher gemaessigten Kandidaten (egal welcher Partei), extremistische Kandidaten haetten schon in den parteiinternen Ausmarchungen im Vorfeld wenig Chancen zum offiziellen Kanzlerkandidaten gekuert zu werden. Insofern glaube ich nicht, dass eine Kanzlerkandidatin besonders feministisch auftraete. Damit wuerde sich wohl noch nicht einmal Dein Wunsch nicht erfuellen, dem Waehler wuerden die Augen ueber Politiker feministischer Praegung endlich die Augen geoeffnet , aufgrund feministischer Toene in deren Wahlkampf. Ausserdem ist der Waehler punkto feministisch-maennerfeindlicher Propaganda schon einiges gewoehnt und ignoriert sie gefliessentlich.

Gruss

Maesi

Re: Frauen an die Regierung!

Manfred, Sunday, 14.09.2003, 14:58 (vor 8180 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Frauen an die Regierung! von Lars am 05. September 2003 20:08:09:

Warum?
Es ist doch so, daß PolitikerINNEN fast immer nur als partei-interne Frauenvertreterinnen oder als der Öffentlichkeit kaum bekannte Ministerinnen und Staatssekretärinnen Karriere machen, fast nie jedoch als Regierungschefinnen (auf Regional- oder nationaler Ebene) oder Volkspartei-Chefinnen machen.

Im Moment sage ich dazu: Zum Glück!

...anschließend werden wir überrascht einen Wahlkampf erleben, in dem das "Frauengedöns" (Schröder *g*) auf einmal eine viel geringere Rolle spielt als noch 1998 und 2002! Denn:
Beide Politikerinne wüßten:
- Sie werden nun von der GESAMTEN Bevölkerung aufmerksam beobachtet und brauchen Stimmen aus der weiblichen UND männlichen Bevölkerung (ganz anders als die bisherigen partei-internen Frauen-Politikerinnen!)

Dem stimme ich insgesamt nicht zu, weil das auf die männlichen Regierungsschefs genauso zutreffen sollte. Auch sie werden von beiden Seiten der Bevölkerung beobachtet. Sicher, eine weibliche Regierungsschefin die sich ausschließlich als eingeschleuste Emanze profiliert tut sich vermutlich keinen Gefallen. Aber sie kann immer noch ihren weiblichen Gefolgsleuten im Kabinett den Weg ebnen. Die "Frauen fürs Grobe" haben dann vollends freie Hand.

- Nun, da dem Symbolfeminismus genüge getan ist, werden die WählerINNEN ihre Entscheidung entlang ihrer allgemeinpolitischen Parteienpräferenzen treffen;

Warum sollten sie sich mit Symbolfeminismus begnügen, solange es einfach und gesellschaftskonform erscheint immer noch mehr zu fordern und der Realfeminismus das Schlaraffenland für Frauen verspricht?

- die WählER dagegen wären angesichts der erstmaligen Wahl zwischen zwei Kanzerlerkandidatinnen irritiert bis alarmiert, und werden feministische Untertöne im Wahlkampf nicht mehr so gelassen überhören wie bisher.

diese Sorte Wähler schätze ich zahlenmäßig ziemlich unbedeutend ein

D. h. sowohl Schmidt als auch Merkel werden peinlichst bemüht sein, kein "Männerhasserin"-Image zu kriegen und ggf. sogar feministische Eifererinnen aus den eigenen Reihen zurückpfeiffen!

Diesen Effekt mags geben, aber ich schreibe ihm bestenfalls marginale Wirkung zu.

Das gleiche gilt nach der Wahl auch für die Regierungspolitik. Keine Regierungschefin kann es sich leisten von der männlichen Hälfte der Bevölkerung als "Kanzerlin der Frauen" wahrgenommen zu werden.

Und ich sage (ungern): sie kann! Wenigstens für einen unakzeptabel langen Zeitraum.

- Das sind Grundmechanismen der parlamentarischen Demokratie, an denen (solange es das geheime Wahlrecht gibt) keine noch so große feministische Medienmacht etwas ändern kann.
Meine Theorie: So wie die parlamentarische Demokratie die Frauenemanzipation nach sich gezogen hat, so wird sie langfristig aber auch dem Radikalfeminismus einen Riegel vorschieben.

Jetzt kommen wir zum Kern, lieber Lars. Ich würde das gerne glauben, aber alle deine Überlegungen beruhen auf einer hinreichend starken "selbstreinigenden" Kraft (ich meine damit die Fähigkeit, Entscheidungen weitgehend aus rationalen Erwägungen heraus zu fällen, auch wenn erst eine Hürde der Unbequemlichkeit genommen werden muß) die ich derzeit nicht in ausreichendem Maße erkennen kann.
Die Entscheidungsmechanismen sind zu sehr von Emotionen geprägt. diese wiederum sind extrem den Medien und dem Zeitgeist unterworfen, viel zu wenig eigenen logischen Gedankengängen. Ein gut gemachter Fernsehauftritt, eine gelungene Kampagne hat doch heutzutage schon beinahe
gehirnwäscheähnliche Wirkung. Das Recht zu meckern gibt uns das Gefühl tief in die Demokratie eingebunden zu sein, in wirklichkeit aber geht es uns materiell immer noch relativ gut, der Leidensdruck der Masse ist gering und immer noch in die materielle Richtung kanalisierbar (Gib den Deutschen 15% mehn Geld netto und alles ist für 15 jahre ok) Komplexere politische Überlegungen lösen nur Abneigung und Langeweile aus, nach wie vor wollen die meisten von der Regierung "geführt" werden. Man verläßt sich darauf, die Richtung des Führens werde schon stimmen. Der Bedarf nach Korrekturmaßnamhen in der Bevölkerung erschöpft sich schnell in den unmittelbar spürbaren leicht artikulierbaren Werten - Arbeitsplätze, Gesundheit etc.

Schöne Grüße,
Manfred

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