Buchhinweis
Kein richtiger "Tip", weil ich das Buch selbst nicht kenne, ich fand aber die Beschreibung interessant und falls es jemand im Buchladen liegen sieht, kann er ja mal reinschauen:
Regina Mahlmann: Was verstehst Du unter Liebe? Ideale und Konflikte von der Frühromantik bis heute.
Kommentar von Sylvia Meise:
"Sie beginnt mit dem 18. Jahrhundert, in dem, so scheint es, mit der Frühromantik die Liebe erfunden wurde. Die Liebesheirat löste den Pragmatisch eingegangenen Interessenverbund ab. Es war aber auch der Beginn der Individualisierung. Heute vermerkt Mahlmann, treiben Individualismus und Eigeninteresse wiederum die Zweckehe voran . Das 19. Jahrhundert dient in der Rückschau als bizarre Rumpelkammer von Beziehungs- und Geschlechterverständnis. Kaum zu glauben, daß die Zuweisung dessen, was Mann - und was Frausein heißt, so jung ist. Das bürgerliche Ideal der Hausfrau - die nur noch für Kinder und Haus zuständig war - erstickte die bis dahin selbstverständliche Souveränität und Autorität der Frauen (Anm: und wann war dann wieder gleich das Patriarchat?). Das wirkte sich auch auf das Liebesleben aus: Frauen wurden zu Gefühlsmenschen (und dem Mann untertan) gemacht und MÄnner zu Managern der Außenwelt. Wie Autoren - und Autorinnen! - der zeitgenössischen Ratgeberliteratur die Frauen so unwidersprochen in Dummerchen verwandeln konnten, bleibt ein Geheimnis.
Nachlesen aber lohnt sich, und sei es nur, um zu staunen, welchen Ballast man mit sich herumträgt. Etwa aus dem Standardwerk Knigges aus dem Jahr 1788, in dem er riet, dem Mann bloß keinen Verdruss zu bereiten. Hermann Klencke forderte fast 100 Jahre später die Männer zur Kommunikationsverweigerung auf. Bei Schwierigkeiten im Sexualleben sprach er die Frau schuldig, wegen des ständigen Wechsels von 'Eigensinn und Willigkeit, mit der sie einen Gatten grausam plagen kann, sodaß ihr eine Liebkosung abgezwungen werden muß.' Da erscheint die Empörung der Frauenbewegung in neuem Licht."
Ich weiß nicht, in welchem Licht es Frau Meise erscheint, mir zeigt der Satz jedenfalls, daß schon vor 100 Jahren die Männer langsam die Schnauze voll von den Unpäßlichkeiten der Frauen hatten.
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- Buchhinweis -
Odin,
05.09.2003, 01:49
- Re: Buchhinweis - Lars, 05.09.2003, 02:05